[0001] Die Erfindung betrifft eine Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial sowie ein Betriebsverfahren
einer wie in dieser Anmeldung beschriebenen Anlage.
[0002] Bisher wird bei der Verarbeitung von Fasermaterial das Fasermaterial durch einen
Refiner zerfasert und danach mit viel Dampf aus dem Refiner ausgetragen, wobei der
viele Dampf einen Transport des zerfaserten Fasermaterials als Fasermaterial-Dampf-Mischung
aus dem Refiner heraus zu einem Faserabscheider zumindest unterstützt. Danach kann
das zerfaserte Fasermaterial durch den Faserabscheider aus der Fasermaterial-Dampf-Mischung
abgeschieden werden, und Dampf kann über einen Dampf-Auslass des Faserabscheiders
aus diesem ausgebracht werden. Eine solche Vorrichtung ist z.B. aus der
WO 2015/014451 A1 bekannt.
[0003] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial zu schaffen,
die zu ihrem Betrieb weniger Energie erfordert, sowie ein Betriebsverfahren für eine
solche Anlage und eine Verwendung einer solchen Anlage bzw. eines solchen Betriebsverfahrens.
[0004] Hierzu stellt die Erfindung eine Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial gemäß dem
Anspruch 1 sowie ein Betriebsverfahren gemäß dem Anspruch 12, eine Verwendung gemäß
dem Anspruch 14 und eine Verwendung gemäß dem Anspruch 15 bereit. Vorteilhafte Weiterbildungen
der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen beschrieben.
[0005] Durch die Dampf-Rückführ-Leitung und die in der Dampfrückführschleife angeordnete
Pumpenvorrichtung kann Dampf aus dem Dampf-Auslass des Faserabscheiders zur Refiner-Anschlussstelle
der Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung rückgeführt werden. Dies ermöglicht
u.a. eine verbesserte (z.B. energiesparende und/oder ressourcenschonende) Unterstützung
eines Transports der Fasermaterial-Dampf-Mischung aus dem Refiner auch für Fälle,
bei denen wenig Dampf im Refiner entsteht, weil weniger Reibungswärme im Zerfaserungsvorgang
entsteht. Dies betrifft zum Beispiel einen Einsatz bei Recycling von mitteldichten
Holzfaserplatten (MDF-Platten) in Form von Post-Konsumenten-Abfall-Fasermaterial,
weil bei Einsatz von MDF-Platten als Rohmaterial das Fasermaterial in einem Prozesszustand
vor dem Refiner nicht so verdichtet ist wie bei Rohmaterial auf Vollholzbasis oder
anderes Holzrohmaterial, das zum ersten Mal zerfasert wird, und folglich weniger Energie
in einem MDF-Platten-Recycling-Verfahren bei der Zerfaserung des Rohmaterials benötigt
wird im Vergleich zum Zerfasern von Material, das zuvor noch nicht zerfasert wurde.
Wenn weniger Energie benötigt ist, dann entsteht weniger Reibungswärme, und somit
auch weniger Dampf im Refiner, der die Fasermaterial-Dampf-Mischung aus dem Refiner
heraus transportieren könnte. Folglich kann der zum Refiner rückgeführte Dampf den
Transport des Fasermaterials aus dem Refiner als Fasermaterial-Dampf-Mischung zumindest
unterstützen, und eine Notwendigkeit frischen Dampf anderweitig zu erzeugen und zum
Transportieren des Fasermaterials zum Faserabscheider einzubringen verringert werden
oder entfallen.
[0006] Ferner wird durch eine Rückführung des Dampfs aus dem Faserabscheider zum Refiner
eine Dampfverlustmenge geringgehalten, und wird eine Abdampfreinigung nur für eine
geringere Dampfmenge erforderlich oder auch gänzlich vermieden.
[0007] Somit wird bei der erfindungsgemäßen Anlage weniger Energie benötigt, beispielsweise
wird weniger Energie zur Erzeugung von zusätzlichem Frischdampf und/oder weniger Energie
zur Abdampfreinigung benötigt.
[0008] Im Gegensatz zu Anlagen zum Verarbeiten von Fasermaterial ohne Refiner führt ein
Einsatz eines Refiners zu einer verbesserten Auflösewirkung und einem verringerten
Abdampf und erlaubt sowohl eine Gestaltung zur Durchführung eines Nassverfahrens als
auch eine Gestaltung zur Durchführung eines Trockenverfahrens.
[0009] Optional kann die Refiner-Anschlussstelle der Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
in oder zumindest angrenzend zu der Dampfrückführschleife angeordnet sein.
[0010] Der Refiner kann beispielsweise eine Mahlkammer, welche zwischen den Fasermaterial-Einlass
und den Refiner-Auslass geschaltet ist, und ein in der Mahlkammer angeordnetes Mahlwerk
zum Zermahlen des empfangenen Fasermaterials aufweisen, wobei der Refiner in die Dampfrückführschleife
integriert sein kann, wobei der Refiner einen Refiner-Dampf-Einlass aufweisen kann,
welcher mit der Mahlkammer des Refiners kommuniziert und mit welchem die Dampf-Rückführ-Leitung
verbunden ist, sodass der über den Dampf-Auslass des Faserabscheiders ausgebrachte
Dampf über die Dampf-Rückführ-Leitung zu der Mahlkammer des Refiners rückführbar ist,
um das Austragen des zerfaserten Fasermaterials aus dem Refiner zu unterstützen. Dadurch
kann ein Transport von zerfasertem Fasermaterial als Fasermaterial-Dampf-Mischung
aus dem Refiner in die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung und weiter zum Faserabscheider
verbessert werden und gleichzeitig effizienter gestaltet werden.
[0011] Die Pumpenvorrichtung kann in den Refiner integriert sein, wodurch die Anlage kompakter
wird.
[0012] Das Mahlwerk kann ein um eine Mahldrehachse drehbares Mahlelement, optional eine
um die Mahldrehachse drehbare Mahlscheibe, aufweisen, welches auch als drehbares Pumpenrad
der Pumpenvorrichtung ausgebildet ist. Durch das als drehbares Pumpenrad ausgebildete
drehbare Mahlelement kann das drehbare Mahlelement eine Doppelfunktion als drehbares
Mahlelement und als Pumpenrad erhalten, wodurch eine noch kompaktere Bauweise erzielt
werden kann. Gleichzeitig ist noch weniger Energie erforderlich, weil kein weiteres
Teil zum Pumpen bewegt werden muss, sondern ein als Mahlelement drehbares Teil durch
die Ausgestaltung als drehbares Pumpenrad zusätzlich in die Lage versetzt wird, auch
eine Pumpfunktion wahrzunehmen.
[0013] Das Mahlelement kann eine Mahlseite, welche eine zum Zermahlen des Fasermaterials
ausgebildete Mahlfläche hat, und eine zu der Mahlseite entgegengesetzte Pumpenseite
aufweisen, welche mit zum Pumpen geeigneten Vorsprüngen, optional mit Pumpflügeln,
ausgestattet ist. Durch eine solche Trennung von Mahl- und Pumpseite wird durch zum
Pumpen geeignete Vorsprünge auf der Pumpseite eine Pumpwirkung erzielt, ohne den Mahlvorgang
durch Reduktion der Mahlfläche zu beeinträchtigen.
[0014] Das Mahlwerk kann ein weiteres (bzw. zusätzliches), optional ein feststehendes, Mahlelement
aufweisen, welches dem drehbaren Mahlelement gegenüberliegend angeordnet ist, sodass
ein Mahlspalt dazwischen ausgebildet ist, der eine Mahlspaltebene definiert, und wobei
der Refiner-Dampf-Einlass in oder benachbart zu der Mahlspaltebene angeordnet ist
sowie parallel zu der Mahlspaltebene und radial oder tangential zu der Mahldrehachse
ausgerichtet ist. Ferner kann der Refiner-Dampf-Einlass bezüglich der Mahldrehachse
optional in einem Winkel von 90° ausgerichtet sein. Durch eine derartige Anordnung
des Refiner-Dampf-Einlasses hinsichtlich der Mahldrehachse und/oder der Mahlspaltebene
können durch einen so erzeugten Dampfstrom Ablagerungen oder Verschmutzungen im Mahlspalt
und/oder auf einem oder beiden Mahlelementen zumindest verringert werden. Dadurch
kann eine Effizienz des Mahlvorgangs gesteigert werden und Totzeiten für Wartung und/oder
Reinigung des Refiners können verringert werden.
[0015] Alternativ zu einer Ausrichtung des Refiner-Dampf-Einlasses auf die Mahlspaltebene
kann der Refiner-Dampf-Einlass bezüglich der Mahldrehachse in einem Winkel von 0°(z.B.
kollinear mit der Mahldrehachse) bis kleiner 90° auf die Pumpenseite ausgerichtet
sein, wodurch die Pumpseite des Mahlelements während Betriebs der Anlage gereinigt
werden kann, und dadurch Ablagerungen an dieser verringert und folglich Totzeiten
für die Reinigung des Refiners ebenfalls verringert werden können.
[0016] Optional kann eine Pumpenvorrichtung in der Mahlkammer des Refiners (beispielsweise
in Form des oben beschriebenen drehbaren Pumpenrads) oder eine Pumpenvorrichtung außerhalb
der Mahlkammer des Refiners aber innerhalb der Dampfrückführschleife (z.B. der Dampf-Rückführ-Leitung)
sein, oder es kann sowohl eine Pumpenvorrichtung in der Mahlkammer des Refiners und
gleichzeitig eine weitere Pumpenvorrichtung - außerhalb des Refiners aber innerhalb
der Dampfrückführschleife - vorhanden sein. Durch Bereitstellung von beiden Pumpenvorrichtungen
kann bei Bedarf die Transportleistung über die Fasermaterial-Dampf-Mischung zusätzlich
erhöht werden ohne zusätzlichen Frischdampf zuzuführen.
[0017] Alternativ zum in der Dampfrückführschleife integrierten Refiner kann die Dampf-Rückführ-Leitung
direkt an die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung angeschlossen sein, sodass
die Dampfrückführschleife nicht durch die Mahlkammer des Refiners verläuft. Durch
eine dabei erzeugte Sogwirkung durch den rückgeführten Dampf kann das Ausbringen der
im Refiner erzeugten Fasermaterial-Dampf-Mischung aus dem Refiner sowie deren Einbringung
in die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung hinein unterstützt werden, in welcher
die Fasermaterial-Dampf-Mischung dann hin zum Faserabscheider transportiert wird.
[0018] Ferner kann die Anlage auch einen Kocher, der dem Refiner vorgeschaltet ist, um das
Fasermaterial via Dampfdruck aufzuweichen (z.B. durch Hydrolyse von zu recycelndem
Post-Konsumenten-Fasermaterial) (z.B. um Post-Konsumenten-Abfall-Fasermaterial aufzuweichen),
und eine weitere Dampf-Rückführ-Leitung aufweisen. Dabei kann die weitere Dampf-Rückführ-Leitung
mit dem Dampf-Auslass des Faserabscheiders kommunizieren, wobei optional die weitere
Dampf-Rückführ-Leitung von der Dampf-Rückführ-Leitung, optional in einem Abschnitt
zwischen dem Dampf-Auslass des Faserabscheiders und dem Refiner, abgezweigt sein kann.
Darüber hinaus kann die weitere Dampf-Rückführ-Leitung mit dem Kocher verbunden sein,
um den vom Dampf-Auslass des Faserabscheiders ausgebrachten Dampf auch an den Kocher
rückzuführen. Des Weiteren können der Kocher, der Refiner, der Faserabscheider, die
Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung, die Dampfrückführschleife und die weitere
Dampf-Rückführ-Leitung einen Hochdruckabschnitt bilden, in welchem ein Betriebsdruck
höher ist, als ein Betriebsdruck vor einem Kocher-Einlass des Kochers und nach dem
Fasermaterial-Auslass des Faserabscheiders. Dabei kann der Fasermaterial-Auslass des
Faserabscheiders geeignet sein, um eine Druckabdichtung zwischen dem Hochdruckabschnitt
und einem Bereich nach dem Fasermaterial-Auslass des Faserabscheiders abzudichten,
was beispielsweise durch einen Kegelverschluss (z.B. durch den Kegelverschluss wie
beschrieben in
EP 24 211 454.4 oder eine Kompressionsschnecke (z.B. eine Austrag-Stopfschnecke) oder eine Zellradschleuse
(z.B. durch die Zellradschleuse wie beschrieben in
DE 28 16 931 A1) geschehen kann. Sollte eine Kompressionsschnecke zum Abdichten am Fasermaterial-Auslass
des Faserabscheiders verwendet werden, ist im Anschluss daran eine Lockerungseinrichtung
hilfreich, um das durch die Kompressionsschnecke komprimierte Fasermaterial wieder
aufzulockern (z.B. zu vereinzeln). Durch den zwischen Kocher und Faserabscheider bestehenden
Hochdruckabschnitt kann Dampf rückgeführt und damit Dampf und Energie gespart werden.
[0019] Alternativ zu der Anlage mit einem Hochdruckabschnitt von Kocher bis Faserabscheider
kann die Anlage ferner einen Kocher, der dem Refiner vorgeschaltet ist, um das Fasermaterial
via Dampfdruck aufzuweichen (z.B. durch Hydrolyse von zu recycelndem Post-Konsumenten-Fasermaterial)
(z.B. um Post-Konsumenten-Abfall-Fasermaterial aufzuweichen), eine Kocher-Refiner-Verbindungsleitung,
welche den Kocher mit dem Fasermaterial-Einlass des Refiner verbindet, und eine Druckbereich-Austrageinrichtung,
welche in der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung angeordnet ist, aufweisen. Dabei können
der Kocher und ein Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung vor der Druckbereich-Austrageinrichtung
einen Hochdruckabschnitt bilden, in dem ein Betriebsdruck größer ist als ein Betriebsdruck
in einem Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung zwischen der Druckbereich-Austrageinrichtung
und dem Refiner, wobei optional ein Betriebsdruck in der Dampfrückführschleife größer
ist als der Betriebsdruck in dem Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung zwischen
der Druckbereich-Austrageinrichtung und dem Refiner. Durch eine solche Struktur ist
der Hochdruckabschnitt kleiner, was (im Vergleich zu der Anlage mit einem Hochdruckabschnitt
von Kocher bis Faserabscheider) einen flexibleren und vereinfachten Transport des
Fasermaterials bzw. der Fasermaterial-Dampf-Mischung nach dem Hochdruckabschnitt erlauben
kann. Somit kann die Struktur, bei der der Hochdruckabschnitt den Refiner und den
Faserabscheider nicht enthält, eine einfachere und energetisch vorteilhafte Struktur
der Anlage erlauben.
[0020] Ferner kann die Anlage auch eine Vordämpfereinrichtung zum Vordämpfen von Fasermaterial,
optional Holzmaterial, welche dem Kocher vorgeschaltet ist, um dem Kocher vorgedämpftes
Fasermaterial zuzuführen, aufweisen, wobei die Vordämpfereinrichtung kein Bestandteil
des Hochdruckabschnitts ist. Eine Vordämpfeinrichtung kann Fasermaterial drucklos
bei leicht erhöhter Temperatur (z.B. größer als 20°C und bis zu 100°C) vordämpfen,
um das Fasermaterial weicher zu machen und Zerfaserung und Transport des Fasermaterials
zu vereinfachen.
[0021] Ferner kann die Anlage einen Pulper aufweisen, der mit dem Faserabscheider verbunden
ist, um von dem Faserabscheider ausgegebenes Fasermaterial zu empfangen und dieses
Fasermaterial in einer Flüssigkeit, optional in Wasser, zu dispergieren. Mittels des
Pulpers kann die Anlage beispielswiese einen Nassprozess zur Verarbeitung von Fasermaterial
ausführen.
[0022] Durch das erfindungsgemäße Betriebsverfahren für die erfindungsgemäße Anlage wird
Dampf mittels der Pumpenvorrichtung aus dem Dampf-Auslass des Faserabscheiders über
die Dampf-Rückführ-Leitung zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung rückgeführt,
um ein Austragen des zerfaserten Fasermaterials aus dem Refiner und/oder ein Transportieren
des zerfaserten Fasermaterials via die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
zum Faserabscheider hin zu unterstützen.
[0023] Ferner kann bei dem Betriebsverfahren der Faserabscheider als Zyklonabscheider ausgebildet
sein, und wobei durch das Rückführen des Dampfs zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
mittels der Pumpenvorrichtung das zerfaserte Fasermaterial auf eine Geschwindigkeit
beschleunigt wird, die zur Ausbildung eines Zyklons im Zyklonabscheider ausreichend
ist. Ein solches Betriebsverfahren kann leichter, energiesparender, effizienter und
gleichzeitig umweltschonender auszuführen sein. Dies kann beispielsweise insbesondere
bei MDF-Platten-Recycling und/oder Herstellung von lignozellulosen Fasern für Substrat
der Fall sein.
[0024] Der Fasermaterial-Auslass des Faserabscheiders kann optional einen Kegelverschluss
oder eine Kompressionsschnecke (z.B. eine Austrag-Stopfschnecke) haben oder eine Zellradschleuse.
Der Faserabscheider kann beispielsweise ein Zyklonabscheider (bei dem ein Strömungszyklon
eine Abscheidung hervorrufen kann) oder ein Zentrifugalabscheider (bei dem eine Abscheidung
durch Rotation der Fasermaterial-Dampf-Mischung mittels einer Rotoreinrichtung hervorgerufen
werden kann) sein. Der Faserabscheider kann auch ein Zyklonabscheider mit Zellradeschleuse
sein, wie er in der
DE 28 16 931 A1 beschrieben ist.
[0025] Die erfindungsgemäße Anlage und das erfindungsgemäße Betriebsverfahrens können für
ein Recycling von MDF-Platten verwendet werden, wodurch MDF-Platten energieeffizierter
und kontinuierlich recycelt werden können.
[0026] Ferner können die erfindungsgemäße Anlage und das erfindungsgemäße Betriebsverfahrens
zum Herstellen von lignozellulosen Fasern für Substrat verwendet werden.
[0027] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen mit Bezugnahme auf
die beigefügten Zeichnungen erläutert. Diese Ausführungsbeispiele sollen die wie beanspruchte
Erfindung jedoch nicht einschränken. Ferner werden in den Zeichnungen über deren sämtliche
Figuren hinweg für gleiche oder gleichartige Merkmale entsprechend gleiche Bezugszeichen
verwendet. In den Zeichnungen zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung einer Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial
gemäß einer Ausführungsform der Erfindung,
Figur 2 eine schematische Darstellung einer Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial
gemäß einer anderen Ausführungsform der Erfindung, und
Figur 3 eine schematische Darstellung einer Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial
gemäß einer noch anderen Ausführungsform der Erfindung.
[0028] Wie in Figur 1 gezeigt, weist eine Anlage 1 gemäß einer Ausführungsform der Erfindung
eine Vordämpfereinrichtung 100, einen Kocher 200, einen Refiner 300, einen Faserabscheider
400, eine Pumpenvorrichtung 500, eine Dampf-Rückführ-Leitung 600 und eine Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
700 auf.
[0029] Die Vordämpfereinrichtung 100 ist mittels mindestens eines Vordämpfereinsatzes 101
eingerichtet, um Fasermaterial (z.B. Holzmaterial, z.B. Holzfasermaterial) vorzudämpfen.
Die Vordämpfereinrichtung 100 kann eine Vordämpfer-Transportschnecke 110 aufweisen,
mittels welcher vorgedämpftes Fasermaterial in Richtung des Kochers 200 transportiert
werden kann.
[0030] Der Kocher 200 weist einen Kocher-Einlass 210 (z.B. eine Zellradschleuse oder eine
Stopfschnecke) auf. Ferner kann der Kocher 200 eine Kocher-Druck-Ablass-Einrichtung
220 und eine Kocher-Transportschnecke 230 aufweisen. Der Kocher-Einlass 210 erlaubt
eine derartige Druckisolierung zwischen Vordämpfereinrichtung 100 und Kocher 200,
dass im Kocher 100 ein im Vergleich zur Vordämpfereinrichtung 100 erhöhter Druck aufrechterhalten
werden kann. Die Kocher-Druck-Ablass-Einrichtung 220 ist geeignet, Druck aus dem Kocher
200 abzulassen, wenn ein Druck im Kocher 200 einen bestimmten Wert überschreitet,
z.B. einen Wert, über dem ein sicherer Betrieb des Kochers nicht mehr möglich ist.
Ferner kann die Kocher-Druck-Ablass-Einrichtung 220 beispielsweise eingerichtet sein,
um nicht-kondensierbare Gase und/oder andere Gas-Bestandteile, die nicht Wasserdampf
sind, kontrolliert abzuscheiden und diese kontinuierlich einer kontinuierlichen Abgasbehandlungseinrichtung
zuzuführen. Eine kontinuierliche Abgasbehandlungseinrichtung benötigt weniger Platz
zur Verarbeitung der gleichen Gasmenge als eine diskontinuierliche Abgasbehandlungseinrichtung.
Die Kocher-Transportschnecke 230 transportiert Fasermaterial innerhalb des Kochers
200, z.B. derart, dass das Fasermaterial so in Richtung des Refiners 300 transportiert
wird, dass es am Ende eines Durchlaufens des Kochers 200 von einem Fasermaterial-Einlass
310 des Refiners 300 empfangen werden kann.
[0031] Der Refiner 300 weist ferner einen Refiner-Auslass 320, einen Refiner-Dampf-Einlass
330, eine Mahlkammer 340 mit darin angeordnetem Mahlwerk (das Mahlwerk kann ein Mahlelement
350 und ein weiteres Mahlelement 360 aufweisen) und eine Refiner-Transportschnecke
370 auf.
[0032] Die Refiner-Transportschnecke 370 kann über den Fasermaterial-Einlass 310 des Refiners
300 empfangenes Fasermaterial im Refiner 300 in Richtung der Mahlkammer 340 (z.B.
zu der / hinein in die Mahlkammer 340) transportieren.
[0033] Das Mahlelement 350 und das weitere Mahlelement 360 sind in der Mahlkammer 340 mit
einem dazwischen angeordnetem Mahlspalt 355 positioniert und eingerichtet, um Fasermaterial
im Mahlspalt 355 zu zerfasern. Dabei entsteht wegen der dabei auftretenden Reibung
eine Fasermaterial-Dampf-Mischung, welche über den Refiner-Auslass 320 aus dem Refiner
300 austragbar ist. Das Mahlelement 350 kann ein drehbares Mahlelement sein, und das
weitere Mahlelement 360 kann ein statisches Mahlelement sein. Insbesondere kann das
weitere Mahlelement 360 fest (z.B. integral) mit einem Refiner-Gehäuse 380 des Refiners
300 verbunden sein, welches die Mahlkammer 340 umgibt. Das Mahlelement 350 kann eine
um eine Mahldrehachse M drehbare Mahlscheibe sein, und eine dem weiteren Mahlelement
360 zugewandte Mahlfläche haben.
[0034] Die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700 ist an einer Refiner-Anschlussstelle
710 der Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700 mit dem Refiner-Auslass 320
verbunden, und an einer Faserabscheider-Anschlussstelle 720 der Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
700 mit dem Faserabscheider verbunden.
[0035] Der Faserabscheider 400 weist einen Mischung-Einlass 410 auf, über welchen der Faserabscheider
400 mit der Faserabscheider-Anschlussstelle 720 der Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
700 verbunden ist, sodass der Faserabscheider 400 über den Mischung-Einlass 410 Fasermaterial-Dampf-Mischung
aufnehmen kann, welche aus der Mahlkammer 340 des Refiners 300 stammt und über die
Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700 zum Faserabscheider 400 transportiert
wird.
[0036] Ferner weist der Faserabscheider 400 einen Fasermaterial-Auslass 420 und einen Dampf-Auslass
430 auf. Der Faserabscheider 400 ist eingerichtet, um Fasermaterial aus der Fasermaterial-Dampf-Mischung
abzuscheiden, das abgeschiedene Fasermaterial über den Fasermaterial-Auslass 420 aus
dem Faserabscheider 400 auszubringen. Der dabei im Faserabscheider 400 freiwerdende
Dampf wird über den Dampf-Auslass 430 aus dem Faserabscheider ausgebracht und von
dort mittels der Pumpenvorrichtung 500 über die Dampf-Rückführ-Leitung 600 und den
Refiner-Dampf-Einlass 330 in die Mahlkammer rückgeführt.
[0037] Zusätzlich kann von der Dampf-Rückführ-Leitung 600 in einem Abschnitt zwischen dem
Dampf-Auslass 430 des Faserabscheiders 400 und dem Refiner-Dampf-Einlass 330 des Refiners
300 eine weitere Dampf-Rückführ-Leitung 800 abzweigen, welche mit dem Kocher 200 derart
verbunden ist, dass ein Teil des über den Dampf-Auslass 430 des Faserabscheiders 400
ausgebrachte Dampf in den Kocher rückgeführt wird.
[0038] Ferner ist der Fasermaterial-Auslass 420 des Faserabscheiders 400 mit einem Kegelverschluss
440 ausgerüstet. Ein im Hochdruckabschnitt H, der den Kocher 200, den Refiner 300,
den Faserabscheider 400, die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700, die Dampf-Rückführ-Leitung
600, die weitere Dampf-Rückführ-Leitung 800, und die Pumpenvorrichtung 500 umfasst,
erzeugter Betriebsdruck ist höher als ein Betriebsdruck vor dem Kocher-Einlass 210
und nach dem Fasermaterial-Auslass 420.
[0039] Dabei kann die Dampfrückführschleife über den Dampf-Auslass 430 des Faserabscheiders
400, entlang einer Dampfschleifenkreislaufrichtung (Pfeil A) über die Dampf-Rückführleitung
600, den Refiner-Dampf-Einlass 330, die Mahlkammer 340, den Refiner-Auslass 320, die
Refiner-Anschlussstelle 710 zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700 verlaufen,
wobei eine weitere (bzw. zusätzliche) Dampfrückführschleife gebildet ist ausgehend
vom Dampf-Auslass 430 des Faserabscheiders 400, die danach von einem Abschnitt der
Dampfrückführschleife zwischen Dampf-Auslass 430 und Refiner-Dampf-Einlass 330 aus
der Dampf-Rückführleitung 600 abzweigt und über die weitere Dampf-Rückführ-Leitung
800 zum Kocher 200 und von dort weiter zum Refiner 300 und von dort weitere zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
700 verläuft.
[0040] Der Faserabscheider 400 kann als ein Zyklonabscheider ausgebildet sein, wobei durch
das Rückführen des Dampfs zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700 mittels
der Pumpenvorrichtung 500 (die z.B. ein Gebläse oder ein Verdichter sein kann) das
zerfaserte Fasermaterial auf eine Geschwindigkeit beschleunigt wird, die zur Ausbildung
eines Zyklons im Zyklonabscheider ausreichend ist.
[0041] Ferner weist die Anlage 1 ein Auffangvorrichtung 900, eine Auffangvorrichtung-Trocknereinrichtung-Verbindungsleitung
901 und eine Trocknereinrichtung 950 auf. Die Auffangvorrichtung 900 ist eingerichtet,
um das über den Fasermaterial-Auslass 420 ausgegebene abgeschiedene Fasermaterial
aufzufangen, welches anschließend über die Auffangvorrichtung-Trocknereinrichtung-Verbindungsleitung
901 zur Trocknereinrichtung 950 transportiert wird. Beispielsweise kann das Fasermaterial
mittels eines in der Auffangvorrichtung-Trocknereinrichtung-Verbindungsleitung 901
angeordneten Gebläses 902 zur Trocknereinrichtung 950 transportiert werden. In der
Trocknereinrichtung 950 kann das Fasermaterial weiter getrocknet werden. Aus der Trocknereinrichtung
950 kann das Fasermaterial über eine Weiterverarbeitungsleitung 951 zu einer Weiterverarbeitung
weiter transportiert werden, beispielsweise zu einer Weiterverarbeitung zu MDF-Platten
weiter transportiert werden.
[0042] In der Auffangvorrichtung-Trocknereinrichtung-Verbindungsleitung 901 und/oder in
der Weiterverarbeitungsleitung 951 kann ein Sichter zum Entfernen von Fremdstoffen
angeordnet sein. Dabei kann beispielsweise ein in der Auffangvorrichtung-Trocknereinrichtung-Verbindungsleitung
901 angeordneter Sichter ein Grobsichter zum Entfernen von groben Fremdstoffen sein,
und der in der Weiterverarbeitungsleitung 951 angeordneter Sicher kann ein Sichter
zum Entfernen von weniger groben Fremdstoffen sein.
[0043] Bei der Anlage 1 kann das Mahlelement 350 eine zum Zermahlen des Fasermaterials ausgebildete
Mahlseite 351 und eine zu der Mahlseite 351 entgegengesetzte Pumpenseite (bzw. Pumpseite)
352 haben. Dabei kann der Refiner-Dampf-Einlass 330 in einem Winkel von 0° bis kleiner
als 90° bezüglich der Mahldrehachse M auf die Pumpenseite 352 des Mahlelements 350
ausgerichtet sein. Beispielsweise kann der Refiner-Dampf-Einlass 330 auch bezüglich
der Mahldrehachse M auf die Pumpenseite 352 in einem Winkel von 0° bis 80°, von 0°
bis 70°, von 0° bis 60°, von 0° bis 50°, von 0° bis 45°, von 0° bis 40°, von 0° bis
30°, von 0° bis 20°, von 0° bis 10°, von 10° bis 80°, von 10° bis 70°, von 10° bis
60°, von 10° bis 45°, von 10° bis 30°, von 30° bis 60°, von 45° ausgerichtet sein.
Beispielsweise kann der Refiner-Dampf-Einlass 330 auch parallel oder kollinear zur
Mahldrehachse M auf die Pumpenseite 352 des Mahlelements 350 ausgerichtet sein.
[0044] Zum Beispiel kann die Anlage 1 verwendet werden, um einen MDF-Platten-Recycling-Trockenprozess
auszuführen (z.B. kann diese Weiterverarbeitung einen Pressvorgang aufweisen). Alternativ
kann die Anlage 1 verwendet werden, um lignozellulose Fasern für Substrat herzustellen.
[0045] Figur 2 zeigt eine Anlage 1' gemäß einer anderen Ausführungsform der Erfindung, welche
ähnlich zu jener anhand Figur 1 beschriebenen Anlage 1 ist, wobei nachfolgend im Wesentlichen
nur die Unterschiede erläutert werden.
[0046] In dieser Ausführungsform wird Dampf aus dem Faserabscheider 400 über den Dampf-Auslass
430 mittels der Pumpenvorrichtung 500 und der Dampf-Rückführ-Leitung 600 über den
Refiner-Dampf-Einlass 330 in den Refiner 300 rückgeführt, allerdings gibt es keine
Dampfrückführung aus dem Faserabscheider 400 über die weitere Dampf-Rückführ-Leitung
800 in den Kocher 200.
[0047] Ferner ist in der Anlage 1' der Refiner-Dampf-Einlass 330 in oder benachbart zu der
Mahlspaltebene E angeordnet und parallel zur der Mahlspaltebene E angeordnet und radial
oder tangential zu der Mahldrehachse M ausgerichtet (vgl. Figur 1 zur Position von
M und E). Beispielsweise ist der Refiner-Dampf-Einlass 330 in der Mahlspaltebene E
angeordnet und radial zur Mahldrehachse M ausgerichtet. Beispielsweise kann der Refiner-Dampf-Einlass
330 in einem Winkel von im Wesentlichen 90° zur Mahldrehachse M ausgerichtet sein.
[0048] Dabei kann die Dampfrückführschleife über den Dampf-Auslass 430 des Faserabscheiders
400, entlang einer Dampfschleifenkreislaufrichtung (Pfeil A) über die Dampf-Rückführleitung
600, den Refiner-Dampf-Einlass 330, die Mahlkammer 340, den Refiner-Auslass 320, die
Refiner-Anschlussstelle 710 zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung 700 verlaufen.
[0049] Das aus dem Fasermaterial-Auslass 420 des Faserabscheiders 400 ausgegebene Fasermaterial
kann bei der Anlage 1' auch durch die Auffangvorrichtung 900 aufgefangen werden, welche
beispielsweise eine Auffangvorrichtung-Transportschnecke 960 aufweisen kann. Das Fasermaterial
aus der Auffangvorrichtung 900 in Anlage 1' kann mittels der Auffangvorrichtung-Transportschneck
zu einem Pulper 1000 transportiert werden. Der Pulper 1000 kann das Fasermaterial
empfangen und in einer Flüssigkeit (z.B. Wasser) dispergieren. Ferner kann der Pulper
1000 mindestens eine Dispergiereinrichtung 1010 aufweisen.
[0050] Vom Pulper 1000 kann das dispergierte Fasermaterial über eine Pulper-Weiterverarbeitungsleitung
1020, die z.B. eine Pumpe aufweisen kann, weiter transportiert werden. Das dispergierte
Fasermaterial kann über die Pulper-Weiterverarbeitungsleitung 1020 zum Beispiel zur
Weiterverarbeitung zu MDF-Platten transportiert werden (z.B. kann diese Weiterverarbeitung
einen Pressvorgang aufweisen).
[0051] Zum Beispiel kann die Anlage 1' verwendet werden, um einen MDF-Platten-Recycling-Nassprozess
auszuführen. Alternativ kann die Anlage 1' verwendet werden, um lignozellulose Fasern
für Substrat herzustellen.
[0052] Figur 3 zeigt eine Anlage 1" gemäß einer noch anderen Ausführungsform der Erfindung,
welche ähnlich zu jener anhand Figur 1 beschriebenen Anlage 1 ist, wobei nachfolgend
im Wesentlichen nur die Unterschiede erläutert werden.
[0053] In dieser Ausführungsform wird Dampf aus dem Faserabscheider 400 über den Dampf-Auslass
430 und der Dampf-Rückführ-Leitung 600 über den Refiner-Dampf-Einlass 330 in den Refiner
300 rückgeführt, allerdings gibt es keine Dampfrückführung aus dem Faserabscheider
400 über die weitere Dampf-Rückführ-Leitung 800 in den Kocher 200.
[0054] Der Refiner-Dampf-Einlass 330 kann entweder wie in der in Figur 1 gezeigten Ausführungsform
oder wie in der in Figur 2 gezeigten Ausführungsform angeordnet sein.
[0055] Das Mahlelement 350 hat auf seiner Pumpenseite 352 zum Pumpen geeignete Vorsprünge
500, welche als Pumpflügel ausgebildet sein können. Die Vorsprünge 500 sind eingerichtet,
um eine Pumpwirkung zu erzielen.
[0056] Die mittels der Vorsprünge 500 erzeugte Pumpwirkung ist geeignet, um anstelle der
in Figur 1 und 2 verwendeten separaten Pumpenvorrichtung als Pumpenvorrichtung zu
fungieren.
[0057] Allerdings kann in einer nicht gezeigten Ausführungsform eine separate Pumpenvorrichtung
in Kombination mit zum Pumpen geeigneten Vorsprüngen am Mahlelement verwendet werden.
[0058] In der in Figur 3 gezeigten Ausführungsform weist die Anlage 1" eine Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
1100 auf, die den Kocher 200 mit dem Fasermaterial-Einlass 310 des Refiners 300 verbindet.
[0059] Die Kocher-Refiner-Verbindungsleitung 1100 kann eine Druckbereich-Austrageinrichtung
1101 aufweisen. Beispielsweise kann die Druckbereich-Austrageinrichtung 1101 eine
Verbindungsleitung-Kompressionsschnecke 1102 (z.B. eine Verbindungsleitung-Austrag-Stopfschnecke)
und eine Gegendruckeinrichtung 1103 (z.B. in Form eines Ventils mit Ventilteller (in
Fig. 3 schematisch als Pfeil dargestellt)) aufweisen.
[0060] Der Kocher 200 und ein Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung 1100 können
vor der Druckbereich-Austrageinrichtung 1101 einen Hochdruckabschnitt H bilden, in
dem ein Betriebsdruck größer ist als ein Betriebsdruck in einem Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
1100 zwischen der Druckbereich-Austrageinrichtung 1101 und dem Refiner 300.
[0061] Beispielsweise kann der Hochdruckabschnitt H vom Kocher-Einlass 210 bis zur Druckbereich-Austrageinrichtung
1101 verlaufen, wobei der Betriebsdruck vor dem Kocher-Einlass 210 und nach der Druckbereich-Austrageinrichtung
1101 geringer ist als der Betriebsdruck im durch Kocher-Einlass 210 und Druckbereich-Austrageinrichtung
1101 begrenzten Hochdruckabschnitt H ist.
[0062] Die Gegendruckeinrichtung 1103 kann bei einem Start der Anlage 1" in der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
in Richtung des Kochers 200 abdichten (z.B. in diese Richtung vorgespannt sein), um
den Hochdruckabschnitt H von dem darauffolgenden Abschnitt zu trennen. Zusätzlich
kann die Gegendruckeinrichtung 1103 der Druckbereich-Austrageinrichtung 1101 eingerichtet
sein, um im Betrieb die Kompression der Verbindungsleitung-Kompressionsschnecke 1102
zu regeln.
[0063] Die Kocher-Refiner-Verbindungsleitung 1100 kann ferner ein Sicherheitsventil 1200
(z.B. ein Überdruckventil) nachgeschaltet zur Druckbereich-Austrageinrichtung 1101
aufweisen, wobei das Sicherheitsventil 1200 im Falle einer Fehlfunktion der Druckbereich-Austrageinrichtung
1102 verhindert, dass es im Abschnitt direkt nach der Druckbereich-Austrageinrichtung
1102 zu einem hohen (z.B. unzulässig hohen) Druckanstieg kommt.
[0064] Die in Figur 3 gezeigte Anlage 1" kann nach dem Fasermaterial-Auslass 420 sowohl
mit den in Verbindung mit Figur 1 erläuterten Einrichtungen ab der Auffangvorrichtung
900 als auch mit den in Verbindung mit Figur 2 erläuterten Einrichtungen ab der Auffangvorrichtung
900 verbunden sein.
[0065] Ferner kann die Anlage 1" beispielsweise verwendet werden, um einen MDF-Platten-Recycling-Trockenprozess
oder einen MDF-Platten-Recycling-Nassprozess auszuführen. Alternativ kann die Anlage
1" verwendet werden, um lignozellulose Fasern für Substrat herzustellen.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0066]
- 1, 1', 1"
- Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial
- 100
- Vordämpfereinrichtung
- 101
- Vordämpfereinsatz
- 110
- Vordämpfer-Transportschnecke
- 200
- Kocher
- 210
- Kocher-Einlass
- 220
- Kocher-Druck-Ablass-Einrichtung
- 230
- Kocher-Transportschnecke
- 300
- Refiner
- 310
- Fasermaterial-Einlass
- 320
- Refiner-Auslass
- 330
- Refiner-Dampf-Einlass
- 340
- Mahlkammer
- 350
- Mahlelement
- 351
- Mahlseite
- 352
- Pumpenseite
- 355
- Mahlspalt
- 360
- weiteres Mahlelement
- 370
- Refiner-Transportschnecke
- 380
- Refiner-Gehäuse
- 400
- Faserabscheider
- 410
- Mischung-Einlass
- 420
- Fasermaterial-Auslass
- 430
- Dampf-Auslass
- 440
- Kegelverschluss
- 500
- Pumpenvorrichtung
- 600
- Dampf-Rückführ-Leitung
- 700
- Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
- 710
- Refiner-Anschlussstelle
- 720
- Faserabscheider-Anschlussstelle
- 800
- weitere Dampf-Rückführ-Leitung
- 900
- Auffangvorrichtung
- 901
- Auffangvorrichtung-Trocknereinrichtung-Verbindungsleitung
- 902
- Gebläse
- 950
- Trocknereinrichtung
- 951
- Weiterverarbeitungsleitung
- 960
- Auffangvorrichtung-Transportschnecke
- 1000
- Pulper
- 1010
- Dispergiereinrichtung
- 1020
- Pulper-Weiterverarbeitungsleitung
- 1100
- Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
- 1101
- Druckbereich-Austrageinrichtung
- 1102
- Verbindungsleitung-Kompressionsschnecke
- 1103
- Gegendruckeinrichtung
- 1200
- Sicherheitsventil
- A
- Dampfschleifenkreislaufrichtung
- E
- Mahlspaltebene
- M
- Mahldrehachse
- H
- Hochdruckabschnitt
1. Anlage zum Verarbeiten von Fasermaterial, aufweisend
- einen Refiner (300), der einen Fasermaterial-Einlass (310), durch den Fasermaterial,
optional aufgeweichtes Fasermaterial, empfangbar ist, und einen Refiner-Auslass (320),
über den durch den Refiner (300) zerfasertes Fasermaterial als eine Fasermaterial-Dampf-Mischung
austragbar ist, aufweist,
- einen Faserabscheider (400), der dem Refiner (300) nachgeschaltet ist und der einen
Mischung-Einlass (410) zur Aufnahme der Fasermaterial-Dampf-Mischung, einen Fasermaterial-Auslass
(420) zum Ausgeben von durch den Faserabscheider (400) abgeschiedenem Fasermaterial
aus dem Faserabscheider (400) und einen Dampf-Auslass (430), über welchen Dampf aus
dem Faserabscheider (400) ausbringbar ist, aufweist,
- eine Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung (700), welche über eine Refiner-Anschlussstelle
(710) mit dem Refiner-Auslass (320) verbunden ist und über eine Faserabscheider-Anschlussstelle
(720) mit dem Mischung-Einlass (410) verbunden ist und über welche die Fasermaterial-Dampf-Mischung
vom Refiner (300) an den Faserabscheider (400) zuführbar ist, und
- eine Dampf-Rückführ-Leitung (600), welche einerseits mit dem Dampf-Auslass (430)
des Faserabscheiders (400) und andererseits mit der Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
(700) verbunden ist, sodass eine Dampfrückführschleife ausgebildet ist, über welche
vom Dampf-Auslass (430) des Faserabscheiders (400) ausgebrachter Dampf entlang einer
Dampfschleifenkreislaufrichtung (A) zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
(700) rückführbar ist, wobei die Refiner-Anschlussstelle (710) in oder zumindest benachbart
zu der Dampfrückführschleife angeordnet ist, und
- eine Pumpenvorrichtung (500), die in der Dampfrückführschleife, optional in der
Dampf-Rückführ-Leitung (600), angeordnet ist und die eingerichtet ist, um den über
die Dampfrückführschleife rückgeführten Dampf entlang der Dampfschleifenkreislaufrichtung
(A) zu pumpen.
2. Anlage nach Anspruch 1, wobei der Refiner (300) eine Mahlkammer (340), welche zwischen
den Fasermaterial-Einlass (310) und den Refiner-Auslass (320) geschaltet ist, und
ein in der Mahlkammer (340) angeordnetes Mahlwerk zum Zermahlen des empfangenen Fasermaterials
aufweist, und wobei der Refiner (300) in die Dampfrückführschleife integriert ist,
wobei der Refiner (300) einen Refiner-Dampf-Einlass (330) aufweist, welcher mit der
Mahlkammer (340) des Refiners (300) kommuniziert und mit welchem die Dampf-Rückführ-Leitung
(600) verbunden ist, sodass der über den Dampf-Auslass (430) des Faserabscheiders
(400) ausgebrachte Dampf über die Dampf-Rückführ-Leitung (600) zu der Mahlkammer (340)
des Refiners (300) rückführbar ist, um das Austragen des zerfaserten Fasermaterials
aus dem Refiner (300) zu unterstützen.
3. Anlage nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Pumpenvorrichtung (500) in den Refiner (300)
integriert ist.
4. Anlage nach Anspruch 3, wobei das Mahlwerk ein um eine Mahldrehachse (M) drehbares
Mahlelement (350), optional eine um die Mahldrehachse (M) drehbare Mahlscheibe, aufweist,
welches auch als drehbares Pumpenrad der Pumpenvorrichtung (500) ausgebildet ist.
5. Anlage nach Anspruch 4, wobei das Mahlelement (350) eine Mahlseite (351), welche eine
zum Zermahlen des Fasermaterials ausgebildete Mahlfläche hat, und eine zu der Mahlseite
(351) entgegengesetzte Pumpenseite (352) aufweist, welche mit zum Pumpen geeigneten
Vorsprüngen (500), optional mit Pumpflügeln, ausgestattet ist.
6. Anlage nach Anspruch 5, wobei das Mahlwerk ein weiteres, optional ein feststehendes,
Mahlelement (360) aufweist, welches dem drehbaren Mahlelement (350) gegenüberliegend
angeordnet ist, sodass ein Mahlspalt (355) dazwischen ausgebildet ist, der eine Mahlspaltebene
(E) definiert, und wobei der Refiner-Dampf-Einlass (330) in oder benachbart zu der
Mahlspaltebene (E) angeordnet ist sowie parallel zu der Mahlspaltebene (E) und radial
oder tangential zu der Mahldrehachse (M) ausgerichtet ist.
7. Anlage nach Anspruch 5, wobei der Refiner-Dampf-Einlass (330) bezüglich der Mahldrehachse
(M) in einem Winkel von 0° bis kleiner 90° auf die Pumpenseite (352) ausgerichtet
ist.
8. Anlage nach irgendeinem der vorigen Ansprüche, ferner aufweisend
- einen Kocher (200), der dem Refiner (300) vorgeschaltet ist, um das Fasermaterial
via Dampfdruck aufzuweichen,
- eine weitere Dampf-Rückführ-Leitung (800),
-- die mit dem Dampf-Auslass (430) des Faserabscheiders (400) kommuniziert, wobei
optional die weitere Dampf-Rückführ-Leitung (800) von der Dampf-Rückführ-Leitung (600),
optional in einem Abschnitt zwischen dem Dampf-Auslass (430) des Faserabscheiders
(400) und dem Refiner (300), abgezweigt ist, und
-- die mit dem Kocher (200) verbunden ist, um den vom Dampf-Auslass (430) des Faserabscheiders
(400) ausgebrachten Dampf auch an den Kocher (200) rückzuführen,
wobei der Kocher (200), der Refiner (300), der Faserabscheider (400), die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
(700), die Dampfrückführschleife und die weitere Dampf-Rückführ-Leitung (800) einen
Hochdruckabschnitt (H) bilden, in welchem ein Betriebsdruck höher ist, als ein Betriebsdruck
vor einem Kocher-Einlass (210) des Kochers (200) und nach dem Fasermaterial-Auslass
(420) des Faserabscheiders (400).
9. Anlage nach irgendeinem der Ansprüche 1 bis 7, ferner aufweisend
- einen Kocher (200), der dem Refiner (300) vorgeschaltet ist um das Fasermaterial
via Dampfdruck aufzuweichen,
- eine Kocher-Refiner-Verbindungsleitung (1100), welche den Kocher (200) mit dem Fasermaterial-Einlass
(310) des Refiner (300) verbindet,
- eine Druckbereich-Austrageinrichtung (1101), welche in der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
(1100) angeordnet ist, wobei der Kocher (200) und ein Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
(1100) vor der Druckbereich-Austrageinrichtung (1101) einen Hochdruckabschnitt (H)
bilden, in dem ein Betriebsdruck größer ist als ein Betriebsdruck in einem Abschnitt
der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung (1100) zwischen der Druckbereich-Austrageinrichtung
(1101) und dem Refiner (300), wobei optional ein Betriebsdruck in der Dampfrückführschleife
größer ist als der Betriebsdruck in dem Abschnitt der Kocher-Refiner-Verbindungsleitung
(1100) zwischen der Druckbereich-Austrageinrichtung (1101) und dem Refiner (300).
10. Anlage nach Anspruch 8 oder 9, ferner aufweisend
- eine Vordämpfereinrichtung (100) zum Vordämpfen von Fasermaterial, optional Holzmaterial,
welche dem Kocher (200) vorgeschaltet ist, um dem Kocher (200) vorgedämpftes Fasermaterial
zuzuführen, wobei die Vordämpfereinrichtung (100) kein Bestandteil des Hochdruckabschnitt
(H) ist.
11. Anlage nach irgendeinem der vorigen Ansprüche, ferner aufweisend
- einen Pulper (1000), der mit dem Faserabscheider (400) verbunden ist, um von dem
Faserabscheider (400) ausgegebenes Fasermaterial zu empfangen und dieses Fasermaterial
in einer Flüssigkeit, optional in Wasser, zu dispergieren.
12. Betriebsverfahren für die Anlage nach irgendeinem der vorigen Ansprüche, wobei Dampf
mittels der Pumpenvorrichtung (500) aus dem Dampf-Auslass (430) des Faserabscheiders
(400) über die Dampf-Rückführ-Leitung (600) zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
(700) rückgeführt wird, um ein Austragen des zerfaserten Fasermaterials aus dem Refiner
(300) und/oder ein Transportieren des zerfaserten Fasermaterials via die Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
(700) zum Faserabscheider (400) hin zu unterstützen.
13. Betriebsverfahren nach Anspruch 12, wobei der Faserabscheider (400) als Zyklonabscheider
ausgebildet ist und wobei durch das Rückführen des Dampfs zur Refiner-Faserabscheider-Verbindungsleitung
(700) mittels der Pumpenvorrichtung (500) das zerfaserte Fasermaterial auf eine Geschwindigkeit
beschleunigt wird, die zur Ausbildung eines Zyklons im Zyklonabscheider ausreichend
ist.
14. Verwendung der Anlage nach irgendeinem der Ansprüche 1 bis 11 oder des Betriebsverfahrens
nach Anspruch 12 oder 13 für ein Recycling von mitteldichten Faserplatten.
15. Verwendung der Anlage nach irgendeinem der Ansprüche 1 bis 11 oder des Betriebsverfahrens
nach Anspruch 12 oder 13 zum Herstellen von lignozellulosen Fasern für Substrat.