[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Anzündeinheit für eine Treibladung gemäß dem
Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Eine solche Anzündeinheit ist aus der
EP 0 306 616 A2 bekannt. Sie weist eine Anzündübertragungsladung auf, die aus einer Mischung von
Nitrocellulose (NC) mit 20 % bis 50 % Nitroglycerin (NGL) gebildet ist, und ein Stützrohr
auf, das aus ein- oder mehrbasigem Treibladungspulver ohne Lösungsmittel gebildet
ist.
[0003] In der
WO 2020/109732 A1 ist eine Anzündeinheit beschrieben, bei der auf eine Seite einer Folie eine Anzündladung
diskontinuierlich verteilt ist, d. h. in einem bestimmten Muster -beispielsweise in
Streifen- aufgebracht ist. Das Material der Folie basiert auf Cellulose-Ester und
kann beispielsweise ca. 70 - 90 Massen-% Cellulose-Ester, 1 - 20 Massen-% Weichmacher
und ca. 0,5 - 5 Massen-% Stabilisator enthalten. Die Anzündladung enthält ca. 88 -
92 Massen-% Anzündpulver und ca. 7 - 10 Massen-% Cellulose-Ester und kann zusätzlich
Weichmacher, Additive und Lösungsmittel enthalten. Die fertige Folie mit der darauf
in einem Muster aufgebrachten Anzündladung wird entsprechend den Erfordernissen der
jeweiligen vorgesehenen Anwendung zurechtgeschnitten und zu einem Zylinder zusammengerollt.
Der Zylinder kann in ein Rohr eingesetzt werden, dessen Material zu 69 % aus Schießbaumwolle,
zu 25 % aus Cellulose, zu 5 % aus Bindeharz und zu 1 % aus Stabilisatoren besteht.
[0004] Aus der
DE 196 04 655 A1 ist ein Flammenleitrohr aus verbrennbarem Material mit außenliegenden Treibladungspulver-Stangen
bekannt.
[0005] Die
WO 2005/057123 A1 beschreibt eine Treibladung mit hoher Ladungsdichte, mit zwei ineinandergesteckten
oder aufeinander folgenden perforierten Rohren, die oberflächenbehandelt oder oberflächenbeschichtet
sind, um den Zündfortschritt so zu verzögern, dass ein maximaler Gasdruck hinter einem
Projektil aufgebaut wird.
[0006] In der
WO 2021/144539 A1 und in der
WO 2021/144538 A1 sind Vorrichtungen beschrieben, mit denen auf die Innenfläche eines Rohrs eine Paste
aufgebracht werden kann, insbesondere eine Zündladung auf die Innenfläche eines verbrennbaren
Rohrs. Dabei ist die Zündladung zusammengesetzt aus Nitrocellulose, Weichmacher, Stabilisatoren,
Additiven, Wasser, Lösungsmittel und ist das Rohr aus Nitrocellulose, Cellulose, Kunstharz
und einem Stabilisator gebildet.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Anzündeinheit der eingangs
genannten Art so zu verbessern, dass sie für reichweitengesteigerte Treibladungen
geeignet und gleichzeitig witterungsunempfindlicher und dabei kostengünstig ist.
[0008] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Anzündeinheiten mit zunehmender
Größe nicht mehr mechanisch stabil genug sind, um allen Transportbelastungen und dem
sogenannten "Rough Handling" (nach STANAG vorgeschriebene Falltests in und außerhalb
der Verpackung) standzuhalten. Zudem hat sich herausgestellt, dass Material mit einer
NC/NGL- Rezeptur bei -19°C versprödet und deshalb Anzündeinheiten bei unter -19°C
im Falltest brechen und nicht verwendet werden können.
[0009] Durch die erfindungsgemäßen Maßnahmen können auf einfache Weise die Anzündeinheiten
größer, insbesondere länger, und somit leistungsfähiger werden und damit auch bei
reichweitengesteigerten Treibladungen eingesetzt werden, ohne dass vermehrte Schäden
durch Transport auftreten. Dadurch, dass das Material der Anzündübertragungsladung
einen Glasübergangspunkt erst bei unter -40°C zeigt und das Material des Stützrohrs
unterhalb von +72°C keinen Glasübergangspunkt zeigt, sind die Anzündübertragungsladung
und das Stützrohr weniger spröde und infolgedessen weniger bruchempfindlich, und dies
insbesondere auch bei Temperaturen im Bereich von unter -20°C bis zu -40°C.
[0010] Darüber hinaus sind durch die erfindungsgemäße Maßnahme, dass das Stützrohr aus einem
Material gebildet ist, das unterhalb von +72°C keinen Glasübergangspunkt zeigt, Stützrohre
aus Treibladungspulver ausgeschlossen, da jedes Treibladungspulver einen Glasübergangspunkt
unterhalb von +72°C hat. Ein Treibladungspulver-Rohr als Stützrohr kann nur extrudiert
werden, wodurch zum einen die Herstellung eines Treibladungspulver-Rohrs weitaus aufwändiger
ist als die Herstellung eines Rohres, das nicht aus Treibladungspulver gebildet ist,
und wodurch zum anderen nur ein Durchmesser auf die gesamte Länge möglich ist. Dagegen
lässt das erfindungsgemäße Material für das Stützrohr Formen wie einen Kelch am Ende
des Stützrohres zu, die eine einfache und mechanisch stabile Verbindung zum Hülsendeckel
und Hülsenmantel einer Treibladung erlauben, in die die Anzündeinheit eingesetzt werden
soll. Der Zusammenbau der Treibladung mit einem Stützrohr aus einem erfindungsgemäßen
Material ist schneller und stabiler, da ein solches Stützrohr an seinen Enden Formen
aufweisen kann, die speziell an die gegebenen Anschlusserfordernisse angepasst sind.
Damit ergibt sich eine einfachere Herstellbarkeit gepaart mit besserer mechanischer
Stabilität.
[0011] Insbesondere können Stützrohr, Hülsendeckel und Hülsenmantel ähnliche Materialeigenschaften
haben, was bei der Verbindung hilft. Der Anschluss eines Stützrohres an einen Hülsendeckel
und einen Hülsenmantel, die aus einem ähnlichen oder gar demselben Material wie das
Stützrohr bestehen, ist beispielsweise durch einfaches Verkleben zu realisieren. Diese
Verklebung ist äußerst stabil und kann stabiler sein als das Material der miteinander
verbundenen Komponenten selbst, d.h. das Material der Komponenten reißt in einem solchen
Fall, bevor die Verklebung versagt. Ein Treibladungspulver-Rohr kann zwar auch verklebt
werden, aber aufgrund großer unterschiedlicher Elastizität zum Material von Hülsendeckel
und Hülsenmantel einer Treibladung kommen auf die Klebestelle bei mechanischer Beanspruchung
wie Stauchung höhere Belastungen. Zudem können die zwei unterschiedlichen Materialien
nicht gleich fest verklebt werden wie zwei ähnliche oder gar gleiche Materialien.
[0012] Vorzugsweise ist das Material des Stützrohrs (das zweite Material) zusammengesetzt
ist aus 20 - 80 Gewichts-% Nitrocellulose (NC), 20 - 80 Gewichts-% Zellstoff, 0 -
20 Gewichts-% Bindeharz, 0,4 - 3 Gewichts-% Stabilisator. Mit diesen Komponenten kann
das Stützrohr kostengünstig hergestellt werden.
[0013] In einer alternativen Ausführungsform enthält das zweite Material Cellulose. Cellulose
verleiht dem Stützrohr eine höhere mechanische Stabilität, da Cellulose über Wasserstoffbrückenbindungen
starke Faser-Faserbindungen herstellt.
[0014] Bevorzugt erstreckt sich das Stützrohr über die gesamte Länge der Anzündübertragungsladung.
Mit dieser Maßnahme wird die Anzündübertragungsladung auf bestmögliche Weise vor äußeren
Einwirkungen, wie beispielsweise Umwelteinflüssen, geschützt und auch mechanisch verstärkt.
[0015] In einer günstigen Weiterbildung der Erfindung ist das Stützrohr zusätzlich auf seiner
Außenseite mit einer pyrotechnischen Mischung beschichtet. Diese Beschichtung kann
beispielsweise Nitrocelluloselack mit oder ohne Schwarzpulver sein, auch bezeichnet
als Pyrolack. Hierdurch wird die rasche Weiterleitung der Anzündung verstärkt bzw.
unterstützt, eine homogene Anzündung zusätzlich gefördert und die Entstehung von Gasdruckwellen
zuverlässig verhindert.
[0016] Bevorzugt enthält die pyrotechnische Beschichtung einen Anteil an Schwarzpulver im
Bereich von > 50 Gewichts-% bis < 95 Gewichts-% sowie Nitrocellulose oder Celluloseacetatbutyrat
als Binder (Rest). Zudem kann ein Stabilisator oder inerter Weichmacher im Prozentbereich
enthalten sein.
[0017] Vorteilhafterweise ist das Stützrohr perforiert. Bevorzugt haben die Perforationen
einen Durchmesser im Größenbereich von 2 mm bis 8 mm, ganz besonders bevorzugt einen
Durchmesser von 4 mm. Durch Perforationen wird die Weiterleitung der Anzündung weiter
beschleunigt und verstärkt bzw. unterstützt.
[0018] Bevorzugt sind die Perforationen über den Umfang des Stützrohrs in mehreren Lochreihen
verteilt, die sich in Umfangsrichtung erstrecken und zueinander in Längsrichtung des
Stützrohr einen vorgegebenen Abstand aufweisen.
[0019] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung liegt der Stützrohr-Außendurchmesser
im Bereich von 26 mm bis 35 mm und liegt der Treibladungsrohr-Außendurchmesser im
Bereich von 20 mm bis 30 mm mit einer Wandstärke von ca. 1,5 mm. Dabei beträgt die
Anzahl der Perforationen vorzugsweise 8 bis 20. Beispielsweise kann eine Lochreihe
vier in Umfangsrichtung gleichmäßig zueinander beabstandete -d. h. mit einem gegenseitigen
Abstand von 90° angeordnete- Löcher aufweisen und können bei einer effektiven Stützrohrlänge
von 96 cm vier Lochreihen mit einem gegenseitigen Abstand von ca. 24 cm angeordnet
sein. Die effektive Stützrohrlänge ist die Stützrohrlänge, die verbleibt, wenn die
an beiden Stützrohrenden benötigte Länge für eine Steckverbindung mit Hülsenmantel
und Hülsendeckel der Treibladung abgezogen wird. Bei längeren Rohren aufgrund von
längeren Ladungen sollte ein Abstand von 50 cm nicht überschritten werden.
[0020] Eine andere Anordnung von Perforationen könnte beispielsweise zwei Lochreihen mit
jeweils vier in Umfangsrichtung gleichmäßig zueinander beabstandeten Löchern und zwei
Lochreihen mit jeweils drei in Umfangsrichtung gleichmäßig zueinander beabstandeten
-d. h. mit einem gegenseitigen Abstand von 120° angeordneten- Löchern aufweisen.
[0021] Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist das Stützrohr an mindestens
einem Ende eine Aufweitung zur Fixierung an einem Gegenstück auf. Hierdurch wird das
Anbringen der Anzündeinheit an anderen Komponenten, beispielsweise an den Hülsendeckel
und den Hülsenmantel einer Hülse, zur Herstellung von Munition erleichtert.
[0022] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist das Material der Anzündübertragungsladung
(das erste Material) zusammengesetzt ist aus 20 - 80 Gewichts-% Nitrocellulose (NC),
20 - 50 Gewichts-% Nitroglycerin (NGL) und/oder Diethylenglycoldinitrat (DEGN) und/oder
Alkyl-Nitratoethylnitramin (Alkyl-NENA) und/oder Triethylenglycoldinitrat (TEGN) und/oder
andere energetische Weichmacher, 0,4 - 3 Gewichts-% Stabilisator sowie 0,5 - 5 Gewichts-%
nicht energetische Weichmacher und weitere Additive.
[0023] Durch die Zugabe von DEGN und/oder Alkyl-NENA und/oder TEGN zum Material für die
Anzündübertragungsladung wird deren Glasübergangspunkt deutlich herabgesetzt. Somit
werden gemäß diesem Ausführungsbeispiel für eine erfindungsgemäße Anzündübertragungsladung
Treibladungspulver verwendet, die entweder zusätzlich zu NC und NGL noch DEGN und/oder
Alkyl-NENA und/oder TEGN und/oder andere energetische Weichmacher enthalten. Oder
es können für eine erfindungsgemäße Anzündübertragungsladung auch Treibladungspulver
verwendet werden, die kein NGL enthalten, sondern nur NC und zusätzlich noch DEGN
und /oder Alkyl-NENA und/oder TEGN und/oder andere energetische Weichmacher. Mit diesen
Komponenten kann das erste Material zudem relativ kostengünstig hergestellt werden.
[0024] Als nichtenergetische Weichmacher können inerte Weichmacher wie Dioctylsebacat. Dioctyladipat,
Citroflex und andere verwendet werden.
[0025] Vorzugsweise enthält das erste Material Butyl-Nitratoethylnitramin als energetischen
Weichmacher, und besonders bevorzugt enthält das erste Material 0,5-1,5 Gewichts-%
Butyl-Nitratoethylnitramin. Butyl-Nitratoethylnitramin (Butyl-NENA) senkt den Glasübergangspunkt
des ersten Materials noch einmal sehr deutlich ab. Insbesondere im Zusammenwirken
mit DEGN und/oder Alkyl-NENA und/oder TEGN reduziert Butyl-NENA den Glasübergangspunkt
auf unter - 52°C. Nach STANAG für das "rough handling" vorgeschriebene Fallversuche
bei -52°C haben gezeigt, dass derart ausgebildete Anzündeinheiten diese Fallversuche
unbeschädigt überstehen. Somit verleiht Butyl-NENA der Anzündübertragungsladung noch
mehr Flexibilität, was die Gefahr eines Sprödbruchs noch einmal beträchtlich reduziert.
[0026] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist die Anzündübertragungsladung
rohrförmig ausgebildet und bildet der Rohrinnenraum den Anzündkanal aus. Auf diese
Weise kann die Anzündübertragungsladung äußerst kostengünstig hergestellt werden.
[0027] Mithilfe der rohrförmigen Ausbildung wird eine einfache und robuste Anzündung auf
der Oberfläche erreicht. Die Anzündung wird initiiert durch einen Anzünder (Primer).
Nachfolgend wird durch den beginnenden Abbrand der rohrförmigen Anzündübertragungsladung
eine große Menge an heißen Gasen, Schwaden und/oder Partikeln produziert, die die
Anzündung verstärken und die Weiterleitung der Anzündung im Inneren der Anzündeinheit
fördern. Übergeordnet wird somit eine zeitlich verzugsarme Durchzündung und folglich
eine homogene Anzündung der gesamten Treibladung erreicht.
[0028] In einer günstigen Weiterbildung der Erfindung sind die Wände des Anzündkanals mit
einer pyrotechnischen Mischung zumindest teilweise beschichtet. Mit dieser Maßnahme
wird die Abbrenngeschwindigkeit der Anzündübertragungsladung gesteigert, so dass sich
die Flamme im Anzündkanal noch schneller ausbreitet.
[0029] Bevorzugt ist die Anzündübertragungsladung auf ihrer Außenseite und/oder auf ihrer
Innenseite profiliert. Die Profilierung kann beispielsweise eine Sternform aufweisen.
Ebenfalls bevorzugt weist die Anzündübertragungsladung einen Längsschlitz auf. Mit
diesen Maßnahmen wird die rasche und gleichzeitig gleichmäßige Weiterleitung der Anzündung
noch weiter gefördert.
[0030] Besonders bevorzugt erstreckt sich ein Längsschlitz über die gesamte Länge einer
rohrförmigen Anzündübertragungsladung und weist weiter bevorzugt eine Breite von maximal
1 mm auf. Die rohrförmige Anzündübertragungsladung wird durch einen Längsschlitz zu
einer Manschette, was dazu führt, dass eine rohrförmige Anzündübertragungsladung flexibler
ist und sich leichter in das Stützrohr einführen lässt.
[0031] Vorteilhafterweise ist die Anzündübertragungsladung in Längsrichtung mehrteilig ausgebildet.
Hierdurch wird die Bruchgefahr bei sehr langen Anzündeinheiten noch zusätzlich reduziert.
[0032] Bevorzugt liegt die Anzündübertragungsladung mit ihrer Außenseite an der Innenseite
des Stützrohrs an. Eine rasche Durchzündung und damit auch eine homogene Anzündung
der gesamten Treibladung werden auf diese Weise noch gefördert.
[0033] In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist die Anzündübertragungsladung
mit dem Stützrohr verklebt. Hierdurch wird eine sichere mechanische Verbindung zwischen
Anzündübertragungsladung und Stützrohr geschaffen und dadurch die Sicherheit für eine
homogene Anzündung der Treibladung erhöht.
[0034] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnungen beispielshalber noch näher
erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- einen Längsschnitt durch eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Anzündeinheit;
- Figur 2
- einen Längsschnitt durch eine zweite Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Anzündeinheit
und
- Figur 3
- einen Längsschnitt durch eine dritte Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Anzündeinheit,
eingebaut in ein Treibladungsmodul.
[0035] Die in den Figuren dargestellten Ausführungsformen einer erfindungsgemäßen Anzündeinheit
1 weisen eine rohrförmige Anzündübertragungsladung 2 und ein Stützrohr 3 auf.
[0036] Die Anzündübertragungsladung 2 ist aus einem ersten Material hergestellt, das in
einem beobachteten Temperaturbereich von -51°C bis +71°C einen Glasübergangspunkt
unterhalb von -40°C aufweist. Dieses erste Material ist ein Treibladungspulver, das
zusammengesetzt ist aus
| 20 - 80 Gewichts-% |
Nitrocellulose (NC), |
| 20 - 50 Gewichts-% |
Nitroglycerin (NGL) und/oder Diethylenglycoldinitrat (DEGN) und/oder Alkyl-Nitratoethylnitramin
(Alkyl-NENA) und/oder Triethylenglycoldinitrat (TEGN) und/oder andere energetische
Weichmacher, |
| 0,4 - 3 Gewichts-% |
Stabilisator, |
| 0,5 - 5 Gewichts-% |
nichtenergetische Weichmacher und weitere Additive. |
[0037] Vorzugsweise wird Butyl-Nitratoethylnitramin (Butyl-NENA) als "anderer" energetischer
Weichmacher eingesetzt, weil Butyl-NENA äußerst effektiv den Glasübergangspunkt weiter
herabsetzt, und zwar auf unter -52°C.
[0038] Beispielsweise kann eine NC/NGL/DEGN-Rezeptur zusammengesetzt sein aus
| 54,0 Gewichts-% |
NC, |
| 25,0 Gewichts-% |
NGL, |
| 19,0 Gewichts-% |
DEGN, |
| 1,0 Gewichts-% |
Akardit (Stabilisator), |
| 1,0 Gewichts-% |
weitere Additive |
oder -ohne NGL- eine NC/DEGN-Rezeptur aus
| 61,4 Gewichts-% |
NC, |
| 36,0 Gewichts-% |
DEGN, |
| 1,5 Gewichts-% |
Akardit (Stabilisator), |
| 0,55 Gewichts-% |
nichtenergetischer Weichmacher, |
| 0,55 Gewichts-% |
weitere Additive, |
wobei DEGN zusammen 0,5-1,5 Gewichts-% Butyl-NENA eingesetzt werden kann, und der
Gewichtsanteil von DEGN dann entsprechend reduziert wird.
[0039] Das Stützrohr 3 ist aus einem zweiten Material hergestellt, das verbrennbar ist und
unterhalb von +72°C keinen Glasübergangspunkt aufweist. Dieses zweite Material kann
zusammengesetzt sein aus
| 20 - 80 Gewichts-% |
Nitrocellulose (NC), |
| 20 - 80 Gewichts-% |
Zellstoff, |
| 0 - 20 Gewichts-% |
Bindeharz, |
| 0,4 - 3 Gewichts-% |
Stabilisator. |
[0040] Beispielsweise kann das zweite Material zusammengesetzt sein aus
| 74,0 Gewichts-% +/- 1,5 % |
NC mit ≥ 13,3 % Stickstoffgehalt (N2), |
| 15,0 Gewichts-% +/- 2,0 % |
Zellstoff, |
| 10,0 Gewichts-% +/- 2,0 % |
Binderharz, |
| 0,75 - 1,6 Gewichts-% |
Stabilisator |
oder aus
| 65,0 Gewichts-% +/- 1,5 % |
NC mit ≥ 13,3 % Stickstoffgehalt (N2), |
| 24,0 Gewichts-% +/- 1,5 % |
Zellstoff, |
| 10,0 Gewichts-% +/- 2,0 % |
Binderharz, |
| 0,75 - 1,6 Gewichts-% |
Stabilisator |
oder aus
| 65,0 Gewichts-% +/- 2,0 % |
NC mit ≥ 13,3 % Stickstoffgehalt (N2), |
| 15,0 Gewichts-% +/- 2,0 % |
Zellstoff, |
| 10,0 Gewichts-% +/- 2,0 % |
Binderharz, |
| 0,75 - 1,6 Gewichts-% |
Stabilisator. |
[0041] In einer weiteren Ausführungsform kommt für das Stützrohr 3 auch Cellulose als Material
infrage.
[0042] In Figur 1 ist der Aufbau einer erfindungsgemäßen Anzündeinheit 1 mit rohrförmiger
Anzündübertragungsladung 2 und Stützrohr 3 allgemein dargestellt.
[0043] Der Rohrinnenraum 4 der rohrförmig ausgebildeten Anzündüberragungsladung 2 bildet
einen freien Anzündkanal 5 aus und kann mit einer pyrotechnischen Mischung beschichtet
6 sein. Die Beschichtung erfolgt bevorzugt ganzflächig; eine Teilbeschichtung ist
aber auch möglich.
[0044] Die Beschichtung 6 kann Schwarzpulver mit oder ohne Schwefel enthalten. Die Beschichtung
kann auch mit Nitrocellulose-Lack erfolgen. Der Anteil an Schwarzpulver liegt vorzugsweise
im Bereich von >50 Gewichts-% bis < 95 Gewichts-%. Als Zusätze kommen beispielsweise
Titan, Calciumsilicid, Aluminium, Antimonsulfid, Bismutsulfid, Zirconium, Nitrocellulose,
Akalimetallnitrate, Bariumnitrat infrage. Der Nitrocellulose-Lack sorgt für eine sehr
gute Haftung des Schwarzpulvers auf der Anzündübertragungsladung 2.
[0045] Die rohrförmige Anzündübertragungsladung 2 liegt mit ihrer Außenseite an der Rohrinnenfläche
des Stützrohrs 3 an und ist mit ihr verklebt.
[0046] Das Stützrohr 3 erstreckt sich über die gesamte Länge der Anzündübertragungsladung
2 und umschließt diese senkrecht zum Anzündkanal 5 vollständig.
[0047] Bei dem in Figur 2 dargestellten Ausführungsbeispiel erstreckt sich das Stützrohr
3 an einem Ende der Anzündeinheit 1 über die rohrförmige Anzündübertragungsladung
2 hinaus und weist dort eine Aufweitung 7 auf. Diese Aufweitung 7 dient zur Fixierung
an einem Gegenstück, beispielsweise an einer zapfenförmigen Ausbuchtung eines Hülsendeckels
9 sowie eines Hülsenmantels 10 eines Treibladungsmoduls 8 (Figur 3).
[0048] Bei sehr langen Anzündeinheiten 1 kann die Anzündübertragungsladung 2 mehrteilig
ausgeführt sein, um das Risiko eines Bruches beim Transport und/oder beim Rough Handling
noch weiter zu reduzieren.
[0049] Figur 3 zeigt als Querschnitt eine rohrförmige Anzündeinheit 1 eingebaut in ein Treibladungsmodul
8. Die dargestellten Perforationen 11 dienen der Veranschaulichung.
[0050] Das Treibladungsmodul 8 weist einen Hülsendeckel 9 und einen Hülsenmantel 10 auf,
die ihrerseits beide jeweils eine zapfenförmige Ausbuchtung 9a, 10a aufweisen, die
zur Befestigung von Hülsendeckel 9 und Hülsenmantel 10 in die entsprechenden Enden
des Stützrohrs 3 eingreifen.
[0051] Der Hülsendeckel 9 ist stufenförmig mit einer Vertiefung 9b zur Aufnahme eines vorragenden
Abschnitts eines sich anschließenden (nicht dargestellten) Treibladungsmoduls ausgebildet.
Die Vertiefung 9b weist einen Umfangsrand auf, in dem Noppen 9c ausgebildet sind,
die in Umfangsrichtung zueinander gleichmäßig beabstandet sind und mit dem vorragenden
Abschnitt eines sich anschließenden (nicht dargestellten) Treibladungsmoduls eine
Klemmverbindung ausbilden.
[0052] Der das gegenüberliegende Ende des Treibladungsmoduls 8 abdeckende Teil des Hülsenmantels
10 ist ebenfalls stufenförmig ausgebildet und weist einen vorragenden Abschnitt 10b
zur Einführung in die Vertiefung des Hülsendeckels eines sich dort anschließenden
(nicht dargestellten) Treibladungsmoduls auf.
[0053] Der Raum zwischen Anzündeinheit 1, Hülsendeckel 9 und Hülsenmantel 10 ist mit Treibladungspulver
12 gefüllt.
Bezugszeichenliste:
[0054]
- 1
- Anzündeinheit
- 2
- Anzündübertragungsladung
- 3
- Stützrohr
- 4
- Rohrinnenraum
- 5
- Anzündkanal
- 6
- pyrotechnische Beschichtung
- 7
- Aufweitung des Stützrohrs 3
- 8
- Treibladungsmodul
- 9
- Hülsendeckel des Treibladungsmoduls 8
- 9a
- zapfenförmige Ausbuchtung des Hülsendeckels 9
- 9b
- Vertiefung des Hülsendeckels 9
- 9c
- Noppen am Hülsendeckel 9
- 10
- Hülsenmantel des Treibladungsmoduls 8
- 10a
- zapfenförmige Ausbuchtung des Hülsenmantels 10
- 10b
- vorragender Abschnitt des Hülsenmantels 10
- 11
- Perforationen
- 12
- Treibladungspulver
1. Anzündeinheit für eine Treibladung (8), mit
- einer länglichen Anzündübertragungsladung (2) aus Treibladungspulver, durch die
hindurch in deren Längsrichtung ein freier Anzündkanal (5) verläuft, und
- einem verbrennbaren Stützrohr (3), das die Anzündübertragungsladung (2) senkrecht
zu dem freien Anzündkanal (5) umschließt,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Anzündübertragungsladung (2) aus einem ersten Material gebildet ist, das in
einem beobachteten Temperaturbereich von -51°C bis +71 °C einen Glasübergangspunkt
unterhalb von -40°C aufweist, und
- das Stützrohr (3) aus einem zweiten Material gebildet ist, das unterhalb von +72°C
keinen Glasübergangspunkt aufweist.
2. Anzündeinheit nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das zweite Material zusammengesetzt ist aus
20 - 80 Gewichts-% Nitrocellulose,
20 - 80 Gewichts-% Zellstoff,
0 - 20 Gewichts-% Bindeharz,
0,4 - 3 Gewichts-% Stabilisator.
3. Anzündeinheit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
das zweite Material Cellulose enthält.
4. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sich das Stützrohr (3) über die gesamte Länge der Anzündübertragungsladung (2) erstreckt.
5. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützrohr (3) zusätzlich auf seiner Außenseite mit einer pyrotechnischen Mischung
beschichtet (6) ist.
6. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützrohr (3) perforiert ist.
7. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützrohr (3) an mindestens einem Ende eine Aufweitung (7) zur Fixierung an einem
Gegenstück aufweist.
8. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das erste Material zusammengesetzt ist aus
| 20 - 80 Gewichts-% |
Nitrocellulose, |
| 20 - 50 Gewichts-% |
Nitroglycerin und/oder Diethylenglycoldinitrat und/oder Alkyl-Nitratoethylnitramin
und/oder Triethylenglycoldinitrat und/oder andere energetische Weichmacher, |
| 0,4 - 3 Gewichts-% |
Stabilisator, |
| 0,5 - 5 Gewichts-% |
nichtenergetische Weichmacher und weitere Additive. |
9. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Material Butyl-Nitratoethylnitramin als energetischen Weichmacher enthält.
10. Anzündeinheit nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass
das erste Material 0,5-1,5 Gewichts-% Butyl-Nitratoethylnitramin enthält.
11. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündübertragungsladung (2) rohrförmig ausgebildet ist und der Rohrinnenraum
den Anzündkanal (5) ausbildet.
12. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Wände des Anzündkanals (5) mit einer pyrotechnischen Mischung zumindest teilweise
beschichtet (6) sind.
13. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündübertragungsladung (2) auf ihrer Außenseite und/oder auf ihrer Innenseite
profiliert ist.
14. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündübertragungsladung (2) einen Längsschlitz aufweist.
15. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündübertragungsladung (2) in Längsrichtung mehrteilig ausgebildet ist.
16. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündübertragungsladung (2) mit ihrer Außenseite an der Innenseite des Stützrohrs
(3) anliegt.
17. Anzündeinheit nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündübertragungsladung (2) mit dem Stützrohr (3) verklebt ist.