GEGENSTAND DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Hybridmaterials, ein Hybridmaterial
und eine Verwendung eines Hybridmaterials.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] Seit jeher werden Zierelemente wie Perlen oder Pailletten in der Mode für Schmuckapplikationen
in Kleidung oder Accessoires eingesetzt. Aufgrund ihrer Struktur, die eine Lichtbrechung
ermöglicht, erzeugen diese eine spezielle Ästhetik und geben den Kleidungsstücken
oder anderen Textilien mit ihrem Glanz ein besonders hochwertiges Erscheinungsbild.
Traditionell werden diese dekorativen Effekte durch die Verwendung von Kristallen,
Perlen oder Pailletten aus Glas oder Kunststoff erzielt, die auf Stoffe aufgenäht
oder aufgeklebt werden. Insbesondere Kristalle erzeugen aufgrund ihrer geordneten
Struktur eine hohe Lichtbrechung, wodurch diese besonders funkeln und ein sehr elegantes
Design ermöglichen.
[0003] Die am häufigsten in der höherwertigen Textilindustrie verarbeiteten Kristalle sind
Glaskristalle. Oft werden diese durch ein Loch im Kristall mit einem Faden an dem
Kleidungsstück oder dem Accessoire einzeln befestigt. Kunststoff- oder Harzkristalle
sind günstigere Alternativen zu Glaskristallen, die ebenfalls in einem aufwändigen
Verarbeitungsschritt auf das Textilmaterial appliziert werden müssen. Gemeinsam ist
diesen Materialien, dass sie zwar eine hohe optische Attraktivität besitzen, jedoch
aus ökologischer Sicht problematisch sind und den Fertigungsaufwand des Hybridmaterial
deutlich erhöhen. Insbesondere Kunststoffkristalle sind mit negativen Umweltfolgen
verbunden, da diese Materialien nur schwer recycelbar sind und zu Mikroplastikverunreinigungen
führen können. Glasperlen und Glaskristalle sind zwar langlebig, jedoch energieintensiv
in der Herstellung, was ihren ökologischen Fußabdruck erhöht. Das Recycling dieser
Applikationen ist komplex, weil es ein aufwändiges Separieren der Kristalle, Perlen
oder Pailletten von dem Textilmaterial vor dem eigentlichen Recycling erfordert. Darüber
hinaus sind viele der herkömmlichen Verfahren zur Befestigung dieser Dekorationen
auf Textilien ressourcenintensiv und können die Lebensdauer des Textils beeinträchtigen,
da Nähte oder Klebstoffe die textile Struktur schwächen oder sich im Laufe der Zeit
lösen können.
[0004] Mit dem zunehmenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist ein dringender
Bedarf an alternativen Ansätzen für insbesondere textile Dekorationen entstanden,
die sowohl ästhetisch ansprechend als auch umweltfreundlich sind. Es besteht insbesondere
Interesse an neuen Hybridmaterialien sowie Verfahren zur Herstellung solcher, die
nachhaltiger sind und/oder ein einfaches Recycling ermöglichen und/oder einen geringeren
Fertigungsaufwand aufweisen und/oder eine hohe Materialflexibilität ermöglichen und/oder
ressourcenschonend sind und/oder die Langlebigkeit des Produktes verbessern.
AUFGABE
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Herstellung eines Hybridmaterials
zur Verfügung zu stellen, welches die obigen Probleme zumindest teilweise, vorzugsweise
vollständig löst, insbesondere eine weniger aufwändige und somit kostengünstigere
und zeitsparendere Herstellung eines solchen Materials erlaubt und/oder welches nachhaltiger
und ressourcenschonender ist als die Verfahren, die aus dem Stand der Technik bekannt
sind und/oder welches die Herstellung eines Hybridmaterials ermöglicht, welches einfach
zu recyclen und/oder langlebig ist und/oder das eine hochwertige Ästhetik bietet.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß insbesondere gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung
eines Hybridmaterials umfassend ein faserhaltiges Trägermaterial auf dessen Oberfläche
mindestens ein Kristall angeordnet ist; das nachfolgenden Schritte aufweist:
- a) Bereitstellen einer kristallisationsfähigen, vorzugsweise wässrigen, Lösung umfassend
ein Lösungsmittel und einen gelösten Stoff;
- b) Bereitstellen eines faserhaltigen, vorzugsweise textilen, Trägermaterials;
- c) In Kontakt bringen zumindest eines Teils des faserhaltigen, vorzugsweise textilen
Trägermaterials aus Schritt b) mit der kristallisationsfähigen Lösung aus Schritt
a) bei einer Temperatur der kristallisationsfähigen Lösung von ≥ 20 °C, vorzugsweise
≥ 30 °C; noch bevorzugter, vorzugsweise ≥ 40 °C;
- d) Kristallisation zumindest eines Teils, vorzugsweise des gesamten gelösten Stoffes
aus der kristallisationsfähigen Lösung zu mindestens einem Kristall auf der Oberfläche
des mit der kristallisationsfähigen Lösung in Kontakt gebrachten faserhaltigen, vorzugsweise
textilen Trägermaterials, um das Hybridmaterial zu erhalten.
[0007] Ein "Hybridmaterial" (auch Verbundstoff) ist ein Werkstoff, der aus zwei oder mehr
unterschiedlichen Materialien aufgebaut ist. Dabei können die Materialien unterschiedlichen
Materialklassen angehören. Hybridmaterialien zeichnen sich oft durch verbesserte mechanische,
chemische oder physikalische Eigenschaften aus, zu denen auch ästhetische Eigenschaften
zählen können. die mit einem einzelnen Material nicht oder nicht in dieser Form erreichbar
wären. Im Falle der Erfindung umfasst das Hybridmaterial mindestens einen Kristall
und ein vorzugsweise textiles Trägermaterial, kann jedoch auch noch weitere Materialien
aufweisen.
[0008] Eine "kristallisationsfähige Lösung" (hier auch "Lösung" genannt) umfasst ein Lösungsmittel
und einen gelösten Stoff (auch "Solut" genannt). Unter geeigneten Bedingungen (z.
B. durch Abkühlen, Verdampfen des Lösungsmittels oder Zugabe eines Kristallisationskeims)
ist eine Kristallbildung zu beobachten und der gelöste Stoff fällt in Form von Kristallen
aus.
[0009] Ein Trägermaterial ist ein festes oder flexibles Substrat, das ein Fasermaterial
umfasst und als physische Basis dient, um andere Materialien, Stoffe oder Wirkstoffe
aufzunehmen, zu unterstützen oder zu fixieren. Es bietet eine geeignete Oberfläche
oder Struktur, auf der bestimmte Prozesse oder chemische Reaktionen, vorliegend die
Kristallisation des in der kristallisationsfähigen Lösung enthaltenen Stoffes, ablaufen
können. Als Trägermaterial kann beispielsweise ein ein- oder zweidimensionales Textilgebilde,
ein Leder, insbesondere ein veganes Leder, Federn oder Felle und Schuppen dienen.
Bevorzugt umfasst oder besteht das Trägermaterial aus biobasierten und/oder kompostierbaren
Materialien. Dies gilt ebenso für das Hybridmaterial als Ganzes.
[0010] Ein Fasermaterial bezeichnet einen Werkstoff, der aus feinen, langgestreckten Strukturen,
den Fasern besteht. Die Fasern können natürlicher oder synthetischer Herkunft sein.
Das Fasermaterial umfasst oder besteht vorzugsweise aus Lang- und/oder Endlosfasern.
[0011] Ein "Kristallit" ist ein einzeln orientierter Bereich innerhalb eines kristallinen
Materials, d.h. eines Kristalls, in dem die Atome in einer regelmäßigen, kristallinen
Struktur angeordnet sind. Kristallite bilden sich häufig in polykristallinen Materialien,
bei denen das gesamte Material aus vielen dieser Kristallite besteht, die in zufälligen
Orientierungen aneinandergrenzen. Die Grenzen zwischen den Kristalliten, sogenannte
Korngrenzen, beeinflussen die mechanischen und physikalischen Eigenschaften des Materials.
Im Gegensatz zu polykristallinen Materialien besteht ein "Einkristall" aus einem einzigen
Kristallit. Die Bezeichnung "Kristall" umfasst erfindungsgemäß sowohl Einkristalle
als auch polykristalline Materialien.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren reduziert den Aufwand, um dekorative Materialien mit
Kristallapplikationen herzustellen, erheblich. Das einzelne Aufnähen, Aufkleben oder
sonstige Aufbringen von separat gefertigten Kristallen, beispielsweise Glas- oder
Kunststoffkristallen, kann durch das erfindungsgemäße Verfahren vollständig ersetzt
werden. Dies führt zu vergleichsweisen niedrigen Produktionskosten.
[0013] Darüber hinaus ist das erfindungsgemäße Verfahren besonders energieeffizient. Zur
Herstellung der Kristallite bedarf es keines Verfahrensschritts, der besonders viel
Energie benötigt, wie beispielsweise eines Schmelzschritts, welcher für die Herstellung
von Glaskristallen durchgeführt werden müssen. Damit ist das Verfahren ressourcenschonend
und nachhaltig.
[0014] Weiterhin ist die hohe Skalierbarkeit ein besonderer Vorteil des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Während einzeln aufzubringende Applikationen in großen Maßstäben schwierig
und/oder nur kosten- und zeitintensiv umzusetzen sind, bietet die vorliegende Erfindung
eine einfache Skalierbarkeit und kann auch in industriellem Produktionsumfang eingesetzt
werden.
[0015] Das in Kontakt bringen zumindest eines Teils des faserhaltigen, vorzugsweise textilen
Trägermaterials aus Schritt b) mit der kristallisationsfähigen Lösung aus Schritt
a) bei einer Temperatur der kristallisationsfähigen Lösung von ≥ 30 °C, vorzugsweise
≥ 40 °C; verbessert die Anbindungsfähigkeit der Fasern, wodurch die Kristallisation
des gelösten Stoffes und die Haftung an das Trägermaterial positiv beeinflusst wird.
Besonders bevorzugt wird die kristallisationsfähige Lösung bis zu einer Temperatur
in dem Bereich von 60 bis 100°C, vorzugsweise 70 bis 95°C, erhitzt und das Trägermaterial
auch in diesem Temperaturbereich mit der kristallisationsfähigen Lösung kontaktiert.
Einer der wesentlichen Vorteile ist die erhöhte Zugänglichkeit der Fasern für die
Kristallisation. Durch das Aufquellen wird die Oberfläche der Fasern vergrößert, was
die Durchdringung mit der kristallisationsfähigen Lösung erleichtert und eine Keimbildung
und Kristallisation auch zwischen den Fasern ermöglicht.
[0016] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die kristallisationsfähige
Lösung während des Schrittes d) zumindest abschnittsweise, vorzugsweise kontinuierlich,
durchmischt. Alternativ oder zusätzlich wird die kristallisationsfähige Lösung in
einem Zeitraum ≤ 1 h, bevorzugt ≤ 30 min, noch bevorzugter ≤ 10 min und am bevorzugtesten
≤ 5 oder sogar 2 min vor dem in Kontakt bringen in Schritt c) zumindest abschnittsweise,
vorzugsweise kontinuierlich, durchmischt. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform
erfolgt eine derartige Durchmischung vor in Kontakt bringen und anschließend in Schritt
d) keine weitere Durchmischung. Hierdurch wird die Zahl an Kristallisationskeimen
geringgehalten.
[0017] Eine vorzugsweise kontinuierliche Durchmischung der kristallisationsfähigen Lösung
in Schritt d) ermöglicht eine kontrollierte Kristallisation, indem die Reaktionsbedingungen
über das gesamte Volumen der Lösung hinweg konstant gehalten werden. Dies bezieht
sich insbesondere auf die Temperatur und den Sättigungsgrad, bzw. die Stoffkonzentration
in der Lösung. Auch andere Bedingungen wie pH-Wert oder Additivverteilung werden durch
die vorzugsweise kontinuierliche Durchmischung homogen gehalten.
[0018] Die vorzugsweise kontinuierliche Durchmischung verhindert somit beispielsweise lokale
Übersättigungsherde, die zu unkontrollierter Kristallbildung führen können. Weiterhin
ergibt sich daraus auch eine gleichmäßige Kristallkeimbildung, die ein gleichmäßiges
Wachstum ermöglicht. Hierdurch werden Kristallmuster mit besonders homogenem Erscheinungsbild
erhalten.
[0019] Bevorzugt erfolgt die Durchmischung mit Hilfe von mindestens einer Mischvorrichtung,
die besonders bevorzugt innerhalb der kristallisationsfähigen Lösung platziert ist.
Beispielhafte Mischvorrichtungen erlauben ein mechanisches Durchmischen der Lösung,
ein Durchmischen der Lösung mittels Turbulenzgenerierung oder durch Scherkräfte, mittels
Schüttelns oder Vibration oder mittels Ultraschall.
[0020] Die Mischvorrichtung kann in unterschiedlichen Ausführungen realisiert werden und
sowohl auf aktiven als auch passiven Mischprinzipien beruhen. Aktive Mischvorrichtungen
verwenden mechanische oder elektrische Komponenten wie Rührwerke, Schneckenmischer,
Turbinen oder Rotor-Stator-Systeme, um eine gezielte Durchmischung der Komponenten
zu erreichen.
[0021] Alternativ kann die Mischvorrichtung auch passiv ausgestaltet sein, d. h. ohne bewegliche
Teile, beispielsweise in Form eines statischen Mischers. Bei dieser Variante wird
die Vermischung durch die Strömungsdynamik der Komponenten und die Integration feststehender
Mischelemente innerhalb der Vorrichtung erzielt. Eine solche passive Vorrichtung kann
vorteilhaft sein, um eine homogene Durchmischung zu erreichen, ohne zu viel Turbulenz
zu erzeugen, die die Keimbildung negativ beeinflussen kann.
[0022] Auch wird die Prozessstabilität durch das vorzugsweise kontinuierliche Durchmischen
erhöht, indem ungewollte Ablagerungen an Behälterwänden oder anderen Behälteroberflächen,
die mit der Lösung in Kontakt treten, verhindert werden. So bleibt die Konzentration,
bzw. der Sättigungsgrad der Lösung kontrollierbar und eine Thermoregulation, die beispielsweise
über die Behälterwände stattfindet, kann ungehindert auf die Lösung übertragen werden,
was wiederum Energiekosten einspart.
[0023] Darüber hinaus kann die Mischvorrichtung und/oder das Behältnis in welchem die kristallisationsfähige
Lösung mit dem Trägermaterial kontaktiert wird optional mit zusätzlichen Funktionen
kombiniert werden, wie beispielsweise einer Temperaturkontrolle durch einen Temperatursensor.
[0024] Die Mischvorrichtung ist vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Rührwerken,
wie Propellerrührer, Paddelrührer oder Ankerrührer; Magnetrührer oder Schüttelmaschinen,
bevorzugt Linearschüttler oder Orbital-Schüttler. Diese Mischvorrichtungen sind einfach
in der Installation und lassen sich vergleichsweise unkompliziert skalieren. Sie sorgen
für eine konstante Durchmischung, was die kontrollierte Kristallisation ermöglicht
und somit die Herstellung eines hochwertigen und gleichmäßigen Hybridmaterials ermöglicht.
[0025] Bevorzugt ist die Mischvorrichtung innerhalb der kristallisationsfähigen Lösung platziert.
Dies ist besonders bevorzugt, wenn die kristallisationsfähige Lösung in Schritt a)
in Behältern bereitgestellt wird.
[0026] Besonders bevorzugt findet die erfindungsgemäße Kristallisation mittels der Abkühlmethode
statt. Hierbei wird die kristallisationsfähige Lösung in einem bevorzugt präzise gesteuerten
Temperaturzeitverlauf abgekühlt. Dazu können Vorrichtungen zur Temperaturregulation,
auch Thermoelemente genannt, vorzugsweise Wärme- und/oder Kälteplatten, genutzt werden,
die vorzugsweise innerhalb eines die kristallisationsfähige Lösung fassenden Behälters
oder außerhalb dieses, bevorzugt unmittelbar an den Wänden bzw. dem Boden des Behälters,
angebracht sind.
[0027] Insbesondere wird mindestens eine Wärmeplatte am Boden des Behälters befestigt, sodass
sedimentierende Kristalle wieder aufgelöst werden können, was eine ausreichende Konzentration
bzw. einen ausreichenden Sättigungsgrade der Lösung während der Kristallisation ermöglicht,
da nicht benötigte freie Kristalle gelöst werden können und zur Erzeugung des Hybridmaterials
zur Verfügung stehen.
[0028] In einer bevorzugten Ausführungsform sind die Thermoelemente steuerbar und mit Temperatursensoren
kombinierbar. Mittels der Temperatursensoren kann konstant Feedback an ein Regelungselement
gesendet werden, welches wiederum die Thermoelemente so steuert, dass eine konstante
Temperatur oder ein bestimmter Temperaturverlauf gehalten werden kann. Dies ist besonders
wichtig für ein kontrolliertes Kristallwachstum und ein homogenes Erscheinungsbild
des Hybridmaterials.
[0029] Weitere Sensoren wie Leitfähigkeitssensoren (Konduktometer), pH-Meter, Refraktometer
und/oder ionenselektive Elektroden können ebenfalls in dem erfindungsgemäßen Verfahren
eingesetzt werden und zusammen mit entsprechenden Regelungs- bzw. Steuervorrichtungen
die Bedingungen während der kontrollierten Kristallisation homogen halten.
[0030] Das Verfahren kann mittels der eingesetzten Steuer- bzw. Regelungselemente präzise
reguliert werden, sämtliche Prozessschritte können dokumentiert werden und somit mögliche
Fehlproduktionen geringgehalten werden. Dies reduziert den entstehenden Ausschuss,
was erhebliche Vorteile für die Nachhaltigkeit der Produktion solcher Hybridmaterialien
mit sich bringt. Auch reduziert dies die Kosten in der Produktion und steigert die
Effektivität.
[0031] In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das Verfahren einen weiteren Schritt
e) in welchen der in Schritt d) erzeugte mindestens eine Kristall beschichtet wird.
Beschichten ist ein Verfahren, bei dem eine oder mehrere Schichten eines Materials
auf eine Oberfläche aufgebracht werden, um dessen Eigenschaften zu verändern oder
zu verbessern. Bevorzugt erfolgt das Beschichten mittels einer Sprühbeschichtung,
Tauchbeschichtung, Schleudern (Spin-Coating) oder Pulverbeschichtung.
[0032] Das Beschichten erfolgt bevorzugt mit einem Polymermaterial, insbesondere einem Poly(meth)acrylat
(PMA) wie Polymethyl(meth)acrylat (PMMA) . PMA und PMMA-Beschichtungen sind optisch
klar und bieten eine hohe Lichtdurchlässigkeit, weshalb sie die vorteilhaften Charakteristika
von Kristallen nicht überdecken und eine hohe optische Ästhetik gewährleisten. PMMA
bildet zudem eine harte und widerstandsfähige Schicht, die vor mechanischen Defekten
wie Kratzern schützt, und hat zudem hydrophobe Eigenschaften, sodass Wasser abgewiesen
wird, was vorteilhaft gegenüber Außeneinflüssen wie Feuchtigkeit oder Nässe ist. Das
Beschichtungsmaterial ist vorzugsweise aus nachfolgenden Gruppen ausgewählt:
Organische Beschichtungsmaterialien
[0033] Organische Beschichtungsmaterialien bieten vielseitige Schutz- und Funktionseigenschaften
für Feststoffe, insbesondere gegen Feuchtigkeit, Chemikalien oder Abrieb. Geeignete
Materialien können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Polyurethanen (PU),
die elastische und widerstandsfähige Oberflächen erzeugen, Epoxidharzen, die für hohe
Härte und chemische Beständigkeit bekannt sind, Silikonpolymeren, die sich durch Temperatur-
und UV-Beständigkeit auszeichnen, sowie Acrylharzen, die häufig für dekorative oder
witterungsbeständige Beschichtungen eingesetzt werden.
Biobasierte und/oder kompostierbare Beschichtungsmaterialien
[0034] Biobasierte und/oder kompostierbare Beschichtungen bieten nachhaltige Alternativen
zu herkömmlichen Materialien und sind daher besonders bevorzugt. Geeignete Materialien
können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Polysacchariden wie Stärke und
Cellulose, die biologisch abbaubar und vielseitig einsetzbar sind, Proteinen wie Kasein
und Sojaprotein, sowie Polylactiden (PLA) und anderen biobasierten Polyestern, die
durch hohe Transparenz und gute mechanische Eigenschaften überzeugen.
Anorganische Beschichtungsmaterialien
[0035] Anorganische Beschichtungsmaterialien bieten hervorragenden Schutz gegen Hitze, Korrosion
und Abrieb und sind daher besonders geeignet für technische Anwendungen. Beispiele
aus der Gruppe bestehen aus Aluminiumoxid (Al
2O
3) und Zirkonoxid (ZrO
2) für Verschleißschutz, Titandioxid (TiO
2) für UV-Schutz und selbstreinigende Eigenschaften, sowie Siliziumdioxid (SiO
2), das als transparente, chemisch resistente Schutzschicht dient.
Metallische Beschichtungsmaterialien
[0036] Metallische Beschichtungen schützen Feststoffe vor Korrosion, verbessern ihre mechanischen
Eigenschaften oder bieten elektrische Leitfähigkeit. Geeignete Materialien können
ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Zink und Aluminium, Edelmetallen wie
Gold, Silber und Platin; sowie Kupfer und Nickel, die in funktionalen Anwendungen
verwendet werden.
Hybride Beschichtungsmaterialien
[0037] Hybride Beschichtungen kombinieren organische und anorganische Komponenten, um spezifische
Anforderungen zu erfüllen. Beispiele hierfür sind Materialien aus der Gruppe bestehend
aus Sol-Gel-Beschichtungen, die aus Silikaten und organischen Polymeren bestehen,
nanostrukturierte Beschichtungen, die Nanopartikel wie Titandioxid (TiO
2), Zinkoxid (ZnO) oder Siliziumoxid (SiO
2) enthalten und verbesserte mechanische, optische oder thermische Eigenschaften bieten,
sowie Hybridpolymere, die chemische Beständigkeit und Flexibilität vereinen.
Funktionale Beschichtungsmaterialien
[0038] Funktionale Beschichtungen verleihen Feststoffen spezifische Eigenschaften wie Selbstreinigung,
Leitfähigkeit oder thermische Isolation. Geeignete Materialien können ausgewählt werden
aus der Gruppe bestehend aus hydrophoben und superhydrophoben Beschichtungen, beispielsweise
basierend auf fluorierten Polymeren, elektrisch leitfähigen Materialien wie Indium-Zinn-Oxid
(ITO) oder Graphen, wärmedämmenden Schichten, etwa auf Basis von Keramik oder Aerogelen,
sowie thermochromen oder photochromen Beschichtungen, die ihre Eigenschaften in Abhängigkeit
von Temperatur oder Licht verändern.
[0039] Bevorzugt ist der in der kristallisationsfähigen Lösung gelöste Stoff ein Salz.
[0040] Das Salz ist vorzugsweise ausgewählt aus den nachfolgenden Gruppen:
Anorganische Salze mit Alkali- und Erdalkalimetallionen
[0041] Anorganische Salze mit Alkali- und Erdalkalimetallen sind aufgrund ihrer hohen Löslichkeit
in Wasser und der klaren Kristallstrukturen besonders gut für Kristallisationen geeignet.
Geeignete Verbindungen können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Nitraten
wie Natriumnitrat (NaNO
3), Kaliumnitrat (KNO
3) und Calciumnitrat (Ca(NO
3)
2); Chloriden wie Natriumchlorid (NaCl), Kaliumchlorid (KCI) und Calciumchlorid (CaCl
2); sowie Sulfaten wie Natriumsulfat (Na
2SO
4), Kaliumsulfat (K
2SO
4) und Calciumsulfat (CaSO
4). Auch Carbonate wie Natriumcarbonat (Na
2CO
3), Kaliumcarbonat (K
2CO
3) und Calciumcarbonat (CaCO
3) fallen in diese Kategorie.
Übergangsmetall-Salze
[0042] Übergangsmetall-Salze sind oft farbig und bilden interessante geometrische Kristallstrukturen,
die für ästhetische Anwendungen besonders geeignet sind. Beispiele für geeignete Verbindungen
können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Sulfaten wie Kupfersulfat (CuSO
4), Nickelsulfat (NiSO
4) und Zinksulfat (ZnSO
4); Chloriden wie Eisenchlorid (FeCl
3), Kobaltchlorid (CoCl
2) und Nickelchlorid (NiCl
2); sowie Nitraten wie Silbernitrat (AgNO
3), Eisen(III)-nitrat (Fe(NO
3)
3) und Cobaltnitrat (Co(NO
3)
2).
Aluminiumsalze und Komplexe
[0043] Aluminiumsalze und ihre kristallwasserhaltigen Komplexe eignen sich besonders gut
für die Kristallisation und bieten stabile, symmetrische Strukturen. Geeignete Verbindungen
können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Aluminiumsulfat (Al
2(SO
4)
3), Kaliumaluminat (KAl(SO
4)
2), bekannt als Alaun, sowie Ammoniumaluminat (NH
4Al(SO
4)
2).
Halogenide
[0044] Halogenidsalze kristallisieren leicht aus Lösungen und bilden oft klare, prismatische
Kristalle. Geeignete Verbindungen können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend
aus Natriumhalogeniden wie Natriumfluorid (NaF), Natriumchlorid (NaCl) und Natriumbromid
(NaBr); Kaliumhalogeniden wie Kaliumiodid (Kl) und Kaliumchlorid (KCI); sowie Magnesiumhalogeniden
wie Magnesiumchlorid (MgCl
2).
Organische Salze
[0045] Organische Salze, die aus organischen Säuren und Basen bestehen, eignen sich hervorragend
für die Kristallisation und bieten oft interessante optische Eigenschaften. Geeignete
Verbindungen können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Acetaten wie Natriumacetat
(CH
3COONa), Kaliumacetat (CH
3COOK) und Calciumacetat (CH
3COO)
2Ca; Formiaten wie Natriumformiat (HCOONa) und Kaliumformiat (HCOOK); sowie Citraten
wie Natriumcitrat (Na
3C
6H
5O
7) und Kaliumcitrat (K
3C
6H
5O
7).
Doppelsalze und komplexe Salze
[0046] Doppelsalze und komplexe Salze kristallisieren oft in symmetrischen und ästhetischen
Strukturen. Geeignete Verbindungen können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend
aus Alaunen wie Kaliumaluminiumalaun (KAl(SO
4)
2·12H
2O) und Ammoniumeisenalaun (NH
4Fe(SO
4)
2·12H
2O), sowie Tutton's Salzen wie Magnesiumammoniumsulfat (Mg(NH
4)
2(SO
4)
2·6H
2O) und Zinkammoniumsulfat (Zn(NH
4)
2(SO
4)
2·6H
2O).
Seltene Erden und ihre Salze
[0047] Die Salze der seltenen Erden bieten einzigartige optische und kristallographische
Eigenschaften, die sie besonders interessant machen. Geeignete Verbindungen können
ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Lanthanidsalzen wie Lanthanchlorid
(LaCl
3), Neodymnitrat (Nd(NO
3)
3) und Europiumsulfat (Eu
2(SO
4)
3), sowie Yttriumsalzen wie Yttriumchlorid (YCl
3) und Yttriumsulfat (Y
2(SO
4)
3).
Hydrate und kristallwasserhaltige Salze
[0048] Salze mit Kristallwasser sind besonders gut für die Kristallisation geeignet, da
sie oft klare und stabile Kristalle bilden. Geeignete Verbindungen können ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus Kupfersulfat-Pentahydrat (CuSO
4·5H
2O), Magnesiumsulfat-Heptahydrat (MgSO
4·7H
2O) und Zinksulfat-Heptahydrat (ZnSO
4·7H
2O).
Salze mit besonderen optischen Eigenschaften
[0049] Einige Salze weisen optische Eigenschaften wie Fluoreszenz oder Doppelbrechung auf
und eignen sich hervorragend für spezielle Anwendungen. Geeignete Verbindungen können
ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Calciumfluorid (CaF
2), Natriumfluorid (NaF) und Lithiumfluorid (LiF).
[0050] Besonders bevorzugt ist das Salz ein Alaun, d.h. eine schwefelsaure Doppelverbindung
entsprechend der Zusammensetzung M
IM
III(SO
4)
2 * 12 H
2O, wobei M' für ein einwertiges Metallkation und M
III für ein dreiwertiges Metallkation steht. Bevorzugt ist M' Kalium oder Natrium, stärker
bevorzugt Kalium. M
III ist bevorzugt Aluminium, Chrom, Cobalt oder Eisen, stärker bevorzugt Aluminium oder
Chrom, insbesondere Aluminium. Alaune sind hautfreundliche Substanzen, die auch häufig
in Deodorants oder Aftershave-Mitteln Verwendung finden. Sie zeichnen sich durch ihre
antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften aus, weshalb sie besonders
in der Naturkosmetik zum Einsatz kommen. Somit eignen sich Alaune auch besonders für
Textile, da sie in der Regel keine Hautreaktionen bei der tragenden Person auslösen.
Zudem sind Alaune nachhaltige Substanzen, da sie natürlich vorkommen und nicht, wie
beispielsweise Kunststoffe, synthetisch erzeugt werden müssen. Weiterhin ist die Wachstumszeit
der Alaunkristalle im Vergleich zu anderen Kristallen verhältnismäßig kurz. Zusammen
sind diese Eigenschaften vorteilhaft für die Verwendung von Alaunkristallen zur Herstellung
eines erfindungsgemäßen Hybridmaterials. Alaune sind zudem wasserlöslich, weshalb
sie einfach zu recyclen sind und somit weiter zur Nachhaltigkeit beitragen.
[0051] Bevorzugt enthält die kristallisationsfähige Lösung Kaliumaluminiumsulfat-Dodecahydrat
(Kalialaun) und/oder Chrom(III)-kaliumsulfat-Dodecahydrat (Chromalaun). Besonders
bevorzugt enthält die kristallisationsfähige Lösung nur eine der vorgenannten Substanzen.
Kalialaun bildet farblose, durchsichtige, hochreine und kubische Kristalle, während
Chromalaun dunkelviolette Kristalle in Oktaederform bildet. Beide Substanzen führen
zu ästhetisch ansprechenden Kristallen, die zudem gut definiert wachsen können und
ein elegantes Erscheinungsbild bieten.
[0052] Vorzugsweise weist das Salz ≤ 1 Atom-% an Metallen mit einer Dichte > 5 g/cm
3 auf. Dies entspricht der Definition eines "Schwermetalls" gemäß Fachkundebuch Metall,
56. Auflage, Europa Lehrmittel, S. 268: Tabelle 1: Einteilung der NE-Metalle. Hierunter
fallen beispielsweise Kupfer, Eisen oder auch Zink. Aufgrund von Umweltaspekten ist
der Gehalt solcher Metalle im Hybridmaterial möglichst gering zu halten.
[0053] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung beträgt der Gehalt von Metallen,
die eine Dichte > 5 g/cm
3 aufweisen ≤ 0,5 Atom-%, besonders bevorzugt ≤ 0,2 Atom-% und am bevorzugtesten ≤
0,1 Atom-%. Vorzugsweise ist der Gehalt von Aluminium, Lithium, Beryllium, Strontium
und Bor jeweils und/oder summiert in den vorgenannten Bereichen.
[0054] In einer bevorzugten Ausführungsform ist die Konzentration des gelösten, kristallisationsfähigen
Stoffs in der kristallisationsfähigen Lösung in Schritt a) und/oder c) und/oder d)
0,1- 1 g/ml, bevorzugt 0,2 - 0,9 g/ml, stärker bevorzugt 0,3 - 0,85 g/ml. Je nach
Temperatur der Lösung kann dies einer ungesättigten, einer gesättigten oder einer
übersättigten Lösung entsprechen.
[0055] Bevorzugt beträgt das Verhältnis von gelöstem Stoff zu Lösungsmittel 1:1 - 1:10,
bevorzugter 1:2 - 1:8, stärker bevorzugt 1:5 - 1:8 und am bevorzugtesten 1:6 - 1:8
oder sogar 1:7 - 1:8.
[0056] Bevorzugt wird eine ungesättigte Lösung in Schritt a) und/oder Schritt c) und/oder
Schritt d) bereitgestellt. Hierdurch kann ein sehr kontrolliertes Kristallwachstum
stattfinden, da die Kristallbildung langsamer verläuft, als bei gesättigten oder übersättigten
Lösungen. Weiterhin neigen ungesättigte Lösungen weniger dazu, spontan Kristallkeime
zu bilden. Statt vieler kleiner Kristalle können sich so eher wenige größere Kristalle
bilden, was für dekorative Zwecke des Hybridmaterials besonders wünschenswert ist.
[0057] Bevorzugt liegt der Sättigungsgrad der kristallisationsfähigen Lösung in Schritt
a) und/oder Schritt c) und/oder Schritt d) bei 60 - 95%, bevorzugt bei 70 - 90%, stärker
bevorzugt bei 75 - 85%.
[0058] Bevorzugt umfasst der Schritt a) folgende Teilschritte:
a1) Bereitstellen einer Masse mL eines Lösungsmittels, bevorzugt Wasser;
a2) Einwiegen einer Masse mk eines kristallisationsfähigen Stoffs, bevorzugt eines Alauns, in das Lösungsmittel;
optional: a3) Erhitzen des Lösungsmittels auf eine Temperatur TL;
optional: a4) Durchmischen des Lösungsmittels und des kristallisationsfähigen Stoffs.
[0059] In einer bevorzugten Ausführungsform wird das Lösungsmittel in Schritt a) auf eine
Temperatur T
L erhitzt, die 70 - 95°C beträgt, bevorzugt 75 - 90°C, stärker bevorzugt 80 - 85°C.
Bevorzugt ist die Temperatur zumindest abschnittsweise auch in den Schritten c) und
d) in den obigen Bereichen.
[0060] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird das Lösungsmittel in den Schritten
a) und/oder c) und/oder d) in einem Temperaturbereich von 20-50 °C gehalten. Dies
wird insbesondere bei der Verdunstungsmethode genutzt, bei der die Kristallisation
ohne aktive Temperaturveränderung durch Verdunsten des Lösungsmittels und somit Erhöhen
der Konzentration des kristallisationsfähigen Stoffs bei weitestgehend gleichbleibender
Umgebungstemperatur stattfindet.
[0061] In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Trägermaterial ein Textilgebilde, vorzugsweise
ein eindimensionales Textilgebilde. Ein eindimensionales Textilgebilde besitzt eine
lineare Form und ist weitestgehend in nur eine Richtung ausgedehnt. Dies können bevorzugt
Filamente, Fäden, Garne, Zwirne, Seile oder Kordeln sein.
[0062] Filamente sind im Sinne der Erfindung endlose Fasern, die aus natürlichen oder synthetischen
Materialien bestehen. Natürliche Filamente, wie Seide, kommen in ihrer ursprünglichen
Form vor, während synthetische Filamente durch Extrusion hergestellt werden. Sie zeichnen
sich durch eine gleichmäßige, glatte Struktur aus und eignen sich besonders für feine,
gleichmäßige Textilien. Filamente können einzeln verwendet oder zu Filamentgarnen
gebündelt werden, um unterschiedliche Eigenschaften wie Festigkeit und Elastizität
zu erzielen.
[0063] Erfindungsgemäß sind Fäden lineare Gebilde, die durch das Verspinnen von Fasern oder
Filamenten entstehen. Sie bestehen aus einer oder mehreren Fasersträngen, die lose
oder fest miteinander verbunden sind. Fäden sind vielseitig einsetzbar, etwa zum Nähen,
Sticken oder Weben. Sie sind meist dünn und flexibel, können aber je nach Materialwahl
unterschiedliche Festigkeiten und Texturen aufweisen. Garne sind aus versponnenen
Fasern hergestellte Fäden, die entweder aus Kurzfasern (Stapelfasergarn) oder Filamenten
(Filamentgarn) bestehen. Sie bilden die Grundlage für die meisten textilen Flächen
wie Gewebe und Gestricke. Garne können einfach oder mehrfach gedreht sein, um spezifische
Eigenschaften zu erzielen.
[0064] Im Sinne der Erfindung entstehen Zwirne durch das gezielte Verdrillen von zwei oder
mehr Garnen miteinander, wodurch ein robustes und strapazierfähiges eindimensionales
Textilgebilde entsteht. Durch die Zwirnung verbessern sich Festigkeit, Gleichmäßigkeit
und die Widerstandsfähigkeit des Materials. Sie können insbesondere dann dekorative
Effekte bieten, wenn unterschiedliche Farben oder Materialien kombiniert werden.
[0065] Bevorzugt umfassen die eindimensionalen Textilgebilde gedrehte oder geflochtene Fasermaterialien.
Diese bieten eine besonders große Oberfläche zum Anheften der Kristalle, wodurch ein
stabiles Wachstum über die gesamte Struktur hinweg gewährleistet wird.
[0066] Bevorzugt werden die mit Kristallen bewachsenen eindimensionalen Textilgebilde als
Ausgangsmaterialien für die weitere Verarbeitung zu zwei- oder dreidimensionalen Textilgebilden
eingesetzt. Vorzugsweise sind diese zwei- oder dreidimensionalen Textilgebilde dekorative
Textilgebilde, besonders bevorzugt Spitzen. Dies ermöglicht die Herstellung von besonders
hochwertigen und edlen Textilverzierungen die ein breites Anwendungsspektrum im Bereich
der Kleidungsstücke, Modeaccessoires, Heimtextilien und ähnlichem finden.
[0067] Alternativ ist das Textilgebilde ein zweidimensionales Textilgebilde. Ein zweidimensionales
Textilgebilde ist ein in Länge und Breite ausgedehntes textiles Flächengebilde, das
eine geringe Dicke aufweist. Bevorzugt ist das zweidimensionale Textilgebilde durch
Techniken wie Verflechten, Verschlingen, Verweben, Verfilzen, Verkreuzen erhalten
worden.
[0068] In einer bevorzugten Ausführungsform liegt das zweidimensionales Textilgebilde zumindest
teilweise, vorzugsweise vollständig, in einer Form ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Gelege, Maschenwaren, Gewebe, insbesondere Leinwandgewebe, oder Köpergewebe wie
z.B. Denim, Gabardine, Twill oder Serge; Geflechte, Vlies, oder Mischungen davon vor.
Besonders bevorzugt liegt das zweidimensionale Textilgebilde in Form eines Gewebes
oder Geflechts vor. Das Kristallwachstum wird durch die Bindungsart beeinflusst. Eine
lockerere Bindung (z.B. Leinwandbindung oder offene Köperbindung) fördert die Stabilität
und das Wachstum der Kristalle, da die offenere Gewebestruktur mehr Raum für die Kristallbildung
bietet und eine bessere Haftung an der Faseroberflache ermöglicht. Diese Gewebearten
begünstigen daher ein gleichmäßiges und stabiles Kristallwachstum auf der gesamten
textilen Fläche.
[0069] Im Gegensatz dazu hemmt eine enge und stabile Bindung (wie bei Twill oder Atlasbindung)
das Eindringen der Kristalle in das Gewebe und sorgt für ein langsames Wachstum. Eine
solche Bindung bewirkt, dass sich die Kristalle nur auf einer Seite des Stoffes bilden
können (bei vollständigem Eintauchen in die kristallisationsfähige Lösung ist die
Innenseite entsprechend zu präparieren), was das Tragen des gewebten Textils erheblich
vereinfacht, da der Kristallwuchs auf der Außenoberflache des Materials bleibt und
keine störenden Kristalle auf der Innenseite entstehen. Diese Eigenschaft ist besonders
vorteilhaft, wenn der Textilstoff für Kleidungsstücke oder Accessoires verwendet wird,
bei denen der Tragekomfort und die optische Gestaltung eine Rolle spielen.
[0070] Erfindungsgemäß wird unter Vlies ein Gebilde aus Fasern begrenzter Länge, Endlosfasern
(Filamenten) oder geschnittenen Garnen jeglicher Art und jeglichen Ursprungs verstanden,
die auf irgendeine Weise zu einer Faserschicht zusammengefügt und auf irgendeine Weise
miteinander verbunden worden sind. Hiervon ausgeschlossen ist das Verkreuzen bzw.
Verschlingen von Garnen, wie es beim Weben, Wirken, Stricken, der Spitzenherstellung,
dem Flechten und der Herstellung von getufteten Erzeugnissen geschieht. Diese Definition
entspricht der Norm DIN EN ISO 9092. Unter den Begriff Vliesstoff fallen erfindungsgemäß
auch die Filzstoffe. Nicht zu den Vliesstoffen gehören hingegen Folien und Papiere.
[0071] Unter Flechten wird im Sinne der Erfindung das regelmäßige Ineinanderschlingen mehrerer
Stränge aus biegsamem Material verstanden. Der Unterschied zum Weben liegt darin,
dass beim Flechten die Fäden nicht rechtwinklig zu der Produkthauptrichtung zugeführt
werden.
[0072] Besonders bevorzugt ist im Rahmen der Erfindung die Verwendung eines Textilgebilde
in Form eines Gewebes. Erfindungsgemäß wird unter Gewebe ein textiles Flächengebilde
verstanden, das aus zwei Fadensystemen, Kette (Kettfäden) und Schuss (Schussfäden),
besteht, die sich in der Sicht auf die Gewebefläche unter einem Winkel von genau oder
annähernd 90° mustermäßig kreuzen. Jedes der beiden Systeme kann aus mehreren Kett-
bzw. Schussarten aufgebaut sein (z. B. Grund-, Pol- und Füllkette; Grund-, Binde-
und Füllschuss). Die Kettfäden verlaufen in Längsrichtung des Gewebes, parallel zur
Gewebekante, und die Schussfäden in Querrichtung, parallel zum Geweberand. Die Verbindung
der Fäden zum Gewebe erfolgt vorwiegend durch Reibschluss. Damit ein Gewebe ausreichend
schiebefest ist, müssen die Kett- und Schussfäden meistens relativ dicht gewebt werden.
Deshalb weisen die Gewebe bis auf wenige Ausnahmen auch ein geschlossenes Warenbild
auf. Diese Definition entspricht der Norm DIN 61100, Teil 1.
[0073] Die Dicke des zweidimensionalen Textilgebildes beträgt in einer bevorzugten Ausführungsform
0,1 bis 10 mm, bevorzugter 0,1 bis 5 mm, besonders bevorzugt 0,1 bis 2 mm, am bevorzugtesten
0,2 bis 1 mm.
[0074] Alternativ kann das Textilgebilde auch ein dreidimensionales Textilgebilde sein.
Dreidimensionale Textilgebilde sind textile Strukturen, die neben Länge und Breite
auch eine relevante Dicke (≥ 3 cm, bevorzugt ≥ 5 cm) besitzen und dadurch besondere
ästhetische und funktionale Vorteile für Kleidungsstücke bieten. Beispiele sind Abstandsgewirke,
die für voluminöse, aber leichte Effekte sorgen, oder Formgestricke, die bereits während
der Herstellung dreidimensionale Formen annehmen. Durch ihre speziellen Eigenschaften
lassen sich kreative Designs realisieren, die sowohl voluminös und plastisch als auch
weich und fließend wirken können.
[0075] Das Flächengewicht (Grammatur) des Trägermaterials, bevorzugt des Textilgebildes,
beträgt in einer bevorzugten Ausführungsform 50 bis 500 g/m
2, bevorzugter 65 bis 450 g/m
2, besonders bevorzugt 80-300 g/m
2, am bevorzugtesten 90-150 m
2. Durch ein niedriges Flächengewicht können sich besonders einfach Kristalle anhaften.
[0076] In einer bevorzugten Ausführungsform hat das Trägermaterial, bevorzugt das Textilgebilde,
eine segmentvariierende Grammatur. Dabei besteht es bevorzugt aus mehreren Segmenten,
deren Grammatur zwischen den Segmenten variiert. Die Stärke der Anhaftung der Kristalle
wird durch die Grammatur beeinflusst. Je höher die Durchlässigkeit, also je niedriger
die Grammatur, desto besser die Anhaftung der Kristalle. Dies liegt zumindest teilweise
am Kapillareffekt, welcher dafür sorgt, dass bei Segmenten mit niedriger Grammatur
die Flüssigkeit der Lösung intensiver in das Gewebe einziehen kann und dort die Kristallbildung
ausgeprägter stattfinden kann.
[0077] In einer bevorzugten Ausführungsform hat das Trägermaterial, bevorzugt das Textilgebilde,
eine segmentvariierende Grammatur, wobei das Trägermaterial mindestens zwei Segmente
umfasst, deren Grammaturen im Verhältnis 1:2, bevorzugter 1:4, besonders bevorzugt
1:5 und am bevorzugtesten 1:10 zueinander variieren.
[0078] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist die Oberfläche des Trägermaterials,
bevorzugt des Textilgebildes, vor dem in Kontakt bringen mit der kristallisationsfähigen
Lösung zumindest teilweise modifiziert worden. Oberflächenmodifizierung bedeutet,
dass die Oberfläche mittels externer physikalischer oder chemischer Methoden verändert
wird. Bevorzugt ist die Oberflächenmodifizierung die Folge einer mechanischen Bearbeitung,
stärker bevorzugt durch Aufrauen, Schleifen oder Bürsten, vor allem durch Aufrauen.
Auch hierdurch wird das Anhaften der Kristalle an den bearbeiteten Regionen der Oberflächen
verbessert, wodurch das Wachstum der Kristallite gesteuert werden kann.
[0079] In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das erfindungsgemäße Verfahren als Teilschritt
des Schrittes b), also dem Bereitstellen eines faserhaltigen Trägermaterials, das
Imprägnieren eines linearen Textilgebildes und Herstellen des in Schritt b) verwendeten
Trägermaterials, welches ein zwei- oder dreidimensionales Textilgebilde ist, das das
imprägnierte lineare Textilgebilde umfasst.
[0080] Bevorzugt ist das lineare Textilgebilde ein Textilgebilde ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Fasern, Filamenten, Garnen, Zwirnen und Fäden.
[0081] Bevorzugt erfolgt das Imprägnieren mit einem wasserabweisenden Imprägniermittel,
stärker bevorzugt einem wachsbasierten Imprägniermittel.
[0082] Unter Wachs werden erfindungsgemäß natürliche oder künstlich gewonnene Stoffe verstanden,
die bei 20°C knetbar, fest bis brüchig-hart sind, eine grobe bis feinkristalline Struktur
aufweisen, farblich durchscheinend bis opak, aber nicht glasartig sind, über 40°C
ohne Zersetzung schmelzen, wenig oberhalb des Schmelzpunktes leicht flüssig, d.h.
wenig viskos sind, eine stark temperaturabhängige Konsistenz und Löslichkeit aufweisen
sowie unter leichtem Druck polierbar sind. Dies entspricht der Definition gemäß
Römpp Chemie Lexikon, 10. Auflage, 1999 Georg Thieme Verlag.
[0083] Bei den Wachsen kann zwischen natürlichen Wachsen, chemisch modifizierten Wachsen
und synthetischen Wachsen unterschieden werden. In einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung ist das Wachsmaterial ausgewählt aus der Gruppe der natürlichen Wachse,
besonders bevorzugt aus der Gruppe der pflanzlichen Wachse, insbesondere, Candelillawachs,
Carnaubawachs, Japanwachs, Espartograswachs, Korkwachs, Guarumawachs, Reiskeimölwachs,
Zuckerrohrwachs, Ouricurywachs, Montanwachs.
[0084] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist das natürliche Wachs ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus tierischen Wachsen und Mineralwachsen, insbesondere aus
der Gruppe bestehend aus Bienenwachs, Schellackwachs, Walrat, Lanolin (Wollwachs),
Bürzelfett, Ceresin, Ozokerit (Erdwachs).
[0085] Natürliche Wachse bieten den Vorteil, dass diese nicht erdölbasiert sind und somit
zur Nachhaltigkeit und Bioabbaubarkeit des Hybridmaterials beitragen.
[0086] In einer anderen Ausführungsform ist das Wachs ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus chemisch modifizierten Wachsen oder synthetischen Wachsen, insbesondere aus der
Gruppe ausgewählt aus Montanesterwachsen, Sasolwachsen, Paraffinen, hydrierten Jojobawachsen,
Polyalkylenwachsen, Polyethylenglykolwachsen.
[0087] Alternativ kann auch ein silikonbasiertes Imprägniermittel verwendet werden.
[0088] Bevorzugt wird das lineare Textilgebilde mittels Besprühens, Wash-In-Imprägnierung
oder Beschichtens mit dem Imprägniermittel und/oder mittels Eintauchens in das Imprägniermittel
behandelt. Durch den Schritt des Imprägnierens mit einem wasserabweisenden Imprägniermittel
können Teile des Textilgebildes, welches später mit der kristallisationsfähigen Lösung
in Kontakt gebracht wird, frei von Kristallkeimbildung bleiben, solange der kristallisationsfähige
gelöste Stoff wasserlöslich ist. Die Keimbildung findet bei wasserlöslichen kristallisationsfähigen
gelösten Stoffen bevorzugt oder ausschließlich an polaren Oberflächen statt, während
unpolare Oberflächen nicht oder weniger gut in der Lage sind, Kristallkeime anzuheften.
So kann ein planbares Kristallwachstum ermöglicht werden. Des Weiteren erhöht dies
die Beständigkeit des Materials gegenüber äußeren Einflüssen, wie feuchten oder nassen
Umgebungen.
[0089] Diese Eigenschaft kann genutzt werden, um Muster und/oder Motive in das Hybridmaterial
zu integrieren. Hierfür werden bevorzugt mindestens zwei lineare Textilgebilde verwendet,
von denen mindestens eines imprägniert vorliegt. Aus diesen linearen Textilgebilden
wird dann ein zwei- oder dreidimensionales Textilgebilde hergestellt, welches für
die weiteren Schritte c) und d) des erfindungsgemäßen Verfahrens eingesetzt wird.
Bevorzugt werden die mindestens zwei linearen Textilgebilde miteinander verwoben oder
verflochten. In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird ein imprägniertes lineares
Textilgebilde genutzt, um ein Muster und/oder Motiv auf ein zwei- oder dreidimensionales
Textilgebilde zu sticken. So werden mehr oder weniger zusammenhängende Regionen geschaffen,
in denen sich die imprägnierten linearen Textilgebilde im finalen Hybridmaterial befinden.
Diese Regionen sind im finalen Hybridmaterial dann weitestgehend oder vollständig
frei von Kristalliten, während die restlichen Regionen, die nicht imprägnierte lineare
Textilgebilde aufweisen, mit Kristalliten besetzt sind.
[0090] Alternativ kann eine solche Muster- und/oder Motivbildung auch dadurch ermöglicht
werden, dass nach dem Schritt b) Regionen auf dem Trägermaterial, z.B. in Form eines
Textilgebildes, so bearbeitet werden, dass ein Kristallwachstum verhindert wird, bevorzugt
indem diese Regionen für die kristallisationsfähige Lösung unzugänglich gemacht werden,
insbesondere durch Versiegelung. Dies kann folgende Verfahrensschritte umfassen: Aufbringen
von Abgrenzungsgegenständen, vorzugsweise Aufkleben und oder Aufnähen von Abgrenzungsgegenständen,
insbesondere Formplatten oder sogar Abschnitten des Trägermaterials selbst; Imprägnieren
der zu bearbeitenden Region mit einem bevorzugt wasserabweisenden Imprägniermittel,
insbesondere Wachsen der Region mit Wachs oder Paraffin; Folienplotten und/oder Anwendung
von chemotechnischen Verfahren zur Versiegelung der Region, insbesondere Nanoversiegelungen
und/oder polymerbasierte Versiegelungen. Diese Methode hat den Vorteil, dass präzise
Muster - und/oder Motive durch das Kristallwachstum gebildet werden können während
gleichzeitig das gesamte Textilgebilde mit der kristallisationsfähigen Lösung in Kontakt
gebracht werden kann, beispielsweise mittels Eintauchens. Durch das Anpassen der Bereiche
des Textilgebildes, die mit der Lösung in Kontakt gebracht werden, zum Beispiel durch
gezielte Benetzung, können zwar prinzipiell auch Muster und/oder Motive gebildet werden,
jedoch können diese bei weitem nicht den Grad an Präzision aufweisen, der mit den
oben beschriebenen Methoden erzielt werden kann.
[0091] Vorzugsweise ist das Fasermaterial des Trägermaterials pflanzlichen oder tierischen
Ursprungs oder es handelt sich um Chemiefasern aus natürlichen Polymeren oder Polymeren
auf Basis natürlicher Rohstoffe. Hierdurch kann der Anteil von natürlichen Bestandteilen
des Schichtverbunds und damit dessen Nachhaltigkeit und Bioabbaubarkeit entsprechend
verbessert werden.
[0092] In einer bevorzugten Ausführungsform weist das Trägermaterial ein natürliches Fasermaterial
auf, wobei das natürliche Fasermaterial bevorzugt ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend
aus Samenfasern, Bastfasern, Blattfasern und tierischen Fasern. Besonders bevorzugt
sind diese ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Baumwolle, tierischer Wolle, Tierhaar,
Seide, Kapok, Akon, Pappelflaum, Bambusfaser, Fasernessel, Hanf, Hanfnessel, Jute,
Urena, Leinen, Ramie, Kenaf, Roselle, Sunns, Abutilon, Pung, Rizinus, Sisal, Abaca,
Curaua, Fibe, Ixtlefaser, Arenga, Afrik, Hequen, Fique, Phormium, Alfa, Maguey, Yucca,
Pita, Kokos, Ginster, Hopfen, Rohrkolbenschilf und Bast. Besonders bevorzugt ist das
natürliche Fasermaterial ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Baumwolle, tierischer
Wolle, Seide und Leinen da diese hochwertige Materialien mit besonderen Eigenschaften
wie hoher Hautfreundlichkeit, besonderer Temperaturregulation oder guter Atmungsaktivität
darstellen, die zudem ausgesprochen nachhaltig sind. Besonders bevorzugt ist Cheviot,
ein fester, robuster Wollstoff mit einer leicht grob strukturierten Oberfläche, besonders
bevorzugt in Form eines Köpergewebe.
[0093] Vorzugsweise sind die Chemiefasern aus natürlichen Polymeren oder Polymeren auf Basis
natürlicher Rohstoffe ausgewählt. Besonders bevorzugt sind diese ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus Viskose, Modal, Lyocell, Curpo, Celluloseacetaten, Proteinfasern
wie Caseinfasern, Polylactiden, Alginaten, Chitin, biobasierten Polyamiden, Polyestern
und Polyisoprenen.
[0094] In einer weiteren Ausführungsform sind die Chemiefasern aus synthetischen Polymeren
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Polyestern wie PET oder PBT, Polyamid, Polyimid,
Polyamidimid, Aramid, Poly(metha)acrylaten, Polyacryl, Polytetrafluoroethylen (PTFE),
Polyethylen, Polypropylen, Polychlorid, PVC, Elastan, Polystyrol, Polycarbonat, Polyvinylalkohol,
Vinylal, Polyphenylsulfid, Melamin, Polyharnstoff, Polyurethan, Polybenzimidazol,
Polybenzoxal.
[0095] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst oder ist das Lösungsmittel
der kristallisationsfähigen Lösung Wasser, stärker bevorzugt destilliertes Wasser.
Erfindungsgemäß ist destilliertes Wasser Wasser, das durch Destillation oder Entmineralisierung
von Verunreinigungen wie Salzen, Mineralien und anderen Fremdstoffen gereinigt wurde.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist das Lösungsmittel der kristallisationsfähigen
Lösung ein mehrfach destilliertes Wasser, bevorzugt ein zweifach destilliertes (bidestilliertes)
Wasser. Je höherstufig die Destillation, desto reiner ist das resultierende Wasser.
[0096] Besonders bevorzugt ist das Lösungsmittel der kristallisationsfähigen Lösung ein
wasserbasiertes Lösungsmittel, d.h. ein Lösungsmittel mit ≥ 50 Gew.-%, vorzugsweise
≥ 70 Gew.-% oder sogar ≥ 90 Gew.-% Wassergehalt.
[0097] Zur Kontrolle der Löslichkeit eignen sich besonders Mischungen aus Wasser mit einer
weniger polaren Substanz wie Ethanol, Isopropanol oder Glycerol. Darüber kann die
Kristallisationsgeschwindigkeit verlangsamt werden, wodurch eine präzise Kontrolle
des Kristallwachstums ermöglicht werden kann und die Kristallqualität erhöht werden
kann.
[0098] Bevorzugt beträgt die Leitfähigkeit des Lösungsmittels der kristallisationsfähigen
Lösung (ohne den gelösten Stoff) bei 25°C 0,1 - 800 µS/cm, bevorzugter 0,1 - 200 µS/cm,
besonders bevorzugt 0,1 - 50 µS/cm oder sogar 0,1 - 10 µS/cm, und am bevorzugtesten
0,1 - 5 µS/cm. Je niedriger die Leitfähigkeit, desto geringer ist der Anteil an Ionen
und desto höher ist somit die Reinheit des destillierten Wassers.
[0099] Reines Wasser eignet sich besonders zur Herstellung des Hybridmaterials, da dieses
eine kontrollierte Kristallisation begünstigt. Mit einem geringeren Gehalt an gelösten
Salzen oder anderen Substanzen erhöht sich die Gleichmäßigkeit des Kristallwachstums.
Jegliche Substanzen, die sich in dem Lösungsmittel befinden, wie Verunreinigungen,
können das Kristallwachstum stören, indem sie lokale Übersättigungen oder unkontrollierte
Keimbildung verursachen. Weiterhin ermöglicht ein besonders reines Lösungsmittel eine
präzise Steuerung des Sättigungsgrades der kristallisationfähigen Lösung, wodurch
ein hoher Grad an Reproduzierbarkeit erreicht werden kann. Auch die Qualität der sich
bildenden Kristallite kann durch den Einsatz von besonders reinen Lösungsmitteln deutlich
verbessert werden. Verunreinigungen im Lösungsmittel können während der Kristallbildung
in die Kristallstruktur eingebaut werden, was zu Defekten führt und den Glanz des
Materials verringern kann.
[0100] Bevorzugt wird der kristallisationsfähigen Lösung zusätzlich zu dem gelösten, kristallisationsfähigen
Stoff ein Farbstoff zugesetzt, durch welche die Farbe der entstehenden Kristalle,
besonders bevorzugt durch Einlagerung in den Kristall, beeinflusst wird.
[0101] Weiterhin kann der kristallisationsfähigen Lösung ein Wachstumsmodifikator oder Keimbildungshemmer
zugesetzt werden, bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Polymeren, Tensiden
oder Chelatbildnern, besonders bevorzugt Natriumdodecylsulfat (SDS) oder Ethylendiamintetraacetat
(EDTA). Diese Additive verhindern unerwünschte Ablagerungen im Kristallbild und/oder
verhindern unkontrollierte Aggregation der Kristalle.
[0102] Der Anteil von Farbstoff, Wachstumsmodifikator und/ oder Keimbildungshemmer beträgt
in der kristallisationsfähigen Lösung jeweils oder in der Summe bevorzugt 0,01 - 5
Gew.-%, bevorzugter 0,1 - 2 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,1 - 1 Gew.-% und am bevorzugtesten
0,5 - 1 Gew.-%.
[0103] Die einfachste Methode, um das faserhaltige, vorzugsweise textile, Trägermaterial
mit der kristallisationsfähigen Lösung in Kontakt zu bringen, ist das Eintauchen zumindest
eines Teils, bevorzugt des vollständigen Trägermaterials. Dies ist daher eine bevorzugte
Ausführung des Schrittes c) des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0104] Besonders bevorzugt wird hierzu die kristallisationsfähige Lösung in Schritt a) in
einem Behälter wie einem Becken, einer Wanne oder einer Schale bereitgestellt. Anschließend
wird das in b) bereitgestellte Trägermaterial in Schritt c) in die kristallisationsfähige
Lösung zumindest teilweise, bevorzugt vollständig eingetaucht. Dies erlaubt eine gleichmäßige
Benetzung des gesamten oder zumindest des teilweise eingetauchten Trägermaterials
und ist somit besonders effizient und gut skalierbar.
[0105] Bevorzugt wird das Trägermaterial 2 - 140 h, oder 1 min - 96 h in die kristallisationsfähige
Lösung getaucht, bevorzugter 2 - 48 h, besonders bevorzugt 2 - 24 h, am bevorzugtesten
2 - 12 h oder sogar 4 - 8 h. Je länger das Trägermaterial in der Lösung bleibt, desto
größere Kristalle können entstehen. Ein zu langes Eintauchen hat jedoch die Folge,
dass die Kristallite ungleichmäßig wachsen und kein homogenes Bild mehr erzeugen.
[0106] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird die kristallisationsfähige Lösung
aus Schritt a) mittels eines Siebdruckverfahrens mit dem Trägermaterial aus Schritt
b) in Kontakt gebracht. Hierfür wird die kristallisationsfähige Lösung mithilfe von
Schablonen auf bestimmte Bereiche des Trägermaterials aufgetragen, was zu einer präzisen,
musterbasierten Kristallisation führt und somit vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten
erlaubt.
[0107] Auch kann die kristallisationsfähige Lösung durch ein Sprühverfahren mit dem Trägermaterial
in Kontakt gebracht werden. Dabei wird die kristallisationsfähige Lösung durch Düsen
oder Sprühköpfe auf die Oberfläche des Trägermaterials aufgetragen. Auch dies ermöglicht
eine musterbasierte Kristallisation bei gleichzeitiger gleichmäßiger Benetzung der
gewählten zu benetzenden Trägermaterialbereiche.
[0108] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform laufen die Schritte c) und d) zumindest
teilweise parallel ab. Die kontrollierte Kristallisation erfolgt hierbei schon zumindest
teilweise während des in Kontakt Bringens mit dem Trägermaterial.
[0109] Solche Ausführungsformen, die ein Auftragen der kristallisationsfähigen Lösung auf
das Trägermaterial beispielsweise mittels Sprühverfahren oder Siebdruckverfahren umfassen,
umfassen bevorzugt einen weiteren Schritt des Abkühlens des Trägermaterials zur Förderung
bzw. Initiierung der kontrollierten Kristallisation auf dem Trägermaterial. Bevorzugt
kann das in Kontakt bringen des Trägermaterials mit der kristallisationsfähigen Lösung
und das Abkühlen des Trägermaterials in mehreren Zyklen durchlaufen werden, um eine
größere Kristallbildung zu ermöglichen.
[0110] In einer bevorzugten Ausführungsform wird die kristallisationsfähige Lösung mittels
einer Düse auf das Trägermaterial aufgetragen, wobei die Düse gekühlt wird. Bevorzugt
liegt die Temperatur der Düse bei 1 - 40°C, bevorzugter bei 1 - 30°C, besonders bevorzugt
bei 5 - 20°C und am bevorzugtesten bei 5 - 10°C. Die Temperatur der kristallisationsfähigen
Lösung beträgt vor Eintritt in die Düse bevorzugt 70 - 95°C beträgt, bevorzugt 75
- 90°C, stärker bevorzugt 80 - 85°C. Durch den Temperaturabfall in der Düse beginnt
bereits während des Auftragens die kontrollierte Kristallisation, sodass das Verfahren
auch als additive Fertigungstechnik oder 3D Druck angesehen werden kann. Die zumindest
teilweise bereits auskristallisierte Lösung wird dann auf die Oberfläche das Trägermaterial
aufgetragen, wo eine weitere kontrollierte Kristallisation des Feststoffs aus der
kristallisationsfähigen Lösung zu mindestens einem Kristall erfolgt. Mit dieser Technik
können sehr gezielt und präzise Muster in Kristallform auf das Trägermaterial aufgetragen
werden und so besonders hochwertige und komplexe Hybridmaterialien generiert werden.
[0111] Kristalle, die aus kristallisationsfähigen Lösungen gebildet werden, haben die Eigenschaft,
mit dem entsprechenden Lösungsmittel wieder in Lösung gehen zu können. Somit können
aus bereits verwendeten und nicht mehr benötigten Hybridmaterialien oder aus Ausschussware
neue Rohstoffe generiert werden, die für die kontrollierte Kristallisation zur Herstellung
eines neuen Hybridmaterials eingesetzt werden können.
[0112] Bevorzugt umfasst der Schritt a) des erfindungsgemäßen Verfahrens daher folgenden
Teilschritt a
1): Auflösen mindestens eines Kristalls eines Hybridmaterials umfassend ein faserhaltiges,
vorzugsweise textiles, Trägermaterial auf dessen Oberfläche mindestens ein Kristall
mit einem vorzugsweise wässrigen Lösungsmittel, um eine kristallisationsfähige Lösung
zu erhalten.
[0113] Insbesondere erfolgt das Auflösen des mindestens einen Kristalls in Schritt a
1) mittels Wärmeeinwirkung. Durch Erhöhung der Temperatur des vorzugsweise wässrigen
Lösungsmittels steigt die Löslichkeit des Kristalls, wodurch dieser effektiv zumindest
teilweise, bevorzugt vollständig von dem Hybridmaterial gelöst werden kann.
[0114] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst der Schritt a) des erfindungsgemäßen
Verfahrens nach dem Teilschritt a
1) weiterhin nachfolgenden Teilschritt a
2): Filtrieren der kristallisationsfähigen Lösung aus Schritt a
1). Damit werden Verunreinigungen und unlösliche Kristalle aus der Lösung abgeschieden,
sodass eine reine kristallisationsfähige Lösung für die Herstellung des Hybridmaterials
bereitgestellt werden kann.
[0115] Die Filtration der Kristallisationslösung kann mit verschiedenen Methoden und Hilfsmitteln
durchgeführt werden, um eine effiziente Reinigung zu gewährleisten. Dabei kann die
Filtration beispielsweise durch Vakuumfiltration erfolgen, wobei ein Filtermedium
wie Filterpapier, Glasfasermatten oder synthetische Membranen mit geeigneter Porengröße
verwendet wird. Alternativ kann die Schwerkraftfiltration eingesetzt werden. Dies
ist besonders schonend und eine vorzeitige Auskristallisation kann vermieden werden.
[0116] Zusätzlich und bevorzugt kann die Filtration mittels einer Membranfiltration durchgeführt
werden, um feinste Partikel und Verunreinigungen effektiv zu entfernen. Bei höheren
Feststoffkonzentrationen in der Lösung kann eine Druckfiltration eingesetzt werden,
um die Filtrationsgeschwindigkeit zu erhöhen und eine effektive Trennung zu gewährleisten.
Insbesondere für empfindliche Kristallstrukturen kann eine Filtration mit Schichtenfiltern
oder Keramikfiltern bevorzugt sein, um mechanische Belastungen während des Prozesses
zu minimieren.
[0117] Die Auswahl des geeigneten Verfahrens und der Hilfsmittel richtet sich dabei vorzugsweise
nach den Eigenschaften der Kristallisationslösung, einschließlich Viskosität, Feststoffanteil
und chemischer Zusammensetzung, sowie den spezifischen Anforderungen an die Reinheit
und Beschaffenheit der gewonnenen Kristalle.
[0118] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Hybridmaterial hergestellt nach einem der Verfahren
wie in den Ansprüchen 1-9 und oben beschrieben.
[0119] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Hybridmaterial, insbesondere zur Verwendung
als Kleidungs- und/oder Modeaccessoirebestandteil oder als Kleidungs- und/oder Modeaccessoire,
umfassend:
- i. ein faserhaltiges Trägermaterial umfassend ein oder mehrere Fasern, und
- ii. mindestens einen Kristall, der zumindest abschnittsweise die Umfangsfläche einer
der ein oder mehreren Fasern zu mehr als 30 %, vorzugsweise vollständig umhüllt.
[0120] Die Umfangsfläche einer Faser bezeichnet die äußere Oberfläche, die die Faser vollständig
umgibt. Sie entspricht der Fläche, die durch den Umfang der Faser entlang ihrer Länge
gebildet. Erfindungsgemäß wird ein Abschnitt der Umfangsfläche, d.h. eine Fläche entlang
einer Teillänge, zu mehr als 30 %, vorzugsweise mehr als 50 %, besonders bevorzugt
mehr als 70 % umhüllt. Vorzugsweise ist ein solches Hybridmaterial nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellt, wie in den Ansprüchen 1-9 und oben konkretisiert.
[0121] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Hybridmaterial, insbesondere zur Verwendung
als Kleidungs- und/oder Modeaccessoirebestandteil oder als Kleidungs- und/oder Modeaccessoire,
umfassend:
- i. ein faserhaltiges Trägermaterial umfassend ein oder mehrere Fasern, und
- ii. mindestens einen Kristall, der eine Beschichtung, vorzugsweise eine Polymethyl(meth)acrylatbeschichtung,
aufweist.
[0122] Das Beschichten erfolgt bevorzugt mit einem Polymermaterial, insbesondere einem Poly(meth)acrylat
(PMA) wie Polymethyl(meth)acrylat (PMMA). PMA und PMMA-Beschichtungen sind optisch
klar und bieten eine hohe Lichtdurchlässigkeit, weshalb sie die vorteilhaften Charakteristika
von Kristallen nicht überdecken und eine hohe optische Ästhetik gewährleisten. PMMA
bildet zudem eine harte und widerstandsfähige Schicht, die vor mechanischen Defekten
wie Kratzern schützt, und hat zudem hydrophobe Eigenschaften, sodass Wasser abgewiesen
wird, was vorteilhaft gegenüber Außeneinflüssen wie Feuchtigkeit oder Nässe ist.
[0123] Das Hybridmaterial kann die in den Ansprüchen 11-14 und nachfolgend definierten zusätzlichen
Eigenschaften aufweisen.
[0124] Das Beschichtungsmaterial ist vorzugsweise aus nachfolgenden Gruppen ausgewählt:
Organische Beschichtungsmaterialien
[0125] Organische Beschichtungsmaterialien bieten vielseitige Schutz- und Funktionseigenschaften
für Feststoffe, insbesondere gegen Feuchtigkeit, Chemikalien oder Abrieb. Geeignete
Materialien können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Polyurethanen (PU),
die elastische und widerstandsfähige Oberflächen erzeugen, Epoxidharzen, die für hohe
Härte und chemische Beständigkeit bekannt sind, Silikonpolymeren, die sich durch Temperatur-
und UV-Beständigkeit auszeichnen, sowie Acrylharzen, die häufig für dekorative oder
witterungsbeständige Beschichtungen eingesetzt werden.
Anorganische Beschichtungsmaterialien
[0126] Anorganische Beschichtungsmaterialien bieten hervorragenden Schutz gegen Hitze, Korrosion
und Abrieb und sind daher besonders geeignet für technische Anwendungen. Beispiele
aus der Gruppe bestehen aus Aluminiumoxid (Al
2O
3) und Zirkonoxid (ZrO
2) für Verschleißschutz, Titandioxid (TiO
2) für UV-Schutz und selbstreinigende Eigenschaften, sowie Siliziumdioxid (SiO
2), das als transparente, chemisch resistente Schutzschicht dient.
Biobasierte und/oder kompostierbare Beschichtungsmaterialien
[0127] Biobasierte und/oder kompostierbare Beschichtungen bieten nachhaltige Alternativen
zu herkömmlichen Materialien und sind daher besonders bevorzugt. Geeignete Materialien
können ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Polysacchariden wie Stärke und
Cellulose, die biologisch abbaubar und vielseitig einsetzbar sind, Proteinen wie Kasein
und Sojaprotein, sowie Polylactiden (PLA) und anderen biobasierten Polyestern, die
durch hohe Transparenz und gute mechanische Eigenschaften überzeugen.
Metallische Beschichtungsmaterialien
[0128] Metallische Beschichtungen schützen Feststoffe vor Korrosion, verbessern ihre mechanischen
Eigenschaften oder bieten elektrische Leitfähigkeit. Geeignete Materialien können
ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus Zink und Aluminium, Edelmetallen wie
Gold, Silber und Platin; sowie Kupfer und Nickel, die in funktionalen Anwendungen
verwendet werden.
Hybride Beschichtungsmaterialien
[0129] Hybride Beschichtungen kombinieren organische und anorganische Komponenten, um spezifische
Anforderungen zu erfüllen. Beispiele hierfür sind Materialien aus der Gruppe bestehend
aus Sol-Gel-Beschichtungen, die aus Silikaten und organischen Polymeren bestehen,
nanostrukturierte Beschichtungen, die Nanopartikel wie Titandioxid (TiO
2), Zinkoxid (ZnO) oder Siliziumoxid (SiO
2) enthalten und verbesserte mechanische, optische oder thermische Eigenschaften bieten,
sowie Hybridpolymere, die chemische Beständigkeit und Flexibilität vereinen.
Funktionale Beschichtungsmaterialien
[0130] Funktionale Beschichtungen verleihen Feststoffen spezifische Eigenschaften wie Selbstreinigung,
Leitfähigkeit oder thermische Isolation. Geeignete Materialien können ausgewählt werden
aus der Gruppe bestehend aus hydrophoben und superhydrophoben Beschichtungen, beispielsweise
basierend auf fluorierten Polymeren, elektrisch leitfähigen Materialien wie Indium-Zinn-Oxid
(ITO) oder Graphen, wärmedämmenden Schichten, etwa auf Basis von Keramik oder Aerogelen,
sowie thermochromen oder photochromen Beschichtungen, die ihre Eigenschaften in Abhängigkeit
von Temperatur oder Licht verändern.
[0131] Bevorzugt umfasst der Kristall mindestens einen Kristallit,
wobei der mindestens eine Kristallit einen Durchmesser D
Kx aufweist, wobei der Durchmesser D
Kx 0,05 - 0,5 mm beträgt.
[0132] Diese Größenordnung von Kristalliten hat den Vorteil, dass sich besonders gleichmäßige
und glatte Oberflächen bilden, was bei größeren Kristalliten weniger der Fall ist.
Die Kristallite im Hybridmaterial haben somit ein homogenes Erscheinungsbild und eine
feine Textur, was eine besondere ästhetische Wirkung mit einem hohen Grad an Eleganz
bewirkt.
[0133] In einer bevorzugten Ausführungsform ist der mindestens eine Kristallit teil eines
polykristallinen Materials, wobei das polykristalline Material einen Durchmesser D
px aufweist. Der Durchmesser D
px beträgt vorzugsweise 1 mm - 5 cm, bevorzugter 1 mm - 3 cm, besonders bevorzugt 2
mm - 2 cm und am bevorzugtesten 2 mm - 8 mm. So hat das polykristalline Material eine
optimale Größe für ein besonderes ästhetisches Erscheinungsbild, ohne dass das Hybridmaterial
zu schwer wird und somit den Tragekomfort verliert.
[0134] Die Größe der Kristallite lässt sich je nach Größe mittels Röntgenbeugung (X-Ray
Diffraction), Elektronenmikroskopie oder Lichtmikroskopie bestimmen. Für die hier
angegebenen Durchmesser eignet sich besonders die Lichtmikroskopie, da diese ausreichend
präzise ist und mit wenig Aufwand eingesetzt werden kann. Hierfür kann Bildanalysesoftware
auf digitale Bilder angewendet werden, um den Kristallit- bzw. Kristalldurchmesser
zu bestimmen. Geeignete Bildanalysesoftware ist beispielsweise ImageJ oder MATLAB.
[0135] In einer bevorzugten Ausführungsform hat der mindestens eine Kristall, der die Umfangsfläche
einer der ein oder mehreren Fasern zu mehr als 30 % umhüllt, und/oder eine der Kristallite,
die dieser aufweist, eine Transmission im sichtbaren Wellenlängenbereich von ≥ 30%,
vorzugsweise ≥ 50 %, bevorzugter ≥ 70 % und am bevorzugtesten von ≥ 90 % aufweist.
Hierdurch wird ermöglicht, dass das Material besonders hochwertig erscheint.
[0136] In einer bevorzugten Ausführungsform weist der Kristall und/oder das Hybridmaterial
eine Gesamtmenge U mit n Kristalliten mit den Durchmessern D
K1, D
K2, ... - D
Kn auf, wobei n ≥ 10 ist, und wobei eine Teilmenge A mit k Kristalliten mit den Durchmessern
D
K1, D
K2, ... - D
Kk einen Mittelwert der Durchmesser
DKA aufweist, dessen Standardabweichung σ
DKA ≤
DKA * 0,5, bevorzugt σ
DKA ≤
DKA* 0,4, beträgt, wobei k bevorzugt 10 beträgt.
[0137] Je kleiner die Standardabweichung, desto gleichmäßiger ist das ästhetische Erscheinungsbild
des Hybridmaterials, da homogene Kristallite für eine einheitliche Lichtreflexion
sorgen und die Oberflächen ruhig und elegant glänzend erscheinen. Auch erhöht eine
kleine Standardabweichung die Materialstabilität, da Schwachstellen im Materialgefüge
vermindert werden und sie zudem weniger stark zu Ablösung tendieren. Eine zu kleine
Standardabweichung geht jedoch mit Prozessbedingungen einher, die kaum Varianzen zulassen.
So müssten hierfür die Verfahren extrem präzise kontrolliert und durchgeführt werden,
was den Aufwand enorm vergrößern würde und sowohl die Effektivität senken als auch
damit einhergehend die Kosten extrem steigern würde.
[0138] Die Standardabweichung des Mittelwertes der Durchmesser σ
DKA beträgt daher bevorzugt σ
DKA ≥
DKA * 0,02, stärker bevorzugt σ
DKA ≥
DKA * 0,05 und am stärksten bevorzugt σ
DKA ≥
DKA * 0,1.
[0139] Bevorzugter weist das Hybridmaterial eine Gesamtmenge U mit n ≥ 50, besonders bevorzugt
n ≥ 200 und am bevorzugtesten n ≥ 1000 Kristalliten auf.
[0140] In einer bevorzugten Ausführungsform sind die k Kristalle der Teilmenge A beliebig
aus der Gesamtmenge U ausgewählt. Dies führt zu einem besonders homogenen Hybridmaterial,
was durch seine Gleichmäßigkeit besticht.
[0141] Wie zuvor beschrieben eignet sich auch für die Ermittlung der Standardabweichung
σ
DKA des Mittelwertes der Durchmesser insbesondere die Lichtmikroskopie, da diese ausreichend
präzise ist und mit wenig Aufwand eingesetzt werden kann. Hierfür kann Bildanalysesoftware
auf digitale Bilder angewendet werden, um den Kristallit- bzw. Kristalldurchmesser
zu bestimmen und so die Größenverteilung zu ermitteln.
[0142] Die Erfindung betrifft weiterhin verschiedene Verwendungen des erfindungsgemäßen
Hybridmaterials. Die Kristallisation auf dem Trägermaterial findet durch das erfindungsgemäße
Verfahren sehr kontrolliert statt, weshalb das Endprodukt, das Hybridmaterial, ein
besonders ansprechendes homogenes Erscheinungsbild aufweist. Daher kann es vorzugsweise
als Material zur Fertigung eines Kleidungsstückes, eines Modeaccessoires oder eines
dekorativen Artikels verwendet werden. Kleidungsstücke, auch Bekleidung genannt, bezeichnet
erfindungsgemäß die Gesamtheit aller Materialien, die als künstliche Hülle den Körper
des Menschen oder eines Tieres mehr oder weniger eng anliegend umgibt. Hierzu zählen
auch Kopfbedeckungen, insbesondere Hüte, und Schuhe. Unter Modeaccessoire wird erfindungsgemäß
Zubehör für Kleidung verstanden. Dies sind vorzugsweise Gürtel, Handschuhe, Fächer,
Sonnen- oder Regenschirme, Taschen, Tücher und Schmuck. Das Hybridmaterial kann auch
für Heimtextilien wie Gardienen, Kissenbezüge, Decken, Überwurfe, Bespannungen oder
Bepolsterungen verwendet werden.
BEISPIELE
[0143] Die Erfindung wird nun anhand von konkreten Ausführungsformen von erfindungsgemäßen
Herstellungsbeispielen für Hybridmaterialien weiter erläutert.
Herstellungsbeispiel 1
[0144] 12 I Wasser wurden zum Sieden gebracht und 1,5 kg Alaun schrittweise nach und nach
eingerührt, bis sich dieses vollständig gelöst hat, so dass eine klare kristallisationsfähige
Lösung entstanden ist. Diese wurde im Anschluss noch fünf Minuten bei dieser Temperatur
gehalten und gerührt.
[0145] Im nächsten Schritt wurde ein gewobener Wollstoff (Grammatur: 300 g/m
2, Naturwolle, Köperbindung) vollständig in die kristallisationsfähige Lösung eingetaucht.
[0146] Um das Mustermotiv gezielt zu gestalten, wurde vor dem Eintauchen ein Teil des gewobenen
Stoffes mit einer Abdeckplatte versehen, wodurch bestimmte Bereiche des Stoffes für
die kristallisationsfähige Lösung nicht zugänglich waren.
[0147] Nach dem Eintauchen des Stoffes wird die Temperatur der kristallisationsfähigen Lösung
über einen Zeitraum von 10 h schrittweise auf 30 °C gesenkt und nach Erreichen dieser
Temperatur durch Temperatursteuerung die Temperatur über einen Zeitraum von 24 h langsam
auf eine Zieltemperatur von 25 °C abgesenkt. Diese wird für mindestens weitere 96
h gehalten, in denen eine intensive Kristallbildung beobachtet werden konnte. Nach
diesem Zeitraum wurde das Hybridmaterial aus der kristallisationsfähigen Lösung entfernt.
Herstellungsbeispiel 2
[0148] 12 I Wasser wurden zum Sieden gebracht und 2,4 kg Alaun schrittweise nach und nach
eingerührt, bis sich dieses vollständig gelöst hat, so dass eine klare kristallisationsfähige
Lösung entstanden ist. Diese wurde im Anschluss noch fünf Minuten bei dieser Temperatur
gehalten und gerührt.
[0149] Im nächsten Schritt wurde ein gewobener Wollstoff (Grammatur: 120 g/m
2, Naturwolle, Köperbindung) vollständig in die kristallisationsfähige Lösung eingetaucht.
[0150] Um das Mustermotiv gezielt zu gestalten, wurde vor dem Eintauchen ein Teil des gewobenen
Stoffes mit einer Abdeckplatte versehen, wodurch bestimmte Bereiche des Stoffes für
die kristallisationsfähige Lösung nicht zugänglich waren.
[0151] Nach dem Eintauchen des Stoffes wurde die Temperatur der kristallisationsfähigen
Lösung über einen Zeitraum von 10 h schrittweise auf 30 °C gesenkt.
[0152] Sobald diese Temperatur erreicht worden ist, wurde die Lösung für eine kurze Zeit
auf 40 °C erhitzt (< 1 min) und dann die Temperatur wieder auf 30 °C abgesenkt. Dieser
Zyklus wird im 2-Stunden-Rhythmus wiederholt und insgesamt fünfmal durchgeführt, um
ein kontrolliertes und intensives Kristallwachstum zu ermöglichen.
[0153] Durch diesen zyklischen Temperaturwechsel wird das Kristallwachstum optimiert, sodass
sich dichte Kristalle bilden, die eine Durchmesser von bis zu 3 cm erreichen können.