TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein raumlufttechnisches Verfahren und eine raumlufttechnische
Anlage mit einer Lüfteranordnung in der zumindest zwei Strömungsmaschinen parallel
angeordnet sind, wobei jede Strömungsmaschine einzeln oder manche der oder die Strömungsmaschinen
gruppenweise mittels einer Steuerungseinrichtung beeinflussbar ist/sind, um die Drehzahl(en)
der Strömungsmaschinen zu steuern. Die Erfindung betrifft ferner eine Verwendung von
Luftregel- und -absperrklappen zum Anschluss an eine Gruppe von Strömungsmaschinen.
[0002] Aus
EP 2 494 209 B1 ist ein Verfahren zum Steuern einer Anordnung von Ventilatoreinheiten bekannt. Eine
vorgewählte Anzahl von einzelnen Ventilatoreinheiten wird in einer Ventilatoranordnung
bereitgestellt. Die Anordnung ist zum Betrieb mit einer Anzahl von in Betrieb befindlichen
Ventilatoreinheiten imstande, die kleiner als die vorgewählte (maximale) Anzahl der
Ventilatoreinheiten ist.
[0003] Eine Steuerungseinrichtung dient zur Optimierung der in Betrieb befindlichen Ventilatoren
abhängig vom geforderten Betriebspunkt der raumlufttechnischen Anlage. In der Steuerungseinrichtung
werden zu diesem Zweck je ein mathematisches Modell für die statische Druckerhöhung
und die elektrische Leistungsaufnahme der Ventilatoranordnung, abhängig von der Anzahl
in Betrieb befindlicher Ventilatoren, implementiert. In zwei nacheinander ablaufenden
Iterationsschleifen werden für einen beliebigen Betriebspunkt - bestehend aus Volumenstrom
und Druckerhöhung - zunächst alle zum Erreichen dieses Betriebspunkts technisch möglichen
Ventilatorkombinationen bestimmt und in eine Matrix gespeichert. Die Iterationsgröße
ist hierbei zunächst die Drehzahl, die inkrementell von einem Minimal- bis zu einem
Maximalwert für eine feste Anzahl an Ventilatoren erhöht wird. Anschließend wird in
einer überlagerten Iterationsschleife die Anzahl der in Betrieb befindlichen Ventilatoren
um eins erhöht, bis die maximale Anzahl an Ventilatoren der Ventilatoranordnung erreicht
wurde. Für alle, als technisch geeigneten und in der Ergebnismatrix abgespeicherten
Ventilatorkonfigurationen wird anschließend mittels des zweiten mathematischen Modells
die Leistungsaufnahme bestimmt. Die Konfiguration mit der kleinsten Leistungsaufnahme
wird als optimale Konfiguration ausgewählt. Wie der Umschaltvorgang zum Erreichen
dieser optimalen Konfiguration ausgehend von der aktuellen Konfiguration, also insbesondere
das Zu- und Abschalten von einzelnen Ventilatoren durchzuführen ist wird nicht weiter
ausgeführt. Auch die (negative) Beeinflussung des Anlagenvolumenstroms und -drucks
während des Umschaltvorgangs in Form von Schwankungen eben dieser Betriebsgrößen und
wie einem solchen entgegengewirkt werden kann, wird nicht spezifiziert.
[0004] Aktuelle Modellierungsansätze für Ventilatoren verwendeten häufig ein kubisches Polynom
für einen Betriebskenngrößenverlauf und skalierten diese Näherung dann entsprechend
den Ähnlichkeitsgesetzen des Ventilators (Müller D., 2016; Carolus, 2013). Einige
Modelle verwendeten möglicherweise separat angepasste Polynome für jede einzelne Geschwindigkeitslinie,
aber die Informationen zwischen diesen Geschwindigkeitslinien seien nicht ausreichend
darstellbar (Mahendra Singh, 2020), fasst eine wissenschaftliche Veröffentlichung
der RWTH Aachen, Autoren
Ostmann, Kremer, Mathis und Müller, Titel "Efficiency Increase of Air Handling Units
by Parallely Operated Fans" (www.ashrae.org; DOI: 10.18154/RWTH-2022-08049) zusammen. Neben dem Volumenstrom und dem statischen Druckerhöhung muss demnach auch
die Drehzahl des Ventilators bekannt sein, um die Betriebskenndaten vorhersagen zu
können. Den Strömungsmaschinen zugeordnete Rückschlagklappen seien zur Vermeidung
von Rückströmung notwendig. Wie eine Umsetzung und ein Zusammenspiel mit einer Ventilatorsteuerung
erfolgen kann, bleibt offen. Das für die vorliegenden Erfindung wichtige Thema der
Betriebsgrößenkonstanthaltung im Umschaltzeitpunkt wird nicht betrachtet.
[0005] Es ergeben sich bei der Durchführung solcher Optimierungsansätze für die Anzahl in
Betrieb befindlicher Ventilatoren einer Ventilatorenanordnung vor allem zwei grundsätzliche
Probleme. Zum einen ist das Zu- und Abschalten von Ventilatoreinheiten im laufenden
Betrieb unter Konstanthaltung der hauptsächlichen Anlagenbetriebsgrößen Volumenstrom
und Druckerhöhung bisher nicht gelungen. Zum anderen erfordert die ausreichend genaue
Bestimmung der optimalen Ventilatoranzahl für einen beliebigen Betriebspunkt meist
mehrere, komplexe, mathematische Modelle, die zunächst jeweils aufwendig mit Messdaten
kalibriert werden müssen und während des Betriebes ein hohes Maß an Rechenaufwand
erfordern.
[0006] Es wird folglich nach Verbesserungen in den rechnerischen Optimierungen und/oder
Steuerungskonzepten und den verwendeten, anlagentechnischen Komponenten und Komponentenanordnungen
gesucht.
[0007] Der Erfindung liegt als eine Idee zugrunde, dass zumindest ein Polynom zur Berechnung
der Betriebsgröße, für die der Anlagenbetrieb zu optimieren ist, vornehmlich der statische
Systemwirkungsgrad, die Schallemission oder eine (gewichtete) Kombination dieser Größen,
verwendet wird. Das Problem der nicht-linearen Korrelationen, weswegen eine lineare
Interpolation nicht erfolgreich war, soll nun ein Ansatz mit einem bivariaten Polynom
lösen. In einer bevorzugten Ausführungsform werden drei bivariate Polynome für die
Determinationen des Wirkungsgrads, des Schalls und der Drehzahl verwendet.
[0008] Der Erfindung liegt die weitere Idee zugrunde, dass eine Optimierung einer raumlufttechnischen
Anlage mit Ein- oder Ausschalten von Ventilatoreinheiten, bis in Abhängigkeit des
aktuellen Betriebspunkts bestehend aus dem geförderten Volumenstrom und der Druckerhöhung
die optimale Anzahl der im Betrieb befindlichen Einheiten erreicht ist, als Optimierungsverfahren
noch verbessert bzw. ersetzt werden kann. Statt iterativ vorzugehen, wird ein implizites
Vorgehen vorgeschlagen, nämlich mittels direkter Berechnung der optimalen Anzahl an
Strömungsmaschinen und Steuerung derselben aufgrund eines geforderten Volumenstroms
und/oder einer geforderten Druckerhöhung. Es soll dabei nicht nötig sein, eine iterative
Berechnungsschleife unter inkrementeller Erhöhung einer weiteren Betriebsgröße zu
durchlaufen. Konkret soll beispielsweise die Drehzahl in den zu betrachtenden Betriebspunkten
eines Ventilators nicht mehr iterativ ermittelt werden müssen, weil zur Wirkungsgradberechnung
nach dem Stand der Technik Volumenstrom, Druck und Drehzahl benötigt werden, vgl.
RWTH Aachen, Ostmann, Kremer, Mathis und Müller "Efficiency Increase of Air Handling
Units by Parallely Operated Fans". Die Drehzahl bestimmen zu können, erscheint gegenüber
bisher vorgeschlagenen iterativen Annäherungen vorteilhaft. Eine festsetzbare Drehzahlgrenze
würde Gewissheit geben können, dass ausschließlich mittels der raumlufttechnischen
Anlage realisierbare Optima angesteuert werden.
[0009] Ein anlagentechnisches Optimierungspotenzial wird im Rahmen der Erfindung in einer
Anordnung unabhängig voneinander stetig ansteuerbarer Luftregel- und -absperrklappen
zumindest hinter jeder einzelnen Strömungsmaschine erkannt. Der hier vorgeschlagene,
bevorzugt direkte Anschluss einer Luftregel- und -absperrklappe zumindest vor oder
hinter zumindest einer der Strömungsmaschinen ist in einer an sich nicht für erforderlich
zu haltenden Funktionalität eher übertrieben aufwändig im apparativen Aufbau und ihrer
Ansteuerung. Diese bieten im Vergleich zu sonst gebräuchlichen, rein passiv arbeitenden
Rückschlagklappen aber die Möglichkeit, die Steuerungseinrichtung unkonventionell
zu konfigurieren, um Vorteile zu heben. Eine optimale Anzahl von in Betrieb befindlichen
Ventilatoreinheiten kann in Betrieb gehalten werden. Unter minimaler Gesamtvolumenstrom-
und Druckbeeinflussung sind einzelne Strömungsmaschinen in Betrieb zu setzen oder
aus dem Betrieb zu nehmen. Dies wird gemäß besonders bevorzugten Ausführungsformen
mit Strömungsmaschinengruppen gemäß vorgebbarem Muster umgesetzt, beispielsweise unter
Bevorzugung diagonal benachbart angeordneter Strömungsmaschinen.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0010] Gelöst wird die Aufgabe durch die Gegenstände der unabhängigen Patentansprüche.
[0011] Vorteilhafte Ausführungsformen sind Gegenstand von Unteransprüchen, die per Verweis
als in die Beschreibung einbezogen gelten, und Gegenstand der oben bereits zu den
Lösungsansätzen begonnenen wie auch nachfolgenden Beschreibung.
[0012] Ein erfindungsgemäßes Verfahren zum optimierten Steuern einer Anordnung von parallelgeschalteten
Strömungsmaschinen einer raumlufttechnischen Anlage umfasst zumindest die folgenden
Verfahrensschritte:
- Vorwählen oder Feststellen einer Startanzahl von operativen Strömungsmaschinen, bevorzugt
etwa fünf bis zwanzig Strömungsmaschinen oder beispielsweise Gruppen solcher parallelgeschalteten
Strömungsmaschinenanzahlen, besonders bevorzugt Ventilatorwandgestaltungen mit 100
parallelgeschalteten oder einigen 100er Gruppen solcher parallelgeschalteter Strömungsmaschinen,
sodass sich eine Reserveanzahl nicht operativer Strömungsmaschinen (12) ergibt;
- Abgleich eines Regelparameters wie beispielsweise eines Volumenstromistwertes (24I)
mit einem Sollwert (24S) als Führungsgröße, wonach sich die Drehzahl der operativen
Strömungsmaschinen und/oder ihre Anzahl einer Drehzahl- und/oder Anzahloptimierung
(30) folgend verändert, wobei die Drehzahl- und/oder Anzahloptimierung (30) mittels
zumindest eines bivariaten Polynoms eine Optimalanzahl und/oder Optimaldrehzahl operativer
Strömungsmaschinen (12) ermittelt.
[0013] Dieses Verfahrens verbessert die Druck- und/oder Drehzahlregelung bzw. vermeidet
zu große Schwankungen des Volumenstromverlaufs bis hin zu deren Eliminierung.
[0014] Eine erfindungsgemäße raumlufttechnische Anlage hat zumindest zwei parallelgeschaltete
Strömungsmaschinen oder wie oben erwähnt größere Gruppen solcher parallelgeschalteter
Strömungsmaschinen, die mittels einer Steuerungseinrichtung beeinflussbar sind, bevorzugt
gruppenweise, um beispielsweise den Gesamtluftvolumenstrom zu steuern. Vor und/oder
hinter jeder einzelnen Strömungsmaschine sind unabhängig voneinander ansteuerbare
Luftregel- und -absperrklappen angeordnet.
BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0015] Im Folgenden wird die vorgeschlagene Vorrichtung mit Hilfe von Zeichnungen erläutert.
Diese Beschreibung dient dazu, das Grundprinzip der vorliegenden Erfindung zu erklären,
ohne dass ausschließlich die dargestellte besonders vorteilhafte Ausführungsform den
grundsätzlicheren, insbesondere in den Patentansprüchen formulierten Schutz einschränken
darf.
[0016] Es zeigen
Figur 1 ein Ausführungsbeispiel für ein Optimierungsverfahren zum Betrieb einer raumlufttechnischen
Anlage mit parallelgeschalteten Strömungsmaschinen und jeweils zumindest einer Dosierklappe,
wobei mit den Buchstaben A und B (jeweils umkreist) Verfahrensoptionen abgekürzt dargestellt
sind, die in den Figuren 2 und 3 ausführlicher skizziert sind;
Figur 2 die in Figur 1 abgekürzt vermerkte Verfahrensoption B zum Zuschalten einer
Strömungsmaschine und die Regelung der zugehörigen Luftregel- und -absperrklappen;
Figur 3 die in Figur 1 abgekürzt vermerkte Verfahrensoption A zum Abschalten einer
Strömungsmaschine und die Regelung der zugehörigen Luftregel- und -absperrklappen;
Figur 4 ein Ausführungsbeispiel für eine raumlufttechnische Anlage zur Durchführung
eines raumlufttechnischen Verfahrens, das nach dem in den Figuren 1 bis 3 vorgestellten
Verfahren optimierbar ist, mit zwei parallelgeschalteten Strömungsmaschinen und jeweils
zwei, in Strömungsrichtung vorangeschalteten und nachgeschalteten, Luftregel- und
-absperrklappen, wobei Erfassungspositionen für Messungen, insbesondere des Druckes,
schematisch eingezeichnet sind; und
Figur 5 eine Diagrammdarstellung des Ergebnisses einer Volumenstrommessreihe zur Dokumentation
von Umschaltvorgängen mit über der Versuchszeit aufgetragenen Volumenstromergebnislinien
für die beiden Strömungsmaschinen Ventilator 1 und Ventilator 2 aus Figur 4 und dem
nur leicht um einen konstanten Nennvolumenstrom schwankenden Gesamtvolumenstrom.
[0017] In Figur 1 ist ein vorteilhaftes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Optimierung des Betriebs einer raumlufttechnischen Anlage dargestellt, das eine
Entwicklung
von bivariaten Polynomen zur präzisen Auslegung und Berechnung von Strömungsmaschinen nutzt.
[0018] Eine mathematische Modellierung einer Strömungsmaschine dient zur Vorhersage verschiedener
Betriebsgrößen, auf der Analyse von Messdaten basierend. Grundlage für die mathematische
Modellierung ist demnach die Erstellung einer geeigneten Datenbasis. Diese Datenbasis
besteht vorliegend aus Messungen realer Betriebsbedingungen der Strömungsmaschine
12, beispielsweise eines Ventilators 12.1, 12.2 oder einer Ventilatoranordnung 10,
wie in Figur 4 schematisch und beispielhaft dargestellt. Die gemäß Figur 4 links in
eine Einlassöffnung 11 einströmende Luft wird in parallel angeordnete Kanäle 16 aufgeteilt.
Jeder Kanal umfasst abgedichtet mit seiner Kanalwand hintereinander zumindest eine
Luftregel- und -absperrklappe 14.1V, 14.2V, 14.1H, 14.2H und je einen der Ventilatoren
12.1, 12.2. Für die Güte des Modells ist es entscheidend und damit auch wichtig, dass
bzw. ob die Datenbasis die Betriebszustände der Strömungsmaschine 12 hinreichend genau
widerspiegelt. Im Speziellen bedeutet dies vor allem, dass ein ausreichend großer
Datenbestand, der das gesamte Betriebsspektrum der Strömungsmaschine 12 abdeckt, gewählt
wird.
[0019] Die Betriebspunkte, die gemäß eines vorteilhaften Ausführungsbeispiels in die Datenbasis
aufgenommen werden, haben die Form von Wertetripeln, die sich stets aus den beiden
unabhängigen Regelgrößen Volumenstrom Q 24, Druckerhöhung Δp 26 und je einer der folgenden
Größen (abhängige Größen) zusammensetzen: Drehzahl n 22, Wirkungsgrad η, Schallleistungspegel
Lw.
[0020] Für eine zu ermittelnde abhängige Größe Y, bevorzugt den Wirkungsgrad, wird ein bivariates
Polynom, also ein Polynom in zwei Variablen
f (
x, y) = Σ
i,jaj,jxiyj, insbesondere der Form

vorgegeben. Die genaue Form des bivariaten Polynoms, also insbesondere die Anzahl
der relevanten Monome und der totale Grad, hängen von dem physikalischen Verhalten
der zu betrachtenden abhängigen Größe Y ab und werden gemäß dem hier geschilderten
Ausführungsbeispiel vorgegeben. Anschließend werden die unbekannten Koeffizienten
des Polynoms a0, a1, ..., an anwendungsspezifisch mittels eines Statistikprogramms
ermittelt. Hierzu wird eine multiple, nichtlineare Regressionsanalyse auf Grundlage
der ermittelten Datenbasis durchgeführt. Dabei werden vorliegend der Volumenstrom
Q 24 und die Druckerhöhung Δp 26 als unabhängige Variablen verwendet. Die Regressionsanalyse
liefert die unbekannten Koeffizienten a0, a1, ..., an. Mit dem so ermittelten bivariaten
Polynom, vorliegend ein Wirkungsgradpolynom 28, wird über das gesamte Betriebsspektrum
der Strömungsmaschine für jeden Betriebspunkt oder für ausgewählte Betriebspunkte,
als Wertepaar aus Druck Δp 26 und Volumenstrom Q 24, die jeweilige abhängige Größe
Y (bevorzugt Wirkungsgrad) berechnet und zur Auswahl der optimalen Anzahl an Ventilatoren
verwendet werden.
[0021] Dies ermöglicht die optimierte Auslegung der Strömungsmaschine 12 bzw. der parallelen
Strömungsmaschinenanordnung 10, insbesondere die optimale Anzahl der zu- bzw. abzuschaltenden
Ventilatoren und die Simulation des Betriebsverhaltens in beliebigen Betriebspunkten.
[0022] Bei Verwendung von mehreren Ventilatoren N = 1 bis N
max (mindestens zwei, vgl. Figur 4) als Strömungsmaschinen, kann diese Anzahl 1 bis N
max im Teillastbetrieb mit verschiedenen Kombinationen vorteilhaft genutzt werden, also
nicht unbedingt immer ein Betrieb mit der vollen Anzahl der Ventilatoren.
[0023] Luftabsperrklappen sind dazu bekanntermaßen zwingend erforderlich, um eine Rückströmung
durch einen stehenden Ventilator zu verhindern. Eine Rückströmung würde die Effizienz
des Systems erheblich reduzieren. Im Stand der Technik finden Rückschlagklappen Einsatz,
die passiv öffnen und schließen.
[0024] Eine optimale Betriebsweise mit mehreren parallel angeordneten Strömungsmaschinen
12 und davor und / oder jeweils dahinter angeordneten Luftregel- und -absperrklappen
14 wurde erreicht. Installierte Anlagen können oft nicht bei jedem Umschaltvorgang
ausgeschaltet und neu angefahren werden. Viele raumlufttechnische Anwendungen benötigen
einen kontinuierlichen und stetigen Betrieb. Daher ist für eine hier vorgestellte
vorteilhafte Vorrichtung zum Betrieb mehrerer parallel geschalteter Strömungsmaschinen
vorgeschlagen, dass je Strömungsmaschine 12 bzw. gruppenweise Umschaltvorgänge gegen
geschlossene Luftregel- und -absperrklappen 14 realisiert werden. Es ist eine Druck
26 - und Drehzahl 22 - Regelung entwickelt worden, um Schwankungen des geforderten
Volumenstroms 24 zu vermeiden.
[0025] Die Nutzung von reinen Rückschlagklappen erscheint demgegenüber unvorteilhaft, da
Rückschlagklappen nicht steig geschlossen werden können, sondern nur passiv die Stellungen
auf oder zu realisiert werden können. In besonders bevorzugten Ausführungsformen sind
zur Verbesserung der Redundanz sowohl vor dem Ventilator als auch nach dem Ventilator
Luftregel- und -absperrklappen als Absperrorgane angebracht. Alternativ ist es in
weiteren vorteilhaften Ausführungsformen vorgesehen, einzelne Luftregel- und -absperrklappen
direkt, also ohne Kanalführungen oder gar zusätzliche Aggregate dazwischen, vor oder
nach der Strömungsmaschine zu positionieren / anzuflanschen. Kombinationen mit passiven
Klappen können zur Redundanz beitragen und Anschaffungskosten begrenzen.
[0026] Die Umschaltung zwischen den verwendeten Ventilatoren 12.1, 12.2 im laufenden Betrieb
ist gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform so realisiert, dass insbesondere die
im Betrieb verbleibenden Ventilatoren in ihrer Drehzahl reduziert werden, während
der zugeschaltete Ventilator gegen zumindest eine geschlossene Luftregel- und - absperrklappe
anfahren muss, bis die Druckdifferenz zwischen den Ventilatoren zumindest soweit ausgeglichen
ist, wie es die Fertigungstoleranzen und die Leistungsfähigkeit von Abdichtungen erlauben.
Dadurch lassen sich Schwankungen im Volumenstrom minimieren. Die Luftregel- und -absperrklappen
des zugeschalteten Ventilators werden bevorzugt sukzessiv geöffnet.
[0027] Umgekehrt wird der aus dem Betrieb genommene Ventilator bevorzugt langsam in der
Drehzahl reduziert, während die in Betrieb bleibenden Ventilatoren in Ihrer Drehzahl
langsam angehoben werden, um den Betriebspunkt konstant zu halten.
[0028] Die Klappen des außer Betrieb zu nehmenden Ventilators werden bevorzugt druckgeregelt
geschlossen. Ziel ist es auch hierbei, den Volumenstrom stetig zu ändern.
[0029] Soll die Strömungsmaschinenanordnung 10 beispielsweise von 50.000 m
3/h auf 30.000 m
3/h herunterfahren, wären nach dieser Volumenstromreduzierung nicht vier im Betrieb
befindliche Ventilatoren, sondern drei Ventilatoren sinnvoll. Als Folge der obigen
Verfahrensentwicklung müsste niemand reagieren, der beispielsweise eine Tabelle des
Herstellers kennt. Die Sensorik würde überwachen, wie das System auf das Herunterfahren
reagiert. Das System erkennt gemäß Figur 1 in der Raute "RPM=MIN?", dass wegen irgendwann
zu geringer Drehzahl, solange erst einmal alle vier Ventilatoren auf 30.000 m
3/h fahren (regeln), zumindest ein Ventilator abzuschalten ist "Num 1 verringern (A)".
Dann werde(n) sukzessive dem Schaltbild in Figur 3 folgend die Klappe(n) vor und /
oder hinter dem Ventilator Nr. 4 geschlossen, während der als Strömungsmaschine eingesetzte
Ventilator Nr. 4 herunterfährt. Gleichzeitig werden die Ventilatoren Nr. 1 bis 3 in
ihrer Drehzahl angehoben.
[0030] Diese Vorgehensweise kann auch genutzt werden, wenn einzelne Ventilatoren für Wartungszwecke
oder aus Redundanzgründen komplett außer Betrieb genommen werden.
[0031] Um beim periodischen Wechsel der Ventilatoren eine Fehlzirkulation und einen Abfall
des Kanaldrucks zu verhindern, wird gemäß einer vorteilhaften Verfahrensvariante folgendes
Vorgehen implementiert:
Ausgangsituation:
[0032] Die Umschaltung erfolgt im jeweiligen Betriebspunkt der Strömungsmaschinenanordnung
(z. B.: ~50 % des Nennluftvolumenstroms). Der Ventilator 1 gemäß Figur 4 ist in Betrieb,
der Ventilator 2 ist ausgeschaltet. Zur Fahrweise mit jeweils inkrementellem Öffnen
werden vorgeschlagen:
Variante 1 - Für die Dauer des Umschaltvorgangs bleibt die Druckregelung aktiv.
Variante 2 - Für die Dauer des Umschaltvorgangs wird die Druckregelung eingefroren
und die Sollwerte festgesetzt.
[0033] Der Ablauf zur Umschaltung ist gemäß diesem Vorschlag wie folgt:
Der Ventilator 12.2 erhält das Stellsignal des Ventilators 12.1. Dieses Stellsignal
wird über einen Rampenbaustein geführt, um ein zu schnelles Anfahren zu vermeiden.
[0034] Der Ventilator 12.2 fährt bei geschlossener Luftregel- und -absperrklappe 14.2 an
und fährt den inneren Druck P2 (in Figur 4 eingetragen) auf den gleichen Wert wie
P1 (dies kann alternativ mittels eines Zeitglieds gelöst werden). Dadurch wird beim
Öffnen der Luftregel- und -absperrklappen 14.2 eine Rückströmung verhindert.
[0035] Die Klappengruppe M2 öffnet die Luftregel- und -absperrklappe 12.2H stetig, während
die Klappengruppe M1 die Luftregel- und -absperrklappe 14.1H stetig schließt. Ist
die jeweils zweite dargestellte Luftregel- und -absperrklappe 14.1/2V vorhanden, sind
sie so gestellt, dass der Volumenstrom möglichst unbeeinflusst bleibt oder den jeweils
selben Regelungserfolg im jeweiligen Kanal 16 sichert.
[0036] Ventilator 12.2 fährt gemäß Rampe weiter Richtung Sollwert.
[0037] Das Abfahren von Ventilator 12.1 erfolgt in umgekehrter Reihenfolge zum Anfahren.
[0038] Sobald der Motor M1 die Luftregel- und -absperrklappe 14(n) 14.1 komplett geschlossen
hat, wird Ventilator 12.1 abgeschaltet.
[0039] Auch kann mit dieser Fahrweise ein Betrieb von beiden Ventilatoren 12.1 und 12.2
erreicht werden.
[0040] Beispielsweise wird zum Betrieb eines Ventilators 12.1 der zweite Ventilator 12.2
dazu geschaltet. Ventilator 12.1 befindet sich beispielsweise bei 50 % der Gesamtnennluftmenge
in Betrieb, während Ventilator 12.2 gegen die geschlossene Luftregel- und -absperrklappe
14.2 anfährt. Wird per Druckvergleich P2 = P1 erreicht, beginnt der Motor M2 die Luftregel-
und - absperrklappe 14.2 zu öffnen und beide Ventilatoren (12.1 und 12.2) werden nach
P1 = P2 geregelt.
[0041] Das Zu- oder Abschalten von Ventilatorgruppen erfolgt gemäß bevorzugten Ausführungsformen
nach dem gleichen Verfahren.
[0042] Mit dieser Fahrweise kann erheblich an Energie eingespart werden. Die erreichbare
Energieeinsparung liegt gemäß Versuchen mit solchen Versuchsanlagen im Teillastbetrieb
bei etwa 6 bis 19 %.
[0043] Bevorzugt wird mittels des in Figur 1 verwendeten Polynoms eine Betriebsvariante
verwendeter Strömungsmaschinen optimiert.
[0044] Damit wird die raumlufttechnische Anlage nicht nur nach dem höchsten Systemwirkungsgrad,
sondern auch oder ausschließlich nach dem niedrigsten Schallpegel betrieben bzw. optimiert.
[0045] Gegenüber bekannten Optimierungsverfahren lassen sich mittels hier vorgeschlagenen
vorteilhaften Ausführungsformen Iterationsschritte einsparen.
Bezugszeichenliste
[0046]
- 10
- Strömungsmaschinenanordnung, insbesondere raumlufttechnische Anlage mit Ventilatoranordnung
- 11
- Einlassöffnung
- 12
- Strömungsmaschine, insbesondere Ventilator
- 12.1, 12.2
- Ventilator
- 14.1V, 14.2V
- Luftregel- und absperrklappe
- 14.1H, 14.2H
- Luftregel- und absperrklappe
- 16
- Kanal
- 22
- Drehzahl
- 24
- Volumenstrom / Volumenstromsensoren
- 24I
- Istwert
- 24S
- Sollwert
- 26
- Druckerhöhung / Drucksensoren
- 28
- Wirkungsgradpolynom
- 30
- Anzahloptimierung
- A
- Abschaltverfahren
- B
- Zuschaltverfahren
1. Verfahren zum optimierten Steuern einer Anordnung von parallelgeschalteten Strömungsmaschinen
einer raumlufttechnischen Anlage (10), umfassend die Verfahrensschritte:
Vorwählen oder Feststellen einer Startanzahl von operativen Strömungsmaschinen (12),
sodass sich eine Reserveanzahl nicht operativer Strömungsmaschinen (12) ergibt;
Abgleich eines Regelparameters wie beispielsweise eines Volumenstromistwertes (24I)
mit einem Sollwert (24S) als Führungsgröße, wonach sich die Drehzahl der operativen
Strömungsmaschinen und/oder ihre Anzahl einer Drehzahl- und/oder Anzahloptimierung
(30) folgend verändert, wobei die Drehzahl- und/oder Anzahloptimierung (30) mittels
zumindest eines bivariaten Polynoms eine Optimalanzahl und/oder Optimaldrehzahl operativer
Strömungsmaschinen (12) ermittelt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Verwendung des zumindest einen bivariaten Polynoms zur Auslegung und Berechnung
von Strömungsmaschinen (12), wobei Betriebspunkte als Wertetripel in eine Datenbasis
aufgenommen werden, insbesondere in der Zusammensetzung aus (i) unabhängigen Regelgrößen
Volumenstrom (24) und Druckerhöhung (26) und (ii) einer abhängigen Größe.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass als abhängige Größe auszuwählen oder zu kombinieren ist unter einem oder mehrerem
von Schalleistungspegel, Wirkungsgrad und/oder Drehzahl (22).
4. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass, insbesondere für eine zu ermittelnde abhängige Größe, vorzugsweise den Wirkungsgrad,
ein bivariates Polynom der Form

verwendet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Bestimmung zumindest eines der Koeffizienten des bivariaten Polynoms a0, a1, ..., an eine multiple, nichtlineare Regressionsanalyse durchgeführt wird, insbesondere auf
Grundlage der ermittelten Datenbasis und unter Verwendung des Volumenstroms (24) und
der Druckerhöhung (26) als unabhängige Variablen.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Anforderung, eine oder mehrere zusätzliche Strömungsmaschine(n) i in Betrieb
zu nehmen, im Verfahren zumindest eine dieser bzw. diesen zusätzlichen Strömungsmaschine(n)
(12) zugeordnete Luftregel- und -absperrklappe (14) als vor Inbetriebnahme geschlossen
berücksichtigend zunächst eine Startdrehzahl für die zusätzliche Strömungsmaschine
i festsetzt, um anfangs Luft gegen die geschlossene Luftregel- und - absperrklappe
(14) zu fördern.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass ein Öffnen der Luftregel- und -absperrklappe (14) inkrementell erfolgt, bevorzugt
Inkrement für Inkrement jeweils nach Soll-Istwertabgleich zum Volumenstrom oder Kanaldruck
und Anpassung der Drehzahlen der bereits operativen und des/r in Betrieb genommenen
zusätzlichen Strömungsmaschinen, bis die Luftregel- und -absperrklappe (14) vollständig
geöffnet ist.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass infolge einer Anforderung, eine oder mehrere Strömungsmaschine(n) i außer Betrieb
zu nehmen, eine Stilllegedrehzahl für die betreffende Strömungsmaschine i festgesetzt
wird und ein Schließvorgang für die zumindest eine der betreffenden Strömungsmaschine
i zugeordnete Luftregel- und -absperrklappe (14) initiiert wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Schließvorgang der Luftregel- und -absperrklappe (14) inkrementell erfolgt, vorzugsweise
je Inkrement unter Soll-Istwert-Abgleich in Bezug auf den Volumenstrom, bis die Luftregel-
und -absperrklappe (14) vollständig geschlossen ist.
10. Raumlufttechnische Anlage mit zumindest zwei parallelgeschalteten Strömungsmaschinen,
die mittels einer Steuerungseinrichtung beeinflussbar sind, um beispielsweise den
Gesamtluftvolumenstrom zu steuern, dadurch gekennzeichnet, dass vor und/oder hinter jeder einzelnen Strömungsmaschine unabhängig voneinander ansteuerbare
Luftregel- und -absperrklappen (14) angeordnet sind.
11. Raumlufttechnische Anlage nach Anspruch 10, eingerichtet zur Durchführung eines Verfahrens
nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9.
12. Verwendung von Luftregel- und -absperrklappen (14) zum Anschluss an zumindest einzelne
Strömungsmaschinen (12) einer Gruppe von Strömungsmaschinen, wobei an zumindest an
eine dieser Strömungsmaschine(n) (12) zumindest eine Luftregel- und - absperrklappe
(14) direkt angeschlossen ist, nämlich zum inkrementellen Öffnen und Schließen der
Zustrom- und / oder Abluftöffnung der jeweiligen Strömungsmaschine (12), bevorzugt
zum geregelten Öffnen und Schließen in Abhängigkeit von Volumenstrom und Druck, wobei
besonders bevorzugt zusätzlich auch die Drehzahl der Strömungsmaschine (12) inkrementell
verändert bzw. mitgeregelt wird.
13. Computerimplementiertes Verfahren der Raumlufttechnik zur Durchführung oder zumindest
Computerunterstützung eines Verfahrens nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9,
nämlich zur Ansteuerung von einzelnen Strömungsmaschinen oder Gruppen solcher Strömungsmaschinen,
vor und/oder nach denen jeweils in ihrer Durchströmungsrichtung gesehen zumindest
ein Durchflussbeeinflussungsaggregat als Luftregel- und -absperrklappe (14) angeordnet
ist/sind, umfassend ein Zuschaltverfahren (B) und ein Abschaltverfahren (A) als Objekte
des Optimierungsverfahrens zum Betrieb einer raumlufttechnischen Anlage (10) mit parallel
angeordneten Strömungsmaschinen (12).
14. Datenverarbeitungsgerät mit angeschlossenen Volumenstromsensoren (24) und Drucksensoren
(26) zur Abbildung eines Kennfeldes von rotierenden Aggregaten (12) in variabler Anzahl
im Betrieb mehrerer dieser Aggregate (12) in einer Parallelanordnung, insbesondere
zur Durchführung eines raumlufttechnischen Verfahrens nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 9.
15. Computerprogramm oder computerlesbares Medium mit Anweisungen, die, wenn das Programm
von einem Computer ausgeführt wird, den Computer veranlassen, das Verfahren nach mindestens
einem der Ansprüche 1 bis 9 auszuführen.