[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Warmbands.
[0002] Die weltweit verfolgten Ziele zum Klimaschutz, wie beispielsweise die im europäischen
Klimagesetz verankerte Zielsetzung die Nettotreibhausgasemissionen bis 2050 auf netto
null zu reduzieren, führen zu fundamentalen Transformationsprozessen in diversen Industriesektoren,
wie unter anderem in der Stahlindustrie. Hier wird zum einen der Anteil fossiler Brennstoffe
in betrieblichen Wärmebehandlungsöfen (beispielsweise zur Brammenerwärmung), in Zukunft
zugunsten CO
2-neutraler Brennstoffe, wie beispielsweise Wasserstoff und/oder Ammoniak, ersetzt
werden. Zum anderen soll die bestehende, konventionelle und treibhausgas-intensive
Rohstahlproduktion (Hochofenroute) zugunsten einer klimafreundlicheren Alternative,
wie beispielsweise einer Direktreduktionsanlage und einem Elektrolichtbogenofen, ersetzt
werden. Durch die immer stärker seitens der OEM und der Politik geforderten Recyclingquoten
soll dies, insbesondere im Falle der Verwendung eines Elektrolichtbogenofens, zu einem
deutlich höheren Schrotteinsatz bei der Rohstahlerzeugung führen.
[0003] Diese Technologiewechsel sind mit erheblichen Auswirkungen für die zu erzeugenden
Produkte verbunden, sodass es zu diversen qualitativen, ökonomischen und ökologischen
Herausforderungen infolge der Effektüberlagerung kommen kann. So würde durch den Einsatz
höherer Schrottanteile zur Rohstahlerzeugung, bis hin zu einem 100 % Schrotteinsatz
im Elektrolichtbogenofen, ein signifikanter Anstieg von Begleitelementen wie Cu, Cr,
Ni, Mo, Zn, Sb und As zu beobachten sein. Diese wiederum führen zur Beeinflussung
der Verarbeitungseigenschaften, wie bspw. einer veränderten Zunderausbildung in direktbefeuerten
Ofenprozessen. Gleichzeitig kommt es infolge einer Umstellung des Verbrennungsprozessgases,
ausgehend von einem überwiegend fossilen Brennstoff (wie Erdgas) hin zu einem nachhaltigen
Brennstoff (wie Wasserstoff und/oder Ammoniak) zu einer Veränderung der Zunderausbildungsprozesse,
sodass ein deutliches Zunderwachstum zu erwarten ist. Darüber hinaus stellt sich eine
veränderte Zunderstruktur ein, welche stärker mit der Substratoberfläche verbunden
ist und durch die festere Haftung eine aufwändigere Entfernung erfordert.
[0004] Bei der Prozessierung infolge des Schrotteinsatzes im Wesentlichen verunreinigter
mit hohen Begleitelementgehalten versehenen Stahlgüten in direkt beheizten Ofenprozessen
können so diverse Probleme hervorgerufen werden:
- gesteigerter Materialverlust durch verstärkte Zunderausbildung und somit Reduktion
der Ausbringung;
- Qualitätsprobleme durch fest haftenden (Klebe-)Zunder bzw. Entzunderungsprobleme mit
herkömmlichen Zunderwäscher;
- gesteigerte Kosten durch Nachbearbeitung und Abwertung von Brammen bzw. Warmband;
- erhöhte CO2-Emissionen pro Tonne Warmband durch erforderliche Neuerzeugung des verlorenen Materials.
[0005] Wärmebehandlungsöfen, wie zum Beispiel direkt beheizte Öfen (direct fired furnace,
auch DFF genannt), sind in der Praxis etablierte Öfen, die zur Wärmebehandlung von
Metallen verwendet werden. Diese werden standardmäßig mit fossilen Brennstoffen, wie
zum Beispiel Erdgas, gespeist. Da die Verbrennung im Ofen stattfindet, kann mit Hilfe
der direkten Beheizung, je nach eingestellter Luftzahl (Lambda-Wert des Brenngases),
eine reduzierende oder oxidierende Ofenatmosphäre eingestellt werden. Auch sogenannte
Kuppelgase oder deren Mischungen sind als Brenngase geeignet, welche insbesondere
in einem integrierten Hüttenwerk anfallen und somit entsprechend verwertet werden
können. Im Ofen befindet sich somit das von dem/den Brenner(n) erzeugte Verbrennungsgas
als Ofenatmosphäre, welches Wasserdampf geringer als 35,0 Vol.-%, insbesondere geringer
als 25 Vol.-% und, je nach Luftzahl, Sauerstoff (O
2) und Kohlenstoffdioxid (CO
2) oder Wasserstoff (H
2) und Kohlenstoffmonoxid/ Kohlenstoffdioxid (CO/CO
2) enthalten kann.
[0006] Wärmebehandlungsöfen, welche Stahlmaterial in Form von Brammen in sogenannten Stoß-
und/oder Hubbalkenöfen auf Warmwalzhitze erwärmen/durchwärmen, werden mit Erdgas beheizt
oder, wenn verfügbar und in einem sogenannten Hüttenverbund integriert, können mit
Gasen (Kuppelgasen) bzw. Gasgemischen wie Koksofengas, Hochofengas, Konvertergas usw.
betrieben werden. Nachfolgend soll als konventionelles Brenngas ein Brenngas verstanden
werden, welches mindestens eine oder mehrere der Komponenten Erdgas, Hüttengas, wie
Koksofengas, Hochofengas, Konvertergas, Einschmelzergas (EAF, SAF) enthält oder daraus
besteht. Eine Umstellung auf eine Verbrennung mit Wasserstoff und/oder Ammoniak kann
mithin einen stärkeren, insbesondere negativen Einfluss auf die Oberflächenqualität
des zu formenden Stahlmaterials nehmen. Der im Wärmebehandlungsöfen entstehende Zunder
kann je nach der Ausbildung gut oder schlecht haftend sein. Infolgedessen kann nicht
sichergestellt werden, dass die installierte Leistung eines gewöhnlichen sogenannten
Zunderwäschers immer ausreicht, um den Primärzunder abzutragen, bevor die Bramme in
einer Warmwalzstraße zu einem Warmband gewalzt wird.
[0007] Aus der
WO 2024/017440 A1 ist ein Verfahren bekannt, mit welchem die Ofenfeuchte bei Verbrennung von wasserstoffhaltigem
Brenngas durch Einleiten von trockenem Zusatzgas in die Ofenatmosphäre reduziert werden
kann, um den bei der Wärmebehandlung entstehenden Zunder positiv zu beeinflussen.
[0008] Ein Verfahren zur Herstellung eines Warmbands ist beispielhaft aus der
WO 2024/116132 A1 bekannt.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Herstellung eines Warmbands
bereitzustellen, mit welchem weniger CO
2 freigesetzt und gleichzeitig der bei der Wärmebehandlung entstehende Zunder im Wesentlichen
vollständig abgetragen werden kann.
[0010] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
Weiterführende Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0011] Die Lehre der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Warmbands, umfassend
die folgenden Schritte:
- Erzeugen einer Eisenschmelze in einem Elektrolichtbogenofen mit einer Zusammensetzung
in Gew.-%:
| C: |
max. 1,0 %; |
| Mn: |
0,05 bis 12,0 %; |
| Si: |
0,001 bis 5,0 %; |
| N: |
max. 0,10 %; |
| S: |
max. 0,10 %; |
| P: |
max. 0,20 %; |
optional eines oder mehrerer der Elemente:
| Al: |
max. 2,0 %; |
| Mo: |
max. 1,50 %; |
| Ni: |
max. 2,0 %; |
| Cr: |
max. 2,0 %; |
| B: |
max. 0,010 %; |
| Ca: |
max. 0,010 %; |
| Nb: |
max. 0,50 %; |
| Ti: |
max. 0,50 %; |
| V: |
max. 0,50 %; |
| Cu: |
max. 2,0 %; |
| Co: |
max. 0,50 %; |
| Sn: |
max. 0,50 %; |
| As: |
max. 0,20 %; |
| Seltene Erden: |
max. 0,30 %; |
Rest Fe und unvermeidbaren Verunreinigungen, wobei Schrott mit einem Anteil von mindestens
15 % bezogen auf die Tonne erzeugte Eisenschmelze zugegeben wird und der Schrott als
unerwünschte Begleitelemente mindestens eines oder mehrere der Elemente Cu, Cr, Ni,
Mo, Zn, Sb, As in Summe >= 0,50 Gew.-% umfasst;
- Gießen der Eisenschmelze und Erzeugen von Brammen;
- Wärmebehandeln der mindestens einen Bramme auf Warmwalzhitze in einem direkt beheizten
Wärmebehandlungsofen in Form mindestens eines Hubbalkenofens oder mindestens eines
Stoßofens, welcher mit Gasbrennern ausgestattet ist, wobei die Gasbrenner bezogen
auf die Durchlaufebene der Bramme in einem oberen Bereich und in einem unteren Bereich
des Wärmebehandlungsofens angeordnet sind, wobei sich infolge des Wärmebehandelns
zumindest teilweise auf der Oberfläche der Bramme Zunder bildet, wobei zumindest ein
Teil der Gasbrenner mit einem wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngas
gespeist wird, wobei die Bramme in einer Heizzone des Wärmebehandlungsofens auf eine
Zieltemperatur erwärmt und in einer Ausgleichszone des Wärmbehandlungsofens auf eine
Zieltemperatur von mindestens 1000 °C durchwärmt wird;
- Entnehmen der Bramme aus dem Wärmebehandlungsofen, zumindest teilweises Entzundern
der Bramme und Warmwalzen der Bramme zu einem Warmband.
[0012] Des Weiteren umfasst die Lehre der Erfindung mindestens einen oder mehrere der nachfolgenden
Schritte a) bis c):
- a) Dass zumindest in einem Teilabschnitt der Heizzone ein Brenngas verwendet wird,
welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas
in der Ausgleichszone aufweist;
- b) dass zumindest ein Teil der in der Ausgleichszone im oberen Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas gespeist werden, welches einen höheren
Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas der restlichen
in der Ausgleichszone angeordneten und gespeisten Gasbrenner aufweist;
- c) dass ein Brenngas verwendet wird, welches eine Mischung enthaltend oder bestehend
aus Kohlenstoffmonoxid mit einem Anteil zwischen 0,5 Vol.-% bis 40 Vol.-%, Rest Wasserstoff
und/oder Ammoniak umfasst.
[0013] Die erzeugte Eisenschmelze in einem Elektrolichtbogenofen weist eine Zusammensetzung
in Gew.-% auf mit:
| C: |
max. 1,0 %, insbesondere 0,0010 bis 0,80 %, vorzugsweise 0,0010 bis 0,60 %; |
| Mn: |
0,050 bis 12,0 %, insbesondere 0,050 bis 8,0 %, vorzugsweise 0,050 bis 4,0 %; |
| Si: |
0,0010 bis 5,0 %; insbesondere 0,0010 bis 4,0 %, vorzugsweise 0,0010 bis 3,50 %; |
| N: |
max. 0,10 %; |
| S: |
max. 0,10 %; |
| P: |
max. 0,20 %; |
optional eines oder mehrerer der Elemente:
| Al: |
max. 2,0 %; insbesondere 0,0001 bis 1,90 %, vorzugsweise 0,0020 bis 1,70 %; |
| Mo: |
max. 1,50 %; insbesondere max. 0,90 %, vorzugsweise max. 0,80 %; |
| Ni: |
max. 2,0 %; insbesondere max. 0,90 %, vorzugsweise max. 0,80 %; |
| Cr: |
max. 2,0 %; insbesondere max. 1,20 %, vorzugsweise max. 0,80 %; |
| B: |
max. 0,010 %; insbesondere max. 0,0070 %, vorzugsweise max. 0,0050 %; |
| Ca: |
max. 0,01 %; |
| Nb: |
max. 0,50 %; insbesondere max. 0,40 %, vorzugsweise max. 0,30 %; |
| Ti: |
max. 0,50 %; insbesondere max. 0,40 %, vorzugsweise max. 0,30 %; |
| V: |
max. 0,50 %; insbesondere max. 0,40 %, vorzugsweise max. 0,30 %; |
| Cu: |
max. 2,0 %; insbesondere max. 0,70 %, vorzugsweise max. 0,50 %; |
| Co: |
max. 0,50 %; insbesondere max. 0,40 %, vorzugsweise max. 0,30 %; |
| Sn: |
max. 0,50 %; insbesondere max. 0,30 %, vorzugsweise max. 0,20 %; |
| As: |
max. 0,20 %; insbesondere max. 0,10 %, vorzugsweise max. 0,050 %; |
| Seltene Erden: |
max. 0,30 %; insbesondere max. 0,20 %, vorzugsweise max. 0,10 %; Rest Fe und unvermeidbaren
Verunreinigungen. |
[0014] Das Gießen der Eisenschmelze(n) und Erzeugen von Brammen erfolgt beispielsweise über
dafür geeignete und dem Fachmann bekannte Anlagen, wie beispielsweise über Stranggießanlagen.
Die erzeugten Brammen können in Lagern bis auf deren Abruf verweilen, so dass es zugelassen
wird, dass diese in der Regel an Umgebungsatmosphäre auf Umgebungstemperatur abkühlen.
[0015] Zur Weiterbehandlung und zur Erzeugung von Warmband wird die Bramme oder werden die
Brammen einem Wärmebehandeln in einem direkt beheizten Wärmebehandlungsofen in Form
mindestens eines Hubbalkenofens oder mindestens eines Stoßofens zugeführt, welcher
mit Gasbrennern ausgestattet ist, wobei die Gasbrenner bezogen auf die Durchlaufebene
der Bramme in einem oberen Bereich und in einem unteren Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordnet sind, wobei sich infolge des Wärmebehandelns zumindest teilweise auf der
Oberfläche der Bramme(n) Zunder bildet, wobei zumindest ein Teil der Gasbrenner mit
einem wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngas gespeist wird, wobei
die Bramme in einer Heizzone des Wärmebehandlungsofens auf eine Zieltemperatur erwärmt
und in einer Ausgleichszone des Wärmbehandlungsofens auf eine Zieltemperatur von mindestens
1000 °C durchwärmt wird.
[0016] Das Wärmebehandeln der mindestens einen Bramme auf Warmwalzhitze erfolgt in der Art,
dass die Bramme auf eine Zieltemperatur von mindestens 1000 °C durchwärmt und insbesondere
bei dieser Temperatur aus dem Wärmebehandlungsofen entnommen wird, wobei die Zieltemperatur
insbesondere mindestens 1050 °C, vorzugsweise mindestens 1100 °C, bevorzugt mindestens
1150 °C betragen kann. Prinzipiell sollte die Zieltemperatur von 1500 °C nicht überschritten
werden, um ein partielles/vollständiges Aufschmelzen und/oder zu starke Verzunderung
der Bramme zu vermeiden. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen wird die Zieltemperatur
insbesondere auf maximal 1450 °C, vorzugsweise auf maximal 1400 °C, bevorzugt auf
maximal 1350 °C, weiter bevorzugt auf maximal 1330 °C beschränkt. Gemessen wird die
(Ziel-)Temperatur beispielsweise an einer Seite auf der Oberfläche der Bramme respektive
auf der Zunderoberfläche, insbesondere mit Pyrometern oder anderen geeigneten Messmitteln.
Diese genannten Temperaturen sollten auch im Kern der Bramme nicht unter- bzw. überschritten
werden, wobei die Kerntemperatur einer Bramme im Normalbetrieb nicht direkt ermittelbar
ist. Somit kann die (Ziel-)Temperatur der Bramme mit dem Fachmann bekannten Mitteln
erfasst werden. Die Temperatur im Wärmebehandlungsofen respektive die Temperatur der
Atmosphäre in dem Wärmebehandlungsofen kann durchaus höher liegen.
[0017] Die entnommene Bramme wird einem Zunderwäscher oder einem vergleichbaren Zunderentferner
zugeführt, um den Zunder von den Oberflächen der Bramme bevorzugt vollständig zu entfernen.
Anschließend wird die entzunderte Bramme einem Warmwalzwerk zugeführt, welches zwischen
drei und sieben Walzgerüste sowie optional bis zu drei Vorgerüste aufweisen kann,
in welchem aus der Bramme ein Warmband erzeugt wird. Die Dicke des Warmbands kann
beispielsweise zwischen 1,50 und 30 mm, insbesondere bis zu 26,0 mm, vorzugsweise
bis zu 15,0 mm, bevorzugt bis zu 10,0 mm, weiter bevorzugt bis zu 4,50 mm aufweisen.
[0018] Das Prinzip zur Herstellung eines Warmbands aus einer Bramme ist mithin Stand der
Technik.
[0019] Die angegebene (Ziel-)Temperatur kann beispielhaft als Mittelwert in Bezug auf eine
erfasste Messfläche verstanden werden, wobei insbesondere die Messfläche je nach dem
Fachmann bekannten und verwendeten Messgerät/-verfahren variieren kann. Besonders
bevorzugt wird die (Ziel-)Temperatur berührungslos erfasst, beispielsweise mittels
Pyrometer, Laserscanner, Wärmebildkamera etc.
[0020] Schrott ist ein wesentlicher Rohstoff in der Elektrolichtbogenofen (EAF)-Stahlherstellung.
Der Prozess beginnt mit dem Hinzufügen von Schrott in den EAF, wo er durch elektrische
Energie geschmolzen wird. Diese Methode ermöglicht es, verschiedene Arten von Stahlschrott
zu recyceln, was sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch vorteilhaft ist. Der Schrott
kann in einem automatischen System in den EAF geladen und beispielsweise durch die
direkte Abwärme des EAF's vorgeheizt werden, wodurch der Energieverbrauch weiter reduziert
werden kann. Durch die seitens der OEM sukzessive geforderten höheren Recyclingraten
im Werkstoff Stahl nehmen auch unerwünschte Begleitelemente wie Cu, Cr, Ni, Mo, Zn,
Sb, As, welche durch nicht sortenreinen Schrott eingetragen werden können, zu und
können insbesondere mit einem wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngas
beim Wärmebehandeln, die zu einer höheren Ofenfeuchte führen, in Kombination zu einer
Zunderstruktur führen, welche eine hohe Dicke und/oder eine feste Haftung auf dem
Substrat (Bramme) insbesondere in Verbindung mit den genannten unerwünschten Begleitelementen
aufweisen kann. Diese können auch verstärkte Segregationseffekte der zuvor genannten
Begleitelemente hervorrufen, welche sich wiederum negativ auf die Weiterarbeitungsprozesse
auswirken können. Durch die Kombination aus gesteigerten Verzunderungsprozessen in
Kombination mit erhöhten Begleitelementgehalten, wie bspw. Cu, kann das Rissrisikos
zur Heißrissanfälligkeit beim Warmwalzen signifikant steigen. Um einen positiven Einfluss
auf die Zunderstruktur nehmen zu können, wird mindestens einer oder mehrerer der Schritte
a) bis c) vorgeschlagen.
[0021] Die EAF-Stahlherstellung ist flexibel und kann schnell an unterschiedliche Produktionsanforderungen
angepasst werden. Des Weiteren ermöglicht sie die Herstellung von hochwertigem Stahl
mit präziser Kontrolle der chemischen Zusammensetzung. Durch den Einsatz von anteiligem
Schrott werden die CO
2-Emissionen begünstigt, da weniger Energie für die Herstellung von Stahl aus recyceltem
Material benötigt wird.
[0022] Schrott kann mit einem Anteil von insbesondere mindestens 17, 20 %, vorzugsweise
mindestens 22, 24 %, bevorzugt mindestens 27, 30 %, besonders bevorzugt mindestens
32, 34 %, weiter bevorzugt mindestens 36, 39 % bezogen auf die Tonne erzeugte Eisenschmelze
zugegeben werden. Der Schrottanteil kann maximal 100 % betragen, kann aber auf insbesondere
maximal 90, 80 %, vorzugsweise maximal 70, 60 %, bevorzugt maximal 57, 54 %, besonders
bevorzugt maximal 51, 48 % gesenkt werden.
[0023] Der Schrott umfasst als unerwünschte Begleitelemente mindestens eines oder mehrere
der Elemente Cu, Cr, Ni, Mo, Zn, Sb, As in Summe >= 0,50 Gew.-%, insbesondere mindestens
0,80, 1,0 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 1,30, 1,50 Gew.-%, bevorzugt mindestens
1,70, 1,90 Gew.-%. Die unerwünschte Begleitelemente mit mindestens einem oder mehreren
der Elemente Cu, Cr, Ni, Mo, Zn, Sb, As können in Summe beispielsweise maximal 10,0
Gew.-%, insbesondere maximal 9,50, 9,0 Gew.-%, vorzugsweise maximal 8,50, 8,0 Gew.-%,
bevorzugt maximal 7,0, 6,0 Gew.-%, besonders bevorzugt maximal 5,0, 4,50 Gew.-% betragen.
[0024] Als Brenngas mit höherem Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil wird vorzugsweise
ein Brenngas mit einem Anteil von 5 Vol.-% bis 100 Vol.-% Wasserstoff und/oder Ammoniak
verwendet. Insbesondere kann Wasserstoff und/oder Ammoniak im Brenngas mit einem Anteil
von mindestens 10, 15, 20 Vol.-%, vorzugsweise mindestens 30, 35, 40 Vol.-%, bevorzugt
mindestens 50, 55, 60 Vol.-%, besonders bevorzugt mindestens 65, 70, 75 Vol.-%, weiter
bevorzugt mindestens 80, 85, 90 Vol.-%, enthalten sein. Mit steigendem Wasserstoffanteil
und/oder Ammoniakanteil kann der Dekarbonisierungsgrad verbessert werden, insbesondere
wenn der zumindest anteilsmäßige im Brenngas zum Einsatz kommende Wasserstoff beispielsweise
in einer Wasserelektrolyse unter Verwendung regenerativer Energien, wie Wind, Wasser
und/oder Sonne erzeugt und bereitgestellt wird, bzw. keinen fossilen Ursprung hat.
Das Brenngas kann auch nur aus Wasserstoff bestehen, wobei Verunreinigungen im Brenngas
bis zu 0,5 Vol.-%, insbesondere bis zu 0,2 Vol.-%, vorzugsweise weniger als 0,1 Vol.-%
zugelassen werden, wobei Verunreinigungen technisch nicht oder nur mit hohem apparativem
Aufwand vermieden werden können, so dass dennoch von 100 Vol.-% Wasserstoff im Brenngas
gesprochen werden kann. Vorzugsweise kann ein Brenngas verwendet werden, welches im
Wesentlichen Wasserstoff umfasst oder im Wesentlichen aus Wasserstoff besteht.
[0025] Alternativ kann das Brenngas mit höherem Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil
auch nur aus Ammoniak oder aus einer Mischung aus Wasserstoff und Ammoniak bestehen,
wobei Verunreinigungen im Brenngas bis zu 0,5 Vol.-%, insbesondere bis zu 0,2 Vol.-%,
vorzugsweise weniger als 0,1 Vol.-% zugelassen werden, wobei Verunreinigungen technisch
nicht oder nur mit hohem apparativem Aufwand vermieden werden können, so dass dennoch
von 100 Vol.-% Ammoniak oder eine Mischung aus Ammoniak und Wasserstoff im Brenngas
gesprochen werden kann. Vorzugsweise kann ein Brenngas verwendet werden, welches im
Wesentlichen Ammoniak oder eine Mischung aus Ammoniak und Wasserstoff umfasst oder
im Wesentlichen aus Ammoniak oder aus Ammoniak und Wasserstoff besteht.
[0026] Bei einem wasserstoffhaltigen und ammoniakhaltigen Brenngas kann ein Verhältnis von
H
2/NH
3 zwischen 0,05 und 0,95 verwendet werden, insbesondere zwischen 0,1 und 0,9, vorzugsweise
zwischen 0,2 und 0,8, bevorzugt zwischen 0,3 und 0,7, besonders bevorzugt zwischen
0,4 und 0,6.
[0027] Wenn das Brenngas nicht vollständig aus Wasserstoff und/oder Ammoniak besteht, können
neben Wasserstoff und/oder Ammoniak weitere Anteile an Methan (CH
4) und/oder Kohlenmonoxid (CO) enthalten sein, um 100 Vol.-% nebst Verunreinigungen,
welche bis zu 0,5 Vol.-%, insbesondere bis zu 0,2 Vol.-%, vorzugs-weise weniger als
0,1 Vol.-% zugelassen werden, zu ergeben. Spuren von Kohlenstoffdioxid (CO
2) bis 1,5 Vol.-% können ebenfalls enthalten sein. Beispielsweise bei der Verwendung
von Erdgas neben Wasserstoff und/oder Ammoniak als Brenngas können die Anteile des
Hauptbestandteils Methan variieren und damit auch weitere Bestandteile, wie zum Beispiel
Ethan, Propan, Ethen und Butan einzeln oder kombiniert umfassen. Zusätzlich oder alternativ
kann Hüttengas, beispielsweise enthaltend oder bestehend aus einer oder mehrerer der
Komponenten Koksgas, Gichtgas, Konvertergas, Einschmelzergas etc., neben Wasserstoff
und/oder Ammoniak als Brenngas berücksichtigt werden.
[0028] Die Verbrennung kann mit einer Luftzahl zwischen 0,75 und 1,25 eingestellt werden.
Insbesondere kann die Luftzahl mindestens 0,90, vorzugsweise mindestens 0,95, bevorzugt
mindestens 1,0 betragen. Insbesondere kann die Luftzahl maximal 1,25, vorzugsweise
maximal 1,20, bevorzugt maximal 1,15 betragen. Besonders bevorzugt, um schädliche
Emissionen während der Verbrennung weitestgehend zu vermeiden, kann eine Luftzahl
zwischen 1,02 und 1,25 gewählt werden.
[0029] Je nach Volumen der wärmezubehandelnden Bramme, und insbesondere auch abhängig von
der Zieltemperatur, kann eine Verweilzeit im Wärmebehandlungsofen zwischen 10 Minuten
und 48 Stunden betragen, insbesondere zwischen 30 Minuten und 24 Stunden, vorzugsweise
zwischen 1 Stunde und 12 Stunden, bevorzugt zwischen 2 Stunden und 8 Stunden.
[0030] Die Bramme kann auch warm oder heiß mit einer bis zu 800 °C, insbesondere bis zu
700 °C, vorzugsweise bis zu 600 °C betragenden Temperatur in den Wärmebehandlungsofen
eingesetzt werden. Dabei kann beispielsweise die Bramme noch eine Temperatur, beispielsweise
aus der Herstellungshitze kommend, aufweisen, ohne dass sie beispielsweise auf Umgebungstemperatur
abkühlt. Alternativ dazu können beispielsweise auch hybride Technologien zur Anwendung
kommen, beispielsweise mit einer induktiven Vorwärmung und damit ein weiteres Wärmebehandeln
in Verbindung mit dem vorbeschriebenen Wärmebehandlungsofen. Mit anderen Worten kann
die Temperatur beim Einsetzen der Bramme in den Wärmebehandlungsofen mindestens 100
°C, insbesondere mindestens 200 °C, vorzugsweise mindestens 300 °C, bevorzugt mindestens
400 °C betragen.
[0031] In mindestens einem Schritt a) kann zumindest in einem Teilabschnitt der Heizzone
ein Brenngas verwendet werden, welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil
im Vergleich zum Brenngas in der Ausgleichszone aufweist. Bei dem Brenngas in der
Ausgleichszone kann es sich beispielsweise um ein konventionelles Brenngas handeln.
[0032] Mit steigender Temperatur nehmen die Effekte der erhöhten Zunderausbildung durch
hohe Ofenfeuchte (Wasserdampf) bedingt durch das Verbrennen von Wasserstoff und/oder
Ammoniak zu. Zur Reduzierung dieser Effekte ist daher ein selektiver Einsatz von Wasserstoff
und/oder Ammoniak als Brenngas in dem mindestens einen Teilabschnitt der Heizzone
zu bevorzugen, wohingegen ein weiterer Teilabschnitt der Heizzone und die Ausgleichszone
durch konventionelle Brenngase wie beispielsweise Erdgas, Hüttengas oder Mischungen
daraus beheizt werden sollten. Daraus ergeben sich Vorteile, dass der Wasserdampfanteil
im Rauchgas respektive in der Ofenatmosphäre in den Zonen mit höheren Temperaturen,
somit insbesondere oberhalb einer Schwelltemperatur, zumindest in der Ausgleichszone,
standardmäßig beibehalten werden kann und keine andersartigen Oxidationsprozess stattfinden
und Absorptionsprozesse insbesondere für Wasserstoff geringgehalten werden können.
[0033] Das Brenngas kann in dem mindestens einen Teilabschnitt der Heizzone mit einem geringeren
Kohlenstoffanteil im Vergleich zum Brenngas in der Ausgleichszone verwendet werden.
Dies kann insgesamt die CO
2-Bilanz des Wärmebehandlungsofens im Vergleich zur Verwendung eines konventionellen
Brenngases in beiden Zonen begünstigen.
[0034] Bevorzugt kann der mindestens eine Teilabschnitt der Heizzone in seiner Erstreckung
im Wärmebehandlungsofen derart bemessen sein, dass die Bramme insbesondere in Abhängigkeit
von der Verweilzeit innerhalb des Teilabschnitts eine Schwelltemperatur nicht überschreitet,
welche jedoch unterhalb der Zieltemperatur liegt. Besonders bevorzugt kann die Schwelltemperatur
zwischen 850 °C und 1200 °C betragen. Die Schwelltemperatur kann insbesondere mindestens
900 °C, vorzugsweise mindestens 950 °C, bevorzugt mindestens 1000 °C betragen. Die
Schwelltemperatur von 1200 °C sollte nicht überschritten werden, um eine Bildung einer
andersartigen Zunderstruktur infolge der Begleitelemente des Schrotts im Wesentlichen
zu vermeiden und/oder ihre Dicke zu reduzieren. Die Schwelltemperatur kann daher insbesondere
auf maximal 1150 °C, vorzugsweise auf maximal 1100 °C, bevorzugt auf maximal 1050
°C beschränkt sein. So kann beispielsweise abhängig von der Länge des Wärmebehandlungsofens,
der Verweilzeit in Verbindung mit einem diskontinuierlichen oder kontinuierlichen
Durchlauf der Bramme durch die zumindest eine Heizzone und die zumindest eine Ausgleichszone
in Verbindung mit den entsprechenden vorherrschenden Temperaturen in den jeweiligen
Zonen, das Erreichen der Schwelltemperatur und somit die Bemessung respektive Erstreckung
des Teilabschnitts in der Heizzone bestimmt werden. So können dann die Gasbrenner,
welche in dem Teilabschnitt der Heizzone angeordnet sind, mit einem wasserstoffhaltigen
und/oder ammoniakhaltigen Brenngas gespeist werden, wobei die restlichen Gasbrenner
mit einem konventionellen Brenngas gespeist werden. Dadurch kann eine (Teil-)Dekarbonisierung
bei der Wärmebehandlung von Brammen stattfinden, indem beispielsweise eine Umstellung
im Teilabschnitt der Heizzone von einem fossilen beziehungsweise konventionellen Brenngas
auf ein alternatives, wasserstoffhaltiges und/oder ammoniakhaltiges Brenngas erfolgt.
Beim Verbrennen von wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngasen wird
eine beispielsweise im Vergleich zum Erdgas größere Menge an Wasserdampf erzeugt,
was dafür sorgt, dass ein höherer Wasserdampfpartialdruck in der Ofenatmosphäre vorliegt.
Dies hat zur Folge, dass eine höhere Tendenz zur Oxidation (= Zunderbildung) während
des Wärmebehandelns durch sauerstoffaffine Elemente in der Bramme inklusive der Begleitelemente
gegeben ist, welche an der Oberfläche der Bramme entsteht. Durch das Vorhandensein
eines höheren Wasserdampfpartialdrucks kann die Verbindung zwischen Zunder und Brammenoberfläche,
vereinfacht gesagt die Haftung an der Brammenoberfläche, beeinflusst werden. Die Zunderschicht
(Oxidschicht) würde zudem wachsen und/oder beeinflusst werden. Auch eine höhere Tendenz
zum Wasserstoffeintrag wäre gegeben. Diese nachteiligen Effekte treten nur in geringem
Ausmaß auf bzw. können vernachlässigbar klein in ihrer Auswirkung gehalten werden,
wenn die Schwelltemperatur respektive die Spanne der Schwelltemperatur nicht überschritten
wird.
[0035] In mindestens einem Schritt b), welcher alternativ oder auch zusätzlich zu Schritt
a) durchgeführt werden kann, wird zumindest ein Teil der in der Ausgleichszone im
oberen Bereich des Wärmebehandlungsofens angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas
gespeist, welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich
zum Brenngas der restlichen in der Ausgleichszone im unteren Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordneten und gespeisten Gasbrenner aufweist. Bei dem Brenngas für die restlichen
in der Ausgleichszone im unteren Bereich des Wärmebehandlungsofens angeordneten Gasbrenner
kann es sich beispielsweise um ein konventionelles Brenngas handeln.
[0036] Vorzugsweise können alle in der Ausgleichszone im oberen Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas gespeist werden, welches einen höheren
Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas der restlichen
in der Ausgleichszone im unteren Bereich angeordneten und gespeisten Gasbrenner aufweist.
[0037] Beispielsweise können alle in der Ausgleichszone im unteren Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordneten Gasbrenner mit einem konventionellen Brenngas gespeist werden.
[0038] Alternativ zu Schritt a) können in Schritt b) alle im oberen Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas gespeist werden, welches einen höheren
Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas der restlichen,
allen im unteren Bereich des Wärmebehandlungsofens angeordneten und gespeisten Gasbrenner
aufweist. Beispielsweise handelt es sich bei dem Brenngas für alle im unteren Bereich
des Wärmebehandlungsofens angeordneten Gasbrenner um ein konventionelles Brenngas.
[0039] In mindestens einem Schritt c), welcher alternativ zu Schritt a) und Schritt b) oder
alternativ zu Schritt a) oder alternativ zu Schritt b) oder zusätzlich zu Schritt
a) oder zusätzlich zu Schritt b) oder zusätzlich zu Schritt a) und b) durchgeführt
werden kann, wird ein Brenngas verwendet, welches eine Mischung enthaltend oder bestehend
aus Kohlenstoffmonoxid mit einem Anteil zwischen 0,5 Vol.-% bis 40 Vol.-%, Rest Wasserstoff
und/oder Ammoniak umfasst.
[0040] Dieses Brenngas kann bei der vorzugsweisen Durchführung nur des Schritts c) alle
in dem Wärmebehandlungsofen angeordneten Gasbrenner speisen.
[0041] Einer Erhöhung des Anteils von Wasserstoff und/oder Ammoniak im Brenngas und somit
respektive einer Erhöhung des Wasserdampfpartialdrucks in der Ofenatmosphäre sollte
dahingehend gegensteuert werden, dass eine gezielte Verschiebung der thermodynamischen
Prozesse im Wärmebehandlungsofen bewirkt wird, insbesondere Einfluss auf die chemische
Reaktion insbesondere zwischen Wasserdampf und Bramme (Substrat) genommen wird. Durch
das Vorsehen von Kohlenstoffmonoxid mit einem Anteil zwischen 0,5 Vol.-% bis 40 Vol.-%
im Brenngas kann positiv Einfluss auf eine veränderte Reaktionskinetik an der Oberfläche
der Bramme genommen werden, wobei ein kompakter und brüchiger Zunderaufbau festgestellt
werden konnte, was beispielsweise auf eine verringerte Einlagerung von Wasserstoff
als Reaktionsprodukt im Wüstit hindeutet. Mithin kann in vorteilhafter Weise der Wasser-/Wasserdampfanteil
in der Ofenatmosphäre infolge eines im Brenngas enthaltenden Kohlenstoffmonoxid-Anteils
verringert werden und die Reaktionskinetik an der Oberfläche dadurch verändert werden.
Dadurch können Oxidationsprozesse von frei verfügbarem Sauerstoff und Absorptionsprozesse
insbesondere von frei verfügbarem Wasserstoff an der Oberfläche der wärmezubehandelnden
Bramme reduziert werden, wobei ein aufbauender Zunder deutlich kompakter und zum Teil
schmaler ausfallen kann. Insbesondere infolge einer reduzierten Wasserstoffeinlagerung
kann sich weniger plastischer Wüstit im Zunder, einem sogenannten Klebezunder, ausbilden.
Infolgedessen kann auch ein optimierter Zunderabtrag erfolgen und eine geringere Ausbildung
von Oberflächendefekten infolge des Zunderabtrags kann dadurch ermöglicht werden.
[0042] Das Brenngas kann nebst Wasserstoff und/oder Ammoniak Kohlenstoffmonoxid mit einem
Anteil insbesondere zwischen 0,5 bis 30 Vol.-%, vorzugsweise zwischen 0,5 bis 20 Vol.-%,
bevorzugt zwischen 0,5 und 10 Vol.-% aufweisen.
[0043] Näher erläutert wird die Erfindung anhand der folgenden Ausführungsbeispiele in Verbindung
mit der Zeichnung.
[0044] Nicht dargestellt sind die folgenden Schritte:
- Erzeugen einer Eisenschmelze in einem Elektrolichtbogenofen mit einer Zusammensetzung
in Gew.-%:
| C: |
max. 1,0 %; |
| Mn: |
0,050 bis 12,0 %; |
| Si: |
0,0010 bis 5,0 %; |
| N: |
max. 0,10 %; |
| S: |
max. 0,10 %; |
| P: |
max. 0,20 %; |
optional eines oder mehrerer der Elemente:
| Al: |
max. 2,0 %; |
| Mo: |
max. 1,50 %; |
| Ni: |
max. 2,0 %; |
| Cr: |
max. 2,0 %; |
| B: |
max. 0,010 %; |
| Ca: |
max. 0,010 %; |
| Nb: |
max. 0,50 %; |
| Ti: |
max. 0,50 %; |
| V: |
max. 0,50 %; |
| Cu: |
max. 2,0 %; |
| Co: |
max. 0,50 %; |
| Sn: |
max. 0,50 %; |
| As: |
max. 0,20 %; |
| Seltene Erden: |
max. 0,30 %; |
Rest Fe und unvermeidbaren Verunreinigungen, wobei Schrott mit einem Anteil von mindestens
15 % bezogen auf die Tonne erzeugte Eisenschmelze zugegeben wird und der Schrott mindestens
eines oder mehrere der Elemente Cu, Cr, Ni, Mo, Zn, Sb, As in Summe >= 0,50 Gew.-%
umfasst;
- Gießen der Eisenschmelze und Erzeugen von Brammen;
- Entnehmen der Bramme aus dem Wärmebehandlungsofen, zumindest teilweises Entzundern
der Bramme und Warmwalzen der Bramme zu einem Warmband.
[0045] Die Ausführungsbeispiele in Verbindung mit der Zeichnung zeigen im Wesentlichen die
Schritte a) und b) in Verbindung mit dem Schritt:
- Wärmebehandeln der mindestens einen Bramme auf Warmwalzhitze in einem direkt beheizten
Wärmebehandlungsofen in Form mindestens eines Hubbalkenofens oder mindestens eines
Stoßofens, welcher mit Gasbrennern ausgestattet ist, wobei die Gasbrenner bezogen
auf die Durchlaufebene der Bramme in einem oberen Bereich und in einem unteren Bereich
des Wärmebehandlungsofens angeordnet sind, wobei sich infolge des Wärmebehandelns
zumindest teilweise auf der Oberfläche der Bramme Zunder bildet, wobei zumindest ein
Teil der Gasbrenner mit einem wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngas
gespeist wird, wobei die Bramme in einer Heizzone des Wärmebehandlungsofens erwärmt
und in einer Ausgleichszone des Wärmebehandlungsofens auf eine Zieltemperatur von
mindestens 1000 °C durchwärmt wird.
[0046] Figur 1 im oberen Teil und Figur 2 zeigen jeweils eine Prinzipskizze eines beispielhaften
direkt beheizten Wärmebehandlungsofens (1) in Form mindestens eines Hubbalkenofens
oder mindestens eines Stoßofens zum Wärmebehandeln mindestens einer nicht dargestellten
Bramme auf Warmwalzhitze, welcher mit Gasbrennern (4) ausgestattet ist, wobei die
Gasbrenner (4) bezogen auf die Durchlaufebene der Bramme in einem oberen Bereich (O)
und in einem unteren Bereich (U) des Wärmebehandlungsofens (1) angeordnet sind, wobei
sich infolge des Wärmebehandelns zumindest teilweise auf der Oberfläche der Bramme
Zunder bildet, wobei zumindest ein Teil der Gasbrenner mit einem wasserstoffhaltigen
und/oder ammoniakhaltigen Brenngas gespeist wird, wobei die Bramme in einer Heizzone
(2) des Wärmebehandlungsofens (1) erwärmt und in einer Ausgleichszone (3) des Wärmebehandlungsofens
(1) auf eine Zieltemperatur von mindestens 1000 °C durchwärmt wird. Die Pfeile links
und rechts am Wärmebehandlungsofen (1) stellt die Prozessrichtung respektive die Durchlaufrichtung
der wärmezubehandelnden Brammen dar.
[0047] Figur 1 schlägt Schritt a) vor. Zumindest in einem Teilabschnitt (2.1) der Heizzone
(2) wird ein Brenngas verwendet, welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder
Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas in der Ausgleichszone (3) aufweist. Dabei
wird die Bramme zunächst in der Heizzone (2) auf eine Temperatur (T) aufgewärmt, welche
einer Zieltemperatur (Tz) - 100 K <= Temperatur (T) <= Zieltemperatur (Tz) entspricht,
und anschließend in der Ausgleichszone (3) auf einer Zieltemperatur (Tz) gehalten
wird.
[0048] Im unteren Teil der Figur 1 ist ein Diagramm eines Temperaturverlaufs einer zu erwärmenden
Bramme entlang der Länge (L) des Wärmebehandlungsofens (1) dargestellt. Anhand des
Temperaturverlaufs ist gut zu erkennen, an welcher Stelle die Heizzone (2) in die
Ausgleichszone (3) übergeht, wobei diese Trennung der Zonen (2,3) beispielsweise durch
das Erreichen einer vorgegebenen Zieltemperatur (Tz) definiert werden kann. In diesem
Beispiel entspricht die Temperatur (T), auf welche die Bramme erwärmt und durchwärmt
werden soll, beispielhaft der Zieltemperatur (Tz). Des Weiteren kann auch eine Schwelltemperatur
(Ts) festgelegt werden, welche zumindest in einem Teilabschnitt (2.1) oder innerhalb
eines Teilabschnitts (2.1) der Heizzone (2) erreicht wird, welche unterhalb der Zieltemperatur
(Tz) liegt.
[0049] Nicht dargestellt ist, dass die Bramme beispielsweise bereits eine bis zu 600 °C
betragende Temperatur aufweisen kann, so dass die Zieltemperatur insbesondere schneller
im Vergleich zu einer kalt eingeführten Bramme erreicht werden kann.
[0050] Um einen positiven Effekt auf die Zunderstruktur nehmen zu können, kann die Schwelltemperatur
(Ts) zwischen 850 °C und 1200 °C betragen. Die Zieltemperatur (Tz) kann zwischen 1000
°C und 1500 °C betragen.
[0051] Die Gasbrenner (4), die im Teilabschnitt (2.1) der Heizzone (2) angeordnet sind,
werden mit einem Brenngas gespeist, welches sich von dem Brenngas, welches die im
restlichen Abschnitt (2.2) der Heizzone (2) und die in der Ausgleichszone (3) angeordneten
Gasbrenner (4) speist, unterscheidet, wobei ein Brenngas in dem mindestens einen Teilabschnitt
(2.1) der Heizzone (2) mit einem höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil
im Vergleich zum Brenngas in der Ausgleichszone (3) verwendet wird. Bevorzugt wird
ein Brenngas in dem mindestens einen Teilabschnitt (2.1) der Heizzone (2) mit einem
geringeren Kohlenstoffanteil im Vergleich zum Brenngas in der Ausgleichszone (3) verwendet.
Besonders bevorzugt wird ein Brenngas in dem mindestens einen Teilabschnitt (2.1)
der Heizzone (2), umfassend oder bestehend aus Wasserstoff und/oder Ammoniak verwendet.
Bei dem Brenngas für den restlichen Abschnitt (2.2) der Heizzone (2) und die Ausgleichszone
(3) kann es sich beispielsweise um ein konventionelles Brenngas handeln.
[0052] Figur 2 schlägt Schritt b) vor. Zumindest ein Teil der in der Ausgleichszone (3)
im oberen Bereich (O) des Wärmebehandlungsofens (1) angeordneten Gasbrenner (4) werden
mit einem Brenngas gespeist, welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil
im Vergleich zum Brenngas der restlichen in der Ausgleichszone (3) angeordneten und
gespeisten Gasbrenner (4) aufweist.
[0053] Da eine Verbrennung von wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngas respektive
eine reine Wasserstoff- und/oder Ammoniakverbrennung zu einem erhöhten Wasserdampfpartialdruck
und einer andersartigen Zunderstruktur führen kann, kann ein positiver Effekt insbesondere
auch hinsichtlich einer (Teil-)Dekarbonisierung erzielt werden, wenn selektiv Wasserstoff
und/oder Ammoniak bevorzugt aus "grüner Erzeugung" zum Einsatz kommt. So sind beispielsweise
folgende Zusammensetzungen der Brenngase möglich:
Zumindest ein Teil der in der Ausgleichszone (3) im oberen Bereich (O) des Wärmebehandlungsofens
(1) angeordneten Gasbrenner (4), insbesondere alle im oberen Bereich (O) des Wärmebehandlungsofens
(1) angeordneten Gasbrenner (4) in der Ausgleichszone (3), vorzugsweise alle Gasbrenner
(4) im oberen Bereich (O) des Wärmebehandlungsofens (1) werden mit einem wasserstoffhaltigen
und/oder ammoniakhaltigen Brenngas gespeist, wobei zumindest ein Teil der in der Ausgleichszone
(3) im unteren Bereich (U) des Wärmebehandlungsofens (1) angeordneten Gasbrenner (4),
insbesondere alle im unteren Bereich (U) des Wärmebehandlungsofens (1) angeordneten
Gasbrenner (4) in der Ausgleichszone (3), vorzugsweise alle Gasbrenner (4) im unteren
Bereich (U) des Wärmebehandlungsofens (1) mit einem beispielsweise konventionellen
Brenngas gespeist werden.
[0054] Eine Kombination der Schritte a) und b) wäre soweit technisch umsetzbar möglich,
nicht dargestellt. Auch die Integration des Schritt c) in Schritt a) und/oder Schritt
b) wäre möglich, nicht dargestellt.
1. Verfahren zum Herstellen eines Warmbands, umfassend die folgenden Schritte:
- Erzeugen einer Eisenschmelze in einem Elektrolichtbogenofen mit einer Zusammensetzung
in Gew.-%:
| C: |
max. 1,0 %; |
| Mn: |
0,050 bis 12,0 %; |
| Si: |
0,0010 bis 5,0 %; |
| N: |
max. 0,10 %; |
| S: |
max. 0,10 %; |
| P: |
max. 0,20 %; |
optional eines oder mehrerer der Elemente:
| Al: |
max. 2,0 %; |
| Mo: |
max. 1,50 %; |
| Ni: |
max. 2,0 %; |
| Cr: |
max. 2,0 %; |
| B: |
max. 0,010 %; |
| Ca: |
max. 0,010 %; |
| Nb: |
max. 0,50 %; |
| Ti: |
max. 0,50 %; |
| V: |
max. 0,50 %; |
| Cu: |
max. 2,0 %; |
| Co: |
max. 0,50 %; |
| Sn: |
max. 0,50 %; |
| As: |
max. 0,20 %; |
| Seltene Er den: |
max. 0,30 %; |
Rest Fe und unvermeidbaren Verunreinigungen, wobei Schrott mit einem Anteil von mindestens
15 % bezogen auf die Tonne erzeugte Eisenschmelze zugegeben wird und der Schrott mindestens
eines oder mehrere der Elemente Cu, Cr, Ni, Mo, Zn, Sb, As in Summe >= 0,50 Gew.-%
umfasst;
- Gießen der Eisenschmelze und Erzeugen von Brammen;
- Wärmebehandeln der mindestens einen Bramme auf Warmwalzhitze in einem direkt beheizten
Wärmebehandlungsofen in Form mindestens eines Hubbalkenofens oder mindestens eines
Stoßofens, welcher mit Gasbrennern ausgestattet ist, wobei die Gasbrenner bezogen
auf die Durchlaufebene der Bramme in einem oberen Bereich und in einem unteren Bereich
des Wärmebehandlungsofens angeordnet sind, wobei sich infolge des Wärmebehandelns
zumindest teilweise auf der Oberfläche der Bramme Zunder bildet, wobei zumindest ein
Teil der Gasbrenner mit einem wasserstoffhaltigen und/oder ammoniakhaltigen Brenngas
gespeist wird, wobei die Bramme in einer Heizzone des Wärmebehandlungsofens erwärmt
und in einer Ausgleichszone des Wärmebehandlungsofens auf eine Zieltemperatur von
mindestens 1000 °C durchwärmt wird;
- Entnehmen der Bramme aus dem Wärmebehandlungsofen, zumindest teilweises Entzundern
der Bramme und Warmwalzen der Bramme zu einem Warmband;
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren weiterhin mindestens einen oder mehrere der nachfolgenden Schritte
a) bis c) umfasst:
a) Dass zumindest in einem Teilabschnitt der Heizzone ein Brenngas verwendet wird,
welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas
in der Ausgleichszone aufweist;
b) dass zumindest ein Teil der in der Ausgleichszone im oberen Bereich des Wärmebehandlungsofens
angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas gespeist werden, welches einen höheren
Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich zum Brenngas der restlichen
in der Ausgleichszone angeordneten und gespeisten Gasbrenner aufweist;
c) dass ein Brenngas verwendet wird, welches eine Mischung enthaltend oder bestehend
aus Kohlenstoffmonoxid mit einem Anteil zwischen 0,5 Vol.-% bis 40 Vol.-%, Rest Wasserstoff
und/oder Ammoniak umfasst.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei ein wasserstoffhaltiges Brenngas mit einem Wasserstoffanteil
von mindestens 70 Vol.-% verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, wobei ein wasserstoffhaltiges und ammoniakhaltiges Brenngas
mit einem Verhältnis von H2/NH3 zwischen 0,05 und 0,95 verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, wobei ein ammoniakhaltiges Brenngas mit einem Ammoniakanteil
von mindestens 25 Vol.-% verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei die Verbrennung mit einer Luftzahl
zwischen 0,95 und 1,25 eingestellt wird.
6. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei je nach Volumen der wärmezubehandelnden
Bramme, und insbesondere auch abhängig von der Zieltemperatur, kann eine Verweilzeit
im Wärmebehandlungsofen zwischen 10 Minuten und 48 Stunden betragen.
7. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei die Bramme auch warm oder heiß
mit einer zwischen 100 bis zu 800 °C betragenden Temperatur in den Wärmebehandlungsofen
eingesetzt werden kann.
8. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei in Schritt a) der mindestens
eine Teilabschnitt der Heizzone in seiner Erstreckung im Wärmebehandlungsofen derart
bemessen wird, dass die insbesondere in Abhängigkeit von der Verweilzeit innerhalb
des Teilabschnitts eine Schwelltemperatur nicht überschreitet, welche jedoch unterhalb
der Zieltemperatur liegt.
9. Verfahren nach Anspruche 8, wobei die Schwelltemperatur zwischen 850 und 1200 °C betragen
kann.
10. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei in Schritt b) alle in der Ausgleichszone
im oberen Bereich des Wärmebehandlungsofens angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas
gespeist werden, welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im
Vergleich zum Brenngas der restlichen in der Ausgleichszone im unteren Bereich angeordneten
und gespeisten Gasbrenner aufweist.
11. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei in Schritt b) alle im oberen
Bereich des Wärmebehandlungsofens angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas gespeist
werden, welches einen höheren Wasserstoffanteil und/oder Ammoniakanteil im Vergleich
zum Brenngas der restlichen, allen im unteren Bereich des Wärmebehandlungsofens angeordneten
und gespeisten Gasbrenner aufweist.
12. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei in Schritt c) alle in dem Wärmebehandlungsofen
angeordneten Gasbrenner mit einem Brenngas gespeist werden, welches eine Mischung
enthaltend oder bestehend aus Kohlenstoffmonoxid mit einem Anteil zwischen 0,5 Vol.-%
bis 40 Vol.-%, Rest Wasserstoff und/oder Ammoniak umfasst.