[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von quartären Phosphoniumhydroxiden
der allgemeinen Formel

in der R entweder Wasserstoff oder einen aliphatischen bzw. einen aromatischen Kohlenwasserstoff
mit 1 bis 12 C-Atomen, insbesondere jedoch mit 1 bis 6 C-Atomen, und n 1 oder 2 bedeutet,
durch Umsetzung von Di- oder Trimethylphosphin mit Epoxiden der allgemeinen Formel

in der R obige Bedeutung hat, in einem wäßrigen Medium.
[0002] Es ist bekannt, daß sich Epoxide mit Phosphinen in Abwesenheit von Säuren in einem
wäßrigen oder wasserfreien Medium zu Betainen oder Phosphoniumhydroxiden umsetzen
(G.M. Kosolapoff, L. Maier, Organic Phosphorus Compounds, Wiley-Interscience, Vol.
2, 194 [1972]. Nach dieser bekannten Arbeitsweise wird bei pH-Werten von etwa 7 gearbeitet.
[0003] Nachteilig an dieser Methode ist, daß nach Zusammenbringen der Ausgangssubstanzen,
die Reaktion erst mit großer Verzögerung einsetzt, dann aber sehr stürmisch verläuft.
Dies hat zur Folge, daß bei der sich exotherm vollziehenden Umsetzung das Reaktionsgemisch
rasch erwärmt wird und ein Teil des leichtflüchtigen Di- bzw. Trimethylphosphins aus
dem Reaktionsgefäß ausgetrieben wird, bevor es in der Lage ist, mit dem Epoxid zu
reagieren.
[0004] Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß sich die bekannte Arbeitsweise zur Herstellung
der quartären Phosphoniumhydroxide verbessern läßt, wenn man das wäßrige Medium mit
Hilfe von Basen auf einen pH-Wert ≥ 12 einstellt, bevor man die Ausgangskomponenten
in diesem Medium miteinander vermischt. Als wäßriges Medium kann Wasser, allein oder
im Gemisch mit einem organischen Lösungsmittel eingesetzt werden. Vorzugsweise wird
die Umsetzung bei Temperaturen zwischen -10 und +35°C durchgeführt. Es empfiehlt sich
pro Mol Di- bzw. Trimethylphosphin 1 bis 10 Mole, vorzugsweise 3 bis 5 Mole, Wasser
einzusetzen und das Epoxid im Überschuß zum Methylphosphin, bezogen auf die zur Bildung
des gewünschten Phosphoniumhydroxids erforderlichen stöchiometrischen Menge zu verwenden.
Den pH-Wert des wäßrigen Mediums stellt man insbesondere mit Hilfe eines Alkalihydroxids
ein.
[0005] Im Prinzip führt man das erfindungsgemäße Verfahren so durch, daß man in einem Reaktor,
der mit einem Rührer, einem Thermometer, einem pH-Meter, einem Gaseinleitungsrohr,
einem Rückflußkühler mit Gasauslaß und einem Tropftrichter versehen ist, das Arbeitsmedium
vorlegt. Dieses besteht entweder nur aus Wasser oder aus einem Gemisch von Wasser
mit einem organischen Lösungsmittel, das in Wasser löslich ist, wie beispielsweise
ein Alkohol, oder das in Wasser unlöslich ist, wie beispielsweise ein Äther. Es empfiehlt
sich, daß pro Mol Dimethylphosphin bzw. Trimethylphosphin wenigstens 1 Mol Wasser
vorgegeben wird. Das Wasser wird dann mit einer geringen Menge einer Base, insbesondere
NaOH, auf einen pH-Wert gleich oder größer als 12 eingestellt.
[0006] Dann wird unter Rühren die umzusetzende Menge Dimethylphosphin bzw. Trimethylphosphin
zugefügt, das bei Vorlage von ausschließlich Wasser in diesem suspendiert wird, oder
bei Anwesenheit eines geeigneten Alkohols in dem Wasser-Alkohol-Gemisch gelöst wird,
bzw. bei Anwesenheit eines entsprechenden in Wasser nicht löslichen Äthers in diesem
gelöst wird und mit dem Wasser eine Emulsion bildet. Anschließend erfolgt dann die
Zugabe des Epoxides, das entsprechend seinem Aggregatzustand entweder über das Gaseinleitungsrohr
oder über den Tropftrichter zudosiert wird. Nachdem sich unter intensivem Rühren bei
Temperaturen von -10°C bis +35°C quartäres Phosphoniumhydroxid gebildet hat, steigt
der pH-Wert im Kolben auf . Werte > 14 an.
[0007] Die Menge an zugefügten Epoxiden kann natürlich größer sein als dem zur Bildung des
gewünschten Phosphoniumhydroxides erforderlichen stöchiometrischen Menge entspricht.
Es besteht dann jedoch die Gefahr, daß der Überschuß an Epoxiden unter den Reaktionsbedingungen
zu Polyglykolen weiterreagiert, die bekanntermaßen nur schwer vom gewünschten Phosphoniumhydroxid
abtrennbar sind. Bevorzugt wird deshalb pro Mol Alkylphosphin 1 bzw. 2 Mol Epoxid
umgesetzt. Günstig ist es auch, mit einem Überschuß an Alkylphosphin zu arbeiten,
da dieses nach Reaktionsende leicht bei T>40°C abgetrennt und erneut eingesetzt werden
kann. Die Abtrennung der Lösungsmittel vom gebildeten quartären Phosphoniumhydroxid
erfolgt in bekannter Weise unter schonenden Bedingungen. durch Destillation, u.U.
bei Unterdruck. Die quartären , Phosphoniumhydroxide werden als ölige, äußerst hydroskopische,
farblose Flüssigkeiten erhalten.
[0008] Ein besonderer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist, daß durch Neutralisation
mit der entsprechenden Säure bezüglich des Anions jedes beliebige quartäre Phosphoniumsalz
herstellbar ist.
[0009] Die auf die allgemein beschriebene Ausführungsform naturgemäß nicht beschränkte Erfindung
ermöglicht erstmals die einfache Herstellung von Methyl-2-hydroxyalkyl(aralkyl)-phosphoniumhydroxiden,
die in Form ihrer Salze weitläufig Anwendung finden als Flammfestausrüster, Vulkanisationsbeschleuniger,
Phasentransferkatalysatoren, Pflanzenschutzmittel, Pharmazeutika u.ä.
Beispiel 1 [-(CH3)3PCH2-CH2OH-]OH
[0010] In einem Kolben, der mit einem Rührer, einem Thermometer, einem pH-Meter, einem Gaseinleitungsrohr,
einem Rückflußkühler mit Gasauslaß und einem Tropftrichter versehen war, wurden 2,5
Mol (45 g) H
20 vorgelegt. Das Wasser wurde auf 15°C temperiert. Unter Rühren wurde 0.5 Mol (38
g) (CH
3)
3P darin suspendiert. Nach Beendigung der(CH
3)
3P-Zugabe wurde 0,5 Mol (22 g) Äthylenoxid unter kräftigem Rühren gasförmig eingeleitet.
Erst nachdem etwa 1/4 der 0,5 Mol Äthylenoxid zugesetzt waren, setzte unter starker,
nur schwer zu beherrschender Wärmeentwicklung die Reaktion ein. Die Folge davon war
ein Verlust des leichtflüchtigen (CH
3)
3P (Sdp.: 38°C). Danach konnte die Umsetzung unter Aufrechterhaltung der Temperatur
von 15°C zu Ende geführt werden. Die erhaltene Phosphoniumhydroxid-lösung wurde mit
HCl-Lösung neutralisiert und zur Trockne bei 110°C und 20 Torr eingedampft. Das Produkt
wurde mit 150 ml Äthanol aufgenommen und aus dieser Lösung mit 1000 ml Aceton das
Trimethyl-2-hydroxyäthylphosphonium- chlorid [(CH
3)
3PCH
2-CH
2-OH]Cl in farblosen Kristallen abgeschieden. Insgesamt wurden 55 g des Chlorides (Identifizierung
siehe Beispiel 2) erhalten, was einer Ausbeute von 70,6 %, bezogen auf {CH
3)
3P, entspricht.
[0011] Zur Vermeidung der im ersten Beispiel offenkundig gewordenen, anfänglichen Verzögerung
der Reaktion, was mit (CH
3)
3P-Verlusten verbunden war, wurde in den folgenden Beispielen in einem H
20-enthaltenden Arbeitsmedium gearbeitet, das von Anbeginn einen pH-Wert 12 besaß.
Beispiel 2 [(CH3)3PCH2-CH2OH]OH
[0012] In einem Kolben, der mit einem Rührer, einem Thermometer, einem pH-Meter, einem Gaseinleitungsrohr,
einem Rückflußkühler mit Gasauslaß und einem Tropftrichter versehen war, wurden 5
Mol (90 g) H
20 mit einem pH-Wert von 12 vorgelegt. Das Wasser wurde auf 15°C temperiert. Unter
Rühren wurde 1 Mol (76 g) (CH
3)
3P darin suspendiert. Nach Beendigung der (CH
3)
3P-Zugabe wurde 1 Mol (44 g) Äthylenoxid unter kräftigem Rühren gasförmig eingeleitet.
Dabei mußte zur Aufrechterhaltung der Temperatur von 15°C gekühlt werden.Eine Verzögerung
des Reaktionsbeginns konnte hier nicht festgestellt werden. Im Verlaufe der Reaktion
verschwand die trübe Suspension von (CH
3)
3P in H
20 und es bildete sich eine klare Lösung von [(CH
3)
3PCH
2-CH
2OH]OH in H20 mit einem pH-Wert > 14. Diese Lösung wurde exakt halbiert und getrennt
weiterverarbeitet. Der eine Teil wurde bei 30°C unter einem Vakuum von 0,1 Torr zu
einer farblosen, öligen, außergewöhnlichen hygroskopischen Masse eingeengt (erhalten:80
g; theroretisch: 69 g). Sie stellte das, mit H
20 und NaOH verunreinigte quartäre Trimethyl-2-hydroxyäthyl-phosphoniumhydroxid dar.
Die Verbindung wurde in Form des Chlorides durch NMR-Analyse (
1H und 31P-Resonanz) identifiziert. Die Werte gelten für wäßrige (OH-Gruppe fällt mit
H
20 zusammen) Lösungen. Die H-Werte sind auf Tetramethylsilan (= 0 ppm),' der P-Shift
ist auf 85%ige H
3PO
4 bezogen:

[0013] Der andere Teil des ursprünglichen Umsetzungsproduktes wurde mit wäßriger HCl-Lösung
neutralisiert. Das Lösungsmittel H
20 wurde bei 110°C und 20 Torr abgedampft. Der erhaltene kristalline Festkörper wurde
mit 150 ml Äthanol behandelt, wobei das Phosphoniumsalz in Lösung ging und vom ungelösten
NaCl abgetrennt wurde. Aus der alkoholischen Lösung wurde durch Zugabe von 1000 ml
Aceton das Trimethyl-2-hydroxyäthyl-phosphoniumchlorid [(CH
3)
3PCH
2-CH
2OH]Cl in farblosen Kristallen abgeschieden. Insgesamt wurden 70 g des Chlorides erhalten,
was einer Ausbeute von 89,7 % entspricht.
[0014] Die Verbindung besaß einen Schmelzpunkt von 267 C.
[0015] Die Elementaranalyse ergab folgende Werte:

Beispiel 3 [(CH3)3PCH2-CH2OH]OH
[0016] Es wurde die Umsetzung nach Beispiel 1 wiederholt, mit dem Unterschied, daß als Arbeitsmedium
ein Gemisch auf 5 Mol H
20 und 5 Mol Isopropanol eingesetzt wurde und die Reaktionstemperatur 30°C betrug.
Die erhaltene Phosphoniumhydroxid-Lösung wurde mit Salzsäure neutralisiert und wie
nach Beispiel 1 auf [(CH
3)
3PCH
2-CH
2OH]Cl aufgearbeitet. Es wurden 137 g Endprodukt entsprechend einer Ausbeute von 87,5
% erhalten.
Beispiel 4 [(CH3)3PCH2-CH2OH]OH
[0017] Es wurde die Umsetzung nach Beispiel 1 wiederholt, mit dem Unterschied, daß als Arbeitsmedium
eine Suspension von 10 Mol H
20 und 3 Mol Diäthyläther eingesetzt wurde und die Reaktionstemperatur 0°C betrug.
Die erhaltene wäßrige Phosphoniumhydroxid-Lösung wurde vom Äther getrennt, mit Salzsäure
neutralisiert und wie nach Beispiel 1 auf [(CH
3)
3PCl
2-CH
2OH]Cl aufgearbeitet. Es wurden 12
1 g Endprodukt entsprechend einer Ausbeute von 77,3 % erhalten.
Beispiel 5 [(CH3)3PCH2-CHOH-CH3]OH
[0018] In der im 1. Beispiel beschriebenen Apparatur wurden 1 Mol (76 g) (CH
3)
3P mit 1 Mol (58 g) Propylenoxid bei T =-10°C in einem Gemisch auf 5 Mol H
20 und 5 Mol Isopropanol umgesetzt. Die erhaltene Phosphoniumhydroxid-Lösung wurde
mit Salzsäure neutralisiert und wie im 1. Beispiel beschrieben auf [(CH
3)
3PCH
2-CHOH-CH
3-]Cl aufgearbeitet. Es wurden 154 g Endprodukt entsprechend einer Ausbeute von 90,8
% erhalten. Die Verbindung wurde durch NMR-Analyse identifiziert.

[0019] Die Verbindung besaß einen Schmelzpunkt von 169°C.
[0020] Die Elementaranalyse ergab folgende Werte:

Beispiel
[0021]

[0022] In der im 1. Beispiel beschriebenen Apparatur wurden 1 Mol (76 g) (CH
3)
3P mit 1 Mol (120 g) Styroloxid bei T = 15°C in 8 Mol H
20 umgesetzt.
[0023] Die erhaltene Phosphoniumhydroxid-Lösung wurde mit Salzsäure neutralisiert und'auf
[(CH
3)
3P-CH
2-CHOH-P]Cl aufgearbeitet. Die Verbindung konnte allerdings nicht als kristalline Substanz,
sondern lediglich als sirupöse Masse erhalten werden. Es wurden 180 g Endprodukt entsprechend
einer Ausbeute von 77,7 % erhalten.
[0024] Die Verbindung wurde .durch NMR-Analyse identifiziert:

[0025] Die Elementaranalyse ergab folgende Werte:

Beispiel 7 [(CH3)2P(CH2-CHOH-CH3)2]Cl
[0026] In der im 1. Beispiel beschriebenen Apparatur wurde 1 Mol (62 g)(CH
3)
2PH mit 2 Mol (116 g)Propylenoxid bei T = 10°C in 6 Mol H
20 mit einem pH-Wert von 12 umgesetzt.
[0027] Die erhaltene Phosphoniumhydroxid-Lösung wurde mit Salzsäure neutralisiert und auf
[(CH
3)
2(CH
2-CHOH-CH
3)
2]Cl aufgearbeitet. Die Verbindung konnte allerdings nicht als kristalline Substanz,
sondern lediglich als sirupöse Masse erhalten werden. Es wurden 176 g Endprodukt entsprechend
einer Ausbeute von 82,4 % erhalten.
[0028] Die Verbindung wurde durch NMR-Analyse identifiziert:

[0029] Die Elementaranalyse ergab folgende Werte:

1. Verfahren zur Herstellung von quartären Phosphoniumhydroxiden der allgemeinen Formel

in der R entweder Wasserstoff oder einen aliphatischen bzw. einen aromatischen Kohlenwasserstoff
mit 1 bis 12 C-Atomen, insbesondere jedoch mit 1 bis 6 C-Atomen, und n 1 oder 2 bedeutet,
durch Umsetzung von Di- oder Trimethylphosphin mit Epoxiden der allgemeinen Formel

in der R obige Bedeutung hat, in einem wäßrigen Medium, dadurch gekennzeichnet, daß
man das wäßrige Medium mit Hilfe von Basen auf einen pH-Wert ≥12 einstellt, bevor
man die Ausgangskomponenten in diesem Medium miteinander vermischt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als wäßriges Medium
Wasser, allein oder im Gemisch mit einem organischen Lösungsmittel einsetzt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man die Umsetzung
bei Temperaturen zwischen -10 und +350C durchführt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man pro
Mol Di- bzw. Trimethylphosphin 1 bis 10 Mole Wasser einsetzt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß man pro Mol Di- bzw. Trimethylphosphin
3 bis 5 Mole Wasser einsetzt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß man das
Epoxid im Überschuß zum Methylphosphin, bezogen auf die zur Bildung des gewünschten
Phosphoniumhydroxids erforderlichen stöchiometrischen Menge einsetzt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß man den
pH-Wert des wäßrigen Mediums mit Hilfe eines Alkalihydroxids einstellt.