[0001] Bei der Extrusion von Kunststoffschmelzen bei der Herstellung oder Verarbeitung entweichen
aus diesen nach Austritt aus der Formgebungsöffnung flüchtige Anteile, die entfernt
werden müssen. Solche flüchtigen Anteile sind zum Teil übelriechend und reizen die
Atemwege oder sind auf die Dauer schädlich. Beispielsweise treten bei der Extrusion
von Polycaprolactam Caprolactomdämpfe auf, die entfernt werden müssen, da Caprolactam
einen MAX-Wert von 25 mg/m
3 (maximale Arbeitsplatzkonzentration) hat. Solche flüchtigen Anteile, die aus Monomeren
und Oligomeren oder Abbauprodukten von Polymeren bestehen und bei Raumtemperatur fest
oder flüssig sind, scheiden sich beim Absaugen häufig in den dafür vorgesehenen Leitungen
und Vorrichtungen ab. Hierdurch treten Störungen auf, deren Beseitigung erheblich
Arbeitszeit und Aufwand in Anspruch nimmt.
[0002] Es war deshalb die technische Aufgabe gestellt, die Entfernung von flüchtigen Anteilen,
die bei der Extrusion,von Kunststoffschmelzen aus diesen entweichen, so zu gestalten,
daß solche Ablagerungen.vermieden werden.
[0003] Diese Aufgabe wird gelöst in einem Verfahren zum Entfernen' von flüchtigen Anteilen,
die bei der Extrusion von Kunststoffschmelzen aus diesen entweichen, wobei die-flüchtigen
Anteile mit der umgebenden Luft abgesaugt werden, indem man die flüchtigen Anteile
beim Austritt aus der Kunststoffschmelze sofort absaugt und die solche flüchtigen
Anteile enthaltende Luft unmittelbar nach Eintritt in die Absaugöffnung erhitzt.
[0004] Ferner ist ein Gegenstand der Erfindung eine Vorrichtung zum Absaugen von flüchtigen
Anteilen, die bei der Extrusion von Kunststoffschmelzen aus diesen entweichen, gekennzeichnet
durch einen konischen Zulauf (1) für die Kunststoffschmelze mit einem Heizmantel (2)
einer an der Spitze des Konus angeordneten Düsenplatte (3) mit mindestens einer Düsenöffnung
(4) für den Austritt der Kunststoffschmelze und mindestens einer Absaugöffnung (5),
wobei die Ummantelung (6) zusammen mit dem Heizmantel (2) und der Düsenplatte (3)
einen beheizten Hohlraum (7) bildet, der einen Auslaß (8) aufweist.
[0005] Das neue Verfahren und die neue Vorrichtung haben den Vorteil, daß keine Verstopfungen
in den Absaugleitungen eintreten und die schädlichen Dämpfe wirksam aus dem Arbeitsraum
entfernt werden. Ferner haben das neue Verfahren und die neue Vorrichtung den Vorteil,
daß die abgesaugte Luft durch die Heizmedien für Düsenplatte und Kunststoffschmelze
unmittelbar nach dem Ansaugen ohne weitere Hilfsmittel auf die erforderliche Temperatur
erhitzt wird.
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren ist geeignet zum Entfernen von flüchtigen Anteilen,
die bei der Extrusion aus Kunststoffschmelzen entweichen. In der Regel handelt es
sich hierbei um thermoplastische, organische Polymere, beispielsweise Polystyrol,
dessen Copolymerisate, z.B. mit Acrylni- tril oder kautschukmodifizierte Polystyrole,
ferner Polyvinylchlorid, kautschukmodifiziertes Polyvinylchlorid, Polyolefine wie
Polyäthylen oder Polypropylen, Polyoxymethylen sowie Polyamide wie Polyamid-66 oder
Polyamid-6.
[0007] Solche Polymere werden aus der Schmelze, z.B. bei Temperaturen von 180 bis 300°C,
geformt. Die hierbei aus der Schmelze austretenden flüchtigen Anteile sind ihrer Art
und Zusammensetzung nach nur zum Teil bekannt. Solche flüchtigen Anteil enthalten
Monomere, ferner Oligomere, die von der Polymerisation herrühren oder Oligomere, die
durch Abbau durch die thermische Behandlung entstehen, ferner Zersetzungsprodukte.
Besonders vorteilhaft wendet man das Verfahren kann an, wenn die flüchtigen Anteile
bei Raumtemperatur flüssig oder fest sind. Besondere technische Bedeutung hat das
Verfahren nach der Erfindung erlangt bei der Extrusion von Polycaprolactam. Hierbei
werden die bei der Extrusion entstehenden Caprolactamdämpfe entfernt.
[0008] Unter Extrusion ist das Austragen einer Kunststoffschmelze bei deren Herstellung
zu versehen, aber auch die Formgebung einer Kunststoffschmelze bei deren Weiterverarbeitung,
z.B. zu Endlosprofilen wie Rohren.
[0009] Die flüchtigen Anteile werden mit der umgebenden Luft abgesaugt, und zwar so, daß
die flüchtigen Anteile unmittelbar beim Austritt aus der Kunststoffschmelze abgesaugt
werden. Ein wesentliches Merkmal ist es, daß die solche flüchtigen Anteile enthaltene
Luft unmittelbar nach dem Eintritt in die Absaugöffnung erhitzt wird. Die Temperaturen
richten sich nach der Art der flüchtigen Anteile. In der Regel ist. davon auszugehen,
daß man. die abgesaugte Luft auf eine Temperatur erhitzt, die mindestens 20°C, vorteilhaft
30°C, über dem Schmelzpunkt der abgesaugten flüchtigen Anteile liegt. Beim Absaugen
von Caprolactamdämpfen erhitzt man die abgesaugte Luft z.B. auf mindestens 90 C, um
ein Abscheiden von festem Caprolactam zu vermeiden. Für andere flüchtige Anteile lassen
sich die günstigsten Temperaturen durch einfache Versuche unschwer ermitteln. Die
obere Temperaturgrenze wird durch wirtschaftliche Erwägungen bestimmt, da ein überflüssiges
Erhitzen unnötige Energie verbraucht. Als obere Temperaturgrenze ist in der Regel
eine Temperatur von 200°C anzusehen. Dieser Wert stellt jedoch im Hinblick auf die
Vielfalt von möglichen flüchtigen Anteilen keine Begrenzung dar. Es hat sich als besonders
zweckmäßig erwiesen, wenn man die flüchtigen Anteile enthaltende abgesaugte Luft mit
dem Heizmedium für die Kunststoffschmelze, z.B. der elektrischen Heizung oder Flüssigkeitsheizung,
die für Temperierung der Kunststoffschmelze verwendet weird, erhitzt.
[0010] Beim Absaugen von wasserlöslichen Dämpfen, wie Caprolactamdämpfen, hat es sich als
vorteilhaft erwiesen, den Unterdruck zum Ansaugen mittels Wasserinjektoren zu erzeugen.
Hierbei werden aus der abgesaugten Luft die flüchtigen Anteile wie Caprolactam ausgewaschen
und im Wasser, das im Kreis geführt wird, angereichert. Auf diese Weise wird das abgesaugte
Caprolactam als z.B. 20-gewichtsprozentige Lösung erhalten, aus der Caprolactam wieder
gewonnen wird.
[0011] Die Absaugöffnung befindet sich zweckmäßig in unmittelbarer Nähe, z.B. im Abstand
von 3 bis 10 cm, von der Düsenöffnung, aus der die Kunststoffschmelze austritt, um
zu gewährleisten, daß die flüchtigen Anteile unmittelbar beim Austritt aus der Kunststoffschmelze
entfernt werden.Hierbei hat es . sich bewährt, wenn die Richtung der Absaugung nicht
parallel zu der austretenden Kunststoffschmelze verläuft, sondern zu der Achse der
austretenden Kunststoffsohmelze eine Neigung, z.B. in einem Winkel von 25 bis 60°,
aufweist, so daß die flüchtigen Anteile von der Kunststoffschmelze weg- gesaugt werden.
[0012] In der Figur 1 wird der Querschnitt einer für die Durchführung des Verfahrens geeigneten
Vorrichtung gezeigt. Die Figur zeigt den Austragsteil einer beliebigen nicht weiter
ausgeführten Vorrichtung, die Kunststoffschmelze enthält. Der Austragsteil besteht
aus einem konischen Zulauf 1 für die Kunststoffschmelze. Der Konus muß nicht spitz
zulaufen, sondern kann auch beliebige'andere Ausgangsformen haben, wie ovale oder
rechteckige Formen. Der konische Zulauf 1 ist mit einem Heizmantel 2 umgeben. Es handelt
sich hierbei um elektrische Induktionsheizungen oder Dampf- oder Flüssigkeitsheizungen.
Am unteren Ende des konischen Zulaufs ist eine Düsenplatte 3 angebracht. Diese Düsenplatte
weist mindestens eine Austrittsöffnung für die Kunststoffschmelze 4 auf. Die Form
und die Zahl der Austrittsöffnungen richten sich nach der Aufgabenstellung bei der
Extrusion von Kunststoffschmelzen. Wenn es sich darum handelt, Kunststoffe zu granulieren,
wird man zweckmäßig eine Reihe von Lochdüsenöffnungen vorsehen, um.granulierbare Stränge
zu erhalten. Falls beabsichtigt ist, Endlosprofile herzustellen, sind diese Öffnungen
nach den aus dem Stand der Technik bekannten Düsen ausgestaltet. Die Düsenplatte 3
weist zusätzlich mindestens eine Absaugöffnung 5 auf. Durch diese Absaugöffnung werden
die flüchtigen Anteile, die beim Austritt der Kunststoffschmelze aus der Düsenöffnung
4. entweichen, sofort abgesaugt. Vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn die Absaugöffnung
5 möglichst nahe an der Düsenöffnung 4 angeordnet ist. Ferner hat es sich als zweckmäßig
erwiesen, wenn die Düsenöffnung 5 in Richtung des Kunststoffaustrags zu der Düsenöffnung
4 hingeneigt ist. Die Ummantelung 6, die einen Auslaß 8 aufweist, bildet zusammen
mit dem Heizmantel 2 und der Düsenplatte 3 einen beheizten Hohlraum 7. Beim Eintritt
der abgesaugten Luft durch die Düsenöffnung 5 in den Hohlraum 7 wird die angesaugte
Luft durch den Heizmantel 2 aufgeheizt und verläßt den Hohlraum über den Auslaß 8
zu einer Absaugvorrichtung, die nicht gezeigt ist. Es ist auch möglich, daß Absaugöffnungen
5 an beiden Seiten der Düsenöffnung 4 angebracht sind. Die Absaugöffnung 5 kann in
Form von mehreren Düsenöffnungen oder Schlitzen oder ringförmigen Schlitzen, die der
Düsenöffnung 4 angepaßt sind, angeordnet sein.
1. Verfahren zum Entfernen von flüchtigen Anteilen, die bei der Extrusion von Kunststoffschmelzen
aus diesen entweichen, wobei die flüchtigen Anteile mit der umgebenden Luft abgesaugt
werden, dadurch gekennzeichnet, daß man die flüchtigen Anteile sofort beim Austritt
aus der Kunststoffschmelze absaugt und die solche flüchti- . gen Anteile enthaltende
Luft unmittelbar nach Eintritt in dei Absaugöffnung erhitzt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die abgesaugte Luft
auf eine Temperatur erhitzt, die mindestens 20°C aüber dem Schmelzpunkt der flüchtigen
Anteile liegt.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man die abgesaugte
Luft mit dem Heizmedium für die Kunststoffschmelze erhitzt.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Absaugrichtung
eine Neigung zu der aus dieser Düsenöffnung austretenden Kunststoffschmelze aufweist.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man Caprolactamdämpfe,
die bei der Extrusion von Polycaprolactam entstehen, entfernt.
6. Vorrichtung zum Absaugen von flüchtigen Anteilen bei der Extrusion von Kunststoffschmelzen,
gekennzeichnet durch einen konischen Zulauf 1 für die Kunststoffschmelze mit einem
Heizmantel 2 eine an der Spitze des Konus angebrachten Düsenplatte 3 mit mindestens
einer Düsenöffnung 4 für den Austritt der Kunststoffschmelze und min- destens einer
Absaugöffnung 5, wobei die Ummantelung 6 zusammen mit der Düsenplatte 3 und dem Heizmantel
2 einen beheizten Hohlraum 7 bilden, der einen Auslaß 8 aufweist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Absaugöffnung 5 in
unmittelbarer Nähe der DUsenöffnung 4 angeordnet ist.
8. Vorrichtung nach den Ansprüchen 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Absaugöffnung
in Richtung des Austrags der Kunststoffschmelze zu der Düsenöffnung 4 hin geneigt
ist.