[0001] Die Herstellung von Oxymethylenpolymeren (POM) durch Copolymerisation von Formaldehyd
oder cyclischen Oligomeren des Formaldehyds, insbesondere 1,3,5-Trioxan, mit geeigneten
Comonomeren, insbesondere cyclischen Äthern oder cyclischen Acetalen, ist bekannt
(vgl. z.B. US-Patentschriften 30 27 352 und 38 03 094). Es ist ferner bekannt, daß
man körnige Oxymethylenpolymere erhält, wenn man eine Lösung von Oxymethylenpolymeren
in ein Fällungsmitte einbringt, dessen Temperatur knapp unter der Sintertemperatur
des Oxymethylenpolymeren liegt (vgl. US-Patentschrift 33 71 066).
[0002] Ferner ist bekannt, körnige Oxymethylenpolymere, die neben Oxymethyleneinheiten 0,1
bis 20 Gewichtsprozent Oxyalky eneinheiten mit 2 bis 8 benachbarten Kohlenstoffatomen
in der Hauptkette enthalten, dadurch herzustellen, daß eine 3- bis 35gewichtsprozentige
Lösung oder eine feine Dispersion eines Oxymethylenpolymeren in einem Methanol Wasser-Gemisch
mit einem Methanolgehalt von mindesten 75 Gewichtsprozent, deren Temperatur 5 bis
65°C oberhalb der Sintertemperatur des Oxymethylenpolymeren lieg, in ein als Kühlmittel
dienendes Methanol/ Wasser-Gemisch mit einem Methanolgehalt von mindestens 75 Gewichtsprozent,
das in turbulenter Bewegung und auf einer Temperatur von 1 bis 10°C unterhalb der
Sintertemperatur des Oxymethylenpolymeren gehalten wird, eingeleitet wird, wobei die
Menge des ausgefällten Oxymethylenpolymeren in der entstandenen Suspension höchstens
25 Gewichtsprozent beträgt, und das erhaltene körnige Oxymethylenpolymere anscnließend
abgetrennt und getrocknet wird (vgl. deutsche Offenlegungsschrift 25 08 886).
[0003] Die vorliegende Erfindung betrifft nun eine weitere Ausbildung des letztgenannten
Verfahrens und ist dadurch gekennzeichnet, daß die durch Ausfällung erhaltenen körnigen
Oxymethylenpolymer-Partikel mit einem Korndurchmesser von mehr als 70 µm abgetrennt
und getrocknet werden. Die Erfindung betrifft ferner körnige Oxymethylenpolymere,
die nach dem vorgenannten Verfahren herstellt sind.
[0004] Unter Oxymethylenpolymeren im Sinne der Erfindung werden Poly(oxymethylene) verstanden,
die in der Hauptvalenzkette neben Oxymethyleneinheiten noch 0,1 bis 20, vorzugsweise
0,5 bis 10 Gewichtsprozent Oxyalkyleneinheiten mit 2 bis 8, vorzugsweise 2, 3 oder
4 benachbarten Kohlenstoffatomen aufweisen; besonders geeignet sind Oxymethylenpolymere,
deren Anteil an Oxyalkyleneinheiten 0,7 bis 5 Gewichtsprozent beträgt.
[0005] Die Oxymethylenpolymeren werden in bekannter Weise durch Polymerisation der Monomeren
in Masse, Suspension oder Lösung in Gegenwart kationisch wirksamer Katalysatoren z.
B. bei einer Temperatur von O bis 100°C, vorzugsweise 50 bis 90°C, hergestellt (vgl.
z.B. US-Patentschrift 30 20 352). Hierbei werden als kationisch wirksame Katalysatoren
(1) Protonsäuren, z.B. Perchlorsäure, (2) Ester von Protonsäuren, insbesondere Ester
der Perchlorsäure mit niederen aliphatischen Alkoholen, z.B. Per- chlorsäure-tert.
butylester,(3) Anhydride von Protonsäuren, insbesondere gemischte Anhydride der Perchlorsäure
und einer niederen aliphatischen Carbonsäure, z.B. Acetylperchlorat, (4) Lewis-Säuren,
insbesondere Halogenide von Bor, Zinn, Titan, Phosphor, Arsen und Antimon, z.B. Bortrifluorid,
Zinntetrachlorid, Titantetrachlorid, Phosphorpentachlorid, Phosphorpentafluorid, Arsenpentafluorid
und Antimonpentafluorid und (5) Komplexverbindungen oder salzartige Verbindungen von
Lewis-Säuren, vorzugsweise Ätherate oder Oniumsalze, z.B. Bortrifluoriddiäthylätherat,
Bortrifluorid-di-n-butylätherat, Tri- äthyloxoniumtetrafluoroborat, Trimethyloxoniumhexafluorophosphat,
Triphenylhexafluoroarsenat, Acetyltetrafluoroborat, Acetylhexafluorophosphat und Acetylhexafluoriarsenat,
verwendet.
[0006] Die Menge der bei der Copolyemerisation eingesetzten Katalysatoren ist vor allem
von der Stärke ihrer Wirksamkeit abhängig; im allgemeinen werden die Katalysatoren
in einer Gewichtsmenge von 0,1 bis 2000, vorzugsweise 0,2 bis 500 ppm, bezogen auf
die Gesamtmenge der zu polymerisierenden Verbindungen, verwendet. Gut wirksame Katalysatoren
wie Bortrifluorid werden zweckmäßigerweise in einer Gewichtsmenge von 10 bis 150,
vorzugsweise 20 bis 100 ppm, bezogen auf die Gesamtmenge der zu poly
- merisierenden Verbindungen, eingesetzt. Für Komplexverbindungen oder salzartige Verbindungen
der genannten Katalysatoren gelten die entsprechenden molaren Mengen. Sehr stark wirksame
Katalysatoren wie Perchlorsäure werden in einer Menge von 0,2 bis 10 ppm, vorzugsweise
0,3 bis 5 ppm, verwendet.
[0007] Im allgemeinen empfiehlt es sich, die Katalysatoren in verdünnter Form anzuwenden.
Gasförmige Katalysatoren werden mit einem Inertgas, z.B. Stickstoff oder einem Edelgas
wie Argon, verdünnt, während flüssige oder feste Katalysatoren in einem inerten Lösungsmittel
gelöst werden. Als Lösungsmittel sind insbesondere aliphatische oder cycloaliphatische
Kohlenwasserstoffe sowie nitrierte aliphatische oder aromatische Kohlenwasserstoffe
geeignet. Als Beispiele seien genannt: Cyclohexan, Methylenchlorid, Athylenchlorid,
Nitromethan und Nitrobenzol. Das Gewichtsverhältnis von Katalysator zu Verdünnungsmittel
beträgt üblicherweise 1 : 5 bis 1 : 10 000, vorzugsweise 1 : 10 bis 1 : 100. Sehr
stark wirksame Katalysatoren werden zweckmäßigerweise im Verhältnis von 1 : 5 000
bis 1 : 20 000 verdünnt.
[0008] Die Durchführung des Polymersiationsverfahrens erfolgt vorzugsweise unter einer Inertgasatmosphäre
und unter Ausschluß von Feuchtigkeit; als Inertgas sind vorzugsweise Edelgase, z.B.
Argon, und Stickstoff geeignet.
[0009] Als Verbindungen, die mit Trioxan copolymerisierbar sind, eignen sich vor allem a)
cyclische Äther mit 3, 4 oder 5 Ringgliedern, vorzugsweise Epoxide, b) cyclische Acetale,
vorzugsweise Formale, mit 5 bis 11, vorzugsweise 5, 6, 7 oder 8 Ringgliedern und c)
lineare Polyacetale, vorzugsweise Polyformale.
[0010] Als Comonomere für Trioxan sind besonders Verbindungen der Formel

geeignet, in der (
A) R
1 und R
2 gleich oder verschieden sind und jeweils ein Wasserstoffatom, einen aliphatischen
Alkylrest mit 1 bis 6, vorzugsweise 1, 2, 3 oder 4 Kohlenstoffatcamen oder einen Phenylrest
bedeuten und a) x gleich 1, 2 oder 3 und y gleich Null ist oder b) x gleich Null,
y gleich 1, 2 oder 3 und z gleich 2 ist oder c) x gleich Null, y gleich 1 und z gleich
3, 4, 5 oder 6 ist, oder (B) R
1 einen Alkoxymethylrest mit 2 bis 6, vorzpgsweise 2, 3 oder 4 Kohlenstoffatomen oder
einen Phenoxymethylrest bedeutet, wobei x gleich 1 und y gleich Null ist und R2die
obengenannte Bedeutung hat.
[0011] Als cyclische Äther werden z.B. Äthylenoxid, Propylenoxid, Styroloxid, Cyclohexenoxid,
Oxacyclobutan und Phenylglycidyläther eingesetzt, während als cyclische Formale beispielsweise
1,3-Dioxolan, 1,3-Dioxan, 1,3-Dioxepan und 1,3,6-Trioxocan sowie 4-Methyl-1,3-dioxolan,
4-Phenyl-1,3-dioxolan, 1,3-Dioxonan und 1,3-Dioxacyclohepten-(5) verwendet werden.
Als Lineare Polyformale eignen sich vor allem Poly (1,3-dioxolan) und Poly (1,3-dioxepan).
[0012] Für die Herstellung von Oxymethylenpolymeren mit bestimmten Molekulargewichtsbereichen
ist es zweckmäßig, die Polymerisation in Gegenwart eines Reglers durchzuführen. Hierfür
eignen sich vor allem Formaldehyddialkylacetale mit 3 bis 9, vorzugsweise 3, 4, oder
5 Kohlenstoffatomen, z.B. Formaldehyddimethylacetal, -diäthylacetal, -dipropylacetal
und -dibutylacetal, sowie niedere aliphatische Alkohole, vorzugsweise Alkanole mit
1 bis 4 Kohlenstoffatomen, z.B. Methanol, Äthanol, Propanol und Butanol. Der Regler
wird üblicherweise in einer Menge bis zu 0,5 Gewichtsprozent, vorzugsweise von 0,005
bis 0,1 Gewichtsprozent, bezogen auf die Gesamtmenge der zu polymerisierenden Verbindungen,
eingesetzt.
[0013] Die Oxymethylenpolymeren werden zur Entfernung instabiler Anteile zweckmäßigerweise
einem thermischen, kontrollierten, partiellen Abbau bis zu primären Alkoholendgruppen
unterworfen (vgl. US-Patentschriften 31 74 948, 32 19 623 und 36 66 714). Die thermische
Behandlung erfolgt bei einer Temperatur von 130 bis 200°C, vorzugsweise 140 bis 190°C,
insbesondere unter nicht sauren Bedingungen in wäßrig/methanolischer Lösung, zweckmäßigerweise
in Gegenwart einer basisch reagierenden Verbindung, z.B. eines niedrigen tertiären
aliphatischen Amins wie Triäthyl- oder Triäthanolamin oder.eines sekundären Alkaliphosphats
wie Dinatriumhydrogenphosphat. Besonders günstig ist eine Temperatur von 150 bis 180°C.
Die Dauer der thermischen Behandlung beträgt in Abhängigkeit von der Temperatur 10
Sekunden bis 2 Stunden, vorzugsweise 1 Minute bis 60 Minuten. Je höher die Temperatur
ist, desto kürzer kann die Verweilzeit bemessen werden. Bei 180°C genügen etwa 1 bis
2 Minuten, bei 160°C etwa 5 bis 10 Minuten, bei 150°C etwa 10 bis 30 Minuten und bei
140°C etwa 20 bis 60 Minuten. Die Behandlung erfolgt vorzugsweise unter weitgehendem
Ausschluß von Sauerstoff.
[0014] Als Ausgangsmaterial für das erfindungsgemäße Verfahren wird eine Lösung oder eine
Dispersion eines Oxymethylenpolymeren verwendet, deren Polymeranteil 3 bis 35, vorzugsweise
5 bis 30 Gewichtsprozent beträgt. Sehr gute Ergebnisse werden mit einer Polymerlösung
oder -dispersion erhalten, die 10 bis 20 Gewichtsprozent Oxymethylenpolymere enthält.
[0015] Als Lösungsmittel oder Dispersionsmittel dient ein Methanol/Wasser-Gemisch mit einem
Methanolgehalt von mindestens 75 Gewichtsprozent; vorzugsweise wird ein Gemisch verwendet,
das aus 99,9 bis 80 Gewichtsprozent Methanol und 0,1 bis 20 Gewichtsprozent Wasser
besteht. 'Besonders vorteilhaft ist ein Gemisch aus 99,5 bis 85 Gewichtsprozent Methanol
und 0,5 bis 15 Gewichtsprozent Wasser, wobei die besten Ergebnisse mit einem Gemisch
aus 99 bis 90 Gewichtsprozent Methanol und 1 bis 10 Gewichtsprozent Wasser erhalten
werden.
[0016] Die Temperatur der Lösung oder Dispersion liegt 5 bis 65°C, vorzugsweise 10 bis 60°C
oberhalb der Sintertempera.tur des Oxymethylenpolymeren, wobei der Temperaturbereich
von 25 bis 55°C oberhalb der Sintertemperatur besonders vorteilhaft ist.
[0017] Als Kühlmittel und Fällungsmittel dient ebenfalls ein Gemisch aus Methanol und Wasser,
dessen Zusammensetzung im gleichen Bereich liegt wie die der vorgenannten Lösungs-oder
Dispersionsmittels. Das Kühlmittel weist eine Temperatur von 1 bis 10°C, vorzugsweise
1 bis 5 C, insbesondere 2 bis 4°C unterhalb der Sintertemperatur des Oxymethylenpolymeren
auf. Die Menge des ausgefällten Oxymethylenpolymeren in der durch das Einleiten der
Polymer-Lösung oder -Dispersion entstehenden Suspension ist maximal 25, vorzugsweise
5 bis 15 Gewichtsprozent.
[0018] Das im Rahmen dieser Erfindung eingesetzte Methanol kann bis zu 30, vorzugsweise
bis zu 10 Gewichtsprozent in Methanol lösliche organische Verunreinigungen enthalten,
die üblicherweise bei'der Synthese von Oxymethylenpolymeren als Nebenprodukte entstehen,
z.B. Formaldehyd, cyclische Oligomere des Formaldehyds, Methylal, Glykol, Glykolformal,
Glykolmonomethyläther, Glykoldimethyl- äther sowie niedere aliphatische Alkohole,
niedere aliphatische Ester und Aceton.
[0019] Als Sintertemperatur (T
S) wird die Temperatur bezeichnet, bei der die in den Methanol/Wasser-Gemischen suspendierten
festen Polymerpartikel an der Oberfläche weich werden und verkleben, ohne vollständig
zu schmelzen. Die Sintertemperatur ist abhängig von Zusammensetzung und Molekulargewicht
des Polymeren sowie auch von der Art des Lösungs-oder Dispersionsmittels. Die Sintertemperatur
der erfindungsgemäß verwendeten Oxymethylenpolymeren liegt im Bereich von 100 bis
140
oC, insbesondere von 125 bis 135°C.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren wird beispielsweise in einem mit Rührer versehenen
Autoklaven durchgeführt. In diesem Autoklaven wird das Kühl- und Fällungsmittel vorgelegt,
und die Lösung oder Dispersion des Oxymethylenpolymeren wird zweckmäßigerweise durch
ein beheiztes Tauchrohr oder eine Düse in das Fällungsmittel eingeleitet, wobei letzteres
durch Rühren in turbulenter Be- wegun
g gehalten wird. Das Verfahren kann diskontinuierlich oder kontinuierlich durchgeführt
werden; bei kontinuierlicher Durchführung wird die erhaltene Polymersuspension am
Boden des Autoklavs in dem Maße abgenommen wie die Lösung oder Dispersion sowie gegebenenfalls
zusätzliches Fällungsmittel zugegeben werden. Die mittlere Verweilzeit des Oxymethylenpolymeren
im Fällungsgefäß beträgt 1 Minute bis 12 Stunden, vorzugsweise 2 bis 120 Minuten.
Je nach der im Einzelfall angewandten Temperatur beträgt der Druck 5 bis 40, vorzugsweise
8 bis 30 bar.
[0021] Bei der Abkühlung der POM-Lösung oder -Dispersion entstehen durch Fällung oder Agglomeration
feste Polymerpartikel mit unterschiedlicher Korngröße. Die Hauptmenge der erhaltenen
POM-Partikel besteht aus körnigen Teilchen mit einem Korndurchmesser von mehr als
70 µm, während eine geringe Menge aus feinkörnigen Teilchen mit einem Korndurahmesser
von vorzugsweise weniger als 50 µm besteht (Siebanalyse). Die körnigen Teilchen weisen
vorzugsweise Korndurchmesser von 100 bis 1000 µm und insbesondere von 150 bis 400
µm auf. Die Merge des abzutrennenden feinkörnigen Produktes beträgt im allgemeinen
weniger als 20 Gewichtsprozent, bezogen auf die Gesamtmenge an festen Polymerpartikeln;
der Feinkornanteil liegt vorzugsweise unter 15 und insbesondere bei 3 bis 10 Gewichtsprozent.
[0022] Aus der durch das Abkühlen erhaltenen Suspension, die gegebenenfalls weiter auf eine
Temperatur von.unterhalb 100°C, vorzugsweise auf 20 bis 60°C abgekühlt wird, werden
die POM-Partikel mit Teilchendurchmesser von oberhalb 70 µm durch übliche Trennverfahren,
z.B. durch Filtrieren, Zentrifugieren oder Dekantieren, abgetrennt. Aus dem verbleibenden
Gemisch können die POM-Partikel mit Teilchendurchmesser von mehr als 70 µm mit Hilfe
eines Separators entfernt werden, und das Lösungsmittel kann als flüssiges Kühlmittel
wiederverwendet werden. Das abgetrennte Oxymethylenpolymere wird schließlich bei einer
Temperatur von 20 bis 135°C, vorzugsweise von 50 bis 120°C getrocknet. Die Trocknung
unter Inertgasatmosphäre, z.B. unter Edelgas- oder Stickstoff-Atmosphäre, ist empfehlenswert.
Auch ist es möglich, die Gesamtmenge der festen Polymerpartikel von der Flüssigkeit
abzutrennen und die Trennung nach Partikelgröße während oder nach der Trocknung durchzuführen,
z.B. durch Windssichten oder Sieben.
[0023] Die erfindungsgemäß erhaltenen körnigen Oxymethylenpolymeren sind makromolekular;
die Werte ihrer reduzierten spezifischen Viskosität (RSV) betragen 0,3 bis 2,0, vorzugsweise
0,5 bis 1,5 dl/g (gemessen an einer 0,5gewichtsprozentigen Lösung des Polymeren in
y-Butyrolacton, das 2 Gewichtsprozent Diphenylamin als Stabilisator enthält, bei einer
Temperatur von 140°C). Die Kristallitschmelzpunkte der Oxymethylenpolymeren liegen
im Bereich von 140 bis 180°C, ihre Schmelzindexwerte (MFI 190/2) betragen 0,1 bis
50, vorzugsweise 1 bis 30 g/10 min (gemessen nach DIN 53 735 bei einer Temperatur
von 190°C und einer Belastung von 2,16 kg). Das Schüttgewicht der erfindungsgemäß
erhaltenen körnigen Oxymethylenpolymeren beträgt im allgemeinen mehr als 300, vorzugsweise
350 bis 550 g/1 (ermittelt an dem unter Stickstoff bei einer Temperatur von 70°C getrockneten
Polymeren nach einer zweiminütigen homogenen Durchmischung in einem Labor-Fluidmischer
bei einer Drehzahl von 3000 UpM). Die RSV-Werte der abgetrennten feinkörnigen Produkte
liegen unterhalb 0,3 dl/g und betragen vorzugsweise 0,05 bis 0,25 und insbesondere
0,1 bis 0,2 dl/g.
[0024] Die erfindungsgemäß erhaltenen Oxymethylencopolymeren können zusätzlich stabilisiert
werden, indem sie mit Stabilisatoren gegen den Einfluß von Wärme, Sauerstoff und/oder
Licht homogen vermischt werden. Die Homogenisierung erfolgt üblicherweise in einer
handelsüblichen Mischvorrichtung, z.B. einem Extruder, bei einer Temperatur oberhalb
des Schmelzpunktes des Polymeren bis zu 250°C, vorzugsweise bei 180 bis 210°C. Die
Menge der zugesetzten Stabilisatoren beträgt insgesamt 0,1 bis 10, vorzugsweise 0,5
bis 5 Gewichtsprozent, bezogen auf das Gesamtgemisch.
[0025] Als Stabilisatoren eignen sich vor allem Bisphenolverbindungen, Erdalkalisalze von
Carbonsäuren sowie Guanidinverbindungen. Als Bisphenolverbindungen werden hauptsächlich
Ester von ein- oder zweifach mit einem 1 bis 4 Kohlenstoffatome enthaltenden Alkylrest
kernsubstituierten einbasigen 4-Hydroxyphenylalkansäuren, die 7 bis.13, vorzugsweise
7,8 oder 9 Kohlenstoffatome enthalten, mit aliphatischen zwei-, drei- oder vierwertigen.Alkoholen,
die 2 bis 6, vorzugsweise 2,3 oder 4 Kohlenstoffatome enthalten, verwendet, z.B. Ester
der w -(3-Tert.-butyl-4-hydroxy-phenyl)-pentansäure, ß-(3-Methyl-5-tert.-butyl-4-hydroxy-phenyl)-propionsäure,
(3,5-Ditert.-butyl-4-hydroxyphenyl)-essigsäure, ß-(3, 5-Di-tert.-butyl-4-hydroxyphenyl)-propionsäure
oder (3,5-Di-isopropyl-4-hydroxyphenyl)-essigsäure mit Äthylenglykol, Propandiol-(1,2),
Propandiol-(1,3), Butandiol-(1,4), Hexandiol-(1,6), 1,1,1-Trimethyloläthan oder Pentaerythrit.
[0026] Als Erdalkalisalze von Carbonsäuren werden insbesondere Erdalkalisalze von aliphatischen,
vorzugsweise hydroxylgruppenhaltigen, ein-, zwei- oder dreibasigen Carbonsäuren mit
2 bis 20, vorzugsweise 3 bis 9 Kohlenstoffatomen verwendet, z.B. die Calcium- oder
Magnesiumsalze der Stearinsäure, Rizinolsäure, Milchsäure, Mandelsäure, Äpfelsäure
oder Zitronensäure.
[0027] Als Guanidinverbindungen werden Verbindungen der Formel

verwendet, in der R ein Wasserstoffatom, eine Cyanogruppe oder einen Alkylrest mit
1 bis 6 Kohlenstoffatomen bedeutet, z.B. Cyanoguanidin, N-Cyano-N'-methyl-guanidin,
N-Cyano-N'-äthyl-guanidin, N-Cyano-N'-iso-propylguanidin, N-Cyano-N'-tert.-butyl-guanidin
oder N,N'-Dicyanoguanidin. Die Guanidinverbindung wird gegebenenfalls in einer Menge
von 0,01 bis 1, vorzugsweise 0,02 bis 0,5 Gewichtsprozent, bezogen auf das Gesamtgemisch,
eingesetzt.
[0028] Ferner können den erfindungsgemäß hergestellten Oxymethylenpolymeren noch bekannte
Lichtstabilisatoren wie Benzophenon-, Acetophenon- oderTrJazinderivate zugesetzt werden.
Andere übliche Zusätze wie Farbstoffe, Pigmente, Verstärkungs- und Füllstoffe oder
Nukleierungsmittel können ebenfalls zugegeben werden.
[0029] Die erfindungsgemäß erhaltenen Oxymethylenpolymeren sind dadurch gekennzeichnet,
daß sie gegenüber bekannten Oxymethylenpolymeren verbesserte mechanische Eigenschaften,
insbesondere Zähigkeitseigenschaften, aufweisen. Sie lassen sich durch alle für thermoplastische
Kunststoffe üblichen Verfahren verarbeiten, z.B. durch Spritzgießen, Strangpressen,
Extrusionsblasen, Schmelzspinnen und Tiefziehen. Sie eignen sich als Material zur
Herstellung von Halbzeug und Fertigteilen wie Formkörpern, z.B. Barren, Stäben, Platten,
Bändern, Borsten, Fäden, Fasern, Filmen, Folien, Rohren und Schläuchen, sowie Haushaltsartikeln,
z.B. Schalen und Bechern, und Maschinenteilen, z.B. Gehäusen und Zahnrädern. Sie sind
vor allem als technischer Werkstoff zur Herstellung von dimensionsstabilen und maßhaltigen
Formteilen verwendbar.
[0030] Die folgenden Beispiele erläutern die Erfindung. Hierbei bedeutet "%" jeweils "Gewichtsprozent"
und "Teile" jeweils "Gewichtsteile".
Beispiele 1 bis 9
[0031] Unterschiedliche Teile eines Copolymeren aus 98 % Trioxan und 2 % Äthylenoxid mit
einem RSV-Wert von 0,76 oder 0,81 dl/g und einem MFI (190/2) von 9 oder 7 g/10 min
werden unter Stickstoff mit 100 Teilen eines Methanol/ Wasser-Gemisches gemischt,
das 500 ppm Triäthylamin enthält. Das erhaltene Gemisch wird 5 min lang auf eine Temperatur
von 170°C erhitzt, wobei das Polymere in Lösung geht.
[0032] Diese Lösung wird innerhalb von 30 min durch ein Tauchrohr in 30 Teile eines Methanol/Wasser-Gemisches
gleicher Zusammensetzung eingeleitet, das sich in einem Autoklaven in turbulenter
Bewegung befindet und eine Temperatur von 125
0C (Beispiel 2 : 129°C) aufweist. Bei einer Sintertemperatur des Polymeren von 127°C
(Beispiel 2 : 131°C) liegt die Temperatur des Fällungsmittels damit 2°C unterhalb
der Sintertemperatur. Nach weiteren 10 min wird die erhaltene Suspension auf Raumtemperatur
abgekühlt.
[0033] Eine Hälfte der Suspension wird über ein feinporiges Filter gegeben, das eine quantitative
Abscheidung des Feststoff-Anteils erlaubt (Polymer A). Die verbliebene zweite Häfte
der Suspension wird durch Zentrifugieren mit Hilfe einer Siebzentrifuge (Siebweite
70 µm) in Feststoffanteile mit Partikeldurchmesser oberhalb 70 µm (Polymer B) und
kleiner (Polymer C, in Filtrat) aufgetrennt. Aus dem Zentrifugat wird dann das feinteilige
Polymer C mit Hilfe eines Separators entfernt.
[0034] Die Trocknung der Produkte A und B erfolgt bei 70°C unter Stickstoff. An den getrockneten
Produkten werden dann' die Schüttgewichte und RSV-Werte bestimmt. Ein Teil der Produkte
wird anschließend mit Stabilisatoren versetzt (0,1 % Dicyandiamid; 0,5 % Bis(2-hydroxy-3-tert.butyl-5-methyl-phenyl)-methan)
und durch Spritzgießen zu Probekörpern verarbeitet.
[0035] Das Schlagverhalten wird nach DIN 53 443 im Fallbolzenversuch geprüft. Hierfür werden
quadratische Platten mit einer Kantenlänge von 60 mm und einer Dicke von 2 mm sowie
ein Fallbolzen mit einem Gewicht von 100 g verwendet; die Ringöffnung der Auflagefläche
beträgt -abweichend von der Norm - 25 mm. Die ermittelte Fallhöhe ist ein Maß für
die Zähigkeit des Materials.
[0036] Weitere Einzelheiten und Ergebnisse sind aus der folgenden Tabelle ersichtlich.
