[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft wertvolle diagnostische Reagenzien, ein Verfahren
zu deren Herstellung und diagnostische Methoden, worin solche Reagenzien Verwendung
finden.
[0002] Die Diagnose von pathologischen oder anderen Zuständen in Menschen und Tieren wird
oft unter Anwendung von immunologischen Prinzipien durchgeführt. Diese Prinzipien
werden zum Nachweis von Antikörpern oder Antigenen in den Körperflüssigkeiten des
Lebewesens benützt. Ein Antigen ist eine fremde Substanz, welche, wenn sie dem Lebewesen
appliziert wird, die Bildung von gewissen löslichen und als Antikörper bezeichneten
Substanzen bewirkt. Irgendeine Substanz wie z.B. ein Protein, welche normal nicht
in einem bestimmten Lebewesen vorhanden ist, kann die Bildung von Antikörpern verursachen,
wenn sie dem Lebewesen unter geeigneten Bedingungen appliziert wird.
[0003] Nach ihrer Bildung reagieren die Antikörper mit den Antigenen und schützen auf diese
Weise, im Fall eines Bakterien-oder Virus-Fremdkörpers, gegen Infektionen.
[0004] Immunologische Testverfahren beruhen auf der Antigen-Antikörper-Reaktion, welche
sich gewöhnlich durch Unlöslichkeit oder Agglutination manifestiert.
[0005] Im allgemeinen wird die Anwesenheit eines Antigens oder eines Antikörpers dadurch
bestätigt oder bestimmt, dass man den entsprechenden Antikörper oder das entsprechende
Antigen einer Körperflüssigkeit des Lebewesens, meistens Urin, Blutserum oder einem
speziell behandelten Blutextrakt, zugibt. Es können jedoch auch andere Körperflüssigkeiten
verwendet werden. Man stellt die Anwesenheit bzw. die Abwesenheit des Antikörpers
oder des Antigens in der Körperflüssigkeit des Lebewesens fest, indem das Eintreten
oder nicht-Eintreten einer Antigen-Antikörperreaktion festgestellt wird.
[0006] Weil einige Komplexe sich nur sehr langsam bilden und sehr geringe Teilchengrössen
besitzen, ist es notwendig,Träger zu benützen, um sie sichtbar zu machen. In einer
bisher bevorzugten Methode wurden der Antikörper bzw. das Antigen mittels' eines Carbodiimids
über eine Amidbindung an diskreten Teilchen von carboxylierten Latexpolymeren,wie
z.B. von carboxylierten Copolymeren aus Butadien und Styrol,gebunden.
[0007] Diese Methode hat jedoch den Nachteil, dass während der Kupplung des Proteins (Antikörper
oder Antigen) an die Latexteilchen, wegen der Verwendung von Carbodiimiden als Nebenreaktion
eine unerwünschte Vernetzung des eingesetzten Proteins eintritt und somit ein Teil
der oft sehr teuren Proteine für die Kupplung mit dem Träger verloren geht.
[0008] Die vorliegende Erfindung betrifft nun neuartige polymere Träger, mit welchen die
obigen Nachteile vermieden werden können und welche mit einem breiten Spektrum von
immunologisch aktiven Materialien ein diagnostisch verwendbares Reagenz bilden können,
das stabil, spezifisch und empfindlich ist und eine leicht nachweisbare visuelle Bewertung
in sehr kurzer Zeit ermöglicht.
[0009] Genauer gesagt betrifft die vorliegende Erfindung ein wasserunlösliches Reagenz für
eine immunologische Bestimmung mit einem etwa dem von Wasser entsprechenden spezifischen
Gewicht in Form diskreter Latexteilchen, an welche ein immunologisch aktives Material
gebunden ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Latex aus einer Dispersion von Partikeln
von Vinylpolymerisaten besteht, die als Endgruppen Gruppen der Formel:

tragen, wobei die Partikel aus einem Kern von Vinyl- und/oder Dienpolymerisat, das
Carboxyl- und/oder Sulfonatfunktionen trägt, und aus einer äusseren Schicht von Vinylpolymerisat,
das als Endgruppen Gruppen der Formel:

trägt, gebildet sind und einen mittleren Durchmesser zwischen 0,03 und 5 pm haben.
[0010] Weiter bezieht sich die Erfindung auf ein Verfahren zur Herstellung eines solchen
Reagens, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass man den Latex nach Diazotierung
oder in Gegenwart von geeigneten bifunktionellen Reagenzien mit dem immunologisch
aktiven Material umsetzt.
[0011] Als "immunologisch aktive Substanzen" können all jene Bestandteile in physiologischen
Flüssigkeiten, Zell- und Gewebeextrakten genannt werden, für die ein immunologischer
Reaktionspartner vorhanden ist oder gebildet werden kann. Dazu gehören Amine, Aminosäuren,
Peptide, Proteine, Lipoproteine, Glycoproteide, Sterine, Steroide, Lipoide, Nucleinsäuren,
Enzyme, Hormone, Vitamine, Polysaccharide und Alkaloide. Bevorzugte immunologisch
aktive Substanzen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

[0012] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung sind besonders bevorzugte immunologisch aktive
Substanzen Albumin, Rheumatoidfaktor, menschliches Immunoglobulin IgG und Antikörper
gegen IgG.
[0013] Unter Vinylpolymerisaten, die den Kern der Partikeln bilden, versteht man Homopolymerisate
von Monomeren, wie Styrol und seine Derivate: Methylstyrole, Aethylstyrole, Vinyltoluol;
Vinylchlorid, Vinylidenchlorid; Vinylacetat; Acrylderivate, wie Alkylacrylate und
-methacrylate (Alkyl mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen), die gegebenenfalls hydroxyliert
sind, wie 2-Hydroxyäthylacrylat und -methacrylat und 2-Hydroxypropylacrylat und -methacrylat;
Acrylnitril und Methacrylnitril; sowie Copolymerisate dieser Monomeren untereinander
und/oder mit modifizierenden Vinylcomonomeren, wie Divinylbenzol, Acrylamid und Methacrylamid
und deren N-substituierte Derivate, wie z.B. Methylolacrylamid; diese Comonomere stellen
bis zu 5 Gew.-% des Copolymerisates dar.
[0014] Unter Dienpolymerisaten, die den Kern bilden, versteht man Homopolymerisate des Butadiens
und seiner Derivate: Chloropren, Isopren; sowie die Copolymerisate dieser Monomeren
untereinander und/oder mit Vinylmonomeren, wie sie oben genannt wurden, in allen Mengenverhältnissen
und/oder mit modifizierend wirkenden Vinylmonomeren, wie sie oben'aufgezählt wurden,
deren Menge in dem Copolymerisat bis zu 5 Gew.-% ausmacht.
[0015] Die Vinylpolymerisate, welche die äussere Schicht der Partikel bilden, sind Homopolymerisate
von Monomeren, wie Styrol und seine Derivate, z.B. Methylstyrole, Aethylstyrole und
Vinyltoluol; gegebenenfalls hydroxylierte Alkylacrylate und Alkylmethacrylate (Alkyl
mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen); Acrylnitril und Methacrylnitril; sowie Copolymerisate
dieser Monomeren untereinander und/oder mit modifizierend wirkenden Vinylcomonomeren,
wie Divinylbenzol, Acrylamid und Methacrylamid sowie deren N-substituierte Derivate,
wie Methylolacrylamid, die bis zu 5 Gew.-% des Copolymerisats ausmachen können.
[0016] In den Partikeln stellt das Kernpolymerisat 30 bis 99,5 Gew.-%, vorzugsweise 60 bis
99 Gew.-%, und das Polymerisat der äusseren Schicht 70 bis 0,5 Gew.-%, vorzugsweise
40 bis 1 Gew.-%, dar.
[0017] Die Polymerisatpartikel, deren Kornverteilung je nach den gewünschten Eigenschaften
des Latex und den in Betracht gezogenen Anwendungen breit oder eng sein kann, haben
einen mittleren Durchmesser zwischen 0,03 und 5 µm, vorzugsweise zwischen 0,05 und
1 ym. Sie stellen bis zu 60 Gew.-%, vorzugsweise bis zu 45 Gew.-%, des Latex dar.
Jedoch kann der Latex ohne weiteres verdünnt oder konzentriert werden.
[0018] Das Kernpolymerisat kann hergestellt werden durch Emulsionspolymerisation des oder
der Vinylmonomeren und/oder Dienmonomeren in Gegenwart von mindestens einer äthylenischen
Mono-oder Polycarbonsäure, die mit dem oder den Monomeren copolymerisierbar ist, und/oder
mindestens eines copolymerisierbaren ungesättigten Alkaliorganosulfonats; dann wird
das Polymerisat der äusseren Schicht hergestellt durch Emulsionspolymerisation des
oder der Vinylmonomeren in Gegenwart des Latex des Kernpolymerisates, der oben erhalten
wurde, und in Gegenwart eines Kettenübertragungsmittels.
[0019] Die bei der Polymerisation des Kernpolymerisates und bei der Polymerisation des Polymerisates
der äusseren Schicht verwendeten Monomeren sind die oben aufgezählten Monomeren. Sie
werden entweder alle vor der Polymerisation verwendet oder zum Teil vor der Polymerisation
verwendet, wobei der restliche Teil im Verlauf der Polymerisation in aufeinanderfolgenden
Fraktionen oder kontinuierlich zum Reaktionsmedium gegeben wird, oder alle im Verlauf
der Polymerisation in aufeinanderfolgenden Fraktionen oder kontinuierlich zugesetzt.
[0020] Als copolymerisierbare äthylenische Mono- oder Polycarbonsäuren seien Acrylsäure,
Methacrylsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Crotonsäure, Sorbinsäure, Zimtsäure, Itaconsäure,
Aconitsäure genannt, die in Mengen zwischen 0,5 und 15 Gew.-%, vorzugsweise zwischen
0,5 und 10 Gew.-%, bezogen auf das oder die Monomeren, verwendet werden.
[0021] Die copolymerisierbaren ungesättigten Alkaliorganosulfonate sind z.B. Natriumvinylsulfonat,
Natriummethallylsulfonat, Natrium-2-sulfoäthylacrylat, Natrium-2-sulfoäthylmetacrylat,
2-Acrylamido-2-methylpropansulfonat; sie werden in Mengen zwischen 0,1 und 3 Gew.-%,
bezogen auf das oder die Monomeren, verwendet.
[0022] Die copolymerisierbaren äthylenischen Mono- oder Polycarbonsäuren und die copolymerisierbaren
ungesättigten Alkaliorganosulfonate können einzeln oder in Kombination in den angegebenen
Mengen verwendet werden.
[0023] Die Herstellung des Kernpolymerisates erfolgt in Emulsion nach jedem beliebigen klassischen
Verfahren in Gegenwart eines Initiators und eines Emulgators.
[0024] Als Initiator verwendet man vorzugsweise Alkalipersulfate, wasserlösliche Diazoderivate
oder Redoxysysteme auf Basis von Wasserstoffperoxyd, organischen Peroxyden oder Hydroperoxyden
in Mengen in der Grössenordnung von 0,01 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 0,03 bis 3 Gew.-%,
bezogen auf das oder die Monomeren.
[0025] Der verwendete Emulgator kann anionaktiv und/oder nichtionogen sein. Es handelt sich
um klassische Produkte für die Emulsionspolymerisation.
[0026] Als anionaktive Emulgatoren seien genannt Salze von Fettsäuren; Alkalialkylsulfate,
Alkalialkylsulfonate, Alkalialkylarylsulfonate, Alkalialkylsulfosuccinate, Alkalialkylphosphate;
Sulfobernsteinsäurealkylester; Sulfonate von Alkylphenolpolyglycoläthern; Salze von
Estern von Alkylsulfopolycarbonsäuren; Kondensationsprodukte von Fettsäuren mit Oxyalkansulfonsäuren
und Aminoalkansulfonsäuren; sulfatierte Derivate von Pölyglycoläthern; sulfatierte
Ester von Fettsäuren und Polyglycolen; Alkanolamide von sulfatierten Fettsäuren.
[0027] Als nichtionogene Emulgatoren kommen Fettsäureester von Polyalkoholen, Alkanolamide
von Fettsäuren, Polyäthylenoxyde, Copolyäthylenoxyd/Propylenoxyd, oxyäthylierte Alkylphenole
in Betracht.
[0028] Die zu verwendenden Mengen des oder der Emulgatoren liegen in der Grössenordnung
von 0,01 bis 5 Gew.-%, bezogen auf das oder die Monomeren, und ihre Einführung erfolgt
entweder insgesamt vor der Polymerisation oder zum Teil vor der Polymerisation, wobei
der restliche Teil im Verlauf der Polymerisation in nacheinanderfolgenden Fraktionen
oder kontinuierlich zum Reaktionsmedium zugesetzt wird, oder insgesamt im Verlauf
der Polymerisation in nacheinanderfolgenden Fraktionen oder kontinuierlich.
[0029] Die für die Polymerisation des Kernpolymerisates zu verwendende Menge Wasser muss
derart sein, dass die Konzentration des oder der Monomeren 60 Gew.-% nicht übersteigt.
[0030] Obgleich es nicht unbedingt erforderlich ist, ist es möglich, dem Reaktionsmedium
beliebige Verbindungen zuzusetzen, die entweder die Ionenstärke des Mediums und demzufolge
die Kornverteilung zu modifizieren vermögen, wie Mineralsalze, Elektrolyten, in einer
Menge bis zu 3 Gew.-%, bezogen auf die Monomeren, oder die den pH-Wert des Mediums
zu modifizieren vermögen, wie beispielsweise Puffer, Säuren, Basen. Jedoch wurde in
bestimmten Fällen festgestellt, dass es zur Begünstigung der Copolymerisation zu bevorzugen
ist, wenn das Medium neutral oder sauer ist.
[0031] Die Polymerisationstemperatur, die eine Funktion des verwendeten Initiators und des
herzustellenden Polymerisats ist, liegt im allgemeinen zwischen -5 und +90°C.
[0032] Die erhaltenen Latices weisen Polymerisatpartikel mit einem Durchmesser zwischen
0,03 und 5 µm, vorzugsweise zwischen 0,05 und 1 ktm, auf. Diese Partikel sind im allgemeinen
nicht kalibriert, aber es ist möglich, sie kalibriert zu erhalten, wenn man bekannte
Kalibrierverfahren für die Emulsionspolymerisation anwendet, wie die gesteuerte Zugabe
des Emulgators und/oder des oder der Monomeren und insbesondere die Animpfung. Im
letzten Falle kann der Emulgator in dem Impfmaterial enthalten sein.
[0033] Die Partikel sind aus Homopolymerisat oder Copolymerisat mit einer Oberfläche von
Carboxyl- und/oder Sulfonatfunktionen gebildet. Das Vorhandensein dieser Funktionen
kann durch konduktometrische Titration bestätigt werden.
[0034] Die Herstellung des Polymerisates der äusseren Schicht wird in wässriger Emulsion
in Gegenwart von Kernpolymerisat, Kettenübertragungsmittel, Initiator und gegebenenfalls
Emulgator ausgeführt.
[0035] Die verwendete Menge des Kernpolymerisats liegt zwischen 30 und 99,5 Gew.-% und beträgt.vorzugsweise
60 bis 99 Gew.-%, bezogen auf die Summe von Kernpolymerisat und zu polymerisierendem
Monomer oder zu polymerisierenden Monomeren.
[0036] Das Kettenübertragungsmittel vom Typ Aminophenyldisulfid oder Aminophenylmercaptan
ist insbesondere o,o'-Dithiobisani- lin, p,p'-Dithiobisanilin, 2-Mercaptoanilin, 3-Mercaptoanilin,
4-Mercaptoanilin. Dieses Mittel wird im allgemeinen in Lösung in dem oder den Monomeren
verwendet, und zwar in Mengen zwischen O,1 und 10 Gew.-%, vorzugsweise zwischen 0,5
und 5 Gew.-%, bezogen auf das oder die Monomere.
[0037] Die für die Polymerisation des oder der Monomeren der äusseren Schicht erforderlichen
Initiatoren sind Diazoinitiatoren, Azonitrile wie Azo-bis-isobutyronitril oder wie
sulfonierte Azonitrile, wie sie im französischen Patent Nr. 1.233.582 beschrieben
sind; von diesen kann man erwähnen Azobis-(iso- butyronitrilnatriumsulfonat), Azobis-(a-methylbutyronitril-
natriumsulfonat), Azobis-(a-methyl-ß-äthoxycarbonylbutyronitril- natriumsulfonat);
carboxylierte Azonitrile, wie 4,4'-Azobis-(4- cyanpentansäure) und ihre Salze, Azobis-alkylamidiniumsalze,
wie a,a'-Azobis-isobutyramidiniumchlorid, Azobis-N,N'-dimethylen- isobutyramidiniumchlorid.
[0038] Der Initiator, der in einer Menge von 0,01 bis 3 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 2 Gew.-%,
bezogen auf das oder die Monomeren, verwendet wird, wird insgesamt oder zum Teil vor
der Polymerisation verwendet, wobei der andere Teil im Verlauf der Polymerisation
in nacheinanderfolgenden Fraktionen oder kontinuierlich zu dem Reaktionsmedium zugesetzt
wird, insbesondere wenn die Lebensdauer des Initiators bei der Polymerisationstemperatur
kurz ist. Der Initiator kann auch insgesamt im Verlauf der Polymerisation kontinuierlich
zum Reaktionsmedium zugegeben werden.
[0039] Der allfällige Emulgator wird aus anionaktiven und/oder nichtionogenen Emulgatoren
gewählt, die für die Herstellung des Kernpolymerisats angegeben wurden; er kann gleich
oder verschieden wie der für die Herstellung des Kernpolymerisates verwendete Emulgator
sein. Er wird in Mengen von bis zu 10 Gew.-%, bezogen auf das oder die Monomeren,
verwendet, und seine Einführung kann je nach dem mittleren Durchmesser der Latexpartikel,
der erhalten werden soll, entweder insgesamt vor der Polymerisation oder zum Teil
vor der Polymerisation erfolgen, wobei der restliche Teil im Verlauf der Polymerisation
in nacheinanderfolgenden Fraktionen oder kontinuierlich zugegeben wird, oder sie kann
insgesamt im Verlauf der Polymerisation in aufeinanderfolgenden Fraktionen oder kontinuierlich
erfolgen.
[0040] Die bei der Polymerisation der äusseren Schicht zu verwendende Menge Wasser muss
derart sein, dass die Konzentration von Kernpolymerisat und zu polymerisierendem oder
zu polymerisierenden Monomeren 60 Gew.-%, vorzugsweise 45 Gew.-%, nicht übersteigt.
[0041] Die Polymerisationstemperatur, die eine Funktion des gewählten Initiators ist, liegt
im allgemeinen zwischen 5 und 100°C, vorzugsweise zwischen 40 und 90°C.
[0042] Die erhaltenen Latices weisen Polymerisationspartikel auf, deren Durchmesser zwischen
0,03 und 5 µm, vorzugsweise zwischen 0,05 und 1 µm, liegt; da die Menge der äusseren
Schicht nicht sehr gross ist, modifiziert sie nicht in merklicher Weise die Grösse
der Partikel des Kernpolymerisates. Die Partikel können kalibriert sein oder nicht,
aber bei bestimmten Anwendungen wird es aus Gründen der Reproduzierbarkeit bevorzugt,
dass sie kalibriert sind, d.h. dass sie eine schmale Korngrössenverteilung haben.
[0043] Die Latices sind mechanisch und bei der Lagerung sowie gegen Elektrolyten beständig,
d.h. sie flocken nicht aus, wenn man ihnen Mineralsalze, wie z.B. die Chloride, Nitrate,
Borate, Phosphate des Natriums, Calciums, Magnesiums, Kaliums zusetzt.
[0044] Die Partikel sind aus Polymerisaten gebildet und weisen eine Oberfläche mit Carboxyl-
und/oder Sulfonatfunktionen sowie Gruppen der Formel:

auf.
[0045] Obgleich die äussere Schicht auf dem Kernpolymerisat polymerisiert wird, bleiben
die Carboxyl- und/oder Sulfonatfunktionen zugänglich, wie durch konduktometrische
Titration gezeigt werden kann, und die Gruppen der Formel:

stehen für weitere Reaktionen zur Verfügung.
[0046] Die immunologisch aktiven Materialien (Antigen oder Antikörper) können physikalisch
und/oder chemisch an den erfindungsgemäss verwendeten Latexpolymeren gebunden werden.
[0047] In einer Ausführungsform wird das erfindungsgemässe Reagenz durch Bildung einer Azobindung
zwischen dem Latex und dem immunologisch aktiven Material hergestellt. Zu diesem Zweck
werden durch Behandlung des Latex in wässriger saurer Lösung mit einem Nitrit die
primären aromatischen Aminogruppen des Latex in ein Diazoniumsalz überführt.
[0048] Als Säure kann z.B. eine anorganische Säure wie Salzsäure, Schwefelsäure oder Perchlorsäure
verwendet werden. Als Nitrit wird vorzugsweise Natriumnitrit oder Kaliumnitrit verwendet.
Die Reaktion wird wegen der Instabilität der Diazoniumsalze vorzugsweise bei 0-5 C
ausgeführt.
[0049] Das immunologische aktive Material wird anschliesscnd im wässrigen Medium, vorzugsweise
zwischen 0°C und Zimmertemperatur,mit dem diazotierten Träger zur Reaktion gebracht.
[0050] In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens kann das immunologisch
aktive Material mit Hilfe einer polyfunktionellen Verbindung über ein Zwischenstück
an den gemäss vorliegender Erfindung verwendeten Latex gebunden werden.
[0051] Als polyfunktionelle Verbindungen eignen sich diejenigen, welche mit den aromatischen
Aminogruppen des Latexpolymeren reagieren oder an den aromatischen Ring des Latexpolymeren
eine Substitutionsreaktion eingehen und gleichzeitig mit funktionellen Gruppen des
immunologisch aktiven Materials, wie
Amino-, Mercapto-, Carbonyl- and Hydroxylgruppen, reagieren oder eine Substitutionsreaktion
an dem aromatischen Ring des immunologisch aktiven Materials eingehen.
[0052] Repräsentative Vertreter derartiger polyfunktioneller Verbindungen sind Azó-, Isocyano-,
Isothiocyano- oder Aldehydgruppen enthaltenden Verbindungen wie z.B. Bis-diazobenzidin,
Bis-diazobenzidin-disulfonsäure, Bis-diazo-p-phenyldiamin, Phenyldiisocyanat, Toluoldiisocyanat,
Glutardialdehyd.
[0053] Bei Umsetzung in Gegenwart einer bifunktionellen Verbindung wird das immunologisch
aktive Material in wässrigem Medium, vorzugsweise bei Zimmertemperatur (20°C bis 25°C),
mit dem Träger zur Reaktion gebracht. Die Temperatur kann jedoch auch zwischen 0°C
und 40°C liegen.
[0054] Die Menge der verwendeten bifunktionellen Verbindung hängt ab von der Zahl der Aminogruppen
auf dem Latex. Vorzugsweise wird ein zehn- bis hundert-facher molarer Ueberschuss
der bifunktionellen Verbindung gegenüber der Zahl der Aminogruppen des eingesetztes
Latex verwendet.
[0055] In beiden Ausführungsformen zur Herstellung des erfindungsgemässen Reagenz ist der
pH-Wert der Reaktion wichtig. Er darf nicht so gewählt werden, dass ein Protein-Reaktionspartner
denaturiert wird. In der Regel liegt der pH-Wert zwischen 5 und 9. Dieser pH-Wert
wird unter Verwendung von geeigneten üblichen. Puffer-Systemen Wie Phosphatpuffer
und dgl., aufrechterhalten.
[0056] Das Endprodukt ist ein wassernlösliches Material, welches in einer wässrigen Pufferlösung
von pH-Wert 5,0 bis 9 suspendiert ist, wobei der pH-Wert der Lösung von dem im einzelnen
verwendeten System und von den Anforderungen an die Stabilität des immunologisch aktiven
Materials abhängig ist. Das spezifische Gewicht des Produktes entspricht etwa demjenigen
von Wasser (0,97-1,02), wodurch eine stabile Suspension des Produkts erreicht wird.
Die Produkte können z.B. durch Zentrifugieren in Form eines weissen oder gelblichen
Niederschlags isoliert werden.
[0057] Die Menge an immunologisch aktivem Material, das an die immunologisch inerten LatexpolymernTräger
gebunden ist, beträgt in der Regel 0,01 bis 15,0 Gew.%. Jedoch wird jedes einzelne
immunologisch aktive Material in einer Menge benützt, welche sich in einem diagnostischen
Test am zweckmässigsten erweist. Aus diesem Grunde wird jedes Material mit dem Träger
in einem Verhältnis kombiniert, welches den jeweiligen spezifischen Anforderungen
am besten entspricht. Die vorliegende Erfindung umfasst deshalb die Verwendung einer
solchen Menge an immunologisch aktivem Material in Kombination mit einem immunologisch
inerten Latexpolymer-Träger, die geeignet ist, ein für derartige diagnostische Zwecke
nützliches Reagens zu liefern.
[0058] Nach seiner Herstellung kann das Produkt in spezifischen diagnostischen Tests, welche
auf immunologischen Prinzipien aufgebaut sind, verwendet werden.
[0059] Erfindungsgemäss kann die Bestimmung der immunologisch aktiven Substanz sowohl in
einem direkten wie auch in einem indirekten (Inhibitions-) Testverfahren durchgeführt
werden.
[0060] Im direkten Testverfahren werden zur Bestimmung einer immunologisch aktiven Substanz
die Analysenprobe und die mit dem entsprechenden immunologischen Reaktionspartner
beschichteten Latexteilchen vermischt und das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
Der Test ist positiv, wenn eine Agglutination festgestellt wird.
[0061] Beim indirekten (Inhibitions-)-Testverfahren wird zur Bestimmung einer immunologisch
aktiven Substanz die Analysenprobe mit einer bestimmten Menge des entsprechenden immunologischen
Reaktionspartners(z.B. Antiserum) und Latexteilchen, die mit der immunologisch aktiven
Substanz beschichtet sind, vermischt und das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
Der Test ist positiv, wenn keine Agglutination festgestellt wird.
[0062] Die in derartigen immunologischen Testverfahren nutzbaren Reagenzien können vorteilhaft
für kommerzielle Zwecke in eine diagnostische Testgarnitur abgepackt werden.
[0063] Im Falle eines direkten Tests enthält die Reagenziengarnitur zur Bestimmung einer
immunologisch aktiven Substanz in einem Behälter eine wässrige Suspension von mit
dem entsprechenden immunologischen Reaktionspartner beschichteten Latexteilchen.
[0064] Im Falle eines indirekten Tests enthält die Reagenziengarnitur zur Bestimmung einer
immunologisch aktiven Substanz in einem ersten Behälter eine Lösung des entsprechenden
immunologischen Reaktionspartners (z.B. Antiserum) und in . einem zweiten Behälter
eine wässrige Suspension von mit dem immunologisch aktiven Material beschichteten
Latexteilchen.
[0065] In beiden Fällen kann die wässrige Suspension des an Latex gebundenen immunologisch
aktiven Materials oder des an Latex gebundenen immunologischen Reaktionspartners in
irgendeiner Konzentration vorhanden sein. Jedoch ist eine Konzentration von 0,5 bis
5 Gew.% bevorzugt.
[0066] Die Erfindung wird anhand der folgenden Beispielen veranschaulicht.
Beispiel 1
[0067] In einem Autoklaven von 25 Liter stellt man einen Latex von Kernpolymerisat her,
wobei man verwendet:
4800 g entionisiertes Wasser
50 g Kaliumpersulfat
50 g Natriumpyrophosphat
10 g Natriumlaurylsulfat
50 g Natriummethallylsulfonat
100 g Acrylsäure
100 g Itaconsäure
2135 g Styrol
2865 g Butadien
[0068] Die Polymerisation wird bei 75°C unter Stickstoffatmosphäre ausgeführt, wobei die
Monomeren im Verlauf von 7 Stunden kontinuierlich eingeführt werden und die Reaktion
8 Stunden lang fortgesetzt wird.
[0069] Nach dem Abkühlen erhält man einen Latex vom pH = 2,5, dessen Konzentration an Polymerisatpartikeln
51 Gew.-% beträgt.
[0070] Durch Elektronenmikroskopie stellt man fest, dass die Partikel einen mittleren Durchmesser
von 0,145 µm haben; 90% der Partikel haben einen Durchmesser zwischen 0,14 und 0,15
µm.
[0071] Die Zusammensetzung des Polymerisates ist im wesentlichen gleich wie diejenige der
verwendeten Monomeren. Die Partikel tragen auf ihrer Oberfläche Carboxyl- und Sulfonatfunktionen,
die durch konduktometrische Titration bestimmt werden.
[0072] 406 g des erhaltenen Latex und 1541 g entionisiertes Wasser werden in einen Reaktor
eingeführt. Das Gemisch wird unter Rühren auf 70°C erhitzt; diese Temperatur wird
während der ganzen Dauer der Reaktion aufrechterhalten.
[0073] Sobald das Gemisch. 70°C erreicht hat, wird es unter Stickstoffatmosphäre gehalten;
man gibt in 3 Stunden mit konstanter Geschwindigkeit gleichzeitig 1,25 g Natriumdihexylsulfosuccinat
in 15
0 g Wasser, 0,20 g a,a'-Azobis-isobutyramidiniumchlorid in 210 g Wasser, 18 g Styrol,
die 0,45 g p,p'-Dithiobisanilin enthalten, zu.
[0074] Dann wird die Polymerisation 5 Stunden lang fortgesetzt. Das Gemisch wird danach
abgekühlt.
Eigenschaften des erhaltenen Latex:
[0075] pH: 3,1
Konzentration an Polymerisationspartikeln: 9,3 Gew.-%
Elektrolytbeständigkeit: 5
[0076] mittlerer Durchmesser der Partikel: 0,15 m, wobei 90% einen Durchmesser zwischen
0,145 und 0,155 pm haben.
[0077] Die Partikel tragen auf ihrer Oberfläche Carboxyl- und Sulfonatfunktionen, die durch
konduktometrische Titration bestätigt werden, und Gruppen der Formel:

[0078] 1 ml von dem oben hergestellten 10%igen Latex wird 20 ml Wasser zugesetzt und die
Mischung 1 1/2 Stunden bei 35'000 g zentrifugiert. Der Ueberstand wird abdekantiert,
der Rückstand in 20 ml Wasser aufgenommen und nochmals 1 1/2 Stunden bei 35'000 g
zentrifugiert. Diese Operation wird zweimal wiederholt und der so erhaltene Latex
wird in den folgenden Beispielen als "gewaschener Latex" bezeichnet.
[0079] 5 mg humanes Immunoglobulin G (Cohn Fraktion II) wird durch Erhitzen auf 60°C während
3 Stunden in 1 ml 0,1 M Glycin-HCl Puffer pH 4 denaturiert..
[0080] 1 ml gewaschener Latex wird 5 ml 0,05 M HC1 zugesetzt und die Mischung auf 0°C abgekühlt.
Zu dieser Mischung wird 0,1 ml einer 0,01 M NaN0
2 Lösung gegeben und es wird 15 Minuten bei 0°C gerührt. Der diazotierte Latex wird
bei 5°C 1 1/2 Stunden bei 35'000 g zentrifugiert und der Ueberstand abdekantiert.
Der Rückstand wird in 5 ml eisgekühltem 0,1 M Glycin-HCl Puffer pH 4,0 aufgenommen
und im gleichen Puffer 1 ml 0,5%iges denaturiertes humanes Immunoglobulin G zugegeben,
1 Stunde im Eisbad gerührt und anschliessend über Nacht bei 10° stehen gelassen. Der
Latex wird 1 1/2 Stunden bei 35'000 g abzentrifugiert, der Ueberstand abdekantiert
und der Rückstand zweimal mit je 25 ml 0,1 M Glycin-NaOH Puffer pH 8,2 gewaschen,
durch Zentrifugieren und Aufschlämmen des Rückstandes. Dem Latex wird nun soviel Puffer
zugesetzt, dass eine Lösung mit 30 mg/ml resultiert.
Agglutinationstest:
[0081] Für den Röhrchen-Agglutinationstest wird der folgende Puffer verwendet: 7,5 g Glycin,
6,0 g CaCl
2, 3 g Rinderalbumin, 1 g NaN
3 gelöst in 1 Liter Wasser. Der pH-Wert wird mit NaOH auf 8,2 eingestellt. Für den
Nachweis der Rheumafaktoren im Serum wird in einem kleinen Reagenzglas 20 µl Latex
mit 3 ml Puffer verdünnt und 25 µl des zu untersuchenden Serums zugegeben. Nach dem
Durchmischen werden die Röhrchen während 2 Stunden in einem Wärmeblock bei 37°C gehalten.
Ein positives Serum agglutiniert unter diesen Bedingungen während ein negatives Kontrollsystem
keine Agglutination zeigt.
Beispiel 2
[0082] 1 ml gewaschener Latex wird wie in Beispiel 1 hergestellt und diazotiert. Dem diazotierten
Latexrückstand wird 5 ml eiskalter 0,1 M Glycin-NaOH Puffer pH 6,0 zugesetzt und 5
mg Ziegen anti-Humanalbumin Immunoglobulin G in 1 ml obigem Puffer gelöst zugegeben
und die Mischung wird nach Rühren während 1 Stunde bei 10°C über Nacht stehen gelassen.
Der Latex wird bei 35'000 g während 1 1/2 Stunden abzentrifugiert, der Ueberstand
verworfen und das Sediment zweimal mit je 25 ml 0,1 M Glycin-NaOH pH 8,2 gewaschen.
Nach dem Waschen wird der Latex mit soviel Puffer vermischt, dass eine 3%ige Lösung
erhalten wird.
Agglutinationstest:
[0083] Für den Röhrchenagglutinationstest wird der folgende Puffer verwendet: 7,5 g Glycin,
6,0 g CaCl
2, 3 g Rinderalbumin und 1,0 g NaN
3 werden in 1 Liter Wasser gelöst und das pH mit Salzsäure auf 6,0 eingestellt. Es
wird in kleinen Reagenzgläsern eine Konzentrationsreihe von Humanalbumin in 3 ml Puffer
erstellt, je 20 µl Latex zugegeben und nach Durchmischen 2 Stunden bei 37°C in einem
Wärmeblock gehalten.

[0084] Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass mit dem so hergestellten Latex 0,05 µg Humanalbumin/ml
bestimmt werden kann. ,
Beispiel 3
[0085] 1 ml gewaschenem Latex von Beispiel 1 wird 5 ml 0,1 M Phosphatpuffer pH 5,0 zugesetzt
und 5 mg Schaf anti-Human IgG Immunoglobulin G in 1 ml Puffer zugegeben und es wird
gut gerührt Anschliessend wird 0,1 ml einer 0,01 M p-Phenyldiisothiocyanatlösung in
Dimethylformamid zugegeben, 1 Stunde gerührt und bei Raumtemperatur über Nacht stehen
gelassen. Der Latex wird 1
1/2 Stunden bei 35'000 g zentrifugiert, der Ueberstand verworfen und der Rückstand zweimal
mit je 25 ml 0,1 M Glycin-NaOH Puffer pH 8,2 gewaschen. Für den Agglutinationstest
wird der Latex in einer Konzentration von 30 mg/ml eingesetzt.
Agglutinationstest:
[0086] Für den Röhrchenagglutinationstest wird ein 0,1 M Phosphatpuffer pH 6,0 mit 0,1%
Rinderalbumin verwendet. Es wird eine Konzentrationsreihe von Human IgG in 3 ml Puffer
hergestellt. Zu jedem Röhrchen werden 20 µl Latexreagens gegeben, durchmischt und
2 Stunden bei 37°C inkubiert im Wärmeblock.

[0087] Die Tabelle zeigt, dass mit diesem Latexreagens 0,1 µg/ml Human IgG noch bestimmt
werden können.
Beispiel 4
[0088] 36,8 mg Benzidin werden in 0,5 ml 2 NaCl gelöst und mit 7,5 ml Wasser verdünnt. Die
Mischung wird im Eisbad gekühlt und unter Rühren 27,2 mg NaN0
2 in 2 ml Wasser zugetropft. Das so erhaltene bisdiazotierte Benzidin ist bei -20]-während
Wochen haltbar.
[0089] 1 ml gewaschener Latex von Beispiel 1 wird in 5 ml 0,1 M Phosphatpuffer pH 7,0 aufgenommen
und 5 mg humanes Immunoglobulin G in 1 ml obigem Puffer zugegeben. Die Suspension
wird auf 0° abgekühlt und unter Rühren 0,01 ml einer 0,02 M . bisdiazotierten Benzidinlösung
zugegeben und anschliessend bei 1
00 über Nacht stehen gelassen. Der Latex wird bei 30'000 g während 1 1/2 Stunden zentrifugiert,
der Ueberstand verworfen und das Sediment zweimal mit je 25 ml 0,1 M Glycin-NaOH pH
8,2 gewaschen. Nach dem Waschen wird der Latex wird soviel Puffer vermischt, dass
eine 3%ige Lösung erhalten wird.
Agglutinationstest:
[0090] Für die Bestimmung von IgG im Inhibitionstest wird ein 0,1 M Phosphatpuffer pH 6,0
verwendet. In kleine Reagenzgläser wird je 3 ml eines 1/500 verdünnten Schaf anti-human
IgG Serums und steigende Mengen von human IgG gegeben. Nach Inkubation während 15
Minuten bei 37°C wird in jedes Röhrchen 20 µl Latexreagenz gegeben und 3 Stunden bei
37°C inkubiert.

[0091] Es lassen sich mit dem oben beschriebenen Latexreagenz 0,16 µg human IgG/ml bestimmen.
1. Wasserunlösliches Reagenz für eine immunologische Bestimmung,mit einem etwa dem
von Wasser entsprechenden spezifischen Gewicht in Form diskreter Latexteilchen, an
welche ein immunologisch aktives Material gebunden ist, dadurch gekennzeichnet, dass
der Latex aus einer Dispersion von Partikeln von Vinylpolymerisaten besteht, die als
Endgruppen Gruppen der Formel:

tragen, wobei die Partikel aus einem Kern von Vinyl- und/oder
Dienpolymerisat, das Carboxyl- und/oder Sulfonatfunktionen trägt, und aus einer äusseren
Schicht von Vinylpolymerisat, das als Endgruppen Gruppen der Formel:

trägt, gebildet sind und einen mittleren Durchmesser zwischen 0,03 und 5 µm haben.
2. Reagenz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Vinylpolymerisate entweder
Homopolymerisate von Monomeren sind, die aus Styrol und seinen Derivaten, Vinylchlorid,
Vinylidenchlorid, Vinylacetat, Acrylderivaten gewählt sind, oder Copolymerisate dieser
Monomeren untereinander und/oder mit modifizierend wirkenden Vinyl-Comonomeren sind,
die bis zu 5 Gew.-% des Copolymerisats ausmachen.
3. Reagenz nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Dienpolymerisate
Homopolymerisate des Butadiens und seiner Derivate oder Copolymerisate dieser Monomeren
untereinander und/oder mit Vinylmonomeren und/oder modifizierend wirkenden Vinylcomonomeren,
die bis zu 5 Gew.-% des Copolymerisats ausmachen, sind.
4. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Vinylpolymerisate,
die die äussere Schicht bilden, Homopolymerisate des Styrols und seiner Derivate,
von Alkylacrylaten und Alkylmethacrylaten (Alkyl mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen),
von Acrylnitril oder Methacrylnitril, sowie Copolymerisate dieser Monomeren untereinander
und/oder mit modifizierend wirkenden Vinylcomonomeren sind, die bis zu 5 Gew.-% des
Copolymerisates ausmachen.
5. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Kernpolymerisat
30 bis 99,5 Gew.-% der Partikel und das Polymerisat der äusseren Schicht 70 bis 0,5
Gew.-% der Partikel ausmacht.
6. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das immunologische
aktive Material an einen gemäss Beispiel 1 hergestellten Latex gebunden ist.
7. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Menge
des immunologisch aktiven Materials 0,01 bis 15,0 Gew.-% beträgt.
8. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das immunologisch
aktive Material kovalent an die diskreten Teilchen des Latexpolymeren gebunden ist.
9. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das immunologisch
aktive Material humanes Immunoglobulin G ist.
10. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das immunologisch
aktive Material Ziegen anti-Humanalbumin Immunoglobulin G ist.
11. Reagenz nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das immunologisch
aktive Material Schaf anti-Human IgG Immunoglobulin G ist.
12. Verfahren zur Herstellung eines Reagens nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch
gekennzeichnet, dass man den Latex nach Diazotierung oder unter Verwendung von geeigneten
bifunktionellen Verbindungen mit dem immunologisch aktiven Material umsetzt.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass man den gemäss Beispiel
1 hergestellten Latex nach Diazotierung mit denaturiertem humanem Immunoglobulin G
umsetzt.
14. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass man den gemäss Beispiel
1 hergestellten Latex nach Diazotierung mit Ziegen anti-Humanalbumin Immunoglobulin
G umsetzt.
15. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass man den gemäss Beispiel
1 hergestellten Latex unter Verwendung von p-Phenyldiisothiocyanat mit Schaf anti-Human
IgG Immunoglobulin G umsetzt..
16. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass man den gemäss Beispiel
1 hergestellten Latex unter Verwendung von Bis-diazobenzidin mit humanem Immunoglobulin
G umsetzt.
17. Verfahren zur Bestimmung einer immunologisch aktiven Substanz in einer Probe,
dadurch gekennzeichnet, dass man die Probe und die mit dem entsprechenden immunologischen
Reaktionspartner beschichteten Teilchen eines in den Ansprüchen 1 bis 5 definierten
Latex vermischt und das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
18. Verfahren zur Bestimmung einer immunologisch aktiven Substanz in einer Probe,
dadurch gekennzeichnet, dass man die Probe mit einer bestimmten Menge des entsprechenden
immunologischen Reaktionspartners und mit der immunologischen aktiven Substanz beschichteten
Teilchen eines in den Ansprüchen 1 bis 5 definierten Latex vermischt und das Auftreten
einer Agglutination beobachtet.
19. Verfahren nach Anspruch 17 zur Bestimmung des Rheumatoidfaktors in einer Probe, dadurch gekennzeichnet, dass man die Probe und mit
denaturiertem humanen Immunoglobulin G beschichteten Teilchen eines gemäss Beispiel
1 hergestellten Latex vermischt und das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
20. Verfahren nach Anspruch 17 zur Bestimmung von Humanalbumin in einer Probe, dadurch
gekennzeichnet, dass man die Probe und mit Ziegen anti-Humanalbumin Immunoglobulin
G beschichteten Teilchen eines gemäss Beispiel 1 hergestellten Latex vermischt und
das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
21. Verfahren nach Anspruch 17 zur Bestimmung von Human Immunoglobulin G in einer
Probe, dadurch gekennzeichnet, dass man die Probe und mit Schaf anti-Human IgG-Immunoglobulin
G beschichteten Teilchen eines gemäss Beispiel 1 hergestellten Latex vermischt und
das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
22. Verfahren nach Anspruch 18 zur Bestimmung von Human Immunoglobulin G in eine Probe,
dadurch gekennzeichnet, dass man die Probe mit anti-Human-Immunoglobulin G Serum und
mit Human Immunoglobulin G beschichteten Teilchen eines gemäss Beispiel 1 hergestellten
Latex vermischt und das Auftreten einer Agglutination beobachtet.
23. Reagenziengarnitur zur Bestimmung einer immunologisch aktiven Substanz in einer
Probe enthaltend in einem Behälter eine wässrige Suspension von mit dem entsprechenden
immunologischen Reaktionspartner beschichteten Teilchen eines in den Ansprüchen 1
bis 5 definierten Latex.
24. Reagenziengarnitur zur Bestimmung einer immunologisch aktiven Substanz in einer
Probe enthaltend in einem ersten Behälter eine Lösung des entsprechend immunologischen
Reaktionspartners und in einem zweiten Behälter eine wässrige Suspension von mit dem
immunologisch aktiven Material beschichteten Teilchen eines in den Ansprüchen 1 bis
5 definierten Latex.
25. Verwendung von einem in den Ansprüchen 1 bis 5 definierten Latex als Träger für
immunologische Bestimmungen.
26. Verwendung eines Reagens nach einem der Ansprüche 1 bis 11 in immunologischen
Bestimmungen.