[0001] Die Erfindung betrifft eine Konverteranlage mit einem kippbaren Konvertergefäß, welches
von einem Gehäuse umgeben ist, an dessen Decke eine Hauptabzugsleitung zum Ableiten
der Frischgase und eine Nebenabzugsleitung zum Ableiten des beim Chargieren bzw. Abgießen
entstehenden Rauches angeschlossen ist, wobei eine Seitenwand des Gehäuses eine mit
einer Tür verschließbare öffnung aufweist.
[0002] Beim Betrieb eines Stahlwerkskonverters treten während des Frischens Abgase aus der
Konvertermündung aus, die hauptsächlich aus Kohlenoxiden und mitgeführten FeO-Teilchen
bestehen. Diese auch als Hauptemissionen bezeichneten Abgase müssen gereinigt und
eventuell ihre enthaltene Energie gewonnen werden, bevor sie in die Atmosphäre abgelassen
werden dürfen. Auch beim Chargieren eines Konverters mit Schrott und Roheisen und
beim Abstich des flüssigen Stahles in die Gießpfanne kommt es zu einer mitunter starken
Rauchentwicklung, wobei diese Abgase als Nebenemissionen oder Sekundärabgase bezeichnet
werden. Eine noch stärkere Belastung durch Rauch- und Qualmentwicklung ist in Stahlwerken
mit bodenblasenden Konvertern, z.B. bei Durchführung des OBM-Verfahrens, gegeben,
da die Einführung von Hilfsstoffen in die Bodendüsen Auswürfe in Form von Funkenregen
verursacht.
[0003] In neuerer Zeit und in höher entwickelten Industrieländern bestehen strenge Vorschriften
zur Vermeidung bzw. zur Herabsetzung der Emissionen und ebenso Vorschriften für die
Erhöhung der Sicherheit des Betriebspersonales. Die bekannten Einrichtungen zum Ableiten
von Sekundärabgasen werden diesen erhöhten Anforderungen nicht gerecht. Diese bekannten,
als Abzugshauben ausgebildeten Einrichtungen, die vor der Konvertermündung angeordnet
und an Abzugsleitungen angeschlossen sind, können die Sekundärabgase nicht verläßlich
aufnehmen.
[0004] Es ist auch eine Einrichtung der eingangs bezeichneten Art, ein sogenanntes "Doghouse"
bekannt geworden (DE-OS 22 33 443), bei dem ein Stahlwerkskonverter allseitig mit
geringem, jedoch eine Kippbewegung zulassendem Abstand in ein Gehäuse eingebaut ist.
Die Chargierung des Konverters erfolgt dabei durch eine Chargieröffnung in einer Seitenwand
des Gehäuses, in welche öffnung die Schnauze einer Chargierpfanne oder eine Chargierrinne
einführbar ist. Während des Chargierens bleibt die Chargieröffnung offen, und es ist
daher nicht zu verhindern, daß die Schadstoffe der Nebenemissionen auch durch die
Chargieröffnung austreten, in die Atmosphäre gelangen und die Personalsicherheit gefährden.
Diese Gefahr ist besonders bei OBM-Konvertern bei Beaufschlagung der Bodendüsen vorhanden.
[0005] Die Erfindung bezweckt die Vermeidung der geschilderten Nachteile und Schwierigkeiten
und stellt sich die Aufgabe, eine Konverteranlage zu schaffen, die eine vollständige
Ummantelung der Abgase bzw. Emissionen erzeugenden Quellen bzw. Anlagenteile ohne
Behinderung des Arbeitsablaufes sicherstellt.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einer Anlage der definierten Art dadurch gelöst, daß das Gehäuse
in der Kipprichtung des Konverters erweitert ist, in welchen erweiterten Raum ein
einen Chargierbehälter, z.B. eine Gießpfanne, tragender Wagen durch die öffnung in
der Seitenwand des Gehäuses einfahrbar ist, welche öffnung in der eingefahrenen Stellung
während des Chargierens bzw. Abgießens vollständig schließbar ist. Die Tür zum Verschließen
der öffnung kann als Schiebetür, vorzugsweise zweiteilig ausgebildet sein.
[0007] Abhängig von der Größe der Chargierbehälter (bei der Kippbewegung) kann der erweiterte
Raum höher als der übrige, den Konverter umgebende Raum sein, wobei am höchsten Punkt
des Gehäuses die Nebenabzugsleitung anschließt.
[0008] Weitere bevorzugte Merkmale der erfindungsgemäßen Anlage bestehen darin, daß für
die Hauptabzugsleitung und die Nebenabzugsleitung eine gemeinsame Filteranlage vorgesehen
werden kann, daß der Chargierwagen mit mechanischen oder hydraulischen Hubeinrichtungen
zum Kippen der Chargierbehälter ausgestattet ist, oder daß an der Decke des Gehäuses
im Bereich des erweiterten Raumes ein Seilhebezeug zum Kippen der Chargierbehälter
vorgesehen ist.
[0009] Die Erfindung ist an zwei Ausführungsbeispielen in der Zeichnung näher erläutert,
wobei die beiden Fig. 1 und 2 jeweils eine Seitenansicht darstellen, wobei eine Seitenwand
des Gehäuses abgenommen ist.
[0010] An dem in Fig. 1 dargestellten Konverterstand ist der Konverter mit 1 bezeichnet.
Er ist allseitig umgeben von einem Gehäuse 2, welches nach oben durch die Decke 3
abgeschlossen ist. Oberhalb der Mündung des Konverters, wenn sich dieser in aufrechter
Blasstellung befindet, schließt die Hauptabzugsleitung, der Kamin 4, an, die zu einer
Filteranlage führt. Gemäß der Erfindung ist das Gehäuse in der Kipprichtung des Konverters
- der Konverter 1 ist in Fig. 1 in gekippter Lage dargestellt - erweitert,wobei dieser
erweiterte Raum mit 5 bezeichnet ist. Er ist nach oben zu abgeschlossen mit dem Deckenteil
6, der höher angeordnet sein kann als der Deckenteil 3. An der höchsten Stelle schließt
die Nebenabzugsleitung 7 an. Der mit 8 bezeichnete Aufbau auf das Gehäuse 2 bildet
den Übergang zum erhöhten Deckenteil 6 des erweiterten Raumes 5. In der der Hinterwand
gegenüberliegenden Wand des Gehäuses ist eine öffnung vorgesehen, die durch eine Tür
9 verschließbar ist. Diese Tür kann als ein- oder zweiteilige Schiebetür ausgebildet
werden und wird auf Rollen 10 an einem Träger an der Decke des Gehäuses und auf Rollen
11 am Boden geführt. Wie aus der Zeichnung ersichtlich ist, ist in den erweiterten
Raum 5 ein Wagen 12 durch die geöffnete Tür einfahrbar. Dieser Wagen kann einen Chargierbehälter,
z.B. eine Roheisenpfanne 13 oder eine Schrottschurre 14, aufnehmen. Mit 15 und 16
sind jeweils zugehörige hydraulische Kippvorrichtungen bezeichnet.
[0011] Die Einrichtung nach Fig. 2 entspricht im wesentlichen jener der Fig. 1, lediglich
mit dem Unterschied, daß statt der hydraulischen Kippvorrichtungen 15, 16 ein Seilhubwerk
17 an der Decke 6 befestigt ist, mit dem das Kippen der Chargierbehälter bewerkstelligt
wird.
[0012] Der Betrieb der Anlage geht derart vor sich, daß in der gekippten Stellung des Konverters
zuerst Schrott chargiert wird. Zu diesem Zweck wird außerhalb des Gehäuses die beladene
Schrottschurre mittels eines Schrottmanipulationskranes auf den Chargierwagen aufgesetzt
und dieser wird bei geöffneter Tür in die Chargierstellung gefahren. Dann wird die
Tür geschlossen und der Kippvorgang eingeleitet. Die während des Chargierens entstehenden
Rauchschwaden sammeln sich unterhalb der Decke 6 und werden durch die Hauptabzugsleitung
4 und die Nebenabzugsleitung 7 abgeleitet bzw. abgesaugt. Danach wird der Chargierwagen
ausgefahren, mit einer Roheisenpfanne beladen und das Chargieren mit dem flüssigen
Roheisen in gleicher Weise durchgeführt. Während des Chargierens bleibt die Tür geschlossen,
und der Konverterstand ist gegen die Halle vollständig abgedichtet. Auch beim anschließenden
Frischen in aufrechter Stellung des Konverters bleibt die Tür geschlossen, sodaß kein
Auswurf, Funkenregen od. dgl., in die Halle gelangt. Sobald der Frischvorgang beendet
ist, wird der Stahl in die Pfannen

. Während der Abgießphase kann die Hauptabzugsleitung abgestellt werden. Der entstehende
Rauch sammelt sich im Raum unterhalb der Decke 6 und wird durch die Nebenabzugsleitung
7 abgeführt. Die Tür 9 bleibt dabei geschlossen.
1. Konverteranlage mit einem kippbaren Konvertergefäß, welches von einem Gehäuse umgeben
ist, an dessen Decke eine Hauptabzugsleitung zum Ableiten der Frischgase und eine
Nebenabzugsleitung zum Ableiten des beim Chargieren bzw. Abgießen entstehenden Rauches
angeschlossen ist, wobei eine Seitenwand des Gehäuses eine mit einer Tür verschließbare
öffnung aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß das Gehäuse (2) in der Kipprichtung
des Konverters (1) erweitert ist, in welchen erweiterten Raum (5) ein einen Chargierbehälter
(13, 14) tragender Wagen (12) durch die Öffnung in der Seitenwand des Gehäuses (2)
einfahrbar ist, welche öffnung in der eingefahrenen Stellung während des Chargierens
bzw. Abgießens vollständig schließbar ist.
2. Anlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der erweiterte Raum (5) höher
ist als der übrige, den Konverter (1) umgebende Raum, wobei am höchsten Punkt des
Gehäuses die Nebenabzugsleitung (7) anschließt.
3. Anlage nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß für die Hauptabzugsleitung
(4) und die Nebenabzugsleitung (7) eine gemeinsame Filteranlage vorgesehen ist.
4. Anlage nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Chargierwagen
(12) mit mechanischen oder hydraulischen Hubeinrichtungen (15, 16) zum Kippen der
Chargierbehälter (13, 14) ausgestattet ist.
5. Anlage nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß an der Decke (6)
des Gehäuses im Bereich des erweiterten Raumes (5) ein Seilhebezeug (17) zum Kippen
der Chargierbehälter vorgesehen ist.