[0001] Die Erfindung betrifft Carbonatgruppen enthaltende aliphatische Polyester und ein
Verfahren zu ihrer Herstellung. Aliphatische Polyester können durch Kondensation von
Diolen mit Dicarbonsäuren oder Dicarbonsäurederivaten oder durch Polykondensation
von Hydroxycarbonsäuren oder Lactonen hergestellt werden. Sie haben meist relativ
niedrige Molekulargewichte bis zu einigen Tausend und können als Diolkomponenten bei
der Herstellung von Polyurethanen verwendet werden. Es wurde gefunden, daß man Carbonatgruppen
enthaltende aliphatische Polyester mit Molekulargewichten über 20 000 erhält, wenn
man Polyesterdiole, bevorzugt mit Molekulargewichten Mn von 800, insbesondere von
1400 bis etwa 3500, mit bifunktionellen Kohlensäurederivaten in möglichst äquimolaren
Mengen im Vakuum (unterhalb 35 Torr, bevorzugt bei 25 bis 1 Torr) bei einer Temperatur
zwischen 100°C und 300°C, vorzugsweise 130 bis 200°C, in Gegenwart von Katalysatoren
polykondensiert und die dabei entstehenden Kondensationsprodukte abdestilliert. Molekulargewichte
sind hier und im folgenden immer das Zahlenmittel (Mn) des Molekulargewichts.
[0002] Gegenstand der Erfindung sind somit Carbonatgruppen enthaltende Polyester, die aus
wiederkehrenden Struktureinheiten der Formel

aufgebaut sind, in der
X der Rest eines Umsetzungsproduktes eines mehrwertigen Alkohols mit einer mehrwertigen
aliphatischen Carbonsäure mit einem Molekulargewicht von 800 bis 3500 ist,
X' = X oder den Rest eines aliphatischen Polyäthers vom Molekulargewicht 800 bis 3500
darstellt,
n ist = 0 oder 1 bis 10 und
m eine Zahl > 20, bevorzugt 22 bis 100, bedeutet, wobei die Grenzviskosität in Tetrahydrofuran
(Staudinger-Index) [η] 0,8 bis 2,5

ist.
[0003] Umsetzungsprodukte von mehrwertigen Alkoholen mit mehrwertigen aliphatischen Carbonsäuren
sind bevorzugt solche von zweiwertigen und gegebenenfalls zusätzlich dreiwertigen
Alkoholen mit vorzugsweise zweiwertigen aliphatischen Carbonsäuren. Anstelle der freien
Carbonsäuren können auch deren Anhydride oder Ester mit niederen Alkoholen oder deren
Gemische verwendet werden. Die mehrwertigen Carbonsäuren sind bevorzugt acyclisch.
Als Beispiele seien genannt Oxalsäure, Malonsäure, Bernsteinsäure, Adipinsäure, Korksäure,
Azelainsäure, Sebacinsäure, Hexahydrophthalsäureanhydrid, Glutarsäureanhydrid.
[0004] Als mehrwertige Alkohole kommen, gegebenenfalls im Gemisch miteinander, z.B. Äthylenglykol,
Propylenglykol-(1,2) und -(1,3, Butylenglykol-(1,4) und -(2,3), Hexandiol-(1,6), Octandiol-(1,8),
Neopentylglykol, Cyclohexandimethanol, 1,4-Bis-(hydroxymethylcyclohexan), 2-Methyl-1,3-propandiol,
Diäthylenglykol, Triäthylenglykol, Tetraäthylenglykol, Dipropylenglykol und Dibutylenglykol
in Frage.
[0005] Die aus diesen Carbonsäuren und Alkoholen erhaltenen Umsetzungsprodukte stellen Polyester
mit endständigen Hydroxylgruppen dar. Sie haben Molekulargewichte von ca. 800 bis
ca. 3500, sie können durch die Formel HO-X-OH symbolisiert werden, wobei X die oben
angegebene Bedeutung hat. Wie bereits angegeben, entstehen die erfindungsgemäßen Carbonatgruppen
enthaltenden Polyester aus diesen Polyestern mit endständigen Hydroxylgruppen durch
Umsetzung mit bifunktionellen Kohlensäurearylestern.
[0006] Bifunktionelle Kohlensäurearylester sind insbesondere die der Formel (11)

worin
Ar ein substituierter oder unsubstituierter Arylrest mit 6 bis 18 C-Atomen, vorzugsweise
mit 6 C-Atomen, ist,
n = 0 oder 1 bis 10 ist und
X' der bivalente Rest eines Polyesters oder Polyäthers, wie weiter oben definiert.
Solche Verbindungen sind bekannt.
[0007] Zur Umsetzung der Hydroxylgruppen enthaltenden Polyester und der Kohlensäurearylester
sind geeignete Katalysatoren die Umesterungskatalysatoren, wie beispeilsweise Alkali-
oder Erdalkaliphenolate, Alkali- oder Erdalkalialkoholate und tertiäre Amine, wie
beispielsweise Triäthylendiamin, Morpholin, Pyrrolidin, Pyridin, Triäthylamin oder
Metallverbindungen wie Antimontrioxid, Zinkchlorid, Titantetrachlorid und Titansäuretetrabutylester.
[0008] Der Katalysator wird in Mengen von 20 bis 200 ppm, bezogen auf das Gesamtgewicht
der Polykondensationskomponenten, verwendet. Die Katalysatormengen können unterschritten
werden, wenn die Ausgangsprodukte bei Verwendung der sauren Katalysatoren keine basischen,
bei Verwendung der basischen Katalysatoren keine sauren Verunreinigungen enthalten;
möglichst geringe Katalysatormengen sind bevorzugt, um Eigenfarbe der Produkte zu
vermeiden.
[0009] Vorzugsweise wird in Substanz umgesetzt, also in Abwesenheit von Lösungsmitteln.
Es können jedoch auch unter den Reaktionsbedingungen inerte Lösungsmittel wie Kohlenwasserstoffe,
insbesondere aromatische Kohlenwasserstoffe, verwendet werden.
[0010] Die Reaktionszeit richtet sich nach der Reaktionstemperatur, der Art und Menge des
verwendeten Katalysators und nach dem gewünschten Molekulargewicht des Carbonatgruppen
enthaltenden Polyesters. Im allgemeinen genügen 2 bis 48 Stunden, vorzugsweise 4 bis
24 Stunden.
[0011] Die entstehenden flüchtigen Kondensationsprodukte können während der Reaktion entfernt
werden, bei diskontinuierlicher Verfahrensweise destillative, bei kontinuierlicher
Verfahrensweise durch fraktionierte Destillation. Bevorzugt wird mit Natriumphenolat
als Katalysator eine Mischung aus Polyesterdiol und bifunktionellem Kohlensäurearylester,
vorzugsweise Diphenylcarbonat, oder eine Mischung aus Diphenylcarbonat und Verbindungen
der Formel (11) bei 110 bis 170°C polykondensiert und anschließend bei 170°C und höher
durch Zufügen eines bifunktionellen Kohlensäurearylesters der Formel (11), bevorzugt
mit n > 1, unter gleichzeitiger destillativer Abtrennung flüchtiger Kondensationsprodukte
die Viskosität des Polykondensationsgemischs erhöht. Es erwies sich als günstig, die
Polykondensation in Hochviskos-Reaktoren wie Knetern oder Schneckenmaschinen durchzuführen.
[0012] Die Polykondensation kann in bekannter Weise, z.B. durch Absenken der reaktionstemperatur,
Vernichten oder Entfernen des Katalysators oder durch sogenannte Stopper beendet werden.
So hat es sich als vorteilhaft erwiesen, im Falle von Alkoholendgruppen Carbonsäurearylester
und im Falle von Arylcarbonatendgruppen Alkohole als Stopper einzusetzen. Verwendet
man bifunktionelle Verbindungen als Stopper, so ist es möglich, bei genauer Dosierung
ein Abbrechen der Polykondensation unter Erhöhung des durchschnittlichen Molekulargewichtes
zu erreichen.
[0013] Die erfindungsgemäßen Polyester können als polymere Weichmacher oder Zusatzstoffe
für andere Kuntstoffe verwendet werden, wobei ihre gute Kautschukeigenschaft, Alterungsbeständigkeit
und hervorragende Verarbeitbarkeit im Gemisch mit anderen Kunststoffen besonders auffallend
sind. Sie können auch je nach Molekulargewicht und chemischer Zusammensetzung als
Klebstoffe, Dichtungsmaterialien oder zur Beschichtung von Textilien Verwendung finden.
[0014] Die Grenzviskosität (Staudinger-Index) [
1]] wurde in Tetrahydrofuran bei 25°C gemessen und ist in

angegeben. Zur Definition s. H.G. Elias "Makromoleküle", Hüthig & Wepf-Verlag, Basel,
Seite 265.
Beispiel 1
[0015] 2000 Gew.-Teile eines Polyesterdiols aus Adipinsäure und einer Mischung aus n-Hexan-1,6-
diol/Neopentylglykol im Verhältnis 65/35 vom mittleren Molekulargewicht Mn 2000 (bestimmt
durch OH-Zahl-Messung), 214 Gew.-Teile Diphenylcarbonat und 0,12 Gew.-Teile Natriumphenolat
werden unter Rühren und einem Vakuum von 1,5 Torr 2 Stunden bei 130°C und 1 Stunde
bei 150°C gerührt, wobei man flüchtige Polykondensationsprodukte, die zum größten
Teil aus Phenol bestehen, abdestilliert. Unter fortgesetzter Destillation steigert
man die Temperatur für 4 Stunden auf 180°C; während dieser Zeit werden 20 Gew.-Teile
eines über -OCOO-Brücken verlängerten Polytetrahydrofurandiols mit Phenylcarbonatendgruppen
(Mn des Polytetrahydrofuran 2000, Verlängerungsgrad gleich 2) zudosiert, anschließend
steigert man unter langsamem Rühren oder Kneten die Reaktionstemperatur auf circa
185 bis 190°C für 5 Stunden. Das Produkt, eine farblose kautschukartige Masse, besitzt
einen Staudinger-Index [17], gemessen in THF, von 1,5.
Beispiel 2
[0016] 1800 Gew.-Teile eines Polyesterdiols aus Adipinsäure und n-Hexan-1,6-diol vom mittleren
Molekulargewicht Mn 1800 (bestimmt durch OH-Zahl-Messung), 214 Gew.-Teile Diphenylcarbonat
und 0,11 Gew.-Teile Natriumphenolat werden unter Rühren und einem Vakuum von 0,5 Torr
2 Stunden bei 130°C und 1 Stunde bei 150°C gerührt, wobei man flüchtige Polykondensationsprodukte,
die zum größten Teil aus Phenol bestehen, abdestilliert. Unter fortgesetzter Destillation
steigert man die Temperatur für 4 Stunden auf 180°C; während dieser Zeit werden 35
Gew.-Teile eines über -OCOO Brücken verlängerten Polyesterdiols mit Phenylcarbonatendgruppen
(Mn des Polyesterdiols 2150, bestehend aus Adipinsäure und n-Hexan-1,6-diol, Verlängerungsgrad
gleich 2) zudosiert, anschließend steigert man unter langsamem Rühren oder Kneten
die Reaktionstemperatur auf 190°C für 4 Stunden, löst dann das Reaktionsgemisch nach
Abkühlen auf 120°C in 1 Liter Toluol, fügt unter guter Durchmischung 20 Gew.-Teile
des oben genannten Polyesterdiols hinzu und dampft nun das Toluol im Vakuum ab, wobei
man langsam die Innentemperatur des reaktionsgemisches auf 220°C steigert; bei dieser
Temperatur wird das Reaktionsgemisch 2 Stunden im Vakuum und sorgfältigem Abdampfen
aller flüchtigen Produkte getrocknet. Das so gebildete farblose kautschukartige Material
besitzt einen Staudinger-Index [
1]], gemessen in THF, von 1,35.
Beispiel 3
[0017] 1000 Gew.-Teile eines Polyesterdiols aus Adipinsäure und einer Mischung aus n-Hexan-1,6-
diol/Neopentylglykol im Verhältnis 65/35 vom mittleren Molekulargewicht Mn 2000 (bestimmt
durch OH-Zahl-Messung), 107 Gew.-Teile Diphenylcarbonat und 0,12 Gew.-Teile Neatriumphenolat
werden unter Rühren und einem Vakuum von 1,5 Torr 2 Stunden bei 130°C und 1/2 Stunde
bei 150°C gerührt, wobei man flüchtige Kondensationsprodukte, die zum größten Teil
aus Phenol bestehen, abdestilliert. Nach Abkühlen des Gemisches auf 130°C fügt man
eine Mischung aus 900 Gew.-Teilen eines Polyesterdiols aus Adipinsäure und n-Hexan-1,6-diol
vom mittleren Molekulargewicht Mn von 1800 (bestimmt durch OH-Zahl-Messung) und 107
Gew.-Teile Diphenylcarbonat hinzu. Anschließend rührt man 2 Stunden bei 130°C und
2 Stunden bei 160°C unter fortwährender Abdestillation flüchtiger Produkte; man steigert
die Temperatur für 4 Stunden auf 180C; während dieser Zeit werden 22 Gew.-Teile eines
über -OCCO-Brücken verlängerten Polytetrahydrofurandiols mit Phenylcarbonatendgruppen
(Mn des Polytetrahydrofurandiols 2000, Verlängerungsgrad 2) zudosiert; anschließend
steigert man unter langsamem Rühren oder Kneten die Reaktionstemperatur für 2 Stunden
auf 185°C und für 4 Stunden auf 200°C.
[0018] Das Produkt, eine farblose kautschukartige Masse, besitzt einen Staudinger-Index
[q], gemessen in THF, von 1,3.
Beispiel 4
[0019] 2000 Gew.-Teile eines Polyesterdiols aus Adipinsäure und einer Mischung aus n-Hexan-1,6-
diol/Neopentylglykol im Verhältnis 65:35 vom mittleren Molekulargewicht M
n 2000 (bestimmt durch OH-Zahl-Messung), 214 Gew.-Teile Diphenylcarbonat und 0,12 Gew.-Teile
Natriumphenolat werden unter Rühren und einem Vakuum von 1,5 Torr 2 Stunden bei 130°C
und 1 Stunde bei 150°C gerührt, wobei man flüchtige Polykondensationsprodukte, die
größtenteils aus Phenol bestehen, abdestilliert. Unter festgesetzter Destillation
steigert man die Temperatur für 6 Stunden auf 180°C und.2 Stunden auf 195°C. Das so
erhaltene Produkte, eine farblose kautschukartige weiche Masse, besitzt einen Staudinger-Index
[n], gemessen in THF, von 0,8.