[0001] Die Erfindung betrifft Elektronenstrahl-Erzeugungssysteme für Kathodenstrahlröhren,
die im folgenden kurz Systeme genannt werden.
[0002] Dadurch, daß die Elektroden solcher Systeme auf unterschiedliche Temperaturen erwärmt
werden, entstehen Spannungen im System, die starken Einfluß z.B. auf den Kathodenstrom
oder auf die Konvergenzeigenschaften der Röhre ausüben. In der älteren deutschen Patentanmeldung
P 28 33 987.9 wurde von dieser Problematik ausgehend darauf hingewiesen, daß es zweckmäßig
sei, die Spannungen dadurch zu verringern, daß die Wärmeausdehnung der Bauteile der
einzelnen Gitterebenen verringert und annähernd gleich groß gemacht wird.
[0003] Besonders für den Wehnelttopf und dessen Halterungen wird dort vorgeschlagen, einen
Werkstoff mit sehr geringer Wärmeausdehnung zu verwenden. Dabei ist zu beachten, daß
der Werkstoff bei der Betriebstemperatur des Wehnelttopfes nicht magnetisch sein darf.
[0004] Es hat sich herausgestellt, daß es sehr schwierig ist, die Ausdehnung der Bauteile
der Gitterebenen zu verringern, sowie annähernd gleich groß zu machen und dabei zusätzlich
noch die Bedingung der Magnetismusfreiheit zu erfüllen. Handelübliche Legierungen
mit geringer Wärmeausdehnung sind aber fast alle bei den Betriebstemperaturen der
Elektroden noch magnetisch.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es somit, ein gattungsgemäßes H.Reule-H.Gänzle-H.H.Vogel
4-3-4
[0006] System so auszugestalten, daß keine mechanischen Spannungen aufgrund der Wärmeausdehnung
auftreten, ohne daß die Bedingung sehr geringer Wärmeausdehnung eingehalten werden
muß.
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe ist im Kennzeichen des Hauptanspruchs angegeben. Für diese
Lösung ist die Bedingung einer sehr geringen Wärmeausdehnung des verwendeten Werkstoffes
nicht mehr erforderlich. Die Zahl der verwendbaren Werkstoffe erhöht sich dadurch
erheblich. Besonders vorteilhaft sind Ausführungen, bei denen die Werkstoffe aller
Elektroden bzw. ihrer Halterungen bei der Betriebstemperatur der einzelnen Elektroden
unmagnetisch sind.
[0008] Die Erfindung wird im folgenden anhand der in den Figuren dargestellten Beispiele
näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1: Längs-Schnitt durch ein Elektronenstrahl-Erzeugungssystem
Fig. 2: Ausdehnung der verschiedenen Elektrodenebenen bei einem bekannten System.
Fig. 3: Ausdehnung der verschiedenen Elektrodenebenen bei einem erfindungsgemäßen
System
Fig. 4: Kathodenstrom bei aus verschiedenen Materialien auf- a-c gebauten Elektronenstrahl-Erzeugungssystemen
a) Alle Elektroden aus demselben Material nach Stand der Technik
b) Wehnelttopf aus Fe Ni 36 nach P 28 33 987.9
c) Erfindungsgemäßer Aufbau
H.Reule-H.Gänzle-H.H.Vogel 4-3-4
[0009] In Figur 1 ist ein Längs-Schnitt durch ein System in Inline-Technik mit drei nebeneinander
angeordneten Elektronenstrahlerzeugungssystemendargestellt, deren Elektroden in vier
Ebenen,
[0010] E1 bis E
4, liegen. Hierbei ist zu bemerken, daß die Schnittfläche so gewählt ist, daß Glasstäbe
und Halleelmente der Elektroden mit geschnitten wurden. Dies ist aus Figur 1 ersichtlich.
Die Elektroden 1 bis 4 sind entweder direkt oder über Halterungsteile 5 in die Glasstäbe
6 eingeschmolzen. In jeder Elektrodenebene sind drei Durchtrittplöcher 7 für die Elektronenstrahlen
angebracht. In Figur 1 liegen diese Löcher senkrecht zur Schnittebene nebeneinander,
[0011] so daß nur die mittlere zu sehen ist.
[0012] Der gegenseitige Abstand der Löcher beträgt 6,6 mm.
[0013] Im Betrieb erwärmen sich die Elektroden auf verschiedene Temperaturen. Für die vier
Ebenen ist dies in der Tabelle aufgeführt. Die Zeit t ist die Zeit nach Einschalten
der Kathodenheizung.

[0014] Bei Erhöhung der Temperatur ändert sich der Lochabstand aufgrund der Wärmeausdehnung
der Elektrodenwerkstoffe. In Figur 2 ist diese Lochabstandsänaerung für die drei Zeiten
t = 4 min, 12 min, und im mit ∞ bezeichneten Endzustand in Bezug auf den Abstand Kathode
zu jeweiliger Elektrodenebene aufgezeichnet. Es ist deutlich ersichtlich, daß das
Verhältnis aus dem gegenseitigen Abstand zweier Elektrodenebenen und der Differenz
der Wärmeausdehnung der Bauteile dieser beiden Elektrodenebenen im wesentlichen konstant
H.Heule-H.Gänzle-H.H.Vogel 4-3-4
ist. Daher kommt es zu starken mechanischen Spannungen im System. Diese Spannungen
werden gemäß der Erfindung vermieden, wenn das angesprochene Verhältnis konstant bleibt,
wie in Figur 3 dargestellt ist. In Figur 3 ist absichtlich kein Maßstab für die Lochabstandsänderung
angegeben, um anzudeuten, daß die wesentliche Idee in der Wahrung des konstanten Verhältnisses
als weniger in der Schaffung sehr kleiner Wärmeausdehnungen besteht.
[0015] Es ist zweckmäßig, die Elektroden zweier Ebenen aus demselben Werkstoff herzustellen,
da dann weniger Werkstoffe ausgeprüft und auf Lager gehalten werden müssen, als wenn
für jede Ebene der Elektrodenwerkstoff unterschiedlich ist.
[0016] Werte wie in Figur 2 dargestellt, werden bei Verwendung von x 4 Cr Ni 1813 erhalten.
Die Verhältnisse der Figur 3, also die Erfüllung der Erfindungsaufgabe, werden bei
Verwendung folgender Werkstoffe in guter Näherung erhalten:
Für die Elektrode 1: Fe Ni 36
Für die Elektrode 2: Ni Fe 48 Cr
Für die Elektroden 3 und 4: x 4 Cr Ni 1813
[0017] Bei Verwendung von Ni Fe 48 Cr für die Elektrode 2 wird im Betrieb der Curiepunkt
von 480°C nie überschritten. Es hat sich jedoch gezeigt, daß der magnetische Einfluß
der Elektrode 2 zu keinen schwerwiegenden Fehlern bei der Elektronenabbildung auf
dem Schirm führt. Bei Verwendung von 30% Ni 70% Fe mit einem Curiepunkt bei einer
Temperatur im Bereich von 35-65°C werden Schwierigkeiten, wie sie bei anderen Elektrodenaufbauten
wegen Ferromagnetismus auftreten können, vermieden. Beim Elektrodenaufbau nach Figur
1 sollen die Werkstoffe der Elektroden 3 und 4 schon nach kurzer Betriebsdauer den
Curiepunkt überschreiten, damit Abbildungsfehler vermieden werden. Die Erfindung gilt
dem bisherigen entsprechend selbstverständlich auf für andere Systemaufbauten als
für den in Figur 1 dargestellten, also nicht nur für Inline-Systeme sondern z.B. auch
für 4 - und Einstrahlsysteme.
[0018] Als empfindliches Nachweismittel für mechanische Spannungen im System hat sich der
Kathodenstrom erwiesen. Dabei liegt an der Kathode eine Spannung von OV, an der Elektrode
1 liegen -100V. Die positive Spannung der Elektroden 2 und 3 wird so eingestellt,
daß im stationären Zustand 100µA Kathodenstrom fließen. Nach dieser Einstellung läßt
man das System abkühlen und mißt dann den Kathodenstrom nach erneutem Einsehalten.
[0019] Die Ergebnisse sind mit dem in Figur 1 dargestellten Systemaufbau genommen und sind
in Figur 4 dargestellt. Bei der mit a bezeichneten Kurve bestehen alle Elektroden
aus x 4 Cr Ni 1813. Der Kathodenstrom läuft mit einem starken Überschwinger auf 100µA
ein. Die Kurve b wurde bei Systemen gemessen, bei denen die Elektrode 1 aus Fe Ni
36 gefertigt wurde. Der Kathodenstrom kriecht sehr langsam auf die 100µA zu. Bei einem
erfindungsgemäßen System mit Elektrode 1 aus Fe Ni 36, Elektrode 2 aus Ni Fe 48 Cr
und den Elektroden 3 und 4 aus x 4 Cr Ni 1813 wird der stationäre Zustand von 100µA
ohne Überschwingen sehr schnell erreicht, wie in Kurve c gezeigt ist.
[0020] In einem Elektronenstrahl-Erzeugungssystem, dessen Elektrodenebenen-Werkstoffe erfindungsgemäß
bezüglich Wärmeausdehnung H.Reule-H.Gänzle-H.H.Vogel 4-3-4
[0021] aufeinander abgestimmt sind, lassen sich aber auch Fehler, die auf einer gegenseitigen
Verschiebung in Strahlrichtung liegender Durchtrittslöcher 7 beruhen, wie z.B. zeitliche
Konvergenzfehler, gegenüber bekannten Aufbauten erheblich verringern.
1) Elektronenstrahl-Erzeugungssystem für Kathodenstrahlröhren mit einer geheizten
Kathode und mit mehreren in Ebenen mit vorgegebenem Abstand hintereinander angeordneten
Elektroden, die während des Betriebes der Röhre auf unterschiedliche, zur Kathode
hin zunehmende, jeweils gegebene Temperaturen erwärmt werden,
dadurch gekennzeichnet, daß für jede Elektrodenebene das Verhältnis aus dem gegenseitigen
Abstand zweier Elektrodenebenen und der Differenz der Wärmeausdehnung der Bauteile
dieser beiden Elektrodenebenen im wesentlichen konstant ist.
2) Elektronenstrahl-Erzeugungssystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, naß
die Elektroden (1-4) und/oder zugeordnete Halteelemente (5) höchstens zweier Elektrodenebenen
aus demselben Werkstoff bestehen.
3) Elektronenstrahl-Erzeugungssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Werkstoffe bei der Betriebstemperatur der einzelnen Elektroden unmagnetisch
sind.