[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Endkonditionierung fester radioaktiver,
evtl. kernbrennstoffhaltiger Abfälle zur sicheren Handhabung, Transportierung und
Endlagerung. Solche Abfälle entstehen beispielsweise bei der Herstellung von Brennelementen,
bei denen als spaltbares Material Urandioxid oder auch Plutoniumdioxid bzw. Mischoxide
Verwendung finden. Im Gegensatz zu den meisten festen radioaktiven Abfällen, die üblicherweise
beim Umgang mit radioaktiven Stoffen auf dem Gebiet der Kernforschung und Medizin
anfallen, enthält der bei der Herstellung von Brennelementen entstehende Abfall unter
anderem langlebige radiotoxische Nuklide, wie z.B. Plutonium 239 mit einer Halbwertszeit
von 24390 Jahren. Bei der Unterbringung dieser Abfälle in einem Endlager muß sichergestellt
sein, daß während der langen Abklingzeit ein Austritt der Radionuklide in die Biosphäre
auszuschließen ist.
[0002] Nach langjährigen Untersuchungen und Erprobungen zur sicheren Beseitigung und Endlagerung
hat sich für sch wach radioaktive Abfälle, zu denen auch die α-Strahler enthaltenden
Abfälle aus kernbrennstoffverarbeitenden Betrieben zählen, die Einbettung in Zement
und anschließende Lagerung in geeigneten Steinsalzformationen des tieferen geologischen
Untergrundes als besonders geeignet herausgestellt. Für diese Art der Endlagerung
müssen seitens des Abfalles und des einzulagernden Zementblockes, dem Endgebinde,
eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein.
[0003] Es dürfen nur formbeständige,nicht faul- oder gärfähige Abfälle mit fest haftender
Aktivität, die allseits mit Bindemitteln umhüllt homogen und hohlraumfrei im Abfallbehälter,
z.B. einem 200 1-Faß, vergossen werden können, verwendet werden. Diese Abfälle können
ursprünglich wasserhaltige Abfälle, Aschen, Pulver und Granulate (Ionenaustauscher)
sein, die durch homogene Vermischung mit einem Zementbrei nach der Aushärtung ein
festes Endprodukt ergeben.
[0004] Um eine Freisetzung von Radionukliden auch bei unwahrscheinlichen Ereignissen im
Endlager ausschließen zu können, werden Mindestforderungen an die Druckfestigkeit
und Auslaugbeständigkeit der Endgebinde gestellt. Diese Forderungen können durch Einhaltung
einer begrenzten Abfalleinbringung in einen Zementblock, porenfreie Verdichtung und
Verwendung geeigneter Zementqualitäten erfüllt werden. Für die Auslaugbeständigkeit
kernbrennstoffhaltiger Abfälle mit z.B. U0
2, Pu0
2 oder Th0
2 als Radionuklide kommt begünstigend hinzu, daß diese oxidischen Spaltstoffe von Natur
aus eine sehr hohe Unlöslichkeit mitbringen, die eine zusätzliche Sicherheitsbarriere
darstellt.
[0005] Die Beseitigung von festen, voluminösen, organischen, kernbrennstoffhaltigen aus
Brennelement-Fabriken stammenden Abfällen durch Zementierung ist bisher unterblieben,
weil die Einmischung der Rohabfälle in Zement ein ungelöstes Problem bedeutete. Die
Rohabfälle stellen eine Mischung aus voluminösen weitgehend organischen formbeständigen
Natur- und Kunststoffen dar, wie z.B. Gummihandschuhe, Kunststoffolien, -flaschen,
-schläuche, Wischtücher aus Zellstoff bzw. Synthetiks, Bauteile aus Holz, Naturfasern
u.a.. Stofflich setzen sie sich aus 70 Gew. % Polyvinylchlorid, 15 Gew. % Neopren,
10 Gew. % Zellstoff, der Rest aus verschiedenen anderen Kunststoffen zusammen. Diese
Materialien sind normalerweise vermischt mit anorganischen Abfällen, z.B. Metall,
Glas und Keramik.
[0006] Abfälle dieser Form lassen sich nicht so in Zement einmischen, daß die Forderungen
an den Zementblock erfüllt werden. Einerseits wickelt sich Folienmaterial und andere
voluminöse Abfälle beim Einmischen in Zement um den Rührer, andererseits findet aufgrund
der Dichteunterschiede zwischen den Kunststoffabfällen und dem Beton eine Entmischung
vor dem Aushärten statt, es entsteht also ein recht heterogenes Endgebinde. Die Festigkeit
wird zusätzlich durch große Folienflächen im Beton, die nur ein segmentweises Abbinden
erlauben, herabgesetzt.
[0007] Weltweit werden Verfahren entwickelt, diese Abfälle durch Verbrennen in ihrem Volumen
zu verringern und die zurückbleibenden Aschen zu zementieren. Diese Verfahren können
jedoch nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn der Abfall einen geringeren bzw.
keinen Polyvinylchlorid (PVC)-Anteil enthält. Die Verbrennung von PVC erzeugt Salzsäure,
die nach ihrer Neutralisation, z.B. in Kochsalz überführt, als schwachaktiver Abfall,
in Zement eingebettet, endzulagern ist. Da jedoch der Salzgehalt im Zement zur Wahrung
der Auslaugbeständigkeit nicht hoch sein darf, ist die gewünschte Reduzierung des
Endabfallvolumens für Abfälle, auf die sich diese Erfindung bezieht, nicht zu erreichen.
Die Verbrennung der Abfälle zum Zwecke der Endbeseitigung ist daher nicht empfehlenswert.
[0008] Bei diesem Stand der Technik, der nur unbefriedigende Ergebnisse liefert, stellte
sich die Aufgabe, auch derartig schwierige Abfälle einfach und sicher in Zementblöcke
einzubringen.
[0009] Erfindungsgemäß lassen sich die Schwierigkeiten der Zementierung dieser Abfälle umgehen,
wenn man die Rohabfälle durch Sortieren vom anorganischen Abfall befreit und den verbleibenden
organischen Abfall in einer Zerkleinerungsanlage zermahlt, z.B. auf Korngrößen < 5
mm. Die Korngröße ist so zu wählen, daß die Adhasionskräfte zwischen dem Abfallkorn
und dem flüssigen Beton die Auftriebskräfte überwiegen, so daß eine Entmischung trotz
geringerer Dichte des Abfalles nicht eintritt. Der zermahlene, sehr gut mit dem Zementbrei
vermischbare Abfall wird homogen eingerührt und anschließend in ein Abfallfaß eingefüllt.
Danach wird durch Rütteln bei Vakuumunterstützung das Porenvolumen im Zementblock
reduziert und damit gleichzeitig die Druckfestigkeit erhöht.
[0010] Nach dem Aushärten ist dieser Abfall form- und auslaugbeständig und zur Endlagerung
geeignet. In den folgenden Ausführungsbeispielen wird das vorgeschlagene Verfahren
und die Einrichtungen zum Zementieren näher erläuterte
[0011] Es ist dabei zweckmäßig, vor dieser Verarbeitung die Rohabfälle durch Sortieren vom
anorganischen Abfall zu befreien und diesen nach der Einmischung der organischen Rohabfälle
in den Zementbrei nachträglich dort einzubringen.
[0012] Nach dem Aushärten ist dieser Abfall form- und auslaugbeständig und zur Endlagerung
geeignet.
[0013] Zwei Ausführungsbeispiele dienen nachstehend zur weiteren Erläuterung dieses erfindungsgemäßen
Verfahrens:
Ausführungsbeispiel 1:
[0014] Der aus den Handschuhkästen einer Fertigungsanlage für Puhaltige Brennelemente stammende
Rohabfall mit einem mittleren Pu-Gehalt von etwa 0,1 g/dm
3 wird zur Vorbereitung einer sich anschließenden Zerkleinerung zunächst durch Sortierung
von nicht zerkleinerbaren anorganischen Beimengungen (Schrotte, Glas u.a.) getrennt.
In einem 2-stufigen Mahlverfahren, bestehend aus einer Schneid-und Pralltellermühle
wird der Rohabfall auf eine mittlere Korngröße von etwa 0,2 mm zerkleinert. Dadurch
verdichtet sich der Rohabfall von ca. 0,2 kg/dm
3 auf 0,45 kg/dm
3, sein Pu-Anteil steigt um den Faktor 2,5 auf 0,25 g/dm
3. Die mittlere absolute Dichte der Kunststoffe im Rohabfall beträgt, bedingt durch
den hohen PVC-Gehalt, etwa 1,28 kg/
dm3.
[0015] 60 dm
3 dieses rieselfähigen zermahlenen Rohabfalles (27 kg) werden mit 65 dm
3 Zement der Dichte 3,2 kg/dm
3 und 70 dm
3 schwach-kontaminierten Abfallösungen innig mit einem Rührer vermengt und anschließend
in ein 200 1-Rollreifenfaß eingefüllt.
[0016] Vor dem Aushärten wird das Faß auf einen Rütteltisch gestellt und das Zement-Abfall-Gemisch
weitgehend porenfrei verdichtet.
[0017] Nach 24 Stunden ist der Beton ausgehärtet. Die charakteristischen Daten dieses Endabfallgebindes
sind:
[0018] Massenverhältnis Wasser/Zement: 0,3; Abfall/Zement: 0,13 Gesamtvolumen: 170 dm
3, Gesamtgewicht: 307 kg Pu-Inventar: 15 g, α-Aktivität: ~ 5 Ci, Dichte des Endabfalles:
1,8 kg/dm
3.
[0019] Dieses 200 1-Faß muß aufgrund der in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Richtlinien
zur Endlagerung zusätzlich in eine Betonabschirmung, die das Faß allseitig umhüllt,
eingesetzt werden.
AusfUhrungsbeispiel 2:
[0020] In einer Schneidmühle wird der organische, vorsortierte Rohabfall bis auf ca. 2 mm
Korngröße zerkleinert. 40 kg des Abfalles (89 dm
3) mit 10 g Pu, entsprechend 3,4 Ci α-Aktivität, werden mit 90 kg Wasser und 200 kg
Zement in einem Intensivmischer innerhalb einer alphadichten Betonierzelle vermischt.
Im Zellenboden befindet sich zum Ausschleusen eine rohrförmige Öffnung mit ca. 50
cm Durchmesser, die von außen von einem sehr langen "endlosen" Schlauch, dessen unteres
Ende verschweißt ist, alphadicht umschlossen ist. Zur Ausbringung der Abfall/ Zement-Mischung
wird ein 200 1-Faß unter die rohrförmige Austrittsöffnung der Zelle gestellt und der
endlose Schlauch, der einem Sack gleicht, in das Faß nach der Art einer Faßinnenauskleidung
eingeschoben. Zur Beseitigung alphakontaminierter anorganischer Abfälle werden ca.
30 kg metallische bzw. keramische Schrotteile in das ausgekleidete Faß gelegt, bevor
die fertige Zement- mischung eingefüllt wird. Zum Abschluß der alphadichten Ausschleusung
wird der Kunststoffschlauch abgeschweißt und das gefüllte Faß zur Verdichtung des
Betons auf einen Rütteltisch gestellt. Danach wird das Faß verschlossen in ein 400
1-Faß eingesetzt und der Zwischenraum mit Beton vergossen. Nach Aushärtung des Betons
ist das Endgebinde endlagerfähig. Die charakteristischen Daten des Endgebindes sind:
[0021] Massenverhältnis: Wasser/Zement = 0,45; Organischer Abfall/Zement = 0,2; Gesamtvolumen:
190 dm
3; Gesamtgewicht: 360 kg; Pu-Inventar: 10 g; α-Aktivität: 3,4 Ci, Anorganischer Abfallanteil:
30 kg.
[0022] Diese Beispiele zeigen, daß es nunmehr auf relativ einfache Weise möglich ist, auch
die hier bei der Kernbrennstabfertigung entstehenden Abfälle, insbesondere solche
auch aus Handschuhboxen, wie sie bei der Hantierung mit Plutoniumoxiden Verwendung
finden, auf relativ einfache Weise ohne die bisher gefürchteten Auftriebserscheinungen
in Zement einzubetten. Es wird dabei, falls auch noch die vorher aussortierten anorganischen
Abfallbestandteile mit eingebracht werden sollen, zweckmäßig sein, letztere ebenfalls
auf ein solches Maß zu zerkleinern, daß eine vollständige Einbettung und Ummantelung
durch den Zementbrei möglich ist.
[0023] Besonders vorteilhaft ist auch die Verwendung des leicht radioaktiven Wassers für
die Zubereitung des Zementbreies, da dieses damit ebenfalls auf diese Weise endlagerfähig
gemacht worden ist, ohne daß es noch speziellen Reinigungsvorgängen usw. unterzogen
werden müßte.
1. Verfahren zur Endkonditionierung fester radioaktiver, evtl. kernbrennstoffhaltiger
Abfälle zur sicheren Handhabung, Transportierung und Endlagerung, dadurch gekennzeichnet
, daß die radioaktiven Rohabfälle in fein zerkleinerter Form in ein Zement/ Wasser-Gemisch
homogen eingemischt und durch Aushärten der Mischung in einen festen endlagerfähigen
Betonblock überführt werden und die Zerkleinerung des Rohabfalles soweit getrieben
wird, daß die am einzelnen Partikel angreifenden Adhäsionskräfte im Zementgemisch
die Auftriebskräfte aufgrund der Dichteunterschiede zwischen dem Abfall und der Zementmischung
überwiegen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß als Bindewasser neutrale
radioaktive Abfallösungen Verwendung finden.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß im Zementbrei
zusätzlich zum organischen Abfall nicht in diesem Maße zerkleinerbare Abfälle in Metall,
Glas und Keramik hohlraumfrei eingebettet werden.