[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren gemäß Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] In vielen Bereichen der Technik, Wissenschaft usw. stellt die Dekontamination von
Gegenständen ein großes Problem dar. Es ist bekannt, unerwünschte Substanzen von den
äußeren Flächen von metallischen und nichtmetallischen Gegenständen, Flächen, Körpern
oder Apparaten usw. auf nachfolgend angegebene Art und Weise zu entfernen :
- Mechanisch, beispielsweise durch Abwischen, Abkratzen, Abspritzen mit Flüssigkeiten
unter Druck, Abbürsten, Abschleifen usw.;
- durch chemische Behandlung, beispielsweise durch Abwaschen, Aufweichen usw.;
- durch physikalisch-chemische Verfahren, wie Diffusion, Kapillarwirkung usw., beispielsweise
durch Abbeizen, Lösen in Säuren oder Basen bzw. sauren oder alkalischen Lösungen,
Lösen in Wasser usw.;
- durch thermische Behandlung, wie Abflämmen und Rösten.
[0003] Diese bekannten Verfahren zeigen aber keine zufriedenstellenden Ergebnisse.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben,
mit dem auf Oberflächen von Gegenständen, beispielsweise von metallischen und nichtmetallischen
Flächen, Körpern und Apparaten wie Zellen, Maschinen, Werkzeugen, Vorrichtungen, Gebäudeteilen,
Fahrzeugen usw. abgelagerte, aufgebrachte oder haftende anorganische oder organische,
insbesondere auch radioaktive oder giftige Substanzen oder auch lebende Organismen
entfernbar sind.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 angegebenen Maßnahmen
gelöst.
[0006] Die Erfindung ermöglicht eine sichere und schnelle Dekontamination der Oberfläche
von Gegenständen. Neben anorganischen und organischen Substanzen sowie lebende Mikroorganismen
können insbesondere radioaktive Kontaminationen, beispielsweise von Prozeßapparaturen
und Zellenwänden, sicher. und im Vergleich zu bisher üblichen Verfahren schnell, kostengünstig
und mit wesentlich verringerter Strahlenbelastung für das.Personal beseitigt werden.
[0007] Die Dekontamination von mit radioaktivem Material behafteten Oberflächen erfolgte
bisher meist durch viele hintereinanderfolgende Waschvorgänge, die große Mengen an
Säuren, Lösungsmitteln und Waschmitteln.erfordert, welche wiederum Sekundärabfall
darstellen, der mit hohem Kostenaufwand konzentriert und beseitigt werden mußte.Ein
solcher Sekundärabfall entsteht beim erfindungsgemäßen Verfahren nicht mehr.
[0008] Darüber hinaus ist der bisher übliche Dekontaminationsprozeß durch mehrfaches Abwaschen
der Oberflächen sehr zeitaufwendig und verursacht lange Stillstandzeit der Anlage.
Das erfindungsgemäße Verfahren dagegen ist wenig zeitaufwendig und erfordert vernachlässigbare
Stillstandszeiten. Bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens können die dekontaminierten
Oberflächen sofort nach Entfernen der kontaminationshaltigen Mehrfachschicht (Schichtpaket)
wieder mit einer neuen Kontaminationsträgerschicht belegt werden und stehen damit
sehr schnell dem betrieblichen Einsatz erneut zur Verfügung.
[0009] Weiterhin wird das mit der Dekontamination und der anschließenden Beseitigung der
Reinigungsabfälle beschäftigte Personal häufig bei den bisherigen Verfahren gesundheitlichen
Belastungen ausgesetzt, die bei der vorliegenden Erfindung weitgehend entfallen, da
hier die schädlichen Materialien zwischen den Schichten fest eingebunden werden und
Rückkontamination verhindert wird. Der Arbeitsvorgang erfolgt im wesentlichen chemisch-mechanisch
und kann leicht automatisiert werden.
[0010] Vorteilhafte und zweckmäßige Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Aufgabenlösung
sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.
[0011] Durch die Weiterbildung der erfindungsgemäßen Aufgabenlösung nach Anspruch 2 in Verbindung
mit der Weiterbildung nach Anspruch 4 ergibt sich der große Vorteil, daß die anfallenden
Sekundärabfälle vernachlässigbar gering sind und die Entfernung der die Kontaminationsstoffe
enthaltenden Mehrfachschicht unter geringstem mechanischen Aufwand erfolgen kann.
[0012] Die Erfindung soll nun anhand der beigefügten Prinzipzeichnung näher erläutert werden.
[0013] bis 5 In den Fig. 1 sind die einzelnen Verfahrensschritte des Aufbringens und Entfernens
der einzelnen Schichten dargestellt.
[0014] Auf die zu behandelnden Oberflächen eines Gegenstandes 2 wird eine dichte Kontaminationsträgerschicht
6 in geeigneter Weise, beispielsweise durch Aufspritzen, Eintauchen, Aufkle- ben,
Aufstreichen, Schweißen usw. aufgebracht (Fig. 1). Die betreffenden Oberflächen werden
vorher in der Weise präpariert bzw. vorbehandelt, daß zwischen ihnen und der Kontaminationsträgerschicht
6 eine definierte, dem jeweiligen Anwendungsbereich entsprechende Verbindung oder
Haftung erzielt wird. Hierzu wird auf den Gegenstand 2 eine Schicht 4, beispielsweise
eine Grundierung, zur Vermittlung der Verbindung oder Haftung aufgebracht. Die Vorbehandlung
der Oberflächen kann beispielsweise auch durch Materialabtragen, durch chemische Umwandlung
der molekularen Grenzflächen oder dergl. erfolgen. Es muß nur sichergestellt werden,
daß hierdurch eine ausreichende Verbindung oder Haftung vermittelt wird.
[0015] Nach erfolgter Kontamination (Fig. 2), beispielsweise durch radioaktive Substanzen
8, wird eine weitere dichte, abdeckende Verpackungsschicht 1o in geeigneter Weise,
beispielsweise durch Aufspritzen, Tauchen, Aufpinseln, Aufkleben, Schweißen usw. auf
die kontaminierte Trägerschicht 6 aufgetragen (Fig. 3).
[0016] Für die Kontaminationsträgerschicht 1o wird ein Material verwendet, durch das ein
spezieller physikalisch-chemischer Wirkmechanismus ausgelöst wird. Dieser basiert
auf einer molekularen Wechselwirkung zwischen der Schicht lo und der Schicht 6 sowie
zwischen der Schicht 6 und der Schicht 4, bewirkt dabei eine intensive Verbindung
oder Haftung zwischen der Verpackungsschicht lo und der Verbindungs-(Haftungs-) Vermittlungsschicht
4 und hebt gleichzeitig die ursprüngliche Verbindung oder Haftung zwischen den Schichten
6 und 4 ganz oder teilweise auf.
[0017] Die zwischen der Schicht 6 und der Schicht 1o sandwichartig verpackte Kontamination
ist auf diese Weise sicher eingeschlossen. Gleichzeitig läßt sich diese fest zusammenhaftende
Mehrfachschicht (Schichtpaket) aufgrund der zur Schicht 4 aufgehobenen oder verringerten
Haftung leicht vom Gegenstand 2 entfernen (Fig. 4). Dies kann beispielsweise durch
Anblasen mit Preßluft, Absaugen, Abbürsten oder Abziehen erfolgen. Das zur Vernichtung
anfallende Material in Form von Bruchstücken der beschriebenen Mehrfachschicht 6,
8 (Schichtpaket) ist trocken und nicht-klebend und kann durch Fegen oder Absaugen
entsprechend aufgenommen werden.
[0018] Das vorgehend beschriebene Dekontaminationsverfahren arbeitet mit mehreren übereinander
aufgetragenen entfernbaren Schichten, wobei je nach Art der Vorbehandlung des zu dekontaminierenden
Gegenstandes 2 eine Zwei- oder Dreischichttechnik angewendet werden kann. Bei der
Zweischichttechnik (nicht dargestellt) entfällt die Verbindungs- (Haftungs-) Vermittlungsschicht
4. Deren Aufgabe wird von der Kontaminationsträgerschicht 6 mit übernommen.
[0019] Bei der Dreischichtentechnik stellen die ersten beiden Schichten 4 und 6 und bei
der Zweischichtentechnik die Schicht 6 den Betriebszustand dar.
[0020] Die Schicht 4 ist vorzugsweise eine chlorfreie Grundierung, die säurefest, abriebfest
und strahlenbeständig sein soll.
[0021] Die Kontaminationsträgerschicht 6 ist vorzugsweise ein hochstabiles Produkt mit ebenfalls
hoher Strahlenbeständigkeit.
[0022] Die Verbindungs- (Haftungs-) Vermittlungsschicht 4 und die Kontaminationsträgerschicht
6 werden vor der Kontamination aufgetragen (Fig. 1). Diese beiden Schichten können
spezielle Lacke sein. Auch der Einsatz von geeigneten Folien ist möglich.
[0023] Zur Dekontamination wird dann die Verpackungsschicht 1
0 aufgebracht, beispielsweise aufgesprüht, aufgestrichen, aufgeklebt usw. (Fig. 3).
Dabei gehen die Schichten 6 und 1
0 eine fest haftende Verbindung ein und umschließen die Kontaminations- oder Schmutzstoffe
8. Beim Abbinden dieser beiden Schichten wird die Haftung zwischen den Schichten 4
und 6 aufgehoben oder verringert. Es ist auch möglich, die Haftung zwischen Verbindungs-
(Haftungs-) Varmittlungsschicht 4 und dem Gegenstand 2 aufzuheben oder zu verringern.
[0024] Zur Dekontamination kann nach dem Abbinden der Verpackungsschicht 1o das Schichtenpaket
1
0, 8, 6 sich von selbst lösen oder angeritzt werden und z.B. mit Preßluft oder mechanisch
die Doppelschicht 6, 1o mit der fixierten, eingebundenen Kontamination 8 leicht entfernt
werden (Fig. 4). Durch den Einschluß der Kontamination wird eine Rückkontamination
sicher verhindert.
[0025] Nach dem Dekontaminieren wird auf die Fläche des Gegenstandes 2 oder auf die Verbindungs-
(Haftungs-) Vermittlungsschicht 4 erneut die Kontaminationsträgerschicht 6 aufgetragen,
und der Vorgang kann (beliebig oft) wiederholt werden (Fig. 5).
1. Verfahren zur Dekontamination von Gegenständen, dadurch gekennzeichnet daß die
Gegenstände mit wenigstens einer Kontaminationsträgerschicht (6) versehen werden,
auf die nach erfolgter Kontamination (8) wenigstens eine Verpackungsschicht (10) aufgebracht wird, und daß nach dem Aufbringen der Verpackungsschicht (10) die aus
der Kontaminationsträgerschicht (6) und der Verpackungsschicht (10) gebildete, die
Kontaminationsstoffe (8) enthaltende Mehrfachschicht '(6, 8, 10) entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der Kontaminationsträgerschicht
(6) und der Oberfläche des Gegenstandes (2) eine eine Verbindung (Haftung) zwischen
der Kontaminationsträgerschicht (6) und der Oberfläche vermittelnde Schicht (4) aufgebracht
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn- zeichnet, daß das Aufbringen
der einzelnen Schichten (4, 6, 10) durch Aufspritzen, Tauchen, Kleben, Schweißen, Aufstreichen usw. erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindung oder
Haftung ganz oder teilweise aufhebbar ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Verpackungsschicht
(10) durch physikalisch-chemische Wechselwirkung einerseits mit der Kontaminationsträgerschicht
(6) eine feste Verbindung unter Einschluß der Kontaminationssubstanzen eingeht und
andererseits eine völlige oder teilweise Aufhebung der Verbindung oder Haftung zwischen
der Kontaminationsträgerschicht (6) und der Oberfläche des Gegenstandes (2) oder zwischen
der Kontaminationsträgerschicht (6) und der Verbindungs- (Haftungs-) Vermittlungsschicht
(4) bewirkt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Entfernung der die Kontaminationssubstanzen (8) enthaltende Mehrfachschicht (6,
10) von dem Gegenstand (2) selbsttätig, durch Anblasen, Absaugen, Abbürsten oder Abziehen
erfolgt.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Verbindungs- (Haftungs-) Vermittlungsschicht eine chlorfreie Grundierung ist.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Grundierung säurefest,
abriebfest und strahlenbeständig ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
die Kontaminationsträgerschicht (6) z.B. aus einem säurefesten, abriebfesten und strahlenbeständigen
Material besteht.