[0001] Die Erfindung betrifft einen Giesskern zur Erzeugung schwer zugänglicher Hohlräume
in Gussstücken aus Aluminium oder aus einer seiner Legierungen aus einer körnigen
Grundsubstanz und einem Zuckerderivat, die in Lösung vermischt, in Formen verpresst
und bei erhöhter Temperatur ausgebacken sind (DE-ANr. 1783004), sowie ein Verfahren
zur Herstellung solcher Giesskerne.
[0002] Giesskerne für die Herstellung komplizierter oder schwer zugänglicher Hohlräume mit
engen Querschnitten in Metallgussteilen, die wasserlösliche Kerne darstellen, sind
bereits bekannt. In der DE-C Nr. 1302940 werden gesinterte Salzkerne beschrieben.
Nach einer Weiterentwicklung gemäss DE-A Nr. 1783004 wird das wasserlösliche Kernmaterial
mit einem synthetischen Harz bzw. Kunstharz gebunden. Als synthetisches Harz bzw.
Kunstharz der DE-A Nr. 1783004 dienen solche vom Harnstofformaldehydtyp, Phenolformaldehydtyp,
Melaminformaldehydtyp, Harnstofffurfuryltyp, Phenolfurfuryltyp oder vom auf Zucker-oder
Glykosebasis aufgebauten Typ bzw. verträgliche Zusammensetzungen solcher Harze.
[0003] DE-A Nr. 2746122 offenbart ein Kernmaterial für Giesskerne, welches neben einem wasserlöslichen
Salz ein Granulat eines Metalls sowie ein Kunstharz enthält, die in an sich bekannter
Weise in Lösung vermischt, in Formen verpresst und bei erhöhter Temperatur ausgebacken
werden. Diese Druckschrift beschreibt ausserdem den Einsatz von Kernhalterungen mittels
Röhrchen.
[0004] Die vorbekannten Giesskerne vermögen jedoch in ihren Eigenschaften noch nicht vollständig
zu befriedigen, da sowohl die gesinterten Salzkerne wie auch solche mit Kunstharzbindung
bei vielen Anwendungszwecken noch Nachteile aufweisen.
[0005] So ist die Herstellung gesinterter Salzkerne relativ aufwendig und diese sind auch
für einige Anwendungszwecke zu spröde. Weiterhin lassen sie sich nach dem Umgiessen
mit dem Metall nur relativ schwierig aus dem Gussstück herauslösen.
[0006] Kunstharzgebundene Salzkerne haben dagegen den Nachteil, dass bei ihrer Anwendung
unter Einwirkung der Giesstemperatur grosse Gasmengen aus dem Bindemittel freigesetzt
werden können. Zur Vermeidung einer Porosität im Gussstück müssen diese Gase schnell
und vollständig abgeführt werden. Aufgrund der zumeist engen Querschnitte, die durch
die Geometrie der Gussteile gegeben sind, kann es aber in den Abströmkanälen leicht
zu Verstopfungen durch Kondensation harzartiger Produkte kommen. Als Folge ergibt
sich dann ein unkontrolliertes Auftreten der Gase aus der gesamten Kernoberfläche
mit den bekannten nachteiligen Folgen für das Gussstück.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, Giesskerne und Verfahren zu deren
Herstellung zu schaffen, aus denen unter Einwirkung der Temperaturen beim Giessen
von Aluminium und dessen Legierungen, nur geringe Gase sofern überhaupt, freigesetzt
werden, wobei die Art der Reaktionsprodukte so sein soll, dass auch die Gasabführung
durch dünne Kanäle möglich ist, ohne dass Kondensationsprodukte in diesen Kanälen
zu Verstopfungen führen. Insbesondere soll sich das Kernmaterial leicht aus eventuell
sehr engen Öffnungen aus dem Hohlraum, sei es durch Auflösung der Grundsubstanz, sei
es durch Zerfall des Bindemittels, bei dem die Grundsubstanz wieder rieselfähig wird,
entfernen lassen.
[0008] Diese Aufgabe wird durch die Schaffung eines Giesskerns der eingangs genannten Art
gelöst, der dadurch gekennzeichnet ist, dass das zur Bindung des wasserlöslichen Salzes
eingesetzte Bindemittel Zuckercouleur in einer Konzentration von 0,3 bis 15 Gew.%,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Giesskerns, darstellt.
[0009] Im Rahmen der Erfindung ist überraschenderweise gefunden worden, dass durch den Einsatz
von Zuckercouleur als Bindemittel die vorstehend erwähnten Nachteile vermieden werden
können. Hierbei ist insbesondere vorteilhaft, dass die erfindungsgemässen Giesskerne
bei den Giesstemperaturen nur sehr geringe Mengen an Verbrennungsgasen aus dem Bindemittel
freisetzen, wobei es nicht zur Bildung pastöser Kondensate kommt, durch die die Abströmkanäle
eingeengt bzw. verstopft werden könnten.
[0010] Zuckercouleur, das auch Karamel genannt wird, ist üblicherweise eine mehr oder weniger
dunkel gefärbte Masse, die entsteht, wenn man Rohrzukker, Rübenzucker oder Traubenzucker
- gegebenenfalls unter Zusatz von etwas Alkali - auf höhere Temperaturen erhitzt.
[0011] Nach einer Ausführungsform der Erfindung liegt das wasserlösliche Salz, welches mit
Zuckercouleur gebunden wird, in körniger Form vor. Durch eine derartige Konfiguration
wird die Auflösung bzw. Entfernung desselben im Regelfall erleichtert.
[0012] Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden in die mitZuckercouleurgebundenen
Kerne bei deren Herstellung Metallröhrchen, z.B. durch Verpressen, derart mit eingeführt,
dass sie später sowohl zur Befestigung der Kerne in der Giessform als auch zur Abführung
der Reaktionsgase während des Giessvorganges dienen können. Die derart eingesetzten
Röhrchen können, einerseits um einen festen Sitz im Kernmaterial und andererseits
um eine leichte Abführung der Gase zu erreichen, in der Art von Hohlnieten umgebördelt,
seitlich geschlitzt oder perforiert sein.
[0013] Zur Befestigung der Kerne in der Giessform können ebenfalls Röhrchen, z.B. aus Metall,
vorgesehen sein, die derart ausgebildet sind, dass sie ausserhalb der Giessform die
Möglichkeit des Anschlusses an eine Saugleitung bieten.
[0014] Die Giesskerne werden nach einem Verfahren gemäss der Erfindung derart hergestellt,
dass das wasserlösliche Salz mit 0,3 bis 15 Gew.% Zuckercouleur in wässeriger, organischer
oder gemischt wässerig-organischer Lösung in bekannter Weise vermischt, in Formen
verpresst und bei erhöhter Temperatur ausgebacken wird. Wenngleich der Anteil des
eingesetzten Lösungsmittels in weite Grenzen schwanken kann, wurden doch besonders
günstige Ergebnisse bei einem Gewichtsverhältnis von Lösungsmittel zu organischem
Bindemittel von etwa 1 :1 bis 1 :10 erhalten.
[0015] Für die Herstellung von Giesskernen für bestimmte Anwendungszwecke kann es günstig
sein, wenn die Grundsubstanz bei der Umhüllung mit dem Bindemittel auf einer gegenüber
der Raumtemperatur etwas erhöhten Temperatur gehalten wird. So kann die Grundsubstanz
bei der Umhüllung mit dem Bindemittel beispielsweise eine Temperatur zwischen 20 und
180° C aufweisen, wobei der für die Umhüllung erforderliche Mischvorgang dann so lange
fortgesetzt wird, bis ein trockenes rieselfähiges Gemisch entstanden ist.
[0016] Der nachfolgende Verpressungsvorgang erfolgt vorteilhafterweise ebenfalls bei erhöhten
Temperaturen. Hierbei sind Presstemperaturen im Bereich zwischen 50 und 200° C bevorzugt.
[0017] Das Ausbacken, das üblicherweise auf die Verpressung folgt, wird ebenfalls bei erhöhter
Temperatur vorgenommen. Hierbei haben sich Temperaturen zwischen 150 und 300° C als
günstig erwiesen. Die für das Ausbacken erforderliche Zeit richtet sich nach der Art
der gewählten Zuckercouleur und der Ausbacktemperatur, wobei sie für die vorstehend
angegebenen Ausbacktemperaturen üblicherweise Zeiträume von etwa 10 min bis etwa 2
h umfassen kann.
[0018] Bei der Herstellung des erfindungsgemässen Giesskerns kann die Trocknung bzw. die
Entfernung des Lösungsmittels durch Temperaturerhöhung durch Einleiten warmer trockener
Luft beschleunigt bzw. begünstigt werden.
[0019] Die erfindungsgemässen Giesskerne sind in der beigefügten Figur in einer bevorzugten
Ausführungsform schematisch veranschaulicht. In der Figur ist bei dem Giesskern ein
Kühlkanal-Ringkern 1, der zur Herstellung eines Kühlkanals im Kolben einer Brennkraftmaschine
dient, gezeigt. Die eingeformten Röhrchen 2 dienen zur Befestigung in den Kernaufnahmen
3 der Giessform und zugleich zur Gasableitung.
[0020] Die erfindungsgemässen Giesskerne weisen besondere Vorteile auf. So lassen sich die
Kerne aus den fertigen Gussteilen ohne jegliche Mühe, beispielsweise durch Wasserzufuhr,
auswaschen. Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemässen Giesskerne aber auch des Verfahrens
zu deren Herstellung besteht darin, dass weder bei der Herstellung der Kerne noch
während des Giessvorganges oder beim späteren Auswaschen der Kernreste aus dem Gussstück
Gase, Dämpfe oder Abfallstoffe entstehen bzw. freigesetzt werden, die in irgendeiner
Weise umweltschädlich wären. Abgesehen davon ist, wie bereits vorstehend ausgeführt
wurde, die Menge an freigesetztem Gas relativ gering.
[0021] Schliesslich ist zu erwähnen, dass das Bindemittel auf der Basis von Zuckercouleur
ausgezeichnete Zerfallseigenschaften aufweist, da seine Bindekraft beim Giessen des
Gussstückes weitgehend zerstört wird. Die Grundsubstanz, die nach dem Erkalten des
Gussstückes in weitgehend rieselförmiger Form vorliegt, lässt sich dann durch einfaches
Ausrütteln oder aber durch Spülen aus dem entstandenen Hohlraum leicht entfernen.
[0022] Die Herstellung des erfindungsgemässen Giesskernswird nachstehend in einem Ausführungsbeispiel
erläutert, das nicht als Einschränkung aufzufassen ist.
Beispiel
[0023] Zur Herstellung von 100 kg Kernmaterial wurden 2,7 kg Zuckercouleur mit 0,3 kg Alkohol
verdünnt und in dieser Form einer Menge von 97 kg NaCI bei einer Temperatur von 120°
C zugegeben und einem schonend arbeitenden Mischer zugeführt. Bereits nach kurzer
Zeit waren die Salzkörner vom Bindematerial umhüllt und konnten durch Einleiten warmer
Luft getrocknet werden. Sobald die Mischung wieder rieselfähig war, wurde sie in ein
Pressgesenk der gewünschten Form gebracht und dort verdichtet, wobei das Verdichtungsverhältnis
1,4:1 betrug. Das Pressgesenk selbst wurde dabei auf einer Temperatur von 140° C gehalten.
Es enthielt in einer entsprechenden Halterung die seitlich geschlitzten und in Form
einer Hohlniete ausgebildeten Röhrchen. Der so hergestellte Kern wurde dem Pressgesenk
mit Hilfe einer entsprechenden Vorrichtung entnommen und anschliessend auf einer,
der Kernform angepassten Unterlage während 60 min bei 220° C ausgebakken.
1. Giesskern zur Erzeugung schwer zugänglicher Hohlräume in Gussstücken aus Aluminium
oder aus einer Aluminiumlegierung aus einer körnigen Grundsubstanz und einem Zuckerderivat,
die in Lösung vermischt, in Formen verpresst und bei erhöhter Temperatur ausgebacken
sind, dadurch gekennzeichnet, dass als Grundsubstanz wasserlösliches Salz mit 0,3
bis 15 Gew.% Zuckercouleur, bezogen auf das Gesamtgewicht des Giesskerns, vermischt
ist.
2. Giesskern nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Kern mindestens ein
eingepresstes Röhrchen enthalten ist.
3. Verfahren zur Herstellung eines Giesskerns gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Grundsubstanz mit 0,3 bis 15 Gew.% Zukkercouleur in wässeriger oder organischer
Lösung vermischt wird.
1. A casting core for the creation of difficultly accessible cavities in castings
of aluminium or of one of its alloys, comprising a granular base substance and a sugar
derivative, being mixed in solution, pressed in a mold and baked at elevated temperature,
characterized in that as base substance a water-soluble salt is mixed with 0.3-15%
by weight of burnt sugar, referred to the total weight of the casting core.
2. A casting core according to claim 1, characterized in that the core includes at
least one tubule pressed into the core.
3. A process for the production of a casting core according to claim 1, characterized
in that the base substance is mixed with 0.3-15% by weight of burnt sugar in aqueous
or organic solution.
1. Noyau de fonderie pour la préparation de cavités difficilement accessibles dans
des pièces moulées en aluminium ou en alliage d'aluminium, à partir d'une substance
de base granuleuse et d'un dérivé du sucre, qui sont mélangés en solution, comprimés
dans des moules et cuits à température élevée, caractérisé en ce que, comme substance
de base, un sel soluble dans l'eau est mélangé avec 0,3-15% en poids de sucre caramélisé,
rapporté au poids total du noyau de fonderie.
2. Noyau de fonderie selon la revendication 1, caractérisé en ce que le noyau contient
au moins un petit tube enfoncé par compression.
3. Procédé de fabrication d'un noyau de fonderie selon la revendication 1, caractérisé
en ce que la substance de base est mélangée avec 0,3-15% en poids de sucre caramélisé
en solution aqueuse ou organique.