[0004] Die Erfindung zielt nun darauf ab, ein Verfahren zur Herstellung eines Stahles zu
schaffen, bei welchem die Vorteile beruhigter Stähle beim Vergießen im Stranggießverfahren
erhalten werden, ohne daß hiefür aufwendige Vakuumberuhigungsverfahren erforderlich
sind, wobei gleichzeitig gute Zieheigenschaften bzw. Kaltverformungseigenschaften
erzielt werden sollen. Zur Lösung dieser Aufgabe besteht die Erfindung im wesentlichen
darin, daß der C-Gehalt auf ≤ 0,05 %, vorzugsweise ≤ 0,03 %, der Si-Gehalt auf ≤ 0,05
%, vorzugsweise ≤ 0,02 bis 0,04 %, und der Al-Gehalt auf ≤ 0,006 % eingestellt wird,
wobei ein Äquivalentkohlenstoffgehalt entsprechend der Beziehung C
eq=%C+1/7%Si+1/5%Mn+1/7%Cr+1/20%Ni+1/9%Cu+1/2%Mo+1/2%V ≤ 0,14% und vorzugsweise 0,10
- 0,12 %, eingestellt wird. Auf diese Weise werden Drahtziehgüten erzielt, welche
Eigenschaftengleichheit zum unberuhigten weichen Stahl erwarten lassen, ohne daß die
Vergießbarkeit auf Stranggußanlagen im Freilauf beeinträchtigt wird. Die an diese
Drahtziehgüten gestellten Anforderungen in bezug auf niedrige Gehalte an Kohlenstoff,
Silizium, Aluminium, Stickstoff sowie an Verunreinigungen, die Festigkeitssteigerungen
hervorrufen, wie Chrom, Nickel und Kupfer, sowie möglichst geringe Perlitanteile und
große Ferritkörner, gewährleisten niedrigen Verformungswiderstand, große Duktilität
und geringe Kaltverfestigung, so daß eine gute Ziehbarkeit und Kaltstauchfähigkeit
erzielt werden kann. Durch die Einstellung eines Kohlenstoffgehaltes auf Gehalte von
weniger als 0,05 %, vorzugsweise weniger als 0,03 %, wird die Tendenz der Bildung
von Blasen und Blasenkanälen beim Vergießen im Strang verringert, sowie eine geringere
Kaltverfestigung erzielt. Ebenso ist die Einstellung eines Siliziumgehaltes von kleiner
als 0,05 %, vorzugsweise 0,02 bis 0,04 % dafür verantwortlich, daß die Tendenz der
Kaltverfestigung sowie die Ausgangsfestigkeit verringert wird. Die Einstellung des
Aluminiumgehaltes von weniger als 0,006 % zielt darauf ab, Ausscheidungen von Aluminiumnitrid,
welches eine Verkleinerung der Korngröße bewirken würde, auszuschließen. Niedrige
Phosphor-, Stickstoff-, Chrom-, Nickel- und Kupfergehalte verringern die Tendenz zur
Kaltverfestigung und es wird die Walzdrahtfestigkeit an sich erniedrigt. Durch die
Einhaltung eines Kohlenstoffäquivalents C
eq=%C+1/7%Si+1/5%Mn+1/7%Cr+1/20%Ni+1/9%Cu+1/2%Mo+1/2%V von max. 0,14 und vorzugsweise
0,10 bis 0,12 % wird eine Korngröße von 15 bis 20 µm und ein Perlitanteil von ≤ 0,007
% erzielt. Ein derartiger Stahl kann ohne weiteres im Strang vergossen werden, ohne
daß es hiefür besonderer Schutzmaßnahmen bedarf und weist bei Durchmessern von 5,5
bis 13 mm Ausgangsfestigkeiten von ≤ 360 N/mm
2, eine Streckgrenze 6280 N/mm
2, eine Dehnung ≥ 20 % und eine Einschnürung ≥ 80 % auf. Die maximal vorliegende Einschlußgröße
im Draht wurde mit ≤ 4 nach Stahleisen-Prüfblatt 1570 bestimmt, wobei es sich um plastische
Mangan-Silikate mit einer maximalen Länge von 20 µm handelte.
[0005] Demgegenüber ist die Herstellung von Drähten aus Blockgußvormaterial mit größeren
Inhomogenitäten verbunden und es liegen die Einschlußgrößen bei Drähten, hergestellt
aus Blockgußvormaterial, bedeutend höher. Insbesondere bei Drähten, welche aus dem
Material der Fußzone des Blockes gezogen werden, wurden Einschlußgrößen von 50 bis
100 µm gefunden und es ist das Verformungsverhalten dieser nichtmetallischen Einschlüsse,
die bei unberuhigtem Blockguß entstehen, wesentlich ungünstiger. Die Verfestigung
beim Ziehen des auf die erfindungsgemäße Weise hergestellten Vormaterials entspricht
praktisch den Werten, welche sich bei Material aus unberuhigtem Stahl ergeben.
[0007] Anschließend an den Abstich wird der Stahl erfindungsgemäß einer Konditionierungsbehandlung
unterworfen, wobei die Einstellung der Silizium- und Mangangehalte in Abhängigkeit
von dem erzielten Endkohlenstoffgehalt vorgenommen wird. In besonders vorteilhafter
Weise wird hiebei so vorgegangen, daß der Stahl anschließend an das Frischen einer
Konditionierungsbehandlung unterworfen wird, bei welcher der Si-Gehalt und der Mn-Gehalt
in Abhängigkeit von dem C eg -Gehalt bei Werten von C
eq ≥ 0,025 %, insbesondere durch Zugabe von Si auf eine Summe von %Si+0,1%Mn=1,53%C+0,012,
eingestellt wird.