[0001] Einlauf für die Metallschmelze in Stranggießvorrichtungen, die eine feststehende
feuerfeste Gießdüse und eine Kokille mit nur in Gießrichtung bewegten Kokillenwänden
aufweisen
[0002] Die Erfindung betrifft einen Einlauf für die Metallschmelze, insbesondere Stahlschmelze,
in Stranggießvorrichtungen, die eine feststehende feuerfeste Gießdüse und eine diese
teilweise umschließende Kokille mit nur in Gießrichtung bewegten Kokillenwänden aufweisen,
wobei zwischen den einander zugewandten Flächen der Kokillenwände, die eine wärmedämmende
Beschichtung aufweisen, und der Gießdüse zumindest an deren Austrittsbereich ein Spalt
mit einer derartig bemessenen Spaltweite eingestellt ist, daß in ihm während des Gießvorgangs
ein mit flüssigem Metall angefüllter Flüssigbereich und der Anfang des von den Kokillenwänden
ausgehenden Erstarrungsbereichs vorhanden sind.
[0003] In der EP-OS O 045 365 ist bereits ein Einlauf der eingangs genannten Gattung beschrieben,
der sich ohne Zusatzeinrichtungen - wie beispielsweise elektromagnetische Dichtungen
- auch bei größeren Spaltweiten oberhalb von 0,3 mm dann abdichten läßt, wenn man
unter Berücksichtigung der Gießgeschwindigkeit (entsprechend der Umlaufgeschwindigkeit
der Kokillenwände) dafür Sorge trägt, daß in dem Spalt stets ein Flüssigbereich aufrechterhalten,
also die Bildung einer Erstarrungsbrücke zwischen der Gießdüse und den Kokillenwänden
verhindert wird. Bei dem bekannten Einlauf muß also im Spalt dadurch ein stationäres
Gleichgewicht zwischen flüssigem und erstarrtem Metall hergestellt werden, daß die
in den Spalt einströmende Metallmenge der mit den Kokillenwänden aus dem Spalt herausgeförderten
erstarrten Metallmenge entspricht. Bei der in Rede stehenden Abdichtung mittels eines
in den Spalt hineinreichenden Erstarrungsbereichs unter Ausschluß einer Brückenbildung
können jedoch dadurch Störungen auftreten, daß die im Spalt zungenförmig erstarrende
Strangschale bis auf die Außenwand der Gießdüse durcherstarrt, also zu dick wird und
einen den Spalt verschließenden Pfropfen bildet. Eine Durcherstarrung der im Spalt
befindlichen Metallschmelze kann insbesondere dann auftreten, wenn diese beim Hochfahren
der Stranggießvorrichtung auf die vorgesehene Gießgeschwindigkeit kurzzeitig zu weit
in den Spalt einbringt und demzufolge eine bis zur Gießdüse reichende Erstarrungsbrücke
bildet.
[0004] Die Pfropfenbildung begünstigende Störungen können jedoch auch durch während des
Gießvorgangs vor sich gehende Änderungen der Spaltweite hervorgerufen werden, beispielsweise
durch Schwankungen der Kokillenwandbeschichtung, durch eine Welligkeit oder einen
Versatz der Kokillenwände, durch den betriebsbedingten Verschleiß der Gießdüse oder
durch eine Verschiebung der thermo-mechanisch belasteten Gießdüse innerhalb der Kokillenwände.
Obwohl ein den Spalt verschließender Pfropfen eine mechanische Dichtung darstellt,
muß er sobald wie möglich und schonend aus dem Spaltbereich entfernt werden, da andernfalls
eine Beschädigung zumindest der Gießdüse, eine Beeinträchtigung der Qualität des Gießerzeugnisses
oder eine Störung des Gießvorgangs zu befürchten ist. Falls beispielsweise der Pfropfen
nach Abreißen von der sich bildenden Strangschale im Spalt stecken bleibt, kann sich
das angestrebte stationäre Gleichgewicht zwischen erstarrtem und flüssigem Metall
nicht erneut einstellen. Erreicht der Pfropfen vor dem Herauslösen aus dem Spalt eine
zu große Ausdehnung, stellt er einen Gießfehler dar, der die unmittelbare Weiterverarbeitung
des Gießerzeugnisses unter Umständen unmöglich macht. Schließlich kann der Pfropfen
der Ausgangspunkt für ein unerwünschtes Anwachsen des Erstarrungsbereichs in Gießrichtung
sein, an dessen Ende die Strangschale fortlaufend aufreißt mit der Folge, daß das
flüssige Metall die im Aufreißbereich zu dünne Strangschale außerhalb der Stranggießvorrichtung
durchbricht.
[0005] Aus der DE-AS 30 09 189 ist eine Einrichtung zum Horizontalstranggießen insbesondere
von Stahl bekannt, in deren in sich starre Stranggießkokille eine sich in Gießrichtung
geradlinig verjüngende Gießdüse hineinragt. Die Gießbohrung der Stranggießkokille
ist so ausgebildet, daß sie mit der Außenfläche der Gießdüse einen sich in Gießrichtung
erweiternden Spalt begrenzt, der annähernd dem Verlauf des von der Stranggießkokille
ausgehenden Erstarrungsbereichs angepaßt ist. Das Eindringen der Metallschmelze in
den Spalt wird dabei mittels einer Magnetspule begrenzt, welche nach Art eines elektrischen
Ventils den Rückfluß der Metallschmelze entgegen der Gießrichtung verhindert.
[0006] Bei dem aus der CH-PS 508 433 bekannten Einlauf ist der Spalt zwischen der Gießdüse
und den bewegten Wänden der zugehörigen Raupenkokille mit höchstens 0,3 mm so eng
gehalten, daß die zu verarbeitende Metallschmelze nicht in den Spalt eindringen kann.
[0007] Eine derartig geringe Spaltweite läßt sich aber nicht über eine längere Zeitspanne
hinweg aufrechterhalten, weil der feuerfeste Werkstoff der Gießdüse unter dem Einfluß
der Metallschmelze verhältnismäßig schnell verschleißt. Sofern aber Metallschmelze
in den allmählich weiter werdenden Spalt eindringt und dort infolge Abkühlung an den
Kokillenwänden erstarrt, ist eine Verschlechterung der Qualität des Gießerzeugnisses
und/oder eine Beschädigung zumindest der Gießdüse zu befürchten.
[0008] Mit der Erfindung soll der eingangs beschriebene Einlauf für die Metallschmelze in
Stranggießvorrichtungen in der Weise ausgestaltet werden, daß im Spaltbereich etwa
entstehende Pfropfen nach Möglichkeit bereits im Entstehungszeitpunkt und zur Vermeidung
von Beschädigungen insbesondere an der Gießdüse reibungsarm mit den Kokillenwänden
aus dem Spalt herausgefördert werden. Der Erfindungsgegenstand soll in erster Linie
die sichere und einwandfreie Verarbeitung von Stahlschmelze, vorzugsweise jedoch auch
die Verarbeitung von Kupfer und anderen höher schmelzenden Metallen wie Aluminium,
Zink und der zugehörigen Legierungen ermöglichen.
[0009] Die gestellte Aufgabe wird bei einem Einlauf der eingangs erwähnten Gattung dadurch
gelöst, daß dieser im wesentlichen die Merkmale des Anspruchs 1 aufweist. Der grundlegende
Lösungsgedanke der Erfindung besteht danach darin, die Gießdüse auf der ihrem Austrittsquerschnitt
zugewandten Seite mit einem kurzen Krümmungsabschnitt auszustatten, der eine bezüglich
ihrer Längsachse konvex gekrümmte Außenkontur aufweist; die gegenseitige Zuordnung
der sich jeweils gegenüberliegenden Wände, d. h. der benachbarten Kokillenwand und
der zugehörigen Fläche des Krümmungsabschnitts, ist dabei in der Weise gewählt, daß
sich der Spalt bezüglich der benachbarten Kokillenwand in Gießrichtung unter einem
mittleren öffnungswinkel - berechnet aus dem Bogen des Sinus des Verhältnisses "größte
Spaltweite am Austrittsquerschnitt/axiale Länge des Krümmungsabschnitts" - von mindestens
7° erweitert. Falls der Krümmungsabschnitt eine Außenkontur mit einem konstanten Krümmungsradius
aufweist, führt eine Vergrößerung des mittleren öffnungswinkels bei unveränderter
Länge des Krümmungsabschnitts zu einer Verkleinerung des Krümmungsradius. Die Spaltweite
am Anfang des Krümmungsabschnitts ist vorzugsweise so eingestellt, daß sich die eingangs
beschriebene Spaltabdichtung ohne Gefahr einer Brückenbildung zwischen Gießdüse und
Kokillenwänden während des Gießvorgangs aufrechterhalten läßt; es hat sich in diesem
Zusammenhang als zweckmäßig erwiesen, eine Spaltweite in der Größenordnung von 0,3
mm nach Möglichkeit nicht zu unterschreiten.
[0010] Der Erfindungsgegenstand kann jedoch auch so ausgestaltet sein, daß die Länge des
Krümmungsabschnitts allenfalls 25 mm beträgt (Anspruch 2); dies hat zur Folge, daß
bei unveränderter Größe des mittleren öffnungswinkels der Krümmungsradius entsprechend
kleiner gewählt werden muß, so daß die Außenkontur der Gießdüse unmittelbar vor deren
Austrittsquerschnitt eine stärkere Krümmung aufweist. Ein weiteres wesentliches Merkmal
des Erfindungsgegenstandes besteht darin, daß die Spaltweite am Austrittsquerschnitt
bis zu 25 mm beträgt (Anspruch 3). Es wird also in Gießrichtung eine erhebliche Spalterweiterung
zugelassen, um das Herauslösen eines etwa entstehenden Pfropfens aus dem Spalt zu
gewährleisten. Bei einer besonders vorteilhaften Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes
weist der mittlere öffnungswinkel einen Wert von 7°, der Krümmungsabschnitt eine Länge
von 25 mm und die Außenkontur einen in Gießrichtung konstanten Krümmungsradius von
110 mm auf. Eine andere Ausführungsmöglichkeit des Erfindungsgegenstandes besteht
darin, daß der Krümmungsabschnitt einen in Gießrichtung abnehmenden Krümmungsradius
aufweist (Anspruch 4); insbesondere kann die Außenkontur der Gießdüse einen Verlauf
aufweisen, welcher demjenigen des Scharfrichters einer Trompete entspricht.
[0011] Beim Vergießen von Metallen mit kurzer Erstarrungszeit und hoher Wärmeleitfähigkeit,
wie beispielsweise Kupfer, Aluminium und niedrig-legiertem Stahl, ist die Gefahr der
Pfropfenbildung besonders groß. Insbesondere bei der Verarbeitung derartiger Metalle
hat es sich als vorteilhaft erwiesen, den Krümmungsabschnitt aus einem Keramikwerkstoff
mit geringer Wärmeleitfähigkeit und geringer Netzfähigkeit herzustellen (Anspruch
5); ein besonäers geeigneter Keramikwerkstoff dieser Art ist Bornitrid.
[0012] Zweckmäßigerweise sind die in Gießrichtung liegenden Außenkanten der Gießdüse mit
einer Abrundung ausgestattet, deren Radius allenfalls 3 mm, vorzugsweise 1 mm, beträgt
(Anspruch 6). Dies hat zur Folge, daß der Spalt im Bereich der Außenkanten geringfügig
größer ist als im Bereich der sich gegenüberliegenden Flächen der Kokillenwände und
der Gießdüse. +) bezüglich des zu vergießenden Metalls Bei einer Weiterbildung des
Erfindungsgegenstandes schließt sich der Krümmungsabschnitt in Gießrichtung an einen
Konstantabschnitt an, in dem die Gießdüse mit den Kokillenwänden einen Spalt mit in
Gießrichtung konstanter Spaltweite bildet (Anspruch 7).
[0013] Vorzugsweise beträgt die Spaltweite in dem Konstantabschnitt mehr als 0,3 mm (Anspruch
8).
[0014] Um einen Pfropfen (gleich:örtlich durcherstarrte Metallzunge), der sich zufällig
und nicht gleichmäßig am gesamten Spaltumfang bildet, zuverlässig und schnell aus
dem Spalt heraustransportieren zu können, muß zwischen dem Pfropfen und den sich bewegenden
Kokillenwänden ein ausreichender Kraftschluß vorliegen; gleichzeitig muß sichergestellt
sein, daß die Verbindung zwischen dem Pfropfen und der sich anschließenden Strangschale
nicht abbricht; die Abbruchgefahr ist erfahrungsgemäß deshalb groß, weil der Kraftschluß
jeweils nur örtlich begrenzt vorliegt und der Pfropfen, bedingt durch die Spaltabmessung,
allenfalls einige zehntel Millimeter stark ist. Der mit der in Gießrichtung konvexen
Spalterweiterung des Erfindungsgegenstandes erzielte Vorteil besteht darin, daß der
sich bildende Erstarrungsbereich in Gießrichtung ungestört anwachsen kann und demzufolge
auch im Anfangsbereich des S
Daltes größere Kräfte übertragen werden können. Entsprechend dem Erstarrungsgesetz
ergibt sich für den Verlauf des von den Kokillenwänden ausgehenden Erstarrungsbereichs
beim Anfahren der Stranggießvorrichtung mit einer Gießgeschwindigkeit von rund 1 m/min.
ein mittlerer Steigungswinkel von etwa 6° und während des Gießvorgangs bei einer Gießgeschwindigkeit
von 10 m/min. ein mittlerer Steigungswinkel von 2°.
[0015] Falls also der mittlere öffnungswinkel im Bereich des Krümmungsabschnitts mindestens
7° beträgt, kann sich - in Gießrichtung gesehen - zwischen Gießdüse und Erstarrungsbereich
ein dünner Flüssigbereich ausbilden, welcher das Festklemmen des Erstarrungsbereichs
innerhalb des Spalts an der Gießdüse verhindert. Beim Abtransport des Erstarrungsbereichs
öffnet sich der Spalt aufgrund der konvexen Krümmung des Krümmungsabschnitts zunehmend,
so daß die stetige Zufuhr neuer Metallschmelze nicht behindert wird.
[0016] Durch die konvexe Ausgestaltung des Spaltverlaufs lassen sich außerdem die störenden
Einflüsse wirksam zurückdrängen, welche durch die Einflußgrößen: Beschichtung der
Kokillenwände, Welligkeit der Kokillenwände, Gießgeschwindigkeit und Stellung der
Gießdüse innerhalb der Kokillenwände hervorgerufen werden. Die Spalterweiterung in
Gießrichtung begrenzt nicht nur die mögliche Kontaktfläche zwischen der Gießdüse und
einem etwa entstandenen Pfropfen auf ein kurzes Wegstück und erleichtert damit die
Pfropfenablösung; sie stellt bei einem mittleren öffnungswinkel von 7° auch eine laminare
Strömung im Spaltbereich sicher mit der Folge, daß das Gießerzeugnis eine ausreichend
gute Oberfläche aufweist. Durch die Abrundung der in Gießrichtung liegenden Außenkanten
wird nicht nur eine Beschädigung der Gießdüse verhindert, sondern ein schnelleres
Anwachsen des Erstarrungsbereichs bei gleichzeitiger Verbesserung der Ablösbarkeit
im Falle der Pfropfenbildung ermöglicht. Die Verwendung eines Keramikwerkstoffs mit
schlechter Wärmeleitfähigkeit zumindest im Bereich des Krümmungsabschnitts führt dazu,
daß die konvex gekrümmte Außenkontur weniger erwärmt wird als bei Verwendung eines
gut wärmeleitenden Keramikwerkstoffs.
[0017] Die in den Spalt eindringende Metallschmelze wird daher schneller erstarren und auch
grundsätzlich leichter zu einem Pfropfen durcherstarren. Dieser weist jedoch angesichts
der schnellen Erstarrung eine verhältnismäßig kleine Kontaktfläche mit der Gießdüse
auf und läßt sich dementsprechend besser mit der Bewegung der Kokillenwände ablösen
und aus dem Spalt herausführen.
[0018] Die erfindungsgemäße Ausgestaltung der Gießdüse im Bereich bis zu ihrem Austrittsquerschnitt,
die eine in Gießrichtung vor sich gehende Abnahme der Außenabmessunqen nach sich zieht,
erleichtert auch das Einfädeln der Gießdüse zwischen die Kokillenwände. Dies ist insofern
von Bedeutung, als die auf sehr hohe Temperaturen vorgeheizte Gießdüse unter Einwirkung
der stark gekühlten Kokillenwände in kurzer Zeit einen erheblichen Wärmeverlust erfährt
una der erwähnte Einfädelungsvorgang, unter Vermeidung stoßartiger Berührungen mit
den Kokillenwänden,innerhalb eines Zeitraums von weniger als einer Minute abgeschlossen
sein muß.
[0019] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten bevorzugten
Ausführungsbeispiels im einzelnen erläutert.
[0020] Es zeigen:
Fig. 1 stark schematisiert einen vertikalen Teilschnitt durch eine Kokille mit nur
in Gießrichtung bewegten Kokillenwänden im Bereich des Vorderabschnitts einer Gießdüse,
wobei im Spalt zwischen den Kokillenwänden und der Gießdüse ein stationärer Gleichgewichtszustand
zwischen Erstarrungsbereich und Flüssigbereich herrscht, und
Fig. 2 die in Fig. 1 dargestellte Anordnung, wobei der Erstarrungsbereich zu einem
den Spalt verschließenden Pfropfen durcherstarrt ist.
[0021] Die den Vorderabschnitt der rohrförmigen Gießdüse 1 umschließende Kokille 2 weist
als wesentliche Bestandteile zwei endlose Gießbänder 3 und sich seitlich an diese
anschließende endlose Seitendämme mit gegeneinander beweglichen Einzelgliedern 4 auf,
die miteinander einen rechteckigen Gießhohlraum 5 begrenzen. In diesen wird durch
die Gießdüsenbohrung 1' hindurch in Richtung des Pfeiles 6 von links Stahlschmelze
zugeführt. Die Längsachse 1" der Gießdüse 1 fällt mit der Längsachse der Kokille 2
und des Gießhohlraums 5 zusammen.
[0022] Die Bewegungsrichtung der Kokillenwände 3 und 4, dargestellt durch einen Pfeil 7,
stimmt im Bereich des Vorderabschnitts der Gießdüse 1 und des Gießhohlraums 5 mit
der Gießrichtung (Pfeil 6) überein, d. h. der sich bei Durchlaufen des Gießhohlraums
5 bildende Gießstrang bewegt sich von links nach rechts.
[0023] Die Abmessungen und die Befestigung des Vorderabschnitts der Gießdüse 1 bezüglich
der Kokillenwände 3 und 4 sind so gewählt, daß zwischen den einander zugewandten Flächen
der Kokillenwände und der Gießdüse jeweils ein Spalt 8 vorhanden ist, also eine Berührung
zwischen den Kokillenwänden und der Gießdüse nicht stattfindet.
[0024] Die Kokillenwände 3 und 4 sind mit einer Beschichtung 9 belegt, die beispielsweise
aus einem Pulver oder einer Suspension auf Graphitbasis besteht.
[0025] Der in der Zeichnung dargestellte, aus Bornitrid bestehende Vorderabschnitt der Gießdüse
1 weist - in Gießrichtung aufeinanderfolgend - einen Konstantabschnitt G und einen
Krümmungsabschnitt K auf. Der erstgenannte Abschnitt ist durch eine geradlinige Außenkontur
gekennzeichnet, die mit den gegenüberliegenden Kokillenwänden einen Spalt mit in Gießrichtung
gleichbleibender Spaltweite bildet. Der Krümmungsabschnitt K weist eine bezüglich
der Längsachse 1" konvex gekrümmte Außenkontur auf, aufgrund derer sich der Spalt
8 bezüglich der benachbarten Kokillenwand in Gießrichtung unter einem mittleren öffnungswinkel
α von 7° erweitert. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel weist der Krümmungsabschnitt
K eine axiale Länge von 25 mm und einen in Gießrichtung konstanten Krümmungsradius
R von 110 mm auf. Ausgehend von einer Spaltweite von 0,3 mm im Bereich des Konstantabschnitts
G erweitert sich der Spalt 8 im Bereich des Krümmungsabschnitts K in Gießrichtung
unter einem mittleren öffnungswinkel α von 7
0 bis zu einer maximalen Spaltöffnung von 3 mm am Austrittsquerschnitt 1"'. Abhängig
von den geometrischen Verhältnissen im Spalt 8 und den zugehörigen Werkstoffeigenschaften
sowie der Wirkung der Beschichtung 9 stellt sich bei einer Gießgeschwindigkeit von
10 m/min. im Spalt 8 der in Fig. 1 dargestellte stationäre Gleichgewichtszustand ein.
Dieser ist dadurch gekennzeichnet, daß die Metallschmelze 10 entgegen der Gießrichtung
um ein Wegstück s in den Spalt eindringt und daß in dem Spalt neben dem von den Kokillenwänden
ausgehenden Erstarrungsbereich 10' ein Flüssigbereich 10" vorhanden ist, welcher die
Bildung einer Brücke aus erstarrtem Metall zwischen der Gießdüse und den Kokillenwänden
verhindert. Die während des Gießvorgangs herrschenden Betriebsbedingungen (Spaltweite,
Beschichtung der Kokillenwände, Geschwindigkeit der Kokillenwände) sind also derart
gewählt, daß durch den spaltförmigen Flüssigbereich 10" immer gerade soviel flüssiges
Metall nach links nachströmt, wie nach dem Erstarren an den Kokillenwänden durch deren
Bewegung nach rechts in Gießrichtung (Pfeil 6) abgeführt wird. Die fortlaufend in
den Spalt 8 einströmende Metallschmelze 10 bildet sozusagen einen dünnen Schmierfilm,
auf dem sich der mit den Kokillenwänden mitbewegte Erstarrungsbereich 10' nach rechts
bewegt, ohne eine feste Verbindung mit der gekrümmten Außenkontur der Gießdüse 1 bilden
zu können. Da das Wegstück s kürzer ist als die Länge des Krümmungsabschnitts K,erstrecken
sich der Anfang des Erstarrungsbreichs 10' und des Flüssigbereichs 10
* bis in einen Bereich, in dem die Spaltweite um einiges größer ist als diejenige im
Bereich des Konstantabschnitts G. Sofern also die Werkstoffeigenschaften und geometrischen
Verhältnisse der gegeneinander abzudichtenden Bestandteile 1 und 3,4 sowie die Geschwindigkeit
der Kokillenwände gerade so aufeinander abgestimmt sind, daß die in den Spalt einströmende
Metallmenge der mit den Kokillenwänden aus dem Spalt herausgeförderten erstarrten
Metallmenge entspricht, läßt sich der Spalt 8 ohne Zusatzeinrichtungen auch bei größeren
Spaltweiten abdichten. Die der Eindringtiefe s im stationären Gleichgewichtszustand
entsprechende Spaltweite liegt in dem dargestellten Ausführungsbeispiel bei etwa 0,6
mm.
[0026] Während des Betriebs der Stranggießvorrichtung können Unregelmäßigkeiten auftreten,
durch welche der zuvor beschriebene stationäre Gleichgewichtszustand dadurch beseitigt
wird, daß der von den Kokillenwänden ausgehende Erstarrungsbereich 10" in Richtung
auf die Gießdüse 1 durcherstarrt, d. h. in seinem vorderen Bereich einen Pfropfen
10"' bildet, welcher die benachbarte Kokillenwand (beispielsweise das in Fig. 2 dargestellte
obere Gießband 3) unmittelbar mit der gegenüberliegenden Außenfläche der Gießdüse
1 verbindet. In dem Bereich des Pfropfens 10"' ist also kein F
lüssigbereich 10" vorhanden.
[0027] Die in Rede stehende Störung kann beim Angießen auftreten, d. h. zu einem Zeitpunkt,
zu dem die Stahlschmelze wegen noch nicht ausreichender Geschwindigkeit der Kokillenwände
kurzzeitig tiefer in den sich entgegen der Gießrichtung verengenden Spalt 8 hineinströmt
und unter Umständen in der bereits beschriebenen Weise durcherstarrt. Eine derartige
Störung kann jedoch auch während des Gießvorgangs durch Schwankungen im Bereich der
Beschichtung 9, durch eine an den Gießbändern auftretende Welligkeit
bzw. durch einen Versatz der Einzelglieder 4 der Seitendämme oder durch im Bereich
der Gießdüse auftretende Abmessungs- und Lageänderungen hervorgerufen werden. In Fig.
2 ist die Bildung eines Pfropfens 10"' dargestellt, bei welcher der Erstarrungsbereich
10' sich entgegen der Gießrichtung (Pfeil 6) tiefer in den Spalt 8 hineinveriagert
und im Bereich des Krümmungsabschnitts K mit dem Vorderabschnitt der Gießdüse 1 eine
Erstarrungsbrücke bildet. Die zugehörige Eindringtiefe s' bis zum Anfang des Pfropfens
10''' ist größer als die in Fig. 1 angedeutete Eindringtiefe s.
[0028] Die in Rede stehende Darstellung läßt erkennen,
daß durch den sich in Gießrichtung erweiternaen Spalt 8 die Kontaktfläche zwischen
der Gießdüse und dem Pfropfen '10"' kleingehalten wird und daß bereits eine geringfügige
Bewegung der Kokillenwand 2 nach rechts zu einer Ablösung des Pfropfens führt, der
auch über den sich anschließenden Erstarrungsbereich 10' an der zugehörigen Kokillenwand
haftet und von dieser mitgenommen wird. Darüber hinaus erleichtert die erfindungsgemäße
Spaltausbildung das Einfließen frischer Metallschmelze 10 entgegen der Gießrichtung
in den Spalt und damit die Wiederherstellung des in Fig. 1 dargestellten stationären
Gleichgewichtszustands.
[0029] Die beschriebene Spaltausbildung mit Spalterweiterung in Gießrichtung unterstützt
auch die Beseitigung eines Pfropfens, der zunächst von dem weiteren Erstarrungsbereich
abgerissen ist. Bedingt durch die Spalterweiterung in Gießrichtung kann sich nämlich
an den zunächst festsitzenden Pfropfen solange erstarrendes Metall ansetzen, bis die
benachbarte Kokillenwand eine das Ablösen des Pfropfens ausreichende Mitnahmekraft
erzeugen kann. Auch nach Bildung eines zunächst festsitzenden Pfropfens kann also
mittels der erfindungsgemäßen Ausbildung des Einlaufs sichergestellt werden, daß sich
der angestrebte stationäre Gleichgewichtszustand, in dem das in den Spalt einströmende
flüssige Metall durch Erstarrung im Erstarrungsbereich gerade aufgezehrt wird, in
kurzer Zeit und bei verminderter Beschädigungsgefahr wieder einstellt.
[0030] Die Erfindung stellt ohne aufwendige Zusatzeinrichtungen sicher, daß die Funktion
der sogenannten Flüssigspaltdichtung zwischen der feststehenden Gießdüse und den sich
ausschließlich in Gießrichtung bewegenden Kokillenwänden nicht durch zufällig und
an unterschiedlichen Stellen des Spaltbereichs auftretende Störungen in Form von Pfropfen
in Frage gestellt wird.
1. Einlauf für die Metallschmelze, insbesondere Stahlschmelze, in Stranggießvorrichtungen,
die eine feststehende feuerfeste Gießdüse und eine diese teilweise umschließende Kokille
mit nur in Gießrichtung bewegten Kokillenwänden aufweisen, wobei zwischen den einander
zugewandten Flächen der Kokillenwände, die eine wärmedämmende Beschichtung aufweisen,
und der Gießdüse zumindest an deren Austrittsbereich ein Spalt mit einer derartig
bemessenen Spaltweite eingestellt ist, daß in ihm während des Gießvorgangs ein mit
flüssigem Metall angefüllter Flüssigbereich und der Anfang des von den Kokillenwänden
ausgehenden Erstarrungsbereichs vorhanden sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Gießdüse
(1) einen an ihrem Austrittsquerschnitt (1''') endenden Krümmungsabschnitt (K) mit
einer bezüglich ihrer Längsachse (1") konvex gekrümmten Außenkontur aufweist, aufgrund
derer sich der Spalt (8) in Gießrichtung (Pfeil 6) unter einem mittleren öffnungswinkel
(α) von mindestens 7° erweitert, wobei die Länge des Krümmungsabschnitts allenfalls
50 mm beträgt.
2. Einlauf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Länge des Krümmungsabschnitts
(K) allenfalls 25 mm beträgt.
3. Einlauf nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Spaltweite
am Austrittsquerschnitt (1"') bis zu 25 mm beträgt.
4. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Krümmungsabschnitt
(K) einen in Gießrichtung (Pfeil 6) abnehmenden Krümmungsradius (R) aufweist.
Einlauf nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Krümmungsabschnitt (K) aus einem Keramikwerkstoff
mit geringer Wärmeleitfähigkeit und geringer Netzfähigkeit besteht.
6. Einlauf nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die in Gießrichtung
(Pfeil 6) liegenden Außenkanten der Gießdüse (1) eine Abrundung aufweisen, deren Radius
allenfalls 3 mm, vorzugsweise 1 mm, beträgt.
7. Einlauf nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Krümmungsabschnitt
(K) sich in Gießrichtung (Pfeil 6) an einen Konstantabschnitt (G) anschließt, in dem
die Gießdüse (1) mit den Kokillenwänden (3, 4) einen Spalt (8) mit in Gießrichtung
konstanter Spaltweite bildet.
8. Einlauf nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Spaltweite in dem Konstantabschnitt (G) mehr als
0,3 mm beträgt. +) bezüglich des zu vergießenden Metalls