(19)
(11) EP 0 064 204 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
23.07.1986  Patentblatt  1986/30

(21) Anmeldenummer: 82103255.4

(22) Anmeldetag:  19.04.1982
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B41M 5/12, B41M 5/00

(54)

Herstellung von Reaktionsdurchschreibepapieren mittels Flexodruck

Production of carbonless copying papers by flexography

Production de feuilles de copiage sans carbone par flexographie


(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE FR GB IT

(30) Priorität: 30.04.1981 DE 3117242

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
10.11.1982  Patentblatt  1982/45

(71) Anmelder: BAYER AG
51368 Leverkusen (DE)

(72) Erfinder:
  • Nehen, Ulrich, Dr.
    D-5090 Leverkusen 1 (DE)
  • Dahm, Manfred, Dr.
    D-5090 Leverkusen 31 (DE)
  • Haus, Artur, Dr.
    D-5063 Overath (DE)
  • Jabs, Gert, Dr.
    D-5068 Odenthal (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Reaktionsdurchschreibepapiere sind bekannt (vergl. M. Gutcho, Capsule Technology and Microencapsulation, Noyes Data Corporation, 1972, Seiten 242-277; G. Baxter in Microencapsulation, Processes and Applications, herausgegeben von J.E. Vandegaer, Plenum Press, New York, London, Seiten 127-143. Sie bestehen vorzugsweise aus zwei oder mehreren lose aufeinandergelegten Papierblättern, wobei das jeweils obere auf der Rückseite eine Geberschicht und das jeweils untere auf der Vorderseite eine Nehmerschicht enthält. Es ist also jeweils eine Geberschicht und eine Nehmerschicht miteinander in Kontakt. Die Geberschicht enthält Mikrokapseln, deren Kernmaterial eine Lösung eines Farbbildners in einem organischen Lösungsmittel ist, und die Nehmerschicht enthält ein Material, das den Farbstoffbildner zum Farbstoff entwickelt. Beim Beschreiben werden die Kapseln unter dem Druck des Schreibgerätes zerstört, und das auslaufende Kernmaterial trifft auf die Nehmerschicht, so daß eine Durchschrift entsteht.

    [0002] Die Nehmerschicht enthält in der Regel Bindemittel und Pigmente, z.B. aktive Absorbentien, wie Kaolin, Attapulgit, Montmorillonit, Bentonit, saure Bleicherde oder Phenolharze. Man kann z.B. auf der Geberschicht säureaktivierbare Farbstoffe und in der Nehmerschicht sauer reagierende Komponenten einsetzen.

    [0003] Eine Fortentwicklung dieser Reaktionsdurchschreibepapiere sind die "Einkomponenten"-Reaktionsdurchschreibepapiere. In diesen trägt eine Seite eines einzelnen Papierblattes den Farbvorläufer, im allgemeinen in Form von Mikrokapseln und gleichzeitig den Farbentwickler. Wenn nun Druck ausgeübt wird, z.B. durch eine Schreibmaschine oder ein anderes Schreibwerkzeug, wird die den Farbvorläufer enthaltende Kapsel aufgerissen, und der Farbvorläufer reagiert mit dem ihn umgebenden Farbentwickler (vergl. US-PS 2 730 456).

    [0004] Die Papiersubstrate werden zur Herstellung dieser kohlefreien Durchschreibesysteme i.a. in bekannter Weise vollflächig mit einer wäßrigen Beschichtungskomposition beschichtet, wie in den deutschen Offenlegungsschriften 1 934 457 und 1 955 542 beschrieben. Danach muß das Wasser verdampft werden, was einen beträchtlichen Aufwand an Energie und eine komplexe und kostspielige Apparatur erfordert.

    [0005] Vollflächige Beschichtungen sind unrationell, weil in den meisten Fällen nur Teile des Durchschreibepapiers ausgenutzt werden.

    [0006] Es sind zahlreiche Verfahren bekannt, Beschichtungsmassen partiell auf ein Trägermaterial aufzubringen. In den US-Patentschriften 3 016 308, Beispiel IX und 3 914 511, sowie in der DE-AS 19 06 823, den DE-OS 2541 001 und 2 833 651 wird beschrieben, daß man wäßrige Dispersionen von Mikrokapseln mit Hilfe verschiedener Drucktechniken partiell auf einen Papierträger aufdrucken kann. Durch den Kontakt mit Wasser kann es auf dem Papier zu Verwerfungen kommen, wodurch eine gleichmäßige Trocknung und ein präziser Druck, insbesondere von Durchschreibeformularen, mindestens sehr erschwert wird. Hinzukommt, daß das Verdampfen von Wasser einen beträchtlichen Energieaufwand erfordert.

    [0007] Aus der US-A-3 016 308 ist nun eine wasserfreie Zubereitung zur Herstellung von druckempfindlichen, kohlenfreien Durchschreibepapieren bekannt, die einen Gehalt an Benzol (Beispiel VIII), Petroleum (Beispiel XIV) oder Toluol (Tabel 2), einen Gehalt an in diesen Lösungsmitteln lösliche polymeren Bindemitteln (Isobutylmethacrylat (Beispiel VIII), Cyclokautschuk (Beispiel XIV) oder Methylmethacrylat (Tabel 2)) und einen , Gehalt an Farbstoffvorläufer enthaltenden Mikrokapseln eines mittleren Durchmessers von 0,5 - 10 µm (Beispiel VIII) oder 1 - 60 µm (Beispiel XIV) aufweisen. Ein Flexodruckverfahren wird in der US-A-3 016 308 nicht erwähnt.

    [0008] Außerdem sind aus der US-A-3 432 327 Zubereitungen bekannt, die einen Gehalt an Farbstoffvorläufer enthaltenden Mikrokapseln aus z.B. Polyurethanen aufweisen. Die Mikrokapseln sind suspendiert in Lösungsmitteln, wie Benzol, Chlorbenzol, Trichlordiphenyl, Trichlorethylen und Hexan, die eine kleine Menge Polystyrol gelöst in Chlorbenzol (Beispiel 3 und 8) enthalten können. Auch in der US-A-3 432 327 wird ein Flexodruckverfahren nicht erwähnt.

    [0009] In der DE-A-25 41 001 wird ein Verfahren beschrieben, bei dem wäßrige oder lösungsmittelhaltige Mikrokapseldispersionen ohne Verwendung von Bindemitteln verdruckt werden. Das hat zur Folge, daß nach dem Trocknen die Mikrokapseln nicht genügend mit dem Papier verbunden sind, so daß sie beim Gebrauch des Papiers verwischt oder entfernt werden, wodurch die Durchschreibewirkung des Papiers verlorengeht.

    [0010] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von druckempfindlichen, kohlefreien Durchschreibepapieren mittels Flexodruck, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man eine Zubereitung mit einem Gehalt an gegebenenfalls chlorierten, bei 20° C flüssigen Kohlenwasserstoffen oder Ethern mit einem Siedepunkt von 50 - 180°C als Lösungsmittel, einem Gehalt an in diesen Lösungsmitteln löslichen polymeren Bindemitteln, und einem Gehalt an Farbstoffvorläufer enthaltenden Mikrokapseln eines mittleren Durchmessers von 5 - 20 11m partiell oder vollflächig mit der Technik des Flexodrucks unter Benutzung einer in den Lösungsmitteln der Zubereitung nicht quellenden Druckform auf Papier aufdruckt und anschließend das Lösungsmittel entfernt.

    [0011] Bevorzugt enthält die Zubereitung 2 bis 30 Gew.-Teile des polymeren Bindemittels - insbesondere Cyclokautschuk, Polyamide, Copolymerisate von Styrol mit Alkyl(meth)acrylaten, bestimmten löslichen Polyurethanen oder Mischungen daraus, 2 bis 30 Gew.-Teile Mikrokapselnbevorzugt solchen, deren Wände aus Polyurethanen, Polyurethan-Polyharnstoff oder Polycarbodiimid bestehenund 96 bis 40 Gew. Teile des Lösungsmittels.

    [0012] Zusätzlich können "Abstandshalter" (2 bis 20 Gew.-Teile pro 100 Gew.-Teile Zubereitung) und weitere Hilfs-und Zusatzstoffe (bis zu 50 Gew.-Teile pro Gew.-Teil Zubereitung) vorhanden sein.

    [0013] Die erfindungsgemäß einzusetzenden Mikrokapseln und Verfahren zu deren Herstellung sind in großer Zahl bekannt. So können Mikrokapseln verwendet werden, die durch Koazervierung oder Komplexkoazervierung aus Gelatine und Gummi arabicum, sowie Gelatine und anderen anorganischen und organischen Polyanionen hergestellt worden sind. Entsprechende Verfahren sind in M. Gutcho, Capsule Technology and Microencapsulation, Noyes Data Corporation 1972, beschrieben.

    [0014] Insbesondere werden Mikrokapseln verwendet, deren Wände aus Polymeren, Polykondensations- und Polyadditionsprodukten bestehen.

    [0015] Die nachfolgende Übersicht ist G. Baxter, Microencapsulation, Processes and Applications, herausgegeben von J.E. Vandegaer, entnommen und zeigt eine Zusammenstellung der heute verwendeten Kapselwandpolymeren.



    [0016] Es können auch Mikrokapseln mit Wänden aus speziellen Poly(meth)acrylaten, wie z.B. in den DE-OS 237 545, 2119 933 und 2 920 846 beschrieben, verwendet werden.

    [0017] Ferner können Phenol- oder Harnstoff-Formaldehydkondensate als Wandmaterial eingesetzt werden, gegebenenfalls auch in Kombination mit den vorgenannten Kapselwandpolymeren.

    [0018] Bevorzugt werden beim erfindungsgemäßen Verfahren Mikrokapseln verwendet, deren Hüllen aus Polyadditionsprodukten aus Poly-Isocyanaten und Polyaminen bestehen.

    [0019] Zur Herstellung derartiger Mikrokapseln einzusetzende Isocyanate sind Diisocyanate, wie Xylylen-1,4-diisocyanat, Xylylen-1,3-diisocyanat, Trimethylen-diisocyanat, Hexamethylen-diisocyanat, Propylen-1,2-diisocyanat, Butyten-1,2-diisocyanat, Ethyliden-diisocyanat, Cyclo-hexyl-1,2-diisocyanat, Cyclohexyl-1,4-diisocyanat, Polyisocyanatvorpolymerisate, z.B. Anlagerungsprodukt von Hexamethylendiisocyanat und Hexantriol, Anlagerungsprodukt von 2,4-Toluylen-diisocyanat mit Brenzkatechin, Anlagerungsprodukt von Toluylendiisocyanat mit Hexantriol, Anlagerungsprodukt von Toluylendiisocyanat mit Trimethylolpropan oder geeignete Polyisocyanate, die den vorstehend angegebenen verbindungen analog sind.

    [0020] Weitere modifizierte aliphatische Isocyanate sind solche auf Basis von Hexamethylen-1,6-diisocyanat, m-Xylylen-diisocyanat, 4,4'-Diisocyanato-dicyclohexyl-methan bzw. lsophoron-diisocyanat, die pro Molekül mindestens zwei funktionelle Isocyanatgruppen besitzen.

    [0021] Weitere geeignete Verbindungen sind Polyisocyanate auf Grundlage von Derivaten des Hexamethylen-1,6-diisocyanats mit Biuretstruktur, deren Herstellung aus den DE-AS 1 101 304 und 1 543178, sowie aus den DE-OS 1 568 017 und 1 931 055 hervorgeht.

    [0022] Die verwendbaren Polyisocyanate können vor dem Einsatz zur Mikroverkapselung zusätzlich modifiziert werden durch Umsetzung mit di- und trifunktionellen Alkoholen wie Ethandiol, Glycerin oder Trimethylolpropan bzw. Carbonsäuren wie Bernsteinsäure, Adipinsäure, Sebacinsäure in Anteilen von 0,01 bis 0,5 Mol pro Isocyanat-Äquivalent.

    [0023] Anstelle der Isocyanatgruppen können als reaktive Gruppen auch Carbodiimid-, Uretdion-, Uretonimin-, Uretidindiondiimin-, 4-Imino-oxazolidinon-(2)-, β-Alkylen-propiolacton- bzw. Cyclobutandion-(1, 3)-gruppen vorhanden sein.

    [0024] So sind beispielsweise einsetzbar Polyisocyanato-polyuretonimine, wie sie durch Carbodiimidisierung von Biuretgruppen enthaltendem Hexamethylen-1,6-diisocyanat mit Phosphor-organischen Katalysatoren entatehen, durch weitere Umsetzung primär gebildeter Carbodiimidgruppen mit Isocyanatgruppen zu Uretonimingruppen. Weiterhin können diese Isocyanate in Mischung miteinander und anderen aliphatischen und aromatischen Isocyanaten verwendet werden.

    [0025] Je nach Reaktionsbedingungen kann das resultierende modifizierte Polyisocyanat erhebliche Anteile an Oxadiazintrion, Triisocyanurat bzw. sym. Triazindionimin als Strukturelement enthalten. Auch solche Produkte eignen sich als Hüllenbildner.

    [0026] Besonders geeignet sind Diisocyanate der Formel 1

    n = 3-6.

    [0027] Zur Umsetzung mit den genanten Isocyanaten geeignete Diamine sind aliphatische primäre oder sekundäre-Di- und Polyamine, wie z.B:

    Ethylendiamin-(1, 2), Bis(3-aminopropyl)-amin, Hydrazin, Hydrazin-ethanol-(2), Bis-(2-methylaminoethyl)-methylamin, 1,4-Diaminocyclohexan, 3-Amino-1-methyl-amino-propan, N-Hydroxi-ethylethylendiamin, N-Methyl-bis-(3-aminopropyl)-amin, 1,4-Diamino-n-butan, 1,6-Diamino-n-hexan, Ethylen-(1, 2)-diamin-N-Ethylsulfonsäure (als Alkalisalz), N-Amino-ethylethylendiamin-(1,2) (Diethylentriamin) Bis-(N,N'-aminoethyl)-ethylendiamin-(1,2) (Triethylentetramin), Hydrazin und seine Salze werden im vorliegenden Zusammenhang ebenfalls als Diamine angesprochen.



    [0028] Beispiele für die eingekapselten Farbbildner sind Triphenylmethanverbindungen, Diphenylmethanverbindungen, Xanthenverbindungen, Thiazinverbindungen und Spiropyranverbindungen.

    [0029] Beispiele für Triphenylmethanverbindungen sind 3,3-Bis-(p-dimethylaminophenyl)-6-dimethylaminophthalid (= Kristallviolettlacton, nachstehend als C.V.L. bezeichnet) und 3,3-Bis-(p-dimethylaminophenyl)-phthalid (Malachitgrünlacton).

    [0030] Beispiele für Diphenylmethanverbindungen sind 4,4'-bis-dimethylaminobenzhydrylbenzylether, N-Halogenphenylleucolamin, N-ß-Naphthylleucolamin, N-2,4,5-Trichlorphenylleucolamin und N-2,4-Dichlorphenolleucolamin.

    [0031] Beispiele für Xanthenverbindungen sind Rhodamin-ß-anilinolactam, Rhodamin-ß-(p-nitroanilin)-lactam, Rhodamin-β-(p-chloranilin)-lactam, 7-Dimethyl-amin-2-methoxifluoran, 7-Diethylamin-3-methoxifluoran, 7-Diethylamin-3-methyl-fluoran, 7-Diethylamin-3-chlorfluoran, 7-Diethylamin-3-chlor-2-methylfluoran, 7-Diethylamin-2,4-dimethylfluoran, 7-Diethylamin-2,3-dimethylfluoran, 7-Diethylamin-(3-acetyl-methylamin)-fluoran, 7-Diethyl-amin-3-(dibenzylamin)-fluo-ran, 7-Diethylamin-3-(methylbenzylamin)-fluoran, 7-Diethyl-amin-3-(chlorethylmethylamino)-fluoran, 7-Diethylamin-3-(dichlorethyl-amin)-fluoran, 7-Diethylamin-3-(diethylamin)-fluoran.

    [0032] Beispiele für Thiazinverbindungen sind N-Benzoyl-leucomethylenblau, o-Chlorbenzoylleucomethylenblau, p-Nitrolbenzoylleucomethylenblau.

    [0033] Beispiele für Spiroverbindungen sind 3-Methyl-2,2'-spirobis-(benzo(f)-chromen), 3-Ethyl-spirodinaphthopyran.

    [0034] Lösungsmittel, die diese Farbbildner lösen, sind z.B. chloriertes Diphenyl, chloriertes Paraffin, Baumwollsamenöl, Erdnußöl, Silikonöl, Phthalatester, Phosphatester, Sulfonatester, Monochlorbenzol, ferner teilhydrierte Terphecyle, alkylierte Naphthaline, Arylether, Arylalkylether, höher alkyliertes Benzol und andere, die allein oder kombiniert eingesetzt werden können.

    [0035] Häufig werden den Lösungsmitteln Verdünnungsmittel zugesetzt, wie z.B. Kerosin, n-paraffine, Isoparaffine.

    [0036] Zur Herstellung der Mikrokapseln nach dem Polyadditionsverfahren werden zunächst die Farbgeber und das Isocyanat in den genannten Lösungsmitteln gelöst und diese organische Phase in der kontinuierlichen wäßrigen Phase, die Schutzkolloid und gegebenenfalls Emulgatoren enthalten kann, emulgiert. Zur Emulsion gibt man eine wäßrige Polyaminlösung in stöchiometrischer Menge zum Polyisocyanat in der organischen Phase.

    [0037] Zur Emulgierung und Stabilisierung der gebildeten Emulsion werden der wäßrigen Phase Schutzkolloide und Emulgierhilfsmittel zugesetzt. Beispiele für solche, als Schutzkolloide wirkende Produkte sind Carboximethylcellulose, Gelatine und Polyvinylalkohol.

    [0038] Beispiele für Emulgatoren sind oxethyliertes 3-Benzyl-hydroxibiphenyl, Umsetzungsprodukte von Nonylphenol mit unterschiedlichen Mengen Ethylenoxid und Sorbitanfettsäureester.

    [0039] Die Mikrokapseln können kontinuierlich oder diskontinuierlich hergestellt werden. Man verwendet im allgemeinen Dispergiergeräte, die ein Schergefälle erzeugen. Beispiele hierfür sind Blatt-, Korb-, Schnellrührer, Kolloidmühlen, Homogenisatoren, Ultraschalldispergatoren, Düsen, Stahldüsen, Supratonmaschinen. Die Stärke der Turbulenz beim Vermischen ist in erster Linie bestimmend für den Durchmesser der erhaltenen Mikrokapseln. Kapseln in der Größe von 1 bis 2000 um können hergestellt werden. Bevorzugt sind Kapseln mit Durchmessern von 2 bis 20 µm. Die Kapseln agglomerieren nicht und haben eine enge Teilchengrößenverteilung. Das Gewichtsverhältnis von Kernmaterial zu Hüllenmaterial ist 50 bis 90 zu 50 bis 10.

    [0040] Die Mikrokapseln fallen im allgemeinen als wäßrige Suspension an. Man kann z.B. durch Sprühtrocknung daraus die Mikrokapseln als agglomeratfreie Pulver isolieren.

    [0041] Zur Herstellung der Zubereitung für den Flexodruck kann man die Komponenten - Mikrokapselpulver, Lösungsmittel und Bindemittel - in üblichen Mischaggregaten vermischen. Dabei löst sich das Bindemittel im Lösungsmittel auf, und die Mikrokapseln verteilen sich homogen in dieser Mischung. Es ist überraschend, daß auf diese Weise eine stabile und gleichmäßige Verteilung der Mikrokapseln erreicht werden kann, denn die unpolaren Lösungsmittel und die polaren Mikrokapseln sind an sich unverträglich.

    [0042] Man kann auch in die wäßrige Suspension der Mikrokapseln das Lösungsmittel und das Bindemittel einbringen und das Wasser dann im Vakuum abziehen (Flushing-Verfahren).

    [0043] Hierbei kann das Lösungsmittel bereits einen Bestandteil oder mehrere Bestandteile der Druckfarbe enthalten.

    [0044] Die Menge an Mikrokapseln, die in die Formulierung eingearbeitet wird, richtet sich nach den Anforderungen, die an die fertige Druckfarbe gestellt werden müssen. Die Menge an Kapseln wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren so hoch eingestellt, wie es unter Berücksichtigung der Rheologie der fertigen Druckfarbe vertretbar ist, um andererseits mit einem möglichst geringen Beschichtungsgewicht eine optimale Menge an Mikrokapseln aufzubringen.

    [0045] Die Flexodruckfarben können normalerweise mit einfachen Rührwerken, Schnellrührern und/oder Hochleistungsrührern hergestellt werden.

    [0046] Die Einarbeitung der einzelnen Komponenten der Druckfarben kann in beliebiger Reihenfolge durchgeführt werden.

    [0047] Bei der Verarbeitung der Mikrokapselpulver können nach dem erfindungsgemäßen Verfahren Bindemittel eingesetzt werden, die nach bekanntem Stand der Technik zur Herstellung einer im Flexodruck verarbeitbaren Druckfarbe benutzt werden. Außerdem kommen zahlreiche natürliche oder synthetische Harze in Frage, wie sie für die Herstellung von Druckfarben verwendet werden, die sich nach anderen Drucktechniken als dem Flexodruck verarbeiten lassen. z.B. im Buch-, Tief-, Flach- und Durchdruck.

    [0048] Geeignete Lösungsmittel bzw. Lösungsmittelgemische sind aromatische und aliphatische Kohlenwasserstoffe, halogenierte aromatische und aliphatische Kohlenwasserstoffe, sowie Ether. Sie sind bei 20°C flüssig und besitzen Siedepunkte zwischen 50 und 180°C.

    [0049] Beispiele hierfür sind Waschbenzin, Testbenzine, Spezialbenzine, n-Pentan, n-Hexan, Cyclohexan, Ligroin, Petrolether, Leichtbenzin, Tetrachlorkohlenstoff, Perchlorethylen, Cumol, Chlorbenzol, Methyl-tert.-butylether, tert.-Amylmethylether.

    [0050] Geeignete Bindemittel sind:

    - Cyclokautschuke, die bei Behandlung von Naturkautschuk mit Schwefelsäure, organischen Sulfonsäuren oder Sulfochloriden, Metallhalogeniden oder Bortrifluorid entstehen und ein Molekulargewicht von 1500 bis 10.000, bevorzugt 2000 bis 5000 aufweisen.

    - Polyamidharze, die man durch Umsetzung von verzweigten Dicarbonsäuren mit Polyaminen erhält, und die ein Molekulargewicht von etwa 10.000 haben. Die Dicarbonsäuren werden durch Polymerisation von natürlichen, einfach und/oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder deren Methylester, z.B. Olein, Tallölfettsäure, Sojaöl-und Baumwollsaatölfettsäure hergestellt, wie sie in den DE-PS 1 134666,1 134667,1 280 852,1 443 938 und der DE-AS 1 443 968 beschrieben werden. Die Herstellung von Polyamidharzen erfolgt im allgemeinen durch Kondensation der polymeren Fettsäuren mit Polyaminen der Formel

    NH2-(CH2)d NH(CH2).ly-NH2

    x=2-6

    γ-0-3


    und wird beschrieben in den DE-PS 1 520 933 und 1 745 556, in der DE-AS 1 745 447, in den DE-OS 1 645 414
    und 1 720 819 und in der US-PS 2 450 940.



    [0051] Durch die zusätzliche Verwendung von Codicarbonsäuren, wie z.B. Adipinsäure oder Terephthalsäure und/oder Codiaminen, sowie durch die Variation des Reinheitsgrades der polymeren Fettsäuren können die Eigenschaften der resultierenden Polyamide beeinflußt werden. Bevorzugt werden Kondensationsprodukte auf Basis von dimerer Fettsäure und Ethylendiamin.

    - Copolymerisate aus Styrol mit Alkyl(meth)acrylaten. Bevorzugt werden solche Produkte, die man durch Mischpolymerisation von Styrol oder substituierten Styrolen mit Esterri von (Meth)Acrylsäure und Alkoholen mit mehr als 8 C-Atomen erhält, wie es z.B. in der DE-AS 1 006 158 beschrieben wird.

    - Bestimmte Polyurethane, die Mischungen von sowohl freie Hydroxylgruppen als auch ungesättigte Fettsäurereste aufweisenden Alkydharzen mit modifizierten Polyisocyanaten enthalten. Bevorzugt werden als modifizierte Polyisocyanate Polyadditionsverbindungen von Di- und/ oder Polyisocyanaten und Hydroxylgruppen aufweisenden Teilestern, die aus mehrwertigen Alkoholen und mehr als 20 Gew.-% 2- und/oder 3-fach ungesättigte Fettsäuren aufweisenden Hydroxylgruppen-freien Fettsäuregemischen bzw. 2- und/oder 3-fach ungesättigten hydroxylgruppen-freien Fettsäuren bereitet werden und u.a. in der DE-AS 2111 191 beschrieben werden.



    [0052] Zur Verwendung von Druckformen und Druckwalzen können bei dem erfindungsgemäßen Verfahren solche Materialien eingesetzt werden, wie sie von Dieter Breuer u. Joachim Petersen in dem Buch "Der Flexodruck" 2. erweiterte Auflage 1974 P. Keppler Verlag KG, 6056 Heusenstamm bei Frankfurt am Main, erwähnt werden. Außerdem sind Polyurethanmassen in offenzelliger, geschlossenzelliger oder massiver Form für Druckformen bzw. Druckwalzen geeignet, wobei sich die jeweils erforderlichen Eigenschaften nach bekannten Verfahren der Polyurethanchemie einstellen lassen.

    [0053] Weitere geeignete Materialien sind Isopren-Kautschuk, Acrylnitril-Butadien-Kautschuk, und Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk.

    [0054] Zur Verhinderung der Agglomeration der Mikrokapseln können der Druckfarbe Dispergierhilfsmittel, vorzugsweise aus der Gruppe der kationischen Tenside zugesetzt werden.

    [0055] Um Zerstörungen der Mikrokapseln beim Herstellen der Druckfarbe und beim Druckvorgang selbst zu verhindern, werden in einer bevorzugten Ausführungsform sogenannte Abstandshalter in Mengen von 2 - 20 Gew.-% der Druckfarbe zugesetzt. Diese Abstandshalter werden nach bekanntem Stand der Technik auch bei der Herstellung der üblichen kohlefreien Durchschreibepapiere verwendet. Sie können beispielsweise aus Cellulosefaserpartikeln oder Stärkekörnern, deren Durchmesser in der Regel das 1,5 bis 5-fache der Mikrokapseldurchmesser beträgt, bestehen.

    [0056] Als weitere Zusatzmittel können beispielsweise Pigmente und Hilfsmittel, die die Opazität der Beschichtung günstig beeinflussen, zugesetzt werden.

    [0057] Beim Einsatz langsam laufender Druckmaschinen, übergroßer Klischeezylinder oder besonders stark saugender "Druckträger" können Trocknungsverzögerer mitbenutzt werden. Schnelltrockner bzw. Beschleuniger werden dann eingesetzt, wenn extrem hohe Druckgeschwindigkeiten erreicht werden sollen.

    Beispiel



    [0058] Es wurde eine 30%ige wäßrige Mikrokapseldispersion hergestellt, deren Mikrokapselwände aus einem Polyadditionsprodukt aus dem Oxadiazintrion von Hexamethylendiisocyanat und einem Polyamin bestanden. Der Kapselinhalt war eine Lösung von 2,7 % Kristallviolettlacton und 0,9 % N-Benzoylleukomethylenblau in DiIsopropyl-Diphenyl. Das Kern/Wand-Verhältnis der Mikrokapseln betrug 83:17.

    [0059] Die 30%ige Kapseldispersion wurde durch Sprühtrocknung in ein weitgehend agglomeratfreies Kapselpulver überführt, deren mittlerer Kapseldurchmesser zu 7,3 um bestimmt wurde.

    [0060] Mit einem Rührwerk (IKA-Rührwerk RW 18 der Fa. Janke + Kunkel) wurden zunächst 800 g Cyclokautschuk (Alpex CK 514 der Fa. Hoechst AG) in 3694 g Tetrachlorkohlenstoff gelöst und anschließend mit 4306 g Waschbenzin (Typ 100/140 der Fa. Shell-Chemie) vermischt. In diese Mischung wurden 1200 g des vorgefertigten Mikrokapselpulvers homogen eingerührt.

    [0061] Die so gefertigte, 12 Gew.-% Mikrokapseln enthaltende Druckfarbe wurde mit einer Flexodruckmaschine auf die Rückseite eines handelsüblichen CF-Papiers (Giroset-CF der Fa. Feldmühle) in Form eines Quadrats von 12 cm Kantenlänge aufgedruckt. Das Auftragsgewicht der Beschichtung betrug bis zu 2,6 g/m2 nach Trocknung, was einer Kapselmenge von ungefähr 1,6 g/m2 entsprach.

    [0062] Bei der Beschriftung mehrerer übereinandergelegter, so hergestellter Papiere ließen sich innerhalb der aufgedruckten Fläche bei Anwendung eines normalen Schreibdruckes gut lesbare Durchschriften erzeugen.


    Ansprüche

    Verfahren zur Herstellung von druckempfindlichen, kohlefreien Durchschreibepapieren mittels Flexodruck, dadurch gekennzeichnet, daß man eine Zubereitung mit einem Gehalt an gegebenenfalls chlorierten, bei 20°C flüssigen Kohlenwasserstoffen oder Ethern mit einem Siedepunkt von 50 - -180°C als Lösungsmittel, einem Gehalt an in diesen Lösungsmitteln löslichen polymeren Bindemitteln, und einem Gehalt an Farbstoffvorläufer enthaltenden Mikrokapseln eines mittleren Durchmessers von 5 - 20 µm partiell oder vollflächig mit der Technik des Flexodrucks unter Benutzung einer in den Lösungsmitteln der Zubereitung nicht quellenden Druckform auf Papier aufdruckt und anschließend das Lösungsmittel entfernt.
     


    Claims

    Process for the production of pressure-sensitivc carbonless copying papers by flexographic printing, characterised in that a composition which has a content of optionally chlorinated hydrocarbons or ethers which are liquid at 200 C and have a boiling point of 50 - 180°C as the solvents, a content of polymeric binders which are soluble in these solvents and a content of microcapsules containing dye precursors and having an average diameter of 5 - 20 µm, is printed on to part or whole of the surface of a paper by the technique of flexographic printing using a printing block which does not swell in the solvents of the composition and the solvent is then removed.
     


    Revendications

    Procédé de fabrication de papiers de copie sensibles à la pression et exempts de carbonne à l'aide de la flexographie, caractérisée en ce qu'on applique sur le papier une préparation ayant une teneur en hydrocarbures éventuellement chlorés liquides à 20°C ou en éthers ayant un point d'ébullition de 50 à 180°C comme solvant, une teneur en liants polymères solubles dans ces solvants et une teneur en microcapsules contenant des précurseurs de colorant et ayant un diamètre moyen de 5 à 20 µm, en partie ou sur la totalité de la surfaces par la technique flexographique avec utilisation d'une forme d'impression ne gonflant pas dans les solvants de la préparation et en ce qu'on élimine ensuite le solvant.