[0001] Reaktionsdurchschreibepapiere sind bekannt (vergl. M. Gutcho, Capsule Technology
and Microencapsulation, Noyes Data Corporation, 1972, Seiten 242-277; G. Baxter in
Microencapsulation, Processes and Applications, herausgegeben von J.E. Vandegaer,
Plenum Press, New York, London, Seiten 127-143. Sie bestehen vorzugsweise aus zwei
oder mehreren lose aufeinandergelegten Papierblättern, wobei das jeweils obere auf
der Rückseite eine Geberschicht und das jeweils untere auf der Vorderseite eine Nehmerschicht
enthält. Es ist also jeweils eine Geberschicht und eine Nehmerschicht miteinander
in Kontakt. Die Geberschicht enthält Mikrokapseln, deren Kernmaterial eine Lösung
eines Farbbildners in einem organischen Lösungsmittel ist, und die Nehmerschicht enthält
ein Material, das den Farbstoffbildner zum Farbstoff entwickelt. Beim Beschreiben
werden die Kapseln unter dem Druck des Schreibgerätes zerstört, und das auslaufende
Kernmaterial trifft auf die Nehmerschicht, so daß eine Durchschrift entsteht.
[0002] Die Nehmerschicht enthält in der Regel Bindemittel und Pigmente, z.B. aktive Absorbentien,
wie Kaolin, Attapulgit, Montmorillonit, Bentonit, saure Bleicherde oder Phenolharze.
Man kann z.B. auf der Geberschicht säureaktivierbare Farbstoffe und in der Nehmerschicht
sauer reagierende Komponenten einsetzen.
[0003] Eine Fortentwicklung dieser Reaktionsdurchschreibepapiere sind die "Einkomponenten"-Reaktionsdurchschreibepapiere.
In diesen trägt eine Seite eines einzelnen Papierblattes den Farbvorläufer, im allgemeinen
in Form von Mikrokapseln und gleichzeitig den Farbentwickler. Wenn nun Druck ausgeübt
wird, z.B. durch eine Schreibmaschine oder ein anderes Schreibwerkzeug, wird die den
Farbvorläufer enthaltende Kapsel aufgerissen, und der Farbvorläufer reagiert mit dem
ihn umgebenden Farbentwickler (vergl. US-PS 2 730 456).
[0004] Die Papiersubstrate werden zur Herstellung dieser kohlefreien Durchschreibesysteme
i.a. in bekannter Weise vollflächig mit einer wäßrigen Beschichtungskomposition beschichtet,
wie in den deutschen Offenlegungsschriften 1 934 457 und 1 955 542 beschrieben. Danach
muß das Wasser verdampft werden, was einen beträchtlichen Aufwand an Energie und eine
komplexe und kostspielige Apparatur erfordert.
[0005] Vollflächige Beschichtungen sind unrationell, weil in den meisten Fällen nur Teile
des Durchschreibepapiers ausgenutzt werden.
[0006] Es sind zahlreiche Verfahren bekannt, Beschichtungsmassen partiell auf ein Trägermaterial
aufzubringen. In den US-Patentschriften 3 016 308, Beispiel IX und 3 914 511, sowie
in der DE-AS 19 06 823, den DE-OS 2541 001 und 2 833 651 wird beschrieben, daß man
wäßrige Dispersionen von Mikrokapseln mit Hilfe verschiedener Drucktechniken partiell
auf einen Papierträger aufdrucken kann. Durch den Kontakt mit Wasser kann es auf dem
Papier zu Verwerfungen kommen, wodurch eine gleichmäßige Trocknung und ein präziser
Druck, insbesondere von Durchschreibeformularen, mindestens sehr erschwert wird. Hinzukommt,
daß das Verdampfen von Wasser einen beträchtlichen Energieaufwand erfordert.
[0007] Aus der US-A-3 016 308 ist nun eine wasserfreie Zubereitung zur Herstellung von druckempfindlichen,
kohlenfreien Durchschreibepapieren bekannt, die einen Gehalt an Benzol (Beispiel VIII),
Petroleum (Beispiel XIV) oder Toluol (Tabel 2), einen Gehalt an in diesen Lösungsmitteln
lösliche polymeren Bindemitteln (Isobutylmethacrylat (Beispiel VIII), Cyclokautschuk
(Beispiel XIV) oder Methylmethacrylat (Tabel 2)) und einen , Gehalt an Farbstoffvorläufer
enthaltenden Mikrokapseln eines mittleren Durchmessers von 0,5 - 10 µm (Beispiel VIII)
oder 1 - 60 µm (Beispiel XIV) aufweisen. Ein Flexodruckverfahren wird in der US-A-3
016 308 nicht erwähnt.
[0008] Außerdem sind aus der US-A-3 432 327 Zubereitungen bekannt, die einen Gehalt an Farbstoffvorläufer
enthaltenden Mikrokapseln aus z.B. Polyurethanen aufweisen. Die Mikrokapseln sind
suspendiert in Lösungsmitteln, wie Benzol, Chlorbenzol, Trichlordiphenyl, Trichlorethylen
und Hexan, die eine kleine Menge Polystyrol gelöst in Chlorbenzol (Beispiel 3 und
8) enthalten können. Auch in der US-A-3 432 327 wird ein Flexodruckverfahren nicht
erwähnt.
[0009] In der DE-A-25 41 001 wird ein Verfahren beschrieben, bei dem wäßrige oder lösungsmittelhaltige
Mikrokapseldispersionen ohne Verwendung von Bindemitteln verdruckt werden. Das hat
zur Folge, daß nach dem Trocknen die Mikrokapseln nicht genügend mit dem Papier verbunden
sind, so daß sie beim Gebrauch des Papiers verwischt oder entfernt werden, wodurch
die Durchschreibewirkung des Papiers verlorengeht.
[0010] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von druckempfindlichen,
kohlefreien Durchschreibepapieren mittels Flexodruck, das dadurch gekennzeichnet ist,
daß man eine Zubereitung mit einem Gehalt an gegebenenfalls chlorierten, bei 20° C
flüssigen Kohlenwasserstoffen oder Ethern mit einem Siedepunkt von 50 - 180°C als
Lösungsmittel, einem Gehalt an in diesen Lösungsmitteln löslichen polymeren Bindemitteln,
und einem Gehalt an Farbstoffvorläufer enthaltenden Mikrokapseln eines mittleren Durchmessers
von 5 - 20
11m partiell oder vollflächig mit der Technik des Flexodrucks unter Benutzung einer
in den Lösungsmitteln der Zubereitung nicht quellenden Druckform auf Papier aufdruckt
und anschließend das Lösungsmittel entfernt.
[0011] Bevorzugt enthält die Zubereitung 2 bis 30 Gew.-Teile des polymeren Bindemittels
- insbesondere Cyclokautschuk, Polyamide, Copolymerisate von Styrol mit Alkyl(meth)acrylaten,
bestimmten löslichen Polyurethanen oder Mischungen daraus, 2 bis 30 Gew.-Teile Mikrokapselnbevorzugt
solchen, deren Wände aus Polyurethanen, Polyurethan-Polyharnstoff oder Polycarbodiimid
bestehenund 96 bis 40 Gew. Teile des Lösungsmittels.
[0012] Zusätzlich können "Abstandshalter" (2 bis 20 Gew.-Teile pro 100 Gew.-Teile Zubereitung)
und weitere Hilfs-und Zusatzstoffe (bis zu 50 Gew.-Teile pro Gew.-Teil Zubereitung)
vorhanden sein.
[0013] Die erfindungsgemäß einzusetzenden Mikrokapseln und Verfahren zu deren Herstellung
sind in großer Zahl bekannt. So können Mikrokapseln verwendet werden, die durch Koazervierung
oder Komplexkoazervierung aus Gelatine und Gummi arabicum, sowie Gelatine und anderen
anorganischen und organischen Polyanionen hergestellt worden sind. Entsprechende Verfahren
sind in M. Gutcho, Capsule Technology and Microencapsulation, Noyes Data Corporation
1972, beschrieben.
[0014] Insbesondere werden Mikrokapseln verwendet, deren Wände aus Polymeren, Polykondensations-
und Polyadditionsprodukten bestehen.
[0015] Die nachfolgende Übersicht ist G. Baxter, Microencapsulation, Processes and Applications,
herausgegeben von J.E. Vandegaer, entnommen und zeigt eine Zusammenstellung der heute
verwendeten Kapselwandpolymeren.

[0016] Es können auch Mikrokapseln mit Wänden aus speziellen Poly(meth)acrylaten, wie z.B.
in den DE-OS 237 545, 2119 933 und 2 920 846 beschrieben, verwendet werden.
[0017] Ferner können Phenol- oder Harnstoff-Formaldehydkondensate als Wandmaterial eingesetzt
werden, gegebenenfalls auch in Kombination mit den vorgenannten Kapselwandpolymeren.
[0018] Bevorzugt werden beim erfindungsgemäßen Verfahren Mikrokapseln verwendet, deren Hüllen
aus Polyadditionsprodukten aus Poly-Isocyanaten und Polyaminen bestehen.
[0019] Zur Herstellung derartiger Mikrokapseln einzusetzende Isocyanate sind Diisocyanate,
wie Xylylen-1,4-diisocyanat, Xylylen-1,3-diisocyanat, Trimethylen-diisocyanat, Hexamethylen-diisocyanat,
Propylen-1,2-diisocyanat, Butyten-1,2-diisocyanat, Ethyliden-diisocyanat, Cyclo-hexyl-1,2-diisocyanat,
Cyclohexyl-1,4-diisocyanat, Polyisocyanatvorpolymerisate, z.B. Anlagerungsprodukt
von Hexamethylendiisocyanat und Hexantriol, Anlagerungsprodukt von 2,4-Toluylen-diisocyanat
mit Brenzkatechin, Anlagerungsprodukt von Toluylendiisocyanat mit Hexantriol, Anlagerungsprodukt
von Toluylendiisocyanat mit Trimethylolpropan oder geeignete Polyisocyanate, die den
vorstehend angegebenen verbindungen analog sind.
[0020] Weitere modifizierte aliphatische Isocyanate sind solche auf Basis von Hexamethylen-1,6-diisocyanat,
m-Xylylen-diisocyanat, 4,4'-Diisocyanato-dicyclohexyl-methan bzw. lsophoron-diisocyanat,
die pro Molekül mindestens zwei funktionelle Isocyanatgruppen besitzen.
[0021] Weitere geeignete Verbindungen sind Polyisocyanate auf Grundlage von Derivaten des
Hexamethylen-1,6-diisocyanats mit Biuretstruktur, deren Herstellung aus den DE-AS
1 101 304 und 1 543178, sowie aus den DE-OS 1 568 017 und 1 931 055 hervorgeht.
[0022] Die verwendbaren Polyisocyanate können vor dem Einsatz zur Mikroverkapselung zusätzlich
modifiziert werden durch Umsetzung mit di- und trifunktionellen Alkoholen wie Ethandiol,
Glycerin oder Trimethylolpropan bzw. Carbonsäuren wie Bernsteinsäure, Adipinsäure,
Sebacinsäure in Anteilen von 0,01 bis 0,5 Mol pro Isocyanat-Äquivalent.
[0023] Anstelle der Isocyanatgruppen können als reaktive Gruppen auch Carbodiimid-, Uretdion-,
Uretonimin-, Uretidindiondiimin-, 4-Imino-oxazolidinon-(2)-, β-Alkylen-propiolacton-
bzw. Cyclobutandion-(1, 3)-gruppen vorhanden sein.
[0024] So sind beispielsweise einsetzbar Polyisocyanato-polyuretonimine, wie sie durch Carbodiimidisierung
von Biuretgruppen enthaltendem Hexamethylen-1,6-diisocyanat mit Phosphor-organischen
Katalysatoren entatehen, durch weitere Umsetzung primär gebildeter Carbodiimidgruppen
mit Isocyanatgruppen zu Uretonimingruppen. Weiterhin können diese Isocyanate in Mischung
miteinander und anderen aliphatischen und aromatischen Isocyanaten verwendet werden.
[0025] Je nach Reaktionsbedingungen kann das resultierende modifizierte Polyisocyanat erhebliche
Anteile an Oxadiazintrion, Triisocyanurat bzw. sym. Triazindionimin als Strukturelement
enthalten. Auch solche Produkte eignen sich als Hüllenbildner.
[0026] Besonders geeignet sind Diisocyanate der Formel 1

n = 3-6.
[0027] Zur Umsetzung mit den genanten Isocyanaten geeignete Diamine sind aliphatische primäre
oder sekundäre-Di- und Polyamine, wie z.B:
Ethylendiamin-(1, 2), Bis(3-aminopropyl)-amin, Hydrazin, Hydrazin-ethanol-(2), Bis-(2-methylaminoethyl)-methylamin,
1,4-Diaminocyclohexan, 3-Amino-1-methyl-amino-propan, N-Hydroxi-ethylethylendiamin,
N-Methyl-bis-(3-aminopropyl)-amin, 1,4-Diamino-n-butan, 1,6-Diamino-n-hexan, Ethylen-(1,
2)-diamin-N-Ethylsulfonsäure (als Alkalisalz), N-Amino-ethylethylendiamin-(1,2) (Diethylentriamin)
Bis-(N,N'-aminoethyl)-ethylendiamin-(1,2) (Triethylentetramin), Hydrazin und seine
Salze werden im vorliegenden Zusammenhang ebenfalls als Diamine angesprochen.
[0028] Beispiele für die eingekapselten Farbbildner sind Triphenylmethanverbindungen, Diphenylmethanverbindungen,
Xanthenverbindungen, Thiazinverbindungen und Spiropyranverbindungen.
[0029] Beispiele für Triphenylmethanverbindungen sind 3,3-Bis-(p-dimethylaminophenyl)-6-dimethylaminophthalid
(= Kristallviolettlacton, nachstehend als C.V.L. bezeichnet) und 3,3-Bis-(p-dimethylaminophenyl)-phthalid
(Malachitgrünlacton).
[0030] Beispiele für Diphenylmethanverbindungen sind 4,4'-bis-dimethylaminobenzhydrylbenzylether,
N-Halogenphenylleucolamin, N-ß-Naphthylleucolamin, N-2,4,5-Trichlorphenylleucolamin
und N-2,4-Dichlorphenolleucolamin.
[0031] Beispiele für Xanthenverbindungen sind Rhodamin-ß-anilinolactam, Rhodamin-ß-(p-nitroanilin)-lactam,
Rhodamin-β-(p-chloranilin)-lactam, 7-Dimethyl-amin-2-methoxifluoran, 7-Diethylamin-3-methoxifluoran,
7-Diethylamin-3-methyl-fluoran, 7-Diethylamin-3-chlorfluoran, 7-Diethylamin-3-chlor-2-methylfluoran,
7-Diethylamin-2,4-dimethylfluoran, 7-Diethylamin-2,3-dimethylfluoran, 7-Diethylamin-(3-acetyl-methylamin)-fluoran,
7-Diethyl-amin-3-(dibenzylamin)-fluo-ran, 7-Diethylamin-3-(methylbenzylamin)-fluoran,
7-Diethyl-amin-3-(chlorethylmethylamino)-fluoran, 7-Diethylamin-3-(dichlorethyl-amin)-fluoran,
7-Diethylamin-3-(diethylamin)-fluoran.
[0032] Beispiele für Thiazinverbindungen sind N-Benzoyl-leucomethylenblau, o-Chlorbenzoylleucomethylenblau,
p-Nitrolbenzoylleucomethylenblau.
[0033] Beispiele für Spiroverbindungen sind 3-Methyl-2,2'-spirobis-(benzo(f)-chromen), 3-Ethyl-spirodinaphthopyran.
[0034] Lösungsmittel, die diese Farbbildner lösen, sind z.B. chloriertes Diphenyl, chloriertes
Paraffin, Baumwollsamenöl, Erdnußöl, Silikonöl, Phthalatester, Phosphatester, Sulfonatester,
Monochlorbenzol, ferner teilhydrierte Terphecyle, alkylierte Naphthaline, Arylether,
Arylalkylether, höher alkyliertes Benzol und andere, die allein oder kombiniert eingesetzt
werden können.
[0035] Häufig werden den Lösungsmitteln Verdünnungsmittel zugesetzt, wie z.B. Kerosin, n-paraffine,
Isoparaffine.
[0036] Zur Herstellung der Mikrokapseln nach dem Polyadditionsverfahren werden zunächst
die Farbgeber und das Isocyanat in den genannten Lösungsmitteln gelöst und diese organische
Phase in der kontinuierlichen wäßrigen Phase, die Schutzkolloid und gegebenenfalls
Emulgatoren enthalten kann, emulgiert. Zur Emulsion gibt man eine wäßrige Polyaminlösung
in stöchiometrischer Menge zum Polyisocyanat in der organischen Phase.
[0037] Zur Emulgierung und Stabilisierung der gebildeten Emulsion werden der wäßrigen Phase
Schutzkolloide und Emulgierhilfsmittel zugesetzt. Beispiele für solche, als Schutzkolloide
wirkende Produkte sind Carboximethylcellulose, Gelatine und Polyvinylalkohol.
[0038] Beispiele für Emulgatoren sind oxethyliertes 3-Benzyl-hydroxibiphenyl, Umsetzungsprodukte
von Nonylphenol mit unterschiedlichen Mengen Ethylenoxid und Sorbitanfettsäureester.
[0039] Die Mikrokapseln können kontinuierlich oder diskontinuierlich hergestellt werden.
Man verwendet im allgemeinen Dispergiergeräte, die ein Schergefälle erzeugen. Beispiele
hierfür sind Blatt-, Korb-, Schnellrührer, Kolloidmühlen, Homogenisatoren, Ultraschalldispergatoren,
Düsen, Stahldüsen, Supratonmaschinen. Die Stärke der Turbulenz beim Vermischen ist
in erster Linie bestimmend für den Durchmesser der erhaltenen Mikrokapseln. Kapseln
in der Größe von 1 bis 2000 um können hergestellt werden. Bevorzugt sind Kapseln mit
Durchmessern von 2 bis 20 µm. Die Kapseln agglomerieren nicht und haben eine enge
Teilchengrößenverteilung. Das Gewichtsverhältnis von Kernmaterial zu Hüllenmaterial
ist 50 bis 90 zu 50 bis 10.
[0040] Die Mikrokapseln fallen im allgemeinen als wäßrige Suspension an. Man kann z.B. durch
Sprühtrocknung daraus die Mikrokapseln als agglomeratfreie Pulver isolieren.
[0041] Zur Herstellung der Zubereitung für den Flexodruck kann man die Komponenten - Mikrokapselpulver,
Lösungsmittel und Bindemittel - in üblichen Mischaggregaten vermischen. Dabei löst
sich das Bindemittel im Lösungsmittel auf, und die Mikrokapseln verteilen sich homogen
in dieser Mischung. Es ist überraschend, daß auf diese Weise eine stabile und gleichmäßige
Verteilung der Mikrokapseln erreicht werden kann, denn die unpolaren Lösungsmittel
und die polaren Mikrokapseln sind an sich unverträglich.
[0042] Man kann auch in die wäßrige Suspension der Mikrokapseln das Lösungsmittel und das
Bindemittel einbringen und das Wasser dann im Vakuum abziehen (Flushing-Verfahren).
[0043] Hierbei kann das Lösungsmittel bereits einen Bestandteil oder mehrere Bestandteile
der Druckfarbe enthalten.
[0044] Die Menge an Mikrokapseln, die in die Formulierung eingearbeitet wird, richtet sich
nach den Anforderungen, die an die fertige Druckfarbe gestellt werden müssen. Die
Menge an Kapseln wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren so hoch eingestellt, wie
es unter Berücksichtigung der Rheologie der fertigen Druckfarbe vertretbar ist, um
andererseits mit einem möglichst geringen Beschichtungsgewicht eine optimale Menge
an Mikrokapseln aufzubringen.
[0045] Die Flexodruckfarben können normalerweise mit einfachen Rührwerken, Schnellrührern
und/oder Hochleistungsrührern hergestellt werden.
[0046] Die Einarbeitung der einzelnen Komponenten der Druckfarben kann in beliebiger Reihenfolge
durchgeführt werden.
[0047] Bei der Verarbeitung der Mikrokapselpulver können nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
Bindemittel eingesetzt werden, die nach bekanntem Stand der Technik zur Herstellung
einer im Flexodruck verarbeitbaren Druckfarbe benutzt werden. Außerdem kommen zahlreiche
natürliche oder synthetische Harze in Frage, wie sie für die Herstellung von Druckfarben
verwendet werden, die sich nach anderen Drucktechniken als dem Flexodruck verarbeiten
lassen. z.B. im Buch-, Tief-, Flach- und Durchdruck.
[0048] Geeignete Lösungsmittel bzw. Lösungsmittelgemische sind aromatische und aliphatische
Kohlenwasserstoffe, halogenierte aromatische und aliphatische Kohlenwasserstoffe,
sowie Ether. Sie sind bei 20°C flüssig und besitzen Siedepunkte zwischen 50 und 180°C.
[0049] Beispiele hierfür sind Waschbenzin, Testbenzine, Spezialbenzine, n-Pentan, n-Hexan,
Cyclohexan, Ligroin, Petrolether, Leichtbenzin, Tetrachlorkohlenstoff, Perchlorethylen,
Cumol, Chlorbenzol, Methyl-tert.-butylether, tert.-Amylmethylether.
[0050] Geeignete Bindemittel sind:
- Cyclokautschuke, die bei Behandlung von Naturkautschuk mit Schwefelsäure, organischen
Sulfonsäuren oder Sulfochloriden, Metallhalogeniden oder Bortrifluorid entstehen und
ein Molekulargewicht von 1500 bis 10.000, bevorzugt 2000 bis 5000 aufweisen.
- Polyamidharze, die man durch Umsetzung von verzweigten Dicarbonsäuren mit Polyaminen
erhält, und die ein Molekulargewicht von etwa 10.000 haben. Die Dicarbonsäuren werden
durch Polymerisation von natürlichen, einfach und/oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren
oder deren Methylester, z.B. Olein, Tallölfettsäure, Sojaöl-und Baumwollsaatölfettsäure
hergestellt, wie sie in den DE-PS 1 134666,1 134667,1 280 852,1 443 938 und der DE-AS
1 443 968 beschrieben werden. Die Herstellung von Polyamidharzen erfolgt im allgemeinen
durch Kondensation der polymeren Fettsäuren mit Polyaminen der Formel
NH2-(CH2)d NH(CH2).ly-NH2
x=2-6
γ-0-3
und wird beschrieben in den DE-PS 1 520 933 und 1 745 556, in der DE-AS 1 745 447,
in den DE-OS 1 645 414
und 1 720 819 und in der US-PS 2 450 940.
[0051] Durch die zusätzliche Verwendung von Codicarbonsäuren, wie z.B. Adipinsäure oder
Terephthalsäure und/oder Codiaminen, sowie durch die Variation des Reinheitsgrades
der polymeren Fettsäuren können die Eigenschaften der resultierenden Polyamide beeinflußt
werden. Bevorzugt werden Kondensationsprodukte auf Basis von dimerer Fettsäure und
Ethylendiamin.
- Copolymerisate aus Styrol mit Alkyl(meth)acrylaten. Bevorzugt werden solche Produkte,
die man durch Mischpolymerisation von Styrol oder substituierten Styrolen mit Esterri
von (Meth)Acrylsäure und Alkoholen mit mehr als 8 C-Atomen erhält, wie es z.B. in
der DE-AS 1 006 158 beschrieben wird.
- Bestimmte Polyurethane, die Mischungen von sowohl freie Hydroxylgruppen als auch
ungesättigte Fettsäurereste aufweisenden Alkydharzen mit modifizierten Polyisocyanaten
enthalten. Bevorzugt werden als modifizierte Polyisocyanate Polyadditionsverbindungen
von Di- und/ oder Polyisocyanaten und Hydroxylgruppen aufweisenden Teilestern, die
aus mehrwertigen Alkoholen und mehr als 20 Gew.-% 2- und/oder 3-fach ungesättigte
Fettsäuren aufweisenden Hydroxylgruppen-freien Fettsäuregemischen bzw. 2- und/oder
3-fach ungesättigten hydroxylgruppen-freien Fettsäuren bereitet werden und u.a. in
der DE-AS 2111 191 beschrieben werden.
[0052] Zur Verwendung von Druckformen und Druckwalzen können bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
solche Materialien eingesetzt werden, wie sie von Dieter Breuer u. Joachim Petersen
in dem Buch "Der Flexodruck" 2. erweiterte Auflage 1974 P. Keppler Verlag KG, 6056
Heusenstamm bei Frankfurt am Main, erwähnt werden. Außerdem sind Polyurethanmassen
in offenzelliger, geschlossenzelliger oder massiver Form für Druckformen bzw. Druckwalzen
geeignet, wobei sich die jeweils erforderlichen Eigenschaften nach bekannten Verfahren
der Polyurethanchemie einstellen lassen.
[0053] Weitere geeignete Materialien sind Isopren-Kautschuk, Acrylnitril-Butadien-Kautschuk,
und Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk.
[0054] Zur Verhinderung der Agglomeration der Mikrokapseln können der Druckfarbe Dispergierhilfsmittel,
vorzugsweise aus der Gruppe der kationischen Tenside zugesetzt werden.
[0055] Um Zerstörungen der Mikrokapseln beim Herstellen der Druckfarbe und beim Druckvorgang
selbst zu verhindern, werden in einer bevorzugten Ausführungsform sogenannte Abstandshalter
in Mengen von 2 - 20 Gew.-% der Druckfarbe zugesetzt. Diese Abstandshalter werden
nach bekanntem Stand der Technik auch bei der Herstellung der üblichen kohlefreien
Durchschreibepapiere verwendet. Sie können beispielsweise aus Cellulosefaserpartikeln
oder Stärkekörnern, deren Durchmesser in der Regel das 1,5 bis 5-fache der Mikrokapseldurchmesser
beträgt, bestehen.
[0056] Als weitere Zusatzmittel können beispielsweise Pigmente und Hilfsmittel, die die
Opazität der Beschichtung günstig beeinflussen, zugesetzt werden.
[0057] Beim Einsatz langsam laufender Druckmaschinen, übergroßer Klischeezylinder oder besonders
stark saugender "Druckträger" können Trocknungsverzögerer mitbenutzt werden. Schnelltrockner
bzw. Beschleuniger werden dann eingesetzt, wenn extrem hohe Druckgeschwindigkeiten
erreicht werden sollen.
Beispiel
[0058] Es wurde eine 30%ige wäßrige Mikrokapseldispersion hergestellt, deren Mikrokapselwände
aus einem Polyadditionsprodukt aus dem Oxadiazintrion von Hexamethylendiisocyanat
und einem Polyamin bestanden. Der Kapselinhalt war eine Lösung von 2,7 % Kristallviolettlacton
und 0,9 % N-Benzoylleukomethylenblau in DiIsopropyl-Diphenyl. Das Kern/Wand-Verhältnis
der Mikrokapseln betrug 83:17.
[0059] Die 30%ige Kapseldispersion wurde durch Sprühtrocknung in ein weitgehend agglomeratfreies
Kapselpulver überführt, deren mittlerer Kapseldurchmesser zu 7,3 um bestimmt wurde.
[0060] Mit einem Rührwerk (IKA-Rührwerk RW 18 der Fa. Janke + Kunkel) wurden zunächst 800
g Cyclokautschuk (Alpex CK 514 der Fa. Hoechst AG) in 3694 g Tetrachlorkohlenstoff
gelöst und anschließend mit 4306 g Waschbenzin (Typ 100/140 der Fa. Shell-Chemie)
vermischt. In diese Mischung wurden 1200 g des vorgefertigten Mikrokapselpulvers homogen
eingerührt.
[0061] Die so gefertigte, 12 Gew.-% Mikrokapseln enthaltende Druckfarbe wurde mit einer
Flexodruckmaschine auf die Rückseite eines handelsüblichen CF-Papiers (Giroset-CF
der Fa. Feldmühle) in Form eines Quadrats von 12 cm Kantenlänge aufgedruckt. Das Auftragsgewicht
der Beschichtung betrug bis zu 2,6 g/m
2 nach Trocknung, was einer Kapselmenge von ungefähr 1,6 g/m
2 entsprach.
[0062] Bei der Beschriftung mehrerer übereinandergelegter, so hergestellter Papiere ließen
sich innerhalb der aufgedruckten Fläche bei Anwendung eines normalen Schreibdruckes
gut lesbare Durchschriften erzeugen.