[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum automatischen Abfüllen eines
Flüssigmediums, aus mindestens einem dünnflüssigen ersten Anteil sowie mindestens
einem visköseren und/oder grosszelligeren zweiten Anteil, in zugeführte Behältnisse
an einer Abfüllstation, welcher Zuspeise-, Förder-, allenfalls Aufbereitungsstationen
für das Flüssigmedium vorgeschaltet sind sowie eine Abfüllstation zur Ausführung des
Verfahrens und eine Anwendung des Verfahrens.
[0002] Derartige Verfahren sind, beispielsweise für das Abfüllen von Fruchtsäften in kunststoffkaschierte
Kartonbehältnisse, bekannt. Der schlussendlich als Flüssigmedium abgefüllte Saft umfasst
einen dünnflüssigen, wässrigen ersten Anteil sowie, beispielsweise bei Orangensaft,
einen zweiten grosszelligeren Anteil, bestehend aus Fruchtfleisch, schlammartigen
Zellstrukturen.
[0003] Ueblicherweise werden diese beiden Anteile in gewünschtem Verhältnis vereinigt, danach
mittels Förderpumpen über Zuspeiseleitungen, Rührwerke, Ventilanlagen etc. zu einer
Abfüllstation gefördert, durchlaufen also gemeinsam eine mehr oder weniger grosse
Zahl von Aggregaten mit entsprechenden Dichtungen, Leitungsquerschnitts-Unstetigkeitsstellen,
Toträumen bezüglich des Flüssigmediumsflusses etc.
[0004] Dabei wird der zweite viskösere bzw. grosszelligere Mediumsanteil, wie das genannte
Fruchtfleisch, an exponierten Stellen der Zuleitung und der Aggregate abgelagert,
was zu Verunreinigungen bis hin zu Verstopfungen führt. Das vom Konsumenten möglichst
unbeeinträchtigt erwünschte Fruchtfleisch wird teilweise zerschlagen und zerstört.
Das zu Beginn exakt bemessene Verhältnis von dünnflüssigem Anteil und visköserem bzw.
grosszelligerem Anteil ist im weiteren bei der Abfüllstation nicht mehr gewährleistet,
wegen Ablagerungen des zweitgenannten Anteils. Hingegen wird der dünnflüssige erste
Anteil beim Durchlaufen der genannten Zuleitungen und Aggregate nicht beeinträchtigt.
[0005] Die vorliegende Erfindung setzt sich zum Ziel, die obgenannten Nachteile zu beheben.
[0006] Dies wird dadurch erreicht, dass beim Verfahren obgenannter Art der erste Anteil
getrennt vom zweiten zur Abfüllstation gefördert wird.
[0007] Dadurch wird berücksichtigt, dass die beiden Anteile unterschiedlich zu behandeln
sind.
[0008] Durch die getrennte Zuführung an die Abfüllstation können vorgelagerte Aggregate
gezielt auf die spezifischen Eigenschaften je der beiden Anteile ausgelegt werden.
[0009] Für das Abfüllen, wie von Säften in Behältnisse, die nach dem Abfüllen versiegelt
werden, gibt es grundsätzlich zwei Techniken, um die Haltbarkeit des abgefüllten Flüssigmediums
für längere Zeit im Behältnis zu gewährleisten.
[0010] Bei der ersten Methode wird die Abfüllung aseptisch, kalt, d.h. bei ca. 20°, entsprechend
Raumtemperatur, vorgenommen. Diese Technik bedingt einen relativ aufwendigen Anlagenaufbau
zur Verhinderung von Kontaminationen des abgefüllten Mediums, nachdem es, wie durch
Erhitzung, keimfrei gemacht worden ist.
[0011] Eine zweite bekannte Methode besteht darin, das Flüssigmedium zu erhitzen, beispielsweise
Säfte auf ca. 70° bis 90°C während einer vorbestimmten Zeit, beispielsweise 1,5 min
auf dieser Temperatur zu halten, danach heiss in die Behältnisse abzufüllen, wodurch
auch die Behältnisse bzw. deren Innenräume keimfrei werden.
[0012] Für letztgenannte Verfahren, d.h. Heissabfüllverfahren, wird nun vorgeschlagen, das
obgenannte Verfahren so auszubilden, dass einer der Anteile vor dem Abfüllen auf eine
erhöhte Temperatur gebracht wird, zur Erlangung der Mediumshaltbarkeit nach dem Abfüllen
in das Behältnis, und dass der andere Anteil durch den einen Anteil auf mindestens
nahezu die erhöhte Temperatur gebracht wird.
[0013] Es wird somit lediglich der eine der beiden Anteile erhitzt und erhitzt selbst, sobald
er thermisch mit der Zuleitung für den anderen Anteil oder mit dem anderen Anteil
selbst in Kontakt tritt, durch Wärmeaustausch, auch letzteren.
[0014] Damit wird die Wärmekapazität des einen Anteils dazu ausgenützt, den zweiten erfindungsgemäss
getrennt zur Abfüllstation geförderten Anteil auf die zur Erlangung der
Mediumshaltbarkeit geforderte erhöhte Temperatur zu bringen.
[0015] Eine Abfüllstation zur Ausführung des obgenannten Verfahrens weist mindestens zwei
Zuleitungen für die Anteile auf.
[0016] Obwohl es durchaus möglich ist, und die erfindungsgemäss erwirkten Vorteile auch
hier weitgehendst zum Tragen kommen, die zwei Zuleitungen zu vereinigen und dann gemeinsam
einem Abfüllstutzen zuzuführen, wird das erfindungsgemässe Konzept konsequent dadurch
realisiert, dass die zwei Zuleitungen getrennt aus der Abfüllstation ausmünden. Dies
kann durch entsprechende Wahl der Ausmündungsanordnungen so realisiert sein, dass
ein an der Abfüllstation vorbeigeführtes Behältnis zeitlich sukzessiv erst an der
einen, dann an der anderen Ausmündung vorbeibewegt wird, oder aber dadurch, dass die
zwei Zuleitungen getrennt im Abfüllbereich für ein Behältnis ausmünden, dass die beiden
Ausmündungen gleichzeitig bezüglich eines Behältnisses wirksam werden. Im weiteren
wird vorgeschlagen, dass die eine der erwähnten Zuleitungen mit einer Erhitzereinheit
verbunden ist, um einen der Anteile zu erhitzen und um, mit diesem erhitzten einen
Anteil, den zweiten durch Wärmeaustausch ebenfalls zu erhitzen, derart, dass die Mediumshaltbarkeit
nach Abfüllen ins Behältnis gewährleistet ist. Das vorgeschlagene Verfahren bzw. die
vorgeschlagene Abfüllstation eignet sich vorzüglich in der Anwendung für das Abfüllen
von Säften, wie von Fruchtsäften mit Fruchtfleisch.
[0017] Die Erfindung wird anschliessend beispielsweise anhand einer Figur erläutert.
[0018] Diese zeigt schematisch anhand von Funktionsblöcken eine das erfindungsgemässe Verfahren
realisierende Abfüllanlage bzw. Varianten der erfinduhgsgemässen Abfüllstation.
[0019] Die in der Figur dargestellte Anlage wird im Zusammenhang mit Fruchtsaft als abzufüllendes
Medium beschrieben, wobei es sich von selbst versteht, dass dies nicht einschränkend
wirken soll, indem die bei Fruchtsaft entstehende Problematik bezüglich dünnflüssigem
Anteil und grobzelligem Fruchtfleischanteil bei anderen Füllmedien gleichermassen
auftreten kann.
[0020] Ein Zuspeisekanal 1 für den wässrigen Saftanteil umfasst Zuleitungen 3, Förderpumpen
5, allenfalls Bearbeitungsstationen, wie eine Erhitzerstation 7, eine
Rührerstation 9, alles Aggregate bekannter Bauweise und Wirkung.
[0021] Der Kanal 1 mündet in eine Abfüllstation 11 ein.
[0022] Ein zweiter Kanal 13, im Falle von Fruchtsaft, wie von Orangensaft, für die viskösere
Fruchtzellenmasse, weist wiederum eine Pumpe 15 auf sowie allenfalls eine oder mehrere
Aufbereitungsstationen, wie ein Rührwerk 17, an welchem beispielsweise die tiefgefroren
gelieferte Fruchtfleischmasse,allenfalls unter Zusatz von Flüssigkeit, zu einer dickflüssigen
Masse aufgerührt wird.
[0023] Wesentlich ist, dass das Ende des Kanals 13 wiederum und getrennt in die Abfüllstation
11 einmündet. Somit weist die Abfüllstation 11 eine Einmündung E
1 für den einen Kanal 1 und E
13 für den zweiten Kanal 13 auf, entsprechend der Zuspeisung, beispielsweise bei Orangensaft,
von wässriger Flüssigkeit und Fruchtfleischkonzentratmasse. Somit können generell
die in den Kanälen 1 bzw. 13 vorgesehenen Aggregate in ihrer Anzahl, ihrer Bauweise
und ihrer Wirkung auf den kanalspezifisch geförderten Flüssigmediumsanteil abgestimmt
werden. Verstopfungsprobleme, Probleme der exakten Verhältniszudosierung der beiden
Anteile, der Aggregat- und Leitungsverschmutzung werden auf diese Art und Weise umgangen.
So können im Kanal für den problematischeren Mediumsanteil, hier Kanal 13, möglichst
wenig Aggregate, beispielsweise nur ein Rührwerk und eine Pumpe vorgesehen werden
und letztere noch so ausgebildet werden, dass sie problemlos gereinigt werden können.
[0024] Für den Einsatz einer derartigen Anlage für das Heissabfüllen des Füllmediums ist
im einen der beiden Kanäle ein Erhitzer, wie der Erhitzer 7, vorgesehen, womit das
dort geförderte Medium, bei Saft beispielsweise auf eine Temperatur von 70°. bis 90°C
erhitzt wird, und mit dieser Temperatur der Abfüllstation 11 zugefördert wird. Der
zweite Mediumsanteil im Kanal 13 wird nicht erhitzt. Bei Vereinigung der beiden Zuleitungen,
entsprechend den Kanälen 3 und 13 an der Auffüllstation 11 wird entsprechend der Wärmekapazität
und den Anteilsverhältnissen, der nicht erhitzte Anteil, hier derjenige, der im Kanal
13 gefördert wird, auf mindestens nahezu die gleiche Temperatur angehoben, mit der
der Anteil in Kanal an der Auffüllstation 11 ankommt.
[0025] Die Vereinigung der in den beiden Kanälen 1 bzw. 13 geförderten Mediumsanteile erfolgt
entweder innerhalb der Abfüllstation 11 mittels eines allenfalls einstellbaren Mischventils
15, so dass ein einziger Auslass A
1 aus der Abfüllstation 11 ausmündet, um Behältnisse 17, die in entsprechende Position
bewegt werden, zu füllen. In einer zweiten Variante werden die beiden Kanäle, allenfalls
über Dosierungseinrichtungen 19 getrennt durch die Abfüllstation 11 a durchgeführt,
entweder, wie linker Hand dargestellt, in Auslassstutzen 21 ausmündend, die auf einem
solchen Abstand angeordnet sind, dass die Behältnisse 17 sequentiell erst vom einen
Stutzen 21, dann vom anderen gefüllt werden, oder wie rechter Hand dargestellt, so,
dass jeweils ein Behältnis 17 gleichzeitig durch beide Auslassstutzen 21 gefüllt wird.
[0026] Der Wärmeaustausch zwischen dem ersten erhitzten Anteil und dem zweiten nicht erhitzten
Anteil erfolgt vorzugsweise im Behältnis, wo die beiden Anteile erstmals miteinander
in thermisch engen Kontakt treten, kann aber auch kurz zuvor erfolgen oder mindestens
eingeleitet werden, dadurch, dass die beiden Zuleitungen thermisch gekoppelt werden.
1. Verfahren zum automatischen Abfüllen eines Flüssigmediums, aus mindestens einem
dünnflüssigen ersten Anteil sowie mindestens einem visköseren und/oder grosszelligeren
zweiten Anteil, in zugeführte Behältnisse an einer Abfüllstation, welcher Zuspeise-,
Förder-, allenfalls Aufbereitungsstationen für das Flüssigmedium vorgeschaltet sind,
dadurch gekennzeichnet, dass der erste Anteil getrennt vom zweiten zur Abfüllstation
gefördert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1 zum Heissabfüllen, dadurch gekennzeichnet, dass der eine
der Anteile vor dem Abfüllen auf eine erhöhte Temperatur gebracht wird, zur Erlangung
der Mediumshaltbarkeit nach dem Abfüllen ins Behältnis, und dass der andere Anteil
durch Wärmeaufnahme vom einen Anteil auf mindestens nahezu die erhöhte Temperatur
gebracht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Anteile getrennt
aus der Abfüllstation in die Behältnisse abgefüllt werden.
4. Abfüllvorrichtung zur Ausführung des Verfahrens nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 3, mit einer Abfüllstation, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens zwei Zuleitungen
(1, 13) für die Mediumsanteile an die Abfüllstation (11) vorgesehen sind.
5. Abfüllvorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die zwei Zuleitungen
(1, 13) getrennt aus der Abfüllstation (11) ausmünden (21).
6. Abfüllvorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die zwei Zuleitungen
(1, 13) getrennt in einen gemeinsamen Abfüllbereich für ein Behältnis (17) ausmünden.
7. Abfüllvorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass die eine der Zuleitungen (1) mit einer Erhitzereinheit (7) verbunden ist, um
einen der Anteile zu erhitzen, und um dann mit dem erhitzteniAnteil den anderen durch
Wärmeaustausch ebenfalls zu erhitzen, derart, dass die Mediumshaltbarkeit nach Abfüllen
ins Behältnis gewährleistet ist.
8. Abfüllvorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die eine der Zuleitungen
(1) mit einem Speicher für den ersten dünnflüssigen Anteil verbunden ist.
9. Anwendung des Verfahrens nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3 bzw. der Abfüllvorrichtung
nach mindestens einem der Ansprüche 4 bis 8 für Säfte, mit wässrigem Anteil und Fruchtfleischanteil.