[0001] Die Erfindung betrifft ein Schiffsantriebssystem, insbesondere für ein Fahrgastschiff,
bei welchem Antriebssystem mindestens eine mit einem Verstellpropeller versehene Antriebswelle
vorhanden ist, die mit einem langsamlaufenden Zweitakt-Dieselmotor als Antriebsmaschine
direkt gekuppelt ist, wobei für die Erzeugung der elektrischen Energie mindestens
zwei je einen Generator antreibende Hilfsdieselmotoren vorgesehen sind.
[0002] Für Fahrgastschiffe, insbesondere für Kreuzfahrtschiffe, liegt die geforderte Spitzengeschwindigkeit
erheblich über der maximal benötigten Reisegeschwindigkeit. Diese Spitzengeschwindigkeit
wird nur in Ausnahmefällen in Anspruch genommen; die Antriebssysteme müssen jedoch
für die Spitzengeschwindigkeit ausgelegt werden, was eine Ueberdimensionierung und
dadurch eine relativ schlechte Nutzung der installierten Motorenleistung zur Folge
hat.
[0003] Andererseits wird aus Sicherheitsgründen für die Erzeugung der erforderlichen elektrischen
Energie erheblich mehr motorische Leistung zur Verfügung gestellt als notwendig, wobei
die dafür erforderliche Motorenleistung ausschliesslich von mittelschnell- oder schnell-laufenden
Hilfsmotoren erzeugt wird. Der installierte Leistungsüberschuss kann dafür beispielsweise
3O - 4O % betragen.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, die Nutzung der auf dem Schiff in Form von Dieselmotoren
installierten Gesamtleistung zu verbessern. Diese Aufgabe wird mit der vorliegenden
Erfindung dadurch gelöst, dass zwischen dem elektrischen Bordnetz und jedem Antriebs-Dieselmotor
ein elektrischer Motor/Generator vorgesehen ist, der aus dem Bordnetz Leistung entnimmt
und über die Kurbelwelle des Antriebs-Dieselmotors an die Antriebswelle weitergibt
oder der überschüssige Antriebsleistung an das Bordnetz abgibt.
[0005] Auf diese Weise kann der oder die Antriebsmotoren so ausgelegt werden, dass er -
unter Berücksichtigung einer Sicherheitsmarge - mit beispielsweise 9O % seiner Maximalleistung
lediglich die bei der meistens benötigten maximalen Reisegeschwindigkeit erforderliche
Leistung, also eine Grundlast der Antriebsleistung, aufbringt, während höhere Schiffsgeschwindigkeiten
bzw. Antriebsleistungen von dem vorzugsweise in Serie mit der Antriebswelle und dem
Antriebs-Dieselmotor angeordneten Motor/Generator aus der redundanten Leistungsreserve
des elektrischen Bordnetzes entnommen wird.
[0006] Für den meistens benötigten Geschwindigkeitsbereich steht somit mit dem direkt gekuppelten
Zweitakt-Dieselmotor ein Antriebssystem zur Verfügung, das sich durch einen geringen
Brennstoffverbrauch, geringere Wartungskosten und durch den Wegfall von Uebertragungsverlusten
auszeichnet.
[0007] Bei Verwendung einer Synchron-Maschine als Motor/Generator ist es zweckmässig, nach
Erreichen der Synchron-Drehzahl Leistungssteigerungen für die Antriebsleistung, d.h.
für erhöhte Schiffsgeschwindigkeiten, ausschliesslich durch Verändern der Steigung
der Verstellpropeller-Flügel zu bewirken.
[0008] Es kann zweckmässig sein, bei einem bestimmten Leistungsüberschuss infolge geringer
Schiffsgeschwindigkeit die Drehzahl bis zur Synchron-Drehzahl des Motor/Generators
zu erhöhen, ohne die für den Antrieb zur Verfügung zu stellende Leistung zu steigern,
indem die Steigung der Verstellpropeller-Flügel verändert wird. Der bei der Synchron-Drehzahl
vorhandene Leistungsüberschuss des Antriebsmotors wird dann von dem Motor/Generator
in elektrische Energie umgesetzt und dem Bordnetz zur Verfügung gestellt. Die Leistung
der Generator/Diesel-Motoren kann dann reduziert werden. Es kann dadurch mit dem ökonomischen
Zweitakt-Dieselmotor elektrische Energie erzeugt werden.
[0009] Zu diesem Zweck ist es möglich, einen langsamdrehenden Motor/Generator direkt auf
die Kurbelwelle des Antriebsmotors zu schalten. Werden die Abmessungen der dafür
benötigten elektrischen Maschinen zu umfangreich, so kann stattdessen zwischen Antriebsmotor
und Motor/Generator ein Untersetzungsgetriebe eingebaut sein. Es ist dann zwischen
Getriebe und Antriebsmotor eine elastische Schaltkupplung vorzusehen.
[0010] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Fig. l ist eine schematische Darstellung des neuen Antriebssystems;
Fig. 2 gibt als Ausschnitt eine Variante von Fig. l wieder;
Fig. 3 ist eine diagrammartige Darstellung, bei der als Ordinate die geforderte Antriebsleistung
P und als Abszisse links die Schiffsgeschwindigkeit vS und rechts die Drehzahl der Kurbelwelle nK des Antriebsmotors aufgetragen sind.
[0011] Das in Fig. l gezeigte Antriebssytem hat zwei Antriebswellen l, an deren Enden je
ein Verstellpropeller 2 angeordnet ist. Die Antriebswellen l sind direkt mit je einem
Antriebs-Dieselmotor 3 vom Typ eines langsamlaufenden Zweitakt-Motors verbunden; selbstverständlich
können statt zwei Antriebswellen l auch nur eine oder mehrere vorgesehen sein.
[0012] Für die Speisung des elektrischen Bordnetzes, das durch eine Sammelschiene 4 symbolisch
dargestellt ist, sind vier - oder mehr - Generatoren 5 vorgesehen. Jeder dieser Generatoren
5 ist von einem eigenen Hilfsmotor 6 angetrieben, der in einem mittelschnell- oder
schnell-laufenden Viertakt-Motor besteht. Die mit diesen Motoren installierte Leistung
ist so gross, dass der Bedarf an elektrischer Energie mehrfach, beispielsweise l,25-
bis l,5-fach, gedeckt werden kann.
[0013] Erfindungsgemäss sind an das Bordnetz 4 zwei Motor/Generatoren 7 angeschlossen, die
in Fig. l über ein Untersetzungsgetriebe 8 - und in Fig. 2 direkt - mit der Kurbelwelle
9 des Antriebs-Dieselmotors 3 in Verbindung stehen, wobei in Fig. l eine elastische
Schaltkupplung lO eine mechanische Trennung der Motor/Generatoren 7 von der Kurbelwelle
ermöglicht. Wie bereits beschrieben, sind die Antriebsmotoren 3 so ausgelegt, dass
sie mit etwa 9O % ihrer maximalem Leistung die Einhaltung der maximal benötigten Reisegeschwindigkeit
sicherstellen.
[0014] Diese Leistung entspricht dem Punkt ll im linken Diagramm der Fig. 3. Somit wird
der Bereich A an Schiffsgeschwindigkeiten von den Antriebsmotoren allein abgedeckt,
wobei mit Vorteil beispielsweise Leistungsanpassungen durch Drehzahl-Aenderungen erreicht
werden.
[0015] Den Leistungsbedarf zwischen den Punkte ll und l2 im linken Teil der Fig. 3 für den
Geschwindigkeitsbereich B können die Antriebsmotoren 3 allein nicht mehr decken. Erfindungsgemäss
werden in diesem Bereich die Motor/Generatoren 7 als Motoren zusätzlich auf die Kurbelwelle
9 aufgeschaltet.
[0016] Wie der rechte Teil von Fig. 3 erkennen lässt, ist der Antriebsleistung im Punkt
ll eine Drehzahl der Kurbelwelle (Punkt l3) zugeordnet, die mit der Synchron-Drehzahl
n
S des Motor/Generators 7 übereinstimmt (Fig. 2) bzw. korrespondiert (Fig. l).
[0017] Die an sich konventionelle Drehzahlregelung der Antriebsmotoren 3 ist nun so ausgebildet,
dass diese Synchron-Drehzahl auch bei weiterer Leistungssteigerung konstant beibehalten
wird und einer Steigerung der geforderten Leistung durch Aenderungen der Steigung
der Verstellpropellerflügel 2 in bekannter Weise Rechnung getragen wird. Auf diese
Weise wird im Punkt l4 die für maximale Schiffsgeschwindigkeiten l2 notwendige Leistung
erreicht, wobei der Leistungsbedarf C von den elektrischen Motor/Generatoren 7 bzw.
vom Bordnetz 4 aufgebracht wird.
[0018] Wie bereits erwähnt, kann man bei erheblichen Wirkungsgrad-Unterschieden zwischen
den verwendeten Zweitakt- und Viertakt-Motoren 3 bzw. 6 bei niedrigen Schiffsgeschwindigkeiten,
beispielsweise im Punkt l5 bzw. l6 der Diagramme nach Fig. 3, von der drehzahlabhängigen
Leistungsregelung auf die Propellerschaufel-Regelung übergehen und gleichzeitig die
Drehzahl vom Wert n₁ auf den Wert n
S steigern. Die von den Antriebsmotoren 3 dann vorhandene Leistungsreserve im Bereich
D wird von den Motor/Generatoren 7 als elektrische Energie in das Bordnetz 4 eingespeist.
1. Schiffsantriebssystem, insbesondere für ein Fahrgastschiff, bei welchem Antriebssystem
mindestens eine mit einem Verstellpropeller versehene Antriebswelle vorhanden ist,
die mit einem langsamlaufenden Zweitakt-Dieselmotor als Antriebsmaschine direkt gekuppelt
ist, wobei für die Erzeugung der elektrischen Energie mindestens zwei je einen Generator
antreibende Hilfsdieselmotoren vorgesehen sind, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen
dem elektrischen Bordnetz (4) und jedem Antriebs-Dieselmotor (3) ein elektrischer
Motor/Generator (7) vorgesehen ist, der aus dem Bordnetz (4) Leistung entnimmt und
über die Kurbelwelle (9) des Antriebs-Dieselmotors (3) an die Antriebswelle (l) weitergibt,
oder der überschüssige Antriebsleistung an das Bordnetz (4) abgibt.
2. Antriebssystem nach Anspruch l, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Antriebs-Dieselmotor
(3) und dem Motor/Generator (7) ein Untersetzungsgetriebe (8) vorgesehen ist.
3. Antriebssystem nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Antriebs-Dieselmotor
(3) und dem Motor/Generator (7) ein Schaltkupplung (lO) vorgesehen ist.
4. Antriebssystem nach Anspruch l, dadurch gekennzeichnet, dass der Motor/Generator
(7) und der Antriebs-Dieselmotor (3) bezüglich der zugehörigen Antriebswelle (l) in
Serie angeordnet sind.
5. Antriebssystem nach einem der Ansprüche l - 4, dadurch gekennzeichnet, dass der
Motor/Generator (7) eine Synchron-Maschine ist.
6. Antriebssystem nach einem der Ansprüche l - 5, dadurch gekennzeichnet, dass nach
Erreichen der Synchron-Drehzahl (nS) des Motors/Generators (7) eine Leistungsänderung über eine Verstellung der Schaufeln
des Verstellpropellers (2) erfolgt.