(19)
(11) EP 0 088 273 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
29.07.1987  Patentblatt  1987/31

(21) Anmeldenummer: 83101623.3

(22) Anmeldetag:  21.02.1983
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4D06P 5/02, D06P 3/66

(54)

Nachbehandlungsverfahren für Reaktivfärbungen

Post treatment process for reactive dyeings

Procédé de post-traitement de teintures réactives


(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB IT

(30) Priorität: 06.03.1982 DE 3208140

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
14.09.1983  Patentblatt  1983/37

(71) Anmelder: BAYER AG
51368 Leverkusen (DE)

(72) Erfinder:
  • Lohnert, Wolfgang
    D-5672 Leichlingen 1 (DE)
  • Hildebrand, Dietrich, Dr.
    D-5068 Odenthal (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Nachbehandeln von mit Reaktivfarbstoffen gefärbten oder bedruckten aus Cellulose bestehenden oder Cellulose enthaltenden Fasern.

    [0002] Das neue Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß der Nachbehandlungsprozeß aus einer Folge von jeweils 2 - 8 abwechselnder spül- und flottenfreier Heißbehandlungsvorgänge besteht.

    [0003] Diese flottenfreie Heißbehandlung der Faser wird vorzugsweise durch Einwirkung von Heißluft und/oder Dampf und/oder Kontakthitze und/oder Strahlungswärme und/oder Hochfrequenzerhitzung bewirkt.

    [0004] Die Faser wird bei dieser flottenfreien Heißbehandlung vorzugsweise Temperaturen von 80 bis 200 °C und insbesondere von 90 bis 100 °C, während vorzugsweise 0,2 bis 10 Minuten, insbesondere 0,5 bis 2 Minuten, ausgesetzt.

    [0005] Das Fasermaterial wird im erfindungsgemäßen Verfahren vorzugsweise als textiles Gewebe eingesetzt, es ist jedoch die Faser als solche, z. B. in Form eines Spulgarnes erfindungsgemäß behandelbar. Die Spül- sowie die flottenfreien Heißbehandlungsvorgänge erfolgen vorzugsweise von der Innenseite nach der Außenseite der Faser bzw. des Gewebes.

    [0006] Das Verfahren eignet sich sowohl zum Nachwaschen von Ausziehfärbungen als auch zum Nachwaschen von Kontinuefärbungen und Drucken.

    [0007] Durch das neue Verfahren ist es überraschenderweise möglich, den zeit- und energieaufwendigen Auswaschprozeß des Farbstoffhydrolysates nach dem Färben oder Bedrucken unter gleichzeitiger Einsparung von Wasser und Energie wesentlich zu verkürzen.

    [0008] Die für die Durchführung des neuen Verfahrens notwendigen technischen Einrichtungen sind hinreichend bekannt und können in bestehende konventionelle Anlagen zum Färben und/oder Nachwaschen leicht eingebaut werden. Es handelt sich um Apparate, die Heißluft und/oder Heißdampf und/ oder Kontakthitze und/oder Infrarotstrahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung erzeugen.

    [0009] Als Cellulose enthaltende Mischfasern kommen beispielsweise in Frage : Cellulose/Polyester-Mischfasern, Cellulose/Polyamid-Mischfasern.

    [0010] Als für das erfindungsgemäße Verfahren geeignete Reaktivfärbungen sind vorzugsweise solche zu nennen, die mindestens einen Halogenchinoxalinyl-, Halogentriazinyl- Halogenpyrimidinyl- und/oder Vinylsulfonylrest aufweisen. Als Reaktivfarbstoffe kommen beispielsweise sulfogruppenhaltige, wasserl.ösliche, organische Farbstoffe aus der Reihe der Anthrachinon-, Azo-, Azometallkomplex-, Formazan-, Oxazin- und Phthalocyaninreihe in Betracht. Beispielhaft seien die in den Anwendungsbeispielen bezeichneten Reaktivfarbstoffe aufgeführt.

    [0011] Das erfindungsgemäße Verfahren wird im allgemeinen wie folgt durchgeführt :

    1. Nachbehandlung von Ausziehfärbungen :

    Nach Beendigung des Reaktivfärbeprozesses wird die erschöpfte Flotte abgelassen und ein- bis dreimal mit frischem Betriebswasser bei Raumtemperatur gespült. Anschließend erfolgt eine abwechselnde direkte Aufheizung des Färbegutes mittels Heißluft, Heißdampf, Kontakthitze, Infrarotstrahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung und jeweils ein Spülstoß mit kaltem oder angewärmten Betriebswasser. Nach jeweils 1 bis 5 derartigen Extraktionsstößen ist die Extraktion des Farbstoffhydrolysates beendet und die gewünschte Echtheit erreicht.

    2. Nachbehandlung von gefärbten und/oder bedruckten Warenbahnen :

    Die gefärbte und/oder bedruckte Warenbahn durchläuft kontinuierlich eine aus mehreren Waschabteilen bestehende Waschstraße, bei welcher zwischen den gegebenenfalls mit Quetschwerken und/oder Siebtrommeln und/oder Spritzrohren versehenen Naßbehandlungskästen Abteile zur Einwirkung von Dampf und/oder Heißluft und/oder IR-Strahlung und/oder Hochfrequenzstrahlung angeordnet sind, die eine rasche Aufheizung der Warenbahn im Einwirkungsbereich ermöglichen, wobei die zur Extraktion des herausdiffundierten Hydrolysates verwendete Waschflotte bevorzugt nach dem Gegenstromprinzip arbeitet. Die Waschflotte kann die zum Nachwaschen von Reaktivfärbungen üblichen Zusätze enthalten. Als solche Zusätze seien beispielsweise aufgeführt :

    Alkylnaphthalinsulfonate, Mineralölsulfonate, Alkylsulfonate, Fettalkoholsulfate, sulfatierte oxyäthylierte Verbindungen, Fettsäureester von Polyalkoholen, oxyäthylierte Fettalkohole, oxyäthylierte Alkylphenole, oxyäthylierte Alkylnaphthole.



    [0012] Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren nachbehandelte Ware zeigt insbesondere bei empfindlichen Qualitäten durch Materialschonung ein verbessertes Warenbild.

    [0013] Der Feuchtegehalt des nachbehandelnden Fasermaterials beträgt während der Nachbehandlung vorzugsweise 30 bis 180 Prozent, bezogen auf das Trockengewicht der Faser.

    [0014] Bei den in den folgenden Beispielen bezeichneten Teilen handelt es sich in allen Fällen um Gewichtsteile.

    Beispiel 1



    [0015] 100 Teile eines Baumwollkreuzspulgarnes wurden auf dem Garnfärbeapparat mit einer 40 °C warmen Flotte behandelt bestehend aus :



    [0016] Nach 2 Stunden wird die erschöpfte Färbeflotte abgelassen und die Spule zweimal nacheinander mit je 750 Teilen Betriebswasser von 25 °C in einer Zeit von jeweils 30 Sekunden von innen nach außen durchflutet.

    [0017] Daraufhin wird durch die Spule während 1 Minute von innen nach außen, überhitzter Dampf von 140 °C geblasen. Anschließend wird mit 750 Teilen 25 °C warmen Betriebswasser 30 Sekunden von innen nach außen durchflutet. Dieser Vorgang des Dämpfens mit anschließendem Spülen wird viermal wiederholt.

    [0018] Man erhält eine tiefe Scharlachfärbung mit guten Schweiß- und Waschechtheiten.

    Beispiel 2



    [0019] 100 Teile eines Rayon-Zwirnwickels werden 30 Minuten in einem Garnfärbeapparat bei 80 °C mit einer Flotte behandelt bestehend aus :



    [0020] Anschließend wird mit einer Aufheizgeschwindigkeit von 1 °C/Minute auf 100 °C erwärmt und über den Überlauf während 1 Stunde eine Lösung von 2 Teilen Trinatriumphosphat in 10 Teilen Wasser langsam zugetropft.

    [0021] Nach 1 Stunde Verweilen bei 110 °C wird die Flotte auf 80 °C abgekühlt und abgelassen. Anschließend wird der Apparat zweimal mit je 750 Teilen Betriebswasser von 25 °C von innen nach außen durchflutet. Daraufhin wird der Rayon-Zwirnwickel durch Heißluft auf 100 °C erhitzt. Anschließend wird mit 750 Teilen 25 °C warmen Betriebswasser 30 Sekunden von innen nach außen durchflutet. Dieser Vorgang der Heißluftbehandlung mit anschließendem Spülen wird viermal wiederholt.

    [0022] Man erhält eine tiefe Marineblaufärbung mit guten Schweiß- und Waschechtheiten.

    Beispiel 3



    [0023] 100 Teile einer Baumwoll-Webware werden mit Hilfe eines Foulardes mit 70 Teilen einer 25 °C warmen Klotzflotte imprägniert bestehend aus :



    [0024] Nach 25 Stunden Verweilen bei Raumtemperatur wird die Warenbahn kontinuierlich durch ein Waschaggregat geführt und mit Betriebswasser von 25 °C gespült.

    [0025] Daraufhin wird das Material abgequetscht und durch ein Infrarot-Feld geführt und dabei erhitzt. Anschließend wird die Warenbahn erneut durch ein Waschaggregat geleitet und mit Betriebswasser von 25 °C gespült.

    [0026] Dieser Vorgang des Erhitzens durch ein Infrarot-Feld mit anschließendem Spülen wird viermal wiederholt.

    [0027] Man erhält eine tiefe Blaufärbung mit guten Schweiß- und Waschechtheiten.

    Beispiel 4



    [0028] 100 Teile einer Baumwoll-Wirkware werden auf dem Baumfärbeapparat mit einer 80 °C warmen Flotte behandelt bestehend aus :


    895 Teilen Wasser



    [0029] Nach 2 Stunden wird die erschöpfte Färbeflotte abgelassen und die Baumwollwirkware zweimal nacheinander mit Betriebswasser von 25 °C gespült.

    [0030] Anschließend wird durch den Materialblock während 1 Minute überhitzter Dampf von 140 °C geblasen. Danach wird mit 25 °C warmen Betriebswasser 30 Sekunden von innen nach außen durchflutet. Dieser Vorgang wird viermal wiederholt.

    [0031] Man erhält eine dunkelgrüne Färbung mit guten Echtheitseigenschaften.

    Beispiel 5



    [0032] Ein Baumwollfrottiergewebe wird mit einer Druckpaste bedruckt bestehend aus :



    [0033] Die Warenbahn wird getrocknet und 3 Minuten bei 103 °C gedämpft, anschließend durchläuft sie ein Waschaggregat bestehend aus 6 Kästen, wobei zwischen dem 3. und 4., dem 4. und 5. sowie dem 5. und 6. jeweils eine Zeile zur Hochfrequenzerhitzung angeordnet ist. Die auf 60 °C erwärmte Flotte wird im Gegenstrom durch die Anlage geführt.

    [0034] Man erhält einen tiefen Marineblaudruck mit hervorragenden Echtheitseigenschaften.
















    Ansprüche

    1. Verfahren zum Nachbehandeln von mit Reaktivfarbstoffen gefärbten oder bedruckten aus Cellulose bestehenden oder Cellulose enthaltenden Fasern, dadurch gekennzeichnet, daß der Nachbehandlungsprozeß aus einer Folge von jeweils 2-8 abwechselnder wäßriger Spül- und flottenfreier Heißbehandlungsvorgänge besteht.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der flottenfreie Heißbehandlungsvorgang durch Einwirkung von Heißluft und/oder Dampf und/oder Kontakthitze und/oder Strahlungswärme und/oder Hochfrequenzerhitzung bewirkt wird.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1) bis 2), dadurch gekennzeichnet, daß die flottenfreie Heißbehandlung bei 80 bis 200 °C während 0,2 bis 10 Minuten durchgeführt wird.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1) bis 3), dadurch gekennzeichnet, daß der Feuchtegehalt des Fasermaterials während der flottenfreien Heißbehandlung 30 bis 180 Prozent bezogen auf das Trockengewicht der Faser beträgt.
     
    5. Verfahren nach Anspruch 1) bis 4), dadurch gekennzeichnet, daß das Fasermaterial in Form eines textilen Gewebes eingesetzt wird.
     
    6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Behandlung der Fasern von innen nach außen erfolgt.
     


    Claims

    1. Process for after-treating fibres which consist of cellulose or contain cellulose and have been dyed or printed with reactive dyestuffs, characterised in that the after-treatment process consists of a sequence of in each case 2-8 alternating aqueous rinsing and liquor-free hot-treatment steps.
     
    2. Process according to Claim 1, characterised in that the liquor-free hot-treatment step is carried out by the action of hot air and/or steam and/or contact heat and/or radiant heat and/or high-frequency heating.
     
    3. Process according to Claim 1) to 2), characterised in that the liquor-free hot-treatment is carried out at 80 to 200 °C for 0.2 to 10 minutes.
     
    4. Process according to Claim 1) to 3), characterised in that the moisture content of the fibre material during the liquor-free hot-treatment is 30 to 180 per cent, based on the dry weight of the fibre.
     
    5. Process according to Claim 1) to 4), characterised in that the fibre material is used in the form of a textile fabric.
     
    6. Process according to Claim 1 to 5, characterised in that the fibres are treated from the inside to the outside.
     


    Revendications

    1. Procédé pour le post-traitement de fibres consistant en cellulose ou contenant de la cellulose, teintes ou imprimées avec des colorants réactifs, caractérisé en ce que le procédé de post-traitement consiste en une succession de 2 à 8 cycles alternés chacun de rinçage à l'eau et de traitement thermique en l'absence de bain.
     
    2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le cycle de traitement thermique en l'absence de bain est effectué sous l'action de l'air chaud et/ou de la vapeur et/ou de la chaleur de contact et/ou de la chaleur radiante et/ou de chauffage à haute fréquence.
     
    3. Procédé selon les revendications 1 et 2, caractérisé en ce que le traitement thermique en l'absence de bain est mis en oeuvre à 80-200 °C pendant 0,2 à 10 min.
     
    4. Procédé selon les revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la teneur en humidité de la matière fibreuse pendant le traitement thermique en l'absence de bain est de 30 à 180 %, par rapport au poids anhydre de la fibre.
     
    5. Procédé selon les revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le matériau fibreux est utilisé sous forme d'un tissu textile.
     
    6. Procédé selon les revendications 1 à 5, caractérisé en ce que le traitement des fibres s'effectue de l'intérieur vers l'extérieur.