[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von gegen Molekulargewichtsabbau
stabilen hochmolekularen Polyphenylenethern aus einwertigen Phenolen, die in den beiden
ortho-Stellungen und gegebenenfalls in meta-Position Alkylsubstituenten aufweisen,
durch oxidative Kupplungsreaktion mit Sauerstoff bei Temperaturen zwischen 15 und
50 °C in Anwesenheit eines Katalysatorkomplexes aus einem Kupfersalz und einem organischen
Amin in Gegenwart eines Lösungsmittels und anschliessendes Abstoppen der Reaktion
und Entfernen der Metallkomponente des Katalysators aus der organischen Lösung durch
Zugabe wässriger Lösungen komplex- oder chelatkomplexbildender Mittel und gegebenenfalls
reduzierender Substanzen, sowie Hilfs- und Beschleunigungsmittel für die phasenübergreifenden
Reaktionen und für die Phasentrennung und Behandeln der organischen Polyphenylenetherlösung
während oder nach der Metallkatalysatorabtrennung mit Stabilisatoren.
[0002] Polyphenylenether und Verfahren zu ihrer Herstellung sind allgemein bekannt und vielfach
beschrieben, wie beispielsweise in den US-PS 3 306 874, 3 306 875, 3 639 656, 3 642
699 und 3 661 848
[0003] Die zur Herstellung der Polyphenylenether am häufigsten angewendeten Verfahren umfassen
die Selbstkondensation einwertiger Phenole durch Einwirkung von Sauerstoff in Gegenwart
von Katalysatoren. Als Katalysatoren werden bevorzugt Metall-Amin-Komplexe, insbesondere
Cu-Amin-Komplexe eingesetzt. Als Lösungsmittel werden vorzugsweise aromatische Kohlenwasserstoffe
verwendet. Die Reaktion wird gewöhnlich durch Entfernen des Katalysators aus der Reaktionsmischung
beendet. Dies geschicht durch die Verwendung von wässrigen Lösungen von anorganischen
oder organischen Säuren, wie es z.B. in der DE-OS 21 05 372 im Gegenstromextraktionsverfahren
vorgenommen wird. Verwendet werden auch Polyaminocarbonsäuren (s. DE-OS 23 64 319)
oder andere Chelatisierungsmittel wie Nitrilotriessigsäure und ihre Natriumsalze oder
Ethylendiamintetraessigsäure und ihre Natriumsalze (s. DE-OS 25 32 477), letztere
auch in Kombination mit quarternären Ammoniumsalzen (s. US-PS 4 026 870). Beschrieben
wird auch die Katalysatorabtrennung mit Hilfe komplexbildender Mittel aus der Gruppe
der Bisguanide (s. DE-PS 24 60 325). Neben dem Abbrechen der oxidativen Selbstkondensation
hat die Zugabe des komplexbildenden Agens auch die möglichst vollständige Entfernung
des Katalysators aus dem Polyphenylenether zum Ziel, da Verunreinigungen des Polymeren
durch Metallreste zu einer Verschlechterung des gesamten Eigenschaftsbildes des Polymeren
führen. In der Regel muss neben der Entfernung des Katalysatorsystems eine zusätzliche
Massnahme ergriffen werden, um die Polyphenylenetherlösungen gegen einen Molekulargewichtsabbau
zu stabilisieren. In der DE-OS 26 16 746 ist deshalb vorgeschlagen worden, die Polymerlösungen
mit Reduktionsmittel, wie z.B.Natriumdithionit oder Hydrazin zu behandeln. In den
meisten Fällen reicht diese Massnahme jedoch nicht aus, um eine Stabilisierung über
längere Zeiträume zu erzielen. In den DE-OSen 24 30 130 und 2754887 wird deshalb die
Zugabe von zweiwertigen Phenolen zusätzlich zu den üblichen Reduktionsmitteln beschrieben.
Beispielsweise werden dort Kombinationen aus Natriumdithionit oder Natriumsulfit und
Hydrochinon beschrieben. Es hat sich jedoch gezeigt, dass auch diese Massnahme nicht
ausreicht, um Polyphenylenoxidlösungen in einem Schritt über längere Zeit bei Temperaturen
bis 280 °C gegen einen Molekulargewichtsabbau zu schützen. Darüber hinaus ergaben
sich Nachteile bezüglich der Eigenfarbe der Polyphenylenoxidlösungen und insbesondere
bei der Abtrennung der wässrigen Lösungen der Reduktionsmittel.
[0004] Diese werden in der Regel zusammen mit den wässrigen Lösungen der Katalysatorabtrennmittel
von der organischen Lösung des Polyphenylenethers abgetrennt. Verwendet man nun die
oben genannte Kombination aus Reduktionsmittel und zweiwertigem Phenol, so ergeben
sich Probleme bei der Phasentrennung von organischer und wässriger Phase, und eine
Folge davon ist, dass die Katalysatorabtrennung mangelhaft wird.
[0005] In der DE-A-27 55 937 ist vorgeschlagen worden, zur Stabilisierung 0,1 bis 100 Mole
eines chelatbildenden Mittels pro Mol Metallion des Katalysators in Kombination mit
einem aromatischen Amin zu verwenden. Auch bei dieser Verfahrensweise bleibt die Eigenfarbe
der Polyphenylenoxidlösungen unbefriedigend.
[0006] Der Erfindung lag deshalb die Aufgabe zugrunde, ein einfaches und hochwirksames Verfahren
zur Abtrennung der Katalysatorreste bei der Selbstkondensation einwertiger Phenole
in Gegenwart von Sauerstoff unter gleichzeitiger Stabilisierung des resultierenden
Polyphenylenethers gegen Molekulargewichtsabbau zu entwickeln. Die Stabilisierung
sollte dabei auch bei Temperaturen bis zu 280 °C über längere Zeit, d.h. mehrere Stunden,
wirksam sein.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass die organische Polyphenylenetherlösung
mit mindestens einer Verbindung der allgemeinen Struktur I bis IV

wobei die Variablen R
I Methyl oder H-, R
2 Phenyl, Aminophenyl oder C
l-
8 Alkylphenyl, R
3, R
4 und R
5 unabhängig voneinander H- oder OH-und R
6 Phenyl, C
1_
8 Alkylphenyl oder C1-8 Alkyl bedeuten, behandelt wird.
[0008] Bevorzugt ist ein Verfahren, bei dem die Verbindungen der allgemeinen Strukturen
I bis IV gleichzeitig mit den komplex- oder chelatkomplexbildenden Mitteln für die
Metallkomponente des Katalysators einsetzt werden, und in Mengen von 0,1 bis 100 mMol,
bezogen auf 1 Mol eingesetztes Monomeres Phenol, in Form von Lösungen in organischen
Lösungsmitteln oder Wasser angewendet werden.
[0009] Bevorzugte Verbindungen ind 1-Phenyl-3-pyrazolidon und 4,4-Dimethyl-3-pyrazolidon.
Unter hochmolekularen Polyphenylenethern werden die durch oxidative Kupplung von 2,6-Dialkylphenol
zu einer Kette alkylsubstituierter, in para-Stellung durch Sauerstoffatome etherartig
gebundene Benzolringe verstanden. Die erfindungsgemässen Polymeren weisen im allgemeinen
Molekulargewichte von 10000 bis 90 000, bevorzugt 20 000 bis 80 000, bestimmt nach
der in «Macromolekular Synthesis» 1 (1978), Seite 83 angegebenen Methode, auf. Hochmolekulare
Polyhenylenether, auch Poly-(phenyloxide) genannt (vgl. z.B. US-PS 3661 848; US-PS
3219625 oder US-PS 3 378 505), sind an sich aus der Literatur seit längerem bekannt,
so dass sich hier eine weitere Beschreibung erübrigt.
[0010] Die zur Herstellung der hochmolekularen Polyphenylenether verwendeten einwertigen
Phenole, die in den beiden ortho-Stellungen und gegebenenfalls der meta-Position,
nicht aber in der para-Stellung Alkylsubstituenten aufweisen, sind die üblichen Phenole
wie 2,6-Dimethylphenol, 2,6-Diethylphenol, 2-Methyl-6-ethylphenol, 2-Methyl-6-propylphenol,
2,6-Dibutyl-phenol, 2,3,6-Trimethylphenol sowie Gemische dieser Phenole.
[0011] Zur Ausführung der Polykondensation wird Sauerstoff in die 15 bis 50 °C warme Lösung
des Monomeren in Gegenwart eines Katalysatorkomplexes eingeleitet. Die Sauerstoffdurchflussgeschwindigkeit
ist im wesentlichen die gleiche, wie sie in den US-Patentschriften 3 306 874 und 3
306 875 beschrieben ist. Nach einem bevorzugten Verfahren wird der Katalysator aus
Kupfersalz, vorzugsweise Kupfer-I-bromid, Amin und 0,01 bis 5 Gew.-%, 2,6-Dimethylphenyol
in die Vorlage der gelösten Monomere eindosiert.
[0012] Bei dem für die Polykondensation bekannten Katalysatorkomplex handelt es sich um
eine Kombination aus einem organischen Amin, z.B. n-Dibutylamin, Diethylamin, Picolin,
Chinolin, Pyridinbasen, Triisopropylamin, Dimethylisopropanolamin, Triethanolamin,
Triisopropanolamin oder Diisopropanolamin mit einem Kupfersalz wie Kupfer-!-bromid,
Kupfer-I-chlorid, Kupfer-I-jodid, Kupfer-II-acetat, Kupfer-II-chlorid, Kupfer-II-propionat,
Kupfer-II-acetessigester oder Kupfer-II-acetylacetonat. Ein bevorzugter Bereich bei
der Menge der eingesetzten Amine liegt bei 2,0 bis 25,0 Mol pro 100 Mol des Monomeren,
die Konzentration der Amine kann aber in der Reaktionsmischung innerhalb weiter Grenzen
variieren, zwecksmässig sind jedoch niedere Konzentrationen. Die Konzentration der
Kupfersalze wird gering gehalten und variiert vorzugsweise von 0,2 bis 2,5 Mol pro
100 Mol des Monomeren.
[0013] Der Anteil des Lösungsmittels liegt im Bereich von 1:1 bis 20:1, d.h. maximal bis
zu einem Überschuss des 20fachen an Lösungsmittel, bezogen auf das Monomere.
[0014] Als Lösungsmittel werden Benzol, Toluol und aliphatische Kohlenwasserstoffe, vorzugsweise
C
6- bis C
10-Kohlenwasserstoffe, verwendet.
[0015] Darüber hinaus kann die Reaktionsmischung einen Aktivator wie ein Diarylguanidin
oder ein Diarylformamidin enthalten (vgl. US-PS 3544515).
[0016] Bei einem geeigneten Verfahren wird die Polykondensationsreaktion bei Temperaturen
zwischen 15 und 50, vorzugsweise 18 und 22 °C durchgeführt. Hierzu wird der Sauerstoff
in die 15 bis 50 °C warme Lösung des Monomeren in Gegenwart des Aminkomplexes eingeleitet.
Die Reaktion ist in kurzer Zeit beendet, d.h. das Katalysatorgemisch wird in 0,1 bis
1,5 Stunden in die Monomerlösung unter Sauerstoff- oder Luftbegasung eindosiert.
[0017] Wenn die Polykondensation die gewünschte Ausbeute und das Polymere das gewünschte
Molekulargewicht erreicht hat, enthält die Reaktionslösung 1 bis 30 Gew.-% Polyphenylenether,
0,005 bis 1,5 Gew.-% Metallionen und etwa 0,1 bis 6,0 Gew.-% Amin sowie gegebenenfalls
geringe Mengen anderer Materialien. Diese Reaktionslösungen werden mit komplex- oder
chelatkomplexbildenden Mitteln zur Abtrennung des im Polymeren enthaltenen Metallkatalysators
behandelt. Die Art und Weise der Zugabe der metallbindenden Extraktionsmittel ist
dabei unkritisch. So können diese Extraktionsmittel in Substanz ebenso wie in wässriger
Lösung und in Form ihrer Alkali- oder Erdalkalisalze hinzugegeben werden. Die Zugabe
kann auf einmal oder in mehreren Anteilen, kontinuierlich oder diskontinuierlich,
mit und ohne zusätzliches Wasser erfolgen. Die Separierung der Metallkomponente kann
dabei in geeigneten Verfahrensvorrichtungen wie z.B. in Dekantationstanks, Zentrifugen
und ähnlichem vorgenommen werden.
[0018] Die Kontaktzeit der komplex- oder chelatkomplexbildenden Agentien mit der katalysatorhaltigen
Polyphenylenether-Phase kann innerhalb weiter Grenzen variieren. Bevorzugt werden
Reaktionszeiten von 1 Minute bis 5 Stunden. Häufig genügen Reaktionszeiten von 5 bis
60 Minuten. Die bevorzugte Reaktionstemperatur liegt zwischen 25 und 90 °C, es sind
jedoch auch Temperaturbereiche darunter und darüber anwendbar.
[0019] Bevorzugt eingesetzt werden als komplex- oder chelatkomplexbildende Mittel solche
Verbindungen, die aus der Gruppe der Polyalkylenpolyamine, Polycarbonsäuren, polymere
Polycarbonsäuren, Aminopolycarbonsäuren, Aminocarbonsäuren, Aminophosphonsäuren ausgewählt
sind. Besonders bevorzugt sind Aminopolycarbonsäuren und ihre Alkali- und/oder Erdalkalisalze,
wie Ethylendiamintetraessigsäure, Nitrilotriessigsäure und ihre Mono-, Di- und Trinatriumsalze,
Zitronensäure, Glycin, Diglykolsäure, Polyacrylsäure, Polyethylenmaleinsäure, Aminotri(methylen-
phosphonsäure), Hydroxyethandiphosphonsäure, Hydroxyethyliminodiessigsäure und andere.
Die komplex- oder chelatkomplexbildenden Mittel werden in solchen Mengen eingesetzt,
dass mindestens 1 Mol auf 1 Mol des zu entfernenden Metallsalzes entfällt.
[0020] Die Abtrennung der Metallkatalysatoren bis zur vollständigen Entfernung aus dem Polyphenylenether-Polymeren
kann durch mehrfache Zugabe der Extraktionsmittel und anschliessende Separierung der
resultierenden Metallkomplexe und Metallsalze gemäss der bereits beschriebenen Verfahren
erfolgen. Bevorzugt wird jedoch ein Verfahren, wonach die gesamte Katalysatormenge
in einem Schritt aus dem Polymeren entfernt wird.
[0021] Während oder nach der Entfernung der metallischen Komponente des Katalysatorkomplexes
mit den oben beschriebenen Extraktionsmitteln wird die organische Polyphenylenetherlösung
gemäss dem erfindungsgemässen Verfahren stabilisiert. Dies geschieht durch Zugabe
von mindestens einer Verbindung der oben beschriebenen allgemeinen Struktur I bis
IV.
[0022] Als Verbindungen können beispielsweise eingesetzt werden: 1-Phenyl-3-pyrazolidon,
1-To- lyl-3-pyrazolidon oder 4,4-Dimethyl-3-pyrazoli- don.
[0023] Bevorzugte Verbindungen sind 1 -Pheny)-3-pyrazolidon oder 4,4-Dimethyl-3-pyrazolidon.
Die Stabilisierungsmittel werden in solchen Mengen eingesetzt, dass die organische
Polyphenylenoxidlösung auch bei Temperaturen bis zu 280 °C über mehrere Stunden stabil
bleibt, d.h. kein Molekulargewichtsabbau und sonstige strukturelle Veränderungen erleidet.
In der Regel werden hierfür 0,1 bis 100 mMol, bezogen auf das bei der oxidativen Kupplung
eingesetzte Phenol, benötigt, besonders bevorzugt werden 1 bis 10mMol, bezogen auf
1 Mol monomeres Phenol; verwendet.
[0024] Die Zugabe der Stabilisierungsmittel ist unkritisch, sofern sie nur gleichzeitig
mit oder nach der Zugabe der komplex- oder chelatkomplexbildenden Mitteln für die
Abtrennung der Metallkomponente des Katalysatorkomplexes erfolgt. Sie kann direkt
mit oder nach der Zugabe der komplex-oder chelatkomplexbildenden Extraktionsmittel
erfolgen, so dass kein zusätzlicher Verfahrensschritt zu der anschliessenden Abtrennung
der wässrigen Phase erforderlich ist. Die Zugabe der Stabilisierungsmittel kann aber
auch in einem gesonderten Verfahrensschritt erfolgen. In der Regel wird das Stabilisierungsmittel
in Form von organischen oder wässrigen Lösungen der organischen Polyphenylenetherlösung
zugesetzt. Das Stabilisierungsmittel kann aber auch in reiner Form zugesetzt werden.
[0025] Die Kontaktzeit des Stabilisierungsmittels mit der weitgehend katalysatorfreien organischen
Polyphenylenetherlösung kann innerhalb weiter Grenzen variieren. Bevorzugt werden
Reaktionszeiten von 1 Minute bis 2 Stunden. Häufig reichen jedoch Reaktionszeiten
von 3 bis 60 Minuten aus. Die Umsetzung erfolgt in der Regel im Temperaturbereich
von 20 bis 120 °C, besonders bevorzugt wird jedoch bei Temperaturen von 50 bis 80
°C gearbeitet. Es sind jedoch auch Temperaturbereiche darunter und darüber anwendbar.
[0026] Nach der Entfernung der metallischen Komponente als Komplex- und/oder Salz und der
Stabilisierung der Polyphenylenetherlösung kann der Polyphenylenether aus der Lösung
nach den in den eingangs erwähnten US-Patentschriften beschriebenen Verfahren isoliert
werden. Die Isolierung des Polyphenylenethers ist für die vorliegende Erfindung nicht
kritisch. So kann z.B. der Polyphenylenether durch Ausfällen aus einer Reaktionslösung
mittels einem Antilösungsmittel, wie beispielsweise einem Überschuss von einem Alkohol,
z.B. Methanol, isoliert werden. Das filtrierte Produkt kann in Alkohol aufgeschlämmt
und - falls erwünscht - mit einem Entfärbungsmittel gerührt werden und dann wird der
Polyphenylenether abfiltriert und nach herkömmlichen Verfahren in Filme, Fasern, ausgeformte
Gegenstände dgl. umgewandelt. Andere Alkohole wie Isopropanol, Propanol oder Ethanol
sind in gleicher Weise verwendbar.
[0027] Wie bereits erwähnt, ist ein bevorzugter Aspekt des vorliegenden Verfahrens die Herstellung
von thermostabilen Polyphenylenetherlösungen mit niedrigem Metallgehalt, aus denen
die polymeren Stoffe nach sog. Totalisolationsverfahren, z.B. durch Sprühtrocknung,
Dampfausfällung und Heisswasserzerkrümelung, gewonnen werden können. Dies erleichtert
die wirtschaftliche Anwendung solcher Verfahren, die hinsichtlich der erforderlichen
Energie, der Lösungsmittelverluste und dgl. wirtschaftlicher sind als die bekannten
Ausfällungsverfahren. Grundbedingung für diese kostengünstigen, weil energiesparenden
Aufarbeitungsverfahren ist es jedoch, dass die organischen Polyphenylenetherlösungen
bis zu Temperaturen von 280 °C auch über längere Zeit stabil sind.
[0028] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass es mit
Hilfe der erfindungsgemässen Stabilisierungsmittel gelingt, bis zu 280 °C thermostabile
Polyphenylenetherlösungen zu erzeugen. Gegenüber dem Stand der Technik, insbesondere
gegenüber den DE-OSen 24 30130 und 27 54 887 ist als weiterer Vorteil festzuhalten,
dass die erfindungsgemässen Stabilisierungsmittel für sich alleine voll wirksam sind,
während bisher Kombinationen aus Reduktionsmitteln und zweiwertigen Phenolen eingesetzt
werden mussten, ohne dass eine Thermostabilität bis 280 °C erzielt werden konnte.
Darüber hinaus führen die erfindungsgemässen Stabilisierungsmittel zu sehr hell gefärbten
Polyphenylenetherlösungen und -formmassen. Schliesslich ist ein weiterer wesentlicher
verfahrenstechnischer Vorteil bei der Verwendung der erfindungsgemässen Stabilisierungsmittel,
insbesondere gegenüber dem Stand der Technik der DE-OS 27 54 887 festzustellen: während
bei der Anwendung der Kombination aus Reduktionsmittel, und zweiwertigem Phenol Probleme
bei der Phasentrennung von organischer polyphenylenetherhaltiger und wässriger metallextraktionsmittel-
und stabilisierungsmittelhaltiger Phase auftreten sind diese bei den erfindungsgemässen
Stabilisierungsmittel wesentlich weniger ausgeprägt - die Phasentrennung erfolgt innerhalb
weniger Minuten bei klarer Phasentrennschicht.
Beispiel 1
Herstellung des Poly-(2,6-dimethyl-1,4-phenylen)-ethers
[0029] Eine Lösung von 1,2 g Cu-II-chlorid, 1,9 g Natriumbromid und 0,3 g Methyltrioctylammoniumchlorid
in 15 ml Methanol werden zu 1100 ml Ethylbenzol hinzugegeben und bei 40 °C gerührt.
Anschliessend gibt man 14 g Di-n-butylamin und eine Lösung von 275 g 2,6-Dimethylphenyol
in 400 ml Ethylbenzol hinzu und begast die Reaktionslösung mit 0,1 m
3 Sauerstoff pro Stunde während 90 Minuten. Danach wird die Sauerstoffzufuhr abgedreht
und das Reaktionsgefäss mit Stickstoff gespült.
Reinigung und Stabilisierung der Reaktionslösung
[0030] Nach Beendigung der Reaktion wird die Polymerlösung mit 50 ml einer 10%igen wässrigen
Lösung eines Copolymerisats, bestehend aus 72 Teilen Acrylsäure und 28 Teilen Maleinsäureanhydrid,
einem K-Wert von 30, gemessen in 1%igen Lösungen in Dimethylformamid entsprechend
DIN 53 726, versetzt und während 10 Minuten heftig bei 60 °C gerührt, und anschliessend
18 g einer 10%igen Lösung von 1-Phenyl-3-py- razolidon in Methanol hinzugegeben und
nochmals 10 Minuten bei 75 °C heftig gerührt.
Beispiel 2
[0031] Die Herstellung und Reinigung des Polyphenylenethers erfolgt wie in Beispiel 1 beschrieben.
Zur Stabilisierung wird die Mischung mit 18 g einer 10%igen methanolischen Lösung
eines Gemisches aus gleichen Gewichtsteilen 1-Phenyl-3-pyrazolidon und p-Aminophenol
versetzt und nochmals 10 Minuten bei 75 °C heftig gerührt. Vergleichsbeispiel A
[0032] Die Herstellung des Polyphenylenethers erfolgte wie in Beispiel 1 beschrieben. Zur
Katalysatorabtrennung und Stabilisierung der Polyphenylenetherlösung wurde wie in
Beispiel 1 der DE-OS 27 54 887 verfahren. Die toluolische Polyphenylenetherlösung
wurde hierzu mit 1,5 g einer 28%igen wässrigen Lösung des Trinatriumsalzes der Ethylendiamintetraessigsäure
10 Minuten lang bei 40 °C heftig verrührt und anschliessend mit 0,66 g Hydrochinon
und 2 g Natriumsulfit versetzt und 10 Minuten heftig gerührt.
Vergleichsbeispiel B
[0033] Es wurde verfahren wie im Vergleichsbeispiel A, jedoch wurde bei der Stabilisierung
kein Natriumsulfit verwendet.
Vergleichsbeispiel C
[0034] Es wurde verfahren wie im Vergleichsbeispiel B, jedoch wurde das Hydrochinon durch
Brenzkatechin ersetzt.
Prüfungen
[0035] Nach der Beendigung der Stabilisierungen wurden die Gemische der Beispiele 30 min
absetzen lassen und die organischen Polyphenylenether-Lösungen von den wässrigen Phasen
getrennt. Die Cu-Gehalte der organischen Lösungen wurden bestimmt; sie sind in der
Tabelle enthalten. Von den stabilisierten organischen Lösungen wurden die Farbzahlen
in Anlehnung an eine lod-lodkalium-Farbskala (DIN 53403) ermittelt. Die Lösungen wurden
jeweils 4 Stunden bei 70 °C und nochmals 1 Stunde bei 250 °C getempert und die Farbzahlen
bestimmt. Von den Ausgangslösungen und nach den Temperungen wurden die Polyphenylenether
aus Proben mit Methanol ausgefällt, getrocknet und die reduzierten Viskositäten an
0,5%igen Lösungen in Chloroform bei 30 °C bestimmt.
[0036] Ein Vergleich der Werte der Beispiele und der nicht-erfindungsgemässen Vergleichsbeispiele
zeigt die Vorteile der erfindungsgemässen Stabilisierung.
