[0001] Die Erfindung betrifft eine Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge,
mit einem Verteilergefäß, jeder Strangader zugeordneter Horizontalstranggießkokille
und mit Mitteln zum Ausrichten der Horizontalstranggießkokillen auf die Gießachsen.
[0002] Eine gattungsgemäße, eingangs bezeichnete Horizontalstranggießvorrichtung ist z.B.
aus der DE-OS 34 11 769 bekannt. Der bekannte Gegenstand weist zwischen einem Vorratsgefäß
und einer Stranggießkokille jeweils eine zur Gießachse einstellbare Verbindung auf,
wobei das Vorratsgefäß mit einem Lochstein und einem eingesetzten Düsen stein versehen
ist und wobei die zur Gießachse einstellbare Verbindung an der Stirnseite des Düsensteins
dichtend anliegt.
[0003] Beim Horizontalstranggießen muß in der Zeit zwischen einem beendeten Abguß und der
darauffolgenden Charge die Horizontalstranggießkokille vom Verteilergefäß getrennt
werden, um einen wichtigen Bestandteil der Horizontalstranggießkokille, den Ablösering,
zu erneuern bzw. dessen Zustand zu überprüfen. Je nach Bauweise und Anzahl der gußstränge
muß dieser Arbeitsgang innerhalb oder Außerhalb der Gießlinie ausgeführt werden. Die
Montage und Vorbereitung der Horizontalstranggießkokillen außerhalb der Gießlinie
hat jedoch zur Folge, daß die Einheit Verteiler/Horizontalstranggießkokille erst kurz
vor Gießbeginn in Betriebsstellung gebracht werden kann. Hierbei tritt das Problem
auf, die Horizontalstranggießkokillen exakt zu den einzelnen Gießadern auszurichten
und zu fixieren. Bei Mehrstranggießanlagen ist dieses Problem bisher noch nicht zufriedenstellend
gelöst worden. Die Demontage und der anschließende Zusamenbau der Horizontalstranggießkokillen
in der Gießlinie bedeutet einen erheblichen Zeitverlust, und zwar vor allem dann,
wenn nicht an allen Horizontalstranggießkokillen aus Gründen des Platzbedarfs oder
des Personalmangels gleichzeitig gearbeitet werden kann.
[0004] Für die Qualität des durch Horizontalstranggießen erzeugten Produktes ist jedoch
eine exakte Relativbewegung zwischen Horizontalstranggießkokille und Gußstrang erforderlich.
Bei im Horizontalstranggießen angewendeten Verfahren wird der Gußstrang z.B. zyklisch
bewegt, wobei sich an die Vorwärtsbewegung ein kurzer Rückstoß anschließt sowie eine
Wartezeit. Die Wartezeit dient dem innigen und sicheren Verschweißen der Strangschale.
Die Strangschale wird während jeder Vorwärtsbewegung new gebildet und wird mit der
vorangegangenen verschweißt. Für dieses Verfahren muß die Horizontalstranggießkokille
absolut feststehen, denn nur dann kann der Rückstoß sicher in der Horizontalstranggießkokille
ankommen. Erfahrungsgemäß wirkt es sich sowohl auf den Ablauf des Verfahrens als auch
auf das erzeugte Produkt negativ aus, wenn die Horizontalstranggießkokille die Möglichkeit
zu unkontrollierten Bewegungen hat.
[0005] Bei Einstranggießanlagen wird die Horizontalstranggießkokille in der Gießlinie ausgerichtet
und verankert. Der Verteiler wird darauf an die Horizontalstranggießkokille herangefahren
und verbunden. Bei Mehrstranggießanlagen ist eine derartig einfache Justierung nicht
möglich, weil z.B. Wärmeverzug und Spiel im Schmelzenzuführsystem ein genaues Justieren
verhindern. Ein einfaches Befestigen der Horizontalstranggießkokillen am Verteilergefäß
scheidet daher aus, da hier erfahrungsgemäß keine ausreichende Fixierung erreicht
werden kann.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, bei einer Horizontalstranggießvorrichtung
für mehrere Gußstränge eine gleichzeitige Ausrichtung sämtlicher Horizontalstranggießkokillen
zu erzielen.
[0007] Die gestellte Aufgabe wird bei der eingangs genannten Horizontalstranggießvorrichtung
erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Verteilergefäß und pro Strangader eine Horizontalstranggießkokille
mit jeweils einem Schieberverschluß auf einem Wagen angeordnet sind und daß die Horizontalstranggießkokillen
in Betriebslage des Wagens mit ortsfesten, zu den Strangadern ausgerichteten Böcken
durch Arretiermittel verbindbar sind. Der Verteiler und die Horizontalstranggießkokillen
werden auf einem Arbeitsstand an dem Wagen fertiggemacht ausgerichtet und zusammenmontiert.
Bei Mehrstranggießvorrichtungen gehört auch das aufwendige Anbringen des Schieberverschlusses
dazu. Die gesamte Baueinheit kann sodann auf dem Wagen in die Gießlinie gefahren werden,
wobei erreicht wird, daß durch die Arretiermittel die Horizontalstranggießkokillen
ausgerichtet und fest verankert werden. Die bekannten Justierverfahren benötigen Zeiten
von über einer halben bis zu mehreren Stunden. Demgegenüber benötigt das erfindungsgemäße
Justier-System wesentlich unter 15 Minuten.
[0008] In Weiterbildung der Erfindung wird vorgeschlagen, daß die Horizontalstranggießkokillen
jeweils mit Ansätzen versehen sind, die den Böcken gegenüberliegend mittels Steckverbindungen
fixierbar sind. Etwa verzogene Gehäuse mit Ansätzen der Horizontalstranggießkokillen
werden durch diese Steckverbindungen in die gewünschte Lage gedrückt.
[0009] Für die Justierung der Horizontalstranggießkokillen ist ferner vorteilhaft, daß
die Ansätze der Horizontalstranggießkokillen und die Böcke jeweils paarweise vorgesehen
sind. Damit werden symmetrische Kräftepaare geschaffen, um ein sicheres Ausrichten
zu gewährleisten.
[0010] Der Justiervorgang kann außerdem vorteilhafterweise dadurch automatisiert werden,
indem die Steckverbindungen aus hydraulisch betätigten Hubstempeln bestehen.
Es ist fernerhin konstruktiv vorteilhaft, daß die Hubstempel sämtlich an einem Querjoch
angeordnet sind.
[0011] Zusätzlich zu den Justierarbeiten können auch andere manuelle Arbeiten beim Vorbereiten
der Horizontalstranggießvorrichtung vereinfact werden. Diesbezüglich wird vorgeschlagen,
daß für sämtliche Horizontalstranggießkokillen eine Kühlwasser-Spannplatte vorgesehen
ist.
[0012] Eine weitere Vereinfachung der Vorbereitungen auf einen Abguß wird dadurch erzielt,
daß in den Horizontalstranggießkokillen die sich an dem Verteilergefäß auf dem Wagen
befinden, Anfahrköpfe abgedichtet angeordnet sind.
[0013] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird
im folgenden näher beschrieben. Es zeigen
Fig. 1 eine Seitenansicht der in Betriebslage befindlichen Horizontalstranggießvorrichtung,
Fig. 2 die zu Fig. 1 gehörende Draufsicht auf die Horizontalstrangegießvorrichtung,
Fig. 3 eine Einzelheit mit Blickrichtung von vorne auf die Horizontalstranggießkokillen
mit zwei gezeichneten Strangadern, in vergrößertem Maßstab und
Fig. 4 einen Querschnitt A - A gemäß Fig. 3.
[0014] Gemäß Fig. 1 ist eine Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge (1)
ausgerüstet. Ein Verteilergefäß (2), jeder Strangader (3,4,5 und 6) zugeordnete Horizontalstranggießkokillen
(7,8,9 und 10) sind auf einem Wagen (11) angeordnet. Der Wagen (11) ist von einem
nicht näher dargestellten Arbeitsstand in die in den Fig. 1 und 2 dargestellte Betriebslage
(12) verfahrbar. In dem Arbeitsstand wurden das Verteilergefäß (2) und die Horizontalstranggießkokillen
(7 bis 10) nach Montage vorgeheizt, und außerdem wurde während der Montage jeweils
ein Schieberverschluß (13) eingebaut. Auf dem Gießstand sind Gleise (14) vorgesehen,
so daß der Wagen (11) die Betriebslage erreichen kann. Unterhalb der Geise (14) ist
eine Grube mit einer Notpfanne (15) angeordnet. Für den Notfall weist daher das Verteilergefäß
(2) einen rückseitig angeordneten Abstich (16) auf, der auch für das Abstechen der
Restschmelze bzw. für abzustechende Schlacke dient.
[0015] In der vorgesehenen Betriebslage (12) sind in entsprechendem Abstand je nach Länge
der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) Böcke (17) vorgesehen. Die Horizontalstranggießkokillen
(7 bis 10) weisen jeweils Ansätze (18 und 19) auf. Diese Ansätze (18 und 19) sind
durch Arretiermittel (20) mit den Ansätzen (18 und 19) verbunden. Die Arretiermittel
(20) bestehen hier aus Steckverbindungen (21), d.h. aus Hubstempeln (22) der hydraulischen
Bauart. Die Böcke (17) sind (Fig. 3) paarweise jeder der Horizontalstranggießkokillen
(7 bis 10) an den Seiten zugeordnet, entsprechend den Ansätzen (18 und 19). Sämtliche
Arretiermittel (20) bzw. die Steckverbindungen (21) sind an einem Querjoch (23) angebaut.
An dem Querjoch (23) (Fig. 4) ist gleichzeitig eine Kühlwasser-Spannplatte (24) vorgesehen,
die sämtliche Zu- und Abflüsse (25) für die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10)
mit Kühlmittel versorgen. Beim aufsetzen der KühlwasserSpannplatte (24) auf die Zu-
bzw. Abflüsse (25) wird nicht nur der Anschluß, sondern gleichzeitig eine dichtende
Wirkung hergestellt.
[0016] Neben den Arretiermitteln (20) für die Ansätze (18 and 19) der Horizontalstranggießkokillen
(7 bis 10) kann selbstverständlich eine selbständige Arretierung des Wagens (11) vorgesehen
sein. Deren Wirkung kann sich darauf erstrecken, eine etwa durch Schwerkraft auf den
Wagen (11) über nicht exakt horizontal verlaufende Gleise (14) zu kompensieren.
[0017] Die Ansätze (18 und 19) sind in den Fig. 1, 3 und 4 als nicht aufliegend d.h. durch
einen Luftspalt getrennt, gegenüber den Böcken (17) gezeichnet. Eine exakte Anpassung
kann daher durch Zwischenlegen von Einlagen in diesen Luftspalt hergestellt werden,
wobei eine entsprechende Paßarbeit erforderlich word.
1. Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge mit einem Verteilergefäß,
jeder Strangader zugeordneter Horizontalstranggießkokille und Mitteln zum Ausrichten
der Horizontalstranggießkokille auf die Gießadern,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Verteilergefäß (2) und pro Strangader (3,4,5 und 6) eine Horizontalstranggießkokille
(7,8,9 und 10) mit jeweils einem Schieberverschluß (13) auf einem Wagen (11) angeordnet
sind und daß die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) in Betriebslage (12) des
Wagens (11) mit ortsfesten, zu den Strangadern (3 bis 6) ausgerichteten Böcken (17
durch Arretiermittel (20) verbindbar sind.
2. Horizontalstranggießvorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) jeweils mit Ansätzen (18,19) versehen
sind, die den Böcken (17) gegenüberliegend mittels Steckverbindungen (21) fixierbar
sind.
3. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Ansätze (18,19) der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) und die Böcke
(17) jeweils paarweise vorgesehen sind.
4. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Steckverbindungen (21) aus hydraulisch betätigbaren Hubstempeln (22) bestehen.
5. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daßdie Hubstempel (22) sämtlich an einem Querjoch (23) angeordnet sind.
6. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß für sämtliche Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) eine kühlwasser-Spannplatte
(24) vorgesehen ist.
7. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß in den Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10), die sich an dem Verteilergefäß
(2) auf dem Wagen (11) befinden, Anfahrköpfe abgedichtet angeordnet sind.