(19)
(11) EP 0 239 919 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.10.1987  Patentblatt  1987/41

(21) Anmeldenummer: 87104361.8

(22) Anmeldetag:  24.03.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B22D 11/04, B22D 11/14
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT ES FR GB IT SE

(30) Priorität: 04.04.1986 DE 3611287

(71) Anmelder: MANNESMANN Aktiengesellschaft
D-40027 Düsseldorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Apel, Karl-Hermann
    D-5900 Siegen (DE)
  • Keutgen, Franz
    D-5534 Lissendorf (DE)
  • Kubon, Achim
    D-4133 Neukirchen-Vluyn (DE)
  • Perings, Dieter
    D-5541 Büdesheim (DE)
  • Stadler, Peter, Dr.-Ing.
    D-5900 Siegen (DE)
  • Voss-Spilker, Peter, Dr.-Ing.
    D-4152 Kempen (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Horizontalstranggiessvorrichtung für mehrere Giessstränge


    (57) Eine Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge (1) be­sitzt ein Verteilergefäß (2), jeder Strangader (3 bis 6) zugeordnete Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) und Mittel zum Ausrichten der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) auf die Gießadern.
    Um eine Zeitersparnis beim gleichzeitigen Ausrichten sämtlicher Horizontalstranggießkokillen zu erzielen, wird vorgeschlagen, daß das Verteilergefäß (2) und pro Strangader (3 bis 6) eine Horizontal­stranggießkokille (7 bis 10) mit jeweils einem Schieberverschluß (13) auf einem Wagen (11) angeordnet sind und daß die Horizontalstrang­gießkokillen (7 bis 10) in Betriebslage (12) des Wagens (11) mit ortsfesten, zu den Strangadern (3 bis 6) ausgerichteten Böcken (17) durch Arretiermittel (20) verbindbar sind.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Horizontalstranggießvorrichtung für meh­rere Gußstränge, mit einem Verteilergefäß, jeder Strangader zugeord­neter Horizontalstranggießkokille und mit Mitteln zum Ausrichten der Horizontalstranggießkokillen auf die Gießachsen.

    [0002] Eine gattungsgemäße, eingangs bezeichnete Horizontalstranggießvor­richtung ist z.B. aus der DE-OS 34 11 769 bekannt. Der bekannte Gegenstand weist zwischen einem Vorratsgefäß und einer Stranggießko­kille jeweils eine zur Gießachse einstellbare Verbindung auf, wobei das Vorratsgefäß mit einem Lochstein und einem eingesetzten Düsen stein versehen ist und wobei die zur Gießachse einstellbare Verbin­dung an der Stirnseite des Düsensteins dichtend anliegt.

    [0003] Beim Horizontalstranggießen muß in der Zeit zwischen einem beendeten Abguß und der darauffolgenden Charge die Horizontalstranggießkokille vom Verteilergefäß getrennt werden, um einen wichtigen Bestandteil der Horizontalstranggießkokille, den Ablösering, zu erneuern bzw. dessen Zustand zu überprüfen. Je nach Bauweise und Anzahl der gußstränge muß dieser Arbeitsgang innerhalb oder Außerhalb der Gießlinie ausgeführt werden. Die Montage und Vorbereitung der Horizontalstranggießkokillen außerhalb der Gießlinie hat jedoch zur Folge, daß die Einheit Verteiler/Horizontalstranggießkokille erst kurz vor Gießbeginn in Betriebsstellung gebracht werden kann. Hierbei tritt das Problem auf, die Horizontalstranggießkokillen exakt zu den einzelnen Gießadern auszurichten und zu fixieren. Bei Mehrstranggießanlagen ist dieses Problem bisher noch nicht zufriedenstellend gelöst worden. Die Demontage und der anschließende Zusamenbau der Horizontalstranggießkokillen in der Gießlinie bedeutet einen erheblichen Zeitverlust, und zwar vor allem dann, wenn nicht an allen Horizontalstranggießkokillen aus Gründen des Platzbe­darfs oder des Personalmangels gleichzeitig gearbeitet werden kann.

    [0004] Für die Qualität des durch Horizontalstranggießen erzeugten Produktes ist jedoch eine exakte Relativbewegung zwischen Horizontalstrang­gießkokille und Gußstrang erforderlich. Bei im Horizontalstranggießen angewendeten Verfahren wird der Gußstrang z.B. zyklisch bewegt, wobei sich an die Vorwärtsbewegung ein kurzer Rückstoß anschließt sowie eine Wartezeit. Die Wartezeit dient dem innigen und sicheren Ver­schweißen der Strangschale. Die Strangschale wird während jeder Vor­wärtsbewegung new gebildet und wird mit der vorangegangenen ver­schweißt. Für dieses Verfahren muß die Horizontalstranggießkokille absolut feststehen, denn nur dann kann der Rückstoß sicher in der Horizontalstranggießkokille ankommen. Erfahrungsgemäß wirkt es sich sowohl auf den Ablauf des Verfahrens als auch auf das erzeugte Pro­dukt negativ aus, wenn die Horizontalstranggießkokille die Möglich­keit zu unkontrollierten Bewegungen hat.

    [0005] Bei Einstranggießanlagen wird die Horizontalstranggießkokille in der Gießlinie ausgerichtet und verankert. Der Verteiler wird darauf an die Horizontalstranggießkokille herangefahren und verbunden. Bei Mehrstranggießanlagen ist eine derartig einfache Justierung nicht möglich, weil z.B. Wärmeverzug und Spiel im Schmelzenzuführsystem ein genaues Justieren verhindern. Ein einfaches Befestigen der Horizon­talstranggießkokillen am Verteilergefäß scheidet daher aus, da hier erfahrungsgemäß keine ausreichende Fixierung erreicht werden kann.

    [0006] Der vorliegenden Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, bei einer Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge eine gleichzeitige Ausrichtung sämtlicher Horizontalstranggießkokillen zu erzielen.

    [0007] Die gestellte Aufgabe wird bei der eingangs genannten Horizontal­stranggießvorrichtung erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Ver­teilergefäß und pro Strangader eine Horizontalstranggießkokille mit jeweils einem Schieberverschluß auf einem Wagen angeordnet sind und daß die Horizontalstranggießkokillen in Betriebslage des Wagens mit ortsfesten, zu den Strangadern ausgerichteten Böcken durch Arretier­mittel verbindbar sind. Der Verteiler und die Horizontalstranggieß­kokillen werden auf einem Arbeitsstand an dem Wagen fertiggemacht ausgerichtet und zusammenmontiert. Bei Mehrstranggießvorrichtungen gehört auch das aufwendige Anbringen des Schieberverschlusses dazu. Die gesamte Baueinheit kann sodann auf dem Wagen in die Gießlinie gefahren werden, wobei erreicht wird, daß durch die Arretiermittel die Horizontalstranggießkokillen ausgerichtet und fest verankert werden. Die bekannten Justierverfahren benötigen Zeiten von über einer halben bis zu mehreren Stunden. Demgegenüber benötigt das erfindungsgemäße Justier-System wesentlich unter 15 Minuten.

    [0008] In Weiterbildung der Erfindung wird vorgeschlagen, daß die Horizon­talstranggießkokillen jeweils mit Ansätzen versehen sind, die den Böcken gegenüberliegend mittels Steckverbindungen fixierbar sind. Etwa verzogene Gehäuse mit Ansätzen der Horizontalstranggießkokillen werden durch diese Steckverbindungen in die gewünschte Lage gedrückt.

    [0009] Für die Justierung der Horizontalstranggießkokillen ist ferner vor­teilhaft, daß die Ansätze der Horizontalstranggießkokillen und die Böcke jeweils paarweise vorgesehen sind. Damit werden symmetrische Kräftepaare geschaffen, um ein sicheres Ausrichten zu gewährleisten.

    [0010] Der Justiervorgang kann außerdem vorteilhafterweise dadurch automatisiert werden, indem die Steckverbindungen aus hydraulisch betätigten Hubstempeln bestehen.
    Es ist fernerhin konstruktiv vorteilhaft, daß die Hubstempel sämtlich an einem Querjoch angeordnet sind.

    [0011] Zusätzlich zu den Justierarbeiten können auch andere manuelle Arbei­ten beim Vorbereiten der Horizontalstranggießvorrichtung vereinfact werden. Diesbezüglich wird vorgeschlagen, daß für sämtliche Horizon­talstranggießkokillen eine Kühlwasser-Spannplatte vorgesehen ist.

    [0012] Eine weitere Vereinfachung der Vorbereitungen auf einen Abguß wird dadurch erzielt, daß in den Horizontalstranggießkokillen die sich an dem Verteilergefäß auf dem Wagen befinden, Anfahrköpfe abgedichtet angeordnet sind.

    [0013] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung darge­stellt und wird im folgenden näher beschrieben. Es zeigen

    Fig. 1 eine Seitenansicht der in Betriebslage befindlichen Horizon­talstranggießvorrichtung,

    Fig. 2 die zu Fig. 1 gehörende Draufsicht auf die Horizontalstrange­gießvorrichtung,

    Fig. 3 eine Einzelheit mit Blickrichtung von vorne auf die Horizon­talstranggießkokillen mit zwei gezeichneten Strangadern, in vergrößertem Maßstab und

    Fig. 4 einen Querschnitt A - A gemäß Fig. 3.



    [0014] Gemäß Fig. 1 ist eine Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge (1) ausgerüstet. Ein Verteilergefäß (2), jeder Strangader (3,4,5 und 6) zugeordnete Horizontalstranggießkokillen (7,8,9 und 10) sind auf einem Wagen (11) angeordnet. Der Wagen (11) ist von einem nicht näher dargestellten Arbeitsstand in die in den Fig. 1 und 2 dargestellte Betriebslage (12) verfahrbar. In dem Arbeitsstand wurden das Verteilergefäß (2) und die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) nach Montage vorgeheizt, und außerdem wurde während der Montage jeweils ein Schieberverschluß (13) eingebaut. Auf dem Gießstand sind Gleise (14) vorgesehen, so daß der Wagen (11) die Betriebslage erreichen kann. Unterhalb der Geise (14) ist eine Grube mit einer Notpfanne (15) angeordnet. Für den Notfall weist daher das Verteilergefäß (2) einen rückseitig angeordneten Abstich (16) auf, der auch für das Abstechen der Restschmelze bzw. für abzustechende Schlacke dient.

    [0015] In der vorgesehenen Betriebslage (12) sind in entsprechendem Abstand je nach Länge der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) Böcke (17) vorgesehen. Die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) weisen jeweils Ansätze (18 und 19) auf. Diese Ansätze (18 und 19) sind durch Arretiermittel (20) mit den Ansätzen (18 und 19) verbunden. Die Arretiermittel (20) bestehen hier aus Steckverbindungen (21), d.h. aus Hubstempeln (22) der hydraulischen Bauart. Die Böcke (17) sind (Fig. 3) paarweise jeder der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) an den Seiten zugeordnet, entsprechend den Ansätzen (18 und 19). Sämtliche Arretiermittel (20) bzw. die Steckverbindungen (21) sind an einem Querjoch (23) angebaut. An dem Querjoch (23) (Fig. 4) ist gleichzeitig eine Kühlwasser-Spannplatte (24) vorgesehen, die sämtliche Zu- und Abflüsse (25) für die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) mit Kühlmittel versorgen. Beim aufsetzen der Kühlwasser­Spannplatte (24) auf die Zu- bzw. Abflüsse (25) wird nicht nur der Anschluß, sondern gleichzeitig eine dichtende Wirkung hergestellt.

    [0016] Neben den Arretiermitteln (20) für die Ansätze (18 and 19) der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) kann selbstverständlich eine selbständige Arretierung des Wagens (11) vorgesehen sein. Deren Wirkung kann sich darauf erstrecken, eine etwa durch Schwerkraft auf den Wagen (11) über nicht exakt horizontal verlaufende Gleise (14) zu kompensieren.

    [0017] Die Ansätze (18 und 19) sind in den Fig. 1, 3 und 4 als nicht aufliegend d.h. durch einen Luftspalt getrennt, gegenüber den Böcken (17) gezeichnet. Eine exakte Anpassung kann daher durch Zwischenlegen von Einlagen in diesen Luftspalt hergestellt werden, wobei eine entsprechende Paßarbeit erforderlich word.


    Ansprüche

    1. Horizontalstranggießvorrichtung für mehrere Gußstränge mit einem Verteilergefäß, jeder Strangader zugeordneter Horizontalstrang­gießkokille und Mitteln zum Ausrichten der Horizontalstranggieß­kokille auf die Gießadern,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Verteilergefäß (2) und pro Strangader (3,4,5 und 6) eine Horizontalstranggießkokille (7,8,9 und 10) mit jeweils einem Schieberverschluß (13) auf einem Wagen (11) angeordnet sind und daß die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) in Betriebslage (12) des Wagens (11) mit ortsfesten, zu den Strangadern (3 bis 6) ausgerichteten Böcken (17 durch Arretiermittel (20) verbindbar sind.
     
    2. Horizontalstranggießvorrichtung nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) jeweils mit Ansätzen (18,19) versehen sind, die den Böcken (17) gegenüber­liegend mittels Steckverbindungen (21) fixierbar sind.
     
    3. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 und 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Ansätze (18,19) der Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) und die Böcke (17) jeweils paarweise vorgesehen sind.
     
    4. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 3,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Steckverbindungen (21) aus hydraulisch betätigbaren Hubstempeln (22) bestehen.
     
    5. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4,
    dadurch gekennzeichnet,
    daßdie Hubstempel (22) sämtlich an einem Querjoch (23) angeordnet sind.
     
    6. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 5,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß für sämtliche Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10) eine kühlwasser-Spannplatte (24) vorgesehen ist.
     
    7. Horizontalstranggießvorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 6,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß in den Horizontalstranggießkokillen (7 bis 10), die sich an dem Verteilergefäß (2) auf dem Wagen (11) befinden, Anfahrköpfe abgedichtet angeordnet sind.
     




    Zeichnung