[0001] Die Erfindung betrifft einen elektrohydraulischen Stellantrieb für Turbinenventile
gemäss Oberbegriff des Patentanspruchs.
[0002] Im Turbinenbau erfolgt die Versorgung der Stellantriebe der einzelnen Turbinenventile
mit hydraulischer Energie stets über ein zentrales hydraulisches Versorgungssystem,
welches einen zentralen Hydraulikflüssigkeitsbehälter und meistens mehrere gegen hydraulische
Druckspeicher arbeitende Flüssigkeitspumpen umfasst. Für die Verbindung eines Stellantriebes
mit dem zentralen hydraulischen Versorgungssystem sind demnach jeweils mindestens
zwei Rohrleitungen erforderlich, wobei die eine Rohrleitung die Versorgung des Stellantriebes
mit unter Druck stehender Hydraulikflüssigkeit übernimmt, während die andere Rohrleitung
die bei einer Entlastung der hydraulischen Bauteile ablaufende Hydraulikflüssigkeit
in den zentralen Hydraulikflüssigkeitsbehälter zurückführt. Um schmutzunempfindlichere
Stellantriebe zu erhalten, arbeitet man vorteilhaft mit relativ tiefen Betriebsdrücken;
dies hat allerdings zur Folge, dass grosse Öltanks vorgesehen werden müssen. Will
man von einem zentralen hydraulischen Versorgungssystem alle Stellantriebe einer Turbine
bedienen, so weist die Anlage zwangsläufig viele lange Ölleitungen auf. Um die Übertragungssicherheit
der hydraulischen Energie zu gewährleisten, erfordern diese Rohrleitungen einen erheblichen
Aufwand für Planung, Konstruktion, Qualitätssicherung und Wartung. Ausser Druckschwingungen
und Druckspitzen in langen Leitungen ist insbesondere auch die Beanspruchung durch
Wärmedehnung zu berücksichtigen. Schliesslich muss auch noch aus Sicherheitsgründen
die von einem Bruch der Leitungen im Warmbereich ausgehende Brandgefahr berücksichtigt
werden. Wohl liesse sich im Interesse des Brandschutzes die Brandgefahr durch den
Einsatz doppelwandiger Rohre reduzieren, allein bringt dies hinsichtlich Verlegung
und Zugänglichkeit erhebliche Probleme mit sich. Hinsichtlich Brandschutzes kann der
Einsatz von schwer brennbaren Hydraulikflüssigkeiten erwogen werden. Derartige Hydraulikflüsssigkeiten
sind jedoch kostspielig, erfordern auf Grund ihrer geringen Alterungsstabilität eine
Regenerieranlage, die Instruktionen der Lieferanten müssen genauestens beachtet werden
und sind gegenüber Wärmeeinwirkungen sehr zersetzungsgefährdet.
[0003] Ein Beispiel für die Kombination eines Schnellschlussventils und einer Regelventileinrichtung,
bei der die erwähnten vielen und langen Ölleitungen vorkommen, ist in den Brown-Boveri-Mitteilungen,
Bd. 36, Heft 6/1976, S. 354-359 beschrieben. Dabei bildet das Ventilgehäuse des Schnellschlussventils
einen Bestandteil des Regelventilgehäuses, das quer über der Turbine angeordnet ist.
Der hydraulische Antriebsteil des Schnellschlussventils ist ein Servomotor, der mit
Öl aus einem Regelölsystem geöffnet und mit Federkraft geschlossen wird. Die Regelventileinrichtung
weist zum Beispiel drei oder vier Regelventile auf, die nacheinander öffnen, wodurch
die Drosselung der ganzen Einrichtung gering gehalten wird. Die einzelnen Ventile
werden jeweils von einem durch einen elektrohydraulischen Wandler beeinflussten Drehservomotor
über eine Drehwelle mit einem Nocken sowie einem Rollenhebel betätigt.
[0004] Die in den EP-A-0 040 732 und EP-A-0 040 737 bekanntgegebenen Lösungen vermeiden
die oben beschriebenen Nachteile, indem durch die Integration des hydraulischen Versorgungssysteme
in den Stellantrieb die bisher erforderlichen Hydraulikzuleitungen und der mit diesen
Leitungen verbundene Aufwand entfallen können.
[0005] Diese Anordnung weist jedoch Nachteile auf:
a) Für jeden Stellantrieb muss ein eigenes hydraulisches Versorgungssystem zugeordnet
werden. Bei der Vielzahl von Schnellschluss- und Stellventilen einer Turbine ist dementsprechend
eine gleich grosse Zahl hydraulischer Versorgungssysteme vorzusehen; entsprechend
gross ist auch der finanzielle Aufwand.
b) Da das jeweilige hydraulische Versorgungssystem eine autonome Einheit bildet, muss
bei Ausfall der Flüssigkeitspumpe eine zweite zuschaltbare Flüssigkeitspumpe vorgesehen
werden, welche von einem zweiten Elektromotor angetrieben ist. Durch diese Massnahme
wird zwar die Betriebssicherheit des Stellantriebes erhöht, allerdings muss dabei
eine entsprechende Vergrösserung des Bauvolumens und die Kosten des hydraulischen
Versorgungssystems in Kauf genommen werden.
c) Aus denselben Überlegungen wie unter b) muss der hydraulische Druckspeicher in
mindestens zwei Teilspeicher unterteilt werden, wobei das Speichervolumen der Teilspeicher
derart bemessen ist, dass auch bei Ausfall eines Teilspeichers eine für die Betätigung
des hydraulischen Stellzylinders ausreichende Hydraulikflüssigkeitsmenge verfügbar
ist. Die daraus resultierende Konsequenz ist auch hier eine Vergrösserung des Bauvolumens
und der Kosten des hydraulischen Versorgungssystems.
d) Aus obigen Überlegungen ist es deshalb fraglich, ob die angestrebte Minimierung
des Bauvolumens des hydraulischen Versorgungssystems - soweit dieses mit dem Stellantrieb
zu einem am Ventilgehäuse angeordneten kompakten Antriebsblock integriert werden kann
- im vorgestellten Rahmen überhaupt machbar ist.
e) Darüber hinaus pflanzen sich die von den Ventilen bei Betrieb ausgehenden Vibrationen,
insbesondere bei kurzfristig einander folgenden Lastwechseln, auf die relativ empfindlichen
Elemente der Hydraulikversorgung fort. Die Lebensdauer dieser Elemente nimmt ab; Störungen
des Betriebes sind die Folge.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, die vorgenannten Nachteile zu beheben und einen elektrohydraulischen
Stellantrieb für ein Schnellschlussventil und ein Stellventil zu schaffen, der einerseits
den hohen Anforderungen hinsichtlich Stellkraft und Stellgeschwindigkeit genügt und
andererseits die mit der Übertragung hydraulischer Energie zusammenhängenden Probleme
vermeidet.
[0007] Der zur Lösung der genannten Aufgabe erfindungsgemäss vorgeschlagene elektrohydraulische
Stellantrieb für ein Schnellschlussventil und ein Stellventil ist dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebe der Ventile baulich gleich ausgeführt sind, dass die aus den Ventilen
und ihrem jeweils zugehörigen Antrieb bestehenden kompakten Einheiten unmittelbar
mit der Hydraulikversorgung vereinigt sind, und dass die Hydraulikversorgung eine
volumetrisch regelnde Ölfördereinheit mit einer Hilfspumpe zur Steuerung des Schnellschlussventils,
eine Verstellpumpe und zugehörigen Verstellzylinder zur Steuerung des Stellventils
sowie ein elektrohydraulisches Ventil zur Steuerung der Hydraulikströme der Pumpen
enthält.
[0008] Die Vorteile der Erfindung sind im wesentlichen darin zu sehen, dass durch die vorgeschlagene
Lösung der Anbau je eines Stell- und Schnellschlussventils an jedem Turbineneinlassventil,
vom benötigten und von dem zur Verfügung stehenden Platz her betrachtet, problemlos
bewerkstelligt werden kann.
[0009] Dadurch, dass die beiden Antriebe gleicher Ausführung sind, ist der Grad der Austauschbarkeit
grösstmöglich erreicht.
[0010] Ein weiterer Vorteil der Erfindung ist darin zu sehen, dass eine Hydraulikversorgung
je ein Stell-und Schnellschlussventil bedient. Dadurch, dass die Hydraulikversorgung
platzmässig nicht mehr konditioniert ist, kann sie robuster, einfacher und billiger
gebaut werden.
[0011] Ein Vorteil der Erfindung ist des weiteren darin zu sehen, dass die Hydraulikversorgung
eine volumetrisch geregelte Ölförderungseinheit beinhaltet, welche die Menge für die
Beaufschlagung des Stellventils liefert. Zu dieser Ölförderungseinheit gehört auch
eine Hilfspumpe, welche die Hydraulikmenge zur Beaufschlagung des Schnellschlussventils
sowie für das elektrohydraulische Ventil und für den Verstellzylinder der Verstelleinheit
der Pumpe liefert. Der Energieverbrauch der Einheit wird minimal, denn die Verstellpumpe
liefert nur jene Menge und den Druck, die vom Stellventil benötigt werden.
[0012] Anhand der Zeichnung sind Aufbau und Wirkungsweise eines Ausführungsbeispiels der
Erfindung schematisch dargestellt und näher erläutert.
[0014] Fig. 1 Elektrohydraulischer Stellantrieb für Turbinenventile für Stell- und Schnellschlussventil.
[0015] Wie aus Fig. 1 ersichtlich ist, besteht der elektrohydraulische Stellantrieb für
Turbinenventile im wesentlichen aus einer Hydraulikversorgung 1, einer Ölförderungseinheit
2 und aus zwei gleichen Antrieben 3, 4, welche für die Steuerung des Schnellschlussventils
29 und Stellventils 30 verantwortlich sind. Mit dem Start des Motors 17 fördern die
der Ölförderungseinheit 2 integrierten Hilfspumpe 15 und Verstellpume 16 Öl aus dem
Hydrauliktank 6 über die Leitungen 32 resp. 33.
[0016] Die Hilfspumpe 15 versorgt das elektrohydraulische Ventil 10 mit Öl, wobei intermediär
ein Filter 8 eingebaut ist. Zugleich wird der Antrieb 4 über die Drossel 9 und Leitung
34 auch mit Öl versorgt, wodurch das Schnellschlussventil 29 öffnet. Hierzu fliesst
das Öl durch die Drossel 22a in den Kolbenraum des Verstellzylinders 21a. Die Feder
35a wird zusammengedrückt; das in der Federkammer noch vorhandene Öl kann über den
Ablauf 24 zum Tank 6 abfliessen. Die Sicherung der Hilfspumpe 15 gegen Überdruck wird
vom Druckbegrenzungsventil 7 und dessen Ablauf 24 übernommen.
[0017] Während das Schnellschlussventil 29 ganz öffnet, muss das Stellventil 30 auf die
durch die Dampfleitung 26 zur Turbine strömende Dampfmenge regulierend einwirken können.
Die Verstellpumpe 16 versorgt ihrerseits über die Leitung 37 den Antrieb 3 mit Öl.
Die Dynamik des Öffnens des Stellventils 30 unterscheidet sich nicht von derjenigen
des Schnellschlussventils 29, d.h. der Kolbenraum des Verstellzylinders 21 wird über
die Drossel 22 beaufschlagt, worauf die Feder 35 zusammengedrückt wird und das darin
verbliebene Restöl über den Ablauf 24 zum Tank 6 rückfliessen kann.
[0018] Der Grad der Öffnung des Stellventils 30 wird von einem elektrischen Sollwert 27
dem elektrohydraulischen Ventil 10 signalisiert. Die auf den Verstellzylinder 18 eingegebene
Verstellgrösse bewirkt eine Förderungsmengenänderung der Verstellpumpe 16, wodurch
der Kolbenraum des Stellzylinders 21 zusätzlich mit Öl beaufschlagt wird und das Stellventil
30 infolgedessen entsprechend eine neue Öffnungsposition einnimmt. Der gewollte Öffnungsgrad
des Stellventils 30 wird eingehalten, indem im Vergleichsglied 36 das aus dem Rückführgeber
5 stammende Rückführsignal 28 mit dem Sollwert 27 ständig verglichen wird. Eine hieraus
resultierende Abweichung zwischen Soll- und Istwert wird dem elektrohydraulischen
Ventil 10 signalisiert. Bei zu grosser Öffnung des Stellventils 30 schliesst der Stellzylinder
18 mittels Federkraft. Die Verstellpumpe 16 fördert nun entsprechend weniger; das
aus dem Stellzylinder 18 überschüssige Öl fliesst zum elektrohydraulischen Ventil
10 und von hier über den Ablauf 24 zum Tank zurück.
[0019] Die Sicherung der Verstellpumpe 16 gegen Überdruck wird vom Druckbegrenzungsventil
11 und dessen Ablauf 24 übernommen.
[0020] Wenn das Stellventil 30 ganz offen ist, stellt sich der durch das Druckbegrenzungsventil
11 definierte maximale Druck ein, wobei der eingestellte Druck des Druckbegrenzungsventils
11 mindestens die Summe aus Druckkraft und Federkraft des Verstellzylinders 21 ist.
Die Stellventilspindel ist somit dauernd belastet. Um diese dauernde starke Belastung
zu verhüten, wird über nicht eingezeichnete Endschalter am Stellventil 30, bei dessen
voll offener Lage, das Wegeventil 13 geschaltet und der Druck soweit abgesenkt, bis
er mit dem im Druckbegrenzungsventii 14 definierten Wert übereinstimmt.
[0021] Das überschüssige Öl wird über den Ablauf 24 in den Tank 6 zurückgeführt. Vor dem
Wegeventil 13 in Abströmungsrichtung ist noch ein Filter 12 eingebaut.
[0022] Bei schnellen Lastabsenkungen der Turbine schaltet der Abflussverstärker 19 ein und
macht auf. Über die Bypassleitung 31 fliesst das im Kolbenraum unter Druck stehende
Öl in den Federraum des Verstellzylinders 21 und von hier über den Ablauf 24 in den
Tank 6 zurück. Dadurch vermeidet man, dass Pumpe und Leitungen bei diesen Laständerungen
grosse Mengen Öl schlucken müssen.
[0023] Damit die Pumpen 15, 16 während des Betriebes bei konstanter Last eine zu ihrer Kühlung
vorteilhafte minimale Ölmenge fördern können, sind die Drosseln 23, 23a vorgesehen,
welche ebendiese Rezirkulation gewährleisten.
[0024] Bei Schnellschluss machen die Zweiwegeventile 20, 20a, gesteuert durch die elektrischen
Signale 38, 38a, auf. Ebenfalls machen die Abflussverstärker 19, 19a auf. Das Öl kann
somit aus den Kolbenräumen über die Bypassleitungen 31, 31a a schlagartig in die Federräume
der Verstellzylinder 21, 21a entweichen und von hier durch die bereits geöffneten
Zweiwegeventile 20, 20a über 24 abfliessen. Eine auf Schliessung gerichtete Information
wird gleichzeitig über den elektrischen Sollwert 27 herangetragen. Die Förderung der
Pumpe 16 geht auf Null zurück.