(19)
(11) EP 0 258 700 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
09.03.1988  Patentblatt  1988/10

(21) Anmeldenummer: 87111706.5

(22) Anmeldetag:  12.08.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4: E21D 9/06
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE ES FR GB IT LI NL SE

(30) Priorität: 01.09.1986 DE 3629730

(71) Anmelder: Walbröhl, Heinz-Theo, Dipl.-Ing.
D-53111 Bonn (DE)

(72) Erfinder:
  • Walbröhl, Heinz-Theo, Dipl.-Ing.
    D-53111 Bonn (DE)

(74) Vertreter: Müller-Boré & Partner Patentanwälte 
Grafinger Strasse 2
81671 München
81671 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Messerschild-Vortriebsvorrichtung


    (57) Bei dem Verfahren werden die die für den Vortrieb erforder­liche Kraft erzeugenden Kolben-Zylinder-Einheiten (40, 42), die mit einem Ende an dem Vortriebsmesser (10) angelenkt sind, mit ihrem anderen Ende über ein Abstützglied (46) mit einem Stützrahmen (26) verbunden. Beim Vortrieb eines Messers (10) wird die Druckkraft über den Rahmen (26) in die anderen Vor­triebsmesser eingeleitet, die somit als Widerlager für das vorzutreibende Messer dienen. Das Abstützelement (46) unter­greift dabei mit Haken (56) die Vorderkante des Stütz­rahmens (26). Über vorzugsweise mittels Keilen (66) festleg­bare Haken (62), die die Hinterkante des Stützrahmens (26) untergreifen, wird das Vortriebsmesser (10) in Zugrichtung an dem Stützrahmen (26) fixiert. Nachdemm alle Vortriebs­messer vorgetrieben worden sind, werden die Abstützglieder (46) von dem hintersten Stützrahmen (26) gelöst und nach Einfahren des Kolbens (42) an dem davorliegenden Stütz­rahmen (24) fixiert. Der Stützrahmen (26) wird dabei als erster Stützrahmen (22) wieder eingebaut.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Vortreiben einer Tunnelstrecke mit über Stützrahmen abgestützen Vortriebs­messern sowie eine Messerschild-Vortriebsvorrichtung mit auf Stützrahmen abgestützen, über eine Druckeinrichtung vortreib­baren Vortriebsmessern, insbesondere zur Durchführung des Verfahrens.

    [0002] Es ist bekannt, Vortriebsmesser über einen hydraulischen Zylinder vorzutreiben, welcher gegen einen Montagebogen ab­gestützt ist, der den zuletzt betonierten Ausgangsabschnitt eines Tunnels begrenzt, wobei die Kolbenstange des hydrau­lischen Zylinders lösbar in krallenartige Kupplungsteile an der Innenfläche des Vortriebsmessers angreift. Zum einen ist bei dieser aus der DE-OS 19 66 078 bekannten Vorrichtung von Nachteil, daß die großen Druckkräfte in die Betonaus­kleidung eingeleitet werden, und zum anderen ist die Hand­habung der sehr schweren hydraulischen Kolben-Zylinder-Einheit kraftaufwendig und gefährlich.

    [0003] Ferner ist eine Vorrichtung bekannt, bei welcher jeweils zwei Abstützrahmen untereinander verbunden sind, welche ähnlich eines selbstschreitenden Ausbaus, wie er im Bergbau bekannt ist, vorgesetzt werden können. Diese Vorrichtung ist technisch aufwendig gestaltet und nur begrenzt einsatzfähig.

    [0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Vortreiben einer Tunnelstrecke sowie eine Vorrichtung zur Durchführung insbesondere dieses Verfahrens zu schaffen, welche schnell und einfach und mit weniger Kraftaufwand für die Be­dienungsmannschaft durchführbar bzw. handhabbar sind.

    [0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß ein Stützrahmen mit den Vortriebsmessern verbunden wird, und daß dieser Stützrahmen die beim Vortreiben eines Vortriebsmessers aufzubringende Druckkraft in die anderen Vortriebsmesser einleitet.

    [0006] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird der hinterste Stützrahmen mit den Vortriebsmessern verbunden, nach dem Vortreiben der Messer wird die Verbindung mit dem hintersten Stützrahmen gelöst, danach wird der Stützrahmen entfernt, um als erster Stützrahmen im vorderen Bereich der Vortriebsmesser erneut angeordnet zu werden, und die Vor­triebsmesser werden mit dem dann hintersten Stützrahmen ver­bunden.

    [0007] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren bilden alle Vortriebs­messer bis auf das vorzutreibende Vortriebsmesser mit einem der Stützrahmen, insbesondere mit dem in Vortriebsrichtung letzten Stützrahmen eine Einheit, so daß die Messer letztlich das Widerlager für das vorzutreibende Messer bilden. Dadurch wird verhindert, daß große Kräfte in die frische Betonaus­kleidung eingeleitet werden, oder daß zusätzliche Maßnahmen getroffen werden müssen, um ein ausreichend festes Widerlager zu bilden.

    [0008] Bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung insbesondere zur Durchführung des Verfahrens ist an jedem Vortriebsmesser eine Kolben-Zylinder-Einheit mit einem Ende angelenkt, an dem anderen Ende der Kolben-Zylinder-Einheit ist ein Abstütz­glied zum Eingriff an einem Stützrahmen angelenkt und es ist eine Einrichtung zum Verriegeln des Abstützgliedes an dem Stützrahmen vorgesehen.

    [0009] Da an jedem Vortriebsmesser eine Kolben-Zylinder-Einheit vor­gesehen ist, kann die kräftezehrende und gefährliche Um­setzung der Kolben-Zylinder-Einheit von einem Vortriebsmesser an ein anderes Vortriebsmesser entfallen. Zum einen können längere Messer verwendet werden, und zum anderen arbeitet die erfindungsgemäße Vorrichtung schneller, so daß die Vor­triebsleistung erhöht werden kann.

    [0010] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist das Abstütz­glied einen hakenartigen Ansatz zum Untergreifen der Vorder­kante eines Stützrahmens auf, und am hinteren Ende des Ab­stützgliedes ist ein befestigbarer, die Hinterkante des Stützrahmens untergreifender Haken vorgesehen. Nach Anlegen des Abstützgliedes an dem Stützrahmen und Sichern des Hakens am hinterem Ende des Abstützgliedes ist eine druck- und zug­feste Verbindung der Kolben-Zylinder-Einheit an dem Stütz­rahmen geschaffen. Die Einleitung der Druckkräfte muß erfolgen, wenn die Kolben-Zylinder-Einheit ausgefahren wird, um das Vortriebsmesser vorzutreiben. Zugkräfte treten dabei bei den übrigen Messern auf, da diese den Stützrahmen an einer Ausweichbewegung nach hinten hindern.

    [0011] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Abstützglied doppelwandig ausgebildet, das Ende des Kolbens der Kolben-­Zylinder-Einheit ist zwischen den Wänden angelenkt und es sind zwei über Keile festlegbare Haken vorgesehen. Dabei ist vorzugsweise zwischen den Wänden ein nach hinten heraus­stehendes T-förmiges Element zur Aufnahme der Haken und Keile befestigt, so daß eine Schnellverriegelung des Abstützgliedes an dem Stützrahmen möglich ist.

    [0012] Zur Erhöhung der Festigkeit sind zwischen den Wänden des Abstützelementes Aussteifungen angeordnet.

    [0013] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines Ausführungsbei­spiels näher erläutert. Es zeigt:

    Fig. 1 ein Vortriebsmesser in Seitenansicht,

    Fig. 2 das Vortriebsmesser nach Fig. 1 in Draufsicht,

    Fig. 3 ein Abstützglied im vergrößerten Maßstab in Seiten­ansicht,

    Fig. 4 das Abstützglied nach Fig. 3 in Draufsicht und

    Fig. 5 eine Ansicht in Richtung des Pfeiles V von Fig. 3.



    [0014] Fig. 1 zeigt ein Vortriebsmesser 10, das Teil einer aus einer Vielzahl von Vortriebsmessern bestehenden Messerschild-Vor­triebsvorrichtung ist. Das Vortriebsmesser 10 besteht aus einer oberen Wand 12, einer unteren Wand 14 und Seitenwänden 16, 18. Am vorderen Ende ist das Messer 10 mit einer Messer­spitze 20 versehen. Das Vortriebsmesser ruht auf Stützrahmen 22, 24, 26 auf. Der hintere Abschnitt 28 des Messers 10, der mit dem vorderen, stärkeren Abschnitt 30 über ein Gelenk 32 verbunden ist, dient während der Einbringung einer Beton­auskleidung 34 als Schalung.

    [0015] Hinter der Spitze 20 ist ein Lagerbock 36 angeordnet, an welchem über ein Schwenklager 38 ein Zylinder 40 einer Kolben-Zylinder-Einheit angelenkt ist. Die Kolben-Zylinder-Einheit weist einen nach hinten gerichteten Kolben 42 auf, welcher an dem nach hinten vorstehenden freien Ende mit einem Gelenk­zapfen 44 versehen ist, an welchem ein Abstützglied 46 ange­lenkt ist. Das Abstützglied 46 dient der Verriegelung des Kolbens 42 in Druck- und Zugrichtung an dem hintersten Stützrahmen 26.

    [0016] Die genaue Ausbildung und die Wirkungsweise des Abstütz­gliedes 46 wird insbesondere anhand der Fig. 3 bis 5 näher erläutert.

    [0017] Das Abstützglied 46 besteht aus zwei Seitenwänden 48, 50 die über Distanz- und Versteifungselemente 52 und 54 miteinander verbunden sind. Die Wände 48 und 50 nehmen den Lagerzapfen 44 auf. Die Wände 48 und 50 sind an der Unterseite mit haken­förmigen Ansätzen 56, 58 versehen, welche die Vorderkante 60 des Stützrahmens 26 untergreifen. Damit ist das Abstütz­glied 46 in Druckrichtung der Kolben-Zylinder-Einheit 40, 42 an dem Stützrahmen 26 verriegelt.

    [0018] Die Verriegelung des Abstützgliedes 46 in Zugrichtung an dem Stützrahmen 26 erfolgt über Haken 62, 64, welche die Hinterkante des Stützrahmens 26 untergreifen. Die Haken 62 und 64 werden an dem Abstützglied 46 gesichert über Keile 66, 68, welche gegen den Querschenkel 70 eines T-förmigen Elementes 72 anliegen, das mit seinem Längsschenkel 74 zwischen den Wänden 48, 50 des Abstützgliedes 46 befestigt ist. Nachdem das Abstützglied mit seinen Haken 56 die Vorder­kante des Stützrahmens 26 untergriffen haben, können die Haken 62, 64 seitlich eingebracht werden, wonach sie über die Keile 66, 68 fixiert werden.

    [0019] Die Durchführung des Verfahrens und die Wirkungsweise der Vorrichtung ist folgendermaßen: Alle mit ihrer Messerspitze 20 in einer Ebene liegenden und auf den Stützrahmen 22, 24, 26 aufliegenden Messer 10 werden mit ihrem Abstützglied 46 an dem hintersten Stützrahmen 26 verriegelt. Die Verschiebung des Abstützgliedes 46, an welchem die hinteren Haken 62, 64 und die Keile 66, 68 entfernt sind, erfolgt über die Kolben-­Zylinder-Einheit 40, 42, die über eine Leitung 76 mit Druck beaufschlagt oder entlastet wird. Sobald die Haken 56, 58 die Vorderkante des Stützrahmens 26 untergreifen, werden die Haken 62, 64 mit den Keilen 66, 68 an dem Abstützglied 46 be­festigt. Damit liegt eine feste Verbindung zwischen dem Ab­stützglied 46 und dem Stützrahmen 26 vor.

    [0020] Wenn alle Abstützglieder auf diese Weise mit dem Stütz­rahmen 26 verriegelt sind, werden nacheinander alle Messer 10 um die gewünschte Strecke vorgetrieben. Die von dem je­weils vorzutreibenden Messer ausgeübte Druckkraft, die durch Beaufschlagung des Kolbens 42 in dem Zylinder 40 in das Ab­stützglied 46 übertragen wird, wird über den Stützrahmen 26 in die benachbarten Messer eingeleitet, welche damit in­direkt als Widerlager für das vorzutreibende Messer dienen.

    [0021] Sobald alle Messer vorgetrieben sind und sich die Messer­spitzen 20 wieder in einer Ebene befinden, werden von allen Abstützgliedern 46 die Haken 62, 64 abgenommen. Jetzt können durch Einfahren des Kolbens 42 die Abstützglieder von dem hinteren Stützrahmen 26 entfernt werden. Nachdem dies bei sämtlichen Messern erfolgt ist, wird der Stützrahmen 26 abgenommen und als erster Stützrahmen vor dem Stütz­rahmen 22 angeordnet. Die Abstützglieder 46 werden jetzt soweit in Richtung der Messerspitze durch Einfahren des Kolbens 42 gezogen, bis die Anstützglieder 46 an dem Stützrahmen 24 verriegelt werden können. Wenn sämtliche Abstützglieder 46 die Vorderkante des Stützrahmens 24 untergreifen und die die Hinterkante untergreifenden Haken angeordnet sind, kann ein erneuter Vortrieb der Vortriebs­messer nacheinander vorgenommen werden.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Vortreiben einer Tunnelstrecke mit über Stützrahmen abgestützten Vortriebsmessern, dadurch gekennzeichnet, daß ein Stützrahmen (26) mit den Vortriebsmessern (10) verbunden wird, und daß dieser Stützrahmen (26) die beim Vortreiben eines Vor­triebsmessers aufzubringende Druckkraft in die anderen Vortriebsmesser einleitet.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekenn­zeichnet, daß der hinterste Stützrahmen (26) mit den Vortriebsmessern (10) verbunden wird, daß nach dem Vortreiben der Messer (10) die Verbindung mit dem hintersten Stützrahmen (26) gelöst wird, daß der Stütz­rahmen (26) entfernt wird, um als erster Stützrahmen im vorderen Bereich der Vortriebsmesser (10) angeordnet zu werden, und daß die Vortriebsmesser (10) mit dem dann hintersten Stützrahmen (24) druck- und zugfest ver­bunden werden.
     
    3. Messerschild-Vortriebsvorrichtung mit auf Stützrahmen abgestützten, über eine Druckeinrichtung vortreibbaren Vortriebsmesser, insbesondere zur Durchführung des Ver­fahrens nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn­zeichnet, daß an jedem Vortriebsmesser (10) eine Kolben-Zylinder-Einheit (40, 42) mit einem Ende angelenkt (38) ist, daß an dem anderen Ende der Kolben-Zylinder-­Einheit (40, 42) ein Abstützglied (46) zum Eingriff an einem Stützrahmen (26) angelenkt ist, und daß eine Ein­richtung (56, 62) zum druck- und zugfesten Verriegeln des Abstützgliedes (46) an dem Stützrahmen (26) vorge­sehen ist.
     
    4. Messerschild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Abstützglied (46) einen hakenartigen Ansatz (56) zum Untergreifen der Vor­derkante eines Stützrahmens aufweist, und daß am hinteren Ende des Abstützgliedes (46) befestigbare, die Hinterkante des Stützrahmens (26) untergreifende Haken (62) vorge­sehen sind.
     
    5. Messerchild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Ab­stützglied (46) doppelwandig ausgebildet ist, daß das Ende des Kolbens (42) der Kolben-Zylinder-Einheit zwischen den Wänden (48, 50) angelenkt ist, und daß zwei über Keile (66, 68) festlegbare Haken (62, 64) vorgesehen sind.
     
    6. Messerschild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Wänden (48, 50) ein nach hinten herausstehendes T-förmiges Element (72) zur Aufnahme der Haken (62, 64) und Keile (66, 68) befestigt ist.
     
    7. Messerschild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Wänden (48, 50) des Abstützgliedes (46) Aussteifungen (52, 54) angeordnet sind.
     




    Zeichnung
















    Recherchenbericht