[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Vortreiben einer Tunnelstrecke mit über
Stützrahmen abgestützen Vortriebsmessern sowie eine Messerschild-Vortriebsvorrichtung
mit auf Stützrahmen abgestützen, über eine Druckeinrichtung vortreibbaren Vortriebsmessern,
insbesondere zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Es ist bekannt, Vortriebsmesser über einen hydraulischen Zylinder vorzutreiben, welcher
gegen einen Montagebogen abgestützt ist, der den zuletzt betonierten Ausgangsabschnitt
eines Tunnels begrenzt, wobei die Kolbenstange des hydraulischen Zylinders lösbar
in krallenartige Kupplungsteile an der Innenfläche des Vortriebsmessers angreift.
Zum einen ist bei dieser aus der DE-OS 19 66 078 bekannten Vorrichtung von Nachteil,
daß die großen Druckkräfte in die Betonauskleidung eingeleitet werden, und zum anderen
ist die Handhabung der sehr schweren hydraulischen Kolben-Zylinder-Einheit kraftaufwendig
und gefährlich.
[0003] Ferner ist eine Vorrichtung bekannt, bei welcher jeweils zwei Abstützrahmen untereinander
verbunden sind, welche ähnlich eines selbstschreitenden Ausbaus, wie er im Bergbau
bekannt ist, vorgesetzt werden können. Diese Vorrichtung ist technisch aufwendig gestaltet
und nur begrenzt einsatzfähig.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Vortreiben einer Tunnelstrecke
sowie eine Vorrichtung zur Durchführung insbesondere dieses Verfahrens zu schaffen,
welche schnell und einfach und mit weniger Kraftaufwand für die Bedienungsmannschaft
durchführbar bzw. handhabbar sind.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß ein Stützrahmen mit den Vortriebsmessern
verbunden wird, und daß dieser Stützrahmen die beim Vortreiben eines Vortriebsmessers
aufzubringende Druckkraft in die anderen Vortriebsmesser einleitet.
[0006] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird der hinterste Stützrahmen
mit den Vortriebsmessern verbunden, nach dem Vortreiben der Messer wird die Verbindung
mit dem hintersten Stützrahmen gelöst, danach wird der Stützrahmen entfernt, um als
erster Stützrahmen im vorderen Bereich der Vortriebsmesser erneut angeordnet zu werden,
und die Vortriebsmesser werden mit dem dann hintersten Stützrahmen verbunden.
[0007] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren bilden alle Vortriebsmesser bis auf das vorzutreibende
Vortriebsmesser mit einem der Stützrahmen, insbesondere mit dem in Vortriebsrichtung
letzten Stützrahmen eine Einheit, so daß die Messer letztlich das Widerlager für das
vorzutreibende Messer bilden. Dadurch wird verhindert, daß große Kräfte in die frische
Betonauskleidung eingeleitet werden, oder daß zusätzliche Maßnahmen getroffen werden
müssen, um ein ausreichend festes Widerlager zu bilden.
[0008] Bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung insbesondere zur Durchführung des Verfahrens
ist an jedem Vortriebsmesser eine Kolben-Zylinder-Einheit mit einem Ende angelenkt,
an dem anderen Ende der Kolben-Zylinder-Einheit ist ein Abstützglied zum Eingriff
an einem Stützrahmen angelenkt und es ist eine Einrichtung zum Verriegeln des Abstützgliedes
an dem Stützrahmen vorgesehen.
[0009] Da an jedem Vortriebsmesser eine Kolben-Zylinder-Einheit vorgesehen ist, kann die
kräftezehrende und gefährliche Umsetzung der Kolben-Zylinder-Einheit von einem Vortriebsmesser
an ein anderes Vortriebsmesser entfallen. Zum einen können längere Messer verwendet
werden, und zum anderen arbeitet die erfindungsgemäße Vorrichtung schneller, so daß
die Vortriebsleistung erhöht werden kann.
[0010] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist das Abstützglied einen hakenartigen
Ansatz zum Untergreifen der Vorderkante eines Stützrahmens auf, und am hinteren Ende
des Abstützgliedes ist ein befestigbarer, die Hinterkante des Stützrahmens untergreifender
Haken vorgesehen. Nach Anlegen des Abstützgliedes an dem Stützrahmen und Sichern des
Hakens am hinterem Ende des Abstützgliedes ist eine druck- und zugfeste Verbindung
der Kolben-Zylinder-Einheit an dem Stützrahmen geschaffen. Die Einleitung der Druckkräfte
muß erfolgen, wenn die Kolben-Zylinder-Einheit ausgefahren wird, um das Vortriebsmesser
vorzutreiben. Zugkräfte treten dabei bei den übrigen Messern auf, da diese den Stützrahmen
an einer Ausweichbewegung nach hinten hindern.
[0011] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Abstützglied doppelwandig ausgebildet,
das Ende des Kolbens der Kolben-Zylinder-Einheit ist zwischen den Wänden angelenkt
und es sind zwei über Keile festlegbare Haken vorgesehen. Dabei ist vorzugsweise zwischen
den Wänden ein nach hinten herausstehendes T-förmiges Element zur Aufnahme der Haken
und Keile befestigt, so daß eine Schnellverriegelung des Abstützgliedes an dem Stützrahmen
möglich ist.
[0012] Zur Erhöhung der Festigkeit sind zwischen den Wänden des Abstützelementes Aussteifungen
angeordnet.
[0013] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigt:
Fig. 1 ein Vortriebsmesser in Seitenansicht,
Fig. 2 das Vortriebsmesser nach Fig. 1 in Draufsicht,
Fig. 3 ein Abstützglied im vergrößerten Maßstab in Seitenansicht,
Fig. 4 das Abstützglied nach Fig. 3 in Draufsicht und
Fig. 5 eine Ansicht in Richtung des Pfeiles V von Fig. 3.
[0014] Fig. 1 zeigt ein Vortriebsmesser 10, das Teil einer aus einer Vielzahl von Vortriebsmessern
bestehenden Messerschild-Vortriebsvorrichtung ist. Das Vortriebsmesser 10 besteht
aus einer oberen Wand 12, einer unteren Wand 14 und Seitenwänden 16, 18. Am vorderen
Ende ist das Messer 10 mit einer Messerspitze 20 versehen. Das Vortriebsmesser ruht
auf Stützrahmen 22, 24, 26 auf. Der hintere Abschnitt 28 des Messers 10, der mit dem
vorderen, stärkeren Abschnitt 30 über ein Gelenk 32 verbunden ist, dient während der
Einbringung einer Betonauskleidung 34 als Schalung.
[0015] Hinter der Spitze 20 ist ein Lagerbock 36 angeordnet, an welchem über ein Schwenklager
38 ein Zylinder 40 einer Kolben-Zylinder-Einheit angelenkt ist. Die Kolben-Zylinder-Einheit
weist einen nach hinten gerichteten Kolben 42 auf, welcher an dem nach hinten vorstehenden
freien Ende mit einem Gelenkzapfen 44 versehen ist, an welchem ein Abstützglied 46
angelenkt ist. Das Abstützglied 46 dient der Verriegelung des Kolbens 42 in Druck-
und Zugrichtung an dem hintersten Stützrahmen 26.
[0016] Die genaue Ausbildung und die Wirkungsweise des Abstützgliedes 46 wird insbesondere
anhand der Fig. 3 bis 5 näher erläutert.
[0017] Das Abstützglied 46 besteht aus zwei Seitenwänden 48, 50 die über Distanz- und Versteifungselemente
52 und 54 miteinander verbunden sind. Die Wände 48 und 50 nehmen den Lagerzapfen 44
auf. Die Wände 48 und 50 sind an der Unterseite mit hakenförmigen Ansätzen 56, 58
versehen, welche die Vorderkante 60 des Stützrahmens 26 untergreifen. Damit ist das
Abstützglied 46 in Druckrichtung der Kolben-Zylinder-Einheit 40, 42 an dem Stützrahmen
26 verriegelt.
[0018] Die Verriegelung des Abstützgliedes 46 in Zugrichtung an dem Stützrahmen 26 erfolgt
über Haken 62, 64, welche die Hinterkante des Stützrahmens 26 untergreifen. Die Haken
62 und 64 werden an dem Abstützglied 46 gesichert über Keile 66, 68, welche gegen
den Querschenkel 70 eines T-förmigen Elementes 72 anliegen, das mit seinem Längsschenkel
74 zwischen den Wänden 48, 50 des Abstützgliedes 46 befestigt ist. Nachdem das Abstützglied
mit seinen Haken 56 die Vorderkante des Stützrahmens 26 untergriffen haben, können
die Haken 62, 64 seitlich eingebracht werden, wonach sie über die Keile 66, 68 fixiert
werden.
[0019] Die Durchführung des Verfahrens und die Wirkungsweise der Vorrichtung ist folgendermaßen:
Alle mit ihrer Messerspitze 20 in einer Ebene liegenden und auf den Stützrahmen 22,
24, 26 aufliegenden Messer 10 werden mit ihrem Abstützglied 46 an dem hintersten Stützrahmen
26 verriegelt. Die Verschiebung des Abstützgliedes 46, an welchem die hinteren Haken
62, 64 und die Keile 66, 68 entfernt sind, erfolgt über die Kolben-Zylinder-Einheit
40, 42, die über eine Leitung 76 mit Druck beaufschlagt oder entlastet wird. Sobald
die Haken 56, 58 die Vorderkante des Stützrahmens 26 untergreifen, werden die Haken
62, 64 mit den Keilen 66, 68 an dem Abstützglied 46 befestigt. Damit liegt eine feste
Verbindung zwischen dem Abstützglied 46 und dem Stützrahmen 26 vor.
[0020] Wenn alle Abstützglieder auf diese Weise mit dem Stützrahmen 26 verriegelt sind,
werden nacheinander alle Messer 10 um die gewünschte Strecke vorgetrieben. Die von
dem jeweils vorzutreibenden Messer ausgeübte Druckkraft, die durch Beaufschlagung
des Kolbens 42 in dem Zylinder 40 in das Abstützglied 46 übertragen wird, wird über
den Stützrahmen 26 in die benachbarten Messer eingeleitet, welche damit indirekt
als Widerlager für das vorzutreibende Messer dienen.
[0021] Sobald alle Messer vorgetrieben sind und sich die Messerspitzen 20 wieder in einer
Ebene befinden, werden von allen Abstützgliedern 46 die Haken 62, 64 abgenommen. Jetzt
können durch Einfahren des Kolbens 42 die Abstützglieder von dem hinteren Stützrahmen
26 entfernt werden. Nachdem dies bei sämtlichen Messern erfolgt ist, wird der Stützrahmen
26 abgenommen und als erster Stützrahmen vor dem Stützrahmen 22 angeordnet. Die Abstützglieder
46 werden jetzt soweit in Richtung der Messerspitze durch Einfahren des Kolbens 42
gezogen, bis die Anstützglieder 46 an dem Stützrahmen 24 verriegelt werden können.
Wenn sämtliche Abstützglieder 46 die Vorderkante des Stützrahmens 24 untergreifen
und die die Hinterkante untergreifenden Haken angeordnet sind, kann ein erneuter Vortrieb
der Vortriebsmesser nacheinander vorgenommen werden.
1. Verfahren zum Vortreiben einer Tunnelstrecke mit über Stützrahmen abgestützten
Vortriebsmessern, dadurch gekennzeichnet, daß ein Stützrahmen (26) mit den Vortriebsmessern (10) verbunden wird, und daß dieser
Stützrahmen (26) die beim Vortreiben eines Vortriebsmessers aufzubringende Druckkraft
in die anderen Vortriebsmesser einleitet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der hinterste Stützrahmen (26) mit den Vortriebsmessern (10) verbunden wird,
daß nach dem Vortreiben der Messer (10) die Verbindung mit dem hintersten Stützrahmen
(26) gelöst wird, daß der Stützrahmen (26) entfernt wird, um als erster Stützrahmen
im vorderen Bereich der Vortriebsmesser (10) angeordnet zu werden, und daß die Vortriebsmesser
(10) mit dem dann hintersten Stützrahmen (24) druck- und zugfest verbunden werden.
3. Messerschild-Vortriebsvorrichtung mit auf Stützrahmen abgestützten, über eine Druckeinrichtung
vortreibbaren Vortriebsmesser, insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach
Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß an jedem Vortriebsmesser (10) eine Kolben-Zylinder-Einheit (40, 42) mit einem
Ende angelenkt (38) ist, daß an dem anderen Ende der Kolben-Zylinder-Einheit (40,
42) ein Abstützglied (46) zum Eingriff an einem Stützrahmen (26) angelenkt ist, und
daß eine Einrichtung (56, 62) zum druck- und zugfesten Verriegeln des Abstützgliedes
(46) an dem Stützrahmen (26) vorgesehen ist.
4. Messerschild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Abstützglied (46) einen hakenartigen Ansatz (56) zum Untergreifen der Vorderkante
eines Stützrahmens aufweist, und daß am hinteren Ende des Abstützgliedes (46) befestigbare,
die Hinterkante des Stützrahmens (26) untergreifende Haken (62) vorgesehen sind.
5. Messerchild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Abstützglied (46) doppelwandig ausgebildet ist, daß das Ende des Kolbens
(42) der Kolben-Zylinder-Einheit zwischen den Wänden (48, 50) angelenkt ist, und daß
zwei über Keile (66, 68) festlegbare Haken (62, 64) vorgesehen sind.
6. Messerschild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Wänden (48, 50) ein nach hinten herausstehendes T-förmiges Element
(72) zur Aufnahme der Haken (62, 64) und Keile (66, 68) befestigt ist.
7. Messerschild-Vortriebsvorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen den Wänden (48, 50) des Abstützgliedes (46) Aussteifungen (52, 54) angeordnet
sind.