[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Nachgerbung von mineralisch oder kombiniert
gegerbtem Leder mit Polymergerbstoffen.
[0002] Die Hauptgerbung von Leder wird überwiegend mit basischen Salzen des dreiwertigen
Chroms, Aluminiums und/oder Zirkons allein oder in Kombination mit synthetischen Gerbstoffen
durchgeführt. Eine anschliessende Nachgerbung dient bevorzugt der Verbesserung bzw.
Modifizierung bestimmter charakteristischer Eigenschaften des Leders, die durch Begriffe
wie Fülle, Narbenfestigkeit, Griff, Sprung, Egalität und andere gekennzeichnet werden.
Demnach bestehen wesentliche Unterschiede in der Zielrichtung zwischen Haupt- und
Nachgerbung.
[0003] In der Nachgerbung werden neben pflanzlichen auch synthetische Gerbstoffe - Syntane
- verwendet, deren Gerbwirkung beschränkt sein kann. Typische Vertreter sind niedermolekulare
(Polymerisationsgrad 1-5) Kondensationsprodukte von Formaldehyd mit Naphthalin- und/
oder Phenolsulfonsäuren bzw. deren Alkalisalze.
[0004] Ein häufiger Nachteil von carboxylgruppenhaltigen Polymeren bei der Nachgerbung ist
ihre deutlich ausgeprägte pH-Empfindlichkeit im praxisüblichen Anwendungsbereich zwischen
3 und 5 und ihre oft mangelnde Stabilität gegenüber den in der Nachgerbung vorkommenden
Elektrolytkonzentrationen. Diese Nachteile führen sehr oft zu einem oberflächlichen
Aufziehen oder zu Verschmierungen mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen für
Folgeprozesse, wie z.B. die Färbung. Seit einigen Jahren werden auch carboxlgruppenhaltige
Polymere und Copolymere auf Basis von Acrylsäure eingesetzt. In der Regel kommen die
Polycarboxylate in Kombination mit anderen geeigneten Nachgerbstoffen zur Anwendung.
[0005] Aus der FR-A-1 533483 sind bereits Nachgerbstoffe auf Basis von Homopolymerisaten
der Vinylsulfonsäure und ihrer Mischpolymerisate mit (Meth)Acrylsäure bekannt. In
der EP-A-0151290 (Priorität: 24. 01. 84; Anmeldedatum: 18. 12. 84; Veröffentlichungsdatum:
14. 08. 85) werden amphotere Kondensationsprodukte und ihre Anwendung in der Nachgerbung
beschrieben.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist daher die Verbesserung der bisher bekannten, für die Nachgerbung
verwendeten Produkte, insbesondere bezüglich pH-Empfindlichkeit, Elektrolytstabilität
und Beeinflussung des Färbeverhaltens des Leders.
[0007] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Nachgerben von mineralisch oder kombiniert
gegerbtem Leder durch Behandlung mit einer wässrigen Lösung von wasserlöslichem Polymergerbstoff,
das dadurch gekennzeichnet ist, dass man als Polymergerbstoff Polymerisate aus wenigstens
einem sulfonsäuregruppenhaltigen ungesättigten Monomeren sowie gegebenenfalls weiteren
wasserlöslichen, ungesättigten, copolymerisierbaren, nicht phosphorhaltigen Monomeren
verwendet, ausgenommen Polymere aus 5-100 Gew.-% Vinylsulfonsäure und 0-95 Gew.-%
(Meth)Acrylsäure sowie Mischpolymerisate aus 80-90 Gew.-% (Meth)Acrylsäure und 20-100%
ungesättigten Sulfierungsprodukten von tierischen oder pflanzlichen Ölen.
[0008] Durch den Einbau von sulfonsäuregruppenhaltigen Monomeren in die erfindungsgemäss
verwendeten Polymerisate werden wesentlich günstigere anwendungstechnische Eigenschaften
erzielt. Während Syntane und die bisher bekannten Polycarboxylate bei gefärbten Ledern
oft zu unerwünschter Aufhellung führen, besitzen die erfindungsgemässen Polymerisate
überraschenderweise diese Nachteile nicht. Trotz des Vorhandenseins von Sulfongruppen
kommt es überraschenderweise bei der nachfolgenden Färbung des Leders mit anionischen
Farbstoffen zu keiner unerwünschten Veränderung des angestrebten Farbtons durch Aufhellerscheinungen.
[0009] Als sulfongruppenhaltige ungesättigte Monomere für die Herstellung des erfindungsgemässen
Polymergerbstoffs sind vorzugsweise solche geeignet, die sich von a, β-ungesättigten
Säuren und deren Derivaten, vorzugsweise von (Meth)Acrylsäure und deren Derivaten
ableiten wie z.B. 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäu- re. Weitere Beispiele für
derartige Sulfonsäuren sind N-(3-Sulfopropyl-N-(meth)acrylamidopro- pyl)-N,N-dimethylammoniumbetain
oder ein Sulfopropyl-(meth)acrylsäureester.
[0010] Die Sulfongruppe kann aber auch in einem cyclischen, bevorzugt aromatischen System
als Substituent vorhanden sein, während sich die polymerisierbare CC-Doppelbindung
in der Seitenkette des cyclischen Systems befindet, wie am Ring sulfonierte aromatische
a-Olefine. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Styrolsulfonsäure. Geeignet sind
nicht nur die Sulfonsäuren selbst, sondern auch deren Salze, wie die Alkali- und/
oder Ammoniumsalze.
[0011] Der Gehalt an sulfonsäuregruppenhaltigen Monomeren in den erfindungsgemäss zur Nachgerbung
verwendeten Polymerisaten beträgt wenigstens 3 Mol.-%, bevorzugt wenigstens 5 Mol.-%.
[0012] Neben den von sulfonsäuregruppenhaltigen Monomeren abgeleiteten Grundeinheiten können
die erfindungsgemässen Polymerisate noch weitere, die Wasserlöslichkeit des Polymerisats
nicht beeinträchtigende Grundeinheiten enthalten, die sich von entsprechenden copolymerisierbaren,
nicht phosphorhaltigen Monomeren ableiten. Bevorzugte Polymerisate sind Mischpolymerisate
aus wenigstens einem sulfongruppenhaltigen Monomeren mit wenigstens einem carboxylgruppenhaltigen
Monomeren zu nennen. Diese Mischpolymerisate können ihrerseits noch weitere von anderen
wasserlöslichen, ungesättigten Monomeren abgeleitete Grundeinheiten enthalten. Als
carboxylgruppenhaltige Monomere sind in erster Linie die ungesättigten Carbonsäuren,
wie die Maleinsäure als Dicarbonsäure, sowie die ungesättigten Monocarbonsäuren wie
(Meth)-Acrylsäure und/oder Crotonsäure geeignet.
[0013] Daneben können in den erfindungsgemässen Polymergerbstoffen als weitere, die Wasserlöslichkeit
nicht beeinträchtigende copolymerisierbare Monomere (Meth)Acrylamid oder Vinylpyrrolidon
eingebaut sein.
[0014] Das Molekulargewicht der erfindungsgemässen Polymergerbstoffe kann in weiten Grenzen
schwanken. Geeignet sind Polymerisate mit Molekulargewichten ab 10000. Die Obergrenze
des Molekulargewichts kann z. B. bei 150000 liegen. Bevorzugt liegt der Molekulargewichtsbereich
der eingesetzten Polymerisate zwischen 20000 und 100000, insbesondere zwischen 25000
und 50000.
[0015] Die Molmassen wurden aus der in 10%iger, wässriger Kochsalzlösung ermittelten Grenzviskosität
nach der Beziehung von Korotkinha (O.Z. Korrotkinha et al. Zh. Prikl. Khim. 38, 2533,
1965)
[η] = 2,5.10-2. M0,7
wobei [η] die Grenzviskosität in ml/g und M die Molmasse in g/Mol bedeuten, berechnet.
[0016] Die Nachgerbung des Leders erfolgt vorzugsweise mit 0,1-5,0 Gew.-%, bezogen auf Falzgewicht
des Polymergerbstoffes bei einer Flottenlänge bis zu 300%, Temperaturen bis zu maximal
70°C und pH-Werten im Bereich von mindestens 2,5-8,0.
Beipiel 1
[0017] Polymergerbstoff aus Acrylsäure/Acrylamid/ und 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure.
[0018] In einem mit Rührer, Thermometer und Rückflusskühler ausgestatteten Polymerisationskolben
werden 100g entionisiertes Wasser, 2,5 g Acrylsäure und 1,6 g Wasserstoffperoxid (35%ig)
vorgelegt und auf 90°C erhitzt. In einem anderen Gefäss wurde die Monomerlösung aus
135g g Acrylsäure, 86 g Acrylamid, 72 g 2-Acrylamido-2-methyl-propansulfonsäure (AMPS)
und 240g Wasser hergestellt.
[0019] Die Monomerlösung wurde dann unter Rühren über einen Zeitraum von ca. 60 Minuten
in den Polymerisationskolben eingetragen. Gleichzeitig wurden durch weitere Einlaufstutzen
7,2 g Wasserstoffperoxid (35%ig), 1,6g Hydroxyl-aminohydrochlorid (gelöst in 12g Wasser)
und 60g g 45%iger Natronlauge proportional zur Monomerlösung zudosiert. Die Reaktionstemperatur
wurde durch Sieden bei 100°C gehalten. Nach Beendigung der Polymerisation wurde noch
eine Stunde bei 100°C nachgerührt und danach mit Natronlauge auf pH7,4 eingestellt.
Es entstand eine ca. 40%ige Lösung eines Polymerisates aus Acrylsäure, Acrylamid und
AMPS mit einer viskosimetrisch ermittelten Molmasse von 48 000 g pro Mol.
[0020] Die erhaltene Lösung wurde gemäss nachfolgender Rezeptur zur Nachgerbung eingesetzt:

[0021] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerstoff behandelte Leder zeigte gute bis sehr
gute Fülle und Weichheit bei hoher Narbenfestigkeit und war tiefer gefärbt als das
mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat
behandelte Leder.
Beispiel 2
[0022] Polymergerbstoffe aus Acrylamid, Acrylsäure und 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure
(AMPS)
[0023] Die Polymerisation von Acrylamid, Acrylsäure und 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure
geschah in gleicher Weise wie in Beispiel 1, mit dem Unterschied, dass die Mengen
an Acrylamid, Acrylsäure und AMPS z.T. variiert wurden. Darüber hinaus wurden durch
entsprechende Änderungen der Wasserstoffperoxyd- und der Hydroxylaminkonzentration
die gewünschten Molmassen erzielt. Die Zusammensetzung, die Molmassen sowie die Katalysatorkonzentration
sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
a) nicht neutralisierte Monomerlösung
b) teilweise wie im Beispiel 1 neutralisierte Monomerlösung
[0024] Beim Einsatz des Polymergerbstoffes mit der Molmasse von 25000 b/Mol gemäss der in
Beispiel 1 angegebenen Rezeptur wird ein Leder erhalten, das sich durch eine tiefere
Färbung als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage
von Acrylsäure/ Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder auszeichnet.
Beispiel 3
[0025] Die im Beispiel 2 beschriebenen Polymergerbstoffe wurden in folgender Rezeptur für
Rindleder, Typ Nappa, eingesetzt:

[0026] Das mit den erfindungsgemässen Polymergerbstoffen behandelte Leder zeichnete sich
durch eine tiefere Färbung aus als mit einem handelsüblichen auf der Basis von Acrylsäure/Acylamid
hergestellten Polymer-Nachgerbstoff behandelte Leder.
Beispiel 4
[0027] Polymergerbstoff aus Acrylsäure, Acrylamid und Natriumstyrolsulfonat
[0028] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben werden 100 g Wasser,
2,5 g Acrylsäure und 1,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt.
Die Monomerlösung bestehend aus 93,6 g Acrylamid, 48,5 g Natriumstyrolsulfonat (80%ig),
160 g Acrylsäure und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit der
Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 g Wasser), 8 g Wasserstoffperoxid und 60 g Natronlauge
(45%ig) in den Polymerisationskolben eindosiert. Die Reaktionstemperatur wurde durch
Sieden bei 100°C gehalten. Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt
und mit Natronlauge auf pH 7,0 neutralisiert. Das Polymerisat hat eine viskosimetrisch
ermittelte Molmasse von 20 OOOg/Mol.
[0029] Der erhaltene Polymergerbstoff wurde gemäss folgender Rezeptur eingesetzt:

[0030] Dass erfindungsgemäss behandelte Leder war bei gleicher Narbenfestigkeit deutlich
weicher als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage
von Acrylsäure/ Acrylamid-Copolymerisat gearbeitete Vergleichsleder.
Beispiel 5
[0031] Polymergerbstoff aus Methacrylsäure, Acrylamid und Natriumstyrolsulfonat
[0032] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben wurden 100 g Wasser,
2,5 g Mathacrylsäure und 1,0 g Wasserstoffperioxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C
erhitzt. Die Monomerlösung, bestehend aus 84,5 g Acrylamid, 35,0 g Natriumstyrolsulfonat
(80%ig), 173 g Methacrylsäure und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam
mit der Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 g Wasser), 8 g Wasserstoffperoxid und 54,5
g Natronlauge (45%ig) innerhalb von 2 Stunden in den Polymerisationskolben eindosiert.
[0033] Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge
auf pH 7,0 neutralisiert. Das Terpolymerisat hat eine viskosimetrisch ermittelte Molmasse
von ca. 30 000 g/Mol.
[0034] In die Rezeptur unter Beispiel 4 eingesetzt, erbrachte der hier beschriebene Polymergerbstoff
eine noch höhere Weichheit bei gleichbleibender Narbenfestigkeit.
Beispiel 6
[0035] Das unter Beispiel 5 beschriebene Terpolymer wurde in folgender Rezeptur für Rindoberleder
eingesetzt:

[0036] Das nach dieser Rezeptur hergestellte Leder war tiefer gefärbt als das mit einem
handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat
behandelte Leder.
Beispiel 7
[0037] Der unter Beispiel 5 beschriebene Polymergerbstoff wurde in die folgende Rezeptur
für Rindnappa eingesetzt und untersucht:

[0038] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerbstoff behandelte Leder ist tiefer gefärbt
und hat höhere Weichheit als das mit einem handelsüblichen Polymernachgerbstoff auf
der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamiid-Copolymerisat behandelte Leder.
Beispiel 8
[0039] In ein mit Rührer, Thermometer und Rückflusskühler ausgestattetes Polymerisationsgefäss
wurden 100 g entionisiertes Wasser, 2,5 g Methacrylsäure und 1,0 g Wasserstoffperoxid
(35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. In einem anderen Gefäss wurde die Monomerlösung
aus 80,5 g Acrylamid, 47,3 g N-(3-Sulfopropyl)-N-meth- acrylamidopropyl-N,N-dimethylammoniumbe-
tain, 164,7 g Methacrylsäure und 215 g Wasser hergestellt. Diese Monomerlösung wurde
dann unter Rühren über einen Zeitraum von ca. 60 Minuten in das Polymerisationsgefäss
gemeinsam mit der Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 ml Wasser), 7,8 g Wasserstoffperoxid
(35%ig) und 56 g Natronlauge (45%ig) eingetragen.
[0040] Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und anschliessend
mit 112 g Natronlauge (45%ig) auf pH 7 neutralisiert.
[0041] Die erhaltene Lösung wurde gemäss nachfolgender Rezeptur zur Nachgerbung eingesetzt:

[0042] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerbstoff behandelte Leder zeigte bessere Narbenfestigkeit
und war tiefer gefärbt als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf
der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.
Beispiel 9
[0043] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben wurden 100 g Wasser
und 1,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. Die Monomerlösung,
bestehend aus 136 g Acrylamid, 65,0 g Natriumstyrolsulfat (80%ig), 94 g Maleinsäureanhydrid
und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit der Hydroxylaminlösung
(1,6 g in 58 g Wasser), 8 g Wasserstoffperoxid und 51,0 g Natronlauge (45%ig) innerhalb
von 2 Stunden in den Polymerisationskolben eindosiert.
[0044] Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge
auf pH 7,0 neutralisiert.
[0045] Die erhaltene Lösung wurde gemäss nachfolgender Rezeptur zur Nachgerbung eingesetzt:

[0046] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerbstoff behandelte Leder zeigte deutlich
mehr Farbintensität als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der
Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.
Beispiel 10
[0047] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben wurden 100 g Wasser
und 4,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. Die Monomerlösung,
bestehend aus 256 g Acrylamid, 39,1 g Natriumstyrolsulfonat (80%ig) und 260 g Wasser,
wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit derHydroxylaminlösung (6,3 g in 78 g Wasser),
31,2 g Wasserstoffperoxid, in den Polymerisationskolben eindosiert. Die Reaktionstemperatur
wurde durch Sieden bei 100°C gehalten. Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden
bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge auf pH 7,0 neutralisiert. Die erhaltene Lösung
in die Rezeptur unter Beispiel 9 eingesetzt, ergab ein Leder, dessen Weichheit, Farbtiefe
und Brillanz entscheidend besser ausfiel, als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff
auf der Grundlage von Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.
1. Verfahren zum Nachgerben von mineralisch oder kombiniert gegerbtem Leder durch
Behandlung mit einer wässrigen Lösung von wasserlöslichem Polymergerbstoff, dadurch
gekennzeichnet, dass man als Polymergerbstoff Polymerisate aus wenigstens einem sulfonsäuregruppenhaltigen
ungesättigten Monomeren, sowie gegebenenfalls weiteren wasserlöslichen, ungesättigten,
copolymerisierbaren, nicht phosphorhaltigen Monomeren verwendet, ausgenommen Polymere
aus 5-100 Gew.% Vinylsulfonsäure und 0-95 Gew.% (Meth)Acrylsäure sowie Mischpolymerisate
aus 80-90 Gew.% (Meth)Acrylsäure und 20-10 Gew.% ungesättigten Sulfierungsprodukten
von tierischen oder pflanzlichen Ölen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Polymergerbstoff ein
Polymerisat bestehend aus wenigstens 3 Mol.% Einheiten von 2-Acrylamido-2-methylpropansulfon-
säure, N-(3-Sulfopropyl-N-(meth)-acrylamido- propyl)-N,N-dimethylammoniumbetain, Sulfopropyl-(meth)acrylsäureester
und/oder Styrolsulfonsäure oder deren Alkali- und/oder Ammoniumsalze verwendet wird.
3. Verfahren nach Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als weitere Monomere
ungesättigte carboxylgruppenhaltige Monomere und/oder (Meth)Acrylamid oder Vinylpyrrolidon
verwendet werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als carboxylgruppenhaltige
Monomere Maleinsäure, (Meth)Acrylsäure und/ oder Crotonsäure verwendet werden.
5. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung
des gegerbten Leders mit 0,1 bis 5,0 Gew.%, bezogen auf das Falzgewicht des Polymergerbstoffes,
bei einer Flottenlänge bis zu 300%, Temperaturen bis zu maximal 70°C und pH-Werten
im Bereich von mindestens 2,5 bis 8,0 durchgeführt wird.
6. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Nachgerbung
in Kombination mit synthetischen oder pflanzlichen Gerbstoffen erfolgt.
1. A process for retanning leather tanned by a mineral or combined method by treatment
with an aqueous solution of water-soluble polymer tanning agents, characterized in
that polymers comprising at least one unsaturated sulfonic acid group containing monomer
and, if necessary, additional water-soluble, unsaturated, copolymerizable phosphorus-free
monomers are used as polymer tanning agent, except for polymers comprising 5 to 100%-wt.
of vinyl sulfonic acid and 0 to 95%-wt of (meth)acrylic acid and mixed polymers comprising
80-90%-wt. of (meth)acrylic acid and 20 to 10%-wt. of unsaturated sulphonation products
of animal or vegetable oil.
2. A process according to claim 1, characterized in that a polymer, consisting of
at least 3 mole % of units of 2-acrylamindo-2-methylpropanesulfonic acid, N-(3-sulfopropyl-N-(meth)acrylamidopropyl)-N,N-dimethyl
ammonium betaine, sulfopropyl-(meth)acrylic acid ester and/or styrene sulfonic acid
or their alkali and/or ammonium salts, is used as said polymer tanning agent.
3. A process according to claim 1 or 2, characterized in that unsaturated carboxyl
groups containing monomers and/or (meth)acrylamid or vinylpyrrolidone are used as
additional monomers.
4. A process according to claim 3, characterized in that maleic acid, (meth)acrylic
acid and/or crotonic acid are used as carboxyl groups containing monomers.
5. A process according to claims 1 to 4, characterized in that the treatment of the
tanned leather is carried out with 0.1 to 5.0%-wt., relative to the shaved weight
of the polymer tanning agent, at a float length of up to 300%, at temperatures to
a maximum of 70°C and pH values in the range of from at least 2.5 to 8.0.
6. A process according to claims 1 to 5, characterized in that retannage is carried
out in combination with synthetic or vegetable tanning agents.
1. Procédé de retannage du cuir ayant subi un tannage minéral ou combiné par traitement
avec une solution aqueuse d'un produit tannant polymère soluble dans l'eau, caractérisé
en ce qu'à titre de produit tannant polymère, on utilise des polymères d'au moins
un monomère insaturé contenant des radicaux acide sulfonique, comme éventuellement
aussi d'autres monomères insaturés, solubles dans l'eau, copolymérisables, ne contenant
pas de phosphore, à l'exclusion des polymères constitués de 5 à 100% en poids d'acide
vinylsulfonique et de 0 à 95% en poids d'acide (méth)acrylique, comme aussi des copolymères
constitués de 80 à 90% en poids d'acide (méth)acrylique et de 20 à 10% en poids de
produits de sulfuration insaturés d'huiles animales ou végétales.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'on utilise, à titre
de produit tannant polymère, un polymère composé d'au moins 3% molaires d'unités acide
2-acrylamido-2-méthylpropanesulfonique, N-(3-sulfopropyl-N-(méth)acrylamidopropyl)
- N,N - diméthyl - ammonium- bétaïne, ester d'acide sulfopropyl-(méth)acrylique et/ou
acide styrènesulfonique, ou leurs sels de métaux alcalins et/ou d'ammonium.
3. Procédé suivant les revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que l'on utilise,
à titre de monomères supplémentaires, des monomères contenant des radicaux carboxyle,
insaturés et/ou du (méth)acrylamide et de la vinylpyrrolidone.
4. Procédé suivant la revendication 3, caractérisé en ce qu'à titre de monomères contenant
des radicaux carboxyle, on utilise l'acide maléique, l'acide (méth)acrylique et/ou
l'acide crotonique.
5. Procédé suivant la revendication 1 à 4, caractérisé en ce que l'on opère le traitement
du cuir tanné avec 0,1 à 5,0% en poids, par rapport au poids au drayage, du produit
tannant polymère, à une longueur ou rapport du bain allant jusqu'à 300%, des températures
allant jusqu'à un maximum de 70°C et des valeurs de pH fluctuant dans la gamme d'au
moins 2,5 jusqu'à 8,0.
6. Procédé suivant les revendications 1 à 5, caractérisé en ce que l'on effectue le
retannage en combinaison avec des produits tannants synthétiques ou végétaux.