(19)
(11) EP 0 163 057 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
03.08.1988  Patentblatt  1988/31

(21) Anmeldenummer: 85103988.3

(22) Anmeldetag:  02.04.1985
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4C14C 3/22, C14C 3/28

(54)

Verfahren zum Nachgerben von mineralisch oder kombiniert gegerbtem Leder mit Polymergerbstoffen

Process for retanning mineral or combined tanned leather with polymeric tanning agents

Procédé de retannage du cuir ayant subi un tannage minéral ou combiné avec des tannins polymères


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB IT LI LU NL

(30) Priorität: 09.04.1984 DE 3413301

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
04.12.1985  Patentblatt  1985/49

(73) Patentinhaber: Chemische Fabrik Stockhausen GmbH
D-47805 Krefeld (DE)

(72) Erfinder:
  • Stockhausen, Dolf, Dr. Dipl.-Kaufmann
    D-4150 Krefeld (DE)
  • Nowak, Rudolf, Dr. Dipl.-Ing.
    D-4150 Krefeld (DE)
  • Chmelir, Miroslav, Dr. Dipl.-Chem.
    D-4150 Krefeld (DE)
  • Kaussen, Manfred, Dr. Dipl.-Chem.
    D-4150 Krefeld (DE)
  • Dahmen, Kurt, Dr. Dipl.-Chem.
    D-4050 Mönchen-Gladbach (DE)

(74) Vertreter: Klöpsch, Gerald, Dr.-Ing. Patentanwalt 
Boehmert & Boehmert Anwaltssozietät, Benrather Schlossalle 53
40597 Düsseldorf
40597 Düsseldorf (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A- 0 061 420
FR-A- 1 533 483
EP-A- 0 112 520
   
     
    Bemerkungen:
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    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Nachgerbung von mineralisch oder kombiniert gegerbtem Leder mit Polymergerbstoffen.

    [0002] Die Hauptgerbung von Leder wird überwiegend mit basischen Salzen des dreiwertigen Chroms, Aluminiums und/oder Zirkons allein oder in Kombination mit synthetischen Gerbstoffen durchgeführt. Eine anschliessende Nachgerbung dient bevorzugt der Verbesserung bzw. Modifizierung bestimmter charakteristischer Eigenschaften des Leders, die durch Begriffe wie Fülle, Narbenfestigkeit, Griff, Sprung, Egalität und andere gekennzeichnet werden. Demnach bestehen wesentliche Unterschiede in der Zielrichtung zwischen Haupt- und Nachgerbung.

    [0003] In der Nachgerbung werden neben pflanzlichen auch synthetische Gerbstoffe - Syntane - verwendet, deren Gerbwirkung beschränkt sein kann. Typische Vertreter sind niedermolekulare (Polymerisationsgrad 1-5) Kondensationsprodukte von Formaldehyd mit Naphthalin- und/ oder Phenolsulfonsäuren bzw. deren Alkalisalze.

    [0004] Ein häufiger Nachteil von carboxylgruppenhaltigen Polymeren bei der Nachgerbung ist ihre deutlich ausgeprägte pH-Empfindlichkeit im praxisüblichen Anwendungsbereich zwischen 3 und 5 und ihre oft mangelnde Stabilität gegenüber den in der Nachgerbung vorkommenden Elektrolytkonzentrationen. Diese Nachteile führen sehr oft zu einem oberflächlichen Aufziehen oder zu Verschmierungen mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen für Folgeprozesse, wie z.B. die Färbung. Seit einigen Jahren werden auch carboxlgruppenhaltige Polymere und Copolymere auf Basis von Acrylsäure eingesetzt. In der Regel kommen die Polycarboxylate in Kombination mit anderen geeigneten Nachgerbstoffen zur Anwendung.

    [0005] Aus der FR-A-1 533483 sind bereits Nachgerbstoffe auf Basis von Homopolymerisaten der Vinylsulfonsäure und ihrer Mischpolymerisate mit (Meth)Acrylsäure bekannt. In der EP-A-0151290 (Priorität: 24. 01. 84; Anmeldedatum: 18. 12. 84; Veröffentlichungsdatum: 14. 08. 85) werden amphotere Kondensationsprodukte und ihre Anwendung in der Nachgerbung beschrieben.

    [0006] Aufgabe der Erfindung ist daher die Verbesserung der bisher bekannten, für die Nachgerbung verwendeten Produkte, insbesondere bezüglich pH-Empfindlichkeit, Elektrolytstabilität und Beeinflussung des Färbeverhaltens des Leders.

    [0007] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Nachgerben von mineralisch oder kombiniert gegerbtem Leder durch Behandlung mit einer wässrigen Lösung von wasserlöslichem Polymergerbstoff, das dadurch gekennzeichnet ist, dass man als Polymergerbstoff Polymerisate aus wenigstens einem sulfonsäuregruppenhaltigen ungesättigten Monomeren sowie gegebenenfalls weiteren wasserlöslichen, ungesättigten, copolymerisierbaren, nicht phosphorhaltigen Monomeren verwendet, ausgenommen Polymere aus 5-100 Gew.-% Vinylsulfonsäure und 0-95 Gew.-% (Meth)Acrylsäure sowie Mischpolymerisate aus 80-90 Gew.-% (Meth)Acrylsäure und 20-100% ungesättigten Sulfierungsprodukten von tierischen oder pflanzlichen Ölen.

    [0008] Durch den Einbau von sulfonsäuregruppenhaltigen Monomeren in die erfindungsgemäss verwendeten Polymerisate werden wesentlich günstigere anwendungstechnische Eigenschaften erzielt. Während Syntane und die bisher bekannten Polycarboxylate bei gefärbten Ledern oft zu unerwünschter Aufhellung führen, besitzen die erfindungsgemässen Polymerisate überraschenderweise diese Nachteile nicht. Trotz des Vorhandenseins von Sulfongruppen kommt es überraschenderweise bei der nachfolgenden Färbung des Leders mit anionischen Farbstoffen zu keiner unerwünschten Veränderung des angestrebten Farbtons durch Aufhellerscheinungen.

    [0009] Als sulfongruppenhaltige ungesättigte Monomere für die Herstellung des erfindungsgemässen Polymergerbstoffs sind vorzugsweise solche geeignet, die sich von a, β-ungesättigten Säuren und deren Derivaten, vorzugsweise von (Meth)Acrylsäure und deren Derivaten ableiten wie z.B. 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäu- re. Weitere Beispiele für derartige Sulfonsäuren sind N-(3-Sulfopropyl-N-(meth)acrylamidopro- pyl)-N,N-dimethylammoniumbetain oder ein Sulfopropyl-(meth)acrylsäureester.

    [0010] Die Sulfongruppe kann aber auch in einem cyclischen, bevorzugt aromatischen System als Substituent vorhanden sein, während sich die polymerisierbare CC-Doppelbindung in der Seitenkette des cyclischen Systems befindet, wie am Ring sulfonierte aromatische a-Olefine. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Styrolsulfonsäure. Geeignet sind nicht nur die Sulfonsäuren selbst, sondern auch deren Salze, wie die Alkali- und/ oder Ammoniumsalze.

    [0011] Der Gehalt an sulfonsäuregruppenhaltigen Monomeren in den erfindungsgemäss zur Nachgerbung verwendeten Polymerisaten beträgt wenigstens 3 Mol.-%, bevorzugt wenigstens 5 Mol.-%.

    [0012] Neben den von sulfonsäuregruppenhaltigen Monomeren abgeleiteten Grundeinheiten können die erfindungsgemässen Polymerisate noch weitere, die Wasserlöslichkeit des Polymerisats nicht beeinträchtigende Grundeinheiten enthalten, die sich von entsprechenden copolymerisierbaren, nicht phosphorhaltigen Monomeren ableiten. Bevorzugte Polymerisate sind Mischpolymerisate aus wenigstens einem sulfongruppenhaltigen Monomeren mit wenigstens einem carboxylgruppenhaltigen Monomeren zu nennen. Diese Mischpolymerisate können ihrerseits noch weitere von anderen wasserlöslichen, ungesättigten Monomeren abgeleitete Grundeinheiten enthalten. Als carboxylgruppenhaltige Monomere sind in erster Linie die ungesättigten Carbonsäuren, wie die Maleinsäure als Dicarbonsäure, sowie die ungesättigten Monocarbonsäuren wie (Meth)-Acrylsäure und/oder Crotonsäure geeignet.

    [0013] Daneben können in den erfindungsgemässen Polymergerbstoffen als weitere, die Wasserlöslichkeit nicht beeinträchtigende copolymerisierbare Monomere (Meth)Acrylamid oder Vinylpyrrolidon eingebaut sein.

    [0014] Das Molekulargewicht der erfindungsgemässen Polymergerbstoffe kann in weiten Grenzen schwanken. Geeignet sind Polymerisate mit Molekulargewichten ab 10000. Die Obergrenze des Molekulargewichts kann z. B. bei 150000 liegen. Bevorzugt liegt der Molekulargewichtsbereich der eingesetzten Polymerisate zwischen 20000 und 100000, insbesondere zwischen 25000 und 50000.

    [0015] Die Molmassen wurden aus der in 10%iger, wässriger Kochsalzlösung ermittelten Grenzviskosität nach der Beziehung von Korotkinha (O.Z. Korrotkinha et al. Zh. Prikl. Khim. 38, 2533, 1965)

    [η] = 2,5.10-2. M0,7


    wobei [η] die Grenzviskosität in ml/g und M die Molmasse in g/Mol bedeuten, berechnet.

    [0016] Die Nachgerbung des Leders erfolgt vorzugsweise mit 0,1-5,0 Gew.-%, bezogen auf Falzgewicht des Polymergerbstoffes bei einer Flottenlänge bis zu 300%, Temperaturen bis zu maximal 70°C und pH-Werten im Bereich von mindestens 2,5-8,0.

    Beipiel 1



    [0017] Polymergerbstoff aus Acrylsäure/Acrylamid/ und 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure.

    [0018] In einem mit Rührer, Thermometer und Rückflusskühler ausgestatteten Polymerisationskolben werden 100g entionisiertes Wasser, 2,5 g Acrylsäure und 1,6 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. In einem anderen Gefäss wurde die Monomerlösung aus 135g g Acrylsäure, 86 g Acrylamid, 72 g 2-Acrylamido-2-methyl-propansulfonsäure (AMPS) und 240g Wasser hergestellt.

    [0019] Die Monomerlösung wurde dann unter Rühren über einen Zeitraum von ca. 60 Minuten in den Polymerisationskolben eingetragen. Gleichzeitig wurden durch weitere Einlaufstutzen 7,2 g Wasserstoffperoxid (35%ig), 1,6g Hydroxyl-aminohydrochlorid (gelöst in 12g Wasser) und 60g g 45%iger Natronlauge proportional zur Monomerlösung zudosiert. Die Reaktionstemperatur wurde durch Sieden bei 100°C gehalten. Nach Beendigung der Polymerisation wurde noch eine Stunde bei 100°C nachgerührt und danach mit Natronlauge auf pH7,4 eingestellt. Es entstand eine ca. 40%ige Lösung eines Polymerisates aus Acrylsäure, Acrylamid und AMPS mit einer viskosimetrisch ermittelten Molmasse von 48 000 g pro Mol.

    [0020] Die erhaltene Lösung wurde gemäss nachfolgender Rezeptur zur Nachgerbung eingesetzt:





    [0021] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerstoff behandelte Leder zeigte gute bis sehr gute Fülle und Weichheit bei hoher Narbenfestigkeit und war tiefer gefärbt als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.

    Beispiel 2



    [0022] Polymergerbstoffe aus Acrylamid, Acrylsäure und 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure (AMPS)

    [0023] Die Polymerisation von Acrylamid, Acrylsäure und 2-Acrylamido-2-methylpropansulfonsäure geschah in gleicher Weise wie in Beispiel 1, mit dem Unterschied, dass die Mengen an Acrylamid, Acrylsäure und AMPS z.T. variiert wurden. Darüber hinaus wurden durch entsprechende Änderungen der Wasserstoffperoxyd- und der Hydroxylaminkonzentration die gewünschten Molmassen erzielt. Die Zusammensetzung, die Molmassen sowie die Katalysatorkonzentration sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

    a) nicht neutralisierte Monomerlösung

    b) teilweise wie im Beispiel 1 neutralisierte Monomerlösung



    [0024] Beim Einsatz des Polymergerbstoffes mit der Molmasse von 25000 b/Mol gemäss der in Beispiel 1 angegebenen Rezeptur wird ein Leder erhalten, das sich durch eine tiefere Färbung als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/ Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder auszeichnet.

    Beispiel 3



    [0025] Die im Beispiel 2 beschriebenen Polymergerbstoffe wurden in folgender Rezeptur für Rindleder, Typ Nappa, eingesetzt:





    [0026] Das mit den erfindungsgemässen Polymergerbstoffen behandelte Leder zeichnete sich durch eine tiefere Färbung aus als mit einem handelsüblichen auf der Basis von Acrylsäure/Acylamid hergestellten Polymer-Nachgerbstoff behandelte Leder.

    Beispiel 4



    [0027] Polymergerbstoff aus Acrylsäure, Acrylamid und Natriumstyrolsulfonat

    [0028] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben werden 100 g Wasser, 2,5 g Acrylsäure und 1,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. Die Monomerlösung bestehend aus 93,6 g Acrylamid, 48,5 g Natriumstyrolsulfonat (80%ig), 160 g Acrylsäure und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit der Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 g Wasser), 8 g Wasserstoffperoxid und 60 g Natronlauge (45%ig) in den Polymerisationskolben eindosiert. Die Reaktionstemperatur wurde durch Sieden bei 100°C gehalten. Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge auf pH 7,0 neutralisiert. Das Polymerisat hat eine viskosimetrisch ermittelte Molmasse von 20 OOOg/Mol.

    [0029] Der erhaltene Polymergerbstoff wurde gemäss folgender Rezeptur eingesetzt:



    [0030] Dass erfindungsgemäss behandelte Leder war bei gleicher Narbenfestigkeit deutlich weicher als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/ Acrylamid-Copolymerisat gearbeitete Vergleichsleder.

    Beispiel 5



    [0031] Polymergerbstoff aus Methacrylsäure, Acrylamid und Natriumstyrolsulfonat

    [0032] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben wurden 100 g Wasser, 2,5 g Mathacrylsäure und 1,0 g Wasserstoffperioxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. Die Monomerlösung, bestehend aus 84,5 g Acrylamid, 35,0 g Natriumstyrolsulfonat (80%ig), 173 g Methacrylsäure und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit der Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 g Wasser), 8 g Wasserstoffperoxid und 54,5 g Natronlauge (45%ig) innerhalb von 2 Stunden in den Polymerisationskolben eindosiert.

    [0033] Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge auf pH 7,0 neutralisiert. Das Terpolymerisat hat eine viskosimetrisch ermittelte Molmasse von ca. 30 000 g/Mol.

    [0034] In die Rezeptur unter Beispiel 4 eingesetzt, erbrachte der hier beschriebene Polymergerbstoff eine noch höhere Weichheit bei gleichbleibender Narbenfestigkeit.

    Beispiel 6



    [0035] Das unter Beispiel 5 beschriebene Terpolymer wurde in folgender Rezeptur für Rindoberleder eingesetzt:





    [0036] Das nach dieser Rezeptur hergestellte Leder war tiefer gefärbt als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.

    Beispiel 7



    [0037] Der unter Beispiel 5 beschriebene Polymergerbstoff wurde in die folgende Rezeptur für Rindnappa eingesetzt und untersucht:





    [0038] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerbstoff behandelte Leder ist tiefer gefärbt und hat höhere Weichheit als das mit einem handelsüblichen Polymernachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamiid-Copolymerisat behandelte Leder.

    Beispiel 8



    [0039] In ein mit Rührer, Thermometer und Rückflusskühler ausgestattetes Polymerisationsgefäss wurden 100 g entionisiertes Wasser, 2,5 g Methacrylsäure und 1,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. In einem anderen Gefäss wurde die Monomerlösung aus 80,5 g Acrylamid, 47,3 g N-(3-Sulfopropyl)-N-meth- acrylamidopropyl-N,N-dimethylammoniumbe- tain, 164,7 g Methacrylsäure und 215 g Wasser hergestellt. Diese Monomerlösung wurde dann unter Rühren über einen Zeitraum von ca. 60 Minuten in das Polymerisationsgefäss gemeinsam mit der Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 ml Wasser), 7,8 g Wasserstoffperoxid (35%ig) und 56 g Natronlauge (45%ig) eingetragen.

    [0040] Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und anschliessend mit 112 g Natronlauge (45%ig) auf pH 7 neutralisiert.

    [0041] Die erhaltene Lösung wurde gemäss nachfolgender Rezeptur zur Nachgerbung eingesetzt:





    [0042] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerbstoff behandelte Leder zeigte bessere Narbenfestigkeit und war tiefer gefärbt als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.

    Beispiel 9



    [0043] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben wurden 100 g Wasser und 1,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. Die Monomerlösung, bestehend aus 136 g Acrylamid, 65,0 g Natriumstyrolsulfat (80%ig), 94 g Maleinsäureanhydrid und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit der Hydroxylaminlösung (1,6 g in 58 g Wasser), 8 g Wasserstoffperoxid und 51,0 g Natronlauge (45%ig) innerhalb von 2 Stunden in den Polymerisationskolben eindosiert.

    [0044] Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge auf pH 7,0 neutralisiert.

    [0045] Die erhaltene Lösung wurde gemäss nachfolgender Rezeptur zur Nachgerbung eingesetzt:





    [0046] Das mit dem erfindungsgemässen Polymergerbstoff behandelte Leder zeigte deutlich mehr Farbintensität als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylsäure/Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.

    Beispiel 10



    [0047] In einem wie in Beispiel 1 beschriebenen Polymerisationskolben wurden 100 g Wasser und 4,0 g Wasserstoffperoxid (35%ig) vorgelegt und auf 90°C erhitzt. Die Monomerlösung, bestehend aus 256 g Acrylamid, 39,1 g Natriumstyrolsulfonat (80%ig) und 260 g Wasser, wurde innerhalb von 2 Stunden gemeinsam mit derHydroxylaminlösung (6,3 g in 78 g Wasser), 31,2 g Wasserstoffperoxid, in den Polymerisationskolben eindosiert. Die Reaktionstemperatur wurde durch Sieden bei 100°C gehalten. Nach der Polymerisation wurde noch 2 Stunden bei 90°C nachgerührt und mit Natronlauge auf pH 7,0 neutralisiert. Die erhaltene Lösung in die Rezeptur unter Beispiel 9 eingesetzt, ergab ein Leder, dessen Weichheit, Farbtiefe und Brillanz entscheidend besser ausfiel, als das mit einem handelsüblichen Polymer-Nachgerbstoff auf der Grundlage von Acrylamid-Copolymerisat behandelte Leder.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Nachgerben von mineralisch oder kombiniert gegerbtem Leder durch Behandlung mit einer wässrigen Lösung von wasserlöslichem Polymergerbstoff, dadurch gekennzeichnet, dass man als Polymergerbstoff Polymerisate aus wenigstens einem sulfonsäuregruppenhaltigen ungesättigten Monomeren, sowie gegebenenfalls weiteren wasserlöslichen, ungesättigten, copolymerisierbaren, nicht phosphorhaltigen Monomeren verwendet, ausgenommen Polymere aus 5-100 Gew.% Vinylsulfonsäure und 0-95 Gew.% (Meth)Acrylsäure sowie Mischpolymerisate aus 80-90 Gew.% (Meth)Acrylsäure und 20-10 Gew.% ungesättigten Sulfierungsprodukten von tierischen oder pflanzlichen Ölen.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Polymergerbstoff ein Polymerisat bestehend aus wenigstens 3 Mol.% Einheiten von 2-Acrylamido-2-methylpropansulfon- säure, N-(3-Sulfopropyl-N-(meth)-acrylamido- propyl)-N,N-dimethylammoniumbetain, Sulfopropyl-(meth)acrylsäureester und/oder Styrolsulfonsäure oder deren Alkali- und/oder Ammoniumsalze verwendet wird.
     
    3. Verfahren nach Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als weitere Monomere ungesättigte carboxylgruppenhaltige Monomere und/oder (Meth)Acrylamid oder Vinylpyrrolidon verwendet werden.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als carboxylgruppenhaltige Monomere Maleinsäure, (Meth)Acrylsäure und/ oder Crotonsäure verwendet werden.
     
    5. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung des gegerbten Leders mit 0,1 bis 5,0 Gew.%, bezogen auf das Falzgewicht des Polymergerbstoffes, bei einer Flottenlänge bis zu 300%, Temperaturen bis zu maximal 70°C und pH-Werten im Bereich von mindestens 2,5 bis 8,0 durchgeführt wird.
     
    6. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Nachgerbung in Kombination mit synthetischen oder pflanzlichen Gerbstoffen erfolgt.
     


    Claims

    1. A process for retanning leather tanned by a mineral or combined method by treatment with an aqueous solution of water-soluble polymer tanning agents, characterized in that polymers comprising at least one unsaturated sulfonic acid group containing monomer and, if necessary, additional water-soluble, unsaturated, copolymerizable phosphorus-free monomers are used as polymer tanning agent, except for polymers comprising 5 to 100%-wt. of vinyl sulfonic acid and 0 to 95%-wt of (meth)acrylic acid and mixed polymers comprising 80-90%-wt. of (meth)acrylic acid and 20 to 10%-wt. of unsaturated sulphonation products of animal or vegetable oil.
     
    2. A process according to claim 1, characterized in that a polymer, consisting of at least 3 mole % of units of 2-acrylamindo-2-methylpropanesulfonic acid, N-(3-sulfopropyl-N-(meth)acrylamidopropyl)-N,N-dimethyl ammonium betaine, sulfopropyl-(meth)acrylic acid ester and/or styrene sulfonic acid or their alkali and/or ammonium salts, is used as said polymer tanning agent.
     
    3. A process according to claim 1 or 2, characterized in that unsaturated carboxyl groups containing monomers and/or (meth)acrylamid or vinylpyrrolidone are used as additional monomers.
     
    4. A process according to claim 3, characterized in that maleic acid, (meth)acrylic acid and/or crotonic acid are used as carboxyl groups containing monomers.
     
    5. A process according to claims 1 to 4, characterized in that the treatment of the tanned leather is carried out with 0.1 to 5.0%-wt., relative to the shaved weight of the polymer tanning agent, at a float length of up to 300%, at temperatures to a maximum of 70°C and pH values in the range of from at least 2.5 to 8.0.
     
    6. A process according to claims 1 to 5, characterized in that retannage is carried out in combination with synthetic or vegetable tanning agents.
     


    Revendications

    1. Procédé de retannage du cuir ayant subi un tannage minéral ou combiné par traitement avec une solution aqueuse d'un produit tannant polymère soluble dans l'eau, caractérisé en ce qu'à titre de produit tannant polymère, on utilise des polymères d'au moins un monomère insaturé contenant des radicaux acide sulfonique, comme éventuellement aussi d'autres monomères insaturés, solubles dans l'eau, copolymérisables, ne contenant pas de phosphore, à l'exclusion des polymères constitués de 5 à 100% en poids d'acide vinylsulfonique et de 0 à 95% en poids d'acide (méth)acrylique, comme aussi des copolymères constitués de 80 à 90% en poids d'acide (méth)acrylique et de 20 à 10% en poids de produits de sulfuration insaturés d'huiles animales ou végétales.
     
    2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'on utilise, à titre de produit tannant polymère, un polymère composé d'au moins 3% molaires d'unités acide 2-acrylamido-2-méthylpropanesulfonique, N-(3-sulfopropyl-N-(méth)acrylamidopropyl) - N,N - diméthyl - ammonium- bétaïne, ester d'acide sulfopropyl-(méth)acrylique et/ou acide styrènesulfonique, ou leurs sels de métaux alcalins et/ou d'ammonium.
     
    3. Procédé suivant les revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que l'on utilise, à titre de monomères supplémentaires, des monomères contenant des radicaux carboxyle, insaturés et/ou du (méth)acrylamide et de la vinylpyrrolidone.
     
    4. Procédé suivant la revendication 3, caractérisé en ce qu'à titre de monomères contenant des radicaux carboxyle, on utilise l'acide maléique, l'acide (méth)acrylique et/ou l'acide crotonique.
     
    5. Procédé suivant la revendication 1 à 4, caractérisé en ce que l'on opère le traitement du cuir tanné avec 0,1 à 5,0% en poids, par rapport au poids au drayage, du produit tannant polymère, à une longueur ou rapport du bain allant jusqu'à 300%, des températures allant jusqu'à un maximum de 70°C et des valeurs de pH fluctuant dans la gamme d'au moins 2,5 jusqu'à 8,0.
     
    6. Procédé suivant les revendications 1 à 5, caractérisé en ce que l'on effectue le retannage en combinaison avec des produits tannants synthétiques ou végétaux.