[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung von cyclischen Estern der schwefligen Säure
mit einem aliphatischen 1,2-Diol anstelle eines üblicherweise verwendeten pH-Regulators
als Hilfsmittel bei der Färbung von Textilmaterialien aus natürlichen oder synthetischen
Polyamiden oder ihrer Gemische und ein Verfahren zum Färben dieser Textilmaterialien
in Gegenwart eines cyclischen Esters der schwefligen Säure mit einem aliphatischen
1,2-Diol.
[0002] Es ist bekannt, daß man bei Färbungen von Wolle oder Polyamidfasern eine hohe Egalität
erzielt, wenn die Aufziehgeschwindigkeit der Farbstoffe so verringert ist, daß ein
gleichmäßiges Aufziehen ermöglicht wird. Dabei kann die Färbegeschwindigkeit beispielsweise
durch eine Steuerung der Aufheizrate oder durch eine pH-Regulierung beeinflußt werden.
In Abhängigkeit vom pH-Wert der Färbeflotte stellen sich Verteilungsgleichgewichte
zwischen Farbstoffen, zu färbendem Textilgut und wäßrigem Medium ein. Bei einer pH-Steuerung
vom schwach alkalischen Milieu zum sauren Bereich wird dieses Gleichgewicht langsam
zugunsten der Faser verschoben, so daß die Farbstoffaufnahme der Faser sehr gleichmäßig
erfolgen kann und somit die Egalität der Färbung entscheidend verbessert wird.
[0003] Gemäß der DE-OS 27 00 153 kann man beispielsweise so vorgehen, daß man das zu färbende
Material in ein Bad vom pH-Wert 6 bis 12 einbringt und dann den pH-Wert durch Zugabe
von anorganischen Säuren, wie Salpeter-, Salz- oder Schwefelsäure, auf 3 bis 7 senkt.
Den gleichen Effekt kann man z.B. auch durch die Verwendung von sauer reagierenden
Salzen erzielen. Von Nachteil hierbei ist, daß an der Eintropfstelle hohe lokale Säurekonzentrationen
auftreten können, d.h. daß im Färbebad starke pH-Differenzen entstehen. Außerdem bedeutet
eine kontinuierliche Säurezudosierung zusätzlichen apparativen Aufwand.
[0004] Durch die Verwendung von organischen Estern, die bei Erhöhung der Temperatur langsam
sich spalten und Säure freisetzen, ist es möglich, den pH-Wert derart zu steuern,
daß sich an jeder Stelle des Bades zu einem beliebigen Zeitpunkt etwa derselbe pH-Wert
einstellt. So ist aus der GB-PS 716 990 ein Verfahren zum Färben von Wolle und synthetischen
Polyamidfasern bekannt, bei dem als pH-Regulatoren Ester organischer Säuren, wie
Diethyltartrat, Ethylacetat oder Diethyloxalat, verwendet werden. Man beginnt die
Färbung bei pH 8 und setzt dann den organischen Ester, der bei Erreichung von Kochtemperatur
gespalten wird, zu. Die freiwerdende Säure erniedrigt den pH-Wert des Färbebades allmählich
auf ca. pH 6,0.
[0005] Weiterhin ist beispielsweise aus der DE-OS 23 54 728 die Verwendung von Lactonen,
insbesondere von Butyrolacton, als pH-Regulatoren beim Färben von Textilmaterialien
aus natürlichen und synthetischen Polyamiden bekannt. Der DE-OS 28 12 039 kann entnommen
werden, daß als pH-Regulatoren Ester aus gesättigten C₂-C₄-Carbonsäuren verwendet
werden, die in 2-Stellung eine tertiäre Aminogruppe aufweisen. Davon ist insbesondere
der Triethanolamintriessigsäureethylester zu nennen und in der Praxis eingeführt.
[0006] Der Nachteil dieser bekannten Verfahren, bei denen pH-Regulatoren verwendet werden,
liegt darin, daß der pH-Wert am Ende der Färbung teilweise nicht niedrig genug ist,
um das vollständige Ausziehen der verwendeten Farbstoffe zu gewährleisten. Ein vollständiges
Ausziehen ist besonders beim Färben von dunklen Nuancen wegen der Anfärbung des Abwassers
wichtig.
[0007] Aus dem EP-Patent 55 694 ist bekannt, z.B. Propylenglykolsulfit als Verküpungsbeschleuniger
beim Färben und Bedrucken von Cellulosematerialien bzw. von Cellulose/Polyester-Mischgewebe
zu verwenden. Eine spezielle Verwendung als pH-Regulator kann diesem Stand der Technik
nicht entnommen werden.
[0008] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen pH-Regulator beim Färben von
Wolle oder synthetischen Polyamidfasern zur Verfügung zu stellen, bei dessen Anwendung
ein niedriger pH-Wert von möglichst 5 bis zu etwa 4,0 erreicht werden kann.
[0009] Die Lösung der Aufgabe besteht in der Verwendung eines cyclischen Esters der schwefligen
Säure mit einem aliphatischen Diol beim Färben von Textilmaterialien aus Polyamid
und in einem Verfahren zum Färben von diesen Textilmaterialien in Gegenwart eines
solchen cyclischen Esters.
[0010] Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung einer Verbindung der Formel I

in der R¹ ein Wasserstoffatom oder einen Alkylrest mit 1 bis 4 C-Atomen bedeutet,
als Hilfsmittel, insbesondere als pH-Regulator und mit zusätzlicher bleichender Wirkung,
bei der Färbung von Textilmaterialien aus natürlichen oder synthetischen Polyamiden
oder ihren Gemischen mit anionischen Farbstoffen in wäßrigen Flotten in einer Menge
von 0,25 bis 5,0 g/l Flotte.
[0011] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zum Färben von Textilmaterialien
aus natürlichen oder synthetischen Polyamiden oder ihren Gemischen mit anionischen
Farbstoffen in wäßrigen Flotten in Gegenwart eines cyclischen Esters der schwefligen
Säure gemäß Formel I in einer Menge von 0,25 bis 5,0 g/l Flotte.
[0012] Der überraschende Effekt liegt darin, daß in Gegenwart der obengenannten Ester der
schwefligen Säure im Verlaufe der Färbung der pH-Wert des Färbebades gleichmäßig
in den sauren Bereich verschoben wird, wobei am Ende der Färbung pH-Werte von etwa
5,0 bis zu 4,0 erreicht werden. Dabei werden brillante Färbungen von hervorragender
Gleichmäßigkeit bei praktisch vollständigem Ausziehen der Farbstoffe erhalten. Neben
der Funktion als pH-Regulator weisen die verwendeten cyclischen Ester der schwefligen
Säure zusätzlich eine vorteilhafte Bleichwirkung auf.
[0013] Im einzelnen kann die vorliegende Erfindung wie folgt erläutert werden:
Alkylreste R¹ in der Formel I sind insbesondere Methyl, Ethyl und Propyl, wovon der
Methylrest bevorzugt ist. Die besonders bevorzugte Verbindung der Formel I ist das
Ethylenglykolsulfit (EGS). Die Verbindungen der Formel I sind bekannt, es sind klare
Flüssigkeiten, die zweckmäßig direkt dem Färbebad zugesetzt werden.
[0014] Erfindungsgemäß zu färbendes Textilgut aus natürlichen oder synthetischen Polyamiden
oder ihren Gemischen sind Wolle und Seide, als Beispiele für natürliche Polyamide,
die bekannten synthetischen Polyamidmaterialien, wie Nylon 6 und Nylon 66, sowie die
handelsüblichen Mischungen aus Wolle und synthetischem Polyamid.
[0015] Das zu färbende Gut kann beispielsweise als Flocke, Garn, Gewebe oder Gewirke vorliegen.
[0016] Für das Färben der obengenannten Textilmaterialien werden die üblichen, dem Fachmann
bekannten anionischen Farbstoffe oder Farbstoffmischungen verwendet, wie 1:2-Metallkomplex-,
Reaktiv- oder Säurefarbstoffe, davon insbesondere solche Farbstoffe, die Sulfogruppen
enthalten, wobei bei den Metallkomplexfarbstoffen auch Sulfonamidgruppen in Betracht
kommen. Als Farbstoffe kommen auch Nachchromierfarbstoffe in Betracht. offen auch
Sulfonamidgruppen in Betracht kommen. Als Farbstoffe kommen auch Nachchromierfarbstoffe
in Betracht.
[0017] Bei der Verwendung von Säure- oder Säurewalkfarbstoffen ist im Einzelfall gegebenenfalls
vorher zu prüfen, ob diese reduktionsstabil sind.
[0018] Die erfindungsgemäß zu verwendende Verbindung der Formel I wird der wäßrigen Flotte
zweckmäßig in einer Menge von 0,25 bis 5,0 g/l zugesetzt. Die bevorzugten Mengen sind
beim Färben von Wolle 0,5 bis 2,0/l und beim Färben von Polyamid 0,25 bis 0,5 g/l.
[0019] Das erfindungsgemäße Hilfsmittel wird dem Färbebad zweckmäßigerweise bei Raumtemperatur
direkt zugesetzt. Die Zugabe kann aber auch während der Färbung, nachdem beispielsweise
auf 80 oder 100°C erhitzt worden ist, erfolgen.
[0020] Im übrigen erfolgen die Färbungen grundsätzlich unter an sich üblichen Bedingungen
in wäßrigen Flotten der Flottenlänge 1:5 bis 1:30, bevorzugt 1:10 bis 1:20.
[0021] Die wäßrigen Flotten können die üblichen, dem Fachmann bekannten Zusätze und Hilfsmittel
enthalten, wie sie den allgemeinen Handbüchern und Vorschriften, wie A. Chwala, Handbuch
der Textilhilfsmittel, 1977, entnommen werden können.
[0022] Beispielsweise kommen als Zusätze für das Färbebad die üblichen Egalisierhilfsmittel
in Betracht, wie Fettalkoholpolyglykolether, Fettaminpolyglykolether oder Alkylphenolpolyglykolether,
Fettalkylsulfate oder Alkylbenzolsulfonate. Weitere Zusätze sind beispielsweise Salze,
wie Ammoniumsulfat, Natriumsulfat oder Natriumacetat, sowie Entschäumer, Netz- und
Dispergiermittel u.a.
[0023] Der pH-Wert der wäßrigen Flotte wird zu Beginn der Färbung in der Regel auf 7 bis
9, bevorzugt 7 bis 8, eingestellt, wobei Ammoniak, Alkalilauge oder -carbonat, bevorzugt
des Natriums und Kaliums, eine organische Base, insbesondere ein Trialkyl- oder Trialkanolamin,
wie Triethanolamin, als Base verwendet werden können.
[0024] Wie oben erwähnt, wird die erfindungsgemäße Färbung nach den sonst üblichen Rahmenrezepturen
durchgeführt, nur daß anstelle einer Säure oder säureabgebenden Verbindung erfindungsgemäß
eine Verbindung der Formel I zugesetzt wird. In das fertige Färbebad gibt man das
zu färbende Gut bei Raumtemperaturen ein und heizt auf die geeignete Färbebadtemperatur
von 80 bis 100°C auf und führt die Färbung in üblicher Weise zu Ende.
[0025] In anderen Fällen kann es vorteilhaft sein, erst bei höheren Temperaturen den erfindungsgemäß
zu verwendenden pH-Regulator zuzugeben.
[0026] Eine zweckmäßige Vorgehensweise besteht demnach darin, daß man ein Verfahren zum
Färben von Textilmaterialien aus natürlichen oder synthetischen Polyamiden oder ihren
Gemischen mit anionischen Farbstoffen in wäßrigen Flotten in Gegenwart üblicher Hilfsmittel
durchführt, bei dem man einen cyclischen Ester der schwefligen Säure der Formel I
in einer Menge von 0,25 bis 5,0 g/l Flotte dem Färbebad zusetzt und das zu färbende
Gut bei Temperaturen von 20 bis 60°C in die Flotte einbringt und die Färbung bei 80
bis 110°C, bevorzugt um 100°C, zu Ende führt.
[0027] Der cyclische Ester kann auch im Verlauf der Aufheizphase bei Temperaturen von 80
bis 100°C zugesetzt werden.
[0028] In der Regel ist die Färbung bei 80 bis 110°C innerhalb von 1 bis 2 Stunden beendet,
wobei sich der vorteilhafte pH-Wertbereich von 5 bis 4,0 einstellt.
[0029] In den bevorzugten Ausführungsformen wird in der Flotte ein pH-Wert von 7 bis 9,
vorzugsweise 7 bis 8, vor Zugabe der Verbindung der Formel I eingestellt.
[0030] Als Vorteile sind besonders hevorzuheben, daß in Gegenwart der cyclischen Ester der
schwefligen Säure der Formel I anionische Farbstoffe langsam und gleichmäßig aufziehen.
Das ist besonders vorteilhaft für unbehandelte oder filzfrei ausgerüstete Wolle sowie
synthetische Polyamidfasern. Der relativ niedrige pH-Wert am Ende der Färbung gewährleistet
eine gute Baderschöpfung. Die pH-Werte, die sich beispielsweise nach einer Färbezeit
von 1 Stunde bei 100°C eingestellt haben, bleiben auch bei einer Verlängerung der
Färbedauer konstant, was für eine gegebenenfalls vorzunehmende Nuancierung der erhaltenen
Färbung wichtig ist. Gegenüber bekannten und in der Praxis anerkannten Verbindungen,
die als pH-Regulatoren verwendet werden, heben sich die erfindungsgemäß zu verwendenden
Verbindungen dadurch hervor, daß die mit ihnen durchgeführten Färbungen in vielen
Fällen farbtiefer und brillanter sind.
[0031] Neben ihrer Wirkung als Säurespender vermindern die cyclischen Schwefelsäureester
das Vergilben der Wolle beim Kochen in der Färbeflotte, wodurch die Brillanz der Färbungen
gesteigert wird. Auf ein zeit- und kostenaufwendiges Vorbleichen, beispielsweise
mit Peroxiden oder mit Bisulfiten, kann daher meist verzichtet werden. Dadurch wird
ermöglicht, daß für Pastelltöne wegen der Bleichwirkung zwar weniger brillante, dafür
aber echter färbende Farbstoffe verwendet werden können.
[0032] Filzfrei ausgerüstete Wolle besitzt eine hohe Farbstoffaffinität, da durch die mit
der Ausrüstung verbundene Chlorierung die Wollstruktur aufgelockert bzw. durch eine
Ausrüstung beispielsweise mit kationischem Polymer (z.B. Hercosett-Verfahren) die
Farbstoffe stark elektrostatisch angezogen werden. Dies kann in vielen Fällen unegale
Färbungen zur Folge haben. Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich, derart
filzfrei ausgerüstete Wolle egal zu färben, wobei zu Beginn der Färbung in der Färbeflotte
vorteilhaft ein pH-Wert von 8 bis 9 eingestellt wird.
[0033] Mit den erfindungsgemäßen Estern kann sowohl in Hart- als auch in Weichwasser gefärbt
werden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß Wollen unterschiedlicher Alkalität,
wie sie durch die verschiedenen Waschprozesse oder Vorbehandlungen hervorgerufen werden,
mit der gleichen Menge EGS gefärbt werden können. Der pH-Verlauf während der Färbung
von Wollen unterschiedlichen Restalkaligehalts ist jeweils fast identisch und bietet
somit die Gewähr für einen kontrollierten Färbeverlauf mit egalen Färbungen.
[0034] In den folgenden Beispielen beziehen sich Angaben in Gewichtsprozent stets auf das
zu färbende Gut.
Beispiele
I Färbung von Wolle mit einer Mischung von 1:2-Metallkomplex- und Reaktivfarbstoffen
[0035] Allgemeine Vorschrift:
Nach Zugabe der unten näher beschriebenen Farbstoffe, 1 Gew.% eines ethoxylierten
Oleylamins als Egalisierhilfsmittel, 5 Gew.% Ammoniumsulfat und 1 g/l Ethylenglykolsulfit
(EGS) wird die Färbeflotte mit Ammoniak auf einen pH-Wert von 7,5 bis 8,0 eingestellt.
Das Wollmaterial wird bei 40°C in die Flotte bei einem Flottenverhältnis (FV) von
1:20 eingebracht. Nach dem Aufheizen auf 100°C wird 60 min bei dieser Temperatur gefärbt
und anschließend wird gespült.
[0036] Zum Vergleich werden parallel dazu Färbungen mit 1 g/l Flotte Triethanolamin-Triessigester
gemäß der DE-28 12 039 anstelle des EGS durchgeführt.
[0037] Die verwendeten Farbstoffe liegen in handelsüblicher Form vor. Im Anschluß an die
Färbungen werden zur Kontrolle der Baderschöpfung Nachzüge (60 min, 100°C) hergestellt.
[0038] Gemäß der allgemeinen Vorschrift I werden folgende Färbungen durchgeführt:
Beispiel 1
[0039] Färbungen von Merino-Wollkammzug einer mittleren Einzelfaserfeinheit von 22,1 µm
mit 0,97 Gew.% eines Metallkomplexfarbstoffes folgender Konstitution

0,6 Gew.% eines Reaktivfarbstoffes folgender Struktur

und 0,2 Gew.% des Farbstoffs C.I.-Nr. 61211. Mit EGS stellt sich ein End-pH-Wert
von 5,2 ein.
[0040] Die Färbung in Gegenwart von EGS gegenüber Triethanolamin-triessigester, wobei sich
ein End-pH-Wert von 5,6 einstellt, ist dunkler und brillanter.
Beispiel 2
[0041] Färbung von Wollgarn (28/2) mit 0,7 Gew.% eines Farbstoffes folgender Konstitution

in Form eines Chrom(1:2)-Komplexes und 0,1 Gew.% des Farbstoffs C.I. Nr. 18762 und
0,95 Gew.% des Reaktivfarbstoffs der C.I. Nr. 25810.
[0042] Bei der Färbung mit EGS stellt sich ein End-pH-Wert von 5,0 gegenüber 5,5 im Vergleichsversuch
ein und die Färbung ist brillanter und besser ausgezogen.
II. Färbung von Wolle mit Säurefarbstoffen
[0043] Allgemeine Vorschrift:
Das zu färbende Material wird bei 40°C bei einem FV von 1:20 in das Färbebad gegeben,
das 5 Gew.% Natriumsulfat und 1 g/l EGS enthält. Der pH-Wert wird mit Ammoniak auf
7,5 eingestellt.
[0044] Als Vergleich dienen Färbungen in einer Flotte mit 5 Gew.% Natriumsulfat bei einem
pH-Wert von 5,0, eingestellt mit Essigsäure.
[0045] Die Flotte wird innerhalb von 20 min auf 70°C aufgeheizt und nach 20minütiger Verweilzeit
bei 70°C innerhalb von 20 min auf 98°C gebracht. Die Färbung wird in 60 min bei 98°C
fertiggestellt und anschließend gespült.
[0046] Gemäß der allgemeinen Vorschrift II werden folgende Färbungen durchgeführt:
Beispiel 3
[0047] Färbung von Wollkammzug (27,0 µm) mit 0,12 Gew.% des Farbstoffs der C.I. Nr. 23266.
In Gegenwart von EGS resultiert eine klarere brillantere Färbung als mit Essigsäure
Beispiel 4
[0048] Färbung von Wollgarn (48/2) mit 0,09 Gew.% des Farbstoffs der C.I. Nr. 50320. Die
Färbung mit EGS ist wesentlich dunkler und brillanter als mit Essigsäure.
III Färbung von Wolle mit Reaktivfarbstoff
[0049] Allgemeine Vorschrift:
Nach Zugabe von 4 Gew.% Ammonsulfat, 10 Gew.% Natriumsulfat, 1 Gew.% eines ethoxylierten
Oleylamins und 1 g/l EGS wird der pH-Wert des Färbebads mit Ammoniak auf pH 7 bis
7,5 eingestellt.
[0050] Zum Vergleich werden parallel dazu Färbungen ohne EGS aber mit 0,6 bis 1 Gew.% Essigsäure
bei einem pH von 5 durchgeführt.
[0051] Es wird bei 50°C in das Färbebad eingegangen, FV 1:20, die Temperatur innerhalb von
60 min auf 98°C gebracht und 60 min bei 98°C gefärbt und anschließend gespült. Der
pH-Wert nach der Färbung beträgt im ersten Fall 4,6, im Vergleichsfall 6,2.
[0052] Nach der allgemeinen Vorschrift III werden folgende Färbungen durchgeführt:
Beispiel 5
[0053] Färbung von Wollkammzug (22,1 µm) mit 0,18 Gew.% eines Farbstoffs folgender Konstitution

[0054] Die Färbung mit Ethylenglykolsulfit ist brillanter gegenüber der Färbung in Gegenwart
von Essigsäure.
Beispiel 6
[0055] Färbung von Wollgabardine mit 0,37 Gew.% eines Farbstoffs folgender Struktur

[0056] Die Färbung mit Ethylenglykolsulfit ist farbtiefer und klarer gegenüber dem Vergleichsversuch.
IV Färbung von Wolle mit 1:2-Metallkomplexfarbstoffen
Beispiel 7
[0057] Färbung von 36/1-fach Garn auf Kreuzspule, zylindrische Hülse, FV 1:10. Das Material
wird 10 min mit 1 Gew.% eines ethoxylierten Fettamins und 5 Gew.% Ammoniumsulfat bei
40°C behandelt. Nach der Zugabe von 1 g/l Ethylenglykolsulfit, 0,093 Gew.% eines Farbstoffes
folgender Konstitution

in Form eines 1:2-Chromkomplexes als Trinatriumsalz 0,08 Gew.% des folgenden Farbstoffs

in Form eines Chrom(1:2)-Komplexes und 0,6 Gew.% eines Farbstoffs folgender Struktur

wird das Färbebad mit 1°C/min auf 75°C, dann mit 0,5°C/min auf 100°C aufgeheizt und
60 min bei 100°C gefärbt. Der pH-Wert von 7,1 zu Beginn beträgt am Ende der Färbung
5,2.
[0058] Eine Vergleichsfärbung wird mit 1 g/l Triethanolamin-triessigsäureethylester gemäß
DE 28 12 039 anstelle des EGS durchgeführt. Dabei wird der pH-Wert von 7,7 zu Beginn
auf 6,5 am Ende der Färbung abgesenkt.
[0059] Zur Bestimmung der Durchfärbung werden Garnabschnitte vom äußeren, mittleren und
inneren Teil der Spule aneinandergestrickt. Das so gefertigte Strickstück wies weder
Farbton- noch Farbtiefendifferenzen auf. Die Egalität ist im Falle der Färbung mit
EGS besser.
Beispiel 8
[0060] Färbung auf Hercosett-ausgerüstetem Wollgarn (28/2) mit 5 Gew.% Ammoniumsulfat,
1 Gew.% eines ethoxylierten Oleylamins und 1 g/l EGS.
[0061] Nach der Zugabe des zu färbenden Materials wird der pH-Wert mit Ammoniak auf 8,5
eingestellt und 1 Gew.% eines Farbstoffs folgender Konstitution

zugegeben.
[0062] Das Bad wird von 40°C auf 98°C aufgeheizt und 60 min bei 98°C gefärbt.
[0063] Zum Vergleich werden parallel dazu Färbungen mit 1 g/l Triethanolamintriessigsäureethylester
anstelle des EGS bei einem Anfangs-pH-Wert von 7,5 durchgeführt.
[0064] Am Ende der Färbung beträgt der pH-Wert im ersten Fall 5,0, im zweiten Fall 5,7.
Mit EGS resultieren brillantere Färbungen und eine bessere Baderschöpfung.
V. Färbung von Polyamid
[0065] Allgemeine Vorschrift:
Bei einer Färbung von Polyamidgewebe bei einem FV 1:20 wird ein Anfangs-pH-Wert um
7 eingestellt, 0,25 oder 0,5 g/l EGS zugefügt, von Raumtemperatur innerhalb 40 min
auf 98°C aufgeheizt, 30 min bei 98°C gefärbt und anschließend gespült. Als Vergleich
wird eine Färbung ohne EGS bei pH 5,5 durchgeführt.
[0066] Nach der allgemeinen Vorschrift V wird folgende Färbung durchgeführt:
Beispiel 9
[0067] Färbung auf Polyamidgewebe mit 0,2 Gew.% C.I. Nr. 14172, 0,18 Gew.% eines Farbstoffs
folgender Konstitution

[0068] Zur Beurteilung der Färbung werden nach verschiedenen Zeiten Gewebeabschnitte entnommen
und in der verbleibenden Flotte Nachzüge hergestellt. Die Aufziehgeschwindigkeit in
Gegenwart von Ethylenglykolsulfit ist sehr gleichmäßig. Der pH-Verlauf in Abhängigkeit
von der Temperatur mit 0,25 g/l und 0,5 g/l EGS ist folgender Tabelle zu entnehmen:
T (°C) pH (0,25 g/l EGS) pH (0,5 g/l EGS)

VI. Färbungen von Wolle mit Nachchromierfarbstoffen
[0069] Allgemeine Vorschrift:
Bei einer Färbung von filzfrei ausgerüstetem Wollkammzug bei einem Flottenverhältnis
von 1:10 wird mit 1,5 ml/l wäßrigem konz. Ammoniak ein Anfangs-pH-Wert von 7 eingestellt.
Es werden 5 g/l EGS zugefügt. Das Bad wird in 90 min von 40°C auf 100°C aufgeheizt
und 20 min bei 100°C gefärbt. Der End-pH-Wert beträgt 4,2. Dann wird auf 80°C heruntergekühlt
und Ameisensäure zugesetzt bis zu einem pH-Wert von 3 bis 3,5 und mit 1,5 % Bichromat,
bezogen auf Warengewicht nachchromiert.
Beispiel 10
[0070] Nach der allgemeinen Vorschrift VI wird folgende Färbung durchgeführt:
Dem Bad wurden bis 40°C folgende Farbstoffe zugesetzt:
1,44 Gew.% Eriochrom Schwarzblau RN
1,5 Gew.% Solochrom Blau 3R
0,078 Gew.% Solochrom Violett R
[0071] Vor der Ameisensäurezugabe ist das Färbebad praktisch vollstädig aufgezogen. Die
resultierende Färbung ist egal.