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EP 0 117 532 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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24.08.1988 Patentblatt 1988/34 |
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Anmeldetag: 23.02.1984 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)4: C10L 1/02 |
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Treibstoff und eine Verwendung desselben
Fuel and use thereof
Combustible et son application
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH DE FR GB IT LI LU NL SE |
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Priorität: |
01.03.1983 DE 3307091
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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05.09.1984 Patentblatt 1984/36 |
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Patentinhaber: Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff
Aktiengesellschaft |
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D-5047 Wesseling (DE) |
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Erfinder: |
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- Majunke, Hans Joachim
D-5047 Wesseling (DE)
- Müller, Heinrich, Dr.
D-5047 Wesseling (DE)
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Entgegenhaltungen: :
EP-A- 0 049 921 FR-A- 2 255 371
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WO-A-81/00721
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft einen Treibstoff auf Methanolbasis, der aus nicht destilliertem
technischen Methanol, Wasser und Dimethylether sowie weiteren Zusätzen besteht und
eine Verwendung desselben in motorisierten Gartengeräten.
[0002] Die Verwendung von destilliertem Methanol, sog. Reinmethanol, als Kraftstoff für
Otto- und Dieselmotoren wurde im letzten Jahrzehnt intensiv untersucht (Chemische
Technologie, Winnakker-Küchler, Bd. 5, Organische Technologie I, 4. Auflage 1981,
S. 517). Als Zusatz zu Reinmethanol zur Verbesserung des Startverhaltens wurde neben
zahlreichen anderen leichtsiedenden Komponenten auch Dimethylether vorgeschlagen (Neuen
Kraftstoffen auf der Spur, Bundesministerium für Forschung und Technologie, Bonn,
1974, S. 160).
[0003] Auch der Zusatz von Wasser zu Reinmethanol ist bekannt:
1. Bernhardt, W.E., Lee, W. Combustion of methyl alcohol in spark ignition engines
Int. Symp. on Combustion 15-31 Aug. 1974 (Tokyo)
2. Most, W.J., Longwill, J.P. Single-Cylinder Engine Evaluation of Methanol-Improved
Energy Economy and Reduced NOX SAE-Paper 750 119
3. lwai, N. u.a. The combustion of methanol mixed with water Second Nato-Symposium
4.-8. Nov. 1974 (Düsseldorf)
[0004] Die Ergebnisse der Versuche mit Reinmethanol zeigten zwar, dass keine unüberwindbaren
technischen Schwierigkeiten bestehen, sie ergaben jedoch, dass umfangreiche Umrüstungen
der Motoren und der Teile erforderlich sind, die mit Reinmethanol in Berührung kommen,
insbesondere von Leitungen, Tank, Vergaser und Motorwerkstoffen. Die Verwendung von
nicht destilliertem technischen Methanol als Treibstoff für Motoren erschien aufgrund
der Befunde mit Reinmethanol sowie der zahlreichen im technischen Methanol vorhandenen
schädlichen, insbesondere korrosiven und erwartungsgemäss Umwelt belastenden Komponenten
technisch nicht durchführbar.
[0005] Nicht destilliertes technisches Methanol enthält z.B. Formaldehyd, Methylformiat,
Dimethylsulfid. Formaldehyddiacetal, Ameisensäure, Eisenpentacarbonyl und weitere
Carbonsäuren und deren Ester.
[0006] In langfristigen, umfangreichen chemischen und motorischen Untersuchungen wurde nunmehr
entgegen dem bestehenden Vorurteil der Fachwelt überraschend gefunden, dass nicht
destilliertes technisches Methanol, wie es sowohl bei der technischen Niederdruck-
(z.B. Lurgi- und ICI-Synthese) als auch bei der Mitteldruck- und Hochdruck-Synthese
(z.B. dem Verfahren der Union Rheinischen Braunkohlen Kraftstoff AG) entsteht, als
Treibstoff in Motoren dann wenigstens gleichgut geeignet ist wie Reinmethanol, wenn
es ganz bestimmte Mengen an Wasser und Dimethylether sowie bestimmte Mengen an Korrosionsinhibitoren,
Emulgatoren und Zündkontrolladditivs enthält. Die Erfindung betrifft daher einen Treibstoff
auf Methanolbasis, wobei zusätzlich höhere Alkohole, Äther, Ketone und Kohlenwasserstoffe
bzw. deren Gemische enthalten sein können, dadurch gekennzeichnet, dass der Treibstoff
aus nicht destilliertem technischen Methanol besteht, 0,5-18 Gew.% Wasser enthält
und 0,5-12 Gew.% Dimethylether.
[0007] Dimethylether hat die Eigenschaft, dass er durch seinen niederen Siedepunkt von -24°C
das Kaltstartverhalten ausreichend verbessert. Obgleich zu erwarten war, dass die
Löslichkeit des Dimethylethers durch den angegebenen Wassergehalt des Methanols so
weit herabgesetzt würde, dass Dimethylether als Kaltstarthilfsmittel zu frühzeitig
verdampfen würde, haben die Langzeitversuche überraschend ergeben, dass Dimethylether
in für die Verbesserung des Kaltstartverhaltens ausreichender Menge im Treibstoff
gelöst bleibt. Obgleich die Ursachen hierfür nicht völlig verstanden werden, wird
angenommen, dass Wasserstoffbrückenbindungen dieses Verhalten bewirken.
[0008] Die umfangreichen Untersuchungen haben ferner, für den Fachmann unvorhersehbar ergeben,
dass die Einspritzung des erfindungsgemässen Treibstoffs in den Motor nicht erforderlich
ist, sondern dass sich der Treibstoff auch für übliche Vergasermotoren sehr gut eignet.
[0009] In gewissen Mengen kann der erfindungsgemässe Treibstoff auch höhere Alkohole und
Ether bzw. deren Gemische enthalten. Besonders geeignet sind z. B. Destillate, wie
sie bei technischen Methanoldestillationen im Sumpf anfallen und z.B. ohne Einbezug
der erfindungsgemässen Dimethylethermenge folgende Zusammensetzung haben:
[0010]

Erfindungsgemäss kann auch abgetopptes nicht destilliertes Methanol verwendet werden,
wobei leicht flüchtige Verunreinigungen über Kopf abdestilliert worden sind. Ferner
können auch Gemische von destilliertem Methanol, nicht destilliertem Methanol und
abgetopptem Methanol eingesetzt werden.
[0011] Ausser Dimethylether als erfindungsgemässer Treibstoff-Komponente können auch z.
B. Diethylether und/oder Methyl-tert.-bytylether enthalten sein.
[0012] Als Korrosionsinhibitor eignen sich z.B. Phosphorsäureester kombiniert mit Triazolen,
Inhibitoren auf Natriumbenzoat-Basis, Verbindungen wie 2-(5-Aminopentyl)-benzimidazol
oder käufliche Produkte wie PFJ 876 der Fa. Ethyl Corp. u.a.
[0013] Als Emulgator sind insbesondere Glykole und Glykolether, wie z.B. Ethylenglykol,
Propylenglykol, Polyethylenglykol, deren Monoether und Diether geeignet. Ein geeignetes
Zündkontrolladditiv ist z. B. Trikresylphosphat.
[0014] Weitere Additivierungen, wie sie in Kraftstoffen üblich sind, können zusätzlich erfolgen.
[0015] Es ist für den Fachmann insbesondere unerwartet, dass bei Einsatz des erfindungsgemässen
Treibstoffs in Viertakt-Motoren übliche Schmieröle sehr gut geeignet sind.
[0016] Auch in Zweitakt-Motoren ist der erfindungsgemässe Treibstoff einsetzbar. Hierbei
sind jedoch Spezialschmieröle bevorzugt, wie z.B. Schmieröle auf Poly-a-Olefinbasis.
[0017] Die Untersuchungen haben ergeben, dass der erfindungsgemässe Treibstoff besonders
gut geeignet ist für den Einsatz in motorisierten Gartengeräten.
[0018] Es ist bekannt, dass die Emissionen, die bei Verwendung von Reinmethanol als Treibstoff
auftreten, niedriger sind als bei Verwendung der üblichen Kraftstoffe auf Mineralölbasis.
Dies gilt insbesondere für Kohlenmonoxid-, Stickoxyd- und Kohlenwasserstoff-Emissionen.
Überraschend wurde gefunden, dass bei Verwendung von nicht destilliertem technischen
Methanol in Gegenwart der erfindungsgemässen Wassermenge eine noch geringere Emission
auftritt, als im Fall von Reinmethanol, wie die folgende Tabelle zeigt:
[0019] Abgasemissionen nach ECE-Norm gemessen mit einem optimierten VW Golf, 1,6 L (Mittelwerte)

[0020] Dies ist insbesondere beim Betrieb von Gartengeräten von Bedeutung, da sich hier
der Betreiber gewöhnlich hinter dem Gerät fortbewegt.
[0021] Bei der erfindungsgemässen Treibstoffzusammensetzung wurde ferner gefunden, dass
bei den in Gartengeräten verwendeten 4-Taktmotoren, die gewöhnlich im oberen Drittel
des Leistungsbereichs betrieben werden, eine vom Fachmann unvorhersehbare Energieeinsparung
auf Heizwertbasis auftritt, die ausser auf die hohe Verdampfungswärme des Methanols
vermutlich auf einen Wasserinnenkühlungseffekt zurückzuführen ist. Der erfindungsgemässe
Treibstoff kann in allen Gartengeräten mit 4-Taktmotoren eingesetzt werden, wie umfangreiche
Untersuchungen ergeben haben, ohne dass eine über die richtige Treibstoff-Luft-Einstellung
hinausgehende Änderung an dem Gerät für den praktischen Gebrauch erforderlich ist.
[0022] Dem Fachmann ist bekannt, dass zur Vermeidung von Missbrauch von Stoffen, wie z.
B. Treibstoffen, die Anfärbung solcher Stoffe wünschenswert ist.
[0023] Die Untersuchungen haben ergeben, dass bestimmte Farbstoffe, wie z. B. Brillantgrün
und Kresolrot, einzeln oder in Gemischen, Färbungen ergeben, die keine Nachteile bei
Einsatz in Motoren mit sich bringen und trotz ihrer pH-Indikatoreigenschaften auch
bei Sauerstoff- bzw. Luftzufuhr eine stabile Färbung bewirken.
[0024] Die Angabe dieser Farbstoffe ist jedoch nicht als Limitierung der vorliegenden Erfindung
anzusehen.
[0025] Zur näheren Beschreibung eines erfindungsgemässen Treibstoffs werden beispielhaft
folgende Daten angegeben:

[0026] Der erfindungsgemässe Treibstoff stellt zweifellos für das Betreiben motorisierter
Fahrzeuge einen sehr bedeutenden wirtschaftlichen Erfolg dar, der die wirtschaftliche
Versorgung von Motoren mit alternativen Treibstoffen um einen bedeutenden Schritt
verbessert, da durch die Erfindung unerwartet gezeigt wird, dass der hohe technische
und kostenmässige Aufwand der destillativen Aufarbeitung des technischen Methanols
zu Reinmethanol für die Verwendung als Treibstoff nicht erforderlich ist und insbesondere
bezüglich der Umweltbelastung eine überraschende Verbesserung gegenüber dem Stand
der Technik erzielt wird.
[0027] Dies gilt insbesondere für motorisierte Gartengeräte, wo die Emissionsbelastung des
Betreibers besonders hoch ist.
1. Treibstoff auf Methanolbasis, wobei zusätzlich höhere Alkohole, Äther, Ketone und
Kohlenwasserstoffe bzw. deren Gemische enthalten sein können, dadurch gekennzeichnet,
dass der Treibstoff aus nicht destilliertem technischen Methanol besteht, 0,5-18 Gew.%
Wasser enthält und 0,5-12 Gew.% Dimethylether.
2. Treibstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass dieser vorzugsweise 2-15
Gew.% Wasser und vorzugsweise 2-8 Gew.% Dimethylether enthält.
3. Treibstoff nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass dieser 0,005
bis 0,5 Gew.%, vorzugsweise 0,005 bis 0,02 Gew.% eines Korrosionsinhibitors, 0,01
bis 3 Gew.%, vorzugsweise 0,01 bis 0,6 Gew.% eines Emulgators und 0,01 bis 0,5 Gew.%
eines Zündkontrolladditivs enthält.
4. Verwendung des Treibstoffs nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass dieser in motorisierten Gartengeräten verwendet wird.
5. Verwendung des Treibstoffes nach den Ansprüchen 1-4, dadurch gekennzeichnet, dass
dieser unter Zusatz von grünen methanollöslichen Farbstoffen bzw. Farbstoffgemischen,
vorzugsweise von Gemischen von Brillantgrün (Tetraethyl-4,4' diamino-triphenylcarbinol-hydrogensulfat)
und Kresolrot (o-Kresolsulfonphthalein) verwendet wird.
6. Treibstoff, nach den Ansprüchen 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass das Methanol
aus nicht destilliertem, abgetopptem Methanol besteht.
7. Treibstoff, nach den Ansprüchen 1-3 und 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Methanol
aus einem Gemisch von destilliertem Methanol und nicht destilliertem Methanol und/oder
abgetopptem nicht destilliertem Methanol besteht.
8. Treibstoff nach den Ansprüchen 1-3, 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, dass derselbe
aus Gemischen von Methanol und Alkoholgemischen höherer Alkohole aus der Methanoldestillation
besteht.
9. Treibstoff nach den Ansprüchen 1-3 und 6-8, dadurch gekennzeichnet, dass derselbe
Methyl- tert.-butylether enthält.
1. Fuel, based on methanol, which additionally may contain higher alcohols, ethers,
ketones and hydrocarbons respectively mixtures of these compounds, characterized in
that the fuel consists of non-distilled technical methanol, contains 0,5-18 weight-%
of water and 0,5-12 weight-% of dimethylether.
2. Fuel according to claim 1, characterized in that it contains preferably 2-15 weight-%
of water and 2-8 weight-% of dimethylether.
3. Fuel according to claims 1 and 2, characterized in that it contains 0,005 to 0,5
weight-%, preferably 0,005 to 0,02 weight-% of a corrosion inhibitor, 0,01 to 3 weight-%,
preferably 0,01 to 0,6 weight-% of a emulsifying agent and 0,01 to 0,5 weight-% of
an ignition control additive.
4. Use of the fuel according to claims 1 to 3, characterized in that it is used in
motorized garden tools resp. devices.
5. Use of fuel according to claims 1 to 4, characterized in that it is used after
addition of green dyes resp. mixtures of dyes, which are soluble in methanol, preferably
after addition of mixtures of tetraethyl-4,4-diamino-triphenylcarbinol-hydrogensulfate
and o-cresol sulfon phthalein (cresol red).
6. Fuel according to claims 1 to 3, characterized in that the methanol is non-distilled,
and that low- boiling contaminations are stripped off.
7. Fuel according to claims 1 to 3 and 6, characterized in that the methanol consists
of a mixture of distilled methanol and non-distilled methanol and/or non-distilled
methanol from which low- boiling contaminations are stripped off.
8. Fuel according to claims 1 to 3, 6 and 7, characterized in that it consists of
mixtures of methanol and mixtures of higher alcohols which are side-products of the
methanol distillation.
9. Fuel according to claims 1 to 3 and 6-8, characterized in that it contains methyl-tert.-butyl-
ether.
1. Carburant, en partant de méthanol, contenant additionel des alcools supérieurs,
des éthers, des cétones et des hydrocarbures, respectivement leurs mélanges, caractérisé
en ce qu'il consiste de méthanol non-distillé et contient de 0,5-18% en poids de l'eau
et 0,5-12% en poids de diméthyl- éther.
2. Carburant selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'il contient de préférence
des 2-15% en poids de l'eau et 2-8% en poids de deméthyl- éther.
3. Carburant selon l'une des revendications 1 et 2, caractérisé en ce qu'il contient
0,005 à 0,5% en poids, de préférence des 0,005 à 0,02% en poids d'un inhibiteur de
corrosion, 0,01 à 3% en poids, de préférence des 0,01 à 0,6% en poids d'un émulsifiant
et 0,01 à 0,5% en poids d'un additif à contrôler l'allumage.
4. Utilisation du carburant selon l'une des revendications 1 à 3 dans des ustensiles
de jardinage.
5. Utilisation du carburant selon l'une des revendications 1 à 4, avec l'addition
d'une matière colorante verte, quelle est soluble dans le carburant, en préférence
d'une matière colorante consistante d'un mélange de tetraethyl-4,4-diamino- triphenylcarbinol
sulfate d'hydrogène et d'o-crésol sulfonphthaleine (rouge de crésol).
6. Carburant selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'il consiste
de méthanol non-distillé et dont la basse portion des contaminations est strippée.
7. Carburant selon l'une des revendications 1 à 3 et 6, caractérisé en ce que le méthanol
consiste d'un mélange de méthanol distillé et de méthanol non-distillé dont la basse
portion des contami- nants est strippée.
8. Carburant selon l'une des revendications 1 à 3, 6 et 7, caractérisé en ce qu'il
consiste d'un mélange de méthanol et d'un mélange des alcools supérieurs.
9. Carburant selon l'une des revendications 1 à 3 et 6 à 8, caractérisé en ce qu'il
contient de méthyl-tert.-butyl éther.