[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Mangandioxid auf elektrochemischem
Wege (EMD) mit Hilfe von Titananoden in einen Zelle, die eine schwefelsaure Lösung
von Mangansulfat als Elektrolyten enthält, dessen Konzentrationen an Mangansulfat
und Schwefelsäure konstant gehalten werden, indem man kontinuierlich einen Volumenanteil
des verbrauchten Elektrolyten abzieht und durch Zuführung eines entsprechenden Volumens
frischer Mangansulfatlösung ersetzt.
[0002] In modernen Elektrolyseverfahren wird EMD auf Graphit-oder Titananoden abgeschieden,
wobei Titananoden den Vorzug haben, daß sie viele Jahre lang verwendet warden können,
während die Lebensdauer von Graphit von dessen Qualität abhängt und im allgemeinen
nur etwa 1 Jahr beträgt. Titananoden neigen jedoch zur Ausbildung einer den Stromdurchgang
behindernden Oxidschicht auf ihrer Oberfläche. Sie wird in manganfreien wäßrigen Lösungen
- wie allgemein bekannt - bereits bei sehr niedrigen Stromdichten (< 1 A· m⁻²) verstärkt
gebildet, während sie in manganhaltigen Elektrolyten retardiert wird, wenn die Elektrolysebedingungen
die Bildung einer zusammenhängenden, dichten Mangandioxidschicht erlauben. Dies ist
bei hohen Temperaturen, niedrigen Schwefelsäurekonzentrationen und relativ niedrigen
Stromdichten der Fall (vgl. Chemie-Ingenieur-Technik,
49 347 (1977).
[0003] Bei höheren Stromdichten und Temperaturen <95°C nimmt die Tendenz zur Ausbildung
einer Passivschicht in der Phasengrenze Titan/Mangandioxid jedoch zu, weswegen die
Elektrolyse bei konstantem Strom dann nur mit erhöhter und ständig steigender Klemmenspannung
fortgeführt werden kann.
[0004] Einen besonders starken Einfluß nehmen Temperatur, Stromdichte und Schwefelsäurekonzentration
dann, wenn sie die Bildung fehlerhafter Abscheidungen von Mangandioxid verursachen.
Aufgrund von inneren Spannungen reißt der EMD-Belag auf der Anode an verschiedenen
Stellen auf und ermöglicht dem Elektrolyten, in die Phasengrenze Titan/EMD einzudringen,
dort Sauerstoff zu entwickeln und damit das Wachstum einer TiO₂-Schicht zu verstärken.
Aus diesem Grunde ist die Erscheinung von Rißbildungen, Aufbruch und Abhebung von
Schollen von der Titananodenoberfläche besonders unerwünscht, zumal die Erfahrung
lehrt, daß sich in solchen Fehlerstellen ein Mangandioxidschlamm bildet, der die β-MnO₂-Struktur
hat und zum Einsatz in Hochleistungsprimärzellen ungeeignet ist.
[0005] Ferner sind Abblätterungen und Aufbrüche auch deswegen unerwünscht, weil abgeblätterte
Schollen oft zwischen Anode und Kathode hängen bleiben und das Herausziehen der Anoden
am End der Elektrolyseperiode erschweren und oft Schäden an den Kathoden verursachen.
Außerdem kann alles von der Anode herabgefallene Material nicht mehr im Fertigungsprozeß
für EMD gebraucht werden, da es den Reinheitsanforderungen, die sehr hoch sind, nicht
mehr entspricht.
[0006] Es besteht daher von Seiten eines störungsfreien Betriebs ein erhebliches Bedürfnis
nach guten, fehlerarmen EMD-Belägen auf den Anoden, wobei die Wirtschaftlichkeit
von eventuellen Maßnahmen beachtet werden muß.
[0007] Naheliegende Maßnahmen wie eine Temperaturerhöhung des Elektrolyten oder eine Verminderung
der Stromdichte und/oder der Schwefelsäurekonzentration haben natürliche (Siedepunkt
des Elektrolyten) oder technische (mehr Regeneratvolumen bei niedrigerer Schwefelsäurekonzentration)
oder ökonomische Grenzen (Unwirtschaftlichkeit einer Anlage bei Verminderung der
Produktionsleistung).
[0008] Unter diesem Aspekt gewann eine bereits früher gemachte Beobachtung eine g roße Bedeutung,
als für ein Phänomen, daß bereits seit langem bekannt war, eine Erklärung gefunden
werden konnte.
[0009] Die üblichen EMD-Abscheidungen haben im allgemeinen eine Stärke von 1 - 1,5 cm, besitzen
eine glatte Oberfläche und zeigen einen glasartigen Bruch. Bei einem Schlag auf eine
solche Schicht zersplittern sie leicht in viele unregelmäßige Teile. Röntgenographisch
findet man, daß sie aus -MnO₂ bestehen, eine Modifikation, wie sie von de Wolff, Visser,
Giovanoli und Brütsch (Chimia
32, 257/259 (1978) beschrieben wurde. In Laboratoriumszellen mit kleinen Abmessungen
ist dies die Abscheidungsform, welche in hohem Maß zu den oben beschriebenen Fehlerbildungen
neigt.
[0010] Auf größerformatigen technischen Anoden findet man häufig noch eine andere Abscheidungsform
die wir REMD nennen, weil sie eine rauhe - an eine Raspel erinnernde - Oberflächenstruktur
besitzt. Sie bildet sich meist im unteren Viertel einer Anode und zieht sich an den
Kanten auch etwas höher hinauf. Insgesamt kann man abschätzen, daß schwankend von
Elektrolyse zu Elektrolyse ca. 1/5 bis 1/4 einer Anode mit REMD bedeckt sein kann,
was auch von der Anodengröße abhängt.
[0011] In seinen Eigenschaften zeigt der REMD zudem wichtige Unterschiede zum konventionellen
EMD:
1. Es gibt niemals Aufbrüche mit Schlammbildung,
2. niemals Abplatzungen,
3. REMD hat keine glasartigen, sondern einen körnigen Bruch,
4. REMD splittert nicht so leicht bei Schlag mit dem Hammer, das Material ist sehr
viel bruchfester.
[0012] Da die batterietechnische Eignung von REMD in Alkalimanganzellen derjenigen des
glasartigen EMD im wesentlichen entsprach, konnte eine Lösung der oben genannten Schwierigkeiten
darin bestehen, daß man die REMD-Form nicht nur auf einem Teil der Anode, sondern
auf der ganzen Anodenfläche erzeugt.
[0013] Es ist bereits ein Mangandioxid-Elektrolyseverfahren bekannt, in dem dem Elektrolyten
Partikel einer Manganverbindung zugesetzt werden (Japan Metals & Chemicals Corp.,
DE-A-30 46 913). Damit wird auf eine noch nicht geklärte Weise bewirkt, daß die Stromdichte
bei der Elektrolyse erhöht werden kann. Nach dieser bekannten Arbeitsweise werden
dem Elektrolyten Mangandioxidteilchen beigemischt, die jedoch besonders gemahlen werden
müssen, um eine Feinheit von weniger als 44 µm Teilchendurchmesser zu erhalten. Auch
dann noch haben diese festen, pulverförmigen Teilchen, die dem Elektrolyten in Form
eines Schlammes zugemischt werden, eine starke Neigung zum Sedimentieren und verteilen
sich in der Tiefenrichtung einer Elektrolysezelle mit einem ausgeprägten Gradienten.
Um Teilchen einer geeigneten Größe zu erhalten, werden die gemahlenen Oxide des Mangans
mit Elektrolyt aufgeschlämmt, nach kurzer Verweilzeit die noch schwebenden Teilchen
in die Zelle befördert und die sedimentierten Teilchen erneut einer Naßmahlung in
einer Aluminiumoxidmühle unterworfen. Eine zusätzliche Behandlung mit Ultraschall
soll die Schwebefähigkeit verbessern.
[0014] Versuche, nach diesem bekannten Verfahren auf der gesamten Anodenoberfläche einer
technischen Zelle einen Niederschlag von REMD zu erzeugen, schlugen fehl. Dabei wurden
als Schwebeteilchen feingemahlener Elektrolytbraunstein (Korngröße < 30 µm, mittlerer
Durchmesser ≈ 15 µm) eingesetzt und etwa 0,3 g/l MnO₂ eingespeist, was einer Menge
von ca. 200 mg/l Mn⁴⁺ entspricht. Diese Maßnahme erwies sich jedoch als ungeeignet,
den REMD-Typ mit rauher Oberfläche auf einem größeren Flächenanteil der Anode zu
erzeugen.
[0015] Dagegen wurde überraschend gefunden, daß sich das gewünschte Ziel leicht erreichen
läßt, wenn man in der frischen Mangansulfatlösung flockige Keime eines Manganoxidhydrates
erzeugt und diese Keime zusammen mit dieser Mangansulfatlösung dem Elektrolyten in
der Zelle zuführt.
[0016] Beispielsweise gelingt die Erzeugung der Keime, wenn man der Mangansulfatlösung Natronlauge
in einer solchen Menge zusetzt, daß Manganhydroxid gebildet wird, dies ist bei pH-Werten
von mindestens 7,8 der Fall.
[0017] Leitet man danach oder vorteilhafterweise gleichzeitig mit der Zugabe der Natronlauge
Sauerstoff oder Luft, insbesondere in feiner Verteilung in die Mangansulfatlösung
ein, entstehen aus den Manganhydroxidflocken durch Oxidation höheroxidierte Manganoxidhydrate,
z.B. Mn₃O₄ . nH₂O oder MnO₂H
m . nH₂O (mit m < 1).
[0018] Andere Wege der Keimbildung bestehen darin, daß man der Mangansulfatlösung ein Oxidationsmittel,
wie Natriumhypochlorid allein oder Wasserstoffperoxid mit einer äquivalenten Menge
Natronlauge zusetzt, wobei Manganoxidhydratflocken MnO
x . nH₂O (mit x ∼ 1,8-1,9 und n < 1) entstehen.
[0019] Es ist empfehlenswert, die Mangansulfatlösung, welche die Manganoxidhydrat-Keime
enthält, in der Menge dem Elektrolyten in der Zelle zuzuführen, daß sich im Elektrolyten
eine Keimkonzentration von 10-200 mg/l, vorzugsweise von 30-60 mg/l einstellt. Die
Keimkonzentration bestimmt man analytisch, in dem man an zahlreichen Stellen des Elektrolytbehälters
Flüssigkeitsproben entnimmt und auf ihren Ge halt an 4-wertigem Mangan untersucht,
der ja durch die Anwesenheit der Keimbildner entsteht, weil diese Mangan in höherer
als der zweiwertigen Form enthalten. Die analytische Bestimmung wurde durch Umsetzung
einer Lösungsprobe mit einer bekannten Menge arseniger Säure durchgeführt, worin der
Überschuß der arsenigen Säure mit einer Standard-Ce(IV)sulfatlösung zurücktitriert
wurde (diese Methode ist allgemein bekannt zur Bestimmung von "aktivem Sauerstoff"
in Braumstein und anderen Manganoxiden).
[0020] Der Einsatz der aufgeführten Keimbildner ist deswegen besonders vorteilhaft, weil
sie sich sehr gleichmäßig im Elektrolysebad verteilen, ohne daß irgendwelche Maßnahmen
zur Zerkleinerung der Keime oder Rückführung ungeeigneten Materials notwendig wären.
[0021] Eine genaue Untersuchung der REMD-Abscheidung führte zu dem überraschenden Ergebnis,
daß außer der grob-rauhen Oberfläche noch eine Feinrauhigkeit besteht, die aus kleinen,
dicht nebeneinander stehenden Dendriten gebildet wird. Die grob-rauhe Struktur legte
den Gedanken nahe, daß die Strömung in der Elektrolysezelle, die hauptsächlich durch
die kathodische Wasserstoffentwicklung verursacht wird, am Zustandekommen des REMD
beteiligt sein müßte. Die Feinrauhigkeit könnte daher durch Kristallisationskeime
ausgelöst sein, welche durch den Elektrolyten herangeschwemmt und an der Oberfläche
adsorbiert werden.
[0022] Die effektive, elektrochemisch wirksame Oberfläche kann somit um wenigstens eine
Größenordnung größer sein als die geometrische Oberfläche der Anode. Daraus folgt,
daß die effektive Stromdichte auch um etwa eine Großenordnung kleiner ist als die
formale Stromdichte der REMD-Abscheidung. (Bei technischen Angaben wird stets die
letztere angegeben). Somit ist ein REMD ein EMD mit einer sehr nie drigen Abscheidungsstromdichte
von i
eff < 0,1 - 0,2 A·dm² bei i
form. ∼ 1.5 A· dm⁻², wobei jedoch die Richtung des Wachstums außerordentlich stark streut,
wenn man die Gestalt der kolbenartigen Gebilde betrachtet und was zu einer wirksamen
Verzahnung der MnO₂-Kristallite führt. Der elektrische Widerstand eines REMD mit einer
Abscheidungsstromdichte i
form= 1,5 A dm⁻² beträgt 6-10Ω · cm, der eines EMD mit der gleichen Abscheidungsstromdichte
100-150 Ω · cm, während man bei einem EMD (i
formal = i
real) einen Widerstand von 6-10Ω · cm nur mit einer Abscheidungsstromdichte von 0,05-1,10
A dm⁻² erreichen kann.
[0023] Eine ähnliche Beziehug läßt sich zwischen Stromdichte und spezifischer Oberfläche
(BET-Methode der N₂-Adsorption) finden.
[0024] Mit Adsorption der Keimbilder auf der Elektrodenoberfläche (dies ist nicht nur die
Titanmetallbasis, sondern die Elektrolytbraunsteinoberfläche zu jedem Zeitpunkt der
Elektrolyse) beginnt das Kolben- oder Dendritenwachstum, das immer wieder unterbrochen
und neu begonnen wird. Diese Keimbildungsvorstellung erklärt auch, warum grobe Partikel
wenig wirksam sind, sogar dann, wenn sie die Anodenoberfläche berühren sollten. Ihre
Zahl ist pro Masseeinheit viel geringer als bei den erfindungsgemäßen Keimbildnern
und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Adsorption viel kleiner.
[0025] Die Erfindung soll anhand einiger Beispiele erläutert werden.
Beispiel 1 (Darstellung von EMD in guter Qualität)
[0026] In einer trogförmigen Elektrolysezelle der Abmessungen 70 x 50 x 15 cm wurde an den
Seitenwänden 2 Graphitplatten 20 x 40 x 2 cm als Kathoden und dazwischen eine Platte
aus Titanblech 11 x 40 x 0,3 cm als Anode mit den entsprechenden elektrischen Anschlüssen
angeordnet. Die Zelle war mit einer Elektrolytlösung gefüllt, die 0,7 Mol/l Mangansulfat
und 0,5 Mol/l Schwefelsäure enthielt. Ein Vorratsgefäß enthielt neutrale Mangansulfatlösung
(pH zwischen 5-7), die über ein Dosierorgan in die Elektrolysezelle eingetragen werden
konnte. Ein diesem Eintrag entsprechendes Flüssigkeitsvolumen verließ über einen
Überlauf die Zellen, so daß das Zellenfüllvolumen konstant blieb. Da durch die Elektrolyse
der Elektrolyt an Mangan verarmt und sich an Schwefelsäure anreichert, bewirkte dieser
Eintrag neutraler Mangansulfatlösung, daß die Konzentrationen an Mangan und Schwefelsäure
konstant gehalten wurden. Das für dieses Ziel notwendige Zulaufvolumen wurde an Hand
analytischer Konzentrationsbestimmungen dem Bedarf angepaßt. Es hängt von der Stromaufnahme
der Zelle und den gewünschten Konzentrationen ab. Das Elektrolysebad wurde auf eine
konstante Temperatur von 95°C eingestellt.
[0027] Nach Einschalten eines Stromes von 7,5 Ampere

0,85 A·dm⁻² wurde eine Zellenspannung von 2,4 V gemessen. Nach einer Elektrolyseperiode
von 10 Tagen war die Zellenspannung auf 3,2 V angestiegen.
[0028] Nach 10 Tagen wurde die Elektrolyse beendet und die Anode aus dem Bad entfernt. Es
hat sich eine 8 mm dicke Schicht von EMD mit einer glatten Oberfläche und einer Reihe
von feinen Rissen gebildet. Diese Form der Abscheidung war gut. Röntgenographisch
wurde nur ε-MnO₂ gefunden.
Beispiel 2 (Darstellung von EMD bei höherer Stromdichte)
[0029] Die Versuchsanordnung war die gleiche wie in Beispiel 1, jedoch wurde die Zelle mit
einem Strom von 10,6 A (

1,20 A·d⁻² betrieben. Die Zellenspannung lag am Anfang bei 2,6 V, gegen Ende der
Elektrolyse bei 3,5 V. Die Abscheidung hatte wiederum eine glatte Oberfläche, zeigte
jedoch an einigen Stellen Aufbrechungen, die mit schmierigem Braunstein aufgefüllt
sind. Ein Teil der Abscheidung hatte sich von der Elektrodenbasis gelöst.
[0030] Röntgenographisch wurde neben ε-MnO₂, auch die β-Modifikation gefunden, die batterieinaktiv
ist. Diese Abscheidung war unbefriedigend.
Beispiel 3 (Darstellung von REMD)
[0031] Es wurde die gleiche Grundversuchsanordnung wie in Beispiel 2 benutzt, jedoch konnte
durch des Vorratsgefäß mit der neutralen Mangansulfatlösung zusätzlich Luft durchgeleitet
werden, so daß die darin befindliche Lösung ständig lebhaft bewegt wurde. Dann wurde
vor Beginn der Elektrolyse eine bestimmte Natronlaugemenge in das Vorratsgefäß gegeben.
Der Lösungsvorrat war so bemessen, daß er für eine 10 Tage dauernde Elektrolyse zur
Aufrechterhaltung der Elektrolytkonzentration in der Zelle ausreichte (siehe nachfolgende
Tabelle I).
[0032] In Tabelle I ist in der zweiten Spalte die NaOH-Menge pro Kubikmeter, die der Vorratslösung
zugesetzt wurde, angegeben. Die Konzentration an eingespeisten Keimen von Hydrohausmannit,
welche sich unter diesen Bedingungen bilden, ist dieser Natronlaugemenge proportional.
[0033] Diese Versuchsreihe zeigt, daß sich bei einer Stromdichte von 1,2 A·dm⁻² bereits
bei einer ziemlich geringen Keimkonzentration eine zusammenhängende, fehlerfreie
und weit überwiegend rauhe Abscheidung gebildet hat. Auch eine ziemlich hohe Dosierung
von Keimbildnern führt keineswegs zu einer schlechten REMD-Schicht. Man erkennt, daß
mit zunehmender Keimkonzentration die spezifische Oberfläche des REMD kleiner wird.
Bei niedrigerer Temperatur (90°C) ergeben sich ganz analoge Resultate, jedoch nimmt
die BET-Oberfläche nicht ganz so stark ab.
Beispiel 4
[0034] In einer Elektrolysezelle der Abmessungen 180 cm Länge, 120 cm Breite und 260 cm
Tiefe befanden sich zwischen 11 senkrecht hängenden Kathoden des Formats 90 x 230
cm 10 Anoden des gleichen Formats. Die Zelle war heizbar und wurde aus einem 3 m³
Mangansulfatlösung enthaltenden Vorratsbehälter mit Frischelektrolyt versorgt. Dieser
Vorratsbehälter konnte ebenfalls mit Luft begast werden. Abgezogene Mangansulfatlösung
wurde durch frische Mangansulfatlösung ergänzt. Ferner wurde regelmäßig eine bestimmte
Natronlaugemenge hinzugefügt. Diese ist in der zweiten Spalte der Tabelle zu diesem
Beispiel angegeben. In dieser Tabelle ist neben üblichen Angaben auch in Spalte 6
die Mangan(IV)-Konzentration, die nach der o.g. Analysenmethode im Elektrolyten der
Elektrolysezelle als stationärer Wert ermittelt wurde, angegeben (siehe nachfolgende
Tabelle II).
[0035] Dieses Beispiel zeigt, daß auch bei großformatigen Zellen auf diese Weise weitgehend
flächendeckend REMD erzeugt werden kann. Bei schwankender Dosierung können Zonen von
EMD in eine Abscheidung vom REMD zwischengelagert sein, oder aber ein Anteil an glattem
EMD bleibt erhalten.
Beispiel 5
[0036] In einem weiteren Satz von Elektrolysen wurde bei einer Versuchsanordnung, wie in
Beispiel 4, die Stromdichte der Elektrolyse variiert (siehe nachfolgende Tabelle III):
[0037] Bei einer Stromdichte von 0,85 A·dm⁻² ohne Zusatz von Keimbildnern wurde eine glatte,
glasartige EMD-Abscheidung mit einigen kleineren Fehlern und mit einer REMD-Form am
unteren Viertel der Anode, die sich an den Seiten bis zur halben Höhe hochgezogen
hatte, gebildet.
[0038] Nach Zugabe von Hydrohausmannit-Keimen gemäß Beispiel 4 wurde wiederum eine sehr
gute Abscheidung von REMD erhalten, und zwar bis zur Stromdichte von 1,5 A·dm⁻².
Höhere Stromdichten konnten in den Zellen dieses Formats nicht geprüft werden. Nr.
2 dieser Tabelle enthält als Vergleich das Beispiel der Eindosierung von Elektrolytmangandioxid
in die Elektrolysezelle unter Aufrechterhaltung einer ziemlich hohen Konzentration
von EMD-Teilchen (entsprechend 200 mg/ l∼Mn⁺⁴). Es wurde keine ausgedehntere Bildung
von REMD beobachtet als in Nr. 1 ohne EMD-Zusatz.
1. Verfahren zur Herstellung von Mangandioxid auf elektrolytischem Wege mit Hilfe
von Titananoden in einer Zelle, die eine schwefelsaure Lösung von Mangansulfat als
Elektrolyten enthält, dessen Konzentrationen an Mangansulfat und Schwefelsäure konstant
gehalten werden, indem man kontinuierlich einen Volumenteil des verbrauchten Elektrolyten
abzieht und durch Zuführung eines entsprechenden Volumens frischer Mangansulfatlösung
ersetzt, dadurch gekennzeichnet, daß man in dieser Mangansulfatlösung flockige Keime eines Manganoxidhydrates erzeugt
und diese Keime zusammen mit der Mangansulfatlösung dem Elektrolyten in der Zelle
zuführt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Erzeugung der Keime der Mangansulfatlösung Natronlauge bis zu einem
pH-Wert von mindestens 7,8 zusetzt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß man gleichzeitig mit der Zugabe der Natronlauge oder im Anschluß daran Sauerstoff
oder Luft in die Mangansulfatlösung einleitet.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man nur in einem Teil der Mangansulfatlösung, die der Zelle zwecks Konstanthaltung
der Mangankonzentration zugeführt wird, flockige Keime von Mangandioxidhydrat er
zeugt, indem man von der Mangansulfatlösung einen Teilstrom mit einer Menge von Mangansulfat
abzweigt, wie sie zur Flockenbildung benötigt wird, dann mit Natronlauge auf pH 11,5-12,5
einstellt und Luft hindurchleitet, bevor man die entstandene Aufschlämmung von flockigen
Keimen der Mangansulfatlösung wieder zufügt.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man der Mangansulfatlösung in ausreichenden Mengen Natriumhypochlorid zusetzt
zur Bildung von MnOx . nH₂O, wobei x - 1,8 - 1,9 und n = < 1 ist.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man der Mangansulfatlösung Natronlauge und Wasserstoffperoxid in ausreichenden
Mengen zusetzt zur Bildung von MnOx . nH₂O, wobei x = 1,8 - 1,9 und n = < 1 ist.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Mangansulfatlösung, welche die Manganoxidhydrat-Keime enthält, in der
Menge dem Elektrolyten in der Zelle zuführt, daß sich im Elektrolyten eine Keimkonzentration
von 10 bis 200 mg/l einstellt.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß man die Mangansulfatlösung in der Menge dem Elektrolyten zuführt, daß sich im
Elektrolyten eine Keimkonzentration von 30 - 60 mg/l einstellt.