[0001] Die Erfindung betrifft eine Aufwickelvorrichtung der Gattung, wie beschrieben im
Oberbegriff des ersten Patentanspruchs.
[0002] Aus der US-Patentschrift 3,476,079 ist eine Aufwickelvorrichtung bekannt, bei der
nach dem Durchtrennen der Bahn der Bahnanfang mit einem quer zur Laufrichtung der
Bahn aufgebrachten Klebstoff an die leere Wickelhülse geklebt wird. Zu diesem Zweck
wird mittels Kleberollen Klebstoff auf die Wickelhülse gebracht und der Bahnanfang
an die Wickelhülse befestigt.
[0003] Ein derartiges Befestigen des Bahnanfanges ist sehr umständlich und aufwendig. Das
Anwickeln eines Bahnanfanges bei Wickelgeschwindigkeiten bis zu 500 m/Min. ist damit
nicht möglich, weil der Klebstoffauftrag in der Kürze der zur Verfügung stehenden
Zeit nicht durchgeführt werden kann.
[0004] Aus der US-Patentschrift 3,655,307 ist bekannt, eine frisch auf eine Kühlwalze extrudierte
Kunststoffolie mittels einer elektrostatischen Entladung auf der Walze zu halten.
[0005] Es ist die Aufgabe der Erfindung für eine Aufwickelvorrich tung, die mit hoher Wickelgeschwindigkeit
bis 500 m/Min. arbeitet, eine Einrichtung vorzuschlagen, die einen automatischen
Trenn- und Anwickelvorgang erlaubt, um einen schnellen Wechselvorgang des vollen
Wickelballens gegen eine leere Wickelhülse sicherzustellen. Insbesondere soll der
Bahnanfang schlupffrei von der leeren Wickelhülse mitgenommen werden, um auch das
geringste seitliche Verlaufen der Bahn zu verhindern und eine Faltenbildung somit
strikt zu vermeiden.
[0006] Die Aufgabe wird durcht die im kennzeichnenden Teil des ersten Patentanspruchs beschriebenen
Merkmale gelöst.
[0007] Durch die Anordnung der Trenneinrichtung, z. B. eines quer über die Bahn angeordneten
Messerbalkens und der Einrichtung zum elektrostatischen Aufladen auf einem gemeinsamen,
quer über die laufende Bahn angeordneten beweglichen Träger, wird ein äußerst schneller
Trennvorgang und fast zeitgleich ein Haftvorgang des Bahnanfanges auf eine leere Wickelhülse
ermöglicht.
[0008] Die elektrostatische Aufladung erfolgt unmittelbar vor der Durchführung des nur Sekundenbruchteile
dauernden Schneidvorganges mit einer Intensität, die den abgetrennten Bahnanfang
schlagartig auf die leere, sich drehende Wickelhülse zwingt, von der der Folienanfang
sofort ohne Schlupf mitgenommen wird. Der Aufladevorgang wird etwa 2 bis 3 Sekunden
durchgeführt.
[0009] Die Beaufschlagung der Bahn mit der elektrostatischen Ladung erfolgt nur sehr kurzzeitig
und mit einer die Kapazität der statischen Aufladung der Bahn überschreitenden Intensität
von ca. 25.000 Volt.
[0010] Da sowohl die Schneideinrichtung als auch die Ionisationselektrode auf dem Träger
nebeneinander angeordnet sind und gemeinsam in die laufende Bahn gefahren werden,
wird die Bahn schlagartig getrennt und der Bahnanfang auf die leere Wickelhülse fixiert,
während das Bahnende von der vollen Wickelhülse mitgenommen wird und nicht mehr stören
kann.
[0011] Durch die Anordnung dieser beiden Aggregate auf dem gemeinsamen verschwenkbaren
Träger wird der äußerst schnelle und störungsfreie Trenn- und Abwickelvorgang erreicht,
so daß ein hoher Automatisierungsgrad des Wicklers gewährleistet ist.
[0012] Die Ausrichtung der Ionisierungselektrode auf den Bahnanfang stellt sicher, daß der
Bahnanfang unmittelbar auf die leere Wickelhülse aufgebracht wird.
[0013] Die Anordnung der Ionisierungselektrode in Arbeitsrichtung vor den Schneidmessern
bewirkt eine intensive Beaufschlagung des Bahnanfangs und ein sofortiges Haften auf
der Wickelhülse.
[0014] Der die Schneideinrichtung und die Ionisierelektrode aufnehmende Träger wird linear
in die zu trennende Bahn mittels pneumatischer oder hydraulischer Hilfsmittel gefahren.
Alternativ kann jedoch auch ein Verschwenken des beispielsweise U-förmig ausgebildeten
Trägers um einen Drehpunkt in die laufende Bahn vorgesehen werden, wenn dieses aus
räumlichen Gründen vorteilhafter ist.
[0015] Die Ionisiereinrichtung kann eine Länge aufweisen, die über die Bahnbreite hinausragt
oder auch aus einzelnen Elektrodenteilen bestehen, um z. B. nur die seitlichen und
mittleren Bereiche der abgetrennten Folie auf der Wickelhülse zu halten. Ein bevorzugtes
Ausführungsbeispiel der Erfindung wird in der Zeichnung in stark schematisierter Weise
gezeigt und nachfolgend näher erläutert.
[0016] Es zeigen
Fig. 1 eine Wickeleinrichtung vor dem Schneidvorgang.
Fig. 2 die Wickeleinrichtung nach den Schneidvorgang.
Fig. 3 eine Ansicht auf den Schneidbalken von unten .
Fig. 4 einen Querschnitt durch den Schneidbalken mit Schneidmesser und Elektrode.
[0017] Auf einer Drehscheibe 1 sind zwei Wickelhülsen 3 und 4 sowie zwei Umlenkrollen 8
angeordnet. Auf der Wickelhülse 4 befindet sich ein voll gewickelter Wickelballen
5, während die Bahn um die leere Wickelhülse 3 in dieser Position der Wickeleinrichtung
umgelenkt wird.
[0018] Der Schwenkarm 9 wird mittels eines nicht dargestellten Drehkolbens um den Drehpunkt
20 in die in Fig. 1 gezeigte Position verschwenkt, wenn ein Wickelwechsel eingeleitet
werden soll.
[0019] Auf dem Schwenkarm 9 ist ein etwa U-förmig ausgebildeter Schneidbalken 10 (Fig. 3)
mit Seitenteilen 10a und 10b angeordnet und um den Drehpunkt 22 mittels des Pneumatikzylinders
25 verschwenkbar ausgebildet.
[0020] Der Schneidbalken 10 trägt das Schneidmesser 11 und einen Elektrodenkörper 13. In
den Elektrodenkörper 13 sind Elektrodenspitzen 14 angeordnet, die mittels der Verbindungsleitung
15 und dem Anschlußkabel 17 an eine nicht dargestellte Einrichtung zur Erzeugung einer
elektrischen Ladung angeschlossen sind.
[0021] Das Schneidmesser 11 (Fig. 4) ist mittels der Schrauben 12 an der einen Seite des
Schneidbalkens 10 befestigt. Auf der anderen Seite ist mittels der Schrauben 18 der
Elektrodenkörper 13 befestigt.
[0022] Bei der in Fig. 3 gezeigten bevorzugten Ausführungsform wird als gemeinsamer Träger
für die Schneid- bzw. Trenneinrichtung und die Einrichtung zum elektrostatischen
Aufladen der Bahn der Schneidbalken 10 eingesetzt. Bei dieser Ausführungsform kann
der als Träger ausgebildete Schneidbalken 10 auch linear, d. h. beispielsweise senkrecht
mittels Pneumatikzylinder in die laufende Bahn gefahren werden, um diese durchzutrennen
und den Bahnanfang an eine neue Wickelhülse anzuwickeln.
[0023] Während in Fig. 1 der laufende Wickelvorgang der Bahn auf die Wickelhülse 4 dargestellt
wird, erfolgt in der in Fig. 2 gezeigten Position der Trennvorgang.
[0024] Zu diesem Zweck wird mittels des Pneumatikzylinders 25 der Schneidbalken 10 um den
Drehpunkt 22 in die laufende Bahn 29 verschwenkt, so daß das Schneidmesser 11 zusammen
mit dem Gegenhalter 26 die Bahn durchtrennt.
[0025] Zusammen mit dem Schneidvorgang wird über die Elektrodenspitzen 14 eine starke Ionisierung
des abgeschnittenen Bahnanfangs 29a vorgenommen, die den Bahnanfang schlagartig auf
die leere Wickelhülse 3 zwingt.
[0026] Die Wickelhülse 3 wird durch die angetriebene Anlegewalze 2, die einen nicht gezeigten
Gummibelag aufweist, mitgeschleppt, so daß der abgeschnittene Bahnanfang 29a ohne
jegliche Verzögerung auf die leere Wickelhülse aufgewickelt wird.
[0027] Gleichzeitig wird das Bahnende 29b auf die volle Wickelhülse aufgewickelt. Die volle
Hülse 4 wird dann von den auf jeder Seite der Wickelhülsen 3 und 4 und der Umlenkrollen
8 angeordneten und diese aufnehmenden Drehscheiben 1 abgenommen und durch eine neue,
leere Wickelhülse ersetzt.
[0028] Dann fährt der Schwenkarm 9 nach unten aus dem Drehkreis der Drehscheibe 1 heraus.
Der Gegenhalter 26 wird durch den Pneumatikzylinder 27 angehoben, so daß die leere
Wickelhülse 4 durch eine Drehbewegung der Scheibe 1 in die in Fig. 1 gezeigten Stellung
der Wickelhülse 3 verschwenkt werden kann.
[0029] Durch diesen Verschwenkungsvorgang gelangt die Wickelhülse 3 mit dem angewickelten
Bahnanfang in die in Fig. 1 gezeigte Position der Hülse 4. Anschließend wird der
Schwenkarm 9 mit dem Träger bzw. dem Schneidbalken 10, 10a und 10b wieder in die
in Fig. 1 gezeigte Position hochgeschwenkt. Dabei versetzt die laufende Bahn die Umlenkrollen
6 und 7, die auf dem Schwenkarm 9 angeordnet sind, in Drehbewegung.
[0030] In dieser Position steht die Schneideinrichtung mit der Einrichtung zum elektrostatischen
Aufladen der Bahn für einen neuen Trennvorgang zur Verfügung.
Bezugszeichenliste:
[0031]
1 = Drehscheibe
2 = Anlegewalze
3 = Wickelhülse 1
4 = Wickelhülse 2
5 = voller Wickelballen
6 = Umlenkwalze
7 = Umlenkwalze
8 = Umlenkwalze
9 = Schwenkarm / -seitenteile
9a = Schwenkarm / -seitenteile
10 = Schneidbalken / -seitenteile
10a = Schneidbalken / -seitenteile
10b = Schneidbalken
11 = Schneidmesser
12 = Befestigungsschrauben für das Schneidmesser
13 = Elektrodenkörper
14 = Elektrodenspitzen
15 = Verbindungsleitung
16 = Hohlraum
17 = Anschlußkabel
18 = Befestigungsschraube für Elektrode
20 = Drehpunkt Schwenkarm
21 = Drehpunkt Zylinder im Schwenkarm
22 = Drehpunkt Schneidbalken im Schwenkarm
23 = Drehpunkt Kolbenstangenkopf am Schneidbalken
25 = Zylinder für Schneidbalken, für Schnittvorgang
26 = Gegenhalter, schwenkbar um Punkt 28
27 = Zylinder für Gegenhalter
28 = Drehpunkt für Gegenhalter
29 = Kunststoffolie
29a = Bahnanfang
29b = Bahnende
1. Aufwickelvorrichtung für Bahnen aus Kunststoff, Papier oder dergleichen mit einer
auf einem beweglichen Träger angeordneten Einrichtung zum Trennen der Bahn und Anwickeln
des Bahnanfanges für einen Wechsel der gefüllten Wickelhülse gegen eine leere Wickelhülse,
dadurch gekennzeichnet,
daß auf dem beweglichen Träger (10) eine Einrichtung zum elektrostatischen Aufladen
(13 - 18) der Bahn angeordnet ist, die mit ihrer Wirkrichtung auf den nach dem Trennvorgang
erhaltenen Bahnanfang ausgerichtet ist.
2. Aufwickelvorrichtung nach Anspruch 1 ,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einrichtung (13 - 18) zum Aufladen des Bahnanfangs als Ionisierelektrode (14)
ausgebildet und in Arbeitsrichtung vor der quer über der Bahn angeordneten Trenneinrichtung
(10, 11) angeordnet ist.
3. Vorrichtung nach Ansprüchen 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Ionisierelektrodeneinrichtung (13, 14, 15, 16) quer zur Laufrichtung der Bahn
angeordnet und die gesamte Bahnbreite überfassend ausgebildet ist.
4. Vorrichtung nach Ansprüchen 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Ionisierelektrode dreigeteilt ausgebildet und jeweils über die Bahnräder
und die Bahnmitte angeordnet ist.