(19)
(11) EP 0 334 353 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
27.09.1989  Patentblatt  1989/39

(21) Anmeldenummer: 89105241.7

(22) Anmeldetag:  23.03.1989
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4B21D 11/12, B21D 7/022
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE FR GB GR IT LI

(30) Priorität: 25.03.1988 DE 3810277
04.02.1989 DE 3903301

(71) Anmelder: EVG Entwicklungs- u. Verwertungs- Gesellschaft m.b.H.
A-8011 Graz (AT)

(72) Erfinder:
  • EVG Entwicklungs- u. Verwertungs- Gesellschaft m.b.H.
    A-8011 Graz (AT)

(74) Vertreter: Holzer, Walter, Dipl.-Ing. et al
Patentanwälte Schütz und Partner, Fleischmanngasse 9
1040 Wien
1040 Wien (AT)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren und Vorrichtung zum Biegen von vorzugsweise stabförmigem Material


    (57) Es wird ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Biegen von vorzugsweise stabförmigen Materialien (13) vorgeschlagen, um beliebige Biegeradien R und/oder Biegewinkel Z zu erzielen. Ohne daß eine Biegeschablone erforderlich ist, werden die Materialien (13) taktweise um einen Biegedorn (12) mit ein und derselben Biegerolle (19) gebogen.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Biegen eines Längenabschnitts B eines vorzugsweise stabförmigen Materials, insbesondere im wesentlichen auf einem Bogen eines Kreises mit dem Radius R um einen Winkel Z. Auch bezieht sich die Erfindung auf eine Vorrichtung zum Biegen eines Längenabschnittes B eines vorzugsweise stabförmigen Materials im wesentlichen auf einem Bogen eines Kreises mit dem Radius R um einen Winkel Z umfas­send eine Haltevorrichtung für das Material, eine Biegefläche und ein zwischen dieser und der Haltevorrichtung angeordnetes das Material axial ausrichtendes Gegenlager sowie ein Biegeelement.

    [0002] Ein Verfahren bzw. eine Vorrichtung der zuvor beschriebenen Art ist der EP-B 0 121 896 zu entnehmen. Dabei werden zwei einen Biegedorn und eine Biegekurbel umfassende Biegeschlitten be­nutzt, durch die das stabförmige Material wahlweise festgehalten bzw. gebogen wird. Ein Verschieben des Materials innerhalb der Vorrichtung selbst erfolgt nicht. Vielmehr werden die Biegeschlit­ten in Achsrichtung des Materials zu den Punkten verschoben, in denen eine Biegung durchgeführt werden soll. Um verschiedene Biegeradien herzustellen, ist es erforderlich, unterschiedliche Biegeschablonen zu benutzen. Hierdurch bedingt kann bei sich ändernden Stabmaterialdurchmessern bzw. herzustellenden Bie­gungen unterschiedlicher Geometrien weder ein hoher Durchsatz erreicht, noch ein automatisch ablaufender Biegeprozeß erfolgen.

    [0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung der eingangs genannten Art so auszubilden, daß ein im wesentlichen vollautomatischer Biegeprozeß unabhängig von den zu biegenden Stabmaterialiendurchmessern oder den ge­wünschten Biegegeometrien ermöglicht wird, wobei insbesondere ein Austausch von Biegeschablonen und/oder ein Verwenden von Biegeformen auf dessen Außenfläche das Material gebogen wird, nicht erforderlich ist. Auch soll eine hohe Maßgenauigkeit der gebogenen Längenabschnitte gewährleistet sein.

    [0004] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gelöst, das sich im wesentlichen dadurch auszeichnet, daß aneinander­stoßende, den Längenabschnitt B bildende Teilabschnitte A takt­weise nacheinander um einen Ist-Biegewinkel U/T gebogen wer­den, der der Summe aus Sollbiegewinkel Z/T und einem durch die Elastizität des stabförmigen Materials und/oder eine mechanische Trägheit einer die Biegekraft bewirkenden Vorrichtung bestimmten Rückstellwinkel RW entspricht. Insbesondere zeichnet sich die Erfindung dadurch aus, daß in T Biegetakten nacheinander der Länge B/T entsprechende Teilabschnitte A um einen Ist-­Biegewinkel (Teilwinkel) U/T gebogen wird, wodurch nach Been­digung der Biegung der bleibende Soll-Biegewinkel Z/T gewähr­leistet ist.

    [0005] Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann stufenlos jeder gewünschte Biegeradius R und jeder Winkel (Gesamtbiegewinkel) Z gebogen werden, ohne daß ein Einsatz verschiedener Schablonen und/oder Biegeformen in Abhängigkeit von den Stabmaterialien­durchmessern bzw. dem Biegeradius notwendig ist. Dabei kann unter Berücksichtigung der erfindungsgemäßen Lehre, die auch durch die nachstehenden Formeln realisiert wird, mittels z.B. eines Computerprogrammes die Taktanzahl und/oder die Schublän­ge, also die Strecke, um die das Material von Teil- oder Taktbiegevorgang zu Teil- oder Taktbiegevorgang zu verschieben ist, und/oder die auf das Stabmaterial einzuwirkende Biegekraft (Drehmoment) ablaufmäßig gesteuert werden. Die zu berücksichti­genden Relationen lauten wie folgt:

    [0006] Bei vorgegebenem Winkel (Gesamtbiegewinkel) Z, Biegeradius R und Taktanzahl T ergibt sich:

    a) Teilabschnitt

    b) Soll-Teilbiegewinkel (bleibender) X = Z/T

    c) Längenabschnitt = Kreisbogen = Schublänge B
    B = 2R x π x Z/360°

    d) Ist-Teilbiegewinkel (tatsächlich zu biegender)
    U/T = Z/T + RW
    mit RW = Rückstellwinkel = f (Elastizität des Materials, mech. Trägheit der Biegevorrichtung).



    [0007] Die zuvor wiedergegebenen der Flächengeometrie gehorchenden Bedingungen lassen unmittelbar erkennen, wie in Abhängigkeit von sich änderndem Biegeradius und/oder Winkel und/oder Takt­anzahl die Länge der Teilabschnitte A bzw. Soll-Teilbiegewinkel x bzw. Ist-Biegewinkel U zu ändern sind.

    [0008] Der Ist-Biegewinkel berücksichtigt sowohl die Elastizität des Materials (Rückstellkräfte) als auch die mechanische Trägheit der Biegevorrichtung. Unter mechanischer Trägheit wird dabei der Umstand berücksichtigt, daß auch nach Auslösen eines Stopp­signals das die Biegung hervorrufende Biegeelement nachläuft, so daß infolgedessen der Biegevorgang nicht sprunghaft unterbro­chen wird. Diese "Nachlauf"-Biegung muß mitberücksichtigt werden, um den Ist-Biegewinkel so zu bestimmen, daß der blei­bende Biegewinkel dem Soll-Biegewinkel entspricht.

    [0009] Bei der Erfassung der Biegewinkel muß selbstverständlich auch der Durchmesser des Materials eingehen (Ermittlung der neutralen Phase). Erfindungsgemäß wird der Durchmesser des Materials dadurch bestimmt, daß der Verschiebeweg des Biegeelementes von einer Null-Linie, die mit der Mittelachse des zu biegenden Ma­terials übereinstimmt, zur Außenfläche des Materials, an der das Biegeelement anliegt, ermittelt wird.

    [0010] Durch die erfindungsgemäße Lehre ist es nicht erforderlich, daß für unterschiedliche Stabmaterialien und Biegegeometrien ver­schiedene Biegedorne und/oder Biegeelemente und/oder Biege­schablonen benutzt werden müssen. Vielmehr können die wirksame Biegefläche und das Biegeelement wie z.B. Biegekurbel oder Biegestein unverändert benutzt werden, so daß sich infolgedessen ein materialunabhängiges Biegen ergibt.

    [0011] Der Rückstellwinkel wird erfindungsgemäß dadurch ermittelt, daß nach dem ersten Biegevorgang die Differenz zwischen dem Ist- und Soll-Teilbiegewinkel durch vorzugsweise die Lageveränderung des Biegeelementes (z.B. Hubdifferenz) bestimmt wird, so daß die sich ergebende Differenz bei den weiteren Biegetakten zu dem Soll-Teilbiegewinkel automatisch addiert werden kann.

    [0012] Eine Vorrichtung zum Biegen vorzugsweise stabförmigen Materials zeichnet sich dadurch aus, daß der Längenabschnitt B durch Biegen von aufeinanderfolgenden Teilabschnitten A biegbar ist, die durch sukzessives Verschieben des Materials relativ zum Biegeelement, vorzugsweise mittels der Haltevorrichtung der Biegekraft aussetzbar sind, wobei das zur Beaufschlagung des Längenabschnitts mit einer einstellbaren Biegekraft das Biegeele­ment entweder um einen mit dem Mittelpunkt des Bogens nicht identischen Drehpunkt schwenkbar ist oder linear verschiebbar ausgebildet ist. Bei der Verwendung einer Biegekurbel ist die erforderliche Biegekraft dann insbesondere günstig einzuleiten, wenn der Drehpunkt der Biegekurbel auf der dem Mittelpunkt des Kreises gegenüberliegenden Seite des stabförmigen Materials liegt.

    [0013] Alternativ kann das Biegeelement als Biegestein ausgebildet sein, der beim Biegen eine rein translatorische Bewegung vorzugsweise senkrecht zur Tangente im Berührungspunkt mit dem Material ausführt.

    [0014] Insbesondere zeichnet sich die Vorrichtung auch dadurch aus, daß die Haltevorrichtung das stabförmige Material haltende Klemm­backen aufweist und das Material der Anzahl T der durchzu­führenden Teilbiegungen entsprechend absatzweise in Richtung des Biegeelements um eine Strecke A verschiebt, die dem Quo­tienten aus dem Längenabschnitt B und der Anzahl T entspricht. Selbstverständlich kann die Bewegung auch entgegengesetzt erfolgen.

    [0015] Ferner ist vorgesehen, daß die wirksame Biegefläche einen Radius aufweist, der kleiner als der kleinste Radius des zu biegenden Längenabschnitts B/T ist.

    [0016] Zusammenfassend kann die erfindungsgemäße Lehre auch wie folgt charakterisiert werden. Es wird ein Verfahren zum Biegen eines Abschnitts eines vorzugsweise stabförmigen Materials zu einem gewünschten Sollbogen vorgeschlagen, das sich dadurch auszeich­net, daß das Verformen in einem geschlossenen Regelkreis derart durchgeführt wird, daß zur Erzielung des Sollbogens neben einer Istbiegung zumindest eine durch die Elastizität des Materials bestimmte Stellgröße berücksichtigt wird.

    [0017] Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale der Erfindung erge­ben sich nicht nur aus den Ansprüchen, den diesen zu entneh­menden Merkmalen -für sich und/oder in Kombination-, sondern auch aus der nachfolgenden Berschreibung eines in der Zeichnung schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels.

    [0018] Es zeigen:

    Fig. 1 eine erste Ausführungsform einer Vorrichtung zum Biegen von vorzugsweise stabförmigem Material,

    Fig. 2 eine zweite Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung und

    Fig. 3 und 4 die Vorrichtung nach Fig. 2 in unterschiedlichen Arbeitspositionen.



    [0019] Bei der nachfolgenden Erläuterung der den Figuren zu entneh­menden Ausführungsbeispiele sind gleiche Elemente mit gleichen Bezugszeichen bzw. Buchstaben versehen.

    [0020] In Fig. 1 ist eine Prinzipdarstellung einer Vorrichtung und eines mit dieser durchzuführenden Verfahrens wiedergegeben, um ein stabförmiges Material (13) über einen Längenabschnitt B um einen Biegeradius R -bezogen auf die neutrale Phase- und einen Winkel Z zu biegen. Hierzu wird das stabförmige Material (13) wie Be­wehrungsstahl von einer als Anpreßeinheit (9) bezeichneten Haltevorrichtung mittels Haltebacken (10) erfaßt und axial zwi­schen einer Biegefläche wie Biegedorn (12) und einem zur Ein­stellung auf unterschiedliche Stabmaterialiendurchmesser gegebe­nenfalls z.B. hydraulisch verstellbaren Gegenlager (11) geführt. Der Biegedorn (12) liegt zwischen dem stabförmigen Material (13) und dem Mittelpunkt des Kreises mit dem Radius R. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine ein Biegeelement in Form einer Biegerolle (19) aufweisende Biegekurbel angeordnet. Die Biegerol­le (19) ist dabei um eine durch einen Gelenkbolzen (20) bestimmte Achse drehbar. Die Biegerolle (19) ist ihrerseits um eine Achse schwenkbar, um auf das stabförmige Material eine Biegekraft auszuüben. Die Biegerolle (19) mit der Achse (14) ist ein Teil einer sogenannten Biegeschwinge (17), die über einen Anlenk­punkt (16) mit einem Biegeantrieb N verbunden ist, um beim Biegevorgang selbst eine Kraft in Richtung des Pfeils E hervor­zurufen und beim Verschieben des stabförmigen Materials (13) in Richtung des Pfeils F zurückgezogen zu werden. Dabei erfolgt die Krafteinwirkung bzw. das Zurückziehen in Abhängigkeit davon, ob die Haltevorrichtung (9) einem Schubantrieb M unterworfen und somit in Richtung des Pfeils G bewegbar ist oder nicht. Diese Verknüpfung wird in der Zeichnung durch die Bezugszeichen (15) und (18) angedeutet.

    [0021] Zu der Biegeschwinge (17) ist noch zu bemerken, daß diese auf einer Grundplatte (8) angeordnet ist und zumindest zwei einen Winkel beschreibende Schenkel umfaßt, von denen einer die Verbindung zwischen der Achse (14) und dem Gelenkbolzen (20) und die andere durch die Verbindung zwischen der Achse (14) und dem Anlenkpunkt (16) gebildet wird.

    [0022] Um nun das stabförmige Material (13) um einen Längenabschnitt B um den Biegeradius R über den Winkel Z zu verbiegen, findet folgender Ablauf eines Biegevorganges statt.

    [0023] Das stabförmige Material (13) wird zwischen den offenen Backen (10) der Haltevorrichtung (9) und zwischen dem Gegenlager (11) und dem Biegedorn (12) eingelegt. Sodann wird durch eine An­preßkraft K das stabförmige Material (13) in Richtung des Pfeils J zwischen den Anpreßbacken (10) der Haltevorrichtung (9) festge­legt. Diese Fixierung erfolgt während des ganzen Biegevorganges.

    [0024] Mittels der Biegeschwinge (17) und damit der Biegerolle (19) und einer durch den Antrieb N in Richtung des Pfeils E hervorgeru­fene und in der Zeichnung durch das Bezugszeichen L repräsen­tierte Biegekraft wird das stabförmige Material um einen auch als Taktwinkel zu bezeichnenden Teilbiegewinkel X gebogen. Hier­durch bedingt wird das freie Ende des stabförmigen Materials (13) von der Stellung (1) in die Stellung (2) verbogen. Der Teilbiege­winkel X soll dabei dem bleibenden, also dem Soll-Biegewinkel entsprechen, gleichwenn beim Biegen selbst der tatsächliche Biegewinkel (U/T) größer ist, um den elastischen Rückstellkräften des gebogenen Materials sowie der mechanischen Trägheit der Biegeschwinge (17) Rechnung zu tragen. Nach erfolgter Biegung wird die Biegeschwinge (17) und somit die Biegerolle (19) um den Winkel Y mittels des Biegeantriebs N in Richtung des Pfeils F zurückbewegt. Der erste Biegetakt ist beendet. Sodann wird die Haltevorrichtung (9) in Richtung des Pfeiles G mittels des Schubantriebs M um eine Länge (Taktlänge) A verschoben. Sobald diese Position erreicht ist, wird die Biegeschwinge (17) und damit die Biegerolle (19) in Richtung des Pfeils verschwenkt, um so eine Biegekraft L zu applizieren. Ein erneuter Biegewinkel X wird gebogen, der zwischen den Strahlen (2) und (3) verläuft.

    [0025] In zuvor beschriebener Weise wiederholen sich dann die weiteren Teilbiegevorgänge, bis der durch die Strahlen (6) und (7) ver­deutlichte sechste Biegetakt ausgeführt und der Längenabschnitt B des stabförmigen Materials (13) um den Biegeradius R und dem Winkel Z gebogen ist. Sodann werden die Anpreßbacken (10) der Haltevorrichtung (9) gelöst und daß gebogene Material kann entnommen werden. Anschließend wird in Richtung des Pfeils H die Haltevorrichtung (9) in die Ausgangsposition C zurückbewegt. Dieser Weg entspricht der Schublänge B, der dem zu verbiegen­den Längsabschnitt auf dem Bogen des Kreises mit dem Radius R entspricht. Entsprechend der beschriebenen Biegetakte (insgesamt sechs) wird der Längenabschnitt in sechs gleiche Teilabschnitte A unterteilt, wie es in der zeichnerischen Darstellung verdeutlicht ist.

    [0026] Entsprechend der zuvor beschriebenen mathematischen Bezie­hungen erfolgt das Stabmaterial unterschiedlichen Durchmessers, um gewünschte Winkel Z bzw. Radien R zu verbiegen, ohne daß Biegeschablonen oder Biegeformen (-entsprechend der mit dem in der Figur dargestellten Radius 0-) oder eine Veränderung der Biegeschwinge (17) mit Biegerolle (19) und Drehpunkt (1) erfor­derlich ist.

    [0027] In Ausgestaltung kann die Biegeschwinge mit Biegerolle durch einen Biegestein ersetzt werden, der entlang der gestrichelten Linie, also entlang des Pfeils (21) verschiebbar ist, um so durch Wechselwirken mit dem stabförmigen Material (13) die Teilbie­gungen im gewünschten Umfang vorzunehmen.

    [0028] Um den für das Berechnen der Biegewinkel erforderlichen Durch­messer des Stabmaterials zu erfassen, wird der Stellweg zwischen einer durch die Vorrichtung vorgegebenen und mit der Mittelachse (22) des Materials (13) zusammenfallenden Null-Linie zu dem tatsächlichen Berührungspunkt des Biegesteins mit dem nicht gebogenen Material erfaßt. Auch wird der zur Berechnung des Ist-Biegewinkels notwendige Rückstellwinkel dadurch ermittelt, daß der Biegestein -wie im übrigen auch die Biegerolle- im stän­digen Kontakt mit dem stabförmigen Material vor und nach einem Biegetakt bleibt, so daß aus den unterschiedlichen Positionen unmittelbar der durch die Elastizität des Materials und die mechansiche Trägheit der Vorrichtung vorgegebene Rückstellwin­kel ermittelt werden kann.

    [0029] Zu erwähnen ist noch, daß die wirksame Biegefläche des Biege­dorns (12) einen Radius aufweisen muß, der kleiner als der kleinste Radius des gebogenen Materials ist, um beliebige Materia­lien im gewünschten Umfang biegen zu können, ohne daß ein Austausch des Biegedorns (12) bzw. des Biegesteins oder der Biegerolle erforderlich ist.

    [0030] Den Fig. 2 bis 4 sind ebenfalls die die Erfindung kennzeichnen­den Merkmale klar erkennbar zu entnehmen. Dabei erfolgt das Verbiegen des stabförmigen Materials (13) mittels eines Biegeele­ments in Form eines Biegesteins (19), der entlang einer Geraden verschiebbar angeordnet ist. Vorzugsweise erfolgt ein hydrau­lischer Antrieb für die Bewegung des Biegesteins (19), wobei eine Kupplung mit dem Gegenlager (11) gegeben sein kann. Mit ande­ren Worten werden synchron Gegenlager (11) und Biegeelement in Form des Biegesteins (19) auf das stabförmige Material (3) bis zu deren Anliegen an diesem bewegt. Sodann folgt durch weiteres Verschieben des Biegesteins (19) ein Verbiegen des Materials um den Winkel U : T, um zu dem bleibendem Biegewinkel X zu ge­langen, der dem Biegehub Y entspricht. Die Differenz zwischen dem Ist-Biegewinkel U/T und dem Soll-Biegewinkel X entspricht dem Rückstellwinkel RW, der durch die Elastizität des Materials (13) und gegebenenfalls der mechanischen Trägheit der die Bie­gekraft applizierenden Vorrichtung bestimmt ist.

    [0031] Der Biegestein (19) ist um eine Achse (20) verschwenkbar ausge­bildet, um eine flächige Auflage auf dem Material (13) zu ermögli­chen.

    [0032] Zu der Haltevorrichtung (9) ist des weiteren zu bemerken, daß eine der Klemmbacken eine Profilierung aufweist, um sicherzustel­len, daß beim Verbiegen des Materials ein Verrutschen zu der Haltevorrichtung nicht möglich ist.

    [0033] Wie die Fig. 3 und 4 des weiteren verdeutlichen, ist die Haltevor­richtung (9) mittels eines Zylinders M zu dem Biegeelement (12) verschiebbar, wobei dieses Verschieben taktweise erfolgt. Alter­nativ besteht selbstverständlich auch die Möglichkeit, die eigent­liche Biegevorrichtung zu der Haltevorrichtung (9) zu bewegen und/oder die Haltevorrichtung (9) und die Biegevorrichtung aufeinanderzu zu verschieben.

    [0034] Um den Radius des zu biegenden Materials (13) zu bestimmen, wird der Meßhub P des Biegesteins (19) benutzt, der von einer Nullinie, die in festem Bezug auf die Nullinie des Materials (13) steht, bis zum Anliegepunkt auf das Material verschoben. Diese Anliegefläche weist dann zu der Biegefläche (12) einen Abstand S auf, der dem Durchmesser des Materials entspricht. Aus der Differenz der Nullage und dem Verstellhub P ergibt sich dann unmittelbar der Materialdurchmesser.

    [0035] In der Fig. 2 ist mit dem Bezugszeichen Q die Verstellachse des Gegenlagers (11) bezeichnet, die parallel zu der Bewegungsrich­tung V des Biegeelementes (19) verläuft.

    [0036] Der Mittelpunkt des Biegeradius R liegt auf der Geraden W, die ihrerseits senkrecht zur Längsachse des Materials (13) verläuft, um so die geometrischen Beziehungen der zu biegenden Winkel aus der Zeichnung klar ablesen zu können.

    [0037] Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann nicht nur entgegen dem Uhrzeigersinn, sondern auch im Uhrzeigersinn gebogen werden. In diesem Fall müssen nur Biegeelement (19) und Gegenlager (11) sowie Biegefläche (12) in ihren Funktionen aus­getauscht werden.

    [0038] Ferner ist auf folgendes ergänzend hinzuweisen. Durch spaltfreie Anpressung des Biegematerials (22) mittels des Gegenlagers (11) gegen den feststehenden Biegedorn (12) wird eine Ausbiegung des Biegematerials zwischen dem Gegenlager (11) und dem Biege­element (Biegerolle) (19) verhindert. Diese Ausbiegung könnte andernfalls nicht erfaßt werden, so daß die tatsächliche Rück­stellgröße verfälscht würde.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Biegen eines Längenabschnitts B eines vor­zugsweise stabförmigen Materials,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß aneinanderstoßende den Längenabschnitt B bildende Teilabschnitte A taktweise nacheinander um einen Ist-­Biegewinkel U/T gebogen werden, der der Summe aus Soll-­Biegewinkel Z/T und einem durch die Elastizität des stabförmigen Materials und/oder eine mechanische Trägheit einer die Biegekraft bewirkenden Vorrichtung bestimmten Rückstellwinkel RW entspricht.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Längenabschnitt B im wesentlichen auf einem Bogen eines Kreises mit dem Radius R um einen Winkel Z gebogen wird,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß in T Biegetakten nacheinander jeder der der Länge B/T entsprechenden Teilabschnitte A um den Ist-Biegewinkel (Teilwinkel) U/T gebogen wird.
     
    3. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden An­sprüche,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Durchmesser des Materials durch den Verschiebeweg eines auf das Material einwirkenden, die Biegung bewirken­den oder das Material klemmenden Elements aus einer Null­lage zur Anlage an das ungebogene Material bestimmt wird.
     
    4. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden An­sprüche,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Material um eine gekrümmte Biegefläche mit einem Radius gebogen wird, der kleiner als der kleinste Radius des zu biegenden Längenabschnitts ist.
     
    5. Verfahren nach zumindest Anspruch 3,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das die Biegung bewirkende Element während des Biege­vorgangs entlang einer Geraden verschoben wird.
     
    6. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden An­sprüche,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zur Ermittlung des Rückstellwinkels RW nach dem ersten Biegetakt die Abweichung zwischen dem Ist- und dem Soll-­Biegewinkel U/T bzw. Z/T bestimmt wird.
     
    7. Verfahren nach zumindest einem der vorhergehenden An­sprüche,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Rückstellwinkel RW durch den Hub des die Biegung bewirkenden Elementes dadurch bestimmt wird, daß die Hubdifferenz des Elements in an das Material anliegender Stellung zwischen Soll- und Istwinkel gemessen wird.
     
    8. Verfahren zum Verformen eines Abschnitts eines vorzugswei­se stabförmigen Materials zu einem gewünschten Sollbogen,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Verformen in einem geschlossenen Regelkreis derart durchgeführt wird, daß zur Erzielung des Sollbogens neben einer Istbiegung zumindest eine durch die Elastizität des Materials bestimmte Stellgröße berücksichtigt wird.
     
    9. Vorrichtung zum Biegen eines Längenabschnitts B eines vorzugsweise stabförmigen Materials (13) im wesentlichen auf einem Bogen eines Kreises mit dem Radius R um einen Winkel Z umfassend eine Haltevorrichtung (9) für das stabförmige Material, eine Biegefläche (12) und ein zwischen dieser und der Haltevorrichtung angeordnetes das Material axial aus­richtendes Gegenlager (11) sowie ein Biegeelement (19, 20, 14),
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Längenabschnitt B durch Biegen von aufeinanderfol­genden Teilabschnitten A biegbar ist, die durch sukzessives Verschieben des stabförmigen Materials (13) relativ zum Biegeelement der Biegekraft aussetzbar sind, wobei das zur Beaufschlagung des Längenabschnitts mit einer einstellbaren Biegekraft erforderliche Biegeelement (19) entweder um eine außerhalb des zwischen dem gebogenen Längenabschnitt und dem Mittelpunkt des Kreises verlaufenden Bereichs angeord­neten Drehpunkt schwenkbar oder linear verschiebbar aus­gebildet ist.
     
    10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das stabförmige Material (13) mittels der Haltevorrich­tung (9) verschiebbar ist.
     
    11. Vorrichtung nach Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Haltevorrichtung (9) das stabförmige Material (13) haltende Klemmbacken (10) aufweist und das Material der Anzahl T der durchzuführenden Teilbiegungen entsprechend absatzweise in Richtung des Biegedorns (12) um eine Strecke A verschiebt, die dem Quotienten aus dem Längenabschnitt B und der Anzahl T entspricht.
     
    12. Vorrichtung nach zumindest Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Biegeelement (19) zur Erfassung der elastischen Rückstellung des stabförmigen Materials (13) und/oder der mechanischen Trägheit und/oder zur Ermittlung des Durch­messers des Materials im wesentlichen sich in dauerndem Kontakt mit dem Material befindet.
     
    13. Vorrichtung nach zumindest Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die wirksame Biegefläche einen Radius aufweist, der kleiner als der kleinste Radius des zu biegenden Längenab­schnitts B/T ist.
     
    14. Vorrichtung nach zumindest Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Haltevorrichtung (9), der Gegenhalter (11), die Biegefläche und das Biegeelement (19) von einer stationären Grundeinheit wie Grundplatte (8) ausgehen.
     
    15. Vorrichtung nach zumindest Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Gegenlager (11) und das Biegeelement (19) vorzugs­weise druckverbunden zur Anlage an das Material (13) gelangen.
     
    16 Vorrichtung nach zumindest Anspruch 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Biegeelement (19) und die Biegefläche in ihren Funktionen austauschbar sind.
     




    Zeichnung













    Recherchenbericht