(19)
(11) EP 0 378 757 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
25.07.1990  Patentblatt  1990/30

(21) Anmeldenummer: 89119453.2

(22) Anmeldetag:  20.10.1989
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B27N 5/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT DE FR GB LU NL

(30) Priorität: 20.01.1989 DE 3901572

(71) Anmelder: RÜTGERSWERKE AKTIENGESELLSCHAFT
60326 Frankfurt (DE)

(72) Erfinder:
  • Jenniges, Norbert
    D-4330 Mülheim 1 (DE)
  • Kropff, Hubertus
    D-4650 Gelsenkirchen (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung von gepressten Profilkörpern


    (57) Es wird ein neues Verfahren und eine Vorrichtung vorgeschlagen, um eine rieselfähige, nicht steigfähige Preßmasse aus Füllstoffen und einem wärmehärtbaren Bindemittel ohne die Herstellung eines Vorpreßlings in jeweils einem Formwerkzeug herzustellen. Die Vorrichtung ist mit zwei horizontal verfahrbaren Preßwerkzeugunterteilen (4,5) versehen, von denen jeweils das eine gefüllt wird, während mit Hilfe des anderen die Preßmasse in das Heißpreßwerkzeugoberteil (2) eingepreßt und dort zu einem Formkörper ausgehärtet wird.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von gepreßten Profilkörpern aus einem nicht steigfähigen Gemisch von mit einem wärmehärtbaren Bindemittel vermischten Füllstoffen. Aus der DE-PS 23 09 975 ist ein solches Verfahren bekannt, bei dem das Gemisch in der Weise vorgepreßt und anschließend zu seiner endgültigen Form in einer Heißpresse ausgehärtet wird, daß ein mit dem unverdichteten Gemisch gefülltes, kaltes Preßwerkzeugunterteil in eine Presse eingefahren und dort beim Schließen der Presse unter gleichzeitigem Vorpressen in deren heißes Preßwerkzeugoberteil gepreßt wird, daß dann anstelle des ersten Preßwerkzeugunterteils ein zweites, heißes Preßwerkzeugunterteil eingefahren wird.

    [0002] Das nicht steigfähige Gemisch besteht häufig aus lignozellulosehaltigen Faserstoffen, wie zerkleinerten und getrockneten Holzspänen, Bagassefasern u. ä. , die mit einem wärmehärtbaren Kunstharz, wie Melamin-, Harnstofformaldehyd- oder Phenolformaldehydharz vermischt sind. Anstelle der zerkleinerten und getrockneten Holz- oder Bagassefasern können aber auch Fasern anderer Werkstoffe, wie Glasfasern, Steinwolle allein oder mehrere derselben gemischt verwendet werden, denen entsprechende, vorzugsweise organische Bindemittel zugesetzt sind.

    [0003] Das bekannte Verfahren ist für die Herstellung von relativ kleinen Profilkörpern, wie beispielsweise Ronden ab einem Durchmesser von fünf Zentimeter oder aus Ringen und Verbindungsstegen mit geringen Wandstärken bestehende gitterartige Netzwerke, wie Ziergitter oder Deckenrasterelemente vorgesehen. Die nach diesem Verfahren hergestellten Formkörper haben eine einwandfrei geformte Sichtfläche und sind qualitativ ausreichend, auch wenn die Rückseite im allgemeinen durch Schleifen oder Fräsen nachgearbeitet werden muß. Das Verfahren ist jedoch sehr aufwendig, da es, wie alle bekannten Verfahren, zumindest zweistufig arbeitet, d. h. mit einem Vorpreß- und einem Heißpreßwerkzeug. Die Weiterentwicklung dieses Verfahrens (EP 0 177 628 A1) , bei dem der Vorpreßling zweimal umgesetzt wird, ist noch aufwendiger gestaltet.

    [0004] Es bestand daher die Aufgabe, ein weniger zeit- und kostenaufwendiges Verfahren für die Herstellung der beschriebenen Formkörper zu entwickeln, mit dem diese ohne nicht vertretbare Qualitätseinbußen herstellbar sind.

    [0005] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gelöst, bei dem ein mit der Preßmasse gefülltes, kaltes Preßwerkzeugunterteil in die Heißpresse eingefahren wird, dort beim Schließen der Heißpresse die Preßmasse unter gleichzeitiger Vorverdichtung in ein Heißpreßwerkzeugoberteil gedrückt und ohne Wechsel des Preßwerkzeugunterteils in seine endgültige Form gepreßt und ausgehärtet wird.

    [0006] Es hat sich gezeigt, daß es bei Profilkörpern mit einer Wandstärke bis etwa 2 cm nicht erforderlich ist, zunächst einen Vorpreßling herzustellen, der dann in einer Presse mit heißem Preßwerkzeugunter- und -oberteil in seine endgültige Form gepreßt und ausgehärtet werden muß. Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltenen Formkörper haben eine gratfreie, glatte Sichtfläche und eine ausreichende Festigkeit. Die dem Preßwerkzeugunterteil zugewandte rückseitige Fläche kann ggf. durch Schleifen oder Fräsen nachgearbeitet werden.

    [0007] Zur Durchführung des neuen Verfahrens dient gemäß der weiteren Erfindung eine Vorrichtung, bei dem die Heißpresse mit einem heb- und senkbaren, beheizbarem Heißpreßwerkzeugoberteil und zwei Preßwerkzeugunterteilen ausgestattet ist, wobei die Preßwerkzeugunterteile abwechselnd unter dem Heißpreßwerkzeugoberteil verfahrbar angeordnet sind, in das Heißpreßwerkzeugoberteil der Raumform des Profilkörpers entsprechende Vertiefungen eingelassen sind, die von einen die Höhe jeder Vertiefung vergrößernden Rand umgeben sind, und jedes Preßwerkzeugunterteil mit der Preßmasse anzufüllende Hohlräume und einen diese umgebende Rahmen aufweist, der mit einer umsteuerbaren Heb- und Senkeinrichtung versehen ist, bei der der Rahmen beim Pressen soweit absenkbar ist, daß die Böden der Hohlräume, die Preßmasse so weit in die Vertiefungen des Heißpreßwerkzeugoberteils einpressen können, daß der Profilkörper auf seine endgültige Form verdichtet wird.

    [0008] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert. Die Fig. zeigt schematisch die Seitenansicht einer Ausführungsform der Vorrichtung zur Ausübung des Verfahrens.

    [0009] In dem Rahmen 1 der Presse ist das Heißpreßwerkzeugoberteil 2 absenkbar befestigt. Auf dem Pressentisch 3 sind miteinander horizontal verschiebbar die Preßwerkzeugunterteile 4 und 5 angeordnet.

    [0010] Das Preßwerkzeugunterteil 4 ist in Füllposition gezeigt und besitzt einen die mit der Preßmasse anzufüllenden Hohlräume 6 umgebenden Rahmen 7, der - wie durch die Federn 8 angedeutet - mit einer umsteuerbaren Hebe- und Senkvorrichtung versehen ist. Der Rahmen 7 kann, wie durch die Bohrungen 9 angedeutet, mit einer Kühlung versehen sein. In dem Heißpreßwerkzeugoberteil 2 sind die der Form des Profilkörpers entsprechenden Vertiefungen 10 eingelassen. Durch den unten am Heißpreßwerkzeugoberteil 2 angesetzten Rand 11 ist die Höhe der Vertiefung vergrößert. In die am Rand 11 freigelassenen Flächen passen genau die Böden 12 der Hohlräume 6 der Preßwerkzeugunterteile 4 und 5. Das Heißpresswerkzeugoberteil ist mit Heizschlangen 13 versehen.

    [0011] Das neue Verfahren zur Herstellung von gepreßten Profilkörpern wird nun in folgender Weise durchgeführt:

    [0012] In das Preßwerkzeugunterteil 5 wird eine solche Menge an Preßmasse eingefüllt, daß die Hohlräume 6 vollständig gefüllt sind. Anschließend wird das Preßwerkzeugunterteil 5 horizontal so weit verfahren, bis die Hohlräume 6 und die Vertiefungen 10 in dem Heißpreßwerkzeugoberteil 2 fluchten, und dann das Heißpreßwerkzeugoberteil 2 abgesenkt. Sobald es das Preßwerkzeugunterteil 5 erreicht hat, nimmt es dessen Rahmen 7 mit. Dabei wird die in den Hohlräumen 6 befindliche Preßmasse zunehmend verdichtet und in vorverdichteter Form in die Vertiefungen 10 gepreßt. Wenn das Heißpreßwerkzeugoberteil 2 seine unterste Lage erreicht hat, sind die Böden 12 soweit in die am Rande 11 freigelassenen Flächen eingedrungen, daß die Preßmasse in den Vertiefungen 10 auf ihre endgültige Form verdichtet ist und von den im Heißpreßwerkzeugoberteil 2 eingeschalteten Heizungen 13 ausgehärtet wird. Die fertigen Profilkörper werden anschließend von den Ausstoßern 14 ausgeworfen.

    [0013] Während des Preß- und Härtungsvorganges wird das Preßwerkzeugunterteil 4 mit der Preßmasse gefüllt und wird nun in die Presse verfahren, wobei das Preßwerkzeugunterteil 5 die gestrichelte Position einnimmt, wo der Profilkörper entnommen und Preßmasse für den nächsten Zyklus eingefüllt wird.

    [0014] Vorteile des neuen Verfahrens sind geringere Werkzeugkosten und eine verkürzte Taktzeit.

    [0015] In einer besonderen Ausgestaltung der Vorrichtung können die Böden 12 der Hohlräume 6 in den Preßwerkzeugunterteilen mit einer Beheizung und/oder einer Kühleinrichtung versehen sein.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Herstellung von gepreßten Profilkörpern aus einer rieselfähigen, nicht steigfähigen Formmasse aus mit einem wärmehärtbaren Bindemittel vermischten Füllstoffen, wobei die Formmasse in ein Preßwerkzeugunterteil dosiert, in einem Heißpreßwerkzeugoberteil geformt und ausgehärtet, und der Profilkörper aus der Presse ausgestoßen wird, dadurch gekennzeichnet, daß ein mit der Preßmasse gefülltes kaltes Preßwerkzeugunterteil in die Heißpresse eingefahren wird, dort beim Schließen der Heißpresse die Preßmasse unter gleichzeitiger Vorverdichtung in ein Heißpreßwerkzeugoberteil gedrückt und ohne Wechsel des Preßwerkzeugunterteils in seine endgültige Form gepreßt und ausgehärtet wird.
     
    2. Vorrichtung zur Ausübung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Heißpresse mit einem heb- und senkbaren, beheizbaren Heißpreßwerkzeugoberteil (2) und zwei Preßwerkzeugunterteilen (4, 5) ausgestattet ist, wobei die Preßwerkzeugunterteile (4, 5) abwechselnd unter dem Heißpreßwerkzeugoberteil (2) verfahrbar angeordnet sind, in das Heißpreßwerkzeugoberteil (2) der Raumform des Profilkörpers entsprechende Vertiefungen (10) eingelassen sind, die von einem die Höhe jeder Vertiefung (10) vergrößernden Rand (11) umgeben sind, und jedes Preßwerkzeugunterteil (4, 5) mit der Preßmasse anzufüllende Hohlräume (6) und einen diese umgebenden Rahmen (7) aufweist, der mit einer steuerbaren Heb- und Senkvorrichtung versehen ist, bei der der Rahmen (7) soweit absenkbar ist, daß die Böden (12) der Hohlräume (6) die Preßmasse so weit in die Vertiefungen (10) des Heißpreßwerkzeugoberteils (2) einpressen können, daß der Profilkörper auf seine endgültige Form verdichtet wird.
     
    3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Rahmen (7) des Preßwerkzeugunterteils (4, 5) mit einer Kühlung (9) versehen ist.
     
    4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Böden (12) des Preßwerkzeugunterteils (4, 5) mit einer Beheizung und/oder einer Kühlung versehen sind.
     




    Zeichnung