[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen Schutzmantel zum Schutz von Anoden-Stromzuführungselementen
von Elektrolysezellen für die Aluminiumherstellung der im Oberbegriff des Anspruches
1 genannten Gattung.
[0002] Derartige Schutzmäntel sind bereits bekannt (CH-PS 625 560, DE-AS 2 547 061). Sie
dienen dazu, die Stromzuführungselmente zu den eigentlichen Anoden, die vorwiegend
aus Elektrodenkohle (Anodenkohle) bzw. Blockanoden bestehen, gegenüber dem Elektrolytbad
zu schützen. Da die Stromzuführungselemente vielfach aus Stahl bestehen, ergibt sich
beim Eintauchen solcher Stromzuführungselemente in das Elektrolytbad eine Auflösung
des Stahls, wodurch einerseits der Reinheitsgrad des Aluminiums bei der Aluminiumherstellung
vermindert, andererseits aber die Standzeit der Anoden in der Elektrolysezelle vermindert
wird, in der Aluminium durch Elektrolyse von Aluminiumoxyd in einer Kryolithschmelze
erzeugt wird. Der Schutzmantel der bekannten Gattung weist als Bindemittel für den
Petrolkoks der die Übergangsstelle des Stromzuführungselements zur Anode umgebenden
Masse Steinkohlenteerpech auf, dessen Erweichungspunkt bei etwa 113 °C liegt und
der einen Verkokungswert (n. Conradson) von ca. 56 % sowie eine Dichte von über 1,3
g/ml aufweist. Es hat sich jedoch gezeigt, daß derartige Schutzmäntel insbesondere
beim Anbringen der Stromzuführungszapfen an den Anodenkohlen Benzo(a)pyren freigeben,
wodurch die Umwelt und vor allem die mit den Anoden umgehenden Personen gesundheitlich
beeinträchtigt werden können.
[0003] Eine Abhilfe solcher umweltbelastenden Anlage wäre die Installierung von Filter-
und dergleichen Entsorgungsanlagen, wozu jedoch große Investitionskosten aufzubringen
sind, zumal solche Filter in der Regel auch explosionsgeschützt ausgebildet sein
müssen. Trotz dieser hohen Aufwendungen müssen aber auch die Filter- oder dergleichen
Anlagen wieder entsorgt werden, was zu neuen Problemen führt.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den Schutzmantel der eingangs genannten
Gattung mit einfachen Mitteln dahingehend zu verbessern, daß er trotz einfacher und
preisgünstiger Herstellbarkeit weniger Gesundheitsgefährdungen verursacht und daher
die Einrichtung von Reinigungs-Spezialanlagen überflüssig macht. Dennoch soll der
Schutzmantel eine lange Anodenstandzeit in der Elektrolysezelle gewährleisten.
[0005] Die Erfindung besteht darin, daß das Bindemittel der den Petrolkoks aufweisenden
Masse rings um die Verbindungsstelle zwischen dem Stromzuführungselement und der Anode
aus Petrolpech besteht. Bevorzugt wird ein solches Petrolpech mit folgenden Werten:
| Erweichungspunkt |
|
| (nach Mettler) |
100 - 150 °C |
| (nach Kraemer-Sarnow) |
70 - 130 °C |
| Verkokungswert |
|
| (nach Conradson) |
40 - 45 % |
| Ascheanteil |
bis 0,10 % |
| Schwefelanteil |
bis 0,30 % insb.bis 0,25 % |
| Dichte (bei 20 °C) |
1,15 - 1,25 g/cm³ insb. 1,2 g/cm³ |
| Helligkeit (nach Barrett) |
16 |
| Farbe |
dunkelbraun bis schwarz |
[0006] Ein derartiges braun-schwarzes Petrolpech vertreibt z.B. die Firma Rütgerswerke AG,
Duisburg, unter dem Handelsnamen WR-Harz 95 D; es bildet ein Gemisch verschiedener
Thermopolymerisate und ist unverseifbar sowie in Aromaten und Chlorkohlen-Wasserstoffen
löslich. Es enthält neben Poly-Cumaron-Inden auch Polystyrole, Polycyclopentadiene
und Polyolefine.
[0007] Es ist an sich bekannt (US-PS 4 086 156, DE-OS 2 308 971, 2 243 490), Petrolpech
insbesondere im Gemisch mit Steinkohlenteerpech als Bindemittel zu verwenden; dabei
werden jedoch die Elektroden selbst hergestellt und nicht deren Schutzmantel, dabei
wird aber wegen Rissebildung von deren Verwendung abgeraten, sofern nicht Spezialmaßnahmen
ergriffen werden.
[0008] Es hat sich aber gezeigt, daß bei Verwendung des oben genannten Bindemittels die
gestellte Aufgabe bei der Erfindung insbesondere dann besonders gut gelöst werden
kann, wenn der Bindemittelanteil an der Masse zwischen 32 und 45 % beträgt. Dabei
sollte das Petrolkoks zu 40 - 70 % aus Feinkorn einer Korngröße von bis zu etwa 0,3
mm bestehen, während der Rest des Petrolkokses im wesentlichen aus Grobkorn einer
Korngröße zwischen etwa 0,5 und 5 mm besteht.
[0009] Es hat sich gezeigt, daß der erfindungsgemäße Schutzmantel den bisher bekannten,
Steinkohlenteerpech als Bindemittel aufweisenden Schutzmantel nicht nur hinsichtlich
der ein fachen Herstellung entspricht, sondern vor allem weitaus weniger umweltbelastende
Wirkungen ausübt: So wird die Benzo(a)pyren-Belastung nicht nur bei einer Auslöseschwelle
von 2000 ng/m³ erheblich unterschritten, sondern wird auch ein zu erwartender TRK-Wert
von 2000 ng/m³ dauerhaft sicher eingehalten. Infolgedessen müssen keine zusätzlichen
Reinigungsanlagen installiert werden und erübrigt sich auch die Entsorgung derselben.
Überraschenderweise bildet der neue Schutzmantel auch eine verbesserte Haftung sowohl
an der Anodenoberfläche als auch an der Oberfläche der Stromzuführungselemente, insbesondere
Stahl. Sogar gegenüber Bitumen ist das Petrolpech als Bindemittel wesentlich vorteilhafter.
[0010] Es ist besonders vorteilhaft, ein Petrolpech mit einem Erweichungspunkt zwischen
110 °C und 120 °C mit einer Dichte zwischen 1,10 und 1,25 g/cm³ und mit einem Verkokungswert
zwischen 35 % und 50 % als Bindemittel zu verwenden.
[0011] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand der Zeichnung im folgenden noch
näher erläutert: Dabei zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht, teilweise im Querschnitt, einer mit einem Stromzuführungselement
versehene Anode, wie sie bei der Aluminiumherstellung in Elektrolysezellen verwendet
wird;
Fig. 2 den gleichen Gegenstand wie von Fig. 1 in einer späteren Verfahrensstufe,
wenn ein großer Teil der Kohlenstoffanode im Elektrolytbad bereits verbraucht ist
und die Oberflächen der Anode von einem Teil des Elektrolytbades überdeckt sind, und
Fig. 3 einen Teilausschnitt aus Fig. 1/2 im Bereich der Übergangsstelle zwischen dem
Stromzuführungselement und der Anode.
[0012] Gemäß Fig. 1 ist eine sogenannte "Blockanode", bestehend aus mit insbesondere Steinkohlenteerpech
gebundenem Elektrodenkoks, als Anode 1 mit einem Stromzuführungselement derart verbunden,
daß die von dem Joch 2 des aus Stahl bestehenden Stromzuführungselements abstehenden
Zapfen 3 in Aussparungen an der Oberseite der Anode 1 versenkt und mit Hilfe von Stampfmasse
oder Grauguß GG verankert sind.
[0013] Darüber hinaus ist der Übergangs- bzw. Verbindungsbereich zwischen dem Zapfen 3 und
der Anode l ringförmig mit einer Masse 6 umgeben, die aus Petrolkoks und einem Bindemittel
besteht. Der Schutzmantel wird vervollständigt durch einen Aluminiumring 5 rings um
die Masse 6. Zusätzlich sind die Außenseiten des Aluminiumrings 5 der Anodenkohle
bzw. Blockanode 1 mit einer Aluminiumschicht besprüht.
[0014] Während zu Beginn des Elektrolyseverfahrens nur der untere Teil der Anode 1 in das
Elektrolytbad eintaucht, wird mit zunehmendem Abbrennen der Blockanode 1 diese immer
tiefer in das Elektrolytbad eingesenkt, bis gemäß Fig. 2 auch die Oberseite 1b der
Anode 1 von Elektrolytbad 8 überflutet wird. Dadurch, daß das Elektrolytbad 8 infolge
der Anbringung des aus der Masse 6 und dem Aluminiumring 5 gebildeten Schutzmantels
der Zutritt zu den Stahlteilen des Stromzuführungselements verwehrt wird, kann sich
der Stahl nicht zersetzen bzw. auflösen, was zum vorzeitigen Ausfall der Restanode
1a führen würde. Die Anbringung des Schutzmantels erlaubt daher eine Verlängerung
der Anodenstandzeit in der Elektrolysezelle und verbilligt daher die Aluminiumherstellung.
[0015] Gemäß Fig. 3 ist gezeigt, daß die Masse 6 einerseits aus Grobkorn 6a und andererseits
aus Feinkorn 6b eines Petrolkokses besteht, das mit Hilfe von Petrolpech als Bindemittel
6c zusammengehalten wird. Das Grobkorn 6a weist eine durchschnittliche Korngröße
zwischen 1 und 3 mm auf, während das Feinkorn durch ein Sieb hindurchfällt, das Körner
mit 0,3 mm und größer zurückhält. Der Anteil des Feinkorns 6b beträgt 40 - 70 % des
Petrolkokses, während der Rest desselben aus Grobkorn 6a besteht, so daß der Gesamtanteil
an Feinkorn 6b und Grobkorn 6a, d.h. an Petrolkoks, an der Masse 6 zwischen 55 und
75 % und der Anteil an Petrolpech als Bindemittel 6c zwischen 25 und 45 %, inbesondere
zwischen 30 und 42 % beträgt. Bei etwa 32 % sind die besten Ergebnisse erzielbar nicht
nur hinsichtlich der Verminderung der Gesundheitsgefährdung, sondern auch hinsichtlich
der mechan. Festigkeit.
[0016] Das Ausgangsmaterial wird bei 130-200 °C 20 bis 25 Minuten lang gemischt und in Blöcken
abgeformt oder in einer Kühltrommel granuliert. Die abgeformten Blöcke werden gelagert
und je nach Bedarf in einer Brechanlage auf ca. 3 - 12 mm zerkleinert und abgesackt
oder in einem Silo gelagert. Im Bedarfsfall kann das Petrolkoks mit dem Bindemittel
aber auch erst an Ort und Stelle vermischt und zur Herstellung des Schutzmantels verwendet
werden. Dabei wird zuerst der Aluminiumring 5 rings um die betreffende Übergangsstelle
an der Oberfläche 1b der Anode 1 in schmalen ringförmigen Nuten angebracht und danach
die Masse 6 in den Innenbereich zwischen dem Aluminiumring 5 und dem Zapfen 3 des
Stromzuführungselements eingefüllt wird. Nach dem Einfüllen wird die Oberseite der
Masse 6 abgedichtet, damit beim Besprühen der Anode 1 einschließlich der insbesondere
aus Aluminium bestehenden Ringe 5 mit flüssigem Aluminium keine Masse 6 durch den
Sprühstrahl aufgewirbelt wird. Das Abdichten verhindert auch das Eindringen von Aluminiumoxyd
aus der Elektrolysezelle. Das Abdichten erfolgt insbesondere durch Sintern der Masse
bei ca. 600 °C, wodurch die Oberfläche mit einer dichten Sinterhaut 6d überzogen wird,
was sich als besonders vorteilhaft erwiesen hat.
1. Schutzmantel zum Schutz von Anoden-Stromzuführungselementen von Elektrolysezellen
für die Aluminiumherstellung bei der das oder die mit der Anode, inbesondere einer
Kohlenstoffanode, verbundene(n) Stromzuführungselement(e), zum Beispiel Stromzuführungszapfen
oder -spaten, im Bereich rings um die Übergangs- bzw. Verbindungsstelle(n) zur Anode
mit (je) einer Masse aus Petrolkoks und einem Bindemittel umgeben ist (sind), dadurch
gekennzeichnet, daß das Bindemittel (6c) der Masse (6) aus Petrolpech besteht.
2. Schutzmantel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil des Petrolkokses
an der aus diesem und dem Bindemittel (6c) gebildeten Masse (6) 55 - 75 % beträgt.
3. Schutzmantel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Anteil des Bindemittels an der Masse zwischen 32 % und 42 % beträgt.
4. Schutzmantel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß das Petrolkoks zu 40 - 70 % aus Feinkorn (6b) einer Korngröße von bis zu 0,3 mm
und im übrigen im wesentlichen aus Grobkorn (6a) einer Korngröße zwischen 0,5 und
5 mm besteht.
5. Schutzmantel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Masse (6) von einem Aluminiumring (5) umgeben ist.
6. Schutzmantel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß das Bindemittel (6c) der Masse (6) aus Petrolpech mit einem Erweichungspunkt zwischen
110 und 120 °C, einer Dichte zwischen 1,10 und 1,25 g/cm³ und einem Verkokungswert
zwischen 35 und 50 % besteht.
7. Schutzmantel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
daß die Masse an der Oberfläche mit einer Sinterhaut (6d) überzogen ist.