(19)
(11) EP 0 379 205 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
25.07.1990  Patentblatt  1990/30

(21) Anmeldenummer: 90101034.8

(22) Anmeldetag:  18.01.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B65H 45/103
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE ES FR GB GR IT LI NL SE

(30) Priorität: 18.01.1989 DE 3901299

(71) Anmelder: Rüffer, Peter
D-46325 Borken (DE)

(72) Erfinder:
  • Sieg, Günther
    W-8753 Obernburg/Main (DE)

(74) Vertreter: Pöhner, Wilfried Anton, Dr. 
Kaiserstrasse 27 Postfach 63 23
97013 Würzburg
97013 Würzburg (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Stofflegemaschine


    (57) Zum Aufbringen von Stofflagen auf einen Schneide­tisch wird eine Stofflegemaschine vorgeschlagen, die aus einem in der Horizontalen bewegbaren Lauf­wagen (1) und einer Abwickelstation (2), in der sich ein aus einer zusammengerollten Stoffbahn ge­bildeter Stoffballen (10) befindet, besteht und bei der die vom Stoffballen (10) abgewickelte Stoffbahn unmittelbar in vertikaler Richtung nach unten den Laufwagen (1) verläßt.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Stofflegema­schine zum Aufbringen von Stofflagen auf einen Schneidetisch mit einem in der Horizontalen be­wegbaren Laufwagen und einer Abwickelstation, in der sich ein aus einer zusammengerollten Stoffbahn gebildeter Stoffballen befindet.

    [0002] Im Rahmen der industriellen Fertigung von Klei­dungsstücken ist es üblich, in einem einzigen Zuschneideprozeß mehrere Stoffelemente dadurch herzustellen, daß eine größere Anzahl an Stoff­bahnen sukzessive übereinander auf den Zuschnei­detisch gelegt und in einem einzigen Arbeitsvor­gang zurecht geschnitten werden. Das Aufbringen des Stoffes erfolgt mit Hilfe von Stofflegema­schinen, bei denen in der Abwickelstation ein Stoffballen drehbar angeordnet ist, von welchem die Stoffbahn abgezogen, über mehrere, teilweise angetriebene Rollen umgelenkt und im wesentlichen tangential zur Fläche des Zuschneidetisches nach außen geführt ist. Bei derartigen Vorrichtungen ist beim Aufeinanderlegen mehrerer Stoffbahnen zwingend erforderlich, daß im Umkehrpunkt der Bewegung am Ende des Tisches die Stoffbahn über einen Fänger foctgehalten werden muß. Hierdurch sowie aufgrund der angetriebenen Transportrollen werden in Bewegungsrichtung sich ändernde Kräfte auf die Stoffbahn ausgeübt, woraus in nachteili­ ger Weise auch noch im aufgelegten Zustand wirksa­men Spannungen des Stoffs resultieren, die zu Feh­lern im Schneideergebnis führen. Die angestrebte Anpassung der Abwickelgeschwindigkeit an die kon­stante Fahrgeschwindigkeit der Stofflegemaschine in der Horizontalen ist aufgrund des sich verrin­gernden effektiven Radius des Stoffballens einer ständigen Änderung unterworfen und erfordert eine Kompensation durch Änderung der Winkelgeschwindig­keit des Stoffballens.
    Zur Verbesserung der Regelung der Stoffgeschwin­digkeit ist die Verwendung eines Durchmesserta­sters bekannt, der am Stoffballen anliegt und den augenblicklichen Radius erfaßt. Die Ergebnis­se bleiben dennoch unbefriedigend, da Schwankun­gen des Anpreßdruckes während der Rotation des Stoffballens und Änderungen der Stoffbeschaffen­heit (dünne Stoffe und Stoffe mit hohem Flor) nach wie vor zu gewissen Ungenauigkeiten der Meß­werterfassung Anlaß geben, so daß immer noch Span­nungen des Stoffes entstehen.

    [0003] Hiervon ausgehend hat sich die Erfindung die Wei­terentwicklung der Stofflegemaschinen gattungsge­mäßer Art dahingehend zur Aufgabe gemacht, daß die Stoffbahn spannungsfrei und insbesondere auch in mehreren Lagen auf den Schneidetisch aufgebracht werden kann.

    [0004] Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch, daß die vom Stoffballen abgewickelte Stoffbahn un­mittelbar in vertikaler Richtung nach unten den Laufwagen verläßt.
    Der Kerngedanke der Erfindung besteht darin, daß die Stoffbahn nach dem Abwickeln unmittelbar, d.h. ohne Umlenkung an angetriebenen Transportrollen und einzig unter dem Einfluß der Schwerkraft in verti­kaler Richtung nach unten bis zum Schneidetisch bewegt und dort aufgrund der horizontalen Bewegung das Laufwagens abgelegt wird. Die Abwicklung er­folgt einzig durch Rotation der Stoffballen und ohne Zug der Stoffbahn (mit Ausnahme der Schwer­kraft) in Bewegungsrichtung. Sie trifft im rech­ten Winkel auf den Schneidetisch auf.

    [0005] Aufgrund der Nichtexistenz angetriebener Trans­portrollen ist ein durch Differenzen in der Ab wickel-, Transport- und Fahrgeschwindigkeit au­tretende Zugspannung in Bewegungsrichtung der Stoffbahn ausgeschlossen. Im gleichen Sinne wirkt die Tatsache, daß mehrere Lagen des Stoffbahn oh­ne die zwingende Verwendung eines Fängers an den stirnseitigen Umlegpunkten möglich ist. Beide Maß­nahmen bewirken ein völlig spannungsfreies Legen der Stoffbahnen auf dem Schneidetisch. Als weite­rer Vortell ist anzusehen, daß in Längsrichtung des Schneidetisches nebeneinander aus mehreren La­gen gebildete Stapel herstellbar werden, da nicht wie im Stande der Technik aufgrund der zwingend erforderlichen stirnseitigen Anordnung des Fängers stets von der Stirnseite aus zu gehen ist, so daß sich zwingend eine Keilform ergibt. Aus dem glei­chen Grund kann an beliebiger Stelle des Schnei­detisches das Auslegen eines bestimmten Stoffes beendet und durch eine andere Stoffart unmittelbar daran anschließend fortgesetzt werden. Eine op­timalere Ausnutzung des Schneidetisches ist die Folge.

    [0006] In einer zweckmäßigen Weiterbildung wird die Stoffbahn unmittelbar vor Verlassen der Legama­schine an einer Schneidvorrichtung vorbeiführt.

    [0007] Mit Erreichen der vorgesehenen Länge der Stoff­bahn kann sie ohne Unterbrechung der translato­rischen Bewegung des Laufwagens abgeschnitten werden. Die bekannten Stofflegemaschinen schneiden den Stoff im aufgelegten Zustand, so daß die Maschine über die Schnittlinie hin­ausfahren und später wieder zurückfahren muß.

    [0008] Bevorzugt ist eine Ausführungsform mit einer Klemmvorrichtung vor und/oder nach der Schneid­vorrichtung, durch welche die Stoffbahn wäh­rend des Schneidvorganges räumlich fixiert werden kann. Andernfalls würden bei Verwen­dung elastischer Gewebe - hierzu zählen z.B. Trikot-, Stretchgewebe - aufgrund der während des Schneidvorganges auftretenden Spannungen Schnittungenauigkeiten resultieren.

    [0009] Grundsätzlich ist denkbar, die Stoffbahn vom Be­rührungspunkt mit dem Stoflfballen ausgehend in vertikaler Richtung nach unten abzuziehen. Auf­grund des sich verringernden Radiuses des Stoff­ballens mit zunehmender Abwicklung verschiebt sich die Stoffbahn auf die Drehachse und demzufolge re­lativ zum Laufwagen. Für das exakte Auflegen auf dem Schneidetisch muß diese Verschiebung relativ zum Laufwagen insbesondere auch bei unterschiedli­chen Stoffqualitäten berücksichtigt werden. Um sich komplizierte Korrekturen der Steuerung der Bewegung des Laufwagens zu ersparen, wird deshalb in eine zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung vorgeschlagen, daß die Stoffbahn unterhalb der Achse des Stoffballens geführt ist, was eine durch den momentanen Radius des Stoffballens bestimmte Umlenkung der Stoffbahn erforderlich macht. Der Einsatz angetriebener Transportrollen ist hierzu nicht erforderlich, so daß die Ausübung von Zug­spannungen auf die Stoffbahn weiterhin unterbleibt.

    [0010] Im Stande der Technik bekannt ist, den Stoffballen über seine Stirnseite axial zu erfassen und abzu­wickeln. Zur exakten Einstellung der gewünschten Abwickelgeschwindigkeit der Stoffbahn wird in ei­ner zweckmäßigen Weiterbildung vorgeschlagen, den Stoffballen über an seinen Umfang angreifende, an­getriebene Räder zu erfassen und abzuwickeln. De­ren Umfangsgeschwindigkeit entspricht exakt der translatorischen Geschwindigkeit der momentan ab­gewickelten Stoffbahn. Der Radius bzw. dessen Än­derung sind dann bedeutungslos. Ein weiterer Vor­zug dieser Ausführungsform besteht darin, daß der Wechsel der Stoffballen wesentlich rascher durch­führbar wird, da kein stirnseitiges Eingreifen von Klauen in den Stoffballen und kein Einkuppeln mehr notwendig ist. Der Ballen wird nunmehr noch sche­renartig erfaßt.

    [0011] Hier ist von Vorteil, alle Räder synchron, d.h. gleichzeitig anzutreiben, da andernfalls die Ge­fahr des Verziehens oder des Laufens aus der Spur besteht.

    [0012] Mitunter ist es erwünscht, benachbarte Stoffbahnen paarig zu legen, wobei mit Beendigung der einen Lage der gesamte Stoffballen um 180 Grad zu dre­hen und anschließend erst der Legeprozeß fort­gesetzt werden kann. Zu diesem Zweck ist empfeh­lenswert, die Abwickelstation um 180 Grad um die vertikale Achse zu drehen. Auch hier erlaubt die erfindungsgemäße Vorrichtung ein Arbeiten ohne Verwendung eines Fängers.

    [0013] Besonders einfache kinematische Verhältnisse er­hält man, wenn die Schwenkachse durch die Abwik­kelachse des Stoffballens und die Bewegungsbahn der Stoffbahn verläuft, da dann beim Verschwenken um 180 Grad keine langwierigen Umrechnungen vorge­nommen werden müssen.

    [0014] Zur Erleichterung des Auswechselns der Stoffballen d.h. dem Entfernen des Kernes des alten, abgewik­kelten Stoffballens und ihrem Austausch gegen el­nen neuen, wird vorgeschlagen, den Kopf der Ab­wickelstation hochklappbar zu gestalten, so daß durch ein Öffnen der am Umfang angreifenden Räder ein direktes Erfassen der in einem Magazin darge­botene Stoffballen möglich wird. Auf diesem Wege ist ein rascher Wechsel realisierbar.

    [0015] Schließlich ist der Einbau eines dem Erfassen des Stoffrandes dienender optischer Sensor vorgesehen, durch den dort befindliche Markierungen erfaßt werden können. Für Webereien stellt es keine grundsätzliche Schwierigkeiten dar, die während der Herstellung auftretenden Webfehler durch im Randbereich der Stoffbahn anzubringede Markierun­gen zu kennzeichnen. Die Maschine erkennt dann selbstätig die Webfehler und kann in entsprechen­de Qualitätsmängel beim fertigen Produkt vermei­dender Weise gesteuert werden. Man erspart sich die im Stande der Technik übliche und der Quali­tätskontrolle der gelegten Stoffbahn dienende Überwachungsperson.

    [0016] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung lassen sich dem nachfolgenden Beschrei­ bungsteil entnehmen, indem anhand der Zeichnung ein Ausführungsbeispiel der Erfindung näher erläu­tert wird.

    [0017] Sie zeigt in schematisch gehaltener Seitenansicht eine erfindungsgemäße Stofflegemaschine. In ihrem prinzipiellen Aufbau besteht sie aus einem Lauf­wagen (1) und einer darauf angeordneten Abwickel­station (2).

    [0018] Der Laufwagen (1) stellt eine rahmenartige Kon­struktion dar, die auf ihrer Unterseite über dort angebrachte Räder (3) auf Laufschienen (4) in der Horizontalen bewegbar ist, die randseitig an einem hier nicht dargestellten Schneidetisch seitlich befestigt sind. Der Laufwagen (1) dient der Abstützung der Abwickelstation (2), der Ver­schiebung in der Horizontalen und der Erzeugung eines Raumes zwischen Schneidetisch und Abwickel­station (2), in welchem die einzelnen Stofflagen sukzessive aufeinander gelegt werden können.

    [0019] Die Abwickelstation (2) besteht aus einem auf dem Laufwagen (1) von oben her aufliegenden Fuß (5) sowie einen nach oben zu sich über eine senkrecht zur Zeichenebene verlaufende Klappachse (6) sich anschließenden Kopf (7), der damit nach links ver­schwenkt werden kann. Nach oben zu ist ein über ei­nen eine Schwenkbewegung um eine in der Zeichenebe­ne verlaufende Achse erlaubenden Drehteller (8) ein Rahmen (9) befestigt, auf dem ein Stoffballen (10) mit maximalen Durchmesser (10a) und minimalem Durch­messer (10b) eingezeichnet ist.

    [0020] Der Stoffballen (10) liegt im unteren Bereich auf zwei angetriebenen Rädern (11) auf und wird von oben her, ebenfalls am Umfang, von an Schwenkarmen (12) befindlichen Rollen (13) erfaßt. Bei abneh­mendem Durchmesser bewegen sich die Schwenkarme (12) auf das Zentrum des Stoffballens (10) zu und werden beim Austausch der Stoffballen (10) in der angedeuteten Weise geöffnet.
    Nicht eingezeichnet ist die vom Stoffballen (10) abgewickelte Stoffbahn, die zunächst über einen Teil des Umfanges eines der Räder (11) geführt und dann in vertikaler Richung nach unten zu auf den in Höhe der Laufschiene (4) befindlichen und hier nicht zu erkennenden Schneidetisch bewegt. Zur Rotation des Stoffballens stehen die Räder (11) über Riemen mit einem Antrieb (14) in Verbindung. Aufgabe des Drehtellers (8) ist zur Schaffung der Möglichkeit des Paariglegens die Verschwenkung des in der Abwickelstation (2) befindlichen Stoffbal­lens (10) um 180 Grad um eine in der Zeichenebene verlaufende Schwenkachse.


    Ansprüche

    1) Stofflegemaschine zum Aufbringen vom Stofflagen auf einen Schneidetisch mit einem in der Horizon­talen bewegbaren Laufwagen und einer Abwickelsta­tion, in der sich ein aus einer zusammengerollten Stoffbahn gebildeter Stoffballen befindet, da­durch gekennzeichnet, daß die vom Stoffballen (10) abgewickelte Stoffbahn unmittelbar in vertikaler Richtung nach unten den Laufwagen verläßt.
     
    2) Maschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Stoffbahn im Bereich des Ausgabeschlitzes der Legemaschine an einer Schneidvorrichtung vorbeigeführt ist.
     
    3) Maschine nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß vor und/oder nach der Schneidvorrichtung eine auf die Stoff­bahn einwirkende, lösbare Klemmvorrichtung ange­ordnet ist.
     
    4) Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Stoffbahn unterhalb der Achse des Stoff­ballens (10) den Laufwagen (1) verläßt.
     
    5) Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß am Umfang des Stoffballens (10) angetriebene Räder (11) anliegen.
     
    6) Maschine nach Anspruch 5, gekenn­zeichnet durch synchron ange­triebene Räder (11).
     
    7) Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Abwickelstation (2) um die vertikale Achse um 180 Grad verschwenkbar ist.
     
    8) Maschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Schwenk­achse durch die Abwickelachse des Stoffballens (10) und die Bewegungsebene der Stoffbahn verläuft.
     
    9) Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Kopf (7) der Abwickelstation (2) hochklappbar ist.
     
    10) Maschine nach einem der Ansprüche 1 bis 9, gekennzeichnet durch einen den Rand der Stoffbahn erfassenden optischen Sen­sor.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht