(19)
(11) EP 0 396 216 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.11.1990  Patentblatt  1990/45

(21) Anmeldenummer: 90250107.1

(22) Anmeldetag:  30.04.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5: B65H 23/34, B65H 23/025
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FR GB GR IT LI LU NL SE

(30) Priorität: 29.04.1989 DE 3914732

(71) Anmelder: IFS SYSTEMBAU INGENIEURGES. FÜR SONDERMASCHINEN UND APPARATEBAU MBH
D-12107 Berlin (DE)

(72) Erfinder:
  • Ortwein, Heinz, Dr.-Ing.
    D-1000 Berlin 12 (DE)
  • Castagna, Wolfgang, Dipl.-Ing.
    D-1000 Berlin 10 (DE)

(74) Vertreter: Lüke, Dierck-Wilm, Dipl.-Ing. 
Gelfertstrasse 56
D-14195 Berlin
D-14195 Berlin (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Führungseinrichtung zum Führen von Warenbahnen,insbesondere textilen Warenbahnen


    (57) Die Erfindung bezieht sich auf eine Andrückeinrichtung zum Führen von textilen Warenbahnen (2) oder dergleichen, bestehend aus einer Anlagefläche (1) für die Warenbahn und aus mindestens zwei dieser zugeordneten drehbaren Andrückelementen (4). Diese sind im Stand der Technik aus Bürstenrollen gebildet, die bei harten Borsten die Warenbahn (2) beschädigen und bei weichen Borsten nicht die notwendige Andrückkraft aufbringen können.
    Zur materialschonenden Ausbreitung und Ausrichtung einer Warenbahn (2) ist die Andrückeinrichtung erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß jedes Andrückelement (4,4′) aus einer drehbar gelagerten Nabe (8,8′) und einem an dieser angeordneten Hohlkörper (11,11′) aus gummielastischem Material gebildet ist .




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Andrückeinrichtung zum Führen von textilen Warenbahnen oder dergleichen, bestehend aus einer Anlagefläche für die Warenbahn und aus mindestens zwei dieser zugeordneten drehbaren Andrückelementen.

    [0002] Eine derartige Andrückeinrichtung dient zur Lagensteuerung der Warenbahn und zur schonenden Ausbreitung der Warenbahn beim Abzug aus einer Warenmulde, von einem Stapel oder einer Schlaufe.

    [0003] Eine Andrückeinrichtung der gattungsgemäßen Art ist aus der US-PS 4,068,789 vorbekannt. Bei dieser besteht die Anlage­fläche aus einer Breitstreckwalze, die , ausgehend von ihrer Längsmittelebene, zu beiden Seiten hin mit symmetrisch nach außen verlaufenden spiralförmigen Wendeln versehen ist und die entgegen der Transportrichtung der Warenbahn umläuft. Die Andrückelemente sind aus Bürsten gebildet, deren jeweils Betätigungseinrichtungen zum Drücken der Bürsten gegen die Breitstreckwalze und damit zum Andrücken der Warenbahn an die Breitstreckwalze zugeordnet sind. Nachteilig hierbei ist, daß das Material der insbesondere textilen Warenbahnen beim Andrücken an die Breitstreck­walze mittels der Bürsten einer erheblichen Beanspruchung unterworfen wird, welche zum Ausschuß der von den Bürsten beanspruchten Länge der Warenbahn führen kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Andrückbürsten harte Borsten haben, da diese die Warenbahn, insbesondere wertvorlle Gewebe, durch Herausreißen einzelner Fäden beschädigen können. Die Borsten der Bürsten stehen entweder senkrecht zur Mantelfläche oder senkrecht zur Achse der Andrück­bürste. Wenn nun zur Vermeidung der Nachteile der härteren Borsten weiche Borsten eingesetzt werden, so ist es bei diesen nachteilig, daß die weichen Borsten bei Erhöhung des Druckes gegen die Breitstreckwalze umgebogen werden und dann wirkungslos über die Warenbahn streichen.

    [0004] Der Erfindung liegt von daher die Aufgabe zugrunde, eine Andrückeinrichtung der gattungsgemäßen Art zu schaffen, welche einerseits schonend auf die anzudrückende Waren­bahn einwirkt und welche andererseits bei Erhöhung der Andruckkraft tatsächlich auch eine verbesserte Ausbreit­wirkung bzw. eine verbesserte Ausrichtwirkung bewirkt.

    [0005] Zur Lösung dieser Aufgabe sieht die Erfindung vor, daß jedes Andrückelement aus einer drehbar gelagerten Nabe und einem auf dieser angeordneten Hohlkörper aus gummi­elastischem Material gebildet ist.

    [0006] Die Versuche haben gezeigt, daß das Zusammenwirken eines Hohlkörpers aus gummielastischem Material mit einer Anlagefläche eine hervorragende schonende Ausbreitung und Ausrichtung einer Warenbahn ermöglicht. Bei einer Erhöhung des Andruckes vergrößert sich die Andrückfläche des Hohl­körpers aus gummielastischem Material an der Anlage­fläche, so daß damit die Ausbreitwirkung bzw. die Ausricht­wirkung erhöht werden kann. Dies wird insbesondere dann be­wirkt , wenn die Anlagefläche eine glatte Oberfläche ist . In der bevorzugten Ausführungsform ist der Hohlkörper als Kegelstumpf ausgebildet und mit seinem im Durchmesser kleineren Randbereich mit der Nabe verbunden, wobei der im Durchmesser größere Randbereich auf der freien Seite der Nabe liegt. Eine solche topfförmige Andrückrolle, die auf der im Durchmesser größeren Seite vollständig geöffnet ist, steht mit ihrer Kegelstumpfform genau umgekehrt zu den bisherigen Andrückbürsten und schräg zu einer glatten Umlenkfläche angeordnet. Bei normaler Andrück­kraft bildet sich gegenüber einer gebogenen Umlenkfläche eine ellipsenförmige Andruckfläche aus, deren Fläche sich bei Erhöhung des Andruckes vergrößert, so daß damit die Ausbreitwirkung bzw. die Ausrichtwirkung erhöht werden kann. In besonders bevorzugter Weise ist die glatte Umlenkfläche als gebogenes Blech oder als glatte Walze ausgebildet, so daß eine in der Herstellung teure Breitstreckwalze nicht erforderlich ist.

    [0007] In der weiteren Ausführungsform ist die Andrückrolle nach Art eines Luftreifens ausgebildet, deren Andrückeigen­schaften jedoch härter sind als die der kegelstumpfförmigen Andrückrolle.

    [0008] Die Erfindung ist nachfolgend anhand von zwei in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispielen von Andrück­einrichtungen näher erläutert. Es zeigen:

    Fig. 1 eine Draufsicht auf die Andrückeinrichtung in der ersten Ausführungsform,

    Fig. 2 eine Seitenansicht der Andrückeinrichtung,

    Fig. 3 eine teilweise geschnitten dargestellte Seitenansicht einer Andrückrolle in der ersten Ausführungsform,

    Fig. 4 eine teilweise geschnitten dargestellte Andrückrolle in der zweiten Ausführungsform,

    Fig. 5 eine teilweise geschnitten dargestellte Andrückrolle in der dritten Ausführungsform und

    Fig. 6 eine der Fig. 2 entsprechende Seitenansicht einer weiteren Ausführungsform der Andrück­einrichtung.



    [0009] Die in den Figuren 1 bis 3 dargestellte Andrückeinrichtung gemäß der ersten Ausführungsform umfaßt eine glatte, zylindrische Walze 1 als Anlage - und Umlenkfläche für eine Warenbahn 2, die gemäß den Pfeilen 3 bewegt wird, sowie zwei Gruppen von der Walze 1 zugeordneten, als Andrückrollen 4 ausgebildeten Andrückelementen, die an Schwenkrohren 5 derart gelagert sind, daß jede Gruppe von Andrückrollen 4 mittels einer zugeordneten Betätigungseinrichtung 6 gegen die Walze 1 gedrückt werden kann. Der Andrückeinrichtung ist in Bewegungsrichtung der Warenbahn 2 eine Erkennungs­einrichtung 7 für die Lage der Warenbahn 2 nachgeschaltet.

    [0010] Jede Andrückrolle 4 besteht in der ersten Ausführungsform gemäß der Fig. 3 aus einer Nabe 8 mit einer Felge 9, die auf einer Achse 10 frei drehbar gelagert sind. Die Andrück­rolle 4 umfaßt ferner einen Hohlkörper 11 aus gummielastischem Material, der als Kegelstumpf ausgebildet und mit seinem im Durchmesser kleineren Randbereich 12 mit der Felge 9 der Nabe 8 festverbunden ist. Hierzu weist der Randbereich 12 eine keilriemenartige innere Verstärkung auf, die in einer entsprechend ausgebildeten keilförmigen Nut der Felge 9 eingespannt ist. Der kegelstumpfförmige Hohlkörper 11 ist auf dem im Durchmesser größeren Randbereich voll­ständig frei und aufgrund des gummielastischen Materials frei verformbar.

    [0011] Wie es die Fig. 1 zeigt, ist jede Andrückrolle 4 mit ihrer Achse 10 in einem Arm 13 gelagert, der über das Schwenkrohr 5 von einer der Betätigungseinrichtungen 6 zum Andrücken der Andrückrolle 4 gegen die Walze 1 betätigbar ist. Der im Durchmesser größere, freie Randbereich 14 der Andrück­rolle 4 ist vom Arm 13 weggerichtet und liegt unter einem Winkel von etwa 60° schräg zur Walze 1. Somit sind jeweils die freien, offenen Randbereiche 14 der beiden Gruppen von Andrückrollen 4 gegeneinander gerichtet, wie es in Fig. 1 dargestellt ist. Zum Ausbreiten der Warenbahn 2 oder zum Ausrichten der Warenbahn 2 gegenüber der in der Mitte verlau­fenden Achse³ wird eine der beiden Gruppen von Andrück­rollen 4 mittels der zugeordneten Betätigungseinrichtung 6 gegen die Walze 1 gedrückt. Hierbei bilden sich ellipsenförmige Andrückflächen zwischen dem kegelstumpfförmigen Mantel der Hohlkörper 11 und der Walze 1 aus, wobei die ellipsen­förmigen Andrückflächen sich vergrößern, wenn die Andrück­kraft zunimmt. Die Hohlkörper 11 aus gummielastischem Material wirken hierbei weich und schonend auf das über die glatte Walze 1 umlaufende Material der Warenbahn 2 ein, so daß diese ohne jegliche Gefahr von Beschädigungen auch empfind­licher textiler Warenbahnen ausgerichtet bzw. ausgebreitet werden kann.

    [0012] Als Material für den Hohlkörper 11 der Andrückrollen 4 kommt insbesondere EPDM-Kautschuk zum Einsatz, dessen Mischung je nach Abriebfestigkeit, Verschleißfestigkeit, Temperaturbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Chemikalien ausgewählt wird.

    [0013] In der Fig. 4 ist die zweite Ausführungform der Andrück­rolle 4′ dargestellt. Bei dieser sind im Hohlkörper 11′ kreisförmige, durchgehende Öffnungen 18 im wesentlichen im freien Randbereich angeordnet. Diese dienen zur Ver­meidung des Rutschens des Hohlkörpers 4′ auf nassen textilen Warenbahnen ( Vermeidung eines Aquaplaning) . Auch beim Merzerisieren werden die Textilien durch Laugen­behandlung glatt, so daß sich der mit den Öffnungen 18 versehene Hohlkörper 11′ mit besonderem Vorteil einsetzen läßt.

    [0014] In der Fig. 6 ist die dritte Ausführungsform der Andrück­rolle 4˝ dargestellt. Bei dieser ist die auf der Achse 10˝ drehbar gelagerte Nabe 8˝ mit zwei Felgen 9˝ versehen. Der Hohlkörper 11˝ ist als Reifen mit zwei im Durchmesser gleich großen Randbereichen ausgebildet, die in die Felgen 9˝ eingespannt sind. Die Andrückrolle 4˝ ist somit symmetrisch ausgebildet. Ihre Andrückeigenschaften sind hörter als diejenigen der topfförmigen und kegelstumpf­förmigen Andrückrolle 4 in der ersten Ausführungsform.

    [0015] Die Fig. 5 zeigt eine weitere Ausbildungsform der Umlenk­fläche. Diese ist in Form eines glatten Umlenkbleches 15 ausgebildet, das die Form einer Flugzeugtragfläche hat, mit welcher eine Andrückrolle 4 oder 4′ zusammenwirkt.

    [0016] Textile Warenbahnen bestehen aus gewebtem oder gewirktem Material. Das Gewebe liegt regelmäßig auf der Anlage­ fläche und muß nur mittig ausgerichtet werden . Das Gewirke liegt jedoch häufig faltig auf der Anlagefläche und muß aus­gebreitet , d.h. geglättet werden .Hierbei arbeitet die beschriebene Andrückeinrichtung mit besonderem Vorteil .

    [0017] Die Funktion der Andrückeinrichtung ist folgende:

    [0018] Die mit ihren Achsen 10,10′ schräg zur Laufrichtung ( Pfeil 3 ) der Warenbahn 2 und ebenso schräg zur Längsachse der Walze 1 angeordneten Andrückelemente 4,4′ erzeugen Kraftkomponenten, die sich quer zur Bewegungs­richtung ( Pfeil 3 ) der Warenbahn 2 erstrecken und zwar jeweils zu deren Außenrändern hin gerichtet sind. Hierdurch wird eine Ausbreitwirkung bzw. Breitstreckwirkung der Warenbahn 2 erzielt. Durch die kegelige Ausbildung der Andrückelemente 4 gemäß der ersten Ausführungsform, wobei der im Durchmesser größere, freie Randbereich 14 des jeweiligen Hohlkörpers 11 in Richtung auf die Längsachse ( Pfeil 3 ) der Warenbahn 2 gerichtet ist, wird eine ellipsenförmige Andrückfläche zwischen dem kegelstumpfförmigen Hohlkörper 11 und der Walze 1 ausgebildet, wobei sich die ellipsenförmige Andrückfläche bei Zunahme der Andrückkraft vergrößert, wobei die spezifische Flächenbelastung etwa gleichbleibend ist. Entsprechendes gilt für die in der Figur 4 dargestellte zweite Ausführungsform.


    Ansprüche

    1. Andrückeinrichtung zum Führen von textilen Warenbahnen oder dergleichen,bestehend aus einer Anlagefläche für die Warenbahn und aus mindestens zwei dieser zugeordneten drehbaren Andrückelementen,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß jedes Andrückelement (4,4′) aus einer drehbar gelagerten Nabe (8,8′) und einem an dieser angeordneten Hohlkörper (11,11′) aus gummielastischem Material gebildet ist.
     
    2. Andrückeinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlkörper (11) als Kegelstumpf ausgebildet ist und daß der im Durchmesser kleinere Randbereich (12) des Hohlkörpers (11) mit der Nabe (8) verbunden ist, wobei der im Durchmesser größere Randbereich (14) auf der freien Seite des Andrückelementes (4) liegt.
     
    3. Andrückeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Nabe (8) mit einer Felge (9) zum Einspannen des im Durchmesser kleineren Randbereiches (12) des Hohlkörpers (11) versehen ist.
     
    4. Andrückeinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlkörper (11′) als Reifen mit zwei im Durchmesser gleich großen Randbereichen (12′) versehen ist und daß die Nabe (8′) mit zwei Felgen (9′) zum Einspannen der Randbereiche (12′) versehen ist.
     
    5. Andrückeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß als gummielastisches Material EPDM-Kautschuk verwendet wird.
     
    6. Andrückeinrichtung nach Anspruch 1 , dadurch gekenn­zeichnet , daß die Anlagefläche (1,15) eine Umlenkfläche mit glatter Oberfläche ist .
     
    7. Andrückeinrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekenn­zeichnet ,daß die Umlenkfläche eine zylindrische Walze (1) mit glatter Oberfläche ist .
     
    8. Andrückeinrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekenn­zeichnet , daß die Umlenkfläche ein gebogenes Blech (15) mit glatter Oberfläche ist .
     




    Zeichnung