(19)
(11) EP 0 324 754 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
28.11.1990  Patentblatt  1990/48

(21) Anmeldenummer: 87906074.7

(22) Anmeldetag:  23.09.1987
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5: A62D 3/00, C07B 61/00
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/DE8700/433
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 8802/268 (07.04.1988 Gazette  1988/08)

(54)

VERFAHREN ZUR DEHALOGENIERUNG VON HALOGENIERTEN KOHLENWASSERSTOFFEN

PROCESS FOR DEHALOGENATION OF HYDROCARBONS

PROCEDE POUR DESHALOGENER DES HYDROCARBURES


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE FR GB IT LI LU NL SE

(30) Priorität: 24.09.1986 DE 3632363

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
26.07.1989  Patentblatt  1989/30

(73) Patentinhaber: BÖLSING, Friedrich
D-3067 Lindhorst (DE)

(72) Erfinder:
  • BÖLSING, Friedrich
    D-3067 Lindhorst (DE)

(74) Vertreter: Eggert, Hans-Gunther, Dr. 
Räderscheidtstrasse 1
50935 Köln
50935 Köln (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A- 0 188 718
DE-B- 2 533 791
US-A- 4 574 013
DE-B- 2 533 790
US-A- 4 477 357
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Halogenierte Kohlenwasserstoffe können Umweltprobleme verursachen. Dies gilt insbesondere für Verbindungen wie polychlorierte Biphenyle, Dibenzodioxine, Dibenzofurane und andere polycyclische Aromaten. Die Verbindungen können in Substanz vorliegen, als Verunreinigung in Mineralölen, in Substanz oder in Mineralöl gelöst im Boden, z.B. in Form von Sickerölen oder, zusammen mit Wasser, als Sickerwasser aus Altlasten oder als Verunreinigung in kompakten, insbesondere bituminösen Phasen.

    [0002] Es ist bekannt, daß man Verbindungen dieser Art bei hoher Temperatur, z.B. oberhalb 1200°C schadlos verbrennen kann, sofern diese Temperatur über einen längeren Weg im Verbrennungsprozeß sicher eingehalten werden kann. Ist dies nicht der Fall, so können beim Vorliegen geeigneter Edukte unter den üblichen Bedingungen einer Verbrennung im Gegenteil halogenierte Dioxine bzw. Dibenzofurane produziert werden, so daß eine zusätzliche Belastung der Umwelt auftritt.

    [0003] Ferner ist bekannt, daß sich halogenierte Kohlenwasserstoffe mit Metallen wie Natrium und Kalium enthalogenieren lassen. Die Reaktion wird bei erhöhter Temperatur durchgeführt, beispielsweise mit geschmolzenem Natrium in Form einer Suspension.

    [0004] Halogenierte Kohlenwasserstoffe, die als Verunreinigungen im Boden vorliegen, lassen sich in Drehrohröfen austreiben. Der Gasstrom wird anschließend einer Hochtemperaturverbrennungseinrichtung zugeführt oder kondensiert.

    [0005] Die in der kondensierten Phase vorliegenden halogenierten Kohlenwasserstoffe können dann einer konventionellen Dehalogenierungsreaktion unterworfen werden.

    [0006] In der organisch-chemischen Literatur ist eine Reihe von Dehalogenierungsreaktionen beschrieben. Sie alle funktionieren nur unter der Voraussetzung, daß es sich um gereinigte Stoffe handelt. Beispielsweise lassen sich auf relativ einfache Weise reine halogenierte Kohlenwasserstoffe dadurch enthalogenieren, daß man sie mit unterphosphoriger Säure in Gegenwart von Palladium-Katalysatoren behandelt. Diese Methode versagt sofort, wenn kleinste Verunreinigungen in dem Medium vorhanden sind. Es ist daher einzusehen, daß diese Verfahren im Bereich des Umweltschutzes praktisch nicht zur Anwendung gelangen können, weil es sich hier um Gemische handelt mit Bestandteilen, die die erforderlichen Katalysatoren nach kurzer Zeit vergiften.

    [0007] Ein Verfahren mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Patentanspruchs 1 wird durch die EP-A-0 188718 beschrieben. Hierbei werden bei dem bekannten Verfahren die halogenierten Kohlenwasserstoffe unter Verwendung eines Dehalogenierungskatalysators chemisch/thermisch gespalten, wobei der bekannte Katalysator ein Mischkatalysator aus Calciumoxid und/oder Calciumhydroxid und Eisenoxid ist. Das bekannte Verfahren erfordert wegen der pyrolytischen Zersetzung der halogenierten Kohlenwasserstoffe Reaktionstemperaturen im Bereich zwischen 600°C und 800°C.

    [0008] Den erwähnten Verfahren haften erhebliche Nachteile an. Besteht die Dehalogenierung darin, daß das halogenierte Kohlenwasserstoffmolekül insgesamt oxidativ zerstört wird, also durch Verbrennung zerstört wird, so sind ungewöhnlich hohe Temperaturen erforderlich. Verfahren dieser Art sind deshalb sehr kostenintensiv und es besteht die Gefahr, daß hochgiftige Stoffe produziert werden, wenn die oben erwähnten Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden. In den chemischen Methoden außerhalb der oxidativen Zerstörung sind stets Reaktionspartner, gegebenenfalls auch Katalysatoren erforderlich, die an stark verunreinigten Gemischen bzw. an wasserhaltigen Systemen versagen, wie das bei der erwähnten Dehalogenierung von chemisch reinen Substanzen unter Verwendung von geschmolzenem Natriummetall, Natriumalkoholaten oder Katalysatoren derr Fall ist.

    [0009] Ferner bestehtbei dem bekannten Verfahren immer die Gefahr, daß sich bei den relativ hohen Temperaturen aus den ursprünglich vorhandenen halogenierten Kohlenwasserstoffen toxische Folgeprodukte bilden, so z.B. Dioxine bzw. Dibenzofurane aus halogenierten Aromaten.

    [0010] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der angegebenen Art zur Verfügung zu stellen, bei dem die Bildung von toxischen Folgeprodukten aus den ursprünglich vorhandenen halogenierten Kohlenwasserstoffen ausgeschlossen ist.

    [0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.

    [0012] Das erfindungsgemäße Verfahren beruht auf dem Grundgedanken, die Dehalogenierung der halogenierten Kohlenwasserstoffe bei niedrigen Temperaturen allein auf chemischem Wege herbeizuführen. Um dies zu erreichen, wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren vorgeschlagen, zunächst die halogenierten Kohlenwasserstoffe auf chemischen Wege zu dispergieren. Hierdurch wird erreicht, daß für die anschließende Dehalogenierung die abzubauenden halogenierten Kohlenwasserstoffe frei zugänglich sind, wodurch ihre chemische Reaktivität derart erhöht wird, daß sie allein chemisch bei sehr niedrigen Reaktionstemperaturen abgebaut werden können. Hierbei werden bei dem beanspruchten Verfahren Temperaturen angewendet, die zwischen der Umgebungstemperatur und maximal 510°C liegen, so daß im Mittel im Vergleich zu dem vorstehend aufgeführten Stand der Technik die erforderlichen Reaktionstemperaturen etwa halbiert sind. Dies wiederum führt dazu, daß sich bei dem beanspruchten Verfahren keine unerwünschten, hoch toxischen Folgeprodukte bilden können.

    [0013] Insbesondere aus zahlreichen Veröffentlichungen des Erfinders ist es bekannt, daß sich Stoffe und Stoffgemische auf chemischem Wege dispergieren lassen. Die Dispergierung durch chemische Reaktion (kurz DCR-Verfahren genannt) ist eine einfache Methode zur Verteilung von flüssigen Stoffen und Lösungen fester oder flüssiger Stoffe im Verlauf der Bildung großer Oberflächen durch chemische Reaktion und Gegenstand der deutschen Patente 20 53 627, 2328777, 2328778, 2520999, 2533789, 25 33 790, 25 33 791 und ihrer ausländischen Äquivalente. Insbesondere die DE-AS 25 33 790 beschreibt ein Verfahren zur chemischen Dispergierung einer ein Hydroxid bildenden Verbindung in Mineralölen, mineralölähnlichen bzw. mineralölhaltigen Stoffen. In dieser Auslegeschrift findet sich jedoch kein Hinweis darauf, daß auch halogenierte Kohlenwasserstoffe für ein derartiges Verfahren einsetzbar sind.

    [0014] Unter den zahlreichen chemischen Reaktionen, die der Bedingung nach einer Oberflächenvergrößerung im dargelegten Sinne genügen und die daher für eine Verteilung auf chemischem Wege herangezogen werden können, sind besonders die Umsetzung von Calciumoxyd mit Wasser zu Calciumhydroxid und die Hydrolyse von Aluminiumalkoholaten zu Aluminiumhydroxid, zu nennen. Die in den entstehenden feindispersen Feststoffzubereitungen vorliegenden Verbindungen weisen eine besonders hohe chemische Reaktivität auf. Es gehört zu den Vorteilen des Verfahrens zur Dispergierung auf chemischen Wege, daß man die zur Ausführung bestimmter chemischer Reaktionen mit den dispergierten Stoffen erforderlichen Reaktionspartner mitdispergieren kann. Auf diese Weise liegen beide Reaktionspartner in hochreaktiver Form nebeneinander vor.

    [0015] Zur Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen verwendet man zweckmäßigerweise nukleophile Reaktionspartner. Wenn man zur Ausführung der dispergierenden Reaktion Calciumoxyd als Edukt (Ausgangsmaterial) verwendet, so erhält man eine Feststoffzubereitung mit Calciumhydroxid als Trägermaterial. Führt man die dispergierenden Reaktionen unter Einbringung halogenierter Kohlenwasserstoffe durch, so enthält das entstehende Calciumhydroxid homogen die Halogenverbindung.

    [0016] Es liegen also Halogenverbindung und Calciumhydroxid in hochreaktiver Form vor. Hydroxylionen sind nukleophile Reaktionspartner. Beim Erhitzen der Feststoffzubereitung im geschlossenen System wird der halogenierte Kohlenwasserstoff dehalogeniert. Hierzu benötigt man bei einer Verweilzeit um etwa eine Stunde eine Reaktionstemperatur von nur etwa 500°C. Durch Mitdispergieren von nukleophilen Reaktionspartnern höherer Reaktivität, wie z.B. Alkoholaten, erniedrigt sich die Temperatur je nach Struktur des Alkoholats auf etwa 300°C. Wenn man dem Wasser, das zur Reaktion des Calciumoxyds zu Calciumhydroxid erforderlich ist, Kaliumhydroxid zudosiert, so erniedrigt sich die Reaktionstemperatur unter sonst gleichen Bedingungen auf etwa 400°C. In diesem Zusammenhang gelten die in der Chemie bekannten Beziehungen zwischen Verweilzeit, Reaktionstemperatur und nukleophiler Reaktivität und nicht zuletzt des Lösungsmittels. Der Fachmann ist durch einfache Vorversuche in der Lage, für den jeweils vollständig zu dehalogenierenden halogenierten Kohlenwasserstoff in Verbindung mit dem günstigsten Edukt und einem besonders wirksamen nukleophilen Reaktionspartner die Bedingungen so zu optimieren, daß die Dehalogenierung bei möglichst niedriger Temperatur in möglichst kurzer Zeit abgeschlossen werden kann. Es ist daher auch durchaus möglich, daß man däs feindisperse Reaktionsprodukt in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners einfach bei Umgebungstemperatur bis zur Dehalogenierung ausreagieren läßt. Sofern der nukleophile Reaktionspartner nicht schon aus dem Edukt der dispergierenden chemischen Reaktion entsteht, wie das z.B. bei Calcium-oder Magnesiumhydroxyd der Fall ist, wird der nukleophile Reaktionspartner zugesetzt und zweckmäßig bei der Dispergierung durch chemische Reaktion miteingebaut. Besonders geeignete nukleophile Reaktionspartner sind außer den schon genannten Alkalihydroxyden und -alkoholaten, Alkohole oder Amine. Wenn neben KOH auch Alkohole vorhanden sind, z.B. Diethylenglykol, so bilden sich im Gleichgewicht Alkoholationen, die eine hohe nukleophile Reaktivität aufweisen.

    [0017] Sofern für die Dehalogenierung der halogenierten Kohlenwasserstoffe in dem feindispersen Reaktionsprodukt des jeweils angewendeten DCR-Verfahrens in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners eine Erhitzung notwendig ist, wird diese zweckmäßig in einem geschlossenen Reaktionsraum durchgeführt, um ein Entweichen der Halogenkohlenwasserstoffe vor ihrer vollständigen Dehalogenierung zu verhindern. Um eine vollständige Reaktion der unter Umständen gasförmigen Halogenkohlenwasserstoffe mit den festen Reaktionspartnern zu gewährleisten, empfiehlt es sich, das Gasvolumen möglichst gering zu halten, damit der Reaktionsraum möglichst vollständig von dem feindispersen Reaktionsprodukt und den nukleophilen Reaktionspartnern ausgefüllt ist. Die Dehalogenierung kann aber auch kontinuierlich in einer Wirbelschicht oder einem Festbettreaktor ausgeführt werden, wobei die entstehenden Kohlenwasserstoffe gegebenenfalls in die Wirbelschicht oder das Bett aus den Feststoffen zurückgeleitet werden, solange sie noch halogenierte Anteile enthalten.

    [0018] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich so auf einfachste Weise und völlig sicher hochgiftige Stoffe, die Halogene enthalten, enthalogenieren und in Stoffe mit geringem Gefahrenpotential umwandeln, d.h. beispielsweise Tetrachlordibenzodioxin in Dibenzodioxin, das im Gegensatz zur ersten Verbindung durchaus kein Ultragift ist, sondern eine relativ harmlose Verbindung. Man kann aber, um auch die nach der Enthalogenierung entstehenden Folgeprodukte unschädlich zu machen, das ausreagierte Produkt, d.h. das Produkt nach der Dehalogenierung, das ja weiterhin pulverförmig vorliegt, einer normalen Verbrennung zuführen, d.h. einer Verbrennungseinrichtung, die bei etwa 800°C arbeitet.

    [0019] Da die Folgeprodukte stets auf einfache Weise verbrennen, kann die oben beschriebene Gefährdung der Umwelt nicht mehr auftreten.

    [0020] Für die Zwecke der Erfindung wird Calciumoxid in der Form des handelsüblichen Branntkalks, z.B. des Weißfeinkalks, bevorzugt, aber auch grobe Körnungen sind in vielen Fällen brauchbar. Der Branntkalk kann bis zu 18 Gew.-% Magnesiumoxid oder andere Fremdbestandteile enthalten.

    [0021] Mit Hilfe von hydrophobiertem Calciumoxid lassen sich halogenierte Schadstoffe in Böden "aufsammeln". Diese Adsorption bzw. Vorverteilung läßt sich noch durch Zusatz von bituminösen Stoffen oder Mineralölen, die vorzugsweise in Form von Abfallstoffen eingesetzt werden, verbessern.

    [0022] In den folgenden Beispielen sind alle Mengenangaben Gewichtsteile.

    Beispiel 1



    [0023] 14 Teile polychlorierter Biphenyle (PCB) in Form eines industriell hergestellten Isomerengemisches werden mit 28 Teilen CaO verrührt. Durch Zugabe von 10 Teilen Wasser entsteht in einer exothermen dispergierenden chemischen Reaktion eine trockene pulverförmige Zubereitung, die im geschlossenen Rohr auf 510°C erhitzt und bei dieser Temperatur 30 Minuten gehalten wird. Die Dehalogenierung erfolgt unter diesen Bedingungen zu 99,996%.

    Beispiel 2



    [0024] 14 Teile eines mit 10,000 ppm PCB kontaminierten Mineralöls werden mit 28 Teilen CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1,4 Teile KOH gelöst wurden, auf chemischem Wege dispergiert. Nach einer Verweilzeit des Reaktionsprodukts von 30 Minuten bei 350°C sind nur noch 0,98 ppm PCB nachweisbar.

    Beispiel 3



    [0025] 14 Teile eines mit 10,000 ppm PCB kontaminierten Mineralöls werden mit 28 Teilen CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1,4 Teile KOH und 2 Teile eines Polyethylenglykols mit einem mittleren Molekulargewicht von 400 gelöst wurden, auf chemischen Wege dispergiert. Nach einer Verweilzeit des Reaktionsproduktes von 30 Minuten bei 300°C sind noch 1,4 ppm PCB nachweisbar.

    Beispiel 4



    [0026] 14,9 Teile eines mineralölhaltigen Rückstandes mit 0,14 Teilen PCB und 0,9 Teilen Tetrachlorethan aus einem Vorratstank, werden mit 28 Teilen CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1,4 Teile KOH und 2 Teile eines Polyehtylenglykols mit einem mittleren Molekulargewicht von 400 gelöst wurden, auf chemischem Wege dispergiert. Nach einer Verweilzeit von 30 Minuten bei 350°C im Autoklaven ist kein Tetrachlorethan nachweisbar und PCB zu nurmehr 0,9 ppm.

    Beispiel 5



    [0027] 14 Teile eines mit 10,000 ppm einer 50%igen Lösung von PCB in Trichlorbenzolen kontaminierten Abfallstoffes werden mit 28 Teilen CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1 Teil NaOH gelöst wurde, auf chemischem Wege dispergiert. Nach einer Verweilzeit von 30 Minuten bei 350°C in einem Festbettraktor sind unter sonst gleichen analytischen Bedingungen weder PCB noch Trichlorbenzole nachweisbar.

    Beispiel 6



    [0028] 56 Teile eines bindigen Bodens, der mit 100,000 ppb eines Gemisches chlorhaltiger Abfallstoffe mit mehr als 50% Hexachlorbenzol aus der Herstellung von 'Pflanzenschutzmitteln kontaminiert war, wurden in einem Schneckenreaktor mit 50 Teilen hydrophobiertem CaO in Gegenwart von 18 Teilen Wasser innig vermischt. Die im Mischprozeß vom hydrophoben CaO aufgenommenen organischen Verunreinigungen lassen sich so auf chemischem Wege dispergieren. Bei einer Verweilzeit des Reaktionsgemisches bei 350°C von 30 Minuten lassen sich noch 5,5 ppb halogenierter Kohlenwasserstoffe nachweisen.

    [0029] Wenn man diesem Ansatz noch 1 Teil KOH zufügt, z.B. in Form einer wäßrigen Lösung, so wird das Ausmaß der Dehalogenierung auf 99,9973% erhöht und es sind nur noch 1,1 ppb halogenierter Kohlenwasserstoffe unter sonst gleichen analytischen Bedingungen nachweisbar.

    Beispiel 7



    [0030] 56 Teile eines sandigen Bodens, der mit 2,000,000 ppb eines Gemisches chlorhaltiger Abfallstoffe mit mehr als 50% Hexachlorbenzol neben Pentachlorbenzol wie auch Tetra- und Trichlorbenzolen, unterschiedlich chloriertem Naphthalin und geringen Anteilen unterschiedlich chlorierten Dibenzodioxins aus der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln kontaminiert war wurden in einem Schneckenreaktor mit 50 Teilen hydrophobiertem CaO in Gegenwart von 10 Teilen eines Abfallmineralöls innig vermischt. Die im Mischprozeß vom Abfallmineralöl aufgenommenen organischen Verunreinigungen lassen sich so nach Zugabe von 18 Teilen Wasser auf chemischem Wege dispergieren. Das Reaktionsgemisch wird 30 Minuten bei 350°C gehalten. Danach lassen sich noch 2,0 ppb halogenierter Kohlenwasserstoffe nachweisen.

    [0031] Man erzielt ein nahezu gleiches Ergebnis, wenn man zuerst Abfallmineralöle, bituminöse Abfallstoffe, mit schwerflüchtigen organischen Stoffen beladene gebrauchte Bleicherde, oder sonstige Stoffe, welche die halogenierten Kohlenwasserstoffe in Lösung nehmen, oder, wie das hydrophobe CaO, adsorptiv binden und damit den nukleophilen Reaktionspartnern optimal zugänglich machen, auf chemischem Wege dispergiert und das ebenfalls hydrophobe Reaktionsprodukt der dispergierenden chemischen Reaktion nachträglich mit dem kontaminierten Boden, Sand oder sonstigen kontaminierten Stoffen vermischt und für die entsprechende Zeit auf die entsprechende Temperatur bringt. Hierbei müssen Boden, Sand usw. nahezu trocken sein.

    [0032] Ganz allgemein lassen sich die verfahrensgemäß dekontaminierten Böden und Sande als Bodenkörper, z.B. als befestigter Untergrund nutzen, da sie die verbliebenen aber inkontaminierten Schadstoffspuren nicht mehr an die Umgebung abgeben. Dies gilt im besonderen Maße, wenn die Böden unter Verdichtung eingebaut werden.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Dehalogenierung von halogenierten Kohlenwasserstoffen in Gegenwart eines nukleophilen Reaktionspartners, dadurch gekennzeichnet, daß man die halogenierten Kohlenwasserstoffe auf chemischem Wege dispergiert und das so entstandende feindisperse Reaktionsprodukt allein durch eine chemische Umsetzung mit dem nukleophilen Reaktionspartner bei Reaktionstemperaturen dehalogeniert, die zwischen Umgebungstemperatur und 510°C liegen.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die halogenierten Kohlenwasserstoffe in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners auf chemischem Wege dispergiert.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der nukleophile Reaktionspartner aus dem Edukt der dispergierenden chemischen Reaktion entsteht.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als nukleophilen Reaktionspartner Calciumoxid verwendet.
     
    5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als nukleophilen Reaktionspartner Alkalihydroxide, Alkalialkoholate, Calcium- oder Magnesiumhydroxid, Alkohole oder Amine einsetzt.
     
    6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man das feindisperse Reaktionsprodukt in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners auf die gerade notwendige Dehalogenierungstemperatur in möglichst kurzer Zeit erhitzt.
     
    7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man die Erhitzung in einem geschlossenen Reaktionsraum durchführt.
     
    8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß man den Reaktionsraum möglichst vollständig mit dem feindispersen Reaktionsprodukt und dem nukleophilen Reaktionspartner ausfüllt.
     
    9. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man die Dehalogenierung diskontinuierlich in einem Autoklaven durchführt.
     
    10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß man die Dehalogenierung kontinuierlich in einem Festbettreaktor oder in einer Wirbelschicht ausführt.
     
    11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man die Dispergierung durch chemische Reaktion und die Dehalogenierung als Einstufenprozeß ausführt.
     
    12. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man als halogenierte Kohlenwasserstoffe polychlorierte Aromaten, insbesondere chlorierte Biphenyle und Dioxine, einsetzt.
     
    13. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man halogenierte Kohlenwasserstoffe einsetzt, die als Verunreinigungen in Ölen, Ölschlamm, im Boden oder im Schlick vorliegen.
     


    Revendications

    1. Procédé de déshalogénation d'hydrocarbures halogénés en présence d'un partenaire réactionnel nucléophile, caractérisé en ce qu'on disperse par voie chimique les hydrocarbures halogénés et on déshalogène le produit réactionnel finement dispersé ainsi produit simplement par une réaction chimique avec le partenaire réactionnel nucléophile à des températures de réaction qui se situent entre la température ambiante et 510°C.
     
    2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce qu'on disperse par voie chimique les hydrocarbures halogénés en présence du partenaire réactionnel nucléophile.
     
    3. Procédé suivant la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le partenaire réactionnel nucléophile est produit à partir de l'éduit de la réaction chimique de dispersion.
     
    4. Procédé suivant la revendication 3, caractérisé en ce qu'on utilise comme partenaire réactionnel nucléophile l'oxyde de calcium.
     
    5. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'on utilise comme partenaires réactionnels nucléophiles des hydroxydes alcalins, des alcoolates alcalins, l'hydroxyde de calcium ou de magnésium, des alcools ou des amines.
     
    6. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on chauffe aussi brièvement que possible le produit réactionnel finement dispersé en présence du partenaire réactionnel nucléophile jusqu'à la température juste nécessaire de déshalogénation.
     
    7. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on conduit le chauffage dans un espace réactionnel clos.
     
    8. Procédé suivant la revendication 7, caractérisé en ce qu'on remplit l'espace réactionnel aussi complètement que possible avec le produit de réaction finement dispersé et le partenaire réactionnel nucléophile.
     
    9. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on conduit la déshalogénation en discontinu dans un autoclave.
     
    10. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 8, caractérisé en ce qu'on conduit la déshalogénation en continu dans un réacteur à lit fixe ou en couche fluidisée.
     
    11. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on conduit selon un processus en une seule étape la dispersion par réaction chimique et la déshalogénation.
     
    12. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on utilise comme hydrocarbures halogénés des hydrocarbures aromatiques polychlorés, notamment des biphényles et des dioxines chlorés.
     
    13. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on utilise des hydrocarbures halogénés qui existent comme impuretés dans des huiles, dans des boues d'huile, dans le sol ou dans la vase.
     


    Claims

    1. Process for the dehalogenation of halogenated hydrocarbons in the presence of a nucleophilic reactant, characterised in that the halogenated hydrocarbons are chemically dispersed and the resulting finely-dispersed reaction product is dehalogenated solely by a chemical reaction with the nucleophilic reactant at reaction temperatures which are between ambient temperature and 510°C.
     
    2. Process according to Claim 1, characterised in that the halogenated hydrocarbons are chemically dispersed in the presence of the nucleophilic reactant.
     
    3. Process according to Claim 1 or 2, characterised in that the nucleophilic reactant is produced from the educt of the dispersing chemical reaction.
     
    4. Process according to Claim 3, characterised in that calcium oxide is used as the nucleophilic reactant.
     
    5. Process according to one of Claims 1 to 3, characterised in that alkali hydroxides, alkali alcoholates, calcium hydroxide or magnesium hydroxide, alcohols or amines are used as the nucleophilic reactant.
     
    6. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the finely-dispersed reaction product is heated to just the necessary dehalogenation temperature in as short a time as possible in the presence of the nucleophilic reactant.
     
    7. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the heating is carried out in a closed reaction chamber.
     
    8. Process according to Claim 7, characterised in that the reaction chamber is filled up as completely as possible with the finely-dispersed reaction product and the nucleophilic reactant.
     
    9. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the dehalogenation is carried out discontinuously in an autoclave.
     
    10. Process according to one of Claims 1 to 8, characterised in that the dehalogenation is carried out continuously in a fixed bed reactor or in a fluidised bed.
     
    11. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the dispersal is carried out by chemical reaction and the dehalogenation is carried out as a one-stage process.
     
    12. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that polychlorinated aromatics, in particular chlorinated biphenyls and dioxines, are used as the halogenated hydrocarbons.
     
    13. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that halogenated hydrocarbons are used which are present as impurities in oils, oil sludge, in the earth or in muds.