[0001] Halogenierte Kohlenwasserstoffe können Umweltprobleme verursachen. Dies gilt insbesondere
für Verbindungen wie polychlorierte Biphenyle, Dibenzodioxine, Dibenzofurane und andere
polycyclische Aromaten. Die Verbindungen können in Substanz vorliegen, als Verunreinigung
in Mineralölen, in Substanz oder in Mineralöl gelöst im Boden, z.B. in Form von Sickerölen
oder, zusammen mit Wasser, als Sickerwasser aus Altlasten oder als Verunreinigung
in kompakten, insbesondere bituminösen Phasen.
[0002] Es ist bekannt, daß man Verbindungen dieser Art bei hoher Temperatur, z.B. oberhalb
1200°C schadlos verbrennen kann, sofern diese Temperatur über einen längeren Weg im
Verbrennungsprozeß sicher eingehalten werden kann. Ist dies nicht der Fall, so können
beim Vorliegen geeigneter Edukte unter den üblichen Bedingungen einer Verbrennung
im Gegenteil halogenierte Dioxine bzw. Dibenzofurane produziert werden, so daß eine
zusätzliche Belastung der Umwelt auftritt.
[0003] Ferner ist bekannt, daß sich halogenierte Kohlenwasserstoffe mit Metallen wie Natrium
und Kalium enthalogenieren lassen. Die Reaktion wird bei erhöhter Temperatur durchgeführt,
beispielsweise mit geschmolzenem Natrium in Form einer Suspension.
[0004] Halogenierte Kohlenwasserstoffe, die als Verunreinigungen im Boden vorliegen, lassen
sich in Drehrohröfen austreiben. Der Gasstrom wird anschließend einer Hochtemperaturverbrennungseinrichtung
zugeführt oder kondensiert.
[0005] Die in der kondensierten Phase vorliegenden halogenierten Kohlenwasserstoffe können
dann einer konventionellen Dehalogenierungsreaktion unterworfen werden.
[0006] In der organisch-chemischen Literatur ist eine Reihe von Dehalogenierungsreaktionen
beschrieben. Sie alle funktionieren nur unter der Voraussetzung, daß es sich um gereinigte
Stoffe handelt. Beispielsweise lassen sich auf relativ einfache Weise reine halogenierte
Kohlenwasserstoffe dadurch enthalogenieren, daß man sie mit unterphosphoriger Säure
in Gegenwart von Palladium-Katalysatoren behandelt. Diese Methode versagt sofort,
wenn kleinste Verunreinigungen in dem Medium vorhanden sind. Es ist daher einzusehen,
daß diese Verfahren im Bereich des Umweltschutzes praktisch nicht zur Anwendung gelangen
können, weil es sich hier um Gemische handelt mit Bestandteilen, die die erforderlichen
Katalysatoren nach kurzer Zeit vergiften.
[0007] Ein Verfahren mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Patentanspruchs 1 wird durch
die EP-A-0 188718 beschrieben. Hierbei werden bei dem bekannten Verfahren die halogenierten
Kohlenwasserstoffe unter Verwendung eines Dehalogenierungskatalysators chemisch/thermisch
gespalten, wobei der bekannte Katalysator ein Mischkatalysator aus Calciumoxid und/oder
Calciumhydroxid und Eisenoxid ist. Das bekannte Verfahren erfordert wegen der pyrolytischen
Zersetzung der halogenierten Kohlenwasserstoffe Reaktionstemperaturen im Bereich zwischen
600°C und 800°C.
[0008] Den erwähnten Verfahren haften erhebliche Nachteile an. Besteht die Dehalogenierung
darin, daß das halogenierte Kohlenwasserstoffmolekül insgesamt oxidativ zerstört wird,
also durch Verbrennung zerstört wird, so sind ungewöhnlich hohe Temperaturen erforderlich.
Verfahren dieser Art sind deshalb sehr kostenintensiv und es besteht die Gefahr, daß
hochgiftige Stoffe produziert werden, wenn die oben erwähnten Rahmenbedingungen nicht
eingehalten werden. In den chemischen Methoden außerhalb der oxidativen Zerstörung
sind stets Reaktionspartner, gegebenenfalls auch Katalysatoren erforderlich, die an
stark verunreinigten Gemischen bzw. an wasserhaltigen Systemen versagen, wie das bei
der erwähnten Dehalogenierung von chemisch reinen Substanzen unter Verwendung von
geschmolzenem Natriummetall, Natriumalkoholaten oder Katalysatoren derr Fall ist.
[0009] Ferner bestehtbei dem bekannten Verfahren immer die Gefahr, daß sich bei den relativ
hohen Temperaturen aus den ursprünglich vorhandenen halogenierten Kohlenwasserstoffen
toxische Folgeprodukte bilden, so z.B. Dioxine bzw. Dibenzofurane aus halogenierten
Aromaten.
[0010] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der angegebenen
Art zur Verfügung zu stellen, bei dem die Bildung von toxischen Folgeprodukten aus
den ursprünglich vorhandenen halogenierten Kohlenwasserstoffen ausgeschlossen ist.
[0011] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den kennzeichnenden Merkmalen
des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren beruht auf dem Grundgedanken, die Dehalogenierung
der halogenierten Kohlenwasserstoffe bei niedrigen Temperaturen allein auf chemischem
Wege herbeizuführen. Um dies zu erreichen, wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
vorgeschlagen, zunächst die halogenierten Kohlenwasserstoffe auf chemischen Wege zu
dispergieren. Hierdurch wird erreicht, daß für die anschließende Dehalogenierung die
abzubauenden halogenierten Kohlenwasserstoffe frei zugänglich sind, wodurch ihre chemische
Reaktivität derart erhöht wird, daß sie allein chemisch bei sehr niedrigen Reaktionstemperaturen
abgebaut werden können. Hierbei werden bei dem beanspruchten Verfahren Temperaturen
angewendet, die zwischen der Umgebungstemperatur und maximal 510°C liegen, so daß
im Mittel im Vergleich zu dem vorstehend aufgeführten Stand der Technik die erforderlichen
Reaktionstemperaturen etwa halbiert sind. Dies wiederum führt dazu, daß sich bei dem
beanspruchten Verfahren keine unerwünschten, hoch toxischen Folgeprodukte bilden können.
[0013] Insbesondere aus zahlreichen Veröffentlichungen des Erfinders ist es bekannt, daß
sich Stoffe und Stoffgemische auf chemischem Wege dispergieren lassen. Die Dispergierung
durch chemische Reaktion (kurz DCR-Verfahren genannt) ist eine einfache Methode zur
Verteilung von flüssigen Stoffen und Lösungen fester oder flüssiger Stoffe im Verlauf
der Bildung großer Oberflächen durch chemische Reaktion und Gegenstand der deutschen
Patente 20 53 627, 2328777, 2328778, 2520999, 2533789, 25 33 790, 25 33 791 und ihrer
ausländischen Äquivalente. Insbesondere die DE-AS 25 33 790 beschreibt ein Verfahren
zur chemischen Dispergierung einer ein Hydroxid bildenden Verbindung in Mineralölen,
mineralölähnlichen bzw. mineralölhaltigen Stoffen. In dieser Auslegeschrift findet
sich jedoch kein Hinweis darauf, daß auch halogenierte Kohlenwasserstoffe für ein
derartiges Verfahren einsetzbar sind.
[0014] Unter den zahlreichen chemischen Reaktionen, die der Bedingung nach einer Oberflächenvergrößerung
im dargelegten Sinne genügen und die daher für eine Verteilung auf chemischem Wege
herangezogen werden können, sind besonders die Umsetzung von Calciumoxyd mit Wasser
zu Calciumhydroxid und die Hydrolyse von Aluminiumalkoholaten zu Aluminiumhydroxid,
zu nennen. Die in den entstehenden feindispersen Feststoffzubereitungen vorliegenden
Verbindungen weisen eine besonders hohe chemische Reaktivität auf. Es gehört zu den
Vorteilen des Verfahrens zur Dispergierung auf chemischen Wege, daß man die zur Ausführung
bestimmter chemischer Reaktionen mit den dispergierten Stoffen erforderlichen Reaktionspartner
mitdispergieren kann. Auf diese Weise liegen beide Reaktionspartner in hochreaktiver
Form nebeneinander vor.
[0015] Zur Dehalogenierung von Halogenkohlenwasserstoffen verwendet man zweckmäßigerweise
nukleophile Reaktionspartner. Wenn man zur Ausführung der dispergierenden Reaktion
Calciumoxyd als Edukt (Ausgangsmaterial) verwendet, so erhält man eine Feststoffzubereitung
mit Calciumhydroxid als Trägermaterial. Führt man die dispergierenden Reaktionen unter
Einbringung halogenierter Kohlenwasserstoffe durch, so enthält das entstehende Calciumhydroxid
homogen die Halogenverbindung.
[0016] Es liegen also Halogenverbindung und Calciumhydroxid in hochreaktiver Form vor. Hydroxylionen
sind nukleophile Reaktionspartner. Beim Erhitzen der Feststoffzubereitung im geschlossenen
System wird der halogenierte Kohlenwasserstoff dehalogeniert. Hierzu benötigt man
bei einer Verweilzeit um etwa eine Stunde eine Reaktionstemperatur von nur etwa 500°C.
Durch Mitdispergieren von nukleophilen Reaktionspartnern höherer Reaktivität, wie
z.B. Alkoholaten, erniedrigt sich die Temperatur je nach Struktur des Alkoholats auf
etwa 300°C. Wenn man dem Wasser, das zur Reaktion des Calciumoxyds zu Calciumhydroxid
erforderlich ist, Kaliumhydroxid zudosiert, so erniedrigt sich die Reaktionstemperatur
unter sonst gleichen Bedingungen auf etwa 400°C. In diesem Zusammenhang gelten die
in der Chemie bekannten Beziehungen zwischen Verweilzeit, Reaktionstemperatur und
nukleophiler Reaktivität und nicht zuletzt des Lösungsmittels. Der Fachmann ist durch
einfache Vorversuche in der Lage, für den jeweils vollständig zu dehalogenierenden
halogenierten Kohlenwasserstoff in Verbindung mit dem günstigsten Edukt und einem
besonders wirksamen nukleophilen Reaktionspartner die Bedingungen so zu optimieren,
daß die Dehalogenierung bei möglichst niedriger Temperatur in möglichst kurzer Zeit
abgeschlossen werden kann. Es ist daher auch durchaus möglich, daß man däs feindisperse
Reaktionsprodukt in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners einfach bei Umgebungstemperatur
bis zur Dehalogenierung ausreagieren läßt. Sofern der nukleophile Reaktionspartner
nicht schon aus dem Edukt der dispergierenden chemischen Reaktion entsteht, wie das
z.B. bei Calcium-oder Magnesiumhydroxyd der Fall ist, wird der nukleophile Reaktionspartner
zugesetzt und zweckmäßig bei der Dispergierung durch chemische Reaktion miteingebaut.
Besonders geeignete nukleophile Reaktionspartner sind außer den schon genannten Alkalihydroxyden
und -alkoholaten, Alkohole oder Amine. Wenn neben KOH auch Alkohole vorhanden sind,
z.B. Diethylenglykol, so bilden sich im Gleichgewicht Alkoholationen, die eine hohe
nukleophile Reaktivität aufweisen.
[0017] Sofern für die Dehalogenierung der halogenierten Kohlenwasserstoffe in dem feindispersen
Reaktionsprodukt des jeweils angewendeten DCR-Verfahrens in Gegenwart des nukleophilen
Reaktionspartners eine Erhitzung notwendig ist, wird diese zweckmäßig in einem geschlossenen
Reaktionsraum durchgeführt, um ein Entweichen der Halogenkohlenwasserstoffe vor ihrer
vollständigen Dehalogenierung zu verhindern. Um eine vollständige Reaktion der unter
Umständen gasförmigen Halogenkohlenwasserstoffe mit den festen Reaktionspartnern zu
gewährleisten, empfiehlt es sich, das Gasvolumen möglichst gering zu halten, damit
der Reaktionsraum möglichst vollständig von dem feindispersen Reaktionsprodukt und
den nukleophilen Reaktionspartnern ausgefüllt ist. Die Dehalogenierung kann aber auch
kontinuierlich in einer Wirbelschicht oder einem Festbettreaktor ausgeführt werden,
wobei die entstehenden Kohlenwasserstoffe gegebenenfalls in die Wirbelschicht oder
das Bett aus den Feststoffen zurückgeleitet werden, solange sie noch halogenierte
Anteile enthalten.
[0018] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich so auf einfachste Weise und völlig
sicher hochgiftige Stoffe, die Halogene enthalten, enthalogenieren und in Stoffe mit
geringem Gefahrenpotential umwandeln, d.h. beispielsweise Tetrachlordibenzodioxin
in Dibenzodioxin, das im Gegensatz zur ersten Verbindung durchaus kein Ultragift ist,
sondern eine relativ harmlose Verbindung. Man kann aber, um auch die nach der Enthalogenierung
entstehenden Folgeprodukte unschädlich zu machen, das ausreagierte Produkt, d.h. das
Produkt nach der Dehalogenierung, das ja weiterhin pulverförmig vorliegt, einer normalen
Verbrennung zuführen, d.h. einer Verbrennungseinrichtung, die bei etwa 800°C arbeitet.
[0019] Da die Folgeprodukte stets auf einfache Weise verbrennen, kann die oben beschriebene
Gefährdung der Umwelt nicht mehr auftreten.
[0020] Für die Zwecke der Erfindung wird Calciumoxid in der Form des handelsüblichen Branntkalks,
z.B. des Weißfeinkalks, bevorzugt, aber auch grobe Körnungen sind in vielen Fällen
brauchbar. Der Branntkalk kann bis zu 18 Gew.-% Magnesiumoxid oder andere Fremdbestandteile
enthalten.
[0021] Mit Hilfe von hydrophobiertem Calciumoxid lassen sich halogenierte Schadstoffe in
Böden "aufsammeln". Diese Adsorption bzw. Vorverteilung läßt sich noch durch Zusatz
von bituminösen Stoffen oder Mineralölen, die vorzugsweise in Form von Abfallstoffen
eingesetzt werden, verbessern.
[0022] In den folgenden Beispielen sind alle Mengenangaben Gewichtsteile.
Beispiel 1
[0023] 14 Teile polychlorierter Biphenyle (PCB) in Form eines industriell hergestellten
Isomerengemisches werden mit 28 Teilen CaO verrührt. Durch Zugabe von 10 Teilen Wasser
entsteht in einer exothermen dispergierenden chemischen Reaktion eine trockene pulverförmige
Zubereitung, die im geschlossenen Rohr auf 510°C erhitzt und bei dieser Temperatur
30 Minuten gehalten wird. Die Dehalogenierung erfolgt unter diesen Bedingungen zu
99,996%.
Beispiel 2
[0024] 14 Teile eines mit 10,000 ppm PCB kontaminierten Mineralöls werden mit 28 Teilen
CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1,4 Teile KOH gelöst wurden, auf chemischem Wege
dispergiert. Nach einer Verweilzeit des Reaktionsprodukts von 30 Minuten bei 350°C
sind nur noch 0,98 ppm PCB nachweisbar.
Beispiel 3
[0025] 14 Teile eines mit 10,000 ppm PCB kontaminierten Mineralöls werden mit 28 Teilen
CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1,4 Teile KOH und 2 Teile eines Polyethylenglykols
mit einem mittleren Molekulargewicht von 400 gelöst wurden, auf chemischen Wege dispergiert.
Nach einer Verweilzeit des Reaktionsproduktes von 30 Minuten bei 300°C sind noch 1,4
ppm PCB nachweisbar.
Beispiel 4
[0026] 14,9 Teile eines mineralölhaltigen Rückstandes mit 0,14 Teilen PCB und 0,9 Teilen
Tetrachlorethan aus einem Vorratstank, werden mit 28 Teilen CaO und 10 Teilen Wasser,
in dem 1,4 Teile KOH und 2 Teile eines Polyehtylenglykols mit einem mittleren Molekulargewicht
von 400 gelöst wurden, auf chemischem Wege dispergiert. Nach einer Verweilzeit von
30 Minuten bei 350°C im Autoklaven ist kein Tetrachlorethan nachweisbar und PCB zu
nurmehr 0,9 ppm.
Beispiel 5
[0027] 14 Teile eines mit 10,000 ppm einer 50%igen Lösung von PCB in Trichlorbenzolen kontaminierten
Abfallstoffes werden mit 28 Teilen CaO und 10 Teilen Wasser, in dem 1 Teil NaOH gelöst
wurde, auf chemischem Wege dispergiert. Nach einer Verweilzeit von 30 Minuten bei
350°C in einem Festbettraktor sind unter sonst gleichen analytischen Bedingungen weder
PCB noch Trichlorbenzole nachweisbar.
Beispiel 6
[0028] 56 Teile eines bindigen Bodens, der mit 100,000 ppb eines Gemisches chlorhaltiger
Abfallstoffe mit mehr als 50% Hexachlorbenzol aus der Herstellung von 'Pflanzenschutzmitteln
kontaminiert war, wurden in einem Schneckenreaktor mit 50 Teilen hydrophobiertem CaO
in Gegenwart von 18 Teilen Wasser innig vermischt. Die im Mischprozeß vom hydrophoben
CaO aufgenommenen organischen Verunreinigungen lassen sich so auf chemischem Wege
dispergieren. Bei einer Verweilzeit des Reaktionsgemisches bei 350°C von 30 Minuten
lassen sich noch 5,5 ppb halogenierter Kohlenwasserstoffe nachweisen.
[0029] Wenn man diesem Ansatz noch 1 Teil KOH zufügt, z.B. in Form einer wäßrigen Lösung,
so wird das Ausmaß der Dehalogenierung auf 99,9973% erhöht und es sind nur noch 1,1
ppb halogenierter Kohlenwasserstoffe unter sonst gleichen analytischen Bedingungen
nachweisbar.
Beispiel 7
[0030] 56 Teile eines sandigen Bodens, der mit 2,000,000 ppb eines Gemisches chlorhaltiger
Abfallstoffe mit mehr als 50% Hexachlorbenzol neben Pentachlorbenzol wie auch Tetra-
und Trichlorbenzolen, unterschiedlich chloriertem Naphthalin und geringen Anteilen
unterschiedlich chlorierten Dibenzodioxins aus der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln
kontaminiert war wurden in einem Schneckenreaktor mit 50 Teilen hydrophobiertem CaO
in Gegenwart von 10 Teilen eines Abfallmineralöls innig vermischt. Die im Mischprozeß
vom Abfallmineralöl aufgenommenen organischen Verunreinigungen lassen sich so nach
Zugabe von 18 Teilen Wasser auf chemischem Wege dispergieren. Das Reaktionsgemisch
wird 30 Minuten bei 350°C gehalten. Danach lassen sich noch 2,0 ppb halogenierter
Kohlenwasserstoffe nachweisen.
[0031] Man erzielt ein nahezu gleiches Ergebnis, wenn man zuerst Abfallmineralöle, bituminöse
Abfallstoffe, mit schwerflüchtigen organischen Stoffen beladene gebrauchte Bleicherde,
oder sonstige Stoffe, welche die halogenierten Kohlenwasserstoffe in Lösung nehmen,
oder, wie das hydrophobe CaO, adsorptiv binden und damit den nukleophilen Reaktionspartnern
optimal zugänglich machen, auf chemischem Wege dispergiert und das ebenfalls hydrophobe
Reaktionsprodukt der dispergierenden chemischen Reaktion nachträglich mit dem kontaminierten
Boden, Sand oder sonstigen kontaminierten Stoffen vermischt und für die entsprechende
Zeit auf die entsprechende Temperatur bringt. Hierbei müssen Boden, Sand usw. nahezu
trocken sein.
[0032] Ganz allgemein lassen sich die verfahrensgemäß dekontaminierten Böden und Sande als
Bodenkörper, z.B. als befestigter Untergrund nutzen, da sie die verbliebenen aber
inkontaminierten Schadstoffspuren nicht mehr an die Umgebung abgeben. Dies gilt im
besonderen Maße, wenn die Böden unter Verdichtung eingebaut werden.
1. Verfahren zur Dehalogenierung von halogenierten Kohlenwasserstoffen in Gegenwart
eines nukleophilen Reaktionspartners, dadurch gekennzeichnet, daß man die halogenierten
Kohlenwasserstoffe auf chemischem Wege dispergiert und das so entstandende feindisperse
Reaktionsprodukt allein durch eine chemische Umsetzung mit dem nukleophilen Reaktionspartner
bei Reaktionstemperaturen dehalogeniert, die zwischen Umgebungstemperatur und 510°C
liegen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die halogenierten Kohlenwasserstoffe
in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners auf chemischem Wege dispergiert.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der nukleophile Reaktionspartner
aus dem Edukt der dispergierenden chemischen Reaktion entsteht.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als nukleophilen Reaktionspartner
Calciumoxid verwendet.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als
nukleophilen Reaktionspartner Alkalihydroxide, Alkalialkoholate, Calcium- oder Magnesiumhydroxid,
Alkohole oder Amine einsetzt.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
das feindisperse Reaktionsprodukt in Gegenwart des nukleophilen Reaktionspartners
auf die gerade notwendige Dehalogenierungstemperatur in möglichst kurzer Zeit erhitzt.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
die Erhitzung in einem geschlossenen Reaktionsraum durchführt.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß man den Reaktionsraum möglichst
vollständig mit dem feindispersen Reaktionsprodukt und dem nukleophilen Reaktionspartner
ausfüllt.
9. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man
die Dehalogenierung diskontinuierlich in einem Autoklaven durchführt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß man die
Dehalogenierung kontinuierlich in einem Festbettreaktor oder in einer Wirbelschicht
ausführt.
11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
man die Dispergierung durch chemische Reaktion und die Dehalogenierung als Einstufenprozeß
ausführt.
12. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
man als halogenierte Kohlenwasserstoffe polychlorierte Aromaten, insbesondere chlorierte
Biphenyle und Dioxine, einsetzt.
13. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß
man halogenierte Kohlenwasserstoffe einsetzt, die als Verunreinigungen in Ölen, Ölschlamm,
im Boden oder im Schlick vorliegen.
1. Procédé de déshalogénation d'hydrocarbures halogénés en présence d'un partenaire
réactionnel nucléophile, caractérisé en ce qu'on disperse par voie chimique les hydrocarbures
halogénés et on déshalogène le produit réactionnel finement dispersé ainsi produit
simplement par une réaction chimique avec le partenaire réactionnel nucléophile à
des températures de réaction qui se situent entre la température ambiante et 510°C.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce qu'on disperse par voie chimique
les hydrocarbures halogénés en présence du partenaire réactionnel nucléophile.
3. Procédé suivant la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le partenaire réactionnel
nucléophile est produit à partir de l'éduit de la réaction chimique de dispersion.
4. Procédé suivant la revendication 3, caractérisé en ce qu'on utilise comme partenaire
réactionnel nucléophile l'oxyde de calcium.
5. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'on utilise
comme partenaires réactionnels nucléophiles des hydroxydes alcalins, des alcoolates
alcalins, l'hydroxyde de calcium ou de magnésium, des alcools ou des amines.
6. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on chauffe
aussi brièvement que possible le produit réactionnel finement dispersé en présence
du partenaire réactionnel nucléophile jusqu'à la température juste nécessaire de déshalogénation.
7. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on conduit
le chauffage dans un espace réactionnel clos.
8. Procédé suivant la revendication 7, caractérisé en ce qu'on remplit l'espace réactionnel
aussi complètement que possible avec le produit de réaction finement dispersé et le
partenaire réactionnel nucléophile.
9. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on conduit
la déshalogénation en discontinu dans un autoclave.
10. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 8, caractérisé en ce qu'on conduit
la déshalogénation en continu dans un réacteur à lit fixe ou en couche fluidisée.
11. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on
conduit selon un processus en une seule étape la dispersion par réaction chimique
et la déshalogénation.
12. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on
utilise comme hydrocarbures halogénés des hydrocarbures aromatiques polychlorés, notamment
des biphényles et des dioxines chlorés.
13. Procédé suivant l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce qu'on
utilise des hydrocarbures halogénés qui existent comme impuretés dans des huiles,
dans des boues d'huile, dans le sol ou dans la vase.
1. Process for the dehalogenation of halogenated hydrocarbons in the presence of a
nucleophilic reactant, characterised in that the halogenated hydrocarbons are chemically
dispersed and the resulting finely-dispersed reaction product is dehalogenated solely
by a chemical reaction with the nucleophilic reactant at reaction temperatures which
are between ambient temperature and 510°C.
2. Process according to Claim 1, characterised in that the halogenated hydrocarbons
are chemically dispersed in the presence of the nucleophilic reactant.
3. Process according to Claim 1 or 2, characterised in that the nucleophilic reactant
is produced from the educt of the dispersing chemical reaction.
4. Process according to Claim 3, characterised in that calcium oxide is used as the
nucleophilic reactant.
5. Process according to one of Claims 1 to 3, characterised in that alkali hydroxides,
alkali alcoholates, calcium hydroxide or magnesium hydroxide, alcohols or amines are
used as the nucleophilic reactant.
6. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the finely-dispersed
reaction product is heated to just the necessary dehalogenation temperature in as
short a time as possible in the presence of the nucleophilic reactant.
7. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the heating
is carried out in a closed reaction chamber.
8. Process according to Claim 7, characterised in that the reaction chamber is filled
up as completely as possible with the finely-dispersed reaction product and the nucleophilic
reactant.
9. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the dehalogenation
is carried out discontinuously in an autoclave.
10. Process according to one of Claims 1 to 8, characterised in that the dehalogenation
is carried out continuously in a fixed bed reactor or in a fluidised bed.
11. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that the dispersal
is carried out by chemical reaction and the dehalogenation is carried out as a one-stage
process.
12. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that polychlorinated
aromatics, in particular chlorinated biphenyls and dioxines, are used as the halogenated
hydrocarbons.
13. Process according to one of the preceding Claims, characterised in that halogenated
hydrocarbons are used which are present as impurities in oils, oil sludge, in the
earth or in muds.