[0001] Das Färben von Textilmaterialien, wie z.B. Geweben, Gewirken oder auch Garnen und
Fäden, bestehend aus oder enthaltend Cellulosefasern, mit Reaktivfarbstoffen kann
nach bekannten Verfahren dadurch erfolgen, daß das Textilmaterial nach Art eines Ausziehverfahrens
mit einer Reaktivfarbstoff enthaltenden Färbeflotte, meist bei erhöhter Temperatur
und bei den meisten handelsüblichen Reaktivfarbstoffentypen in Gegenwart von Alkali,
behandelt wird, oder es können kontinuierliche bzw. diskontinuierliche Prozesse, wie
z.B. das sogenannte Pad-Steam-Verfahren, oder das Kaltverweilverfahren angewendet
werden. Beim Pad-Steam-Prozeß wie auch beim Kaltverweilverfahren wird das Textilmaterial
zunächst mit einer Reaktivfarbstoffflotte geklotzt, wobei das zur Fixierung notwendige
Alkali überlicherweise in einem getrennten lmprägnierschritt appliziert wird. Beim
Pad-Steam-Verfahren wird die Farbstoffixierung dann durch einen Dämpfprozeß, beim
Kaltverweilverfahren durch Aufdocken der imprägnierten Ware und mehrstündiges Verweilen
bei Raumtemperatur vollzogen. Auch andere Fixiermöglichkeiten, wie z.B. das Behandeln
der mit einer alkalifreien Reaktivfarbstoffflotte geklotzten Ware mit einer Natronlauge/Wasserglaslösung
sind bekannt geworden und werden technisch ausgeübt.
[0002] Bei allen genannten Reaktiv-Färbeverfahren wird im Verlauf des Färbevorgangs eine
kovalente chemische Bindung zwischen Farbstoffmolekül und Cellulosemolekül hergestellt.
Hierfür ist in jedem Fall die Anwesenheit von Alkali zwingend notwendig.
[0003] In der EP-Anmeldung 0 284 010 ist ein Verfahren zum Färben von Cellulosefasern mit
Reaktivfarbstoffen beschrieben, bei dem die Anwesenheit von Alkali nicht erforderlich
ist. Die Fixierung der Farbstoff auf den Fasern wird bei diesem Verfahren dadurch
erreicht, daß die Fasern vor dem Färben mit einem Kationisierungsmittel z.B. in Form
eines Umsetzungsproduktes aus Polyethylenimin und einem bifunktionellen Alkylierungsmittel
vorbehandelt wird.
[0004] All diese Färbeverfahren sind darauf angelegt, eine möglichst gleichmäßige Verteilung
der Farbstoffe über die gesamte Länge und Breite des Textilmaterials zu erhalten.
[0005] In weiterer Ausgestaltung des in der EP-Anmeldung 0 284 010 beschriebenen Verfahrens
wurde nun gefunden, daß man bei dieser Art des Färbens oder auch Druckens in Abwesenheit
von Alkali Mustereffekte erreichen kann, indem auf das Textilmateril, das zuvor mit
dem Kationisierungsmittel behandelt wurde, ein Oxidationsmittel in Form eines Musters
aufgetragen wird.
[0006] Gegenstand der Erfindung ist somit ein Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten
beim Färben oder Bedrucken von Textilmaterial in Abwesenheit von Alkali oder Reduktionsmitteln,
bei dem man das Textilmaterial mit einem Kationisierungsmittel vorbehandelt, trocknet,
ein Oxidationsmittel mustermäßig aufbringt, trocknet und in Abwesenheit von Alkali-
oder eines Reduktionsmittels mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen
oder Pigmentfarbstoffen färbt oder bedruckt.
[0007] Das zu färbende oder zu bedruckende Textilmaterial besteht ganz aus Baumwolle oder
es handelt sich um Mischungen von Baumwolle mit anderen Fasern synthetischer oder
natürlicher Art. Dieses Textilmaterial, das als fertiges Gewebe, Gewirke oder als
Garn vorliegen kann, wird zunächst mit einem Kationisierungsmittel behandelt.Kationisierungsmittel
sind in der Färberei und Druckerei generell bekannt, sie werden in erster Linie zur
Nachbehandlung von gefärbtem Textilmaterial genommen, um die Echtheiten der Färbungen
zu verbessern. Bevorzugt werden im Rahmen dieser Erfindung folgende Kationisierungsmittel
genommen: I.
[0008] Umsetzungsprodukte von Polyethyleniminen der Formel

worin
X ein Rest der Formel -(CH2-CH2-NHkH
a und b unabhängig voneinander Zahlen von 0 bis 600 sind wobei die Summe a + b eine
Zahl von 60-600 ist und
c eine Zahl von 0 bis 50 ist, mit bifunktionellen Alkylierungsmitteln, vorzugsweise
solchen Alkylierungsmitteln der Formel (II)
A-Z-A (II)
worin A den Rest eines alkylierenden Agenz und Z entweder eine direkte Bindung oder
ein zweiwertiges Brückenglied bedeutet.
[0009] Besonders geeignet für die Umsetzung mit den Polyethyleniminen zu erfindungsgemäß
einzusetzenden Hilfsmitteln sind solche bifunktionellen Alkylierungsmittel der Formel
II, in denen A eine Gruppe der Formel -CH
2-Y, worin Y ein als Anion abspaltbarer Substituent, insbesondere Chlor, Brom, Jod
oder -OH oder eine als Anion abspaltbare Gruppe, insbesondere die Sulfatogruppe oder
eine Sulfonyloxygruppe, insbesondere Phenylsulfonyloxy oder p-Tolylsulfonyloxy, oder
die Epoxygruppe -

bedeutet und Z, sofern es keine direkte Bindung ist, für einen zweiwertigen geradkettigen
oder verzweigten Rest der Formel (III)
-C
nH
2n- (III)
worin n eine Zahl von 1 bis 4 ist, einen zweiwertigen Rest der Formel IV
-C
mH
2m-D-C
mH
2m- (IV)
worin m die Zahlen 1 oder 2 bedeutet und D für -O-, -S-, -NH-, -CO-, -SO-, -S0
2-, oder für Phenylen steht.
[0010] Bevorzugt für die Umsetzung mit Polyethylenimin zu erfindungsgemäß einzusetzenden
Hilfsmitteln sind solche bifunktionellen Alkylierungsmittel, in denen A Gruppen der
Formel -CH
2-Y sind, die über ein Brückenglied der Formel IV miteinander verknüpft sind, oder
solche, in denen einer der Reste A eine Gruppe der Formel -CH
2-Y ist, die direkt an eine Epoxygruppe gebunden ist.
[0011] Beispiele für solche bifunktionellen Alkylierungsmitteln sind Epichlorhydrin, Glycid,
1,3-Dichlor-propan-2-01, β,β'-Dichlor-diethylether, β,β'-Dichlor-diethylamin, β,β-Dichlor-diethylsulfid,
β,β'-Dichlor-diethylsulf- oxid, β,β'-Dichlor-diethylsulfon, β,β'-Disulfatoethylether,
β,β'-Diphenylsulfonyloxyethylether, meta- oder para-Diepoxyethylbenzol, meta- oder
para-Diepoxypropylbenzol, Diepoxybutan, Diepoxy-2-methylbutan, Diepoxypropylamin.
[0012] Diese Umsetzungsprodukte, ausgehend von Polyethylenimin, sind im Detail in US 4 588
413 beschrieben. Diese Umsetzungsprodukte können auch mit C
1-C
4-, vorzugsweise C
1-C
3-Alkylgruppen quaterniert sein. Die Quaternierung kann mit Alkylhalogeniden, bevorzugt
Alkylchloriden, oder Dialkylsulfaten nach bekannten Methoden vorgenommen werden.
II.
[0013] Umsetzungsprodukte aus einem Epichlorhydrin und Ammoniak oder einem Amin der Formel

worin
A Wasserstoff, Alkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, R Alkyl
mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis C-Atomen,
eine Gruppe der Formel

(n = 0 bis 5),
eine Gruppe der Formel

(X = Sauerstoff oder Schwefel) (n = 0 bis 5),
oder R und A zusammen

und alkylen jeweils C1-C6, vorzugsweise C2-C3-alkylen bedeuten.
[0014] Diese Kationisierungsmittel werden hergestellt durch Reaktion eines Epihalogenhydrins,
vorzugsweise Epichlorhydrin, mit Ammoniak oder einem Amin der angegebenen Formel bei
Temperaturen von ca. 60 bis 70 ° C in Wasser oder einem niederen Alkohol als Lösungsmittel.
Gegebenenfalls können diese Kationisierungsmittel auch quaterniert werden, beispielsweise
mit C,-C
4-Dialkylsulfaten oder C
1-C
4-Alkylchloriden.
[0015] Als Amine, die der vorstehend aufgeführten Formel entsprechend seien beispielsweise
genannt: Monomethyl-, -äthyl-, -propyl-, -isopropyl-, -butyl-, -isobutylamin, Monooxäthyl,
Monooxypropylamin, Äthylendiamin, Diaminopropane, Diaminobutane, Diaminohexan, 3,3'-Diaminodipropyläther,
Piperazin, Monooxäthyl-und Di-oxäthyläthylendiamin, Diäthylentriamin, Dipropylentriamin,
Triäthylentetramin u.a.
[0016] Die Herstellung dieser Kationisierungsmittel ist im einzelnen in DE-A 16 19 391 beschrieben.
III.
[0017] Polymeres Kationisierungsmittel, das ganz oder teilweise aus monomeren Einheiten
der Formel

besteht, worin
R1, R2 Wasserstoff, C1-C22-Alkyl, das gegebenenfalls durch -CO-NH- oder -NH-CO- unterbrochen sein kann, Cl-C4-Hydroxyalkyl,
R3, R4 Wasserstoff oder Methyl,
Y- ein einwertiges Anion, oder ein einem einwertigen Anion äquivalenter Teil eines
mehrwertigen Anions bedeuten.
[0018] Diese zuvor beschriebenen Kationisierungsmittel werden zusammen mit einem in der
Textil.industrie üblichen Netz-oder Klotzhilfsmittel aus wäßriger Flotte auf das zu
färbende oder zu bedruckende Textilmaterial aufgebracht.
[0019] Als derartige Netz- oder Klotzhilfsmittel werden Alkansulfonate, Di-alkyl-sulfosuccinate,
Di-alkylphosphate oder Propylenoxid-Ethylenoxid-Blockpolymerisate mit einem Anteil
von 40-80 Gew.-% an Ethylenoxid genommen, insbesondere aber nichtionische Verbindungen,
beispielsweise oxethyliertes Nonylphenol.
[0020] Die Vorbehandlung mit dem Hilfsmittel zusammen mit einem nichtionischen Netzmittel
geschieht aus wäßriger Flotte nach üblichen Verfahren durch Foulardieren oder im Ausziehverfahren
bei Temperaturen von ca. 20 bis 80 ° C bis Kochtemperatur. Die Flotte wird auf einen
schwach saueren pH-Wert, vorzugsweise pH 3-6, eingestellt. Die Menge an Hilfsmittel
beträgt ca. 0,5 bis 10 %, vorzugsweise 3 bis 8 %, bezogen auf das Warengewicht. Die
Menge an Netzmittel beträgt vorzugsweise 2 bis 4 g/I.
[0021] Im Ausziehverfahren ist das Kationisierungsmittel während 5-20 min. aufgezogen. Im
Kontinueverfahren genügt ein sich anschließender Trockenprozeß zwischen Raumtemperatur
und 120 C. Die Vorbehandlungsflotte wird abgelassen und die Ware getrocknet.
[0022] Auf die so vorbehandelte Ware wird dann anschließend ein Oxidationsmittel in Musterform
aufgebracht. Als Oxidationsmittel kommen insbesondere in Frage Persulfat, Natriumchlorit,
Natriumhypochlorit, Perborate, Wasserstoffperoxid oder chlorhaltige Amide wie z.B.
N-Chlor-N-methylparatoluolsulfonsäureamid. Diese Oxidationsmittel werden üblicherweise
in Form von sogenannten Einstellungen benutzt, die neben dem Oxidationsmittel noch
Verdicker, Netzmittel, Dispergiermittel, Entschäumer, Stabilisatoren und andere Hilfsmittel
enthalten. Als zusätzliche Hilfsmittel, die dem Oxidationsmittel beigegeben werden,
eignen sich besonders solche, die anionischen Charakter haben, wie etwa anionische
Netz-, Wasch- und Dispergiermittel. Durch die Zugabe von anionischen Hilfsmitteln
wird ebenfalls die kationisierende Wirkung des Kationisierungsmittels aufgehoben und
die Reservierungseffekte werden verstärkt.
[0023] Diese Oxidationsmittel werden als wäßrige Einstellungen mit einem Gehalt von ungefähr
0,05 bis 50 Gew.-% an Oxidationsmittel auf das Textilmaterial aufgetragen. Die Flottenaufnahme
beträgt etwa 5 bis 200 Gew.-%. Der Auftrag dieser Oxidationsmittel erfolgt durch gleichmäßiges
oder ungleichmäßiges Aufsprühen, Aufdrucken, Aufpinseln oder durch ähnliche Techniken.
Man kann das Oxidationsmittel auch in einer Musterform, z.B. in einer Schablone auf
das Textilmaterial aufbringen. Anschließend wird die Ware getrocknet und dann kalt
gespült.
[0024] Eine bevorzugte Verfahrensvariante besteht darin, daß man Kettgarn in üblicher Weise
mit einem Schlichtemitttel behandelte wobei das Schlichtemittel zusätzlich noch ein
Kationisierungsmittel enthält. Nach dem Trocknen wird dann das Kettgarn verwebt und
auf das Gewebe das Oxidationsmittel aufgebracht. Die Anwesenheit des Schlichtemittels,
wie z.B. Polyvinylalkohol oder Stärkeschlichten bewirkt, daß die Konturenschärfe der
Mustereffekte erhöht sind.
[0025] Die mit Oxidationsmittel so vorbehandelte Ware wird dann anschließend nach üblichen
Verfahren und auf üblichen Färbeaggregaten mit Direkt-, Reaktiv- oder sulfogruppenhaltigen
Schwefelfarbstoffen oder, bevorzugt bei der Verwendung der Kationisierungsmittel unter
111, mit Pigmentfarbstoffen, gefärbt, beispielsweise nach dem Kaltverweilverfahren
oder nach einem Ausziehverfahren. Das Flottenverhältnis kann dabei etwa 1:3 bis 1
40 betragen. Wichtig ist hierbei jedoch, daß, im Gegensatz zu der bisher üblichen
Arbeitsweise, im vorliegenden Fall kein Alkali oder Reduktionsmittel eingesetzt wird.
[0026] Als Pigmentfarbstoffe kommen all üblichen Pigmenttypen in Frage, wie beispielsweise
Azo-, Phthalocyanin- oder Chinacridon-Pigmente. Die Pigmente werden als wäßrige Dispersionen
mit einem Gehalt an Dispergiermitteln in den Handel gebracht und werden auch in dieser
Handelsform in dem erfindunsgemäßen Verfahren eingesetzt. Die Menge an Pigmentfarbstoff
kann so gewählt werden, daß man 0,1 bis 6 %ige Färbungen erreicht, im Einzelfällen,
etwa bei der Verwendung von Leuchtpigmenten, erreicht man auch bis zu 15 %ige Färbungen.
[0027] Neben Pigmentfarbstoff und gegebenenfalls Salz, wie beispielsweise Kochsalz oder
Glaubersalz enthält die Färbeflotte vorteilhafterweise noch ein Egalisier- oder Dispergiermittel.
Zu diesem Zweck kommen alle hierfür in der Färberei üblichen Produkte in Frage; genannt
seien hier beispielsweise die Handelsprodukte Eganal@ PS, Solidegalo GL oder Dispersogen@
ASN. Diese Hilfsmittel, die eine Stippenbildung der Färbung verhinderten, werden der
Flotte in einer Menge von ca. 1 bis 8, vorzugsweise 3 bis 4 %, bezogen auf das Warengewicht,
zugegeben.
[0028] Die Applikation dieser Pigmentfärbeflotte auf das Textilmaterial erfolgt nach einem
Ausziehverfahren auf den hierfür gebräuchlichen Aggregaten wie beispielsweise Jet,
Trommelwaschmaschine oder Haspel. Die Färbedauer beträgt ungefähr 5 bis 20 Minuten
und die Färbetemperatur liegt bei 30 bis 90, vorzugsweise bei 70 C. Schnell laufende
Maschinen haben sich hier vorteilhaft bewährt.
[0029] Nach Beendigung der Färbung kann der Färbeflotte zur Erhöhung der lonenstärke ein
Salz in Mengen von 1 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 3 Gew.-%, bezogen auf das Warengewicht,
zugegeben werden. Man bewegt in diesem Fall die Ware anschließend noch etwa 10 Minuten
lang in der Färbeflotte. Bevorzugt nimmt man Natriumchlorid oder Alaun. Diese Salze
verbessern die Affinität des Pigmentfarbstoffes zur Faser und erhöhen die Egalität.
Nach Beendigung des Färbeprozesses wird die Ware kalt gespült und getrocknet.
[0030] Um eine optimale Echtheit des Pigmentfarbstoffes auf der Faser zu erreichen, kann
man im Anschluß an den Färbeprozeß noch einen Pigmentbinder auf die Ware aufbringen.
Hierfür eignen sich die üblichen Pigmentbinder, wie beispielsweise die Handelsprodukte
Imperon®-Binder CFN oder Improno-Binder MTB. Die Applikation dieser Binder erfolgt
nach üblichen Methoden ebenfalls in einem Ausziehverfahren während 5 bis 20, vorzugsweise
7 bis 15 Minuten bei 20 bis 60 C, vorzugsweise bei 40 C. Die Flotte wird mit Säure
auf einen pH-Wert von 3 bis 6 eingestellt. Die Menge an Pigmentbinder beträgt ungefähr
1 bis 10 Gew.-%, bezogen auf das Warengewicht. Die Vernetzung des Binders erfolgt
dann in einer abschließenden Heißluftbehandlung bei 100 bis 200 C, vorzugsweise bei
140 bis 170 C während 2 bis 10 Minuten, vorzugsweise 5 Minuten.
[0031] Besondere Effekte können erzielt werden, wenn zwischen der eigentlichen Färbung und
der Applikation des Binders die Ware mit einem Tensid, gegebenenfalls unter Zusatz
von Soda, gewaschen wird. Die Waschzeit beträgt dabei etwa 5 bis 10 Minuten, die Temperatur
liegt bei 40 bis 60 °C. Durch diese Zwischenwäsche erhält man sogenannte wash-out
Effekte auf der Ware. Auch ohne diese Zwischenwäsche erhält man bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren, insbesondere bei vorkonfektionierter Ware, beispielsweise bei Jeans-Artikeln,
sogenannte stone-wash Effekte.
[0032] Diese Effekte lassen sich normalerweise nur in einem zeitaufwendigen zusätzlichen
Verfahrensschritt, nämlich unter Einsatz von Steinen und weiteren Chemikalien erreichen,
was sich aber nachteilig auf die Qualität der Baumwolle auswirkt.
[0033] Als Reaktivfarbstoffe bei diesem Verfahren kommen alle bekannten Typen von Reaktivfarbstoffen
in Frage, die gegenüber den Hydroxylgruppen der Cellulose reaktionsfähige Gruppe enthalten
und unter den erfindungsgemäß beschriebenen Färbebedingungen bevorzugterweise durch
Reaktion mit den beschriebenen, auf dem Cellulosematerial fixierten Polymerisaten
reagieren. Die reaktionsfähigen Gruppen sind beispielsweise Gruppen mit leicht abspaltbaren
Substituenten, die einen elektrophilen Rest hinterlassen, wie Reaktivgruppen des Vinylsulfon-Typs,
mit Halogenatomen substituierte Gruppen der Ringsysteme Chinoxalin, Phthalazin, Triazin,
Pyrimidin oder Pyridazon oder mit Alkylsulfonylresten substituierte reaktive Gruppen
bei Sulfonylpyrimidin- oder Sulfonylbenzthiazolfarbstoffen. Im einzelen sind Farbstoffe
mit den reaktiven Gruppen ß-Sulfatoethylsulfon, β-Chlorethylsulfon, β-Thiosulfatoethylsulfon,
ß-Phosphatoethylsulfon, Chlortriazinylamino, Dichlortriazinylamino, Chlortriazinyldiamino,
Trichlorpyrimidylamino, Dichlorpyrimidylamino, Dichlorpyridazinylamino, Trichlorpyridazinylamino,
Dichlorpyridazinylcarbonylamino, 2-Chlor-benzthiazol-6-yl-amino, 2-Methylsulfonylbenzthiazol-6-yl-amino,
2,3-Dichlorchinoxalin-6-yl-carbonylamino oder 4-Chlor-5-methyl-2-methylsulfonylpyrimid-3-yl-amino
zu erwähnen.
[0034] Geeignete Farbstoffgrundkörper der Reaktivfarbstoffe sind beispielsweise wasserlösliche
Azo-, Disazo-, Formazan-, Anthrachinon-, Dioxazin- oder Phthalocycaninfarbstoffe.
Bevorzugt werden wasserlösliche Azo-und Disazoreaktivfarbstoffe, die auch Metallkomplexreaktivfarbstoffe
sein können, verwendet. Nach dem Färben wird die Ware durch Spülen, evtl. Seifen und
Trocknen fertiggestellt.
[0035] Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich nicht nur mit Reaktivfarbstoffen durchführen,
sondern in gleicher Weise auch mit anderen Farbstofftypen, die anionische, beispielsweise
Sulfogruppen enthalten, wie beispielsweise Direktfarbstoffe, Säurefarbstoffe.
[0036] Man erreicht mit diesen Farbstoffen ähnliche Effekte und Echtheiten wie mit den Reaktivfarbstoffen.
Beim Einsatz von wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen wurden besonders hohe Lichtechtheiten
erzielt. Daneben können in dem Verfahren auch Küpen- und Schwefelküpenfarbstoffe angewendet
werden.
[0037] Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich auch zum Bedrucken. Hierbei wird das Textilmaterial
mit einer Druckpaste bedruckt, die gegebenenfalls einen Signierfarbstoff und das erfindungsgemäß
zu verwendende Hilfsmittel enthält. Nach dem Trocknen wird das Textilmaterial dann
mit Reaktivfarbstoffen ohne Alkali oder bei wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen ohne
Reduktionsmittel vorzugsweise nach dem Pad-Steam-Verfahren oder nach dem Ausziehverfahren
überfärbt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, daß man die mit dem beschriebenen
Hilfsmittel vorgebeizten Baumwollketten oder Baumwollgewebe mit einer Druckpaste bedruckt,
die den Reaktivfarbstoff, aber kein Alkali enthält und anschließend den Farbstoff
z.B. durch Dämpfen während 8 Minuten bei 102-105 C fixiert. Die anschließende Nachbehandlung
erfolgt analog wie bei den Färbungen.
[0038] Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Ware an den Stellen,
an denen das Oxidationsmittel aufgebracht wird, je nach Menge des aufgebrachten Oxidationsmittels
nur sehr schwach oder gar nicht gefärbt. Man erhält dadurch Muster mit einer ausgeprägten
Konturensicherheit, wie man sie sonst nur in Drucken, z.B. in Weißätzdrucken erreichen
kann. Besonders interessant ist das erfindungsgemäße Verfahren zum Färben von vorgefertigten
Kleidungsstücken im Ausziehverfahren (Garment-Dyeing).
Beispiel 1
[0039] Auf einer Schlichtemaschine werden in dem dafür vorgesehenen Trog Baumwollkettgarne
wie folgt behandelt:
40 g/I Polyvinylalkohol (PVA)
5 g/I Polyethylenglykol
2 g/I nichtionisches Netzmittel
100 g/I Polyethylenimin-Kondensationsprodukt gemäß dem Beispiel in der Tabelle 1,
letzte Zeile der Patentanmeldung EP 0 133 933
Flottenaufnahme 100-200 % (Hochleistungsquetschwerke).
[0040] Das Garn läuft mit einer Geschwindigkeit von 60 m/min, die Flottentemperatur beträgt
80-90 C.
[0041] Nach Verlassen des Schlichtetrogs werden die Baumwollketten mit Kontakthitze bei
ca. 130 C getrocknet.
[0042] Anstelle von PVA können auch nichtionische modifizierte Stärke bzw. Mischungen aus
nichtionisch modifizierter Stärke und PVA eingesetzt werden. Auch reine Stärke und
Mischungen mit PVA sind verwendbar.
[0043] Anschließend werden die Baumwollketten mit dem Baumwollschuß verwebt und auf das
erhaltene Gewebe wird mit einer 1:10 verdünnten, wässrigen Einstellung eines handelsüblichen,
persulfathaltigen Oxidationsmittels (oLeonil EBL) ein beliebiges Muster aufgepinselt,
so daß die Flottenaufnahme an der benetzten Stelle, bezogen auf das Warengewicht ca.
50 % beträgt. Das imprägnierte Gewebe wird bei Raumtemperatur getrocknet und mit einer
Flotte 30 Minuten bei 60 °C überfärbt, die 5 Gew.-% Reactive Blue 19 (C.I.-Nr. 61200)
enthält. Nach der üblichen Nachbehandlung durch Spülen, Seifen, Spülen erhält man
Denimeffekte, wobei einerseits nur die kationisierte Kette türkisblau angefärbt wird,
andererseits die mit der Persulfatlösung getränkten Stellen konturenscharf unangefärbt
bleiben und das gewünschte Muster wiedergeben wird. Bringt man das Oxidationsmittel
stellenweise auf die laufende, getrocknete Kette auf, so kann auch hier zusätzlich
eine Reservierung erzielt werden.
Beispiel 2
[0044] Es wird wie unter Beispiel 1 beschrieben gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine
50 %ige Natriumchlorit-Lösung verwendet, die im Verhältnis 1:10 verdünnt wurde. Die
Effekte sind ähnlich Beispiel 1.
Beispiel 3
[0045] Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 0,2 g/l Aktivchlor
in Form von Hypochlorit enthaltenden Lösung verwendet. Die Effekte sind ähnlich Beispiel
1.
Beispiel 4
[0046] Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine Lösung verwendet,
welche 3,5 % H
2O
2 enthält. Man erhält eine ausgrägte Konturenschärfe und Musterwiedergabe.
Beispiel 5
[0047] Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 10 %ige Natriumperborat-Lösung
verwendet. Man erhält eine scharfe Konturenwiedergabe mit etwas geringeren Ausbleicheffekten.
Beispiel 6
[0048] Es wird wie unter Beispiel 1 beschrieben gearbeitet. Als Kationisierungsmittel wird
ein handelsübliches Kondensationsprodukt aus Diethylentriamin und Epichlorhydrin der
Schlichte zugegeben. Die Ergebnisse entsprechen denen von Beispiel 1.
Beispiel 7
[0049] Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeiet. Als Farbstoff werden jedoch 5 Gew.-% Solubilized
Sulphur Red 11 neu eingesetzt. Die Ergebnisse entsprechen denen von Beispiel 1.
Beispiel 8
[0050] Es wird wie bei Beispiel 1 gearbeitet. Als Farbstoff werden jedoch 5 Gew.-% Solubilized
Sulphur Brom 16 (C.I. 53286) eingesetzt. Es wurden gleiche Effekte wie bei Beispiel
1 erhalten.
Beispiel 9
[0051] Es wird wie unter Beispiel 1 gearbeitet. Als Oxidationsmittel wird eine 10 % Lösung
von N-Chlor-N-Methylparatoluolsulfonamid genommen. Die Ergebnisse entsprechen denen
von Beispiel 1.
Beispiel 10
[0052] Baumwoll- oder Viskosematerial wird mit einer Lösung von 100 g/I Kationisierungsmittel
bestehend aus dem Copolymer nach Beispiel 5 der EP-A 277580 bei pH 5-6 im Foulardverfahren
mit einer Flottenaufnahme von 80 % appliziert. Nach der Trocknung bei ca. 120 °C z.B.
im Trockenschrank (10 min) erfolgt das Aufdrucken des Oxidationsmitels in Form einer
Druckpaste bestehend aus
100 g/I eines ein anionisches Netzmittel enthaltenden Oxidationsmittels auf Basis
Persulfat
400 g/I eines Antimigrationsmittels (®Solidokoll N)
500 g/I- Wasser.
[0053] Dann wird bei 120 °C getrocknet und anschließend mit 5 % Pigment-Violett 23 (C.I.
51319) während 10 min. bei 50-60 °C gefärbt und anschließend gespült. In einem Nachbehandlungsprozeß
wurden 5 % eines Pigmentbinders auf Basis eines Copolymerisats aus Ethylen- und Butylacrylat
während 5 Minuten bei 40 °C appliziert. Anschließend erfolgt ohne Spülung der Binder-Kondensationsprozeß
bei 150 C, 5 min.
[0054] Das Material zeigt nach dem Trocknen eine kräftige weitgehend egale Färbung mit einer
deutlichen Wiedergabe des aufgedruckten Musters und einem für Binderausrüstungen überraschend
weichen Griff.
Beispiel 11
[0055] Eine Baumwolle-Jeanshose wird in einer Industrie-Trommelwaschmaschine bei einem Flottenverhältnis
von 1:30 während 10 Minuten bei 70 °C mit einer Flotte vorbehandelt, die
2 % eines modifizierten Fettsäureamids (Humectol® C)
enthält.
[0056] Die Hose wird hierdurch gut genetzt und gleichzeitig aviviert. Da das Netzmittel
gleitende Eigenschaften hat, wird außerdem die mechanische Beanspruchung herabgesetzt.
[0057] Nach dieser Behandlung wird die Flotte abgelassen und gut kalt gespült.
[0058] Anschließend erfolgt auf frischem Bad während 10 Minuten eine Kationierung bei 70
°C mit einer wäßrigen Flotte enthaltend
5 % des Copolymers nach Beispiel 5 der EP-A 277580 und
2 % Essigsäure 60 %.
[0059] Nach einem kalten Spülprozeß wird getrocknet und das Oxidationsmittel aufgedruckt
(wie unter Beispiel 1 beschrieben). Nach abermaligem Trocknen bei 120 °C wird wiederum
auf einem frischen Bad mit einer wäßrigen Flotte enthaltend
5 % Pigment-Violett 23 (C.I. 51319)
3 % Dispergiermittel (heterocyclische, stickstoffhaltige Verbindung oder oxethylierter
höherer Alkohol)
bei 70 C während 10 Minuten behandelt. Danach erfolgt ein Zusatz von
3 % Natriumchlorid oder Natriumsulfat.
[0060] Nach weiteren 10 Minuten wird der Färbeprozeß durch kaltes Spülen beendet.
[0061] Die Hose zeigt nach dem Trocknen eine kräftige, etwas unruhige Anfärbung, die wie
"stone"- gewaschen aussieht. Die Echtheiten sind mit denen von Indigo-Jeans vergleichbar.
[0062] Das in Form der Oxidationsmittel aufgedruckte Muster ist konturenscharf wiedergegeben.
1. Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben oder Bedrucken von Textilmaterial
in Abwesenheit von Alkali oder Reduktionsmitteln, dadurch gekennzeichnet, daß man
das Textilmaterial mit einem Kationisierungsmittel vorbehandelt, trocknet, ein Oxidationsmittel
mustermäßig aufbringt, trocknet und in Abwesenheit von Alkali oder eines Reduktionsmittels
mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen oder Pigmentfarbstoffen
färbt oder bedruckt.
2. Verfahren zum Erzielen von Mustereffekten beim Färben von Textilmaterial in Abwesenheit
von Alkali- oder Reduktionsmitteln, dadurch gekennzeichnet, daß man Kettgarn gleichzeitig
mit einem Kationisierungsmittel und einem Schlichtemittel vorbehandelt, trocknet,
anschließend das Kettgarn mit einem Schußgarn verwebt, auf das erhaltenen Gewebe eine
Oxidationsmittel mustermäßig aufbringt, trocknet und in Abwesenheit von Alkali oder
eines Reduktionsmittels mit Reaktiv-, Direkt-, Säure-, wasserlöslichen Schwefelfarbstoffen
oder Pigmentfarbstoffen färbt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Kationisierungsmittel
ein gegebenenfalls quaterniertes Umsetzungsprodukt von Polyethyleniminen der Formel

worin
X ein Rest der Formel -(CH2-CH2-NH)c-H
a und b unabhängig voneinander Zahlen von 0 bis 600 sind, wobei die Summe a + b eine
Zahl von 60-600 ist und
c eine Zahl von 0 bis 50 ist, mit bifunktionellen Alkylierungsmitteln, vorzugsweise
mit Alkylierungsmitteln der Formel
A-Z-A
worin A den Rest eines alkylierenden Agenz und Z entweder eine direkte Bindung oder
ein zweiwertiges Brückenglied bedeutet, nimmt.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man als Kationisierungsmittel
ein gegebenenfalls quaterniertes Umsetzungsprodukt aus einem Epichlorhydrin und Ammoniak
oder einem Amin der Formel

worin
A Wasserstoff, Alkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen, R Alkyl
mit 1 bis 5 C-Atomen, Hydroxyalkyl mit 1 bis 5 C-Atomen,
eine Gruppe der Formel -

(n = 0 bis 5),
eine Gruppe der Formel

(X = Sauerstoff oder Schwefel) (n = 0 bis 5),
oder R und A zusammen

und alkylen jeweils C1-C6-, vorzugsweise C2-C3-alkylen bedeuten, nimmt.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Kationisierungsmittel
ein polymeres Kationisierungsmittel nimmt, das ganz oder teilweise aus monomeren Einheiten
der Formel

besteht, worin
R1, R2 Wasserstoff, C1-C22-Alkyl, das gegebenenfalls durch -CO-NH- oder -NH-CO- unterbrochen sein kann, C1-C4-Hydroxyalkyl,
R3, R4 Wasserstoff oder Methyl,
Y ein einwertiges Anion, oder ein einem einwertigen Anion äquivalenter Teil eines
mehrwertigen Anions bedeuten.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man als Kationisierungsmittel
ein polymeres Kationisierungsmittel nimmt, das ganz oder teilweise aus monomeren Einheiten
der Formel

besteht, worin R' und R
2 C
1-C
10-, vorzugsweise C
1-C
4-Alkyl bedeuten und R
3, R
4 und Y- die in Anspruch 5 aufgeführten Bedeutungen haben.