[0001] Bei der Verbesserung der Umweltsituation von Lederfabriken ist heute die Verminderung
des Chromgehaltes im Abwasser ein wichtiges Anliegen. Neben der Rückgewinnung von
ungenutztem Chrom aus Restflotten von Gerbung und Nachgerbung etc. haben sich zur
Erreichung dieses Ziels hochauszehrende Chromgerbverfahren durchgesetzt (K. Faber,
Bibliothek des Leders, Band 3, Seite 158 ff., Umschau-Verlag, Frankfurt/Main, 1. Auflage,
1985). Hierbei werden nicht wie bei Recycling-Verfahren Chromüberschüsse in der Gerbung
eingesetzt, die eigentlich nicht benötigt werden und immer im Kreis geführt werden
müssen. Vielmehr wird in der Gerbung nur soviel Chrom angeboten, wie zur Einstellung
des gewünschten Chromgehaltes im Leder erforderlich ist. Die Restflotten in Gerbung
und Nachgerbung enthalten dementsprechend nur geringe Chrommengen.
[0002] Zur Verbesserung der Chromauszehrung wurde unter anderem vorgeschlagen, sogenannte
vernetzend wirkende aliphatische Dicarbonsäuren wie z.B. Bernsteinsäure, Adipinsäure
und Glutarsäure im Pickel oder in der Chromgerbung einzusetzen (siehe z.B. das Leder
23 (1972), 174 ff.; Das Leder 28 (1977), 155 ff.; Leder- und Häutemarkt 30 (1978),
132 ff.).
[0003] Die aliphatischen Dicarbonsäuren werden hierbei in Form ihrer Di-Natrium-Salze der
Chromgerbflotte im Anschluß an den Chromgerbstoff zugesetzt. Zwar wird hierbei gegenüber
einem konventionellen Gerbverfahren die Chromauszehrung deutlich verbessert, allerdings
kann es zu einer Beeinträchtigung der Lederqualität kommen (vgl. K. Faber, loc. cit.
S. 83). Insbesondere bei dicken oder ungespaltenem Blößenmaterial kommt es zu einer
Verschlechterung der Chromverteilung und der Färbbarkeit. Hierbei wirkt sich negativ
aus, daß bei dem beschriebenen Verfahren die Penetration des Chromgerbstoffes durch
den Hautquerschnitt aufgrund der Anwesenheit der Dicarbonsäuren behindert wird (Leder-
und Häutemarkt 30 (1978) 140).
[0004] Zur Verbesserung wird empfohlen, bei End-pH-Werten in der Gerbung unter 4,0 und End-Temperaturen
um etwa 40°C zu arbeiten. Hierbei sind jedoch nur Auszehrungsgrade bis 95% möglich
(Das Leder 28 (1977), 157).
[0005] Weiterhin wird angeregt, die Dicarbonsäuresalze in mehreren Anteilen zuzusetzen.
Hierdurch wird das Gerbverfahren zusätzlich kompliziert.
[0006] Nach einem in der DE-PS 2 424 301 beschriebenen Verfahren werden die beschriebenen
Schwierigkeiten beseitigt, wenn man in der Chromgerbung Gerbmischungen, bestehend
aus Chrom(III)-Salzen, säurebindenden Mitteln und aliphatischen Dicarbonsäuren mit
4-6 C-Atomen bzw. deren Salzen gemeinsam mit konventionellen Chromgerbstoffen im
Vorlauf einsetzt. Zur Erzielung einer guten Auszehrung benötigt man mindestens 1,6
Mol Dicarbonsäure pro Mol Chromoxid in der Gerbstoffmischung für die Ausgerbung.
[0007] Es ist außerdem bekannt, daß Lösungen von Chrom(III)-Salzen und Natriumadipinat
zur Chromgerbung von Kalbfellen eingesetzt werden können (Journal of the International
Society of Leather Trades Chemists 27 (1943), 83 ff.). Allerdings ist hierbei der
Einsatz von mehr als 1,5% Chromoxid (bezogen auf Pickelgewicht, entspricht wesentlich
mehr als 1,5% Chromoxid bezogen auf Blößengewicht) notwendig, um einen ausreichenden
Gerbeffekt (Kochgare) zu erhalten. Die verwendeten Chromlaugen besitzen nur einen
Chromoxidgehalt von max. 2,8% und sind damit für eine Verwendung in der Technik nicht
geeignet. Die Chromauszehrung liegt im Falle von Chromoxidangeboten von mehr als
1,5% (bezogen auf Pickelgewicht), bei deutlich über 1,0 g Chromoxid/l.
[0008] Bei allen bisher bekannten hochauszehrenden Chromgerbverfahren, bei denen aliphatische
Dicarbonsäuren mitverwendet werden, müssen also die Gesamtmenge des Chromgerbstoffes
und die Dicarbonsäuren in nicht reagierter Form stets in mindestens 2 Anteilen der
Flotte zugesetzt werden.
[0009] Es wurde nun gefunden, daß Chromgerbungen mit einer hohen Auszehrung und einer guten
Chromverteilung im Leder mit nur einer Zugabe der Gesamtmenge des Chromgerbstoffes
und der Dicarbonsäuren möglich ist, wenn man die gepickelten Blößen mit einem Reaktionsprodukt
aus einem basischen Chrom (III)-Sulfat und 0,2-0,8 Mol/pro Mol Chrom (III)-Oxid des
basischen Chromsulfats) einer aliphatischen Dicarbonsäure mit 4-6 C-Atomen bzw. deren
Mischungen chromgerbt.
[0010] Die theoretische Basizität des Reaktionsproduktes liegt bei 0-50%. Das Reaktionsprodukt
kann weiterhin Monocarbonsäuren als Maskierungsmittel enthalten. Die Einsatzmenge
beträgt in pulverisierter Form 0,9-1,5%, berechnet als Chrom (III)-Oxid (bezogen auf
das Blößengewicht) oder in wäßriger Lösung mindestens 5% Chrom(III)-Oxid.
[0011] In einer bevorzugten Variante des Verfahrens wird das erfindungsgemäß eingesetzte
Reaktionsprodukt, im weiteren als Chrom-Dicarboxylat-Komplex bezeichnet, getrocknet
und gegebenenfalls mit den üblichen säurebindenden Mitteln abgemischt.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren wird in einem Flottenvolumen von weniger als 100%,
vorzugsweise 10-50% (bezogen auf das Blößengewicht), bei einem End-pH-Wert von über
4,0, vorzugsweise 4,2-4,6, und einer End-Temperatur von über 40°C, vorzugsweise 42-50°C,
durchgeführt.
[0013] Falls der Chrom-Dicarboxylat-Komplex nicht gemeinsam mit säurebindenden Mitteln in
der Chromgerbung eingesetzt wird, stumpft man in der üblichen Weise mit Alkalien auf
den gewünschten pH-Wert ab.
[0014] Der Chromoxidgehalt der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltenen Gerbrestflotten
liegt unter 1 g/l.
[0015] Die Herstellung des Chrom-Dicarboxylat-Komplexes erfolgt durch Umsetzung von basischen
Chrom(III)-Sulfaten mit den entsprechenden aliphatischen Dicarbonsäuren mit 4-6 C-Atomen
bzw. deren Gemischen in wäßrige Lösung bei Temperaturen von 50-100°C über einen Zeitraum
von 30-80 Minuten. Die gewünschte theoretische Basizität von 0-50% wird anschließend
mit Alkalilösung, vorzugsweise mit Sodalösung, eingestellt. (Zur Berechnung der theoretischen
Basizität vgl. DE-OS 3 519 287).
[0016] Der so erhaltene Chrom-Dicarboxylat-Komplex kann in der vorliegenden Lösung zur Chromgerbung
verwendet werden. In einer bevorzugten Variante des Verfahrens wird die Lösung eingedampft,
vorzugsweise sprühgetrocknet. Der auf diese Weise gewonnene Pulvergerbstoff kann als
solcher oder abgemischt mit säurebindenden Mitteln in der Chromgerbung eingesetzt
werden.
[0017] Als basische Chrom(III)-Sulfate sind die bei Chromgerbungen üblichen Umsetzungsprodukte
von sechswertigen Chromverbindungen mit Reduktionsmitteln geeignet (vgl. z.B. K. Faber,
loc. cit. S. 83). Sie können zusätzlich Monocarbonsäuren (z.B. Ameisen- oder Essigsäure)
bzw. deren Salze als Maskierungsmittel enthalten.
[0018] Der Chromoxidgehalt der erfindungsgemäßen Lösungen soll mindestens 5%, vorzugsweise
10 bis 15%, betragen.
[0019] Aliphatische Dicarbonsäuren mit 4 bis 6 C-Atomen sind z.B. Bernstein-, Glutar-, Adipin-,
Malein-, Fumar-, Asparagin- und Glutaminsäure bzw. deren Gemische. Bevorzugt werden
Glutarsäure und Adipinsäure oder Gemische dieser Säuren, gegebenenfalls zusammen mit
anderen Dicarbonsäuren eingesetzt.
[0020] Als säurebindende Mittel (Basifizierungsmittel) eignen sich z.B. Dolomit, Alkalicarbonate
und -bicarbonate und Magnesiumoxide.
[0021] Als Dolomit wird das mineralische Doppelsalz CaCO₃·MgCO₃, das einen Gehalt von 20
bis 40% CaO, vorzugsweise 25 bis 35% CaO und einen Gehalt von 10 bis 25% MgO, vorzugsweise
16 bis 24% MgO, aufweist, eingesetzt.
[0022] Besonders geeignet sind Gemische, die mindestens 40% der insgesamt verwendeten Menge
an säurebindenden Mitteln in Form von Dolomit und/oder Magnesiumoxiden mit geringer
Reaktivität enthalten.
[0023] Magnesiumoxide mit geringer Reaktivität sind z.B. Handelsprodukte wie ®TANBASE (Hersteller:
Steetley Quarry Products Ltd.) oder ®NEUTRIGAN MO (Hersteller: BASF).
[0024] Die erfindungsgemäßen Chrom-Dicarboxylat-Komplexe eignen sich auch für den Einsatz
in der Nachgerbung von Chromledern. Hierbei werden 0,3 bis 1,5% Chromoxid (bezogen
auf Falzgewicht) angeboten.
[0025] Der Wert des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt vor allem darin, daß durch den Einsatz
der erfindungsgemäßen Chrom-Dicarboxylat-Komplexe hohe Auszehrungen in der Chromgerbung
mit einer besonders einfachen Arbeitsweise und einem besonders niedrigen Arbeitsaufwand
ermöglicht werden, ohne daß die Qualität der Leder beeinträchtigt wird. Bei nur einer
einzigen Zugabe von Chromgerbstoff und Dicarbonsäure werden Restflotten mit einem
Chromoxidgehalt von weniger als 1 g/l erhalten. Es war nicht vorauszusehen, daß durch
die Verwendung der erfindungsgemäßen Chrom-Dicarboxylat-Komplexe die Durchgerbung
in hohem Maße verbessert wird und trotz der niedrigen Menge an Dicarbonsäure bezogen
auf das Chromangebot dermaßen hohe Auszehrungen erzielt werden können.
[0026] Anhand der folgenden Beispiele soll das erfindungsgemäße Verfahren noch näher erläutert
werden (%-Angaben bedeuten - soweit nichts anderes angegeben ist Gew.-%).
Beispiel 1
[0027] In einem 1000 l-Kessel werden 722 kg einer Chrom(III)-Sulfatlösung mit einer Basizität
von 33,2% (nach Stiasny) und einem Chrom(III)-Oxidgehalt von 16,8% auf 80°C erwärmt.
42 kg technische Glutarsäure (40% Glutarsäure, 30% Bernsteinsäure und 30% Adipinsäure)
werden zugegeben und 30 Minuten nachgerührt. Nach Zusatz von 100 ml Entschäumer auf
Basis Polysiloxan Entschäumer E 100 (Hersteller: BAYER AG) pumpt man über eine Zeitraum
von ca. 120 Minuten 347 kg einer 3n-Sodalösung zu. Die Reaktionslösung wird dann 60
Minuten bei 80°C nachgerührt und besitzt eine theoretische Basizität von 40% bei
10,9% Chromoxidgehalt. Die noch heiße Lösung wird anschließend über einen Sprühtrockner
getrocknet (Eingangstemperatur: 185°C, Ausgangstemperatur: 120°C). Man erhält 490
kg Chrom-Dicarboxylat-Komplex mit einem Chromoxidgehalt von 24%, 0,4 Mol technische
Glutarsäure pro Mol Chromoxid und einer theoretischen Basizität von 40%.
Beispiel 2
[0028] In einem 1 m³-Rührwerksbehälter werden 735 kg einer Chrom(III)-Sulfatlösung mit einer
Basizität von 33,2% (nach Stiasny) und einem Chromoxidgehalt von 15,6% auf ca. 80°C
erwärmt und mit 64 kg technischer Glutarsäure umgesetzt. Nach 30-minütigem Nachrühren
bei 80°C wird die Chromgerbstofflösung (13% Basizität und 15,2% Chromoxidgehalt) über
einen Sprühtrockner getrocknet (Eingangstemperatur: 185°C, Ausgangstemperatur: 115°C).
Es werden 485 kg Chrom-Dicarboxylat-Komplexgerbstoff mit einer theoretischen Basizität
von 13% und einem Chromoxidgehalt von 23,5% erhalten; das Molverhältnis Chromoxid/Glutarsäure
beträgt 1: 0,6.
Beispiel 3
[0029] In einem 1 m³-Rührwerksbehälter werden 700 kg einer Lösung von Chromsulfat mit einer
Basizität von 33,2% (nach Stiasny) und einem Cr₂O₃-Gehalt von 18% auf eine Temperatur
von 80°C gebracht. Anschließend löst man darin 43,8 kg eines Gemisches, bestehend
aus 32% Bernsteinsäure, 39% Glutarsäure und 29% Adipinsäure und rührt 30 Minuten
nach. Die so erhaltene, flüssige Mischung besitzt eine theoretische Basizität von
ca. 20% und einen Cr₂O₃-Gehalt von 16,9%; das Molverhältnis Chromoxid zu Dicarbonsäure
beträgt 1: 0,4. Die Einsatzmengen zur Herstellung weiterer in flüssiger Form einsetzbarer
Chrom-Dicarboxylat-Komplexgerbstoffe sind in der nachfolgenden Tabelle als Beispiel
3a bis 3d aufgeführt (Herstellvorschrift wie in Beispiel 3).

Beispiel 4
[0030] In einem 1000 l-Kessel werden 750 kg einer 33,2% basischen Chrom(III)-Sulfatlösung
mit einem Chromoxidgehalt von 16,2% vorgelegt und auf ca. 90°C erwärmt. Man gibt dann
70 kg Adipinsäure zu und rührt 30 Minuten in der Hitze nach. Nach Zusatz eines handelsüblichen
Entschäumungsmittels (E 100, BAYER AG) werden über eine Zeitraum von 180 Minuten
343 kg einer 20%igen Sodalösung zugepumpt. Die Reaktionslösung wird dann 60 Minuten
in der Wärme nachgerührt; die theoretische Basizität liegt bei ca. 40%, der Chromoxidgehalt
beträgt 10,4%. Die noch heiße, flüssige Gerbstoffmischung wird anschließend sprühgetrocknet
(Eingangstemperatur: 180°C, Ausgangstemperatur: 118°C).
[0031] Man erhält einen Chrom-Dicarboxylat-Komplexgerbstoff mit einem Chromoxidgehalt von
22,8%, 0,6 Mol Adipinsäure pro Mol Chromoxid und einer theoretischen Basizität von
ca. 40%.
Beispiel 5
[0032] Zur Herstellung von Schuhoberleder werden in üblicher Weise geäscherte 1000 kg Rindblößen
(ungespalten) im Gerbfaß (Durchmesser 2 m, Breite 2,25 m, Umdrehungsgeschwindigkeit
12 U/min) zunächst mit 150% (bezogen auf Blößengewicht), Wasser von 38°C 10 Minuten
gewaschen. Die Flotte wird abgelassen und anschließend wird ohne Flotte mit 2,5% Ammonsulfat,
0,3% Natriumbisulfat und mit 0,4% Ameisensäure 60 Minuten entkälkt, 50% Wasser von
35°C zugesetzt und mit 0,5% eines handelsüblichen Beizmittels (1500 trypt. Einheiten)
50 Minuten gebeizt (pH-Wert der Flotte 7,5). Der Querschnitt der Blößen gibt mit Phenolphthalen
keine Rotfärbung mehr. Danach wird zwei Mal mit 150% Wasser von 20°C gewaschen und bis
auf eine Restflotte von ca. 50% die Flotte abgelassen. 5 Minuten nach Zusatz von
6% Kochsalz werden 1,6% Schwefelsäure (1: 10 verdünnt), zugegeben und 120 Minuten
gepickelt (pH 1,8).
[0033] Der Pickelflotte werden 6,7% der nachstehend beschriebenen Gerbstoffmischung zugesetzt
und 20 Std. weitergewalkt. Der End-pH-Wert liegt bei 4,5 und die Endtemperatur bei
50°C.
[0034] Die Restflotte enthält 0,6 g Chromoxid/l. Die Chromleder zeigen bei der Beurteilung
nach dem Spalten eine hervorragende Durchgerbung. Nach der üblichen Fertigstellung
werden Oberleder mit weichem, vollen Griff, einem feinen Narben und einer sehr egalen
Färbung erhalten.
[0035] Die verwendete Gerbstoffmischung besteht aus:
[0036] 800 Teile des nach Beispiel 1 hergestellten pulverförmigen Chrom-Dicarboxylat-Komplexes
und
[0037] 174 Teile Dolomit.
[0038] Der Chromoxidgehalt beträgt 19,7%.
Beispiel 6
[0039] 100 Teile wie in Beispiel 5 vorbehandelte Rindblößen werden mit 7 Teilen der nachstehend
beschriebenen Gerbstoffmischung versetzt und 20 Stunden gewalkt. Der End-pH-Wert
liegt bei 4,6, die Endtemperatur beträgt 48°C; in der Restflotte befinden sich 0,6
g Cr₂O₃/l.
[0040] Die verwendete Gerbstoffmischung, die einen Cr₂O₃-Gehalt von 18,6% besitzt, ist wie
folgt zusammengesetzt:
[0041] 100 Teile des nach Beispiel 2 hergestellten Chrom-Dicarboxylat-Komplexgerbstoffes
[0042] 5 Teile Tanbase (Hersteller Steetley, Großbritannien)
Beispiel 7
[0044] 100 Teile wie in Beispiel 5 vorbehandelte Rindblößen werden mit 7,9 Teilen einer
nach der Vorschrift in Beispiel 2 hergestellten Chrom-Dicarboxylat-Komplexlösung
versetzt. Nach 1 Stunde wird mit 1,8% Soda (1: 15 gelöst), innerhalb 1 Stunde abgestumpft
und 15 Stunden weitergewalkt. Temperatur und pH-Wert liegen gegen Ende der Gerbung
bei 46°C bzw. 4,3. Die Restflotte enthält 0,5 g Cr₂O₃/l.
Beispiel 8
[0045] Korrespondierende, wie in Beispiel 5, bis einschließlich des Pickels vorbehandelte
Rindhälften werden vergleichend chromgegerbt.
[0046] 100 Teile Blöße der einen Hälfte A werden mit 7,6 Teilen der nachstehend beschriebenen
Gerbstoffmischung über einen Zeitraum von 20 Stunden gewalkt.
[0047] Zusammensetzung der 17,4% Chromoxid enthaltenden Gerbstoffmischung (Molverhältnis
Cr₂O₃: Glutarsäure = 1: 0,4) für A:
[0048] 500 Teile eines pulverförmigen 33% basischen Chrom(III)-Sulfats mit 26% Chromoxidgehalt
[0049] 45 Teile techn. Glutarsäure
[0050] 86 Teile Natriumbicarbonat
[0051] 118 Teile Dolomit.
[0052] Die Endtemperatur der Gerbung beträgt 42°C, der End-pH-Wert liegt bei 4,3. Die Restflotte
enthält 0,6 g Cr₂O₃/l.
[0053] 100 Teile Blöße des korrespondierenden Stückes B werden mit 6,7 Teilen der nachfolgend
beschriebenen Mischung 20 Stunden behandelt.
[0054] Zusammensetzung der 19,7% der Cr₂O₃ enthaltenden Mischung für B:
[0055] 80 Teile des nach der Vorschrift in Beispiel 1 hergestellten Chrom-Dicarboxylatkomplexes
und
[0057] Die bei Ende der Gerbung erreichte Temperatur beträgt 42°C, der End-pH-Wert liegt
bei 4,3 und der Chromoxidgehalt der Restflotte beträgt 0,8 g/l.
[0058] Im Vergleich zu B weisen die Leder der korrespondierenden Stücke A nach dem Spalten
eine wesentlich schlechtere Durchgerbung auf.
[0059] Die nachfolgend auf üblichem Wege durchgeführten Färbungen sind bei A ebenfalls
deutlich ungleichmäßiger.
Beispiel 9
[0060] Die Herstellung von Oberleder werden in üblicher Weise geäscherte 3000 kg Rindblößen
(gespalten ca. 3,5 mm) im Gerbfaß (Durchmesser 3 m, Breite 3 m, Umdrehungsgeschwindigkeit
5 und 10 U/min) zunächst mit 150% (bezogen auf Blößengewicht) Wasser von 38°C 10
Minuten gewaschen. Die Flotte wird abgelassen und anschließend wird mit 30% Wasser
von 35°C mit 2% Ammonsulfat, 0,2% Natriumbisulfat und 0,2% Ameisensäure 30 Minuten
entkälkt und mit 0,5% eines handelsüblichen Beizmittels (1500 tryptische Einheiten)
30 Minuten gebeizt (pH-Wert der Flotte 8,3).
[0061] Der Querschnitt der Blößen gibt mit Phenolphthalein keine Rotfärbung mehr. Danach
wird zwei Mal mit 150% Wasser von 20°C gewaschen und bis auf eine Restflotte von ca.
20% die Flotte abgelassen. 5 Minuten nach Zusatz von 4% Kochsalz werden 0,5% Ameisensäure
(1: 5 verdünnt) und nach 10 Minuten 0,8% Schwefelsäure (1: 10 verdünnt) zugegeben
und 60 Minuten gepickelt (pH 2,7). Der Pickelflotte werden 8,1% der nach der Vorschrift
in Beispiel 3d hergestellten Chrom-Dicarboxylat-Komplexlösung zugepumpt.
[0062] Nach einer Stunde wird mit 2,2% Soda (1: 15 im Wasser gelöst) in sechs Raten innerhalb
einer Stunde abgestumpft und 18 Stunden weitergewalkt.
[0063] Gegen Ende der Gerbung beträgt die Temperatur 40°C, der pH-Wert liegt bei 4,0: die
Chrom(III)-Oxidkonzentration der Restflotte wurde mit 0,4 g/l bestimmt.
[0064] Nach der üblichen Fertigstellung erhält man volle, weiche Leder, die sich durch
eine hervorragende Farbegalität auszeichnen.
Beispiel 10
[0065] 100 Teile wie in Beispiel 9 vorhandelt, auf ca. 3,5 mm gespaltene Rindblößen, werden
mit 6,7 Teilen der nach stehend beschriebenen Gerbmischung in der Pickelflotte versetzt.
[0066] Die Gerbmischung mit einem Cr₂O₃-Gehalt von 21,0% ist wie folgt zusammengesetzt:
[0067] 100 Teile des nach der Vorschrift in Beispiel 4 produzierten Chrom-Diocarboxylat-Komplexgerbstoffes
und
[0068] 8,5 Teile Tanbase.
[0069] Der End-pH-Wert beträgt 4,3 bei einer Temperatur von 45°C. Die Restflotte enthält
0,5 g/l Cr₂O₃.
Beispiel 11
[0070] Zur Herstellung von Möbelledern werden in üblicher Weise geäscherte 3000 kg Rindblößen
(gespalten ca. 2 mm) im Gerbfaß (Durchmesser 3 m, Breite 3 m, Umdrehungsgeschwindigkeit
5 und 10 U/min) zunächst mit 150% (bezogen auf Blößegewicht) Wasser von 38°C 10 Minuten
gewaschen. Die Flotte wird abgelassen und anschließend wird mit 50% Wasser von 35°C
mit 2,5% Ammonchlorid, 0,3% Natriumbisulfit und 0,2% Ameisensäure 40 Minuten entkälkt
und mit 0,7% eines handelsüblichen Beizmittels (1500 tryptische Einheiten) 45 Minuten
gebeizt (pH-Wert der Flotte 8,5).
[0071] Der Querschnitt der Blößen gibt mit Phenolphthalein keine Rotfärbung mehr. Danach
wird zwei Mal mit 150% Wasser bei 20°C gewaschen und bis auf eine Restflotte von ca.
50% die Flotte abgelassen. 5 Minuten nach Zusatz von 6% Kochsalz werden 1,1% Schwefelsäure
(1: 10 verdünnt) zugegeben und 120 Minuten gepickelt (pH 2,7).
[0072] Der Pickelflotte werden 6,3% der in Beispiel 3 beschriebenen Gerbstofflösung zugesetzt
und nach 1 Stunde wird mit 1,4% Soda (1: 15 gelöst) innerhalb 1 Stunde abgestumpft
und 15 Stunden weitergewalkt. Der End-pH-Wert liegt bei 4,2 und die Endtemperatur
bei 45°C.
[0073] Die Restflotte enthält 0,2 g/l Chromoxid. Nach der üblichen Fertigstellung werden
Möbelleder mit weichem Griff und sehr egalen Färbungen erhalten.
Beispiel 12
[0074] 100 Teile wie in Beispiel 11 geäscherte, entkälkte, gebeizte und gepickelte Rindblöße
(gespalten ca. 2 mm) werden in der Pickelflotte mit 5,5 Teilen der nachstehend beschriebenen
Gerbmischung versetzt und 18 Stunden weitergewalkt. Der End-pH-Wert liegt bei 4,5,
die Endtemperatur beträgt 45°C. Der Chromoxidgehalt der Restflotte beträgt 0,3 g/l.
[0075] Zusammensetzung der 19% Cr₂O₃ enthaltenden, pulverförmigen Gerbmischung
[0076] 750 Teile eines nach der Vorschrift in Beispiel 4 hergestellten Chrom-Dicarboxylat-Komplexgerbstoffes
[0077] 151 Teile Dolomit.
Beispiel 13
[0078] 500 kg wet blue mit einer Falzstärke von 1,5 mm werden in einem Gerbfaß (Durchmesser
2,5 m, Breite 2 m, Umdrehungsgeschwindigkeit 12 U/min) mit 200% Wasser von 55°C und
2,5% (bezogen auf Falzgewicht) der in Beispiel 5 beschriebenen Gerbstoffmischung mit
einem Chromoxidgehalt von 19,7% 90 Minuten gewalkt und über Nacht auf Schaltautomatik
jede Stunde 5 Minuten bewegt. Die Nachchromierungsflotte hat einen pH-Wert von 4,6
und enthält 0,1 g Cr₂O₃/l. Die Leder werden nach einer für Oberleder praxisüblichen
Arbeitsweise fertiggestellt. Es resultieren sehr egal gefärbte und narbenfeste Oberleder.
Beispiel 14
[0079] 100 Teile wie in Beispiel 9 vorbehandelte, auf 3,5 mm gespaltene Rindblöße werden
in der Pickelflotte mit 6,75 Teilen der nachfolgend aufgeführten Mischung gegerbt.
Mischungszusammensetzung:
[0080] 500 Teile des nach Beispiel 1 hergestellten Chrom-Dicarboxylat-Komplexgerbstoffes
und
[0081] 101 Teile Dolomit.
[0082] Cr₂O₃-Gehalt: 20%.
[0083] Nach einer Walkzeit von 12 Stunden stellte sich eine Endtemperatur von 42°C ein bei
einem pH-Wert von 4,1. Die Flotte enthält 0,9 g Cr₂O₃/l.
1. Verfahren zum Chromgerben von gepickelten Blößen mit einem Reaktionsprodukt aus
einem basischen Chrom(III)-Sulfat und aliphatischen Dicarbonsäuren mit 4 bis 6 C-Atomen
und/oder deren Salzen, dadurch gekennzeichnet, daß das Reaktionsprodukt in wäßriger
Lösung aus dem basischen Chrom(III)-sulfat und 0,2 bis 0,8 Mol der aliphatischen Dicarbonsäuren
pro Mol Chrom (III)-Oxid des basischen Chromsulfates und anschließendes Einstellen
der theoretischen Basizität auf 0 bis 50% mit den üblichen Alkalien hergestellt
wird, wobei die Zugabe des Reaktionsproduktes zur Pickelflotte als wäßrige Lösung
mit einem Chrom (III)-Oxidgehalt von mindestens 5% oder in pulverisierter Form in
einer Menge von 0,9 bis 1,5% Chrom (III)-Oxid (bezogen auf das Blößengewicht) erfolgt,
das Flottenvolumen weniger als 100% (bezogen auf das Blößengewicht) beträgt, der End-pH-Wert
bei über 4,0 liegt und die Endtemperatur über 40°C beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Reaktionsprodukt als
sprühgetrocknetes Pulver zugegeben wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Reaktionsprodukt in
sprühgetrockneter Form mit säurebindenden Mitteln abgemischt in der Gerbung eingesetzt
wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Reaktionsprodukt
in wäßriger Lösung durch Erhitzen des basischen Chrom(III)-Sulfates und der aliphatischen
Dicarbonsäuren auf 50 bis 100°C über einen Zeitraum von 30 bis 180 min und anschließendes
Einstellen der theoretischen Basizität auf 0 bis 50% mit Alkalilösung hergestellt
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß als aliphatische
Dicarbonsäuren mit 4 bis 6 C-Atomen ein technisches Gemisch aus Glutar-, Bernstein-
und Adipinsäure verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß als säurebindendes
Mittel Dolomit, gegebenenfalls im Gemisch mit anderen säurebindenden Mitteln, eingesetzt
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß als säurebindendes
Mittel Magnesiumoxid mit geringer Reaktivität, gegebenenfalls im Gemisch mit anderen
säurebindenden Mitteln, eingesetzt wird.
1. Procédé pour le tannage au chrome de peaux en tripes picklées par un produit de
réaction d'un sulfate de chrome-III basique et d'acides dicarboxyliques aliphatiques
en C₄-C₆ et/ou de leurs sels, caractérisé en ce que l'on prépare le produit de réaction
en solution aqueuse à partir du sulfate de chrome-III basique et de 0,2 à 0,8 mol
des acides dicarboxyliques aliphatiques par mole d'oxyde de chrome-III du sulfate
de chrome basique puis on règle la basicité théorique à un niveau de 0 à 50% à l'aide
des alcalis usuels, on ajoute le produit de réaction au bain de picklage à l'état
de solution aqueuse à une teneur en oxyde de chrome-III d'au moins 5% ou à l'état
de poudre en quantité de 0,9 à 1,5% d'oxyde de chrome-III (par rapport au poids des
peaux en tripes), on opère à un volume de bain inférieur à 100% (par rapport au poids
des peaux en tripes), avec un pH final supérieur à 4,0 et une température finale supérieure
à 40°C.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le produit de réaction
est ajouté à l'état de poudre séchée par atomisation.
3. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le produit de réaction
à l'état séché par atomisation est mélangé avec des accepteurs d'acides et utilisé
sous cette forme au tannage.
4. Procédé selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que le produit
de réaction est préparé en solution aqueuse par chauffage du sulfate de chrome-III
basique et des acides dicarboxyliques aliphatiques à une température de 50 à 100°C
pendant une durée de 30 a 180 min, après quoi on règle la basicité théorique à un
niveau de 0 à 50% à l'aide d'une solution d'alcali.
5. Procédé selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que l'on utilise
en tant qu'acide dicarboxylique aliphatique en C₄-C₆ un mélange industriel d'acide
glutarique, d'acide succinique et d'acide adipique.
6. Procédé selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que l'on utilise,
en tant qu'accepteur d'acide, de la dolomie, éventuellement en mélange avec d'autres
accepteurs d'acides.
7. Procédé selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que l'on utilise,
en tant qu'accepteur d'acide, de la magnésie à faible réactivité, éventuellement en
mélange avec d'autres accepteurs d'acides.