[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Wärmebehandeln eines warmgewalzten
ferritischen Chromstahls.
[0002] Nichtrostende ferritische Chromstähle finden aufgrund ihrer hohen Korrosionsbeständigkeit
insbesondere gegenüber oxydierenden Medien bei hoher Festigkeit und Zähigkeit angesichts
ihres im Vergleich zu austenitischen Legierungen niedrigeren Preises in vielfältiger
Hinsicht als Baustähle Verwendung; ihre Korrosionsbeständigkeit ist im Einzelfall
vom Chrom- und Kohlenstoffgehalt abhängig. Während sich die Korrosionsbeständigkeit
mit zunehmendem Chromgehalt verbessert, führt die Anwesenheit von Kohlenstoff zum
Entstehen chromreicher Karbide, die sich an den Korngrenzen ausscheiden und dort
zu einer Chromverarmung führen. Diese Chromverarmung ist angesichts des vorerwähnten
Zusammenhangs zwischen Chromgehalt und Korrosionsbeständigkeit mit einer Beeinträchtigung
der Korrosionsbeständigkeit verbunden und führt dazu, daß die ferritischen Stähle
je nach Kohlenstoffgehalt mehr oder minder anfällig für eine interkristalline Korrosion
sind. Um dem entgegenzuwirken, geht das Bestreben dahin, den Kohlenstoffgehalt ferritischer
Stähle möglichst gering zu halten, zumindest aber mit Titan stabil abzubinden, was
jedoch mit einem erheblichen Verlust an Zähigkeit und Korrosionsbeständigkeit sowie
mit dem Entstehen von Titanoxyd verbunden ist, das die Oberflächenbeschaffenheit sowie
Zähigkeit und die Warmverformbarkeit beeinträchtigt.
[0003] Niedrige Kohlenstoffgehalte sind jedoch andererseits mit dem Nachteil verbunden,
daß die vom Kohlenstoffgehalt abhängige Umwandlungsfähigkeit verlorengeht und damit
die Möglichkeit entfällt, im Wege einer Wärmebehandlung ein ausgewogenes Verhältnis
von hoher Festigkeit und angemessener Zähigkeit einzustellen. Demgemäß unterscheiden
sich die Festigkeiten der umwandlungsfreien ferritischen Chromstähle bei Raumtemperatur
nur in geringem Maße.
[0004] Um dennoch höhere Festigkeiten zu erreichen, ist es aus der deutschen Patentschrift
29 23 532 bekannt, einen nichtrostenden ferritischen Chromstahl nach dem Warmwalzen
zunächst weichzuglühen und anschließend mit einem Verformungsgrad von 18 bis 25%
kalt umzuformen. Die Glühtemperatur liegt üblicherweise bei etwa 750 bis 850
o C, da höhere Glühtemperaturen mit einer Kornvergröberung verbunden sind, die zu einem
Zähigkeitsverlust bzw. zu Schwierigkeiten beim Kaltumformen führen.
[0005] Das bekannte Verfahren ist zudem angesichts des Weichglühens und des sich anschließenden
Kaltwalzens verhältnismäßig aufwendig und führt lediglich zu Zugfestigkeiten von
750 bis 800 N/mm² sowie angesichts der verhältnismäßig starken Kaltverformung zu einem
nicht unerheblichen Zähigkeitsverlust.
[0006] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, im Wege einer Wärmebehandlung einen
warmgewalzten nichtrostenden ferritischen Chromstahl ohne Zähigkeitsverlust auf eine
hohe Festigkeit und Härte sowie ein hohes Kaltformänderungsvermögen einzustellen.
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe basiert auf der überraschenden Feststellung, daß ein ferritischer
Chromstahl mit 13 bis 18% Chrom trotz eines Kohlenstoffgehalts von höchstens 0,07%
umwandlungsfähig und demgemäß härtbar ist. Demgemäß besteht die Lösung der vorerwähnten
Aufgabe im einzelnen darin, daß erfindungsgemäß ein warmgewalzter Stahl mit
0,03 bis 0,07% Kohlenstoff
höchstens 1 % Silizium
höchstens 1 % Mangan
13 bis 18 % Chrom
höchstens 2 % Nickel
Rest Eisen einschließlich erschmelzungsbedingter Verunreinigungen
lösungsgeglüht und auf ein ferritisch-martensitisches Zwei-Phasen-Gefüge mit beispielsweise
50 % Martensit abgeschreckt wird. Das Abschreckgefüge zeichnet sich durch eine sehr
geringe Korngröße aus, die eine hohe Festigkeit von mindestens 800 N/mm², beispielsweise
900 N/mm² bei gleichzeitig hoher Zähigkeit, die sich insbesondere beim Biegen mit
geringem Biegeradius bis Null im Faltversuch erweist. Demzufolge erlaubt der erfindungsgemäß
wärmebehandelte Stahl ein anrissfreies Biegen, dem insbesondere beim Herstellen von
über Gelenkbolzen miteinander verbundenen Scharnierbandketten große Bedeutung zukommt.
Dies gilt auch für die hohe Härte von etwa 105 bis 107 HRB im abgeschreckten Zustand,
die mit einer entsprechend geringen Kratzempfindlichkeit bzw. Oberflächengüte verbunden
ist.
[0008] Der Stahl sollte mindestens 1,0 % Nickel, höchstens 0,035 % Phosphor und höchstens
0,025 % Schwefel sowie im Hinblick auf das ferritische Gefüge höchstens 0,03 % Stickstoff
enthalten; er enthält vorzugsweise höchstens 0,06 % Kohlenstoff, mindestens 0,01
% Stickstoff sowie mindestens 0,025 % Kohlenstoff und Stickstoff. Höhere Nickelgehalte
erhöhen den Austenitanteil im Gefüge und führen zu Schwierigkeiten beim Warmwalzen,
insbesondere zu einer Rissbildung beim Wickeln. Der Chromgehalt beträgt vorzugsweise
mindestens 16 %.
[0009] Vorzugsweise wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren warmgewalztes Band nach einem
Durchlaufglühen beispielsweise bei einer Temperatur über 1050
oC mit Wasser abgeschreckt, wobei sich ein über die Länge außerordentlich gleichmäßiges
Gefüge mit entsprechend gleichmäßig hoher Zugfestigkeit, Streckgrenze und Härte sowie
ausgezeichneter Oberflächenbeschaffenheit einstellt. Dies führt bei der Weiterverarbeitung
inbesondere beim Herstellen von Scharnierbandketten zu entsprechend gleichmäßigen
Kettengliedern, gleichviel ob diese nun aus dem Bandanfang, der Bandmitte oder vom
Bandende stammen.
[0010] Je nach der Glüh- bzw. Abschrecktemperatur über etwa 1000
oC ergeben sich unterschiedliche Härten, wobei sowohl die Makro- als auch die Mikrohärte
mit steigender Abschrecktemperatur zunimmt.
[0011] Die erfindungsgemäße Wärmebehandlung macht ein Kaltwalzen zur Festigkeitserhöhung
überflüssig; dennoch kann sich der erfindungsgemäßen Wärmebehandlung ein Dressieren
mit einem oder zwei Stichen bei einer Dickenabnahme bis 10 %, vorzugsweise 2 bis
8 %, insbesondere bis 6 % anschließen, um ein Band mit äußerst geringer Dickentoleranz
und hoher Oberflächenglätte zu schaffen, die ihrerseits die Korrosionsbeständigkeit
verbessert und bei der Verwendung des erfindungsgemäß wärmebehandelten Stahls für
Rollen- und Scharnierband ketten von großer Bedeutung ist. Scharnierbandketten weisen
nämlich an ihren Unterseiten angeschweißte, zumeist schwalbenschwanzförmige Führungen
auf und gleiten mit den Unterseiten der plattenförmigen Kettenglieder und den Führungsschuhen
bei hoher Geschwindigkeit von beispielsweise etwa 2 m/s über entsprechend geformte,
teilweise kurvenförmige Führungsschienen. Das verhältnismäßig hohe Gewicht metallischer
Scharnierbandketten und deren erhebliche Belastung durch das Transportgut erfordert
für einen derartigen Kettenförderer eine entsprechend hohe Antriebsleistung und ist
mit einem erheblichen Verschleiß an den Kettengliedern und Führungsschienen verbunden,
der umso größer ist, je weniger maßhaltig die Kette und je rauher die Oberfläche der
Kettenglieder ist.
[0012] Insgesamt zeichnet sich der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wärmebehandelte
Stahl durch eine um etwa 50% höhere Streckgrenze, eine um etwa 10% höhere Härte, eine
hohe Zähigkeit und Gleichmäßigkeit, eine ausgezeichnete Kaltverformbarkeit, eine
bessere Oberflächenbeschaffenheit, eine höhere Dauerfestigkeit, gute Schweißbarkeit
und eine längere Lebensdauer aus. Dies wirkt sich bei der Verwendung des Werkstoffs
zum Herstellen von Scharnierbandketten in Richtung einer geringeren Geräuschempfindlichkeit,
eines geringeren Verschleißes und eines geringeren Wartungsaufwandes aus. Außerdem
bewirkt die hohe Maßhaltigkeit der Kettenglieder eine geringere Kippgefahr für das
Transportgut insbesondere bei einem Flaschentransport.
[0013] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
des näheren erläutert. In der Zeichnung zeigen:
Fig. 1 Eine Ansicht von unten auf zwei miteinander verbundene Kettenglieder,
Fig. 2 einen Schnitt entlang der Linie II-II in Fig. 1 bei in die Zeichenebene geklappten
Plattengliedern.
[0014] Ein Plattenbandförderer mit einer Scharnierbandkette 1 dient beispielsweise zum Fördern
von Flaschen und Behältern in Industrie- und Verpackungsanlagen. Ein solcher Förderer
besteht aus hintereinander angeordneten Kettengliedern 2, die eine flache Tragfläche
3 für das Transportgut besitzen. Die Kettenglieder 2 bestehen aus einem flachen Mittelteil,
dessen hintere Seitenkante 4 ein mittiges Scharnierauge 6 und die gegenüberliegende
vordere Seitenkante 5 zwei mit Abstand voneinander angeordnete Scharnieraugen 7 aufweist.
Das mittige Scharnierauge 6 greift in den Zwischenraum der Scharnieraugen 7 des benachbarten
Plattengliedes ein und ist mit diesem durch einen nicht dargestellten Scharnierbolzen
gelenkig verbunden. Die mittigen Scharnieraugen 6 sind so ausgebildet, daß sie ein
seitliches Verschwenken der einzelnen Kettenglieder 2 erlauben.
[0015] Bei kurvengängigen Förderern wird die Scharnierbandkette in einer ortsfesten Führungsbahn
geführt, die aus zwei einander gegenüberliegenden Führungsschienen 8 besteht sowie
die Scharnierbandkette in einer horizontalen Ebene hält und in den Kurven führt. Gemäß
Fig. 2 besitzt jedes Kettenglied sich im wesentlichen vertikal nach unten erstreckende
Führungsflächen 11 mit rechtwinklig nach außen abgewinkelten, die Führungsschienen
8 untergreifenden Führungslappen 12 zum seitlichen und horizontalen Führen an den
Führungsschienen 8.
[0016] Sofern die Führungsflächen 10, 11 nicht unmittelbar aus einem mit dem Plattenglied
2 einstückigen Blech hergestellt werden, sondern - wie dargestellt - mittels Schweißpunkten
13 unten an das Kettenglied 2 angeschweißt und über einen Verbindungssteg 14 miteinander
verbunden sind, lassen sich die Plattenglieder 2 mit vorgefertigten, C-förmigen Führungsschuhen
versehen. Die Führungsschuhe bestehen somit jeweils aus zwei durch einen mit zumindest
einem Schweißpunkt 13 an die Kettenglied-Unterseite angeschweißten Verbindungssteg
14 miteinander verbundenen Führungsflächen 10 bzw. 11, wobei die Führungsflächen 10,
11 bereits außermittig mit dem Verbindungssteg 20 verschweißt sind.
[0017] Wie sich aus der zeichnerischen Darstellung ergibt, kommt es bei den Kettengliedern
insbesondere auf eine gute Kaltverformbarkeit, Schweißbarkeit, Härte und Verschleißfestigkeit
an; denn die Scharnieraugen 6, 7 werden aus den Lappen eines gestanzten Flachmaterialzuschnitts
gebogen und neigen bei der Verwendung herkömmlicher Werkstoffe zum Zurückfedern,
das zumindest mit stark verschleißerhöhenden Toleranzen verbunden ist, wenn es nicht
zu Ausschuss führt. Außerdem erfordert das Anschweißen der Führungsschuhe 11, 12,
20 einen ohne wesentliche Versprödung und einen Verlust an Korrosionsbeständigkeit
in der wärmebeeinflussten Zone schweißbaren Werkstoff.
1. Verfahren zur Wärmebehandlung eines nichtrostenden ferritischen Chromstahls, dadurch gekennzeichnet, daß ein warmgewalzter Stahl mit
0,03 bis 0,07% Kohlenstoff
höchstens 1 % Silizium
höchstens 1 % Mangan
13 bis 18 % Chrom
höchstens 2 % Nickel
Rest erschmelzungsbedingte Verunreinigungen
lösungsgeglüht und auf ein ferritisch-martensitisches Gefüge abgeschreckt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Chromgehalt des Stahls mindestens 16% beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Glühtemperatur mindestens 1050o C beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Stahl einzeln oder nebeneinander
höchstens 0,06 % Kohlenstoff
mindestens 1 % Nickel
höchstens 0,035% Phosphor
höchstens 0,025% Schwefel
0,02 bis 0,04 % Stickstoff
sowie mindestens 0,025 % Kohlenstoff und Stickstoff
enthält.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß wärmebehandeltes Blech oder Band mit einer Dickenabnahme bis 10 % nachgewalzt
wird.
6. Verwendung eines nach dem Verfahren der Ansprüche 1 bis 5 wärmebehandelten Stahls
als Werkstoff zum Herstellen von Scharnierband- oder Rollenketten.
7. Kettenglied für eine Scharnierband- oder Rollenkette, gekennzeichnet durch einen Stahl aus
0,03 bis 0,07% Kohlenstoff
höchstens 1 % Silizium
höchstens 1 % Mangan
13 bis 18 % Chrom
höchstens 2 % Nickel
Rest erschmelzungsbedingte Verunreinigungen
im lösungsgeglühten und abgeschreckten Zustand mit einem ferritisch-martensitischen
Gefüge.
8. Kettenglied nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß es nachgewalzt ist.