[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer Scheibe zum Polieren bzw.
Schleifen von Bildschlrmen gemäß Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Polier- bzw. Schleifscheiben für die Bearbeitung von Glas, Metall oder anderen Werkstoffen
sind in verschiedenen Ausführungsformen bekannt (DE-U-71 16 473, DE-A-26 32 012, DE-A-28
15 468, DE-A-34 16 186).
[0003] Die heutigen superflachen Bildschirme haben eine asphärisch gekrümmte Oberfläche.
Diese einwandfrei zu polieren bzw. zu schleifen, erfordert eine besonders konstruierte
Polier- bzw. Schleifscheibe. Zur Drehrichtung der Scheibe kommt eine oszillierende
Bewegung des Scheibenmittelpunktes über die Bildschirmfläche hinzu.
[0004] Die eigentliche Polierschicht besteht dabei aus einem geschäumtem Spezialkunststoff.
Diese wenige mm-starke Schicht wird heute in aufwendiger Handarbeit auf eine Gummiträgerplatte
geklebt, anschließend profiliert, d.h. mit Profilnuten versehen, so daß ähnlich der
Scheibe nach der DE-U-71 16 473 ein Wabenmuster bzw. eine Segmentierung entsteht.
Diese Profilierung verleiht der Scheibe Flexibilität; und die Nuten, sternförmig und
radial angeordnet, dienen zur Verteilung der flüssigen Schleifsuspension.
[0005] Mit diesem Scheibenaufbau bzw. mit dem hier geschilderten Herstellungsverfahren sind
jedoch folgende Nachteile verbunden:
- hoher manueller Aufwand beim Verkleben und Schneiden;
- Umweltbelastung durch Einsatz großer Mengen Cyanacrylatkleber;
- mangelnde Verklebung führt zu vorzeitigem Ausfall;
- durch Nachschneiden der Gummi-Trägerplatte besteht die Gefahr von Rißbildungen durch
Kerbwirkung; solche Risse führen aufgrund der enormen Belastung zu vorzeitiger Zerstörung
und damit zu Produktionsstillstand;
- ungünstige Ableitung der Friktionswärme durch notwendige, starke Querschnitte der
Gummi-Trägerplatte;
- die durchschnittliche Lebensdauer der bisherigen Polierscheibe beträgt je nach
Schirmgröße lediglich 5000 bis 8000 Zyklen (= Bildschirme).
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren gemäß Kennzeichen des Anspruchs 1 bringt dagegen folgende
Vorteile:
- homogene und dauerhafte Verbindung des Polier- bzw. Schleifbelages und des Stütztellers
in einem Arbeitsgang;
- formseitige Ausbildung der gesamten Segmentierung (sternförmig und radial verlaufende
Nuten); alle scharfen Kanten und Ecken sind verrundet, daher keine Kerbwirkung;
- durch nahezu gleichmäßigen Wanddickenverlauf erhält die Polier- bzw. Schleifscheibe
die nötige Flexibilität; die erheblich reduzierten Materialquerschnitte vermindern
durch Walkarbeit entstehende innere Wärmeentwicklung und führen andererseits Reibungswärme
besser ab;
- durch den Einsatz einer harten Polyurethan-Qualität mit hohem E-Modul wird im Vergleich
zu einer weichen Gummi-Qualität das mechanisch-technologische Eigenschaftsniveau
wesentlich verbessert.
[0007] Alle Punkte zusammengenommen verleihen der Polier- bzw. Schleifscheibe eine wesentlich
höhere Lebensdauer, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit.
[0008] Die Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf schematische
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 den Verfahrensablauf in Form eines Blockschemas;
Fig. 2 Rotationsvorrichtung;
Fig. 3 Polier- bzw. Schleifscheibe (Frontansicht);
Fig. 4 Polier- bzw. Schleifscheibe (Schnittansicht)
[0009] Nach Fig. 1 wird zunächst im Rahmen einer Zwei-Komponenten-Reaktion (Verfahrensstufe
A) durch Umsetzung von 1,5-Naphthylen-di-isocyanat (Desmodur 15; Fa. Bayer) mit einem
Polyesterpolyol (MG 2000) die Gießmasse gebildet. Die Reaktionstemperatur beträgt
125 bis 135°C, insbesondere 130°C. Anschließend erfolgt eine rasche Abkühlung auf
110 bis 120°C (Verfahrensstufe B). Nach Zugabe von Butandiol-1,4 als Vernetzer (Kettenverlängerer)
(Verfahrensstufe C) wird die Gießmasse spätestens nach 45 sec in die Beschickungsöffnung
der Rotationsvorrichtung gebracht (Verfahrensstufe D). Das Einbringen der Gießmasse
bei einer Rotationsgeschwindigkeit von 320 bis 350 Umdrehungen/Minute erfolgt dabei
in zwei Stufen, wobei die Charge I etwa 2/3 der Gesamtgießmasse ist. Die Zugabe der
Charge II wird 3 bis 5 Minuten nach Eingeben der Charge I vorgenommen. Die Topfzeit
der Gesamtgießmasse beträgt maximal 15 Minuten, insbesondere 7 bis 10 Minuten. Unter
der Topfzeit wird hier der Zeitraum von Beginn der Zugabe des Vernetzers (flüssige
Phase) bis zum Vernetzungsende der Gießmasse (feste Phase) verstanden. Wichtig dabei
ist, daß innerhalb dieser Topfzeit die den Stützteller bildende Gießmasse bei gleichzeitiger
Luftverdrängung vollständig die entsprechenden Aussparungen der Rotationsvorrichtung
ausfüllt. Von Bedeutung ist ferner, daß der Tränkungseffekt bei der erfindungsgemäßen
Rotationsgeschwindigkeit gegenüber dem den Polier- bzw. Schleifbelag bildenden Schaumkunststoff
bei gleichzeitig homogener Verbindung niedrig gehalten wird. Das oben geschilderte
Zwei-Chargen-Verfahren ist unter diesen beiden Gesichtspunkten eine besonders vorteilhafte
verfahrenstechnische Maßnahme.
[0010] Nach Fig. 2 besteht die Rotationsvorrichtung (1) im wesentlichen aus einem Formunterteil
(2), Formoberteil (3), einer Beschickungsöffnung (4) sowie einem konischen Doppelkammersystem
(5, 6). In die Nester (7, 8) des Formunterteils (3) werden die den Polier- und Schleifbelag
bildenden Segmente aus geschäumtem, mit anorganischen Substanzen getränktem Polyetherurethan
eingesetzt. Das Einbringen der Gießmasse in die Rotationsvorrichtung erfolgt über
die Beschickungsöffnung (4), die in das Doppelkammersystem (5, 6) mündet. Aufgrund
der Zentrifugalkräfte hält sich die Gießmasse zunächst im Konus-Bereich (9, 10) der
Kammern (5, 6) auf. Schließlich gelangt die Gießmasse von der breitesten Stelle (11)
dieses Kammersystems aus in die Aussparungen (12, 13) des Formoberteils (3). Die Temperaturen
des Formunterteils (2) und des Formoberteils (3) betragen mindestens 100°C, insbesondere
110 ± 5°C. Bezüglich der Gießmassenverteilung ist es zweckmäßig, wenn das Volumenverhältnis
der Kammer (5) und der Kammer (6) 1 : 2 bis 1 : 4 beträgt. Lochstifte (14) bilden
die Bohrungen (18) - Fig. 3, 4 - innerhalb des Stütztellers.
[0011] Nach den Fig. 3 und 4 besteht die Scheibe (15) zum Polieren bzw. Schleifen von Bildschirmen
aus folgenden Teilen:
Stützteller (16) mit Bohrungen (17, 18, 19) und einer rückseitig angeordneten zylindrischen
Abstufung (20);
Polier- bzw. Schleifbelag (21), der Segmente (22, 23, 24) aufweist;
sternförmig verlaufende Nuten (25, 26, 27);
radial verlaufende Nuten (28, 29);
Vertiefung (30) im Scheibenmittelpunkt.
[0012] Der Stützteller (16) aus massivem Polyurethan-Elastomer, insbesondere auf der Basis
eines Polyester-Polyurethans, weist eine Mindesthärte in Shore A von 90° und einen
Elastizitätsmodul von 50 bis 60 MPa auf. Seine Stärke beträgt etwa 4 mm bzw. 8 mm
(im Bereich der Segmente 22, 23, 24). Die zylindrische Abstufung (20) weist eine
Tiefe von 8 bis 12 mm auf und verleiht der Scheibe eine besonders hohe Flexibilität.
[0013] Die Segmente (22, 23, 24) des Polier- bzw. Schleifbelages (21) sind dreireihig strukturiert,
und zwar derart, daß jede zweite sternförmig verlaufende Nut (25, 26) bis zur Vertiefung
(30) im Scheibenmittelpunkt durchgehend angeordnet ist, während die dazwischen liegenden
sternförmig verlaufenden Nuten (27) nur bis zur Radialnut (28) reichen. Die Stärke
der Segmente (22, 23, 24) des Polier- bzw. Schleifbelages (21) beträgt 4 bis 6 mm.
1. Verfahren zur Herstellung einer Scheibe (15) zum Polieren bzw. Schleifen von Bildschirmen,
bestehend aus
- einem Stützteller (16) aus elastomerem Werkstoff und
- einem segmentierten Polier- bzw. Schleifbelag (21) aus Kunststoff, insbesondere
aus geschäumtem Kunststoff, wobei die einzelnen Segmente (22, 23, 24) durch sternförmig
und radial verlaufende Nuten (25, 26, 27; 28, 29) voneinander getrennt sind,
gekennzeichnet durch folgende Verfahrensschritte:
- in die Nester (7, 8) des Formunterteils (2) der Rotationsvorrichtung (1) werden
die Segmente (22, 23, 24) eingesetzt;
- nach Schließen der Rotationsvorrichtung (1) werden Formunterteil (2) und Formoberteil
(3) aufgeheizt;
- die Vorrichtung (1) wird auf eine Mindestrotationsgeschwindigkeit von 300 Umdrehungen/Minute
gebracht;
- die in einer Mischvorrichtung hergestellte Gießmasse, insbesondere auf der Basis
eines Polyurethan-Elastomers, wird mit einem Vernetzer versetzt;
- nach Zugabe des Vernetzers wird die Gießmasse möglichst schnell in die Beschickungsöffnung
(4) der Rotationsvorrichtung (1) gebracht, wovon aus sie sich unter dem Einfluß der
Zentrifugalkraft bei gleichzeitiger Luftverdrängung und Vernetzung in die den Stützteller
(16) bildenden Aussparungen (12, 13) innerhalb des Formoberteils (3) ergießt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Mindestemperatur des
Formunterteils (2) und Formoberteils (3) 100 °C beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Formentemperatur 110
± 5°C beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Rotationsgeschwindigkeit
320 bis 400 Umdrehungen/Minute, insbesondere 320 bis 350 Umdrehungen/
Minute, beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Herstellung
der Gießmasse in der Mischvorrichtung bei 125 bis 135°C erfolgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß als Gießmasse
ein Polyester-Polyurethan verwendet wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Polyester-Polyurethan
durch Umsetzung von 1,5-Naphthylen-diisocyanat mit einem Polyesterpolyol (MG 2000)
gebildet wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß als Vernetzer
Butandiol-1,4 verwendet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Gießmasse
vor der Zugabe des Vernetzers auf eine Temperatur von 110 bis 120°C gebracht wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Gießmasse
spätestens 45 sec nach Zugabe des Vernetzers in die Beschickungsöffnung (4) der Rotationsvorrichtung
(1) gegeben wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Topfzeit
der Gießmasse maximal 15 Minuten beträgt.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Topfzeit 7 bis 10
Minuten beträgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß das Einbringen
der Gießmasse in zwei Stufen (Chargen I und II) erfolgt.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Zugabe der Charge
II 3 bis 5 Minuten nach Einbringen der Charge I erfolgt.
15. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Charge I etwa
2/3 der Gesamtgießmasse ist.
16. Rotationsvorrichtung für ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch
gekennzeichnet, daß die im Zentrum der Vorrichtung angeordnete Beschickungsöffnung
(4) in ein konisches Doppelkammersystem (5, 6) mündet, wobei von der breitesten Stelle
(11) dieses Kammersystems aus sich die Gießmasse in die Aussparungen (12, 13) des
Formoberteils (3) ergießt.
17. Rotationsvorrichtung nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Kammer
(6) innerhalb des Formunterteils (2) ein größeres Volumen aufweist als die Kammer
(5) innerhalb des Formoberteils (3)
18. Rotationsvorrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß das Volumenverhältnis
der Kammer (5) zur Kammer (6) 1 : 2 bis 1 : 4 beträgt.
19. Polier- bzw. Schleifscheibe hergestellt nach dem Verfahren bzw. mittels der Vorrichtung
gemäß einem der Ansprüche 1 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß der Stützteller (16)
aus massivem Polyurethan-Elastomer eine große Härte, insbesondere eine Mindesthärte
in Shore A von 90°, sowie einen hohen Elastizitätsmodul, insbesondere von 50 bis 60
MPa, aufweist.
20. Polier- bzw. Schleifscheibe nach einem der Ansprüche 1 bis 19, dadurch gekennzeichnet,
daß die Segmente (22, 23, 24) des Polier- bzw. Schleifbelages (21) aus geschäumtem,
mit anorganischen Substanzen getränktem Polyetherurethan bestehen.
21. Polier- bzw. Schleifscheibe nach einem der Ansprüche 1 bis 20, dadurch gekennzeichnet,
daß die Segmente (22, 23, 24) dreireihig strukturiert sind, und zwar derart, daß jede
zweite sternförmig verlaufende Nut (25, 26) bis zur Vertiefung (30) im Scheibenmittelpunkt
durchgehend angeordnet sind, während die dazwischen liegenden sternförmig verlaufenden
Nuten (27) nur bis zur Radialnut (28) reichen.
22. Polier- bzw. Schleifscheibe nach einem der Ansprüche 1 bis 21, dadurch gekennzeichnet,
daß der Stützteller (16) rückseitig eine zylindrische Abstufung (20) aufweist.
23. Polier- bzw. Schleifscheibe nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, daß die
Tiefe der Abstufung (20) 8 bis 12 mm beträgt.
24. Polier- bzw. Schleifscheibe nach einem der Ansprüche 1 bis 23, dadurch gekennzeichnet,
daß der Stützteller (16) eine Stärke von etwa 4 mm bzw. 8 mm (im Bereich der Segmente
22, 23, 24) aufweist.
25. Polier- bzw. Schleifscheibe nach einem der Ansprüche 1 bis 24, dadurch gekennzeichnet,
daß der segmentierte Polier- bzw. Schleifbelag (21) eine Stärke von 4 bis 6 mm aufweist.