(19)
(11) EP 0 426 157 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
08.05.1991  Patentblatt  1991/19

(21) Anmeldenummer: 90120913.0

(22) Anmeldetag:  31.10.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5E06B 9/17
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT DE FR IT

(30) Priorität: 02.11.1989 DE 8912981 U

(71) Anmelder: BARTOLITH-WERKE GMBH
W-8058 Erding (DE)

(72) Erfinder:
  • Röthel Hans Robert
    D-8000 München (DE)

(74) Vertreter: Grünecker, Kinkeldey, Stockmair & Schwanhäusser Anwaltssozietät 
Maximilianstrasse 58
80538 München
80538 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Rolladenkasten


    (57) Der Rolladenkasten verfügt über Kastenwände (2), von denen wenigstens eine mit einer Auftragsschicht (3) versehen ist. Der Rolladenkasten soll bezüglich seiner Einbautiefe flexibel sein. Die Auftragsschicht (3) ist deshalb zur flexiblen Bestimmung der Tiefe beim Einbau in eine Bauwerksöffnung als vorgefertigte und vorgehärtete Mörtelschicht ausgebildet.




    Beschreibung


    [0001] Die Neuerung betrifft einen Rolladenkasten mit, insbesondere aus Holzwollezement bestehenden, Kastenwänden, von denen wenigstens eine mit einer Auftragsschicht versehen ist.

    [0002] Es sind bisher Rolladenkästen bekannt, die z.B. aus Styropor, aus Holzwollezement oder dergleichen hergestellt werden. Die Rolladenkästen werden oberhalb verschiedener Bauwerksöffnungen, wie z.B. Fenster oder Türen, im Bauwerk versenkt angebracht. Bei Auftragen einer Putzschicht auf den Rohbau werden die Rolladenkästen mit verputzt und sind danach nicht mehr sichtbar im Bauwerk integriert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kastenwände zum Auftragen des Putzes vorzubereiten.

    [0003] Bei einer Ausführungsform wird ein Gewebe, wie z. B. ein Drahtgitter, an der Rolladenkastenwand vorzugsweise durch Nägel befestigt. Dieses Gewebe ragt beim Einbau der Rolladenkästen über diese hinaus und bedeckt teilweise das umgebende Mauerwerk. Die Putzschicht wird auf das als Haftgrund dienende Gewebe aufgetragen und so der Rolladenkasten im Bauwerk mit verputzt.

    [0004] Bei einem anderen Rolladenkasten werden Verblendziegel konstanter Dicke mit Hilfe eines Klebers auf einer Kastenwand aufgebracht. Die Verblendziegel sind relativ teuer und müssen einzeln auf die jeweiligen Kastenwände aufgebracht werden.

    [0005] Ein anderer bekannter Rolladenkasten verfügt an einer Seite über eine aufgeklebte Werkstoffplatte, die mit einem Spritzbewurf versehen ist. Die Werkstoffplatte ist bruchempfindlich.

    [0006] Nachteilig bei all diesen Rolladenkästen ist, daß nichts vorgesehen ist, um sie an merklich unterschiedliche Einbautiefen anzupaßen. Die jeweilige Einbautiefe ist im wesentlichen vorgegeben. Bei der Herstellung erfolgt keine Anpassung, am Bau allenfalls eine geringe. Die Rolladenkästen werden bei der Montage in die entsprechenden Öffnungen des Rohbaues eingesetzt. In Grenzen kann eine Anpassung dadurch erfolgen, daß mehr Putz auf die in der Rohbauwerksoberfläche liegende Rolladenkastenseitenfläche aufgetragen wird. In diesem Zusammenhang treten zwei Probleme auf.

    [0007] Die Auftragsschicht bei bisherigen Rolladenkästen kann nur eine relativ geringe Putzschicht tragen. Will man die Einbautiefe eines Rolladens gegenüber dem umgebenden Mauerwerk durch unterschiedlich dicke Putzschichten ausgleichen, so bedingt das unterschiedliche Trockenzeiten. In ungünstigen Fällen kann die Trockenzeit 4 Wochen und länger betragen. Da in der Praxis beim Einbau nicht die unterschiedlichen Trockenzeiten entsprechend der aufgetragenen Putzschichtdicke berücksichtigt werden, kann es so zu Spannungsrissen an den Übergangsstellen der Putzschicht zwischen Rolladenkasten und Mauerwerk oder sogar zum teilweisen Abplatzen des Putzes kommen. Daraus ergeben sich zusätzliche Arbeiten bei der Reparatur dieser Stellen und außerdem kann Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringen und zu weiteren Schäden führen.

    [0008] Ein weiterer Nachteil ist, daß bei den eingebauten Rolladenkästen immer auf eine vertikale Seitenfläche verputzt wird. Eine Anpassung an unterschiedliche Einbautiefen ist so durch ein Fließen in Richtung der Schwerkraft des noch nicht getrockneten Putzes schwierig. Als Ausweg bleibt nur die Verwendung von dickflüssigem Putz oder ein schichtweises Auftragen des Putzes. Im ersten Fall ergeben sich Probleme mit der Auftragsschicht als Haftgrund, da diese nicht für Putzschichten mit unterschiedlicher Dicke und beliebig an die Struktur des Putzes anpaßbar ausgebildet ist. Der zweite Fall schafft Probleme wegen der Kosten und der damit verbundenen Zeit.

    [0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen einfach aufgebauten, preiswerten Rolladenkasten der eingangs genannten Art zu schaffen, der bezüglich der Einbautiefe flexibel ist.

    [0010] Diese Aufgabe wird bei einem Rolladenkasten mit den Merkmalen des Oberbegriffes des Anspruches 1 dadurch gelöst, daß die Auftragsschicht zur flexiblen Bestimmung der Tiefe beim Einbau in eine Bauwerksöffnung als vorgefertigte und vorgehärtete Mörtelschicht ausgebildet ist.

    [0011] Der erfindungsgemäße Rolladenkasten ist einfach aufgebaut und bietet mannigfaltige Vorteile.

    [0012] Die Formteile des Rolladenkasten sind in der Regel aus Holzwollezement hergestellt. Nach dem Pressen und Austrocknen des Rolladenkastens wird noch in der Fabrik eine Mörtelschicht vorbestimmter Dicke aufgetragen. Bei einer Art der Herstellung kann die Mörtelschicht einfach auf die Rolladenkastenwand aufgespritzt werden. Diese Mörtelschicht dient dann nach Einbau der Rolladenkästen in das Mauerwerk als Auftragsschicht für eine Verputzschicht. Je nach Dauer des Aufspritzens wird eine variable, vorbestimmte Dicke der Auftragsschicht erzielt. Durch diese variable Dicke der Auftragsschicht kann der vorgefertigte und vorgehärtete erfindungsgemäße Rolladenkasten beim Einbau einfach an unterschiedliche Tiefen beim Einbau angepaßt werden.

    [0013] Falls eine dicke Auftragsschicht benötigt wird, ist es bei dem Anbringen der Auftragsschicht auch möglich, den Rolladenkasten mit der entsprechenden Seitenwand nach oben weisend auf dem Erdboden abzulegen. Der Rolladenkasten kann dann mit einem Auslaufschutz umgeben werden, der sich über die Seitenfläche nach oben erstreckt und mit Mörtel gefüllt werden kann. So sind auch dicke vorgefertigte und vorgehärtete Auftragsschichten herstellbar. Da die Auftragsschicht in die Oberfläche des Rolladens einsickert, ergibt sich ein guter Verbund.

    [0014] Die Mörtelschichten können schichtweise aufgetragen und mit einem speziellen z.b. stufenweisen Trockenprogramm abgetrocknet werden. Außerdem kann die Mörtelschicht dick- oder dünnflüssig mit entsprechend mehr groben bzw. feinen Bestandteilen sein und dann selektiv getrocknet werden. Durch die Auswahl einer entsprechenden Mörtelschicht, die sowohl mit einer feinen, als auch groben Oberflächenstruktur ausgebildet werden kann, ist durch die gewählte Haftung eine Anpassung an eine später nach dem Einbau je nach Wunsch dünnere oder dickere Verputzschicht möglich.

    [0015] Durch eine entsprechende Auswahl und Zusammensetzung der Mörtelschicht mit angepaßten Trockenprogrammen kann eine bessere Wärmedämmung und Isolierung sowie ein besserer Schutz gegen Feuchtigkeit erzielt werden.

    [0016] Den erfindungsgemäßen Rolladenkasten kann man kostengünstig und technisch einfach an verschiedene Einbautiefen anpassen. Da die Auftragsschicht vorgefertigt und vorgehärtet ist, ergeben sich beim Verputzen keine Wartezeiten wegen unterschiedlicher Putzschichtdicken. So wird eine Bildung von Rissen oder gar ein teilweises Abplatzen von Putz vermieden.

    [0017] Vorteilhafterweise ist die Auftragsschicht direkt auf den Kastenwänden angebracht, so daß der Rolladenkasten auch bei einer geringen Tiefe des Einbaus benutzbar ist.

    [0018] Zwischen den Kastenwänden und der Auftragsschicht kann eine insbesondere mit Sand versetzte Klebeschicht vorhanden sein. Es ergeben sich hieraus gute Hafteigenschaften für die Auftragsschicht.

    [0019] Bei einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung besteht die Auftragsschicht aus einer Ziegelmehl und Putz enthaltenden Schlämme. Damit ergibt sich eine leicht verputzbare und von der Struktur her dem aufzutragenden Putz ähnelnde Auftragsschicht. Außerdem ergeben sich verbesserte Eigenschaften der Auftragsschicht hinsichtlich der Feuchtigkeitsaufnahme, so daß ein Eindringen von Feuchtigkeit in den Rolladenkasten weitestgehend verhindert wird.

    [0020] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, daß unter/oder in der Klebe- oder Auftragsschicht ein Putzträger eingebettet ist. Der Putzträger besteht aus einem Gewebe, wie z.B. Drahtgitter, das an die Rolladenkastenseitenfläche anschließende Teile des umgebenden Mauerwerkes bedeckt. Da oberhalb der Bauwerksöffnungen Betonträger angeordnet sind, die für die nötige Stabilität notwendig sind, kann mit Hilfe des eingebetteten Putzträgers ein Auftragen einer Putzschicht auf die Betonträger erleichtert und gleichzeitig eine verbesserte festere Verbindung von Rolladenkasten und Betonträger erzielt werden.

    [0021] Die vorgeschlagenen Lösungen gemäß der Erfindung und vorteilhafter Ausführungsbeispiele davon werden im folgenden anhand der in der Zeichnung dargestellten Figuren weiter erläutert und beschrieben.

    Fig. 1 zeigt einen Querschnitt durch einen mit einer Auftragsschicht gemäß der Erfindung versehenen Rolladenkasten;

    Fig. 2 zeigt eine Aufsicht eines in ein Bauwerk ein­gebauten Rolladenkasten;

    Fig. 3 zeigt einen Rolladenkasten mit einem Putz­träger.



    [0022] In Fig. 1 ist ein Rolladenkasten, der insgesamt mit 1 bezeichnet ist, in seitlicher Aufsicht auf eine Schnittebene senkrecht zur Längsausdehnung des Rolladenkasten 1 dargestellt.

    [0023] Der Rolladenkasten wird dabei aus gepreßten Holzwollezementformteilen zusammengesetzt. Das beim Pressen des Holzwollezements an die Oberfläche austretende Öl wird entfernt, da die Ölschicht einen schlechten Untergrund bildet. Danach kann eine mit Sand versetzte Kleberschicht aufgetragen werden. Dabei dient der Sand zur Aufrauhung der Kleberschichtoberfläche und somit zu einer noch besseren Haftung einer auf die Kleberschicht aufgetragenen Auftragsschicht.

    [0024] Noch bevor die Kleberschicht abgetrocknet ist, wird die Auftragsschicht, insbesondere eine Mörtelschicht, aufgetragen. Dies kann händisch oder durch Aufspritzen auf die vertikale Seitenwand des Rolladenkastens geschehen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Rolladenkasten mit der entsprechenden Seite nach oben abzulegen, diese Kastenseite mit einem, diese überragenden Auslaufschutz zu versehen und auf die Seite der Mörtelschicht aufzutragen.

    [0025] Im ersten, wie im zweiten Fall ist eine Anpassung an eine unterschiedliche Einbautiefe des Rolladenkastens durch die Wahl einer vorbestimmten, variablen Dicke der Auftragsschicht möglich. Außerdem können spezielle Trockenprogramme, insbesondere in einem Trockenofen, durchlaufen werden. Die Auftragsschicht ist durch Auswahl des Mörtels mit einer bestimmten Oberflächenstruktur versehbar. So kann entsprechend zur Auftragsschicht die Putzschicht dick oder dünn, bzw. grob oder fein aufgetragen werden. Außerdem können durch Auswahl des Mörtels und der entsprechenden Trockenprogramme eine bessere Wärmedämmung und ein besserer Feuchtigkeitsschutz erzielt werden.

    [0026] Der Rolladenkasten 1 ist so vorgefertigt und vorgehärtet. Er ist weiterhin an eine variable Einbautiefe anpaßbar, und zwar auf Grund seiner Struktur.

    [0027] Der fertige Rolladenkasten 1 ist aus drei aufeinander senkrecht stehenden Holzwollezementseitenteilen 2 gebildet, wobei der Kasten eine einseitige untere Öffnung 9 aufweist. Innerhalb des Rolladenkastens 1 ist ein auf eine Achse 8 aufgerollter Rolladen 7 angeordnet. Wenigstens auf der zur Einbaufläche im wesentlichen parallel liegenden Seite des Rolladenkastens 1 ist die Auftragsschicht 3 aufgetragen. Zwischen der Auftragsschicht 3 und der ihr zugewandten, eine Seitenwand des Rolladenkastens 1 bildenden Holzwollezementseitenteil ist eine haftvermittelnde Klebeschicht 4 angeordnet.

    [0028] Der Rolladenkasten 1 ist dabei so in einer die Einbaufläche bildenden Rohbauwerksoberfläche eingelassen, daß die Auftragsschicht 3 im wesentlichen flächenbündig mit der in der Zeichnung nicht dargestellten Einbaufläche angeordnet ist. Auf die Auftragsschicht 3 ist eine auch die umgebende Einbaufläche bedeckende Putzschicht 6 aufgetragen.

    [0029] In Fig. 2 ist der Rolladenkasten 1 in einer Draufsicht auf die in der Einbaufläche verlaufende Kastenseitenfläche dargestellt. Durch einen bis auf die, die Seitenfläche bildende Platte 2 durchgehenden Ausschnitt, ist ein schichtenförmiger Einblick möglich. Die erste Schicht ist durch die Putzschicht 6 gegeben, die auch die umgebende, nicht dargestellte Einbaufläche bedeckt. Unterhalb der Putzschicht 6 ist die die Putzschicht tragende Auftragsschicht 3 angeordnet. In diesem Ausführungsbeispiel ist zwischen der Auftragsschicht 3 und der Klebeschicht 4 ein Putzträger 5 ausgebildet. Die Klebeschicht 4 ist direkt auf die Holzwollezementseitenfläche 2 des Rolladenkastens 1 aufgetragen.

    [0030] In Fig. 3 ist der Rolladenkasten 1 mit dem Putzträger 5 dargestellt. Der Putzträger 5 erstreckt sich dabei über die Bauwerksöffnung hinaus.

    [0031] Durch diese Erfindung mit ihren verschiedenen Ausführungsbeispielen, ist eine flexiblere Anpassung an verschiedene Einbautiefen in einer Bauwerksöffnung der Auftragsschicht, die z.B. als vorgefertigte und vorgehärtete Mörtelschicht flexibler Dicke ausgebildet sein kann, möglich.


    Ansprüche

    1. Rolladenkasten mit Kastenwänden, insbesondere aus Holzwollezement, von denen wenigstens eine mit einer Auftragsschicht versehen ist,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Auftragsschicht zur flexiblen Bestimmung der Tiefe beim Einbau in eine Bauwerksöffnung als vorgefertigte und vorgehärtete Mörtelschicht ausgebildet ist.
     
    2. Rolladenkasten nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Auftragsschicht direkt auf den Kastenwänden aufgebracht ist.
     
    3. Rolladenkasten nach Anspruch 1 oder 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zwischen den Kastenwänden und der Auftragsschicht eine insbesondere mit Sand versetzte Kleberschicht vorhanden ist.
     
    4. Rolladenkasten nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Auftragsschicht aus einer Ziegelmehl und Putz enthaltenden Schlämme besteht.
     
    5. Rolladenkasten nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß unter oder in der Kleber- und/oder Auftragsschicht ein Putzträger eingebettet ist.
     




    Zeichnung