| (19) |
 |
|
(11) |
EP 0 313 888 B1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
|
31.07.1991 Patentblatt 1991/31 |
| (22) |
Anmeldetag: 05.10.1988 |
|
|
| (54) |
Verfahren zur Wärmebehandlung metallischer Werkstücke
Method for the heat treatment of metallic work pieces
Méthode pour le traitement thermique de pièces métalliques
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE CH DE ES FR GB IT LI LU NL SE |
| (30) |
Priorität: |
28.10.1987 DE 3736501
|
| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
|
03.05.1989 Patentblatt 1989/18 |
| (73) |
Patentinhaber: ALD Vacuum Technologies GmbH |
|
63526 Erlensee (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- Heilmann, Paul, Dipl.-Ing.
D-6457 Maintal 2 (DE)
- Preisser, Friedrich, Dipl.Phys.Dr.
D-6470 Büdingen (DE)
- Schuster, Rolf
D-6450 Hanau (DE)
|
| (74) |
Vertreter: Manitz, Gerhart, Dipl.-Phys. Dr. et al |
|
Manitz, Finsterwald & Rotermund
Patentanwälte
Postfach 22 16 11 D-80506 München D-80506 München (DE) |
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
DE-B- 1 132 171
|
GB-A- 2 052 030
|
|
| |
|
|
- HÄRTEREI-TECHNISCHE-MITTEILUNGEN, Band 42, Nr. 5, September/Oktober 1987, Seiten 301-308,
München, DE; H. Giesser et al.: "Möglichkeiten und Grenzen der Überdruck-Gaskühlung
abkühlempfindlicher Stähle im Vakuumofen"
- METAL PROGRESS, Band 100, Nr. 1, Juli 1971, Seiten 72-73; C. DAWES et al.: "Parameters
for gas quenching in vacuum furnaces"
- V.D.I.-ZEITSCHRIFT, Band 122, Nr. 22, November 1980, Seiten 1021-1028, Düsseldorf,
DE; F. BLESS: "Neue Entwicklungen bei der Wärmebehandlung im Vakuum"
- R. NEMENYI: "Controlled atmospheres for heat treatment", 1. Ausgabe, Seiten 31-32,34-38,148,149,
Pergamon Press, Oxford, GB
|
|
| |
|
| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Wärmebehandlung metallischer Werkstücke
in einem Vakuumofen durch Aufheizen der Werkstücke und anschließendes Abschrecken
in einem Kühlgas unter Überdruck und Kühlgasumwälzung.
[0002] Zum Härten metallischer Werkstücke, insbesondere Werkzeuge, werden diese in einem
Ofen auf die Austenitisierungstemperatur des Werkstoffs erhitzt und dann abgeschreckt.
Je nach Werkstoffart und gewünschter mechanischer Eigenschaften sind zum Abschrecken
Bäder aus Wasser, Öl oder geschmolzenen Salzen erforderlich. Teile aus Schnellarbeitsstählen
und anderen hocheegierten Werkstoffen können auch in Inertgasen abgeschreckt werden,
wenn diese kontinuierlich gekühlt und umgewälzt werden.
[0003] In der DE-PS 28 39 807 und der DE-PS 28 44 343 werden Vakuumöfen beschrieben, in
denen zum Abschrecken Kühlgase mit hoher Gasgeschwindigkeit und mit Drücken bis zu
0,6 MPa (6 bar) über die aufgeheizten Werkstückchargen und anschließend über Wärmetauscher
geleitet werden. Die erforderlichen hohen Kühlgasgeschwindigkeiten erreicht man mit
Hilfe von Düsen oder Ventilatoren. Höhere Abschreckgeschwindigkeiten kann man im Prinzip
durch Erhöhung des Kühlgasdrucks erzielen, doch erreicht man bei den derzeit verwendeten
Kühlgasen (z. B. Stickstoff, Argon) nur einen Überdruck bis zu etwa 0,6 MPa. Die Anwendung
höherer Drücke wird durch die Motorleistung begrenzt, die zur Umwälzung der komprimierten
Gase erforderlich ist. Bei Verwendung von Stickstoff als Kühlgas mit 0,6 MPa Überdruck
beträgt die erforderliche Motorenleistung bei einem Ventilator bereits über 100 kW.
Motoren mit höheren Leistungen sind aber sehr voluminös, teuer und für einen Einbau
in einen Vakuumofen normalerweise nicht geeignet.
[0004] Durch diese technisch bedingte Begrenzung der Kühlgasumwälzung und des Kühlgasdrucks
war es bisher nicht möglich, höhere Abschreckintensitäten mit Kühlgasen zu erreichen,
so daß das Abschreckverfahren mit Kühlgasen auf spezielle Werkstoffe beschränkt ist.
[0005] Es war Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Wärmebehandlung metallischer
Werkstücke in einem Vakuumofen durch Aufheizen der Werkstücke und anschließendes Abschrecken
in einem Kühlgas unter Überdruck und Kühlgasumwälzung zu entwickeln, mit dem eine
höhere Abschreckintensitäterzielbarist, ohne die Motorenleistung fürdie Kühlgasumwälzung
erhöhen zu müssen.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß als Kühlgas Helium, Wasserstoff,
Gemische aus Helium und Wasserstoff oder Gemische aus Helium und/oder Wasserstoff
mit bis zu 30 Vol% Inertgas verwendet werden, daß der Kühlgasdruck "p" im Ofen bei
derAbschreckung auf Werte zwischen 1 und 4 MPa eingestellt wird, und daß die Kühlgasgeschwindigkeit
"v" so gewählt wird, daß das Produkt p.v zwischen 10 und 250 m - MPa - sec-
1 liegt.
[0007] Vorzugsweise verwendet man als Kühlgas Helium oder Heliumgemische mit bis zu 30 Vol%
Wasserstoff und/oder Inertgasen.
[0008] Als günstig hat es sich erwiesen, im Ofen einen Kühlgasdruckzwischen 1,4 und 3,0
MPa einzustellen und die Kühlgasumwälzung mit einem Ventilator vorzunehmen.
[0009] Die Kühlgasgeschwindigkeit "V" bezieht sich auf den Austritt aus den Kühlgasverteilungsrohren.
[0010] Es hat sich überraschenderweise erwiesen, daß bei Verwendung von Helium und/oder
Wasserstoff bzw. deren Gemische mit bis zu 30 Vol% Inertgas, wie z. B. Stickstoff,
als Kühlgas in den entsprechenden Öfen Drücke bis zu 4 MPa eingestellt werden können,
ohne daß die Motorleistung der verwendeten Ventilatoren erhöht werden müssen. Dadurch
wird die Kühlwirkung der Gase derart verstärkt, daß ein wesentlich breiteres Spektrum
von Stählen gehärtet werden kann, auch solche Stahlsorten, die man bisher in einem
Ölbad abschrecken musste. Diese Hochdruck-Gasabschreckung hat gegenüber flüssigen
Abschreckmedien verfahrenstechnische und wirtschaftliche Vorteile. Außerdem ist sie
umweltfreundlicher.
[0011] Bei der praktischen Ausführung dieses Verfahrens werden die Stahlteile in einem für
diesen Zweck üblichen Vakuumofen aufgeheizt. Dabei flutet man den Ofen vorteilhafterweise
mit dem Helium- bzw. Wasserstoffgas bereits zu Beginn der Aufheizung mit etwa 2 MPa
Druck und wälzt das Gas mit einem Ventilator um. Das hat den Vorteil, daß die Wärmeübertragung
auf die Stahlteile nicht durch Strahlung sondern durch Konvektion erfolgt, was ein
gleichmäßiges Aufheizen der Charge und eine beträchtliche Verkürzung der Aufheizzeit
zur Folge hat. Oberhalb 750°C wird das Gas aus dem Ofen entfernt und unter Vakuum
weitererhitzt In diesem Temperaturbereich ist die Strahlungserwärmung sehr wirksam
und ein Schutzgas zur Erwärmung der Chargen nicht notwendig. Nach Erreichen der jeweiligen
Austenitisierungtemperatur, die zwischen 800 und 1300°C liegen kann, wird zum Abkühlen
der Charge der Ofen mit kaltem Kühlgas bis zu 4 MPa Überdruck geflutet. Das Kühlgas
wird mit Hilfe eines Ventilators umgewälzt, nach Verlassen des Ofeninnenraums über
einen Wärmetauscher abgekühlt und erneut der Charge zugeleitet. Diese Umwälzung erfolgt
solange, bis die Charge abgekühlt ist. Die Gasgeschwindigkeit wird dabei mit Hilfe
des Ventilators so eingestellt, daß das Produkt p . v zwischen 10 und 250 m - MPa
. sec
-1 liegt
[0012] Folgendes Beispiel soll das erfindungsgemäße Verfahren näher erläutern :
Ein Bauteil mit ca. 10 mm Durchmesser aus dem niedriglegierten Stahl 100 Cr6 wird
in einem Vakuumofen auf die Austenitisierungstemperatur von ca. 850°C erwärmt. Nach
Erreichen dieser Temperatur wird der Ofen mit Helium bis zu einem Überdruck von 1,6
MPa geflutet, wobei bei einer Gasgeschwindigkeit von 65 m . sec-1 in 16 sec die Probe auf 400°C heruntergekühlt war, was der Abkühlgeschwindigkeit
in einem Ölbad entspricht. Man erhält einen martensitischen Gefügezustand mit einer
Härte von 64 HRC. Mit den bisher bekannten Gasabschreckungsverfahren läßt sich der
Stahl 100 6Cr nicht härten.
1. Verfahren zur Wärmebehandlung metallischer Werkstücke in einem Vakuumofen durch
Aufheizen der Werkstücke und anschließendes Abschrecken in einem Kühlgas unter Überdruck
und Kühlgasumwälzung, dadurch gekennzeichnet, daß als Kühlgas Helium, Wasserstoff,
Gemische aus Helium und Wasserstoff oder Gemische aus Helium und/oder Wasserstoff
mit bis zu 30 Vol% Inertgas verwendet werden, daß der Kühlgasdruck "p" im Ofen bei
der Abschreckung auf Werte zwischen 1 und 4 MPa eingestelltwird, und daß die Kühlgasgeschwindigkeit
"V" so gewählt wird, daß das Produkt p . v zwischen 10 und 250 m. MPa . sec-1 liegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Kühlgas Helium oder
Heliumgemische mit bis zu 30 Vol% Wasserstoff und/oder Inertgasen verwendet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß im Ofen bei der Abschreckung
ein Kühlgasdruck zwischen 1,4 und 3,0 MPa eingestellt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Kühlgasumwälzung
mit einem Ventilator erfolgt.
1. A process for the heat treatment of metallic workpieces in a vacuum furnace by
heating up the workpieces and subsequently chilling them in a cooling gas under excess
pressure and with circulation of the cooling gas, characterised in that the cooling
gas used is helium, hydrogen, mixtures of helium and hydrogen or mixtures of helium
and/or hydrogen with up to 30 vol% of inert gas, in that the cooling gas pressure
"p" in the furnace during chilling is adjusted to values from 1 to 4 MPa and in that
the cooling gas velocity "V" is chosen so that the product p . v is from 10 to 250
m . MPa . sec-1.
2. A process according to claim 1, characterised in that the cooling gas used is helium
or mixtures of helium with up to 30 vol% of hydrogen and/or inert gases.
3. A process according to claims 1 and 2, characterised in that a cooling gas pressure
of from 1.4 to 3.0 MPa is adjusted in the furnace during the chilling stage.
4. A process according to claims 1 to 3, characterised in that circulation of the
cooling gas is carried out with a ventilator.
1. Procédé de traitement thermique de pièces métalliques dans un four à vide par chauffage
des pièces et ensuite trempe par un gaz de refroidissement sous pression et circulation
du gaz de refroidissement, caractérisé en ce qu'on utilise comme gaz de refroidissement
de l'hélium, de l'hydrogène, des mélanges d'hélium et d'hydrogène, des mélanges d'hélium
et/ou d'hydrogène avec jusqu'à 30% en volume de gaz inerte, qu'on règle la pression
du gaz de refroidissement "p" dans le four lors de la trempe à des valeurs comprises
entre 1 et 4 MPa, et qu'on choisit la vitesse du gaz de refroidissement "V", de telle
manière que le produit p . v se trouve entre 10 et 250 m - MPa - sec-1.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'on utilise comme gaz de
refroidissement de l'hélium ou des mélanges d'hélium avec jusqu'à 30% en volume d'hydrogène
et/ou de gaz inertes.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce qu'on établit dans le
four lors de la trempe une pression de gaz de refroidissement comprise entre 1,4 et
3,0 MPa.
4. Procédé selon les revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'on réalise le recyclage
du gaz de refroidissement avec un ventilateur.