[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum kontinuierlichen Einschmelzen von heterogenen
festen oder dickflüssigen Reststoffen sowie eine Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens.
Unter Reststoffen sollen im folgenden verstanden werden: Reststoffe und Rückstände
aus Industrie, Gewerbe und Haushalt im besonderen auch Rückstände mit schwer zu inertisierenden
Schadstoffen z.B. Filterasche und Schlakken aus Energieerzeugungs- und Verbrennungsanlagen,
Lackschlämme aus Lackierbetrieben, Filterpressen- und Galvanikschlämme und Rückstände
aus Rauchgasreinigungen. Dabei müssen die in den Reststoffen enthaltenen Schadstoffe
vor allem Schwermetalle wie quecksilber, Blei, Zink und Kadmium und giftige, organische
Komponenten wie Dioxine und Furane umgewandelt, inertisiert oder einer Wiederverwertung
zugeführt werden. Schwermetalle wie Zink und Blei mit oft relativ hohem Gehalt können
auch einer Wiederverwertung zugeführt werden. Die schädlichen Komponenten der Reststoffe
müssen soweit inertisiert werden, dass sie deponiefähig sind. Dazu muss die Löslichkeit
inertisierter schädlicher Komponenten verschwindend gering sein, so dass keine durch
Auswaschen verursachte Beeinträchtigung des Grundwassers auftreten kann. Ebenso sollen
Belästigungen durch Geruch und Staub aus einer Deponie vermieden werden.
[0002] Ein bekanntes Verfahren zur Inertisierung derartiger Reststoffe bildet das Inklusionsverfahren
bei dem z.B. Schwermetalle enthaltender Filterstaub aus Kohlekraftwerken oder anderen
Verbrennungsanlagen mit Zement und Strukturmineralien vermischt und in eine betonartige
Masse eingebunden wird. Dieses Verfahrens benötigt jedoch grosse Mengen von Zusatzstoffen,
es erfordert entsprechend grosse Deponievolumen und die Langzeitstabilität bezüglich
Auswaschen eingebundener, schädlicher Komponenten ist zumindest noch unklar.
[0003] Ein anderes bekanntes Verfahren zur Inertisierung derartiger Reststoffe besteht in
deren Verglasung, welche in grossen Wannen von grossen Glasöfen langsam auf hohe Temperaturen
aufgeheizt und möglichst homogen verglast werden. Diese Glasschmelzverfahren sind
z.B. im Abfallwirtschaftsjournal 1 (1989) Nr. 7/8, Seiten 27 bis 28 beschrieben. Durch
die grossen Verweilzeiten von mehreren Stunden bei den hohen Schmelztemperaturen wird
hier zwangsläufig auch der grösste Teil der flüchtigen Komponenten, im speziellen
auch der Schwermetalle, ausgedampft und muss in einer zusätzlichen, folgenden Stufe
entsorgt bzw. verwertet werden. Im besonderen wird in den bisherigen langsamen Glasschmelzverfahren
auch der Rauchgasgips wieder zersetzt und das vorher darin gebundene SO₂ wieder freigesetzt,
was eine anschliessende zusätzliche Entschwefelungsstufe erfordert. Diese Verfahren
bilden also keine SO₂-Senke.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Nachteile der bekannten Verfahren
zu überwinden und ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Inertisierung von Reststoffen
zu schaffen, welche eine weitgehende und steuerbare Einbindung von Schadstoffen, insbesondere
auch von Schwermetallen ermöglicht und das auch eine SO₂-Senke bilden kann.
[0005] Diese Aufgabe wird gelöst durch das Verfahren nach Anspruch 1 und mittels einer Vorrichtung
nach Anspruch 12.
[0006] Durch Wahl der Vorwärmtemperatur T1 laufen in der Vorwärm- und Fraktionierungsstufe
die dieser Temperatur entsprechenden chemischen Umwandlungen und physikalischen Abdampfungen
von Reststoffkomponenten kontrolliert ab. Unerwünschte Reaktionen und Verdampfungen
von Komponenten, welche oberhalb der Vorwärmtemperatur T1 auftreten, werden somit
vermieden. Anschliessend werden die verbleibenden Reststoffe in der Einschmelzstufe
relativ rasch mindestens auf deren Fliesstemperatur erhitzt, verschmolzen und durch
Abkühlung verfestigt. Durch diesen relativ raschen Einschmelzvorgang kann eine unerwünschte
weitere Zersetzung der Reststoffe (z.B. von CaSO4) weitgehend vermieden werden. Ein
wesentlicher Anteil des im Rauchgasgips enthaltenen Schwefels wird so inertisiert
oder in Schlacke eingebunden, d.h. es entsteht eine SO₂-Senke. Das erfindungsgemässe
Inertisierungsverfahren ist damit auch viel umfassender und wirksamer als die bisher
bekannten. Es kann ein qualitativ und quantitativ grösseres Spektrum von Reststoffen
eingeschmolzen und in einen inerten, deponiefähigen festen Endzustand übergeführt
werden.
[0007] Die abhängigen Ansprüche betreffen vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung. Dabei
kann die Vorwärmtemperatur T1 vorzugsweise zwischen 400°C und 1000°C liegen, und sie
kann mindestens 200°C unter der Einschmelztemperatur T2 liegen. Die Vorwärmtemperatur
T1 kann auch entsprechend der Zusammensetzung der Reststoffe auf eine gewünschte Abgasfraktion
und auf die Erweichungstemperatur der Reststoffe abgestimmt eingestellt werden. Zwecks
gut kontrollierter Fraktionierung kann die Verweilzeit in der Fraktionierungsstufe
grösser gewählt sein als die Verweilzeit in der Schmelzstufe, oft um ein mehrfaches
grösser. Zwecks rascher und vollständiger Einbindung aller Komponenten kann die Verweilzeit
in der Schmelzstufe mit Vorteil weniger als 15 Min., oft sogar weniger als 5 Min.
betragen. Abhängig von den physikalischen Eigenschaften und der chemischen Zusammensetzung
der Reststoffe können als Betriebsparameter die Temperaturen und die Verweilzeiten
von Vorwärmstufe und Schmelzstufe bzw. deren Heizleistungen und Förderraten einstellbar
gesteuert und geregelt werden, so dass die gewünschten Anteile in der Vorwärmstufe
ausfraktioniert und die verbleibenden Reststoffe vollständig eingeschmolzen werden.
In einer anschliessenden weiteren Behandlungsstufe können die heissen Abgase durch
Einblasen von kaltem Gas oder Feststoff schlagartig abgekühlt werden, damit können
z.B. Schwermetallsalze desublimiert und in eine weiterverwertbare Pulverform übergeführt
werden, ohne dass durch langen Aufenthalt im kritischen Temperaturbereich von 300°C
bis 400°C beim Abkühlen toxische organische Substanzen wie Dioxine und Furane gebildet
werden. Abgase einer relativ tiefen Vorwärmtemperatur T1 und kurzen Verweilzeit t1
können einer anschliessenen Hochtemperaturbehandlung z.B. Nachverbrennung unterzogen
werden, in der allfällig entstandene resp. nicht zerstörte toxische organische Verbindungen
vollständig zersetzt werden. Die erfindungsgemässe Vorrichtung kann mehrere Vorwärmstufen
mit je einem Stoffeingang, einer Heizung und einer Abgasleitung aufweisen, mit einzeln
einstellbaren und steuerbaren Betriebsparametern der Vorwärmstufen, so dass verschiedene
Stoffeingänge je optimal behandelbar sind. Vorzugsweise kann das Volumen der Schmelze
im Tiegel bzw. Schmelzgefäss mindestens fünf Mal kleiner sein als das Volumen der
Vorwärmstufe, um eine relativ kurze Verweilzeit in der Schmelzstufe zu erreichen.
Um optimale Betriebsbedingungen für unterschiedliche Reststoffeingänge einzustellen,
kann der Tiegel auch einen regulierbaren oder einstellbaren Auslaufsiphon aufweisen.
[0008] Für die relativ hohen Temperaturen T2 der Schmelzstufe eignen sich Tiegel aus keramischen
Materialien oder elektrisch leitende Tiegel aus hochschmelzenden Metallen wie Molybdän,
Tantal und Wolfram oder aus anderen elektrisch leitfähigen Materialien wie Graphit
und Siliziumcarbid. Es kann auch eine keramische Tiegelwand mit elektrisch leitendem
Material umgeben sein. Damit können elektrische Tiegelheizungen als induktive - oder
Widerstandsheizungen realisiert werden. Dies ergibt eine rasch und gut steuerbare
Heizung in nächster Nähe des Schmelzgutes. Im Fall von induktiver Beheizung ermöglichen
elektrisch leitende Einbauten im Tiegel einen sehr guten Wärmeübergang. Die Leitfähigkeit
kann auch durch leitende Reststoffe oder Zusatzstoffe erreicht werden. Der Tiegel
kann aber auch eine indirekte Gas- oder Oelheizung aufweisen. Für die Vorwärmstufe
sind ebenfalls Gas- oder Oelheizungen, Widerstandsheizungen oder Induktionsheizungen
möglich. Als mögliche Vereinfachung kann die Heizung der Schmelzstufe auch zum Heizen
der Vorwärmstufe 4 eingesetzt sein. Die erfindungsgemässe Vorrichtung eignet sich
besonders als integrierter Teil von Entsorgungsanlagen im allgemeinen und im besonderen
in Kombination mit einer Rauchgasreinigungsvorrichtung.
[0009] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen und Figuren weiter erläutert.
Dabei zeigen:
Fig. 1 schematisch das erfindungsgemässe Verfahren an einer Vorrichtung mit mehreren
Reststoffeingängen und Vorwärmstufen;
Fig. 2 eine Vorrichtung mit Vorwärmstufe und Einschmelzstufe;
Fig. 3 einen Einschmelztiegel mit Induktionsheizung;
Fig. 4 eine kombinierte Heizung von Einschmelzstufe und Vorwärmstufe;
Fig. 5 eine Entsorgungsanlage mit Rauchgasreinigung und integrierter Einschmelzvorrichtung;
Fig. 6 bis 8 verschiedene Beispiele von Temperaturverläufen in Vorwärm- und Einschmelzstufe.
[0010] Die erfindungsgemässe Einschmelzvorrichtung kann eine oder mehrere Vorwärmstufen
aufweisen. Die schematische Darstellung von Fig. 1 zeigt drei separate Vorwärm- und
Fraktionierungsstufen 4, 41, 42, in die verschiedene Reststoffe 3, 31, 32 zugeführt
werden (2, 21, 22). Die Reststoffe werden mittels Fördereinrichtungen 7, 71, 72 in
einer Durchlaufzeit t1, t11, t12 durch die Vorwärmstufen bewegt und dabei auf die
Vorwärmtemperaturen T1, T11, T12 aufgeheizt mittels der zugehörigen Heizungen 6, 61,
62. Dabei entstehen in jeder Stufe ausfraktionierte Abgase, welche über die Leitungen
8, 81, 82 abgeführt und allfälligen weiteren Behandlungsstufen (9) zugeführt werden.
Die Vorwärmtemperaturen T1, T11, T12 können dabei separat auf die entsprechende Reststoffzusammensetzung
und auf die gewünschte Fraktionierungswirkung eingestellt werden.
[0011] Alle Reststoffe der parallelen Vorwärmstufen 4, 41, 42 werden anschliessend zusammen
in eine Einschmelzstufe 10 geführt, wo sie auf eine Einschmelztemperatur T2 erhitzt
werden, welche mindestens der Fliesstemperatur der verbleibenden Feststoffphase entspricht.
In einem relativ kleinen Tiegel 11 mit zugeordneter Heizung 12 und entsprechender
möglicher kurzer Durchlaufzeit t2 können die Reststoffe vollständig eingeschmolzen
oder zu einem geringen Teil von der Schmelze eingeschlossen werden, ohne dass unerwünschte
Zersetzungen und Abdampfungen auftreten, wie dies in bisherigen grossen und sehr trägen
Glasöfen unvermeidbar ist.
[0012] Anschliessend an den Schmelzeaustritt 14 kann die eingeschmolzene Phase in einer
Kühl- oder Abschreckvorrichtung 15 sehr rasch verfestigt oder mit kontrolliertem Temperaturgradienten
in eine gewünschte Form übergeführt werden. Die Abgase dieser Stufe 10 werden ebenfalls
über eine Abgasleitung 13 weggeführt und allfälligen weiteren Behandlungsstufen zugeführt.
[0013] Fig. 2 zeigt eine Einschmelzvorrichtung mit einer Förderschnecke 7, welche durch
einen Motor 29 angetrieben ist. Durch Steuerung dieses Motors kann die Durchlaufzeit
bzw. die Verweilzeit t1 in der Vorwärmstufe 4 eingestellt werden. Ein Gasofen 26 dient
hier als Heizung beider Stufen 4 und 10. Ein Heizausgang 27 dient als Heizung 12 der
Einschmelzstufe 10 und der Heizausgang 28 als Heizung 6 der Vorwärmstufe 4. Am Ende
von Vorwärmstufe 4 und Förderschnecke 7 fallen die verbleibenden Reststoffe in einem
Rohr vertikal nach unten in den Tiegel 11 der Einschmelzstufe. Das Rohr 13 dient als
Abgasleitung dieser Stufe 10. Die Vorwärmstufe 4 weist zwei weitere Abgasleitungen
81 und 82 auf, welche z.B. bei langsamer Erwärmung verschiedene Abgasfraktionen aufnehmen
können. Unter dem Austritt 14 fällt die Schmelze 17 in ein Wasserbad als Abschreckvorrichtung
15. Ueber ein Förderbad 25 können die inertisierten deponiefähigen Reststoffe 20 der
weiteren Verwendung zugeführt werden.
[0014] Fig. 3 zeigt eine Einschmelzstufe mit Induktionsheizung 35, Stromzuleitungen 36 und
einer Wasserkühlung 37, die einen elektrisch leitenden Tiegel 11 direkt aufheizt.
Dies ergibt eine sehr konzentrierte Heizung, welche eine rasch steuerbare Temperatureinstellung
T2 ermöglicht. Ein einstellbarer Auslaufsiphon 16 bestimmt die gewünschte Höhe H der
Schmelze 17 im Tiegel 11. Dazu wird das Siphonablaufrohr 40 über eine Verstellstange
38 in einem Einstellbereich 39 betätigt. Eine Einstellung der gewünschten Schmelzhöhe
H kann auch durch auswechselbare Einsätze des Siphonablaufrohrs 40 erfolgen. Für eine
möglicherweise auftretende leichte Schlackenschicht auf der Schmelze kann ein zusätzlicher
Ablauf im Tiegel eingebaut sein.
[0015] Fig. 4 zeigt eine kombinierte Heizung beider Stufen durch einen Gasofen 26. Die Einschmelzstufe
10 wird direkt beheizt, die Vorwärmstufe 4 indirekt über eine Bypass 45 und einstellbar
z.B. durch eine Klappe 46. Die Abgasleitung 8 der Vorwärmstufe ist hier einer anschliessenden
Hochtemperatur-Behandlungsstufe 92 zugeführt, welche ebenfalls vom Gasofen 26 beheizt
ist. Toxische organische Verbindungen, die im Reststoff enthalten sind oder beiniedrigen
Vorheiztemperaturen von 300°C bis 500°C entstehen, können in dieser Hochtemperaturstufe
92 vollständig zersetzt werden. Die Hochtemperaturstufe kann auch in einer Nachverbrennung
bestehen, deren Wärmeenergie auch zum Aufheizen der Vorwärmstufe genutzt werden kann.
Die geneigte Anordnung der Vorwärmstufe 4 vereinfacht hier die Förderung der Reststoffe
und auch die Vorheizung. Die Förderung kann dabei auch durch einen Drehrohrofen erfolgen.
[0016] Fig. 5 zeigt eine Entsorgungsanlage mit einer integrierten erfindungsgemässen Einschmelzvorrichtung
4, 10. In einer Verbrennungsanlage 47 werden die Rauchgase 49 in einer Staubabscheidungsstufe
48 behandelt und die entstehende Filterasche 32 zusammen mit der Ofenasche 33 und
dem Filterkuchen 34 aus einer Abwasserreinigungsanlage der Vorwärm- und Fraktionierungsstufe
4 zugeführt. Die Reststoffbehandlung erfolgt wie beschrieben über die Einschmelzstufen
10 bis zum resultierenden inerten Feststoff 20. Falls erforderlich kann eine aufschwimmende
Schlackeschicht separat abgezogen werden 66. Die Abgase 8 und 13 werden einer Quenchstufe
91 als weiterer Behandlungsstufe 9 zugeführt und durch eingeblasene Luft 59 sehr rasch
abgekühlt und verfestigt. Die dabei entstehenden konzentrierten Schwermetallsalze
50 können weiter verwertet werden. Ein Abgasausgang der Quenchstufe führt weiter in
ein Aktivkohlefilter 65, worin das giftige quecksilber und andere leicht flüchtige,
toxische Stoffe 51 ausgeschieden wird. Das Abgas 58 wird dann in den Verbrennungsofen
zurückgeleitet. Die Abgase 55 der Staubabscheidung 48 werden einer Rauchgasnassreinigung
56 zugeführt. Deren Ausgänge sind Reingas 54 und Abwasser, welches in einer Abwasserreinigungsanlage
57 in saubere Salze 52 (z.B. Streusalz), sauberes Abwasser 60 und einen kontaminierten
Filterkuchenrückstand 34 getrennt wird. Der Filterrückstand 34 wiederum wird in die
Vorwärmstufe 4 zurückgeführt. Das erfindungsgemässe Verfahren wird anhand des zeitlichen
Temperaturverlaufs T (t) in den Figuren 6 bis 8 und der folgenden Beispiele weiter
illustriert.
[0017] Beispiel 1a: Beiniedrigen Vorwärmtemperaturen T1 = 400°C bis 500°C und sehr kurzen
Verweilzeiten t2 in der Einschmelzstufe von wenigen Minuten oder sogar unter einer
Minute können Schwermetalle z.B. Zink und Blei grossteils in den Reststoffen verbleiben
und damit zu einer Verbesserung der Schmelzenqualität (z.B. Blei als hervorragender
Glasbildner) beitragen. Dies ist auch günstig, wenn die Wiederaufbereitung von Schwermetallen
anschliessend nicht gegeben ist. Kurve 71 in Fig. 6 mit T1 = 400°C und T2 = 1400°C
zeigt einen solchen Temperaturverlauf den die Reststoffe erfahren.
[0018] Beispiel 1b: Umgekehrt können bei hohen Vorwärmtemperaturen T1 = 1000°C und längeren
Verweilzeiten t1 und t2 die Schwermetalle zu einem grossen Teil abgedampft werden
und damit im Konzentrat für eine Wiederverwertung verwendbar sein (Kurve 73 in Fig.
7).
[0019] Beispiel 2: Mittlere Vorwärmtemperaturen T1 von z.B. 600°C können zum Pyrolysieren
von organischen Anteilen beispielsweise von Lackschlämmen mit Farbresten eingesetzt
werden (Kurve 72 in Fig. 7). Die richtige Vorwärmtemperatur T1 ist hier wichtig, weil
einerseits bei zu niedriger Temperatur die Pyrolyse nicht vollständig erfolgt, so
dass anschliessend bei der hohen Einschmelztemperatur im Tiegel heftige Reaktionen
mit schlagartiger Gasbildung auftreten können, welche Reststoffteile unerwünschterweise
ins Abgas mitreissen können. Bei zu hohen Vorwärmtemperaturen T1 können anderseits
auch rasche Reaktionen ablaufen und Staub ins Abgas mitreissen.
[0020] Beispiel 3: Für zwei verschiedene Reststoffeingänge mit zwei parallelen Vorwärmstufen
41 und 42 mit separat einstellbaren Vorwärmtemperaturen T11 und T12 kann eine optimale
Vorbehandlung von Reststoffen erreicht werden, z.B. kann in der ersten Stufe 41 ein
Zuschlagstoff wie Flaschenglas oder Borax den Reststoffen beigegeben werden zur Reduktion
der Fliesstemperatur in der anschliessenden Schmelzstufe auf z.B. T2 = 1100°C. Die
Vorwärmstufe 41 wird dann z.B. mit T11 = 600°C, noch unterhalb des Erweichungspunktes
der Zuschlagstoffe betrieben. Die Reststoffe der zweiten Stufe 42, von welchen durch
hohe Erhitzung, z.B. aus Flugasche, Schwermetalle weitgehend abzudampfen sind, kann
mit relativ hoher Temperatur von T12 = 1000°C betrieben werden (Kurven 72 und 73 von
Fig. 7).
[0021] Beispiel 4: Aus der Rauchgasreinigung stammender Rauchgasgips enthält wesentliche
Mengen an Schwermetallverunreinigungen, welche inertisiert werden müssen. Diese Schwermetalle
können aber nicht bei den notwendigen hohen Temperaturen abgedampft werden wie dies
in herkömmlichen Verglasungsanlagen der Fall ist, weil sich bei diesen hohen Temperaturen
über 1000°C das Kalziumsulfat wieder zersetzt und das vorher gebundene SO2 wieder
frei wird. Im erfindungsgemässen Verfahren kann jedoch der Schwermetallanteil in der
Vorwärmstufe bei einer Temperatur T1 von z.B. 700°C schon zu grossen Teilen verdampft
werden ohne unerwünschte Produktion von SO2 durch Zersetzung von Kalziumsulfat, und
es können dabei auch organische Substanzen pyrolysiert werden. In der anschliessenden
Schmelzstufe kann das unzersetzte Kalziumsulfat zusammen mit einem geeigneten Rest-
und/oder Zuschlagstoff dank sehr kurzer Durchlaufzeit t2 rasch eingeschmolzen werden.
Der empfindliche Stoff bleibt dann in der erstarrten Schmelze inertisiert zurück (Kurve
74 von Fig. 6) oder wird als Schlacke separat abgezogen.
[0022] Beispiel 5: Fig. 8 zeigt den Temperaturverlauf nach Kurve 75 einer zweiteiligen Vorwärmstufe,
in deren ersten Teil auf T15 = 600°C (z.B zur Pyrolyse) und anschliessend im zweiten
Teil auf T16 = 1000°C aufgeheizt wird (z.B. Schwermetalle abdampfen). Mit der erfindungsgemässen
Vorwärmstufe 4 ist durch entsprechende Unterteilung und Dosierung der Heizung 6 im
Prinzip ein beliebiges optimales Temperaturprofil einstellbar.
Bezeichnungsliste
[0023]
- 2, 21, 22
- Zuführung
- 3, 31, 32
- Reststoffe
- 4, 41, 42
- Vorwärm- und Fraktionierungsstufe
- 6, 61, 62
- Heizung von 4
- 7, 71, 72
- Fördereinrichtung
- 8, 81, 82
- Abgasleitung von 4
- 9
- weitere Behandlungsstufe
- 10
- Einschmelzstufe
- 11
- Tiegel
- 12
- Heizung von 10
- 13
- Abgasleitung von 10
- 14
- Schmelzeaustritt
- 15
- Kühl-, Abschreckvorrichtung
- 16
- Auslaufsiphon
- 17
- Schmelze
- 20
- inertisierte Reststoffe
- 25
- Förderband
- 26
- Gasofen
- 27
- Heizausgang für 10
- 28
- Heizausgang für 4
- 29
- Motor für 7
- 30
- Wertstoffe, Metallsalze
- 32
- Elektrofilterasche
- 33
- Ofenasche
- 34
- ARA Filterkuchen
- 35
- Induktionsheizung
- 36
- Stromzuleitungen
- 37
- Wasserkühlung
- 38
- Verstellstange
- 39
- Einstellbereich
- 40
- Siphonablaufrohr
- 45
- Bypass von 26
- 46
- Einstellklappe
- 47
- Verbrennungsanlage
- 48
- Staubabscheidungsstufe
- 49
- Rauchgas
- 50
- Metallsalze, Wertstoffe
- 51
- Hg
- 52
- Salze (Streusalz)
- 53
- Ofenschlacke
- 54
- Reingas
- 55
- Abgase von 48
- 56
- Nassreinigung
- 57
- Abwasserreinigung
- 58
- Abgas
- 59
- Luft in 91
- 60
- sauberes Abwasser
- 65
- Aktivkohlefilter
- 66
- zusätzlicher Ablauf Schlackeschicht
- 71 bis 75
- Temperaturverläufe T (t)
- 91
- Quenchstufe
- 92
- Hochtemperaturstufe
- T1, T11, T12, T15, T16
- Vorwärmtemperaturen
- T2
- Einschmelztemperatur
- t1, t11, t12, t15, t16
- Verweilzeiten in Stufe 4
- t2
- Verweilzeit in Stufe 10
- H
- Höhe der Schmelze 17
1. Verfahren zum kontinuierlichen Einschmelzen von heterogenen festen oder dickflüssigen
Reststoffen, dadurch gekennzeichnet, dass die Reststoffe in einer Vorwärm- und Fraktionierungsstufe (4) kontrolliert
auf eine einstellbare Vorwärmtemperatur (T1) erhitzt werden, wobei flüchtige Anteile
ausgetrieben oder abgespalten und als Abgas abgeführt werden, welche Abgase einer
weiteren Behandlungsstufe zuführbar sind, und dass die vorgewärmte verbleibende Feststoffphase
in einer anschliessenden Einschmelzstufe (10) auf eine Temperatur (T2) erhitzt wird,
welche mindestens ihrer Fliesstemperatur entspricht und dass sie durch anschliessende
Abkühlung oder Abschreckung in einen glasförmig oder kristallinen festen, inerten
Endzustand gebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorwärmtemperatur (T1)
entsprechend der Zusammensetzung der Reststoffe und auf die gewünschten Abgasfraktionen
abgestimmt eingestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorwärmtemperatur
(T1) zwischen 400°C und 1000°C liegt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorwärmtemperatur
(T1) mindestens 200°C unter der Einschmelztemperatur (T2) liegt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorwärmtemperatur
(T1) auf die Erweichungstemperatur und die Zusammensetzung der Reststoffe abgestimmt
eingestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Verweilzeit
(t1) der zu behandelnden Reststoffe in der Fraktionierungsstufe (4) grösser ist als
die Verweilzeit (t2) in der Schmelzstufe (10).
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Verweilzeit (t2) in der
Schmelzstufe weniger als 15 Min. beträgt.
8. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Verweilzeit (t2) in der
Schmelzstufe höchstens 5 Min. beträgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Betriebsparameter,
abhängig von den physikalischen Eigenschaften und der chemischen Zusammensetzung der
anfallenden Reststoffe und auf die gewünschte Anteile von im Abgas auszufraktionierender
Stoffe abgestimmt, einstellbar gesteuert und geregelt werden, wobei als Betriebsparameter
die Temperaturen (T1, T2) und die Verweilzeiten (t1, t2) der Vorwärmstufe und der
Schmelzstufe, bzw. die entsprechenden Heizleistungen und die Förderrate gesteuert
werden.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die heissen
Abgase in einer weiteren Behandlungsstufe (91) durch Einblasen von kalter Luft oder
eines anderen Gases oder kalten Feststoffes schlagartig abgekühlt und desublimierende
Stoffe ausgeschieden werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Abgase
einer anschliessenen Hochtemperaturbehandlung (92) unterzogen werden.
12. Vorrichtung zum kontinuierlichen Einschmelzen von Reststoffen gemäss Verfahren nach
Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Zuführung (2) der Reststoffe (3) in eine Vorwärm-
und Fraktionierungsstufe (4) mit einer ersten Heizung (6), einer Fördereinrichtung
(7) und einer ersten Abgasleitung (8), und durch eine darauffolgende Einschmelzstufe
(10) mit einem die geförderten Reststoffe aufnehmenden Tiegel (11), einer zweiten
Heizung (12), einer weiteren Abgasleitung (13) und einem Schmelzeaustritt (14).
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere parallele Vorwärmstufen
(4, 41, 42) mit je einem Stoffeingang (3, 31, 32), einer Heizung (6, 61, 62) und einer
Abgasleitung (8, 81, 82) vorgesehen sind, wobei die Betriebsparameter (T1, T11, T12,
t1, t11, t12) der Vorwärmstufen, abgestimmt auf verschiedene Stoffeingänge (3, 31,
32), einzeln einstellbar und steuerbar sind.
14. Vorrichtung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Volumen der
Schmelze im Tiegel (11) mindestens fünf Mal kleiner ist als das Volumen der Vorwärmstufe
(4) für die Reststoffe.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Tiegel
(11) einen regulierbaren oder einstellbaren Auslaufsiphon (16) zum kontinuierlichen
Ablassen der Schmelze (17) aufweist.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Tiegel
(11) aus keramischen Materialien besteht.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Tiegel
(11) aus elektrisch leitfähigen, hochschmelzenden Metallen wie Molybdän, Tantal, Wolfram
oder deren Legierungen oder anderen elektrisch leitfähigen Materialien wie Graphit,
Siliziumkarbid oder Tongraphit besteht.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass die die
Schmelze enthaltende Tiegelwand aus keramischem Material besteht und dass in der Tiegelwand
oder um den Tiegel herum oder als Einbauten im Tiegel elektrisch leitfähiges Material
angebracht ist.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Tiegel
(11) eine steuerbare direkte oder indirekte elektrische Widerstandsheizung aufweist.
20. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass ein elektrisch
leitender Tiegel (11) und eine induktive Heizung vorgesehen sind.
21. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Tiegel
(11) eine Gas- oder Oelheizung aufweist.
22. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 21, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorwärmstufe
(4) eine Gas- oder Oelheizung, eine Widerstandsheizung oder eine Induktionsheizung
aufweist.
23. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 12 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Heizung
(12) der Schmelzstufe (10) mindestens teilweise auch zum Heizen der Vorwärmstufe (4)
nutzbar ist.
24. Entsorgungsanlage mit einer Einschmelzvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 12
bis 23 als integriertem Teil der Anlage.
25. Entsorgungsanlage nach Anspruch 24, welche eine Rauchgasreinigungsvorrichtung kombiniert
mit der Einschmelzvorrichtung aufweist.