[0001] Brenner, die eine reduzierte Emission an Schadstoffen, insbesondere an den umweltschädlichen
Stickoxiden, aufweisen sollen, müssen einer Verbrennungstechnik angepaßt sein, die
die Entstehung solcher Schadstoffe herabzusetzen sucht.
[0002] Stickoxide entstehen beim Verbrennungsvorgang im wesentlichen aus dem in der Luft
vorhandenen molekularen Stickstoff und aus dem im Brennstoff gebundenen Stickstoff.
Thermisches Stickoxid entsteht im Bereich der Flammenwurzel oder in heißen Flammenzonen
bei Temperaturen oberhalb 1300 ° C aus dissoziierten Sauerstoff- und Stickstoff-Molekülen.
Die thermische NO
X-Bildung ist von der Konzentration des molekularen Stickstoffs sowie des dissoziierten
Sauerstoffs und stark von der Temperatur abhängig. Für die Brennstoff- /NO
x-Bildung ist in erster Linie die Sauerstoffkonzentration der Verbrennungsluft bzw.
des Oxidationsgases maßgebend. Somit ist in beiden Fällen die Luftzahl eine Haupteinflußgröße.
[0003] Untersuchungen zeigen, daß die Konzentration der Stickoxide mit der Ofenraumtemperatur
steigt sowie exponentiell mit der Verbrennungslufttemperatur, ein Maximum im nahstöchiometrischen
Verbrennungsbereich (Luftzahl ungefähr 1,1) besitzt und zum unter- und überstöchiometrischen
Bereich (x = 0,6 bzw. = = 1,6) hin stark absinkt. Die Konzentration der Stickoxide
kann durch Rezirkulation der Abgase gesenkt werden, wobei die NO
x-Minderung exponentiell mit dem zurückgeführten Abgasstrom zusammenhängt (Gas Wärme
International 38, (1989), Heft 10, Dezember).
[0004] In der Verbrennungstechnik wird zur Reduktion der Stickoxide eine Erniedrigung der
Sauerstoff-und Stickstoff-Partialdrücke und der Verbrennungstemperatur angestrebt.
[0005] Als Oxidationsgas werden deshalb sauerstoffangereicherte Luft oder reiner Sauerstoff
verwendet, um das Angebot an Stickstoff zu minimieren. Dies hat jedoch höhere Flammentemperaturen
und einen höheren Sauerstoff-Partialdruck zur Folge. Zur Senkung des Sauerstoffangebots
macht man von der Rückführung ausgebrannter Abgase in die Verbrennungsluft bzw. das
Oxidationsgas Gebrauch, wodurch einerseits der Sauerstoffgehalt durch Verdünnung reduziert
wird, andererseits die Verbrennungstemperatur aufgrund des Abgasballastes abgesenkt
wird, der der Flamme Wärme entzieht. Effizient ist hierbei die Zufuhr abgekühlter
Abgase in den Bereich der Flammenwurzel.
[0006] Auch kühlende Brennereinsätze kommen zur Erniedrigung der Flammentemperatur zur Anwendung.
Geeignet zum gleichen Zweck ist auch die Stufenverbrennung (Gas Wärme International,
39 (1990), Heft 6, Juni). Kühlende Brennereinsätze, die in die Flamme eingebracht
werden, müssen bestimmte Geometrien aufweisen, aus besonderen Materialien gefertigt
sein und exakt am Brenner angebracht werden. Sind diese Brennereinsätze nicht optimal
an den Brenner und die Verbrennung angepaßt, kann es entweder nur zu einer mangelnden
Kühlung der Flamme ohne wesentliche NO
x-Minderung oder aber zu einer zu starken Senkung der Flammentemperatur kommen, womit
eine hohe CO-Emission verbunden ist.
[0007] Brenner zur Stufenverbrennung weisen stromabwärts, d.h. in Flammenrichtung, gezogene
Zuleitungskanäle für die Verbrennungsluft bzw. das Oxidationsgas auf, die durch Primärluftöffnungen
im unteren brennernahen Teil den Zutritt einer nur geringen Sauerstoffmenge, im oberen
Teil durch Sekundär- und Tertiärluftöffnungen den Zutritt der nahstöchiometrischen
Verbrennung entsprechenden Sauerstoffmenge erlauben. Die Flammentemperatur bleibt
dadurch weit unterhalb der bei einstufiger Verbrennung auftretenden.
[0008] Diese mit sogenannten "Sekundärluft-Hindernissen" in den Zufuhrkanal für die Verbrennungsluft
verwirklichte Stufenverbrennung hat die Nachteile, daß diese Hindernisse, die den
Brenner in Form einer Ummantelung umgeben, starker Hitzeeinwirkung ausgesetzt sind,
da sie stromabwärts von der Brenngasöffnung liegen, und daß die Form der Ummantelung
starken Einfluß auf die CO-Emission hat, die jeweils vor Einsatz des Brenners bestimmt
werden muß und viele Ausführungsformen wegen zu hohen CO-Emissionen unbrauchbar macht.
[0009] Aufgabe vorliegender Erfindung ist es folglich, einen verbesserten Brenner zu entwickeln,
der die geschilderten Möglichkeiten zur Reduktion von Schadstoffen optimal auszunutzen
gestattet und die genannten Nachteile bekannter Brennerausführungen vermeidet.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Ende eines jeden Zuleitungskanals
für den Brennstoff um eine Strecke der Länge L über das Ende eines jeden Zuleitungskanals
für den Sauerstoff oder das sauerstoffhaltige Gas überstehend angebracht ist.
[0011] Der erfindungsgemäße Brenner besteht beispielsweise aus einem zentralen Zuleitungskanal
für den Brennstoff und mehreren, diesen konzentrisch umgebenden Zuleitungskanälen
für das sauerstoffhaltige Oxidationsgas. Dadurch, daß der Zuleitungskanal für den
Brennstoff überstehend angebracht ist, können diese aus den einzelnen Düsen austretenden
Oxidationsgasstrahlen durch die entstehende Saugwirkung dieser Strahlen vor der Mischung
mit dem Brennstoffstrahl Abgase des Ofenraums, also auch inerte Verbrennungsprodukte,
ansaugen. Je länger die überstehende Strecke des Brennstoff-Zuleitungskanals, desto
stärker wird der Sauerstoff-Partialdruck aufgrund der eintretenden Verdünnung vermindert.
[0012] Diese sich stromabwärts verbreiternden sauerstoffhaltigen Strahlen, die den zentralen
Brennstoffstrahl beispielsweise umgeben, sichern außerdem lange Mischungswege, die
eine gleichmäßige Durchmischung von Brennstoff und Oxidationsgas garantieren und die
Bildung von "hot spots", d.h. heißen Flammenzonen, vermeiden.
[0013] Weiterhin kann durch das Ansaugen inerter Verbrennungsprodukte die Flammentemperatur
gesenkt und über einen großen Bereich eine unterstöchiometrische Verbrennung gewährleistet
werden, wodurch insgesamt wirkungsvoll einer Stickoxidbildung entgegengewirkt wird.
[0014] Vorteilhaft wirkt sich aus, wenn die Länge L der überstehenden Strecke des Zuleitungskanals
für den Brennstoff ein Vielfaches, vorzugsweise mindestens das 8-fache, des Durchmessers
d
h des Zuleitungskanals für den Sauerstoff oder das sauerstoffhaltige Gas beträgt.
[0015] Bei einem üblichen Abstand der Zuleitungskanäle für das Oxidationsgas vom Zuleitungskanal
für den Brennstoff von etwa dem 1- bis 3-fachen des Durchmessers d
h der Oxidationsgaskanäle ergibt sich bereits bei einer Länge L der überstehenden Strecke,
die das 8-fache des Durchmessers d
h beträgt, eine stark einsetzende Absenkung der emittierten Stickoxide. Eine zunehmende
Absenkung tritt mit steigender Länge L auf.
[0016] Unter dem Durchmesser d
h ist hier und im folgenden der sogenannte hydraulische Durchmesser der Öffnungen der
Zuleitungskanäle für das Oxidationsgas gemeint. Dieser hydraulische Durchmesser errechnet
sich aus dem Vierfachen der Querschnittsfläche A geteilt durch den Umfang U der Zuleitungskanäle,
also d
h = 4A/U. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, daß auch Zuleitungskanäle, die
keinen kreisrunden Öffnungsquerschnit aufweisen, zum Einsatz kommen können.
[0017] In einer vorteilhaften Variante ist das Endstück eines jeden Zuleitungskanals für
den Brennstoff an seiner Außenseite sich konisch verbreiternd ausgebildet.
[0018] Dieses verbreiterte Endstück stellt ein Hindernis für den mit großem Impuls austretenden
Oxidationsgasstrahl dar, an dem ein Teil dieses Strahls abgebremst wird. Diese Impulsverminderung
und die gleichzeitig auftretende Verwirbelung erhöht die Qualität der Durchmischung
des Brennstoffs mit dem Oxidationsgas und die Stabilität der Flamme.
[0019] Vorzugsweise beträgt der Durchmesser D am Ende des konisch verbreiterten Endstücks
eines jeden Zuleitungskanals für den Brennstoff mindestens das 1,3-fache des inneren
Durchmessers dg des Zuleitungskanals für den Brennstoff. Im Falle nichtkreisrunder
Querschnitte sind diese Durchmesser wieder als hydraulische Durchmesser zu verstehen.
[0020] Um das Prinzip der Stufenverbrennung noch stärker umzusetzen, ist es dabei von Vorteil,
wenn durch das konisch verbreiterte Endstück eines jeden Zuleitungskanals für den
Brennstoff eine oder mehrere Bohrungen geführt sind.
[0021] Durch diese Bohrungen wird ein kleiner Teil des an dem verbreiterten Endstück des
Brennstoff-Zuleitungskanals vorbeiströmenden Oxidationsgases hindurchgeleitet, der
dann direkt auf den Brennstoffstrahl am Brennermund trifft. Die Menge an Sauerstoff,
die durch diese Bohrungen tritt, wird durch den Durchmesser der Bohrungen festgelegt
und derart bemessen, daß direkt an der Flammenwurzel eine unterstöchiometrische Verbrennung
eintritt. Die Flamme wird stabil am Brennermund gehalten und brennt dort mit niedriger
Flammentemperatur.
[0022] Der am verbreiterten Endstück umgelenkte Teil des Oxidationsgasstrahles mischt sich
schließlich mit dem restlichen Brennstoff in der austretenden Flamme und verbrennt
diesen mit stromabwärts zunehmender Luftzahl x. Der Hauptteil der Flamme brennt dann
nahstöchiometrisch (x ungefähr 1,05) mit niedrigeren Flammentemperaturen als bei einstufiger
Verbrennung.
[0023] Der erfindungsgemäße Brenner erlaubt es, die zur Stickoxidreduzierung bekannten Verfahren,
wie Stufenverbrennung, Abgasrezirkulation, Senkung der Verbrennungstemperatur, gleichmäßige
Durchmischung von Brennstoff und Oxidationsgas mittels der geschilderten Merkmale
gleichzeitig zu verwirklichen und eignet sich deshalb hervorragend zur Ofenbefeuerung
unter Einhaltung der verschärften Grenzwerte für Stickoxide und Kohlenmonoxid.
[0024] Im folgenden soll ein Ausführungsbeispiel den Einsatz des erfindungsgemäßen Brenners
beschreiben.
[0025] In der Figur 1 ist schematisch der Durchschnitt einer Seitenansicht einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Brenners dargestellt.
[0026] Figur 2 zeigt die Ansicht auf den Brennermund.
[0027] In der Aufsicht der Figur 2 erkennt man den in diesem Beispiel zentral angeordneten
Zuleitungskanal 1 für den Brennstoff, die um diesen konzentrisch angeordneten fünf
Zuleitungskanäle 2 für das Oxidationsgas und die ebenfalls fünf Bohrungen 3 durch
das verbreiterte Endstück des Zuleitungskanals 1. Die Anzahl und die geometrische
Form sämtlicher Zuleitungskanäle 1 und 2 und Bohrungen 3 können je nach gewünschtem
Einsatz verändert werden.
[0028] Figur 1 zeigte eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Brenners mit dem zentralen
Zuleitungskanal 1 für den Brennstoff Erdgas und diesen umgebenden Zuleitungskanälen
2 für das Oxidationsgas, als welches Sauerstoff eingesetzt wird. Der Zuleitungskanal
1 überragt erfindungsgemäß die Enden der Zuleitungskanäle 2 um eine Strecke der Länge
L. Als Länge L wird in diesem Fall etwa der 19-fache Wert des Durchmessers d
h der Zuleitungskanäle 2 gewählt.
[0029] Die Bohrungen 3 sind durch die sich konisch erweiternde Außenseite des Endstücks
des Zuleitungskanals 1 für den Brennstoff geführt und erlauben den Durchstrom einer
begrenzten Menge an Oxidationsgas, das aus den Zuleitungskanälen 2 strömt. Der Durchmesser
D am Ende des konisch verbreiterten Endstücks beträgt etwa das 2,5-fache des inneren
Durchmessers dg des Zuleitungskanals 1.
[0030] Auf dem Weg zum Endstück des Zuleitungskanals 1 saugen die aus den Zuleitungskanälen
2 austretenden Sauerstoffstrahlen abgekühlte Verbrennungsabgase, die am Flammenende
entstehen, an und sorgen somit für eine Rezirkulation von Verbrennungsprodukten im
Ofen. Der durch die Bohrungen 3 strömende Teil diesem Oxidationsgases vermischt sich
am Brennermund mit dem Brennstoff Erdgas, und dieses Gemisch verbrennt dort unterstöchiometrisch.
[0031] Der restliche, am Endstück des Zuleitungskanals 1 für den Brennstoff vorbeiströmende
Teil des sich stromabwärts verbreiternden Oxidationsgasstrahles vermischt sich mit
dem unvollständig verbrannten Brennstoff in der Flamme und verbrennt diesen schließlich
vollständig. Durch die angesaugten inerten Verbrennungsprodukte, die der Flamme Wärme
entziehen, erreicht man eine weitere Herabsetzung der Flammentemperatur. Gleichzeitig
kann durch diese Anordnung die zur NO
x-Emis- sionsminderung erwünschte Stufenverbrennung realisiert werden.
[0032] Bei extrem hohen Temperaturen, die die thermische Beständigkeit des Brennermaterials
gefährden, kann eine Kühlung des Zuleitungskanals 1 für den Brennstoff erfolgen.
[0033] Der Einsatz des erfindungsgemäßen Brenners erzeugt eine langgezogene, gelbe, weiche
Flamme mit gleichmäßiger Temperaturverteilung ohne "hot spots". Im Endbereich brennt
die Flamme mit einer Luftzahl von 1,05. Die zurückgesaugten abgekühlten Verbrennungsprodukte
und die gestufte Verbrennung sorgen für eine niedrige Temperatur an der Flammenwurzel.
Die Stufenverbrennung läßt sich beim erfindungsgemäßen Brenner mit sehr viel geringeren
Längenabmessungen verwirklichen als dies bisher möglich war. Ein weiterer Vorteil
ist der geräuscharme Verbrennungsbetrieb.
[0034] Abgasmessungen beim Betrieb des erfindungsgemäßen Brenners bei einer Feuerungsleistung
von 1 MW ergeben rund 180 mg NO
"/N
M3 Abgas und etwa 40 mg CO bei einer Ofenraumtemperatur von etwa 1200
*C und einem Sauerstoffgehalt im Abgas von ca. 5%. Eine deutliche Unterschreitung der
entsprechenden TA-Luft-Grenzwerte ist hiermit sichergestellt.
1. Brenner zur Verbrennung eines Brennstoffs mit Sauerstoff oder einem sauerstoffhaltigen
Gas mit mindestens einem Zuleitungskanal für den Sauerstoff oder das sauerstoffhaltige
Gas und mindestens einem Zuleitungskanal für den Brennstoff, dadurch gekennzeichnet,
daß das Ende eines jeden Zuleitungskanals (1) für den Brennstoff um eine Strecke der
Länge L über das Ende eines jeden Zuleitungskanals (2) für den Sauerstoff oder das
sauerstoffhaltige Gas überstehend angebracht ist.
2. Brenner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Länge L der überstehenden
Strecke des Zuleitungskanals (1) für den Brennstoff ein Vielfaches, vorzugsweise mindestens
das 8-fache, des Durchmessers dh des Zuleitungskanals (2) für den Sauerstoff oder das sauerstoffhaltige Gas beträgt.
3. Brenner nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Endstück
eines jeden Zuleitungskanals (1) für den Brennstoff an seiner Außenseite sich konisch
verbreiternd ausgebildet ist.
4. Brenner nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Durchmesser D am Ende
des konisch verbreiterten Endstücks eines jeden Zuleitungskanals (1) für den Brennstoff
mindestens das 1,3-fache des inneren Durchmessers dg dieses Zuleitungskanals (1) beträgt.
5. Brenner nach den Ansprüchen 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß durch das konisch
verbreiterte Endstück eines jeden Zuleitungskanals (1) für den Brennstoff eine oder
mehrere Bohrungen (3) geführt sind.