[0001] Die Erfindung betrifft ein Mittel zur Entschwefelung von Eisenschmelzen, ein Verfahren
zu dessen Herstellung sowie ein Verfahren zur Entschwefelung von Eisenschmelzen. Das
Mittel enthält Calciumcarbid und eine metallische Komponente.
[0002] Die Entschwefelung von Roheisen außerhalb des Hochofens durch injektionsmetallurgische
Verfahren ist ein fest etablierter Prozeß bei der Herstellung von Stahl. Zur Verminderung
des Schwefelgehaltes im Roheisen haben sich in der Praxis zwei Verfahren besonders
gut bewährt, nämlich die Entschwefelung in der Torpedopfanne und die Behandlung des
Roheisens in der Chargierpfanne im Stahlwerk. Nach beiden Verfahren wird injektionsmetallurgisch
entschwefelt, d.h. das Entschwefelungsgemisch wird durch eine Tauchlanze mittels eines
Inertgasstromes in die Roheisenschmelze eingeblasen.
[0003] Zur Ausübung dieses Verfahrens haben sich in der Praxis Entschwefelungsgemische aus
Calciumcarbid und Magnesium mit gegebenenfalls weiteren Zusätzen wie beispielsweise
gasabspaltende Kohle, Erdalkalicarbonate, Calciumoxid und Calciumfluorid oder Kalkstickstoff
als vorteilhaft herausgestellt. Beispielhaft seien einige Schriften, in denen solche
Gemische beschrieben sind, genannt: DE-OS 25 31 047, DE-OS 26 50 113, DE-OS 27 08
424, DE-OS 27 41 588, DE-OS 35 44 562, Stahl und Eisen 105 (1985), Nr. 11, S. 627
bis 630.
[0004] Nachteilig an einigen dieser Verfahren ist der Einsatz eines Stoffgemisches, das
nicht mischungsstabil ist. Magnesium, das eine rasche und gezielte Entschwefelung
des Roheisens ermöglicht, ist somit in seiner Menge nicht mit der notwendigen Genauigkeit
dosierbar.
[0005] Soweit die vorstehend genannten Verfahren eine getrennte Zugabe des Magnesiums zur
Entschwefelungsmischung in Form der Koinjektion vorsehen, ist ein relativ großer apparativer
Aufwand erforderlich, um die Komponenten exakt dosieren zu können. Um bei der Koinjektion
gezielt dosieren zu können, verwendet man häufig Magnesium im Gemisch mit Schlacke,
mit Aluminiumkrätze oder anderen oxidischen Verbindungen. Auch diese Mittel entmischen
sich und lösen daher das Problem nicht.
[0006] Aus vorgenannten Gründen fehlte es nicht an Versuchen, Magnesium enthaltende Entschwefelungsmittel
in Form von Pellets, Fülldrähten oder durch Beschichtung herzustellen, welche diesen
Mitteln eine vereinfachte Handhabung und eine erhöhte Verfahrenswirksamkeit verleihen
sollten. Ein derartiges Entschwefelungsmittel wird beispielsweise in der DE-AS 12
99 670 offenbart. Es weist einen Mehrschichtenaufbau auf und kann neben Magnesium
und Calciumcarbid weitere entschwefelnd wirkende Bestandteile enthalten. Die Dimension
und die Zusammensetzung der in dieser Schrift offenbarten Preßlinge ist zum Einsatz
beim Koinjektionsverfahren jedoch ungeeignet.
[0007] Des weitern ist aus der DE-OS 24 22 072 ein Entschwefelungsmittel auf der Basis von
Calciumcarbid bekannt, das mit Magnesiummetall beschichtet ist. Die Beschichtung erfolgt
nach dem Verfahren dieser Schrift durch Bedampfen des Calciumcarbidkorns mit Magnesiumdampf.
Das Verfahren ist unter heutigen wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu aufwendig und
zu kostenintensiv, um dieses Produkt, selbst bei eventueller technischer Eignung,
zur Koinjektion einzusetzen. Die Entschwefelung mittels einer Calciumcarbid-Magnesiummetall-Mischung
in Form eines Fülldrahtes oder in Form von Stangen, wie sie der DE-OS 27 38 379 entnommen
werden kann, scheidet aus verständlichen Gründen beim Koinjektionsverfahren aus. Schließlich
lehrt die US-PS 4,541,867 die Herstellung eines mit Kohlenstoff beschichteten, körnigen
Mittels, das als Zusatz zu Stahlbädern und zur Entschwefelung derselben verwendet
werden kann. Das Mittel kann u.a. aus Magnesium und Calciumcarbid bestehen. Der Überzug
wird durch Vermischen der Bestandteile des Mittels mit einem polymerisierbaren Öl,
dessen thermischer Polymerisation und seiner anschließenden teilweisen thermischen
Zersetzung hergestellt. Auch dieses Herstellungsverfahren erfordert relativ großen
apparativen Aufwand und hohen Energieeinsatz.
[0008] Aus der EP-A-0226994 ist es bekannt, einem Mittel, daß aus Calciumcarbid und getrockneter
Kohle besteht, Magnesium zuzudosieren, so daß das Mittel als homogenes Gemisch pneumatisch
in eine Eisenschmelze gefördert werden kann. Das verwendete Magnesium besitzt eine
Korngröße < 1 mm, bevorzugt < 500 um, besonders bevorzugt < 350 um. Die anderen Bestandteile
des Mittels, also das Calciumcarbid und die Kohle, werden dort soweit zerkleinert,
daß mindestens 90 Gew.-% des Gemisches eine Korngröße < 200 um, bevorzugt aber 90
% eine Korngröße < 100 um, und 40 bis 65 Gew.-% einer Korngröße < 50 um aufweisen.
Es wurde jedoch gefunden, daß die Auflockerung bei einem solchen Gemisch einen deutlichen
Sichteffekt verursacht, wobei sich die Magnesium- und Calciumcarbidkomponenten voneinander
trennen und diese Unterschiede im Gemisch zu Problemen bei der Entschwefelungsbehandlung
führen, da sich die Gemischzusammensetzung und damit des in Wirksamkeit im Verlauf
der Behandlung ändern, so daß das Gemisch zwar homogen herstellbar ist, beim Transport
und Fluidisieren aber einem Trenneffekt unterliegt, bei dem zuerst die größeren (Magnesium)
Teilchen ausgetragen werden.
[0009] Allgemein sei noch angemerkt, daß aufgrund des hohen Magnesiumdampfdruckes bei den
Temperaturen des Roheisens der Magnesiumeintrag in die Schmelze Probleme aufwirft.
Eine gute Dosierbarkeit der Magnesiumkomponente ist daher verfahrenswesentlich, wird
aber von den heute bekannten Entschwefelungsmitteln nicht zufriedenstellend erfüllt.
Speziell wenn Magnesium ohne den Koinjektionspartner Calciumcarbid eingeblasen wird,
kommt es zum Eisenauswurf und zu Lanzenverstopfern. Ein Nachteil allgemeiner Art bekannter
Gemische liegt darin, daß sie einen Füllstoffanteil von 20 bis 34 Gew.-% aufweisen,
der nicht an der Entschwefelung beteiligt ist. Ein weiterer Nachteil bekannter Gemische
von Magnesium mit Füllstoffen wie Aluminium, Aluminiumoxid oder Kugelmühlenstaub besteht
darin, daß diese sich relativ schnell entmischen, so daß der Magnesiumanteil anfangs
hoch ist und danach absinkt. Wegen dieser Inhomogenität ist ein höherer Materialeinsatz
bei schlechterer Wirkung erforderlich.
[0010] Es bestand daher die Aufgabe, ein freifließendes, schlackenarmes und kostengünstiges
Mittel bereitzustellen, das Calciumcarbid und eine metallische Komponente enthält,
das sich zur Injektion bei der Entschwefelung von Roheisenschmelzen eignet und die
genannten Nachteile nicht aufweist.
[0011] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Mittel zur Entschwefelung von Eisen, enthaltend
Calciumcarbid und eine metallische Komponente, sowie ein Verfahren zu dessen Herstellung,
das Mittel ist dadurch gekennzeichnet, daß das Calciumcarbid und die metallische Komponente
in solcher Form vorliegen, daß das Schüttgewicht der eingesetzten Komponenten im Bereich
von 0,7 bis 1,0 g/cm
3 und die Korngröße im Bereich von 0,1 bis 3 mm liegt, und daß die Teilchen der beiden
Komponenten mit einem Haftmittel und einem feinteiligen Staub einer Korngröße < 10
um beschichtet sind.
[0012] In der Firmenschrift Thyssen Tech. Ber. Heft 1/1987, Seite 21 bis 33 wird angegeben,
daß einige Hersteller Dichte- und Korngrößenverteilung des Inertstoffes denen des
Magnesiums anpassen, d.h. Magnesium und Inertstoff (zur Erleichterung der pneumatischen
Förderung und Hervorrufen des Schatteneffektes beim Übergang des Magnesiusm aus der
Lanze in die Schmelze) besitzen eine angepaßte Dichte und Korngröße. Erfindungsgemäß
besitzt hingegen das Inertmaterial (Beschichtungsmittel für Magnesium und Calciumcarbid)
eine Korngröße von < 10 um; es ist also etwa um eine Zehnerpotenz kleiner als das
eigentliche Entschwefelungsmittel, und kann damit mit Hilfe eines Haftvermittlers
auf die Oberfläche der Bestandteile des Entschwefelungsmittels aufgebracht werden.
[0013] Erfindungsgemäß wird ein Mittel zur Entschwefelung von Eisenschmelzen zur Verfügung
gestellt, das aus zwei Komponenten besteht, die sich auch bei längerem Stehen, beim
Transport, bei längerer Lagerung im Silo oder bei der pneumatischen Förderung nicht
entmischen und das daher sehr gut dosierbar ist. Dadurch läßt sich die Einblasrate
der metallischen Komponente sehr gut steuern, was von grundlegender Bedeutung für
eine gezielte Entschwefelung mit dem Ergebnis eines optimalen Kosten-Nutzen-Effektes
ist. Das erfindungsgemäße Mittel kann alleine zur Entschwefelung verwendet werden.
Ebenso geeignet ist es jedoch zur Koinjektion in Verbindung mit anderen Entschwefelungsmitteln,
wie sie beispielsweise in der EP 0 226 994 A1 beschrieben sind.
[0014] Das erfindungsgemäße Mittel besteht im wesentlichen aus zwei Komponenten, nämlich
Calciumcarbid und einer metallischen Komponente. Die metallische Komponente kann Calcium,
Magnesium oder Legierungen hiervon sein. Bevorzugt wird für das Entschwefelungsmittel
Magnesiummetall verwendet. Der jeweilige Anteil der beiden Komponenten in dem Gemisch
ist an sich nicht kritisch und kann in weiten Bereichen variieren. Üblicherweise enthält
das erfindungsgemäße Mittel 10 bis 90 Gew.-% Calciumcarbid, bevorzugt 20 bis 80 Gew.-%,
und 90 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 80 bis 20 Gew.-% metallische Komponente.
[0015] Die beiden erfindungsgemäß wesentlichen Komponenten werden in solcher Form eingesetzt,
daß ihr Schüttgewicht und ihre Korngröße im selben Bereich liegen. In der Regel wird
dabei das Schüttgewicht der metallischen Komponente an das Schüttgewicht von Calciumcarbid
angeglichen, daher wird das Schüttgewicht auf einen Bereich von 0,7 bis 1,0 g/cm
3, bevorzugt 0,8 bis 0,9 g/cm
3 eingestellt. Die Herstellung der beiden Komponenten mit dem entsprechenden Schüttgewicht
geschieht nach an sich bekannten Methoden.
[0016] Die Korngröße der beiden Komponenten wird ebenfalls im selben Bereich eingestellt
durch entsprechende Vermahlung. Die Körngröße liegt im Bereich von 0,1 bis 3 mm, bevorzugt
0,3 bis 1 mm.
[0017] Außerdem werden die Teilchen der beiden Komponenten beschichtet. Zur Beschichtung
wird ein Haftmittel auf die Teilchen aufgebracht und anschließend ein feinteiliger
Staub einer Korngröße von < 10 um. Die Beschichtung betragt 1 bis 10 Gew.-% bezogen
auf das Gewicht des gesamten Korns. Als Haftmittel wird dazu eine ölige Flüssigkeit
eingesetzt, die auf den Teilchen haftet. Geeignet sind hierzu z.B. Pflanzenöle, Siliconöle
und/oder Mineralöle. In einem zweiten Schritt wird dann ein feinteiliger Staub aufgebracht.
Geeignet für die Beschichtung sind silicatische Stäube oder oxidische Stäube, wie
sie beispielsweise in der Aluminiumindustrie entstehen. Beispiele sind feinteilige
Kieselsäure, Bentonit und/oder Ofenfilterstaub aus der Produktion von Calcium-Silicium
und/oder Ferro-Silicium und/oder anderen FerroLegierungen sowie andere oxidische Verbindungen
wie z.B. Calciumaluminate.
[0018] Aufgrund der Eigenschaften dieses Mittels ist die Entmischung besonders gering und
die Dosierbarkeit damit noch präziser möglich. Eine typische und besonders bevorzugte
Zusammensetzung enthält 45 Gew.- % Magnesium, 45 Gew.-% technisches Calciumcarbid,
dessen Gehalt an CaC
2 üblicherweise bei 65 bis 80 Gew.-% liegt, 0,5 Gew.-% eines Öls und 9,5 Gew.-% eines
Schichtstoffes.
[0019] Die Beschichtung des erfindungsgemäßen Mittels ist besonders vorteilhaft. Diese Maßnahme
bewirkt die Herstellung stoffgleicher Oberflächen der beiden Bestandteile Calciumcarbid
und metallische Komponente. Eine stoffgleiche Oberfläche, beispielsweise in Form eines
Kieselsäure enthaltenden Überzuges verleiht dem Mittel nicht nur ausgezeichnete Fließeigenschaften,
sondern wirkt insbesondere einer Entmischung der Bestandteile entgegen, so daß beim
Transport, bei der Handhabung und Silolagerung die Homogenität des Mittels voll erhalten
bleibt.
[0020] Als Haftvermittler werden hochviskose Öle, insbesondere solche pflanzlicher Herkunft,
aber auch Siliconöle und/oder Mineralöle verwendet. Um eine Zersetzung des Carbids
zu vermeiden, werden wasserfreie oder wasserarme Öle bevorzugt, deren Gewichtsanteil
am Mittel 0,1 bis 1 Gew.-% beträgt. Sie bilden die Grundlage für einen fest haftenden,
lückenlosen Überzug, der dem Mittel die gewünschten Eigenschaften verleiht. Ein weiterer
Vorteil dieser bevorzugten Ausführungsform liegt darin, daß das Öl auch noch Feinanteile
an Carbid und Magnesium bindet und auf diese Weise das Entschwefelungsmittel staubfrei
macht. Außerdem wird die Empfindlichkeit der Carbidkomponente gegenüber Feuchtigkeit
herabgesetzt.
[0021] Auf die Haftschicht wird eine Schicht aus feinteiligem Staub aufgetragen. Dazu werden
Stäube mit einer Körnung unter 10 um verwendet. Der Anteil des feinteiligen Staubs
am Entschwefelungsmittel beträgt 2 bis 10 Gew.-%.
[0022] Die Herstellung des erfindungsgemäßen Mittels erfolgt durch einfaches Mischen von
technischem Calciumcarbid und der metallischen Komponente in der gewünschten Körnung
unter Inertgasatmosphäre.
[0023] Nach Vermahlung der beiden Komponenten auf die gewünschte Teilchengröße wird die
Partikeloberfläche mit dem Öl benetzt und der feinteilige Staub anschließend aufgebracht.
Das Verfahren kann sowohl chargenweise in Trommel-, Trog- oder Kegelstumpfmischern,
als auch kontinuierlich beispielsweise in Schneckenmischern erfolgen. Obwohl das aus
beschichteten Teilchen bestehende Mittel weniger entzündlich ist als feinteiliges
Magnesium, erfolgt der Mischvorgang dennoch ebenfalls zweckmäßigerweise unter einer
trockenen Inertgasatmosphäre, um bei der Herstellung, bei der das Magnesium und das
Calciumcarbid frei vorliegen - Feuchtigkeit auszuschließen und zugleich die Gefahr
einer Staubexplosion durch eventuell vorhandenes feinteiliges Magnesium auszuschließen.
[0024] Das erfindungsgemäße Mittel kann ohne irgendwelche Zusätze oder Verdünnungsmittel
mit Argon oder Stickstoff als Trägermedium in die Metallschmelze eingeblasen werden.
Ebenso kann es als Koinjektionspartner mit anderen Entschwefelungsmitteln verwendet
werden. Ohne einen Eisenauswurf befürchten zu müssen, kann das Mittel als solches
oder gemeinsam mit einem anderen Entschwefelungsgemisch mit einer Förderrate von 10
bis 100 kg/min problemlos eingeblasen werden, wobei die bevorzugte Förderrate bei
20 bis 40 kg/min liegt. Die hohe Förderrate ermöglicht eine wesentliche Verkürzung
der Blaszeiten und darüberhinaus kann der Füllgrad der Roheisenpfannen durch das ruhige
Blasverhalten des Mittels erhöht werden.
[0025] Die Produktivität des Entschwefelungsverfahrens wird durch Verwendung des erfindungsgemäßen
Mittels beträchtlich verbessert. Zur Vermeidung der heftigen Magnesiumverdampfungsreaktion
in der heißen Roheisenschmelze enthält das Mittel im wesentlichen aktiv entschwefelndes
Calciumcarbid und nur geringe Mengen inaktiver Komponenten.
[0026] Erfindungsgemäß wird damit ein Mittel zur Verfügung gestellt, das aus technischen,
metallurgischen und ökonomischen Gründen eine äußerst flexible Entschwefelungsmethode
zuläßt.
[0027] Die Erfindung wird durch folgende Figuren und Beispiele erläutert.
Figur 1 zeigt ein Diagramm, in dem die Veränderung der Zusammensetzung eines hinsichtlich
Korngröße und spez. Gewicht angeglichenen Gemisches aus 55 Gew.-% Calciumcarbid und
45 Gew.-% Magnesium nach der Auflockerung in einem Silo dargestellt wird (+). Bei
der Entnahme des Gemisches werden Magnesiumgehalte zwischen 46,4 und 42,3 Gew.-% gefunden,
was einen Streubereich von 4,1 Gew.-% Magnesium bedeutet. Ein gleichartiges, jedoch
beschichtetes Gemisch aus 45 Gew.-% Calciumcarbid, 45 Gew.-% Magnesium und 10 Gew.-%
Beschichtung (D) zeigte nach Auflockerung und Entnahme Magnesiumgehalte zwischen 46,2 und 44,6 Gew.-%
Mg, was einem Streubereich von 1,6 Gew.-% entsprach.
Figur 2 In diesem Fall bestand das Gemisch aus 20 Gew.-% Magnesium der Körnung 0,3
bis 1 mm und fein aufgemahlenem Calciumcarbid der Körnung < 0,1 mm (vgl. Beispiel
8). Das Diagramm zeigt die Entmischung des Magnesiums bei der Auflockerung und anschließender
Entnahme, wobei Magnesium-Gehalte zwischen 24,2 und 17,0 Gew.-% Mg erhalten wurden,
was einer Streubreite von 7,2 Gew.-% Mg entsprach.
Figur 3 zeigt ein Diagramm, in dem die Veränderungen des Entschwefelungsgrades für
ein Gemisch nach dem Stand der Technik (durchgezogene Kurve) dargestellt ist; ferner
wird die Streubreite des Endschwefelgehaltes SE - 1/1000 % für ein erfindungsgemäßes Gemisch (schraffierter Bereich) angegeben. In
jedem Fall wird die gleiche Gemischzusammensetzung und die gleiche Menge an Gemisch
in die Eisenschmelze eingeblasen. Mit dem Gemisch nach dem Stand der Technik war der
Entschwefelungseffekt am Beginn der Behandlung größer als am Ende, nachdem das Gemisch
dann infolge des Sichteffektes im Silo weniger Magnesium enthielt. Wurde das erfindungsgemäße
Gemisch verwendet, blieb der Entschwefelungseffekt innerhalb eines relativ engen Streubereichs
konstant.
Beispiele
[0028] Die Entschwefelung des Roheisens (RE) erfolgte in einer Chargierpfanne, die 230 t
Eisen mit einer Temperatur von 1350°C enthielt. Die jeweils verwendeten Gemische zur
Entschwefelung wurden durch eine Tauchlanze pneumatisch mittels Argon eingeblasen.
[0029] Beispiel Nr. 1 stellt ein Vergleichsbeispiel mit einem handelsüblichen Gemisch zur
Entschwefelung dar (Mg 50 = 50 Gew.-% Magnesiummetall + 50 Gew.-% Kugelmühlenstaub
(AI
2O
3)).
[0030] Beispiel Nr. 2 und 3 wurden mit dem Mittel der Erfindung CaM 45 der bevorzugten Zusammensetzung
durchgeführt. CaM 45 besteht aus 45 Gew.-% technischem Calciumcarbid, 45 Gew.-% Magnesiummetall,
9,5 Gew.-% Ofenfilterstaub aus der FeSi-Produktion und 0,5 Gew.-% Siliconöl. Die Koinjektionsversuche
Nr. 4 und Nr. 5 erfolgten mit CaM 45 gemeinsam mit CaD C5 (95 Gew.-% techn. Calciumcarbid
+ 5 Gew.-% Flammkohle).
[0031] Beispiel Nr. 6 veranschaulicht die Koinjektion eines Mittels CaM 25 der Zusammensetzung:
25 Gew.-% Magnesiummetall, 65 Gew.-% technisches Calciumcarbid, 9,5 Gew.-% Ofenfilterstaub
aus der CaSi-Produktion und 0,5 Gew.-% Silikonöl, gemeinsam mit CaD 45.
[0032] Abkürzungen:
E = Entschwefelungsgrad des RE
SA = Schwefelgehalt (Gew.-% 10-3) im RE vor der Behandlung
SE = Schwefelgehalt (Gew.-% ● 10-3) im RE nach der Behandlung
AS = SA - SE


Beispiel 7
[0033] Ein Silo mit 25 - 30 t Gemisch 1, 2 und 3 wurde jeweils insgesamt 10 x 3 Minuten
lang über die Auflockerungsvorrichtung mit 10 m
3 Gas/Minute beaufschlagt. Zwischen den einzelnen Auflockerungsschritten wurde eine
Pause von 5 Minuten eingelegt, damit das Gemisch sich wieder setzen konnte. Die gesamte
Auflockerungsbehandlung dauerte 80 Minuten. Danach wurde das Gemisch entladen und
beprobt. Die Entladezeit dauerte ca. 60 Minuten für 25 t, wobei alle 5 Minuten eine
6 kg-Probe (10 bis 12 Proben) entnommen wurde. Die Entnahmezeit für die 6 kg Material
betrug ca. 20 Sekunden. Diese 6 kg wurden mit einem genormten Probenteiler auf eine
für die Analyse des Magnesiumgehalts ausreichenden Menge reduziert.

[0034] Die Ergebnisse sind in der Figur 1 dargestellt.
[0035] Das beschichtete Gemisch (CaM 45 beschichtet) entmischt sich praktisch nicht, das
unbeschichtete Gemisch (CaM 45 unbeschichtet) erfährt lediglich eine leichte Entmischung,
die in ihrer Größenordnung bisher nicht erreicht wurde.
Beispiel 8 (Vergleich)
[0036] Es wurde ein Entschwefelungsmittel gemäß dem Stand der Technik untersucht, bei dem
die Körnung des Magnesiums zwischen 0,3 - 1 mm, die des Calciumcarbids < 0,1 mm betrug.
Die Auflockerung verursachte bei diesem Gemisch einen deutlichen Sichteffekt, wobei
sich die Magnesium- und Calciumcarbidkomponenten voneinander trennen, was deutlich
Figur 2 zu entnehmen ist. Der Magnesiumgehalt beträgt anfänglich etwa 24 Gew.-% und
endet bei etwa 17 Gew.-%. Diese Unterschiede im Gemisch führen zu Problemen bei der
Entschwefelungsbehandlung, da sich die Gemischzusammensetzung und damit dessen Wirksamkeit
im Verlaufe der Behandlung ändern.
[0037] Entschwefelung mit einem 20 Gew.-% Magnesium enthaltenden Gemisch unterschiedlicher
Magnesium- und Calciumcarbidkörnung (Gemisch 3, gemäß Tabelle 1) Dieses Gemisch 3
wurde zur Entschwefelung eingesetzt und Figur 3 stellt die unterschiedlichen Schwefelend-Werte
(S
E -Werte) dar, die sich bei der Entschwefelungsbehandlung innerhalb einer 25 t-Gemischlieferung
einstellen. Man erkennt, daß in Übereinstimmung mit dem aus Figur 3 entnehmbaren Sichteffekt
zu Beginn der Entnahme des Gemisches aus dem Silo wesentlich tiefere S
E -Werte erreicht werden als mit der Restmenge des im Silo noch vorhandenen Gemisches.
[0038] Bei Anwendung des erfindungemäßen, mischungsstabilen Gemisches weichen die S
E -Werte nur unwesentlich von dem angestrebten Wert ab, was durch den schraffierten
Bereich angezeigt wird.
1. Mittel zur Entschwefelung von Eisen, enthaltend Calciumcarbid und eine metallische
Komponente, dadurch gekennzeichnet, daß das Calciumcarbid und die metallische Komponente
in solcher Form vorliegen, daß das Schüttgewicht der eingesetzten Komponenten im Bereich
von 0,7 bis 1,0 g/cm3 und die Korngröße im Bereich von 0,1 bis 3 mm liegt, und daß die Teilchen der beiden
Komponenten mit einem Haftmittel und einem feinteiligen Staub einer Korngröße < 10
um beschichtet sind.
2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die metallische Komponente
Magnesium ist.
3. Mittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß es 10 bis 90 Gew. %
Magnesium und 90 bis 10 Gew. % Calciumcarbid enthält.
4. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Korngröße
im Bereich von 0,1 bis 1 mm liegt.
5. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung
1 bis 10 Gew. %, bezogen auf die beschichteten Teilchen, beträgt.
6. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Haftmittel
eine ölige Flüssigkeit, vorzugsweise ein Pflanzenöl und/oder ein Siliconöl und/oder
ein Mineralöl ist.
7. Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung
feinteilige Kieselsäure, Bentonit und/oder Ofenfilterstaub aus der Produktion von
Calcium-Silicium und/oder Ferro- Silicium und/oder anderen Ferrolegierungen und/oder
andere oxidische Verbindungen enthält.
8. Verfahren zur Herstellung des Mittels nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, daß man Calciumcarbid und die metallische Komponente auf die erforderliche
Größe vermahlt, unter Inertgasatmosphäre vermischt und anschließend mit einem Haftmittel
versetzt und unter Zugabe eines feinteiligen Stoffes beschichtet.
9. Verfahren zur Entschwefelung von Eisen, dadurch gekennzeichnet, daß man ein Mittel
nach einem der Ansprüche 1 bis 7 entweder allein oder im Koinjektionsverfahren zusammen
mit weiteren Entschwefelungsmitteln mit einer Förderrate von 10 bis 100 kg/min in
die Eisenschmelze einbringt.
1. Agent for desulphurising iron containing calcium carbide and a metallic component,
characterised in that the calcium carbide and the metallic component are present in
such a form that the bulk density of the components used lie in the range of 0.7 to
1.0 g/cm3 and the grain size in the range of 0.1 to 3 mm and that the particles of the two
components are coated with an adhesive and a finely divided dust of a grain size of
< 10 /1.m.
2. Agent according to claim 1, characterised in that the metallic component is magnesium.
3. Agent according to claim 1 or 2, characterised in that it contains 10 to 90 wt.%
of magnesium and 90 to 10 wt.% of calcium carbide.
4. Agent according to one of claims 1 to 3, characterised in that the grain size lies
in the range of 0.1 to 1 mm.
5. Agent according to one of claims 1 to 4, characterised in that the coating amounts
to 1 to 10 wt.%, referred to the coated particles.
6. Agent according to one of claims 1 to 5, characterised in that the adhesive is
an oily liquid, preferably a vegetable oil and/or a silicone oil and/or a mineral
oil.
7. Agent according to one of claims 1 to 6, characterised in that the coating contains
finely divided silicic acid, bentonite and/or furnace filter dust from the production
of calcium-silicon and/or ferro-silicon and/or other ferrous alloys and/or other oxidic
compounds.
8. Process for the production of an agent according to one of claims 1 to 7, characterised
in that one grinds calcium carbide and the metallic component to the necessary size,
mixes under inert gas atmosphere and subsequently mixes with an adhesive and coats
with the addition of a finely divided material.
9. Process for the desulphurisation of iron, characterised in that one introduces
into the iron melt an agent according to one of claims 1 to 7 either alone or in the
co-injection process together with further desulphurising agents with a conveying
rate of 10 to 100 kg/min.
1. Agent de désulfuration du fer contenant du carbure de calcium et un composant métallique,
caractérisé en ce que le carbure de calcium et le composant métallique se présentent
sous une forme telle que la densité apparente des composants utilisés se situe dans
le domaine de 0,7 à 1,0 g/cm3 et que la granulométrie se situe dans le domaine de 0,1 à 3 mm, et en ce que les
particules des deux composants sont revêtues d'un agent adhésif et d'une poussière
finement divisée présentant une granulométrie < 10 /.Lm.
2. Agent selon la revendication 1, caractérisé en ce que le composant métallique est
le magnésium.
3. Agent selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce qu'il contient 10 à 90%
en poids de magnésium et 90 à 10% en poids de carbure de calcium.
4. Agent selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la granulométrie
se situe dans le domaine de 0,1 à 1 mm.
5. Agent selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le revêtement
constitue 1 à 10% en poids par rapport aux particules revêtues.
6. Agent selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que l'agent adhésif
est un liquide huileux, de préférence une huile végétale et/ou une huile de silicone
et/ou une huile minérale.
7. Agent selon l'une des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que le revêtement
contient de l'acide silicique finement divisé, de la bentonite et/ou de la poussière
de filtre de four provenant de la production de calcium-silicium et/ou de ferrosilicium
et/ou d'autres ferro-alliages et/ou d'autres composés oxydiques.
8. Procédé de préparation de l'agent selon l'une des revendications 1 à 7, caractérisé
en ce que l'on broie le carbure de calcium et le composant métallique à la dimension
nécessaire, on les mélange sous atmosphère de gaz inerte puis on leur ajoute un agent
adhésif et on les revêt par addition d'une substance finement divisée.
9. Procédé de désulfuration du fer, caractérisé en ce que l'on introduit dans le bain
de fer fondu un agent selon l'une des revendications 1 à 7 seul ou, dans le procédé
de co-injection, avec d'autres agents de désulfuration à un débit de transport de
10 à 100 kg/min.