[0001] Die Erfindung betrifft eine Hochlaufsteuerung für die Druckwange eines Ziehapparats
in einer Presse.
[0002] In Stufenpressen, Mehrstufenpressen, Hybrid-Pressenanlagen und dgl. Umformpressen
ist es zur Erhöhung der Taktzahlen erforderlich, die geformten Blechteile direkt nach
dem Öffnen des Werkzeugs, somit vor dem Erreichen der Ausgangshöhe der Druckwange
von der Transfereinrichtung zu erfassen. Hierfür ist die Hochfahrbewegung der Druckwange
zu unterbrechen.
[0003] In der DE 40 32 338 A1 ist ein Ziehapparat einer Ziehstufe in einer Presse beschrieben
mit einer Druckwange zur Blechhaltung beim Ziehen. Die Druckwange ist von Druckzylindern
von unten beaufschlagbar. Es sind Sperrzylinder vorgesehen für einen Zwischenhalt
beim Hochbringen der Werkstücke. Hierfür greifen die Kolbenstangen an einer allen
Druckstangen gemeinsamen heb- und senkbaren Konsole an. Auf die Konsole wirken Sperrzylinder,
deren Kolben für einen weiteren Hochlauf der Druckwange wegsteuerbar sind.
[0004] Aus der EP 0 151 198 B1 ist eine Pressensteuerung mit einer Druckregeleinrichtung
bekannt. Die Pressensteuerung erzeugt an Verstärkereinheiten geführte Signale für
die Druck-Grundeinstellungen in Abhängigkeit vom Werkzeug und für die Druckeinstellungen
während des Betriebs der Presse.
[0005] Nach der Aufgabe der Erfindung sollen sowohl die werkzeugspezifischen, günstigsten
Entnahmehöhen bei Stillstand der Druckwange in der Hochlaufphase einstellbar sein
als auch sichergestellt sein, daß die einzustellende Entnahmehöhe auch bei unterschiedlich
hohen Ziehapparate-Drücken durch Regelung erreichbar ist.
[0006] Diese Aufgabe ist gelöst durch die den Anspruch 1 kennzeichnenden Merkmale. Anspruch
2 stellt eine günstige Ausgestaltung nach der Erfindung dar.
[0007] Im Einzelfall kann in vorteilhafter Weise der ohnehin vorhandene Vorbeschleunigungs-Zylinder
für die Hochlaufsteuerung genutzt werden, in dem die aus diesem unter Druck des Ziehapparats
nach der Umformung verdrängte Fluidmenge einen in seiner nachgehenden Bewegung steuerbaren
Steuerkolben verdrängt. Weiterhin von Vorteil ist die Einstellmöglichkeit eines Volumenausgleichs
über die Anschlageinstellung in Abhängigkeit vom unterschiedlichen Ziehdruck nach
z.B. jedem Werkzeugwechsel. Darüberhinaus kann für eine Stillstandzeit des Ziehapparats
im unteren Totpunkt eine Druckkompensation in Abhängigkeit vom Druck im Ziehapparat
erfolgen.
[0008] Anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels soll die Erfindung
im folgenden erläutert werden.
[0009] Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Ziehapparat mit Druckwange mit einer Hochlaufsteuerung nach der Erfindung,
- Fig. 2
- ein Diagramm zur Erläuterung der Bewegungen des Ziehapparats,
- Fig. 3
- einen Steuerzylinder mit einem Verstellantrieb in einer gegenüber der Fig. 1 vergrößerten
Schnittansicht,
- Fign. 4 und 5
- je einen Steuerzylinder in unterschiedlichen Anschlagpositionen.
[0010] Der Ziehapparat 1, vorzugsweise eine Druckluftzieheinrichtung, weist eine Druckwange
2 auf, die mit werkzeugseitigen Druckbolzen und über diese mit einem Blechhalter im
Werkzeug zusammenwirkt. Mit der Druckwange 2 sind über hier eine Kolbenstange 3 Kolben
5 in Druckräumen 6 von Druckzylindern 4 verbunden zum Aufbringen der Blechhalter-
und Auswerferkräfte und -bewegungen. Die Kolbenstange 3 ist verlängert und wirkt mit
einer Hochlauf-Anschlagsteuerung 7 zusammen. Diese dient der Einstellung der Ausgangshöhe
für die Druckwange 4, in Fig. 2 mit 22 bzw. 23 positioniert. Mit der Kolbenstange
3 wirkt weiterhin ein Druckkolben 8 in einem Druckraum 9 zusammen. Der Druckkolben
8 weist eine Wirkfläche 20 auf. Während des Niedergangs des Stößels gemäß Kurve 21
in Fig. 2 wird die Druckwange durch Druckbeaufschlagung des Druckraumes 9 über ein
Ventil 17 aus einer Druckquelle vor dem Auftreffen des Werkzeugoberteils am Stößel
auf das auf dem Blechhalter im Werkzeugunterteil aufliegende Blechteil in Ziehrichtung
19 abgesenkt, angedeutet durch den Kurvenübergang aus der Kurve 22 bzw. 23 in den
Kurvenverlauf 21 in Fig. 2. In erfinderischer Weise wird ein solcher Druckraum 9 mit
dem Druckkolben 8 und der Wirkfläche 20 zur Regelung des Hochlaufs und zum Halt -
Stillstandszeit der Druckwange 2 - in der Hochlaufphase zur möglichst frühen Entnahme
des Blechteils durch Saugermittel 29, 30 eines Transfersystems (Fig. 2) genutzt. Die
Erfindung ist jedoch nicht fixiert auf das Vorhandensein eines Vorbeschleunigungszylinders.
[0011] Der Druck in den Druckräumen 6 der Druckzylinder 4 versucht mit Beendigung des Umformens
(Ziehens) nach Erreichen des unteren Totpunktes 24 die Druckwange 2 mit Kolben 3 und
Kolbenstange 8 nach oben zu bewegen, dargestellt als Kurvenverlauf 21 in Fig. 2 nach
dem unteren Totpunkt 24 bis in den Übergang zu den Stillstandzeiten 25, 26, 27. Die
Stillstandzeiten werden vermittels der nachfolgend beschriebenen Einrichtungen 10,
15, 16, 41 erzeugt. Nach der Entnahme des Blechteils vermittels der Saugermittel 29,
30 wird das Ventil 17 erneut geöffnet, um so das nicht in einen ersten Druckraum 12
des Druckzylinders verdrängte Fluid entweichen zu lassen.
[0012] Die Steuerung in die mit 25, 26, 27 in Fig. 2 dargestellten Stillstandzeiten im Hochlauf
der Druckwange 2 wird bei geschlossenem Ventil 17 durch den Steuerzylinder 10, einen
Verstellantrieb 16 und eine Druckquelle 15 mit einem Vorsteuerventil 18 bewirkt. Der
Steuerkolben 11 unterteilt den Druckraum des Steuerzylinders 10 in einen ersten, mit
dem Druckraum 9 über eine Druckleitung 13 in ständiger Fließverbindung stehenden Druckraum
12 und in einen zweiten, mit der Druckquelle 15 über das Vorsteuerventil 18 verbindbaren
zweiten Druckraum 14. Die Kolbenstange 42 weist einen festen Anschlag 34 auf, der
bei Druckbeaufschlagung des Druckraumes 14 von der Druckquelle 15 gegen einen Anschlag
an einer Gewindehülse 33 bewegt wird. Die Gewindehülse 33 weist ein Außengewinde auf,
das mit einem Innengewinde eines auf die Gewindehülse 33 aufgeschraubten Schneckenrades
32 in Art einer Mutter-Spindel-Verbindung zusammenwirkt. Das Schneckenrad 32 ist von
einer motorgetriebenen Schnecke 31 drehtreibbar. Der nicht dargestellte Motor als
Stellmittel der Schnecke 31, wie auch das Vorsteuer-Ventil 18, sind, wie mit 41 in
Fig. 1 angedeutet, mit der Pressensteuerung verbunden. Die Stellung von Schnecke,
Schneckenrad bzw. Gewindehülse 33 ist über einen Codierer mit Signalrückgabe an die
Pressensteuerung abzufragen. Die Stellung des Kolbens 11 in dem Steuerzylinder 10
bei Druckbeaufschlagung des Druckraumes 14 aus der Druckquelle 15 wird bestimmt durch
die Anlage des Anschlags 34 an der Gewindehülse 33 und deren Stellung.
[0013] Die beim ersten Einrichten eines Werkzeugs (teach-in) auf der Presse ermittelten
Werte sind jedem Werkzeug speichertechnisch zugeordnet und können über die Pressensteuerung
vorgegeben werden. Als Beispiele für die Lösung der erfindungsgemäß gestellten Aufgabe
werden die Stillstandzeiten 25 und 27 in Fig. 2 näher betrachtet. Die Stillstandzeit
bzw. Entnahmehöhe 27 wird erreicht entsprechend Fig. 4 durch Erzeugung eines volumenmäßig
großen zweiten Druckraumes 14 bei entsprechender Anschlagsteuerung der Kolbenstange
42.
[0014] Demgemäß ist, wie in Fig. 5 dargestellt, für einen anfänglich kleineren Weg der Zieheinrichtung
1 mit Druckwange 2 bis zur Entnahme eines Werkstücks ein kleinerer zweiter Druckraum
14 vorzusehen. Dieser ist über die Anschlagsteuerung der Kolbenstange 42 vermittels
Getriebezug 31 - 34 einstellbar.
Hierbei wird die jeweilige Steuerkolben-Stellung 35 für das erste und 38 für das zweite
Beispiel bei entsprechender Anschlagvorgabe und offenem Vorsteuerventil 18 und somit
Druckbeaufschlagung des zweiten Druckraumes 14 erreicht. Für das Erreichen der Stillstandzeiten
25, 26 oder 27 ist das Ventil 17 geschlossen zu steuern. Das Ventil 18 ist so zu schalten,
daß sich der zweite Druckraum 14 entleeren kann. Aus vorhergehender Veranschaulichung
ist ersichtlich, daß z.B. bei größerer Ziehtiefe mit entsprechendem Werkzeug ein größerer
Kolbenweg des Steuerkolbens 11 gemäß Fig. 4 vorzusehen ist, um nach dem Öffnen des
Werkzeugs das Werkstück entnehmen zu können. Der Weg ist hierbei vorgegeben durch
den Abstand der Kolbenfläche 35 bis zum Anschlag im Boden des Steuerzylinders 10.
[0015] Gemäß Fig. 5 ist ein geringer Abstand der Kolbenfläche 38 bis zum Anschlag im Boden
des Steuerzylinders 10 entsprechend der zeitlich und wegmäßig früher einsetzenden
Stillstandzeit 25 (Entnahmehöhe) vorgegeben.
[0016] Die Steuermaßnahmen berücksichtigen weiterhin unterschiedliche Zieh- bzw. Blechhalterdrücke.
Ein größerer Ziehdruck bewirkt eine größere Komprimierung des Fluids und eine größere
Ausweitung des Fluid führenden Systems und umgekehrt.
[0017] Für einen längeren Weg des Steuerkolbens 11 gemäß Fig. 4 bei einem geringeren Ziehdruck
muß zur Erreichung der Stillstandzeit 27 der Kolbenanschlag für die Kolbenstellung
36 erfolgen, für einen höheren Ziehdruck in Anschlagstellung 37.
[0018] Dementsprechend ist für einen kürzeren Kolbenweg gemäß Fig. 5 bei einem höheren Ziehdruck
in den Druckräumen 6 des Ziehapparats der Kolben 11 in der Stellung 40, für einen
geringeren Ziehdruck in Stellung 39 vermittels Anschlag zu halten. Mitunter ist es
wünschenswert, die Druckwange in der Stellung an einem Hochlaufen zu hindern, die
diese im Durchlaufen des unteren Totpunktes einnimmt. Die Druckwange 2 folgt zeitverzögert
auf den Stößelhochlauf. Auch für diese Stillstandzeit ist eine Volumenanpassung im
Sinne der Beispiele zu Fign. 4 und 5 erforderlich.
1. Hochlaufsteuerung für die Druckwange in einem Ziehapparat einer Presse, mit einem
auf- und abbewegbaren Pressenstößel, einem Blechhalter, dessen auf das Blech wirkende
Halte- und Auswerferkräfte von einem oder mehreren unterhalb der Druckwange befindlichen
Druckzylindern aufgebracht werden und die Druckwange über zumindest eine Kolbenstange
mit einem Druckkolben in einem Druckraum mit in Ziehrichtung beaufschlagbarer Wirkfläche
wirkverbunden ist, wobei der Druckraum aus einem Speicher über eine Ventilsteuerung
auffüllbar ist, und mit einer Pressensteuerung für Druckeinstellungen der Druckverbraucher
der Presse, dadurch gekennzeichnet, daß der der Wirkfläche (20) des Druckkolbens (8) zugeordnete Druckraum (9) mit einem
ersten Druckraum (12) von zwei durch einen Steuerkolben (11) getrennten Druckräumen
(12, 14) in einem Steuerzylinder (10) ständig fließverbunden ist, daß der zweite (14)
der Druckräume (12, 14) über ein Vorsteuerventil (18) mit einem Druckerzeuger (15)
fließverbindbar ist, daß der bzw. die Steuereingänge (41) des Vorsteuerventils (18)
mit der Pressensteuerung verbunden bzw. von dieser ansteuerbar sind, daß die aus dem
Steuerzylinder (10) herausgeführte Kolbenstange (42) des Steuerkolbens (11) mit einem
Anschlag (34) versehen ist, der bei Druckbeaufschlagung des zweiten Druckraumes (14)
durch Öffnen des Vorsteuerventils (18) gegen einen in Längserstreckung der Kolbenstange
(42) verstellbaren Anschlag (Gewindehülse 33) legbar und der verstellbare Anschlag
(33) mit einem von der Pressensteuerung beaufschlagbaren Stellantrieb (31, 32) wirkverbunden
ist.
2. Hochlaufsteuerung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der von der Pressensteuerung beaufschlagbare Stellantrieb über eine Schnecke
(31) auf ein Schneckenrad (32) wirkt und daß der Anschlag (Gewindehülse 33) mit dem
Schneckenrad (32) in Art eines Mutter-Spindeltriebes den Anschlag (33) auf der Kolbenstange
(42) verschiebend wirkverbunden ist.