[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Verformen eines Blechrohlings aus
einem Werkstoff mit exponentialem Zugspannungs-Dehnungs-Verhalten und eine zur Durchführung
dieses Verfahrens geeignete Vorrichtung.
[0002] In der Raum- und Luftfahrtindustrie wird Titan und seine Legierungen wegen des geringen
Gewichtes und der guten Korrosionsbeständigkeit zunehmend für Treibstoffbehälter oder
dgl. eingesetzt. Die für diesen Zweck besonders geeigneten Titan-β-Legierungen sind
jedoch nur unzureichend kaltumformbar. Diese Legierungen haben ein exponentiales Zugspannungs-Dehnungs-Verhalten,
wie dies anhand eines schematischen Spannungs-Dehnungs-Diagramms in Fig. 1 dargestellt
ist. Das Diagramm zeigt, daß die Titan-β-Legierungen nicht die übliche Kaltverfestigung
aufweisen, so daß beim Zugversuch unter Raumtemperatur oberhalb der Streckgrenze,
im plastischen Bereich, eine Einschnürung und danach der Bruch ohne weitere Steigerung
der Zugspannung erfolgt. Dies wirkt sich in starkem Maße auf die Kaltverformbarkeit
dieser Werkstoffe aus. Bereits bei einer sehr geringen prozentualen Kaltumformung
besteht die Gefahr, daß entweder Ermüdungsrisse auftreten oder das Material unkontrolliert
ausbeult, wenn das Material nicht nach jedem, sehr geringen Umformschritt einer Wärmebehandlung
unterzogen wird. Die für diese Werkstoffe problemloseste Kaltumformung ist das Kaltwalzen,
durch das jedoch lediglich plane Bleche hergestellt werden können.
[0003] Insbesondere Schalen mit einem größeren Durchmesser (über 600mm), einer geringen
Wandstärke (unter 3mm) und/oder einer hohen Wölbung (Halbkugel) wurden bisher nur
durch Warmumform-Verfahren hergestellt, wobei anschließend auf die gewünschte geringe
Wandstärke spanabhebend abgedreht werden mußte.
[0004] Bei höheren Temperaturen weist Titan und seine Legierungen jedoch eine hohe Affinität
zu Luftbestandteilen auf, durch die sich einerseits eine Korrosionsschicht an der
Oberfläche des Werkstoffes bildet und durch die andererseits der Werkstoff durch Wasserstoffaufnahme
versprödet. Beides ist höchst unerwünscht und nur zu verhindern bzw. zu beseitigen,
wenn entweder die Erwärmung (zur Warmumformung bzw. zur Wärmebehandlung) in einer
Schutzgasatmosphäre erfolgt bzw. die korrodierte Schicht mechanisch abgetragen oder
die Versprödung durch Wärmbehandlung rückgängig gemacht wird.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein einfaches und kostengünstiges Verfahren
und eine Vorrichtung zum Kaltumformen eines Werkstoffes mit exponentialem Zugspannungs-Dehnungs-Verhalten
zu hohlen Schalen geringer Wandstärke zu schaffen.
[0006] Die Aufgabe wird durch das in Anspruch 1 angegebene Verfahren gelöst.
[0007] Es wurde festgestellt, daß die oben erwähnten Fehler, wie beispielsweise Ermüdungsrisse
oder Ausbeulen, beim erfindungsgemäßen Kaltumformen dieser Werkstoffe auch bei hohen
Umformgraden über 40% nicht auftreten, wenn der Werkstoff keinerlei Zugkräften im
plastischen Bereich ausgesetzt wird und die Verformung lediglich durch Druckkräfte
erfolgt, die von den beiden gegenüberliegenden Drückrollen auf das Werkstück ausgeübt
werden. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich, hohle Schalen mit einem
großen Durchmesser und relativ dünner Wandstärke bis auf Endmaß durch Kaltumformung
herzustellen, ohne daß Ermüdungsrisse bzw. ein Ausbeulen festgestellt werden kann
und ohne daß die mit einer Erhitzung des Werkstoffes einhergehenden Probleme auftreten.
Der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren erzielbare hohe Kaltumformungsgrad bewirkt
eine Kornverfeinerung im Gefüge der Titan-β-Legierung, die wiederum in einer höheren
Festigkeit und Zähigkeit resultiert, so daß der tragende Querschnitt und somit das
Gewicht weiter verringert werden kann. Darüber hinaus führt der hohe Kaltumformungsgrad
in Umfangsrichtung zu einer Veränderung der Textur der ursprünglichen Walzrichtung
des kaltgewalzten Blechrohlings, so daß die mit dieser Textur einhergehende Gefahr
eines Eigenspannungsverzugs verringert wird. Die über die Drückrollen aufzubringenden
Druckkräfte können sehr genau dosiert werden, so daß sich nicht nur Schalen mit konstanter
Wanddicke sondern auch sich über den Umfang der Schale verändernder Wanddicke ohne
weiteres herstellen lassen. Darüber hinaus kann durch Verwendung von zwei Rollen die
beim Auswölben von Blechen auftretende Rückfederung so genau beherrscht werden, daß
die Schalen mit einer sehr hohen Maßgenauigkeit hergestellt werden können. Da weder
eine Schutzgasatmosphäre noch wiederholte Zwischenglühungen notwendig sind, ist das
erfindungsgemäße Verfahren einfach und schnell durchzuführen.
[0008] Vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind den Ansprüchen
2 bis 4 zu entnehmen.
[0009] Die Aufgabe wird weiterhin durch eine Vorrichtung gemäß Anspruch 5 gelöst.
[0010] Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird das Werkstück drehend und die Drückrollen
bahngesteuert angetrieben. Diese Aufteilung der Relativbewegungen trägt dazu bei,
während der Verformung Zugspannungen im plastischen Bereich zu verhindern. Aus der
US-PS 3 815 395 ist es zwar bereits bekannt, Tankböden mit Hilfe zweier an gegenüberliegenden
Seiten des Werkstückes angreifender Drückrollen zu formen, bei der dort beschriebenen
Vorrichtung ist jedoch das Werkstück mittig eingespannt und frei drehbar gelagert,
während die Drückrollen sowohl rotierend angetrieben als auch über eine vorbestimmte,
radiale Bahn geführt werden (wodurch sich das Werkstück dreht). Durch diese Überlagerung
der Bewegungssteuerung ist es nicht zu vermeiden, daß lokale Zugspannungen aufgebracht
werden. Die Vorrichtung ist demgemäß auch nur entweder für eine Warmumformung oder
für Werkstoffe mit normaler Kaltverfestigung brauchbar.
[0011] Vorteilhafte Weiterbildungen der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind den Unteransprüchen
6 bis 11 zu entnehmen.
[0012] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnungen näher
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein wahres, schematisch dargestelltes Zugspannungs-Dehnungs-Diagramm einer Titan-β-Legierung,
und
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung im Teilschnitt.
[0013] Fig. 2 zeigt eine Vorrichtung 1 zum Kaltumformen von (gestrichelt gezeichneten) Blechrohlingen
2' zu hohlen Schalen 2, die außer der gezeichneten Halbkugelform auch kugelkappenförmig,
konisch, elliptisch oder mit anderen Querschnittsformen geformt sein können. Der Blechrohling
2' liegt als Blechronde aus einem Werkstoff mit der in Fig. 1 dargestellten, exponentialen
Zugspannungs-Dehnungs-Charakteristik vor. Zu diesen Werkstoffen gehören die Titan-β-Legierungen
Ti-15V-3Cr-3Al-3Sn (Ti15-3) und Ti-3Al-15Mo-2,7Nb-0,2Si (Beta-21S). Die Blechdicke
des Rohlings 2' liegt normalerweise über der gewünschten Blechdicke der fertigen Schale,
kann jedoch in bestimmten Breichen (Öffnungsnähe, Pol) bereits Endmaß aufweisen. Falls
die fertige Schale 2 größere Wanddickenunterschiede aufweisen soll, kann es zweckmäßig
sein, die Blechronde mit verschiedenen Rohwanddicken vorab zu konturieren, z.B. durch
Abdrehen oder Abschleifen. Der Durchmesser der Blechronde 2' wird entsprechend der
gewünschten Öffnungsweite der fertigen Schale plus Einspannmaß gewählt. Mit dem vorliegenden
Verfahren können Schalen mit einer Öffnungsweite über 600mm hergestellt werden, die
bisher durch Kaltumformungen nicht herstellbar waren. Es sind sogar Öffnungsweiten
von 1500 bzw. 2500mm und darüber möglich. Bevorzugte Anwendung findet das erfindungsgemäße
Verfahren für dünnwandige Schalen mit Wandstärken zwischen 0,3 und 3mm.
[0014] Der Blechrohling 2' wird in der Vorrichtung 1 durch eine Spannvorrichtung 3 gehalten,
die einen Spannring 4 zum gleichmäßigen Einspannen des Umfanges des Blechrohlings
2' aufweist. Die Spanneinrichtung 3 ist gegebenenfalls verstellbar, um das Einspannen
von Rohlingen 2' mit unterschiedlichem Durchmesser zu gestatten. Der Spannring 4 ist
über ein als Wälzlager ausgebildetes Drehlager 5 um eine Mittellinie 6 in Richtung
des Pfeiles 6a drehbar gelagert. Die Drehung erfolgt durch einen Antrieb 7, der einen
Motor 8 und ein Antriebsritzel 9 aufweist, das mit einer entsprechend ausgebildeten
Verzahnung am Spannring 4 kämmt.
[0015] Beidseitig der Spanneinrichtung 3 befindet sich jeweils ein Werkzeugträger 10 und
11. Jeder der Werkzeugträger 10, 11 ist in einer ersten Richtung in Richtung der Doppelpfeile
10a bzw. 11a parallel zur Mittellinie 6, und in einer zweiten Richtung in Richtung
der Doppelpfeile 10b bzw. 11b senkrecht zur Mittellinie 6 linear verschiebbar. Die
Bewegungsrichtung 10a und 10b bzw. 11a und 11b liegen in einer Ebene. An dem der Spanneinrichtung
6 zugewandten Ende jedes Werkzeugträgers 10, 11 ist jeweils ein Arm 12 bzw. 13 um
eine Achse 12' bzw. 13' in Richtung der Doppelpfeile 12a bzw. 13a verdrehbar. Die
Achsen 12' bzw. 13' stehen senkrecht auf der Bewegungsebene der Linearverschiebungen
10a, 10b bzw. 11a, 11b, so daß die Verdrehbewegung 12a, 13a in der Ebene der Linearbewegungen
10a, 10b bzw. 11a, 11b erfolgt. Zum Verschwenken der Arme 12 und 13 in Richtung der
Doppelpfeile 12a, 13a ist ein geeigneter Stellantrieb 14 bzw. 15 vorgesehen, der gleichzeitig
die Verformungskraft aufbringt. Auch zum Verschieben jedes Werkzeugträgers 10, 11
in Richtung der Doppelpfeile 10a, 10b bzw. 11a, 11b ist ein nicht-gezeichneter Antrieb
vorhanden.
[0016] An den freien Enden jedes Arms 12, 13 ist jeweils eine Drückrolle 16, 17 um eine
Achse 16' bzw. 17' frei drehbar gelagert. Die Achsen 16' bzw. 17' erstrecken sich
senkrecht zur Schwenkachse 12' bzw. 13' des jeweiligen Arms 12, 13 und sind so angeordnet,
daß jede der Drückrollen 16, 17 mit ihrem Umfang über den jeweiligen Arm 12, 13 vorsteht
und mit dem vorstehenden Teil ihres Umfanges mit dem Werkstück 2', 2 in Kontakt gebracht
werden kann. Die Drückrollen 16, 17 sind weiterhin in Drehrichtung des Werkstückes
2', 2 angeordnet, so daß sie vom sich drehenden Werkstück um ihre Achsen 16', 17'
gedreht werden können.
[0017] Die erste, an der Innenseite der zu fertigenden Wölbung angreifende Drückrolle 16
ist relativ schmal und mit einem abgerundeten Umfang versehen, so daß auch bei engen
Wölbungen nur der Umfang der ersten Drückrolle 16 mit dem Werkstück 2', 2 in Kontakt
kommt. Die an der Außenseite der zu fertigenden Wölbung angeordnete, zweite Drückrolle
17 ist als Gegenrolle ausgebildet, gegen die die ersten Drückrolle 16 arbeitet.
[0018] Der Antrieb der Spannvorrichtung 3, die Stellantriebe 14 und 15 sowie die nicht gezeichneten
Antriebe zum Bewegen der Werkzeugträger 10, 11 in die Richtungen 10a, 10b bzw. 11a,
11b sind mit einer gemeinsamen, ebenfalls nicht gezeichneten Steuerung verbunden.
Die Steuerung kann eine CNC-Steuerung, eine Kopiersteuerung mit Schablonen oder irgendeine
andere, bekannte Steuerung sein. Durch diese Steuerung werden die Drückrollen 16 und
17 während des Umformvorganges synchron geführt, so daß am Ort der Verformung immer
beide Drückrollen 16, 17 gegeneinander arbeiten. Dabei werden beide Drückrollen 16,
17 durch eine kombinierte lineare Bewegung entlang der Doppelpfeile 10a, 10b bzw.
11a, 11b und eine Schwenkbewegung entlang der Doppelpfeile 12a, 13a jeweils in Richtung
ihrer Achsen 16', 17' über eine Bahn entlang der Doppelpfeile 16a und 17a gesteuert,
die der Kontur der in diesem Verformungsschritt auszubildenden Wölbung folgt. Die
Bahnen 16a bzw. 17a der Drückrollen 16 bzw. 17 erstrecken sich radial zum Blechrohling
2' bzw. über einen Meridian der Wölbung, wobei die gemeinsame Ebene, in der die Bahnen
16a und 17a liegen, die Mittellinie 6 schneidet. Die Richtung der Verformung erfolgt
vom Bereich nahe des Spannrings 4 zum Durchstoßpunkt der Mittellinie 6 durch das Werkstück
2', 2 am Pol und zurück, wobei sich die Rollen 16, 17 in der durchgezogen gezeichneten
Stellung in Fig. 2 in der Nähe eines Umkehrpunktes der Bahnsteuerung und in der gestrichelt
gezeichneten Stellung in der Nähe des anderen Umkehrpunktes der Bahnsteuerung befinden.
Dabei erfolgt die Bahnsteuerung derart, daß sich beide Drückrollen 16, 17 nur um den
Mittelpunkt der Krümmung ihrer Umfangsflächen (Radius R) in ihrer Stellung relativ
zueinander verschwenken können, um keine Reibungskräfte zu erzeugen.
[0019] Die Steuerung bewirkt weiterhin eine Zustellbewegung der Drückrolle 16 in Richtung
auf die Gegenrolle 17 und von ihr weg, um den Abstand zwischen den beiden Drückrollen
16 und 17 auf die sich im Verlaufe des Verformungsvorganges verringernden Wandstärken
des Werkstückes 2', 2 einzustellen. Diese Zustellbewegung kann während des Verformungsvorganges
erfolgen und beispielsweise durch Drucksensoren an den Drückrollen gesteuert werden.
Darüber hinaus ist auch eine vorab festgelegte Steuerung des Rollenabstandes möglich,
wenn Bereiche des Werkstückes 2', 2 unterschiedlich stark verformt werden sollen,
z.B. um die Schalen 2 mit unterschiedlichen Wandstärken zu versehen.
[0020] Die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 arbeitet wie folgt: Nach dem Einspannen der Blechronde
2' wird der Spannring 4 durch den Antrieb 7 um die Mittellinie 6 in Richtung des Pfeiles
6a gedreht. Dann werden die Drückrollen 16 und 17 mit einem vorbestimmten Abstand
zueinander von gegenüberliegenden Seiten her an den Rohling 2' herangeführt und radial
zum Rohling 2' in einer für den ersten Verformungsschritt vorgegebenen Bahn 16a bzw.
17a über den Rohling 2' geführt, so daß sich in Verbindung mit der Drehung des Rohlings
2' eine spiralförmig um die Mittellinie 6 verlaufende Verformungslinie ergibt. Die
Drehzahl des Spannsrings 4, der Abstand der Drückrollen 16, 17 sowie die Form und
Geschwindigkeit der Bahnsteuerung in Richtung der Pfeile 16a und 17a werden derart
aufeinander und auf den verwendeten Werkstoff abgestimmt, daß durch die Drückrollen
16 und 17 allein Druckkräfte zum Verformen des Werkstoffes ausgeübt werden, während
sich eventuell einstellende Zugkräfte in ihrer Größe unterhalb der Streckgrenze des
Werkstoffes bleiben und somit keinen Beitrag zur plastischen Verformung leisten. Der
Werkstoff wird somit zwischen den Drückrollen 16 und 17 lediglich gequetscht, wobei
dem Werkstoff gestattet wird, sich im wesentlichen senkrecht zur Richtung der Drückkräfte
zu längen. Durch die Bahnsteuerung der Drückrollen 16, 17 wird sichergestellt, daß
diese Materiallängung nicht zum Ausbeulen führt, sondern die gewünschte Wölbung formt,
ohne daß dafür, wie bei herkömmlichen Drückverfahren, das Material durch Zugspannungen
gedehnt werden müßte.
[0021] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wurde z.B. eine Tankhalbschale aus der Titanlegierung
Ti 15-3 geformt. Als Rohling wurde eine Blechronde mit einem Durchmesser von 510mm
mit einer Schneidrollenmaschine aus einem kaltgewalzten Blech in lösungsgeglühtem
und abgeschrecktem Zustand, Blechstärke 2,08mm, ausgeschnitten. Die Blechronde wurde
mit Hilfe zweier Drückrollen nur unter Anwendung von Druckkräften in 28 Umformschritten
ohne Zwischenglühung zu einer halbkugelförmigen Schale mit einem Öffnungsdurchmesser
von 444,8mm, einer unveränderten Wandstärke von 2,08mm direkt am Pol, einer Wandstärke
von 2mm im Winkelabstand von etwa 5° zum Pol, einer Wandstärke von 1,32mm direkt benachbart
der Einspannstelle an der Schalenöffnung und einem zwischen der Schalenöffnung und
dem Pol kontinuierlich bis auf etwa 0,76mm abfallenden und anschließend kontinuierlich
wieder ansteigenden Wandstärkenverlauf, verformt. In der fertigen Tankhalbschale wurden
weder Ermüdungsrisse noch Formdiskontinuitäten, wie beispielsweise Falten oder Beulen,
festgestellt. Die Maßabweichungen zur vorgegebenen Form und Wandstärke (geringste
erreichte Wandstärke 0,76; Vorgabe 0,8mm; erzielter Öffnungsdurchmesser 444,8mm, Vorgabe
445mm) lagen innerhalb des Toleranzbereichs. Diese Maßabweichungen waren darauf zurückzuführen,
daß bei der verwendeten Vorrichtung die Drückrollen 16, 17 nicht verschwenkbar, d.h.
nicht mit den Achsen 12a, 13a am Werkzeugträger 10, 11 gelagert waren. Darüber hinaus
wurde die an der Innenseite der Schale angreifende Drückrolle 16 durch eine induktive
Kopiereinrichtung nach einer Kopierschablone und die Gegenrolle 17 von Hand über Hydraulikventile
bahngesteuert.
[0022] Es wurde weiterhin eine Tankhalbschale mit einem Öffnungsdurchmesser von 950mm hergestellt.
Als Ausgangsmaterial diente eine vorkonturierte Blechronde, deren Blechdicke in der
Nähe ihres Mittelpunktes 3,2mm und im übrigen, äußeren Randbereich 2,1mm betrug. Der
Übergang zwischen den beiden Wandstärkenbereichen war ausgerundet. Die Konturierung
erfolgte durch speziell für Titanlegierungen entwickelte Schleif- oder Drehbearbeitungsverfahren.
Diese vorkonturierte Blechronde wurde nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zu einer
Tankhalbschale mit einem Öffnungsdurchmesser von 950mm kalt und ohne Zwischenglühen
verformt. Dabei wurde auch das Material im Polbereich der Schale verformt und damit
gestreckt, so daß sich die Wandstärke im Pol auf 3,0mm reduzierte. Die Wandstärke
im Öffnungsbereich der Schale betrug 1,2mm. Zwischen der Schalenöffnung und dem Pol
verjüngte sich zunächst die Wandstärke auf 0,8mm und stieg dann kontinuierlich wieder
an. Der Dickensprung der vorkonturierten Blechronde wurde zwar etwas ausgeglichen,
war aber noch sichtbar. Auch diese Tankhalbschale zeigte nach der Verformung weder
Ermüdungsrisse noch Formdiskontinuitäten, wie Falten oder Beulen.
[0023] Durch eine geeignete Bahnsteuerung der Drückrollen können außer den beschriebenen
Schalen mit sich kontinuierlich ändernden Wandstärken auch Schalen mit einer nahzu
konstanten Wandstärke hergestellt werden.
[0024] In Abwandlung des beschriebenen und gezeichneten Ausführungsbeispieles können wie
bereits erwähnt, die Drückrollen auch nur zweiachsig linear bewegt werden, wenn größere
Herstellungstoleranzen erlaubt sind. Die Form und Größe der Drückrollen kann gemäß
der zu leistenden Verformungsarbeit verändert werden. Dabei können beide Drückrollen
die gleiche Form aufweisen. Unter Umständen kann anstelle der Blechronde auch ein
bereits vorgeformter Rohling eingesetzt werden.
1. Verfahren zum Verformen eines Blechrohlings (2') aus einem Werkstoff mit exponentialem
Zugspannungs-Dehnungs-Verhalten, insbesondere einer Titan-β-Legierung, zu einer dünnwandigen,
hohlen Schale (2), insbesondere mit einer Wandstärke zwischen 0,3 und 3mm, wobei der
Blechrohling (2') umfangsseitig eingespannt, um seine Mittellinie (6) rotierend gedreht
und zwischen einer ersten und einer zweiten, an gegenüberliegenden Seiten des Blechrohlings
(2') angreifenden, bahngesteuerten Drückrolle (16, 17) allein durch lokale Druckkräfte
zur Schale (2) kaltverformt wird, wobei die Relativgeschwindigkeit zwischen Werkstück
(2', 2) und Drückrollen (16, 17) und die von den Drückrollen (16, 17) auf das Werkstück
(2', 2) ausgeübte Kraft derart aufeinander abgestimmt werden, daß in das Werkstück
(2', 2) eingebrachte Zugkräfte unterhalb der Streckgrenze des Werkstoffes liegen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bahnsteuerung der Drückrollen (16, 17) wenigstens in zwei Richtungen (10a,
10b, 11a, 11b) erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Drückrollen (16, 17) beim Verformen vom Umfang des Werkstückes (2', 2) in
Richtung (16a, 17a) auf die Mittellinie (6) und zurück in einer sich im wesentlichen
durch die Mittellinie (6) erstreckenden Ebene bewegt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Drückrollen (16, 17) frei um ihre Rollenachse (16', 17') drehbar sind.
5. Vorrichtung zum Durchführen des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 4, gekennzeichnet durch eine ringförmig angeordnete Spanneinrichtung (3) zum Einspannen eines Umfangsbereichs
eines Blechrohlings (2'), einen Antrieb (7) zum rotierenden Antreiben der Spanneinrichtung
(3) um eine senkrecht zur Ebene des Blechrohlings (2') verlaufende Mittellinie (6),
eine erste an einer Seite der Spanneinrichtung (3) und eine zweite, an der anderen
Seite der Spanneinrichtung (3) angeordnete, bahngesteuerte Drückrolle (16, 17) und
eine Steuerung zum Bahnsteuern der Drückrollen (16, 17).
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Drückrollen (16, 17) wenigstens zwei Bewegungsrichtungen (10a, 10b, 11a,
11b) aufweisen.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Drückrollen (16, 17) wenigstens drei Bewegungsrichtungen (10a, 10b, 12a,
11a, 11b, 13a) aufweisen.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß jede der Drückrollen (16, 17) über einen um eine Drehachse (12', 13') bewegbaren
Arm (12, 13) auf einem Werkzeugträger (10, 11) angeordnet ist, der in zwei zueinander
senkrechten Richtungen (10a, 10b, 11a, 11b) parallel sowie quer zur Mittellinie (6)
linear verschiebbar ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Drückrollen (16, 17) über eine senkrecht zur Drehachse (12', 13') des Arms
(12, 13) verlaufende Rollenachse (16', 17') frei drehbar am Arm (12, 13) angeordnet
sind.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung eine CNC-Steuerung ist.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung eine Kopiersteuerung nach Schablonen enthält.