[0001] Die Erfindung betrifft ein rotationssymmetrisches Halbzeug, insbesondere aus Kupfer
oder Kupferlegierungen, mit über den Querschnitt variierenden Eigenschaften nach dem
Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. 2.
[0002] Aus dem Stand der Technik (etwa nach der DE-OS 4.105.420) sind für das Halbzeug nötige
Vorformen mit einer veränderlichen Legierungszusammensetzung und daraus resultierenden,
unterschiedlichen Eigenschaften bekannt. Die Herstellung kann nach dem sogenannten
Verfahren des "Sprühkompaktierens" erfolgen (vgl. bspw. GB-PS 1.379.261 und GB-PS
1.472.939), bei dem eine Metallschmelze durch einen Gasstrahl in einer geeigneten
Düse in Tröpfchen zerlegt und die Tröpfchen auf einer Unterlage wieder zu einem massiven
Körper gesammelt werden.
Nach der DE-OS 4.105.420 wird die anfängliche Vorform aus einer Legierung ohne vorhandene
modifizierende Zusätze hergestellt, indem die Metallschmelze auf einen rotierenden
Hohldorn versprüht wird. Die späteren Abschnitte der Vorform erhalten einen modifizierten
Legierungsgehalt, indem später in die Metallschmelze modifizierende Zusätze eingebracht
und mit der Schmelze versprüht werden.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Bandbreite der möglichen rotationssymmetrischen
Vorformen und die Möglichkeit der verschiedenen Eigenschaftskombinationen des Halbzeugs
zu vergrößern.
[0004] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Vorform aus einem Kern und
mindestens einer darumliegenden Außenschicht besteht und daß es sich bei den modifizierenden
Zusätzen um in der Metallmatrix nichtlösliche Partikel handelt, die entweder in den
Kern oder in die Außenschicht eingebracht sind.
[0005] Eine erfindungsgemäße Variante ist dadurch gekennzeichnet, daß die Vorform aus einem
Kern und mindestens einer darumliegenden Außenschicht besteht und daß es sich bei
den modifizierenden Zusätzen um in der Metallmatrix nichtlösliche Partikel handelt,
wobei verschiedenartige Partikel sowohl in den Kern als auch in die Außenschicht eingebracht
sind.
[0006] Es ist zwar beim Sprühkompaktieren bekannt, Dispersoidteilchen in den Tröpfchenstrahl
einzubringen (vgl. bspw. EPS 0.198.606), jedoch nicht in Verbindung mit einem Mehrschichtaufbau.
[0007] Nach einer besonderen Ausführungsform der Erfindung wird vorgeschlagen, daß als nichtlösliche
Partikel metallische Partikel aus Molybdän, Niob, Wolfram, Blei oder dergleichen vorzusehen
sind.
[0008] Nach einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden als nichtlösliche Partikel
nichtmetallische Oxid-, Karbid-, Borid-, Nitridteilchen oder dergleichen vorgesehen,
insbesondere Partikel aus Aluminiumoxid (Al₂O₃), Siliziumkarbid (SiC) oder Bornitrid
(BN). Die Partikel sind vorzugsweise an den Korngrenzen abgelagert.
[0009] Für die Vorstufe der Herstellung der rotationssymmetrischen Vorform für das Halbzeug
wird vorzugsweise das Verfahren des Sprühkompaktierens eingesetzt, bei dem Metallschmelze
durch einen Gasstrahl in einer Düse zu Tröpfchen zerstäubt und die Tröpfchen auf einem
rotierenden Substrat gesammelt werden. Erfindungsgemäß werden mindestens zwei gleichzeitig,
unabhängig voneinander arbeitende Düsen derart angeordnet, daß sich deren Tröpfchenstrahlen
überlappen und stirnseitig auf ein Substrat kreisförmigen Querschnitts gerichtet sind,
wobei nichtlösliche Partikel entweder in den ersten oder zweiten Tröpfchenstrahl oder
wobei verschiedenartige, nichtlösliche Partikel gleichzeitig in den ersten und zweiten
Tröpfchenstrahl injiziert werden.
[0010] Vorzugsweise werden durch mindestens eine Düse gleichzeitig nichtlösliche Partikel
sowie in der Metallmatrix merklich lösliche Partikel in den ersten bzw. zweiten Tröpfchenstrahl
bzw. in beide Tröpfchenstrahlen injiziert (beispielsweise nichtlösliche Bleipartikel
und lösliche Nickelpartikel in den Tröpfchenstrahl einer Kupferlegierung). Durch die
nachfolgende Warmumformung der Vorform tritt Legierungsbildung mit den löslichen Partikeln
ein, und es wird somit eine gezielte Eigenschaftsveränderung ermöglicht.
[0011] Nach dem beschriebenen Verfahren lassen sich bspw. folgende Kombinationen herstellen:
1. leitfähiger Kern (Kupfer), Außenschicht mit geringem Ausdehnungskoeffizienten (Kupfer-Niob),
2. duktiler Kern (Kupfer), hochfeste Außenschicht (Kupfer-Aluminiumoxid/Kupfer-Siliziumkarbid),
3. hochfester Kern (Kupfer-Aluminiumoxid/Kupfer-Siliziumkarbid), gutbearbeitbare Außenschicht
(Kupfer-Bornitrid),
4. hochfester Kern (Kupfer-Aluminiumoxid/Kupfer-Siliziumkarbid), Außenschicht mit
hoher elektrischer Leitfähigkeit (Kupfer),
5. bearbeitbarer Kern (Kupferlegierung-Bornitrid/Kupferlegierung-Blei/Kupferlegierung-Molybdänsulfid),
verschleißfeste Außenschicht (Kupferlegierung-Aluminiumoxid/Kupferlegierung-Siliziumkarbid),
6. leitfähiger Kern (Kupferlegierung), korrosionsbeständige, verschleißfeste Außenschicht
(Kupferlegierung-Nickel, Aluminiumoxid/Kupferlegierung-Nickel, Siliziumkarbid),
7. hochfester, leitfähiger Kern (Kupferlegierung-Aluminiumoxid/Kupferlegierung-Siliziumkarbid),
Außenschicht mit guten Gleiteigenschaften (Kupferlegierung-Grafit/Kupferlegierung-Blei/Kupferlegierung-Molybdänsulfid).
[0012] Die Erfindung wird anhand der folgenden Ausführungsbeispiele näher erläutert. Es
zeigt
Figur 1 die Herstellung einer zylindrischen Vorform und
Figur 2 die Anlagerung der modifizierenden Zusätze an den Korngrenzen.
[0013] In Figur 1 ist schematisch eine Sprühkompaktiervorrichtung zur Herstellung einer
zylindrischen Vorform 1 (Rundbolzen) dargestellt. Ein Schmelzevorrat (nicht dargestellt)
wird zwei Düsen 2, 3 zugeführt. Aus diesen Düsen 2, 3 treten zwei sich überlappende
Schmelzetröpfchenstrahlen 4, 5 aus, die stirnseitig auf ein rotierendes Substrat 6
kreisförmigen Querschnitts gerichtet sind. Auf dem Substrat 6 bzw. auf dem wachsenden
Rundbolzen 1 (der in Pfeilrichtung abziehbar ist) werden die Tröpfchenstrahlen 4,
5 wieder konsolidiert und zu einem massiven Block 1 verfestigt. Zusätzliche Düsen,
durch die Partikel in die Tröpfchenstrahlen 4, 5 injiziert werden können, sind durch
Ziffer 7, 8 angedeutet. In Figur 1 ist ebenfalls angedeutet, daß gleichzeitig unterschiedliche
Partikel (

, 0) in die Tröpfchenstrahlen 4, 5 injiziert werden. Die über den Radius des Rundbolzens
1 angedeutete Partikeldichte zeigt, daß ein Verbundbolzen 1 entsteht, welcher aus
einem Kern 9 und einer Außenschicht 10 mit unterschiedlichen Eigenschaften besteht.
Ein besonderer Vorteil des geschilderten Verfahrens besteht darin, daß der Übergang
des Kerns 9 zur Außenschicht 10 fließend erfolgt und in der Vorform 1 keine Trennfuge
vorhanden ist, wie etwa bei älteren Verfahren nach dem Stand der Technik (bspw. Walzplattieren,
pulvermetallurgische Herstellung). Hierdurch werden alle damit verbundenen Nachteile
wie Bindefehler an der Trennfuge, hoher Aufwand für Qualitätssicherung usw. vermieden.
Zahlenbeispiel:
[0014] Nach dem beschriebenen Sprühkompaktierverfahren wurde ein Rundbolzen 1 von 300 mm
Durchmesser hergestellt, dessen Kern 9 (Durchmesser: 220 mm) aus Kupfer und dessen
Außenschicht 10 (Breite: 40 mm) aus Kupfer und Aluminiumoxid bestand.
[0015] Bei der Verdüsung wurde ein Gas-Metall-Verhältnis von 0,6 (innen) bzw. 0,4 (außen)
gewählt.
Der Rundbolzen 1 wurde zu einer Stange von 62 mm Durchmesser verpreßt, wobei die Dicke
der Außenschicht 10 3 mm und der Durchmesser des Kerns 9 56 mm betrug.
[0016] Figur 2 zeigt in 500facher Vergrößerung die Anlagerung von Aluminiumoxid-Teilchen
an den Korngrenzen bei einer CuCrZr-Legierung, welche den Kern einer Vorform bildet.
1. Halbzeug, insbesondere aus Kupfer oder Kupferlegierungen, in Form von Stangen, Rohren,
Drähten oder Profilen, hergestellt aus einer rotationssymmetrischen Vorform (1) durch
Warm- und Kaltumformschritte,
wobei die Vorform (1) über den Querschnitt aus mindestens zwei Schichten (9, 10) aufgebaut
ist, die mittels modifizierender Zusätze unter Ausbildung einer fließenden Grenze
unterschiedliche Eigenschaften aufweisen,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Vorform (1) aus einem Kern (9) und mindestens einer darumliegenden Außenschicht
(10) besteht und
daß es sich bei den modifizierenden Zusätzen um in der Metallmatrix nichtlösliche
Partikel handelt, die entweder in den Kern (9) oder in die Außenschicht (10) eingebracht
sind.
2. Halbzeug, insbesondere aus Kupfer oder Kupferlegierungen, in Form von Stangen, Rohren,
Drähten oder Profilen, hergestellt aus einer rotationssymmetrischen Vorform (1) durch
Warm- und Kaltumformschritte,
wobei die Vorform (1) über den Querschnitt aus mindestens zwei Schichten (9, 10) aufgebaut
ist, die mittels modifizierender Zusätze unter Ausbildung einer fließenden Grenze
unterschiedliche Eigenschaften aufweisen,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Vorform (1) aus einem Kern (9) und mindestens einer darumliegenden Außenschicht
(10) besteht und
daß es sich bei den modifizierenden Zusätzen um in der Metallmatrix nichtlösliche
Partikel handelt,
wobei verschiedenartige Partikel sowohl in den Kern (9) als auch in die Außenschicht
(10) eingebracht sind.
3. Halbzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß als nichtlösliche Partikel metallische Partikel aus Molybdän, Niob, Wolfram, Blei
oder dergleichen vorgesehen sind.
4. Halbzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß als nichtlösliche Partikel nichtmetallische Oxid-, Nitrid-, Karbid-, Boridteilchen
oder dergleichen vorgesehen sind.
5. Halbzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
daß Partikel aus Aluminiumoxid (Al₂O₃), Siliziumkarbid (SiC) oder Bornitrid (BN) vorgesehen
sind.
6. Halbzeug nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 - 5, dadurch gekennzeichnet,
daß die Partikel an den Korngrenzen abgelagert sind.
7. Verfahren zur Herstellung der rotationssymmetrischen Vorform (1) für das Halbzeug
nach den Ansprüchen 1 - 6 durch Sprühkompaktieren, bei dem Metallschmelze durch einen
Gasstrahl in einer Düse zu Tröpfchen zerstäubt und die Tröpfchen auf einem rotierenden
Substrat (6) gesammelt werden, dadurch gekennzeichnet,
daß mindestens zwei gleichzeitig, unabhängig voneinander arbeitende Düsen (2, 3) derart
angeordnet werden, daß sich deren Tröpfchenstrahlen (4, 5) überlappen und stirnseitig
auf ein Substrat (6) kreisförmigen Querschnitts gerichtet sind,
wobei nichtlösliche Partikel entweder in den ersten oder zweiten Tröpfchenstrahl (4
oder 5) oder
wobei verschiedenartige, nichtlösliche Partikel gleichzeitig in den ersten und zweiten
Tröpfchenstrahl (4, 5) injiziert werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet,
daß durch mindestens eine Düse (2 oder 3) gleichzeitig nichtlösliche Partikel sowie
in der Metallmatrix merklich lösliche Partikel in den ersten bzw. zweiten Tröpfchenstrahl
(4 bzw. 5) bzw. in beide Tröpfchenstrahlen (4, 5) injiziert werden.