[0001] Die Erfindung betrifft einen Stuhl, insbesondere Bürostuhl, mit einer in ihrer Neigungslage
zu einer Sitzfläche stufenlos verstellbaren und in eine ihrer Endstellungen vorgespannten
Rückenlehne, die in ihren Neigungslagen durch eine Reibschluß-Lamellenkupplung gehalten
ist, die mindestens eine auf die Lamellen einwirkende Spannfeder aufweist und die
mittels eines unterhalb der Sitzfläche angeordneten Griffhebels betätigbar ist, wobei
die mindestens eine Spannfeder konzentrisch auf einem axial verstellbaren, durch Schlitze
in den Kupplungslamellen hindurchgeführten Lagerbolzen angeordnet ist, der ein Widerlager
für die Spannfeder bildet.
[0002] Reibschluß-Lamellenkupplungen für die Rückenlehnen von Bürostühlen sind bereits in
verschiedenen Ausführungsformen bekannt. Bei den meisten vorbekannten Konstruktionen,
beispielsweise nach der GB-PS 401 718, wird die Lamellenkupplung vom Stuhlbenutzer
mittels einer Schraubmutter betätigt, mit dem Nachteil, daß die Stärke des Reibschlusses
von der Drehstellung einer Spannmutter und damit letztlich von der Kraft einer Bedienungsperson
abhängt. Eine Konstruktion mit den vorstehend genannten Merkmalen und mit einem von
der Kraft eines Stuhlbenutzers unabhängigen Reibschluß der Lamellenkupplung ist durch
die DE-PS 29 27 377 bekannt. Diese Konstruktion berücksichtigt jedoch nicht die bei
modernen Bürostühlen bestehende Forderung nach einem kompakten Aufbau und der Möglichkeit,
daß ein Stuhlbenutzer mit der Rückenlehne frei wippen kann, ohne daß er dabei dauernd
einen Hebel betätigen muß.
[0003] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, einen Stuhl mit den eingangs genannten
Merkmalen einer Einrichtung zur Neigungsverstellung der Rückenlehne so auszubilden,
daß die Verstelleinrichtung einen kompakten Aufbau mit wenig Einzelteilen bei wahlweiser
Verriegelung oder Freigabe der Rückenlehne erlaubt.
[0004] Die gestellte Aufgabe wird mit der genannten Einrichtung erfindungsgemäß dadurch
gelöst, daß der Griffhebel mit einem Auslösenocken verbunden ist, der auf ein mit
dem axial verstellbaren Lagerbolzen gekoppeltes Kulissenteil einwirkt, das eine Rastausnehmung
für den Auslösenocken mindestens in einer seiner Endstellungen aufweist. Vorteilhafterweise
kann der mit dem Griffhebel verbundene Auslösenocken um eine feste Achse verschwenkbar
sein und gegen eine profilierte Fläche des Kulissenteiles anliegen, das als mit dem
axial verstellbaren Lagerbolzen in beiden Richtungen in Mitnahmeverbindung stehender,
um eine feste Achse verschwenkbare Kipphebel ausgebildet sein kann.
[0005] Durch das Zusammenwirken eines Auslösenockens mit einem Kulissenteil, also einer
insbesondere durch eine profilierte Fläche eines Kulissenteiles gebildeten Kurvenbahn
wird bei dem erfindungsgemäß ausgebildeten Stuhl sowohl die Betätigung der Reibschluß-Lamellenkupplung
als auch ihre Verriegelung in ihrer Freigabestellung oder ihrer Kupplungsstellung
allein durch diese beiden Teile, den Auslösenocken und das Kulissenteil, ohne zusätzliche
Sicherungsteile, erreicht. Dadurch wird ein raumsparender, kompakter Aufbau der Reibschluß-Lamellenkupplung
und ihres Betätigungsteiles möglich.
[0006] Vorteilhafterweise kann der verschwenkbare Auslösenocken eine Rastnase aufweisen,
die in beiden Endstellungen des Auslösenockens jeweils in eine Rastausnehmung der
profilierten Anlagefläche des Kipphebels paßt, die zwischen ihren Rastausnehmungen
eine schräge, zur Kippbewegung des Kipphebels führende Aufgleitfläche aufweist. Dabei
läßt sich der Auslösenocken in seinen beiden Schwenkrichtungen immer in Anlage gegen
den Kipphebel halten, der durch seine Mitnahmekoppelung mit dem Lagerbolzen der Einwirkung
der Spannfeder - wenn auch mit wechselnder Federkraft - ausgesetzt bleibt. Dadurch
kann das Schwenklager des Kipphebels auch als offenes Lager ausgebildet sein, zweckmäßig
aus einer Lager-Halbschale bestehen, in welche der Kipphebel mit einem einen Teilkreisquerschnitt
aufweisenden Lagervorsprung passend eingreift. Das nachträgliche Ausbilden von Lagerbohrungen
und die Verwendung eines gesonderten Lagerbolzens können also entfallen. Die Konstruktion
gemäß der Erfindung erlaubt eine Fertigung der wenigen Einzelteile in ihrer Endform,
ganz oder weitgehend ohne eine Nachbearbeitung dieser Teile.
[0007] Ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäß ausgebildeten Einrichtung zur stufenlosen
Verstellung der Neigungslage der Rückenlehne eines Bürostuhles wird nachfolgend anhand
der beiliegenden Zeichnung näher erläutert.
[0008] Im einzelnen zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung der Neigungslagen-Verstelleinrichtung für einen Rückenlehnenträger,
auf die erfindungswesentlichen Teile beschränkt;
- Fig. 2
- eine gegenüber Fig. 1 vergrößerte Schnittdarstellung entlang der Linie II-II in Fig.
1 durch die Reibschluß-Lamellenkupplung und ihre Betätigungsteile;
- Fig. 3
- eine der Fig. 2 entsprechende Schnittdarstellung mit den Betätigungsteilen in der
Freigabestellung der Lamellenkupplung.
[0009] Fig. 1 zeigt von einem Stuhlgestell einen Teil einer Sitzträgerplatte 10 und eine
mit der Sitzträgerplatte verbundene vertikale Lagerplatte 11 sowie eine horizontale
Montageplatte 12 des Sitzträgerteiles des Stuhlgestelles. Außerdem ist von einem Rückenlehnenträger
ein Tragarm 13 ersichtlich, dem bei der dargestellten Konstruktion ein zweiter, gleicher,
parallel mit Abstand von ihm verlaufender, nicht dargestellter Tragarm beigeordnet
ist. Beide Tragarme sind um eine in der Lagerplatte 11 angeordnete Schwenkachse 14
um einen begrenzten, an einem Langloch 15 der Lagerplatte 11 ersichtlichen Winkelbereich
verschwenkbar und in diesem Verschwenkbereich stufenlos feststellbar gelagert. Die
Fixierung der Neigungslage der Tragarme 13 des Rückenlehnenträgers gegenüber der Lagerplatte
11 wird mittels einer allgemein mit der Bezugsziffer 16 bezeichneten Reibschluß-Lamellenkupplung
bewirkt, deren erfindungswesentliche Teile nachfolgend in Verbindung mit den Schnittbildern
der Fig. 2 und 3 beschrieben werden. Fig. 1 zeigt, daß lange Lamellen 17 der Lamellenkupplung
ebenfalls auf der Schwenkachse 14 für die Tragarme 13 gelagert sind und mit ihren
aus der Kupplung 16 herausragenden Enden durch eine Stange 18 miteinander verbunden
sind, die durch das bereits erwähnte, die Neigungsverstellung begrenzende Langloch
15 in der Lagerplatte 11 hindurchragt. An der Stange 18 greift eine auf die Schwenkachse
14 aufgeschobene Schraubentorsionsfeder 19 mit ihrem einen Federende 19.1 an. Das
andere Federende 19.2 ist auf der Montageplatte 12 abgestützt. Die Schraubentorsionsfeder
19 bewirkt über die Stange 18 eine Vorspannung der Tragarme 13 in eine vordere Endstellung
des Rückenlehnenträgers mit seinen Tragarmen 13, die in Fig. 1 dargestellt ist.
[0010] Wie die Schnittbilder der Fig. 2 und 3 zeigen, sind die langen Lamellen 17 mit nicht
dargestellten großen Öffnungen 17.1 unter bekannter Zwischenlage von kurzen Lamellen
20 über einen Lagerbolzen 21 geschoben, der in einem auf der Montageplatte 12 befestigten
Kupplungsgehäuse 22 axial verschiebbar gelagert ist. Das Lamellenpaket 17/20 der Lamellenkupplung
liegt einerseits an einer festen Wandung 23 des Kupplungsgehäuses 22 an und wird anderseits
durch eine ebenfalls auf den Lagerbolzen 21 aufgeschobene Druckscheibe 24 begrenzt,
die gleichzeitig in einer Lageröffnung 25 des Lagergehäuses 22 geführt ist. An die
Außenseite der Druckscheibe 24 schließen sich Tellerfedern 26 an - hier vier Tellerfedern
- die ebenfalls auf den Lagerbolzen 21 aufgeschoben sind und deren anderes Widerlager
durch eine verspannbare Schraubmutter 27 gebildet ist, die auf ein Gewindeende 21.1
des Lagerbolzens 21 aufgeschraubt ist.
[0011] Das andere, ebenfalls aus dem Kupplungsgehäuse 22 hinausragende Ende 21.2 des Lagerbolzens
21 ist über einen Mitnehmer-Querbolzen 28 mit einem plattenförmigen Kipphebel 29 gekoppelt,
dessen Plattenform am besten aus Fig. 1 ersichtlich ist, die auch eine Nut 30 des
Kipphebels 29 zeigt, in welche der Mitnahme-Querbolzen 28 eingreift. Der in seinem
Mittelteil mit dem Lagerbolzen 21 gekoppelte Kipphebel 29 ist an seinem unteren Ende
mit einem vorspringenden Steg 31 mit halbkreisförmigem Querschnitt versehen, der in
eine an dem Kupplungsgehäuse 22 ausgebildete Lagernut 32 passend eingreift. Steg 31
und Lagernut 32 bilden die Schwenklagerstelle für den Kipphebel 29, der im Bereich
seines anderen Endes mit einer profilierten Kulissenfläche 33 versehen ist, die mit
der Rastnase 34 eines Auslösenockens 35 zusammenwirkt. Der Auslösenocken 35 ist in
dem Kupplungsgehäuse 22 um eine Achse 36 verschwenkbar gelagert und ist über einen
aus Übersichtlichkeitsgründen nicht dargestellten Hebelmechanismus mit einem unterhalb
des Stuhlsitzes im Griffbereich eines Stuhlbenutzers angeordneten Griffhebel verbunden.
[0012] Die Kulissenfläche 33 ist zum freien Ende des Kipphebels 29 hin durch einen Anschlagsteg
33.1 begrenzt. An diesen Steg schließt sich eine erste Rastfläche 33.2 an, auf welche
eine schräge Aufgleitfläche 33.3 folgt. Die Kulissenfläche endet schließlich mit einer
zweiten Rastfläche 33.4.
[0013] Die Fig. 1 und 2 zeigen den Auslösenocken 35 in einer Stellung, in welcher die Lamellenkupplung
im Reibschluß ihrer Lamellen 17, 20 steht. Die Rastnase 34 des Auslösenockens 35 liegt
dabei selbsthemmend an der Rastfläche 33.4 des Kipphebels 29, der im Uhrzeigersinne
um seine Lagerstelle 31/32 verschwenkt ist und dabei den Lagerbolzen 21 in der Zeichnung
nach rechts axialverschoben hat. Dadurch sind die Tellerfedern 26 zusammengepreßt
worden und üben über die Spannplatte 24 einen den Reibschluß bewirkenden Spanndruck
auf die Lamellen 17, 20 der Lamellenkupplung 16 aus.
[0014] Durch Kraftanwendung auf den nicht dargestellten und mit dem Auslösenocken 35 verbundenen
Griffhebel läßt sich zum Lösen der Lamellenkupplung der Rastnocken 34 von der Rastfläche
33.4 des Kipphebels 29 lösen, so daß er entlang der Kulissenfläche 33 des unter der
Spannung der Tellerfedern 26 stehenden Kipphebels 29 bis in eine Anlage gegen die
erste Rastfläche 33.2 der Kulissenfläche 33 des Kipphebels 29 gleitet. Hierbei kann
sich der Lagerbolzen 21 bis zu einer Entspannung der Tellerfedern 26 und dadurch dem
Lösen des Reibschlusses der Lamellen in der Zeichnung nach links zurückbewegen.
1. Stuhl, insbesondere Bürostuhl, mit einer in ihrer Neigungslage zu einer Sitzfläche
stufenlos verstellbaren und in eine ihrer Endstellungen vorgespannten Rückenlehne,
die in ihren Neigungslagen durch eine Reibschluß-Lamellenkupplung gehalten ist, die
mindestens eine auf die Lamellen einwirkende Spannfeder aufweist und die mittels eines
unterhalb der Sitzfläche angeordneten Griffhebels betätigbar ist, wobei die mindestens
eine Spannfeder konzentrisch auf einem axial verstellbaren, durch Schlitze in den
Kupplungslamellen hindurchgeführten Lagerbolzen angeordnet ist, der ein Widerlager
für die Spannfeder bildet, dadurch gekennzeichnet, daß der Griffhebel mit einem Auslösenocken
(35) verbunden ist, der auf ein mit dem axial verstellbaren Lagerbolzen (21) gekoppeltes
Kulissenteil (29) einwirkt, das eine Rastausnehmung für den Auslösenocken (35) mindestens
in einer seiner Endstellungen aufweist.
2. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der mit dem Griffhebel verbundene
Auslösenocken (35) um eine feste Achse (36) verschwenkbar ist und gegen eine profilierte
Fläche (33) des Kulissenteiles anliegt, das als mit dem axial verstellbaren Lagerbolzen
(21) in Mitnahmeverbindung stehender, um eine feste Achse (31/32) verschwenkbarer
Kipphebel (29) ausgebildet ist.
3. Stuhl nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Kipphebel (29) an seinem
einen Ende gelagert ist, an seinem anderen Endbereich mit der profilierten Anlagefläche
(33) für den Auslösenocken (35) versehen ist und zwischen seinen beiden Enden seine
Mitnahmeverbindungsstelle (Mitnehmer-Querbolzen 28) mit dem axial verstellbaren Lagerbolzen
(21) aufweist.
4. Stuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der verschwenkbare
Auslösenocken (35) eine Rastnase (34) aufweist, die in beiden Endstellungen des Auslösenockens
jeweils selbsthemmend mit einer Rastfläche (33.2, 33.4) der profilierten Anlagefläche
(33) des Kipphebels (29) zusammenwirkt, die zwischen ihren Rastflächen (33.2, 33.4)
eine schräge, zur Kippbewegung des Kipphebels (29) führende Aufgleitfläche (33.3)
aufweist.
5. Stuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Schwenklager
des Kipphebels (29) aus einer offenen Lagerschale (Nut 32) besteht, in welche der
Kipphebel (29) mit einem einen Teilkreisquerschnitt aufweisenden Lagervorsprung (Steg
31) passend eingreift.