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EP 0 412 174 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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02.11.1994 Patentblatt 1994/44 |
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Anmeldetag: 05.08.1989 |
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Herstellung von im Bohrlochverlauf vorgegebenen Bohrungen
Production of bore holes in a given direction
Fabrication de trous de forage d'une direction donnée
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE DE GB |
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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13.02.1991 Patentblatt 1991/07 |
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Patentinhaber: Bohrgesellschaft Rhein-Ruhr
mbH |
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45701 Herten (DE) |
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Erfinder: |
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- Sparenberg, Heinrich
D-4224 Hünxe 2 (DE)
- Köhler, Theo
D-4300 Essen 11 (DE)
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Vertreter: Masch, Karl Gerhard, Dr. et al |
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Patentanwälte,
Andrejewski, Honke & Partner,
Postfach 10 02 54 45002 Essen 45002 Essen (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
CH-A- 459 930 US-A- 2 894 722 US-A- 3 635 295
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US-A- 2 885 182 US-A- 3 241 624 US-A- 3 945 444
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer Bohrung mit vorgegebenem
Bohrlochverlauf unter Einsatz eines an einem Bohrgestänge angeordneten Vollbohrwerkzeuges,
wobei von Zeit zu Zeit der Istverlauf der Bohrung an der Bohrlochsohle gemessen wird,
indem das Vollbohrwerkzeug um ein vorgegebenes Maß zurückgezogen wird und eine Meßanordnung
mit Neigungs- und Richtungsfühler in das Bohrgestänge eingelassen sowie im Vollbohrwerkzeug
mit zur Bohrlochsohle vorstehendem Neigungs- und Richtungsfühler verankert wird, und
wobei nach Entfernen der Meßanordnung unter in Richtung des Sollverlaufs der Bohrung
wirkenden Bohrbedingungen weitergebohrt wird.
[0002] Bei einem bekannten Verfahren der genannten Art (US-A-2 894 722) wird zunächst mit
einem Bohrstrang gearbeitet, dessen Vollbohrwerkzeug einen der Bohrung entsprechenden
Durchmesser aufweist. Nach einer bestimmten Zeit wird dieser Bohrstrang gezogen und
durch einen anderen Bohrstrang ersetzt, dessen Vollbohrwerkzeug einen kleineren Durchmesser
aufweist und mit einem in Umfangsrichtung an- und abkuppelbaren Ablenkungsschuh versehen
ist. Mit diesem zweiten Bohrstrang wird nun eine Erweiterungsbohrung mit reduziertem
Durchmesser gebohrt. Anschließend wird der Bohrungsverlauf gemessen, indem der Bohrstrang
zurückgezogen und die Meßanordnung unter Beseiteschwenken eines Zentralmeißels durch
das Vollbohrwerkzeug hindurch in Meßposition gebracht wird. Nach entsprechender Einstellung
der Winkelposition des Ablenkungsschuhs, für die das Bohren mit unterschiedlichen
Durchmessern zwingend ist, wenn man nicht für jede Neueinstellung den Bohrstrang vollständig
ziehen will, wird weitergebohrt, bis der gewünschte Verlauf der Erweiterungsbohrung
erreicht ist. Daraufhin werden die Bohrstränge erneut getauscht, dieses Verfahren
ist umständlich und verhältnismäßig ungenau, weil die Messung des Bohrlochverlaufes
bei radial nicht fixiertem Werkzeug bzw. mit erheblichem Abstand von der Bohrlochsohle
erfolgt. Hinzu kommt, daß beim erneuten Bohren mit dem zuerst eingesetzten Bohrstrang
nicht sichergestellt ist, daß der Verlauf der erweiterten Bohrung dem Verlauf der
zuvor gebohrten Erweiterungsbohrung entspricht. Alles das dürfte auch der Grund dafür
sein, daß dieses bekannte Verfahren in der Praxis bisher keinen Eingang gefunden hat.
[0003] Bekannt (US-A-3 241 624) ist zwar auch ein Vollbohrwerkzeug aus Außenhülse und darin
lösbar befestigtem, durch das Bohrgestänge hindurch entfernbaren Mittelmeißel. Dieser
Aufbau hat aber mit dem Ist- und Sollverlauf der jeweiligen Bohrung nichts zu tun.
Der Mittelmeißel wird nämlich entfernt, um durch die Außenhülse hindurch eine Probe
von der Bohrlochsohle nehmen zu können.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, anzugeben, wie man im Rahmen der eingangs
genannten Maßnahmen wesentlich schneller und einfacher als bisher zu Bohrungen mit
vorgegebenem Bohrverlauf kommt.
[0005] Hierzu lehrt die vorliegende Erfindung, daß als Vollbohrwerkzeug ein solches aus
Außenhülse und darin lösbar befestigtem, nach Lösen durch das Bohrgestänge hindurch
entfernbaren und gegen die Meßanordnung austauschbaren Mittelmeißel verwendet wird
und bei Abweichung des Istverlaufs der Bohrung vom Sollverlauf mit geänderter Drehzahl,
geändertem Andruck, geänderter Spülungsmenge und/oder mit einem anderen Mittelmeißel
aus einem Satz von Mittelmeißeln mit unterschiedlicher Schneid- und/oder Spülwirkung
weitergebohrt wird.
[0006] Die Erfindung geht hierbei von der Erkenntnis aus, daß die Verwendung des bekannten
zweiteiligen Vollbohrwerkzeuges im Zuge der Herstellung von Bohrungen überraschenderweise
eine wesentlich größere Annäherung des Istverlaufs der Bohrung an deren Sollverlauf
ermöglicht, weil der Istverlauf nach Entfernen des Mittelmeißels im Bereich der Bohrsohle
gemessen werden kann und damit eindeutige Aussagen über die zu treffenden Maßnahmen
für das Weiterbohren gemacht werden können. Wie die Praxis gezeigt hat, können Bohrungen
jetzt wesentlich schneller und kostengünstiger hergestellt werden. Vorteilhaft ist
auch, daß ohne Ziehen des Vollbohrgestänges ein Kernbohren, insbesondere Seilkernbohren,
durch die Außenhülse hindurch möglich ist, was zur Beschleunigung der Exploration
ebenfalls beiträgt.
[0007] Für die weitere Ausgestaltung bestehen im Rahmen der Erfindung mehrere Möglichkeiten.
So ist die Außenhülse des Vollbohrwerkzeuges vorzugsweise als Stabilicer ausgebildet,
d. h. an ihrer Außenseite mit schräg verlaufenden Stegen versehen. Der Mittelmeißel
kann mit Hilfe der Spülungsflüssigkeit entfernbar sein; vorteilhafter ist es jedoch,
wenn der Mittelmeißel mit einem Seil aus der Außenhülse und durch das Bohrgestänge
herausgezogen wird.
[0008] Im folgenden wird die Erfindung anhand einer Zeichnung erläutert. Es zeigen in schematischer
Darstellung
- Fig. 1
- ein Bohrgestänge und Vollbohrwerkzeug in einem Bohrloch,
- Fig. 2
- einen Längsschnitt durch das Vollbohrwerkzeug gemäß Fig. 1.
[0009] Das dargestellte Vollbohrwerkzeug 1 ist an einem Übertage drehend antreibbaren Bohrgestänge
2 befestigt und besteht aus einer Außenhülse 3 sowie einem darin lösbar befestigten,
nach Lösen durch das Bohrgestänge 2 hindurch entfernbaren Mittelmeißel 4. Die Befestigung
des Mittelmeißels 4 in der Außenhülse 3 bedarf im einzelnen nicht der Beschreibung,
da entsprechende Befestigungsmaßnahmen 5 im Stand der Technik hinreichend bekannt
sind. Die Außenhülse 3 ist jedenfalls als Stabilicer ausgebildet, wozu außenseitig
schräg verlaufende Stege 6 vorgesehen sind. Der Mittelmeißel 4 ist mit einem Seil
7 aus der Außenhülse 3 und durch das Bohrgestänge hindurch nach Übertage herausziehbar,
was in Fig. 1 lediglich angedeutet ist.
[0010] Zum Herstellen einer im Bohrlochverlauf vorgegebenen Bohrung wird von Zeit zu Zeit
das Bohren unterbrochen, das Vollbohrwerkzeug 1 mit dem Bohrgestänge 2 um ein bestimmtes
Maß zurückgezogen, der Mittelmeißel 4 herausgezogen und eine in den Figuren nicht
dargestellte Meßanordnung in das Bohrgestänge 2 eingelassen, welche sich in der Außenhülse
3 verankert und einen dann zur Bohrsohle 8 hin vorstehenden Neigungs- und Richtungsfühler
aufweist. Mit dieser Meßanordnung wird der Istverlauf der Bohrung im Bereich der Bohrlochsohle
8 gemessen. Je nach Abweichung vom Sollverlauf wird mit in Richtung des Sollverlaufs
wirkenden Bohrbedingungen weitergebohrt. Es können dieselben oder aber auch geänderte
Bohrbedingungen sein. Letztere können z. B. durch Verwendung eines anderen Mittelmeißels
4 aus einem Satz verschiedener Mittelmeißel mit unterschiedlicher Schneid- und/oder
Spülwirkung erreicht werden.
1. Verfahren zum Herstellen einer Bohrung mit vorgegebenem Bohrlochverlauf unter Einsatz
eines an einem Bohrgestänge (2) angeordneten Vollbohrwerkzeuges (1), wobei von Zeit
zu Zeit der Istverlauf der Bohrung an der Bohrlochsohle (8) gemessen wird, indem das
Vollbohrwerkzeug (1) um ein vorgegebenes Maß zurückgezogen wird und eine Meßanordnung
mit Neigungs- und Richtungsfühler in das Bohrgestänge (2) eingelassen sowie im Vollbohrwerkzeug
(1) mit zur Bohrlochsohle (8) vorstehendem Neigungs- und Richtungsfühler verankert
wird, und wobei nach Entfernen der Meßanordnung unter in Richtung des Sollverlaufs
der Bohrung wirkenden Bohrbedingungen weitergebohrt wird, dadurch gekennzeichnet, daß als Vollbohrwerkzeug (1) ein solches aus Außenhülse (3) und darin lösbar befestigtem,
durch das Bohrgestänge (2) hindurch entfernbaren und gegen die Meßanordnung austauschbaren
Mittelmeißel (4) verwendet wird und bei Abweichung des Istverlaufs der Bohrung vom
Sollverlauf mit geänderter Drehzahl, geändertem Andruck, geänderter Spülungsmenge
und/oder mit einem anderen Mittelmeißel (4) aus einem Satz von Mittelmeißeln (4) mit
unterschiedlicher Schneid- und/oder Spülwirkung weitergebohrt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Außenhülse (3) als Stabilicer
ausgebildet ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Mittelmeißel (4)
mit einem Seil (7) aus der Außenhülse (3) und durch das Bohrgestänge (2) herausgezogen
wird.
1. A method of producing a drilling with a predetermined borehole course with the use
of a solid drilling tool (1) disposed on a drill column (2), wherein the actual course
of the drilling is measured from time to time at the borehole base (8) in that the
solid drilling tool (1) is withdrawn by a predetermined extent and a measuring arrangement
with a gradient- and direction sensor is admitted to the drill column (2) and is anchored
in the solid drilling tool (1) with the gradient- and direction sensor projecting
towards the borehole base (8), and wherein after removing the measuring arrangement
further drilling is effected under drilling conditions acting in the direction of
the scheduled course of the drilling, characterised in that a tool comprising an outer
sleeve (3) and a central cutter (4), which is detachably secured therein and which
can be removed through the drill column (2) and replaced by the measuring arrangement,
is used as the solid drilling tool (1), and when the actual course of the drilling
deviates from the scheduled course further drilling is effected at an altered rotational
speed, at an altered contact pressure, with an altered amount of drilling fluid and/or
with another central cutter (4) from a set of central cutters (4) with different cutting
and/or flushing effects.
2. A method according to claim 1, characterised in that the outer sleeve (3) is constructed
as a stabiliser.
3. A method according to claim 1 or 2, characterised in that the central cutter (4) is
withdrawn from the outer sleeve (3) and through the drill column (2) by means of a
cable (7).
1. Procédé de forage d'un trou selon un tracé prédéterminé par utilisation d'un outil
de forage plein (1) agencé sur un train de tiges de sondage (2), le tracé réel du
trou étant mesuré dans le fond du trou de forage de temps à autre en retirant l'outil
de forage plein (1) d'une distance prédéterminée et en introduisant un dispositif
de mesure comportant des capteurs d'inclinaison et de direction dans le train de tiges
de sondage (2) ainsi qu'en l'immobilisant dans l'outil de forage plein en sorte que
les capteurs d'inclinaison et de direction fassent saillie vers le fond du trou foré,
et le forage étant poursuivi, après retrait du dispositif de mesure, dans des conditions
de forage agissant sur la direction du tracé théorique du trou foré, caractérisé en
ce qu'on utilise comme outil de forage plein (1) un outil constitué d'un manchon externe
(3) et d'un trépan central (4) fixé de manière amovible à celui-ci, retirable à travers
le train de tiges de sondage (2) et échangeable avec le dispositif de mesure et, lors
d'un écart du tracé réel du trou vis-à-vis du tracé théorique, on continue le forage
en modifiant le nombre de tours, la pression d'application et la quantité de produit
de forage et/ou en choisissant un autre trépan central (4) parmi un ensemble de trépans
(4) ayant une action de coupe et/ou de forage différentes.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le manchon externe (3) se
présente sous la forme d'un stabilisateur.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le trépan central (4)
est retiré du manchon externe (3) à travers le train de tiges de sondage (2) par un
câble (7).
